Teilzeit arbeiten und neue Brückenteilzeit

Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht auf Teilzeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Arbeitnehmer hat grundsätzlich einen Anspruch darauf, Teilzeit zu arbeiten – und zwar nicht nur während der Elternzeit.
  • Dazu müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Das Arbeitsverhältnis besteht länger als sechs Monate, und der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter.
  • Arbeitgeber können einen Teilzeitwunsch nicht einfach ablehnen, sie müssen betriebliche Gründe dafür darlegen, in der Elternzeit sogar dringende betriebliche Gründe.
  • Wer Teilzeit arbeitet, verdient weniger. Wegen der steuerlichen Progression können einige Arbeitnehmer aber mehr Freizeit gewinnen, als sie an Nettolohn verlieren.
  • Ab Januar 2019 gibt es die sogenannte Brückenteilzeit: Arbeitnehmer haben dann das Recht, nach der Teilzeit wieder auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren.

So gehen Sie vor

  • Berechnen Sie zum Beispiel mit dem Teilzeitrechner des Bundesministeriums für Arbeit, wie es sich auf Ihr Nettogehalt auswirkt, wenn Sie weniger arbeiten.
  • Lassen Sie sich von der Rentenversicherung beraten, was eine Teilzeitarbeit für Ihre Rente bedeutet.
  • Wollen Sie statt Vollzeit künftig Teilzeit arbeiten, können Sie das einfach bei Ihrem Arbeitgeber beantragen. Verwenden Sie dazu unser Musterschreiben Antrag Teilzeit.
  • Lehnt der Arbeitgeber ab und verweist auf betriebliche Gründe, können Sie die Entscheidung durch das Arbeitsgericht überprüfen lassen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie über Ihre Rechte als Arbeitnehmer immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Es gibt viele vernünftige Gründe, warum jemand keine 40 Stunden in der Woche arbeiten möchte: mehr Zeit für die Familie, Weiterbildung oder ein ehrenamtliches Engagement. Teilzeitstellen werden aber selten ausgeschrieben, und wer sich auf eine Vollzeitstelle bewirbt und im Bewerbungsgespräch nach Teilzeit fragt, bekommt oft genug eine nett formulierte Absage.

Doch diese Haltung von Unternehmen verkennt, dass Teilzeitangestellte motivierter, produktiver und seltener krank sind – das ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Alles Faktoren, die Arbeitgeber bedenken sollten, bevor sie beim Thema Teilzeit gleich abwinken.

Welche Voraussetzungen gibt es für Teilzeitarbeit?

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch darauf, seine im Arbeitsvertrag festgelegte Arbeitszeit zu verringern – und zwar nicht nur während oder nach der Elternzeit. Das gilt auch für Arbeitnehmer in leitenden Positionen (§ 6 TzBfG). Ebenso können Minijobber, befristet Beschäftigte oder Mitarbeiter, die bereits in Teilzeit arbeiten, beantragen, weniger Stunden in der Woche zu arbeiten.

Zwei Voraussetzungen müssen für den Anspruch auf Teilzeit erfüllt sein:

1. Das Arbeitsverhältnis besteht länger als sechs Monate (§ 8 Abs. 1 TzBfG).
2. Der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter (§ 8 Abs. 7 TzBfG).

Ist das der Fall, müssen Sie dem Chef nur mitteilen, dass Sie die Arbeitszeit verringern möchten, wie viele Stunden Sie zukünftig arbeiten möchten und wie sie verteilt sein sollten. Das machen Sie am besten schriftlich und mindestens mit drei Monaten Vorlauf. Einen Grund müssen Sie nicht angeben. Es schadet aber sicher nicht, den Wunsch mit drei kurzen Sätzen zu begründen. Sie können dazu unser Musterschreiben Teilzeit verwenden.

Ist der Arbeitgeber einverstanden, muss er den Arbeitsvertrag entsprechend anpassen.

