Reha Antrag

Darauf sollten Sie beim Reha-Antrag achten

Julia Rieder Stand: 28. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Rehabilitation soll helfen, Ihre Leistungsfähigkeit nach gesundheitlichen Problemen wieder herzustellen. Das Ziel: Sie werden wieder fit für Alltag und Beruf.
  • Die Kosten übernimmt meist die gesetzliche Kranken- oder Rentenversicherung, wenn die Reha medizinisch notwendig und erfolgversprechend ist.
  • In der Regel dauert eine Reha drei Wochen.
So gehen Sie vor
  • Eine Reha müssen Sie beantragen. Soll sie direkt auf einen Krankenhausaufenthalt folgen, füllt der Sozialdienst der Klinik die notwendigen Formulare aus. Andernfalls bitten Sie Ihren Fach- oder Hausarzt um Hilfe.
  • Im Reha-Antrag muss Ihr Arzt begründen, warum die Reha medizinisch notwendig ist.
  • Sie können sich die Reha-Klinik grundsätzlich selbst aussuchen, sofern diese geeignet ist, um Ihre Erkrankung zu behandeln. Nutzen Sie dafür unser Musterschreiben zur Klinikwahl.

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  • Lehnt die Krankenkasse oder Rentenversicherung Ihren Reha-Antrag ab, sollten Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Unterstützung bekommen Sie zum Beispiel bei Sozialverbänden oder Fachanwälten für Sozialrecht.

Ein Bandscheibenvorfall oder ein Herzinfarkt sind ein schwerer Schlag – oft verbunden mit Krankenhaus, Operationen, langer Krankschreibung. Eine Rehabilitation (kurz: Reha) hilft, um nach gesundheitlichen Problemen möglichst schnell wieder fit zu werden. Auf die Reha haben Sie in vielen Fällen Anspruch; allerdings gibt es dabei einiges zu beachten.

Was ist eine Rehabilitation?

Eine Reha soll Ihnen helfen, sich so gut wie möglich zu erholen und Ihren Alltag nach einer Krankheit, einem Unfall oder trotz einer Behinderung selbstständig zu bewältigen. Bei Berufstätigen steht das Ziel im Vordergrund, ihnen die Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Doch auch Rentner sowie Kinder und Jugendliche können eine Reha bekommen.

Zur Reha gehören unterschiedliche Therapien wie Krankengymnastik, Ernährungsberatung oder psychotherapeutische Gespräche. Abhängig von Ihren persönlichen Wünschen und Ihrem Gesundheitszustand kann die Reha stationär erfolgen, also in einer entsprechenden Klinik, oder ambulant. In diesem Fall übernachten Sie zu Hause und gehen von dort zu den jeweiligen Therapien. Eine Reha dauert in der Regel drei Wochen. Sie kann aber auch verkürzt oder verlängert werden, wenn das medizinisch sinnvoll ist.

Wer bekommt eine Reha?

Grundsätzlich gilt: Jeder, der Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung und Rentenversicherung ist, hat ein Recht auf Leistungen, die seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit wiederherstellen und verbessern sollen. Das ist in Paragraf 4 des ersten Sozialgesetzbuchs geregelt.

Damit Ihr Antrag auf Reha erfolgreich ist, müssen jedoch mindestens folgende zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die Rehabilitation ist medizinisch notwendig und erfolgversprechend. Sprechen Sie deshalb als erstes mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie eine Reha beantragen möchten.
  2. Sie sind gesundheitlich in der Lage, an den Therapien während der Reha teilzunehmen.

Je nachdem, welcher Träger dafür zuständig ist, die Reha zu genehmigen, kann es weitere Voraussetzungen geben. Für Berufstätige ist meistens die gesetzliche Rentenversicherung zuständig. Damit diese die Kosten übernimmt, müssen Sie in den vergangenen zwei Jahren mindestens sechs Monate lang Pflichtbeiträge eingezahlt haben.

Alternativ reicht es, wenn Sie seit 15 Jahren versichert sind – oder seit fünf Jahren, falls Ihnen eine Erwerbsminderung droht. Zu dieser Versicherungszeit zählen beispielsweise auch Kindererziehungszeiten und Zeiten aus einem Versorgungsausgleich oder Minijob.

Bei Privatversicherten entscheidet der Vertrag

Falls Sie privat krankenversichert sind und auch nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, haben Sie in der Regel keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Reha. Entscheidend ist dann, welche Leistungen Ihre private Krankenversicherung vorsieht.

Hochwertige Tarife erstatten die Kosten für Reha-Maßnahmen sehr umfangreich, günstigere Tarife schränken diesen Bereich hingegen oft ein oder bieten überhaupt keinen Schutz. Achten Sie deshalb schon beim Abschluss der privaten Krankenversicherung darauf, welche Reha-Leistungen ein Tarif bietet und unter welchen Voraussetzungen Sie diese in Anspruch nehmen können.

Wie kann ich eine Reha beantragen?

