Käuferrechte

So unterscheiden sich Garantie und Gewährleistung

Daniel Pöhler
&Co-Autor
22. Dezember 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Käufer kannst Du zwei Jahre lang einen beschädigten Artikel reklamieren. Das sind Deine Gewährleistungsrechte nach dem Gesetz.
  • Die Garantie ist eine zusätzliche, freiwillige Leistung des Herstellers (Herstellergarantie) oder des Händlers (Händlergarantie). Diese können Dauer und Bedingungen frei bestimmen.
  • Kaufst Du etwas Gebrauchtes von einer Privatperson, darf der Verkäufer die Gewährleistungsrechte ausschließen. Kaufst Du bei einem Händler, hast Du mindestens ein Jahr Gewährleistung für gebrauchte Waren.
So gehst Du vor
  • Du kannst in der Regel wählen, nach welchem System Du die Ware reklamieren möchtest: Garantie oder Gewährleistung.
  • Defekte Ware solltest Du schriftlich reklamieren. Beschreibe die aufgetretenen Mängel möglichst genau.
  • Im Gewährleistungsfall: Ist die Reparatur zweimal gescheitert oder hat der Händler das Produkt vergeblich ausgetauscht, kannst Du Dein Geld zurückverlangen.

Egal ob Dein Smartphone plötzlich den Geist aufgibt oder der Esstisch verdächtig wackelt: Zeigt sich nach dem Kauf ein Defekt oder Mangel an einem Produkt, ist es wahrscheinlich ein Fall für Garantie oder Gewährleistung. Während der Händler zur gesetzlichen Gewährleistung verpflichtet ist, können sowohl Hersteller als auch Händler eine Garantie freiwillig und zusätzlich einräumen. Es lohnt sich, die Unterschiede zu kennen.

Was bedeuten Gewährleistung und Mängelhaftung?

Jeder Händler muss zwei Jahre Gewährleistung (auch Mängelhaftung genannt) auf Neuwaren und zwölf Monate auf Gebrauchtwaren einräumen. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet (§§ 437, 438 BGB). Die Gewährleistung deckt Mängel ab, die das Produkt bereits zum Zeitpunkt des Kaufs hatte. Stellst Du einen Mangel fest, kannst Du vom Händler verlangen, dass er das Produkt repariert oder nachbessert.

Ist der Verkäufer der Ansicht, der Mangel sei erst nach dem Kauf entstanden, muss er das in den ersten sechs Monaten beweisen. Nach Ablauf dieser Zeit kehrt sich die Beweislast um: Dann muss der Käufer beweisen, dass der Mangel bereits zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden hat. Weil das schwierig ist, bist Du nach Ablauf von sechs Monaten meist auf die Kulanz des Händlers angewiesen.

Nur Privatpersonen können Gewährleistung ausschließen

Für gebrauchte Ware gilt eine Gewährleistung von mindestens zwölf Monaten, aber nur, wenn Du bei einem gewerblichen Händler kaufst. Kaufst Du etwas Gebrauchtes von einer Privatperson, bist Du in einer rechtlich schlechteren Position. Hast Du zum Beispiel bei Ebay etwas von privat ersteigert, hat der Verkäufer womöglich die Gewährleistungsrechte ausgeschlossen. Schaue in den Verkaufstext. Findest Du keine Angaben dazu, muss auch die Privatperson zwölf Monate für das verkaufte Produkt geradestehen.

Was bedeutet Garantie?

Die Garantie ist nicht im Gesetz vorgesehen. Sie ist eine freiwillige Leistung des Herstellers (Herstellergarantie). Auch einige Händler sind dazu übergegangen, freiwillige Garantien auszusprechen (Händlergarantie), zum Beispiel bei generalüberholten Gebrauchthandys.

Bei der Garantie können Hersteller oder Händler selbst entscheiden, was die Garantie abdeckt und wie lange sie gilt. Oft wird garantiert, dass das Produkt ein bis zwei Jahre funktioniert, wenn der Kunde es normal benutzt. Willst Du in dieser Zeit einen Mangel reklamieren, dann ist es egal, ob er von Anfang an bestand oder erst später entstanden ist. Verschleißteile wie Akkus sind meist von der Garantie ausgenommen.

Unterschiede zwischen Gewährleistung und Garantie

 GewährleistungGarantie
Gesetzlich zugesichertjanein
Wann sie giltbei Sachmängeln, nicht bei selbstverschuldeten Mängelnauch bei selbst verschuldeten Mängeln
Dauer bei Neuwaren2 Jahreoft 12 bis 24 Monate
Dauer bei Gebrauchtwaren1 Jahru. U. Restgarantie gerechnet ab Erstkaufdatum
Beweislastumkehr (Neu- und Gebrauchtwaren)nach 6 Monaten keine Änderung
Anspruch wem gegenüber HändlerHersteller oder Händler

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Dezember 2020)

Worauf musst Du bei der Reklamation achten?

Laufen Gewährleistung und Garantie beide noch, kannst Du Dir im Normalfall aussuchen, nach welchem System Du die Ware reklamieren möchtest. Oft sieht eine Herstellergarantie zum Beispiel nur eine Reparatur vor, nicht aber, dass der Kunde das Geld zurückverlangen darf. Über die Gewährleistung darfst Du hingegen vom Kaufvertrag zurücktreten, falls die Reparatur zweimal gescheitert ist oder der Händler das Produkt bereits vergeblich ausgetauscht hat.

Außerdem kennt die gesetzliche Gewährleistung keine Verschleißteile. Bei einer Garantie sind gerade solch anfällige Bestandteile oftmals ausgeschlossen. Lass Dich nicht zu schnell mit dem Spruch abwimmeln, „der Defekt sei kein Garantiefall“. Dann reklamiere es eben über die Gewährleistung. Viel zu häufig bemängeln die Verbraucherzentralen immer noch, dass Schäden fälschlicherweise auf den Kunden geschoben werden oder das Unwissen der Kunden von den Händlern ausgenutzt wird.

Wenn Du vor Ort im Laden gekauft hast, kann die Abwicklung über die Gewährleistung komfortabler sein. Denn dann muss sich der Händler um die Reklamation kümmern. Somit musst Du den Artikel nicht selbst an den Hersteller schicken. Achte bei der Rückgabe darauf, dass die Mängel eindeutig notiert werden.

Bei Online-Bestellungen solltest Du defekte Ware am besten schriftlich reklamieren. Beschreibe in einem Brief oder per E-Mail die aufgetretenen Mängel möglichst genau. Bei einem Gewährleistungsfall muss immer der Händler die Versandkosten übernehmen.

Fällt Dir beim Online-Shopping bereits in den ersten 14 Tagen etwas auf, das Dir an der Ware nicht passt, oder hast Du es Dir in der Zwischenzeit doch noch anders überlegt, kannst Du auch den ganzen Kauf widerrufen und die Ware zurückschicken.

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