Falls der Chef den Teilzeitwunsch nicht spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn schriftlich ablehnt – eine E-Mail reicht nicht –, verringert sich automatisch die vereinbarte Arbeitszeit im gewünschten Umfang (§ 8 Abs. 5 Satz 2 TzBfG).

Wer schon einmal die Stunden reduziert hat, kann erst wieder nach dem Ablauf von zwei Jahren verlangen, noch weniger zu arbeiten. Auch falls der Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen wirksam abgelehnt hat, kann der Arbeitnehmer erst nach Ablauf dieser Karenzzeit einen neuen Antrag stellen (§ 8 Abs. 6 TzBfG).

Welche Auswirkungen hat Teilzeit auf mein Gehalt?

Wer seine Stunden reduziert, verdient weniger. Wer bislang mit 40 Wochenstunden auf 3.000 Euro brutto kommt, verdient mit 30 Stunden genau 750 Euro weniger. Wegen der Steuerprogression bekommen Sie aber netto etwa als kinderloser Arbeitnehmer mit Steuerklasse IV nur rund 380 Euro weniger ausgezahlt. Damit arbeiten Sie zwar 25 Prozent weniger, erleiden netto aber nur Einbußen von rund 20 Prozent. In bestimmten Konstellationen erhöhen Sie dadurch Ihren Netto-Stundenlohn.

Um die finanziellen Folgen besser abschätzen zu können, bietet das Bundesarbeitsministerium den Teilzeitrechner 2018 als App. Damit können Sie berechnen, wie sich Ihr Netto-Gehalt verändert, wenn Sie in Teilzeit arbeiten würden.

Verdienen Sie weniger, zahlen Sie auch weniger in die gesetzliche Rente ein. Bevor Sie die Arbeitszeit verringern, sollten Sie sich daher von der Rentenversicherung beraten lassen. Erkundigen Sie sich, welche Auswirkungen die Teilzeit auf Ihren Rentenanspruch hat.

Was tun, wenn der Arbeitgeber blockiert?

Hält Ihr Chef grundsätzlich nichts von Teilzeit und blockiert erst einmal, müssen Sie wissen, dass Sie rechtlich in einer guten Position sind. Das gilt für alle Berufsgruppen, auch bei qualifizierten Tätigkeiten und leitenden Positionen – und das betrifft Frauen und Männer. Einfach Nein sagen kann der Arbeitgeber nicht. Außerhalb der Elternzeit besteht für ihn die Pflicht, dem Teilzeitwunsch zuzustimmen, sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Das Gesetz nennt als Beispiele für betriebliche Gründe

  • eine wesentliche Beeinträchtigung der Organisation,
  • eine wesentliche Beeinträchtigung des Arbeitsablaufs,
  • eine wesentliche Beeinträchtigung der Sicherheit im Betrieb oder
  • das Entstehen unverhältnismäßig hoher Kosten für den Arbeitgeber.


Häufig lehnen Arbeitgeber den Wunsch nach Teilzeit ab, weil zum Beispiel Firmenkunden erwarten, dass sie während der gesamten betriebsüblichen Arbeitszeit einen festen Ansprechpartner haben, weil sich keine geeignete Ersatzkraft finden lasse oder weil der Einarbeitungsaufwand zu groß sei. Das muss der Arbeitgeber aber konkret belegen. Oft scheitert es schon daran, dass er kein nachvollziehbares, betriebliches Organisationskonzept vorlegt, aus dem sich ergibt, dass der Arbeitnehmer notwendigerweise 40 Stunden arbeiten muss.

Auch die Leitlinien des Bundesarbeitsgerichts machen es dem Arbeitgeber nicht leicht. Beschäftigt dieser in ähnlichen oder vergleichbaren Bereichen bereits eine Teilzeitkraft, kann er den Teilzeitwunsch in der Regel nicht ablehnen. In vielen Fällen lohnt es sich, in Ruhe mit dem Chef zu reden. Übrigens: Der Arbeitgeber kann den Antrag nicht einfach ablehnen. Der Gesetzgeber verpflichtet ihn, mit dem Arbeitnehmer zu verhandeln (§ 8 Abs. 3 TzBfG). Vielleicht einigen Sie sich dann ja auf eine 35- statt 30-Stunden-Woche, sofern Sie bislang 40 Stunden arbeiten.