Zwei Arten der Rehabilitation gibt es: die Anschlussheilbehandlung (AHB) direkt nach einem Krankenhausaufenthalt und die Reha als Heilverfahren ohne vorherigen Klinikaufenthalt. Je nachdem, welche der beiden für Sie infrage kommt, funktioniert das Antragsverfahren ein wenig unterschiedlich.

Reha nach einem Krankenhausaufenthalt

Eine Anschlussheilbehandlung beginnt direkt nach dem Krankenhausaufenthalt, spätestens aber 14 Tage nachdem Sie aus der Klinik entlassen worden sind. Sie soll Ihnen helfen, nach einer Operation oder schweren Erkrankung wieder zu Kräften zu kommen.

Ob eine solche Anschluss-Reha sinnvoll ist, entscheiden die Ärzte im Krankenhaus. Damit es nach der Entlassung schnell losgehen kann, sollten Sie Ihre behandelnden Ärzte frühzeitig darauf ansprechen. Der Sozialdienst des Krankenhauses füllt den Antrag für Sie aus. Bevor Sie die Klinik verlassen, fragen Sie am besten nach, ob der Sozialdienst alle Unterlagen beim zuständigen Reha-Träger eingereicht hat.

Achtung: Patienten werden mitunter sehr schnell nach einer Operation entlassen, noch bevor sich der Sozialdienst gemeldet hat. Dann müssen Sie sich oder Ihre Angehörigen dringend selbst kümmern, falls Sie in eine Reha möchten.

Reha ohne vorherigen Klinikaufenthalt

Waren Sie nicht im Krankenhaus oder haben Sie keine Anschluss-Reha bekommen, ist Ihr behandelnder Haus- oder Facharzt der erste Ansprechpartner, wenn Sie eine Reha beantragen wollen. Mit ihm besprechen Sie, ob eine Reha für Sie medizinisch sinnvoll ist und welche Variante – ambulant oder stationär – infrage kommt.

Viele Ärzte haben auch die Formulare vorrätig, die Sie brauchen, um die Reha zu beantragen. Neben dem eigentlichen Reha-Antrag gehört dazu auch ein Selbsteinschätzungsbogen zu Ihrem Gesundheitszustand. Außerdem: ein Befundbericht Ihres Arztes, der ist besonders wichtig. Darin erläutert der Arzt Ihre Krankengeschichte und begründet, warum die Reha aus medizinischer Sicht notwendig ist. Ideal ist es, wenn Ihr Arzt Ihnen auch beim Ausfüllen der restlichen Unterlagen hilft.

Alternativ bekommen Sie den Reha-Antrag von Ihrer Krankenkasse. Auch auf der Website der Rentenversicherung können Sie sich die Formulare herunterladen. Den Vordruck für den Befundbericht des Arztes finden Sie separat auf der Website Ihres zuständigen Rentenversicherungsträgers – dafür gibt es noch kein bundesweit einheitliches Formular.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Also holen Sie sich Unterstützung. Neben vielen Ärzten bieten auch Krankenkassen und Beratungsstellen der Rentenversicherung Hilfe beim Ausfüllen der Unterlagen an.

Darf ich die Reha-Klinik selbst auswählen?

Sie haben bei der Reha ein Wunsch- und Wahlrecht (§ 8 SGB IX). Das bedeutet, Sie können der Krankenkasse oder Rentenversicherung mitteilen, in welcher zertifizierten Reha-Einrichtung Sie behandelt werden möchten. Voraussetzung ist, dass Ihre Wunschklinik unter medizinischen Gesichtspunkten geeignet ist, um Ihre Erkrankung zu behandeln. Falls dem so ist, muss der Kostenträger die Reha in der gewünschten Einrichtung genehmigen.

Neben einer besonderen medizinischen Eignung für Ihre Krankheit können auch Lebenssituation, Alter, familiäre Situation und religiöse beziehungsweise weltanschauliche Bedürfnisse ein berechtigter Grund für die Wahl einer Klinik sein. Im Internet gibt es verschiedene Portale, auf denen Sie sortiert nach Krankheitsbild nach geeigneten Reha-Kliniken suchen können.

Ist die Krankenkasse für die Reha zuständig, können Sie grundsätzlich auch eine Reha-Einrichtung wählen, die keinen Vertrag mit der Kasse hat. Zusätzliche Kosten müssen Sie nur dann zahlen, wenn diese unangemessen hoch sind.

Welche Klinik Sie bevorzugen, teilen Sie der Kranken- oder Rentenversicherung in einem formlosen Schreiben mit. Dieses reichen Sie zusammen mit dem Reha-Antrag ein. Dabei sollten Sie möglichst begründen, warum Ihre Wunschklinik zu einer erfolgreichen Reha beitragen würde (besondere Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, Wohnortnähe, kurze Wartezeit oder Ähnliches).

Am besten lassen Sie sich dabei von Ihrem Arzt helfen oder – im Falle einer Anschlussheilbehandlung – vom Sozialdienst des Krankenhauses. Sie können auch unser Musterschreiben für das Wunsch- und Wahlrecht nutzen. Es enthält eine allgemein gehaltene Begründung für den Klinikwunsch.

