Garantie und Gewährleistung

So unterscheiden sich Garantie und Gewährleistung

Daniel Pöhler
& Co-Autor
Stand: 07. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Gewährleistung ist gesetzlich garantiert und läuft 24 Monate bei Neuware. Sie deckt Schäden ab, die die Ware von Anfang an zumindest im Ansatz hatte.
  • Verbraucher können damit einen beschädigten Artikel in den ersten sechs Monaten problemlos beim Verkäufer reklamieren. Nach Ablauf von sechs Monaten muss der Käufer aber beweisen, dass der Schaden von Anfang an vorhanden war.
  • Die Garantie ist hingegen eine freiwillige Leistung des Herstellers (Herstellergarantie) oder des Händlers (Händlergarantie). Diese können Dauer und Bedingungen frei bestimmen. Die gesetzliche Gewährleistung bleibt daneben immer bestehen.
  • Wenn Sie etwas Gebrauchtes von einer Privatperson erwerben, darf der Verkäufer die Gewährleistungsrechte ausschließen. Kaufen Sie hingegen von einem Gebrauchthändler, haben Sie mindestens ein Jahr Gewährleistung.
So gehen Sie vor
  • Laufen sowohl Gewährleistung als auch Garantie noch, können Sie in der Regel wählen, nach welchem System Sie die Ware reklamieren möchten.
  • Defekte Ware sollten Sie am besten schriftlich reklamieren. Beschreiben Sie in einem Brief oder per E-Mail die aufgetretenen Mängel möglichst genau. Falls Sie die Ware im Laden zurückgeben, achten Sie darauf, dass die Mängel eindeutig notiert werden.
  • Im Gewährleistungsfall: Ist die Reparatur zweimal gescheitert oder hat der Händler das Produkt vergeblich ausgetauscht, können Sie in der Regel Ihr Geld zurückverlangen.

Egal ob das Smartphone plötzlich den Geist aufgibt oder der Esstisch verdächtig wackelt: Zeigt sich nach dem Kauf ein Defekt oder Mangel an einem Produkt, ist es wahrscheinlich ein Fall für Garantie oder Gewährleistung. Während der Händler zur gesetzlichen Gewährleistung verpflichtet ist, können sowohl Hersteller als auch Händler eine Garantie freiwillig und zusätzlich einräumen. Spätestens sobald Sie eine mangelhafte Ware reklamieren müssen, lohnt es sich, die Unterschiede zu kennen.

Was bedeuten Gewährleistung und Mängelhaftung?

Jeder Händler muss 24 Monate Gewährleistung (anderes Wort dafür: Mängelhaftung) auf Neuwaren und 12 Monate auf Gebrauchtwaren einräumen. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet, unter anderem durch die Paragrafen 439 und 476 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Die Gewährleistung deckt Mängel ab, die das Produkt bereits zum Zeitpunkt des Kaufs hatte. Stellen Sie einen Mangel fest, können Sie vom Händler verlangen, dass er das Produkt repariert oder anders nachbessert.

Wenn der Verkäufer der Ansicht ist, dass der Mangel erst nach dem Kauf entstanden ist, muss er das in den ersten sechs Monaten beweisen. Nach Ablauf von sechs Monaten kehrt sich die Beweislast allerdings um: Dann muss der Käufer beweisen, dass der Mangel bereits zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden hat. Weil das schwierig ist, sind Sie nach Ablauf von sechs Monaten meist auf die Kulanz des Händlers angewiesen.

Nur Privatpersonen können die Gewährleistung ausschließen

Für gebrauchte Ware gilt eine Gewährleistung von mindestens 12 Monaten, sofern Sie bei einem gewerblichen Händler kaufen. Wenn Sie etwas Gebrauchtes von einer Privatperson kaufen, sind Sie in einer rechtlich schlechteren Position als beim Kauf vom Händler. Haben Sie zum Beispiel bei Ebay etwas von privat ersteigert, hat der Verkäufer womöglich die Gewährleistungsrechte ausgeschlossen. Schauen Sie in den Verkaufstext. Finden Sie keine Angaben dazu, muss auch die Privatperson zwölf Monate für das verkaufte Produkt geradestehen.

Was bedeutet Garantie?

Die Garantie ist nicht gesetzlich geregelt. Sie ist eine freiwillige Leistung des Herstellers (Herstellergarantie). Auch einige Händler sind dazu übergegangen, freiwillige Garantien auszusprechen (Händlergarantie), zum Beispiel bei generalüberholten Gebrauchthandys. Bei der Garantie können Hersteller oder Händler selbst entscheiden, was die Garantie abdeckt und wie lange sie gilt. Oft wird garantiert, dass das Produkt ein bis zwei Jahre funktioniert, wenn der Kunde es normal benutzt. Dabei ist es egal, ob ein Mangel von Anfang an bestand oder erst später entstanden ist. Verschleißteile wie Akkus sind meist von der Garantie ausgenommen.

Unterschiede zwischen Gewährleistung und Garantie

 GewährleistungGarantie
Gesetzlich zugesichertjanein
Dauer bei Neuwaren24 Monateoft 12 bis 24 Monate
Dauer bei Gebrauchtwaren12 Monateu. U. Restgarantie gerechnet ab Erstkaufdatum
Beweislastumkehr (Neu- und Gebrauchtwaren)nach 6 Monatennicht zutreffend
Anspruch gegenüber …HändlerHersteller/Händler

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Juni 2019)

Worauf muss ich bei der Reklamation achten?

Laufen Gewährleistung und Garantie beide noch, können Käufer sich im Normalfall aussuchen, nach welchem System sie die Ware reklamieren möchten. Oft sieht eine Herstellergarantie zum Beispiel nur eine Reparatur vor, nicht aber, dass der Kunde das Geld zurückverlangen darf. Über die Gewährleistung dürfen sie allerdings vom Kaufvertrag zurücktreten, falls die Reparatur zweimal gescheitert ist oder der Händler das Produkt bereits vergeblich ausgetauscht hat.

Außerdem kennt die gesetzliche Gewährleistung keine „Verschleißteile“. Bei einer Garantie sind gerade solch anfällige Bestandteile oftmals ausgeschlossen. Lassen Sie sich nicht zu schnell mit dem Spruch abwimmeln, „der Defekt sei kein Garantiefall“. Dann reklamieren Sie es eben über die Gewährleistung. Viel zu häufig bemängeln die Verbraucherzentralen immer noch, dass Schäden fälschlicherweise auf den Kunden geschoben werden oder das Unwissen der Kunden von den Händlern ausgenutzt wird.

Wenn Sie vor Ort im Laden gekauft haben, kann die Abwicklung über die Gewährleistung komfortabler sein. Denn dann muss sich der Händler um die Reklamation kümmern. Somit müssen Sie den Artikel nicht selbst an den Hersteller schicken. Achten Sie bei der Rückgabe darauf, dass die Mängel eindeutig notiert werden.

Bei Online-Bestellungen sollten Sie defekte Ware am besten schriftlich reklamieren. Beschreiben Sie in einem Brief oder per E-Mail die aufgetretenen Mängel möglichst genau. Bei einem Gewährleistungsfall muss immer der Händler die Versandkosten übernehmen.

Fällt Ihnen beim Online-Shopping bereits in den ersten 14 Tagen etwas auf, das Ihnen an der Ware nicht passt, oder haben Sie es sich in der Zwischenzeit doch noch anders überlegt, können Sie auch den ganzen Kauf widerrufen und die Ware zurückschicken.

Autor
Daniel Pöhler
& Co-Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 07. Juni 2019


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