Hat Ihre Firma Ihren Antrag auf Teilzeitarbeit abgelehnt, können Sie Ihren Anspruch vor dem Arbeitsgericht einklagen. Das Gericht prüft, ob die Ablehnung in diesem Einzelfall zu Recht erfolgt ist. Ihr Arbeitgeber muss darlegen und beweisen, dass er betriebliche Gründe für sein Nein hat.

Gibt es Nachteile, wenn ich Teilzeit arbeite?

Viele Arbeitnehmer befürchten, dass sie in Teilzeit weniger Geld verdienen als Kollegen in Vollzeit. Auch Aufstiegschancen sind oft genug bei Arbeitnehmern in Teilzeit begrenzt. Deshalb scheuen gerade Führungskräfte davor zurück, die Arbeitszeit zu reduzieren. Der Gesetzgeber sieht das anders: Wer Teilzeit arbeitet, darf deshalb nicht schlechter behandelt oder benachteiligt werden (§§ 4 Abs. 1, 5  TzBfG).

Beim Gehalt oder anderen Leistungen darf der Arbeitgeber grundsätzlich keine Unterschiede machen. Wer in Teilzeit arbeitet, muss deshalb denselben Stundenlohn bekommen und ein Gehalt, das der Arbeitgeber nur entsprechend der verringerten Arbeitszeit reduzieren darf.

Zahlt der Arbeitgeber Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, so haben auch Mitarbeiter in Teilzeit darauf einen Anspruch. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts darf der Arbeitgeber das Urlaubsgeld aber anteilig entsprechend der Arbeitszeit kürzen (BAG, Urteil vom 15. April 2003, Az. 9 AZR 548/01). Arbeitet jemand zum Beispiel 20 Stunden in der Woche, hat er zumindest Anspruch auf die Hälfte des Urlaubsgelds im Vergleich zu einem Kollegen, der Vollzeit arbeitet.

Auch Studenten, die regelmäßig in Teilzeit arbeiten, haben Anspruch auf bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Einhaltung des Kündigungsschutzes.

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Wie viel Urlaub steht mir zu, wenn ich Teilzeit arbeite?

In vielen Arbeitsverträgen auch für Mitarbeiter in Teilzeit steht zum Urlaubsanspruch, dass der Arbeitnehmer bei einer 5-Tage-Woche einen Jahresurlaub von zum Beispiel 30 Arbeitstagen im Kalenderjahr erhält. Dann kann es für den Mitarbeiter, der 20 Stunden in der Woche arbeitet, unklar sein, wie viele Urlaubstage ihm tatsächlich zustehen. Für die Anzahl der Urlaubstage ist entscheidend, an wie vielen Tagen der Mitarbeiter arbeitet.

Beispiel 1: Arbeitet ein Mitarbeiter an fünf Tagen in der Woche jeweils vier Stunden und hat ein Vollzeitbeschäftigter in der Firma 30 Tage Urlaub, so stehen dem in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter nicht etwa nur 15 Tage Urlaub zu, sondern ebenfalls 30 Tage. Der Urlaubsanspruch ist nur weniger wert. Will der Mitarbeiter in Teilzeit zwei Wochen in Urlaub gehen, beantragt er 10 Urlaubstage – so wie die Vollzeitangestellten auch.

Beispiel 2: Arbeitet ein Mitarbeiter an vier Tagen in der Woche jeweils fünf Stunden und hat ein Vollzeitbeschäftigter in der Firma 30 Tage Urlaub, so stehen dem in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter 24 Tage Urlaub zu (30 x 4 : 5 = 24 Urlaubstage). Will der Mitarbeiter in Teilzeit zwei Wochen in Urlaub gehen, beantragt er acht Urlaubstage. Für die restlichen zwei Tage muss er keinen Urlaub beantragen, da er an diesen Tagen ohnehin nicht zur Arbeit verpflichtet wäre. Er kann also die gesamten zwei Wochen verreisen.

Beispiel 3: Arbeitet ein Mitarbeiter an zwei Tagen in der Woche jeweils acht Stunden und an einem Tag vier Stunden bei einem Urlaubsanspruch von 30 Tagen für einen Mitarbeiter in Vollzeit, so stehen ihm 18 Tage Urlaub zu (30 x 3 : 5 = 18 Urlaubstage). Will der Mitarbeiter in Teilzeit zwei Wochen in Urlaub gehen, beantragt er sechs Urlaubstage und kann zwei Wochen ausspannen.

Von Teilzeit wieder zurück zur Vollzeit?

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit? Der Weg zurück oder erstmals in die Vollzeit war für Teilzeitbeschäftigte bisher nicht so einfach. Es gibt nämlich keinen Rechtsanspruch auf Verlängerung der Arbeitszeit. Wer wieder länger arbeiten will, kann das dem Arbeitgeber zwar anzeigen, dieser muss dem aber nicht zustimmen. Nur wenn eine freie Stelle zu besetzen ist, muss er den bisher in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigen (§ 9 TzBfG).

Besonders Frauen sind von dieser Teilzeitfalle betroffen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts arbeiten 72 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern auf Teilzeitbasis, wohingegen nur sechs Prozent der Väter aus familiären Gründen weniger arbeiten (Stand: März 2018).

Das Gesetz zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts soll das Risiko der Teilzeitfalle entschärfen. Ab dem 1. Januar 2019 wird es einen gesetzlichen Anspruch auf befristete Teilzeit geben. Mehr dazu lesen Sie weiter unten.

Teilzeitarbeit während der Elternzeit?

Während der Elternzeit sind Sie privilegiert. Sie bekommen meist Elterngeld und können leichter Teilzeit arbeiten. Es gelten besondere Regelungen aus dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (§ 15 BEEG).

Arbeiten mehr als 15 Beschäftigte bei Ihrem Arbeitgeber, haben Sie einen Rechtsanspruch auf Verringerung der Arbeitszeit zwischen 15 und 30 Stunden in der Woche. Dazu müssen Sie aber bereits mindestens sechs Monate beschäftigt sein. Die Anzeigefrist ist kürzer. Sie brauchen für den Zeitraum bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes Ihrem Chef erst sieben Wochen vorher schriftlich mitteilen, dass Sie nunmehr in Teilzeit arbeiten wollen. Nur wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen, kann der Arbeitgeber Ihren Wunsch ablehnen.

Sie haben zudem das Recht, auch nach der Elternzeit zu der Arbeitszeit zurückzukehren, die vor Beginn der Elternzeit vereinbart war. Das gibt es für Teilzeitbeschäftigte außerhalb der Elternzeit derzeit noch nicht.

Was bringt die neue Brückenteilzeit?

Der Bundestag hat am 18. Oktober 2018 den Gesetzesentwurf zur Brückenteilzeit beschlossen. Das Teilzeitbefristungsgesetz (TzBfG) wird dadurch um einen gesetzlichen Anspruch auf zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit erweitert (§ 9a TzBfG). Arbeitnehmer haben dann die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit für einen bestimmten Zeitraum zu reduzieren, um dann wieder zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit zurückzukehren. Die neuen Regelungen werden zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Von der neuen Brückenteilzeit profitieren Arbeitnehmer, die mindestens seit sechs Monaten bei Arbeitgebern tätig sind, die mehr als 45 Arbeitnehmer beschäftigen. Arbeiten Sie für ein kleineres Unternehmen, können Sie zwar Teilzeit beantragen, haben aber nach wie vor kein Recht auf Rückkehr zur Vollzeit.

Alle anderen können die Brückenteilzeit für mindestens ein oder höchstens fünf Jahre beantragen. Arbeitgeber dürfen solche Anträge allerdings ablehnen, falls bereits einer pro angefangene 15 Mitarbeiter sich in Brückenteilzeit befindet oder betriebliche Gründe entgegenstehen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.