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für das Wunsch- und Wahlrecht herunterladen:

Wohin schicke ich den Reha-Antrag?

Welcher Sozialversicherungsträger die Reha bewilligen muss, ist unterschiedlich. Für Berufstätige ist in der Regel die gesetzliche Rentenversicherung zuständig, für Rentner meist die gesetzliche Krankenversicherung.

Sie müssen aber keine Angst haben, den Antrag an die falsche Stelle zu schicken. Falls der Träger, den Sie adressiert haben, nicht zuständig ist, muss er Ihre gesamten Unterlagen innerhalb von zwei Wochen an die zuständige Stelle weiterleiten. Ihr Antrag geht also nicht verloren. Es kann allerdings länger dauern, bis er bearbeitet wird.

Falls Sie die Unterlagen an die Rentenversicherung schicken, achten Sie deshalb am besten darauf, dass Sie die für Ihre Region zuständige Stelle auswählen. Welche das ist, können Sie zum Beispiel auf dem Briefkopf Ihrer jüngsten Renteninformation sehen.

Wer übernimmt die Reha-Kosten?

Für eine Rehabilitation zahlen muss entweder Ihre Krankenversicherung oder die Rentenversicherung. Als volljähriger Patient müssen Sie bei einer stationären Reha allerdings bis zu 10 Euro pro Tag zuzahlen.

Ist die gesetzliche Rentenversicherung der Kostenträger, müssen Sie längstens 42 Tage im Jahr zuzahlen, bei einer Anschlussheilbehandlung höchstens 14 Tage lang. Dabei werden alle Tage berücksichtigt, für die Sie im laufenden Jahr bereits für stationäre Aufenthalte sowohl im Krankenhaus als auch in Reha-Kliniken gezahlt haben. Außerdem hängt die Höhe der Zuzahlung von Ihrem Einkommen ab.

Übernimmt die Krankenkasse die Reha, ist die Zuzahlung bei einer Anschluss-Reha auf 28 Tage begrenzt. Die Tage Ihres vorherigen Krankenhausaufenthalts, für die Sie bereits gezahlt haben, werden darauf angerechnet.

Bei ambulanten Reha-Maßnahmen kann es sein, dass Sie sich an Kosten für Heil- und Arzneimittel beteiligen müssen – wie bei anderen medizinischen Behandlungen auch. Haben Ihre Zuzahlungen im laufenden Jahr bereits das Ihnen zumutbare Maß überschritten, können Sie sich von weiteren Zuzahlungen befreien lassen. Wie das funktioniert, lesen Sie im Ratgeber Zuzahlungsbefreiung.

Grundsätzlich bekommen Sie nur alle vier Jahre eine Rehabilitation bezahlt. Dabei ist es unerheblich, ob für die vorherige Reha ein anderer Kostenträger zuständig war. Ausnahmen gibt es, wenn aus medizinischen Gründen schon früher eine erneute Reha dringend notwendig ist.

Wie lange dauert die Entscheidung über den Antrag?

Der Reha-Träger soll innerhalb von drei Wochen nach Eingang der vollständigen Unterlagen über den Antrag entscheiden, das ist im Sozialgesetzbuch festgelegt (§ 14 SGB IX). Ist der erste Empfänger des Reha-Antrags der falsche Ansprechpartner, kommen zwei Wochen für die Weiterleitung an den zuständigen Träger obendrauf. Beauftragt die Versicherung einen Gutachter, gilt ebenfalls eine längere Frist. Die Krankenkassen sind verpflichtet, stichprobenartig von Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung prüfen zu lassen, ob eine Rehabilitation notwendig ist.

Obwohl Reha-Träger einen weitergeleiteten Antrag laut Gesetz nicht nochmal zurückgeben dürfen, kommt das in der Realität vor. Es kann dann zu einem Hin und Her zwischen Krankenkasse und Rentenversicherung kommen.

Kann der Träger die jeweils geltende Frist nicht einhalten, muss er Sie rechtzeitig informieren und die Gründe dafür angeben. Falls er nach zwei Monaten noch nicht über Ihren Antrag entschieden hat, gilt die Reha als genehmigt und Sie können sich die Leistung selbst beschaffen (§ 18 SGB IX). Die Frist von zwei Monaten kann sich in Einzelfällen verlängern, die im Sozialgesetzbuch festgelegt sind. Allerdings muss der Reha-Träger Sie dann vor Ablauf der zwei Monate informieren und begründen, warum sich die Bearbeitung verzögert. Zusätzlich muss er ein exaktes Datum nennen, bis zu dem er entscheidet.

Was tun, wenn die Reha abgelehnt wurde?

Wird Ihr Reha-Antrag abgelehnt, sollten Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Um die Frist zu wahren, reicht zunächst ein formloses Schreiben. Eine ausführliche Begründung des Widerspruchs mit einer Stellungnahme Ihres Arztes sollten Sie dann nachreichen.

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für den Widerspruch gegen einen Ablehnungsbescheid herunterladen:

Der Kostenträger begründet in seinem Schreiben, warum er die Reha ablehnt. Auf diese Begründung sollten Sie und Ihr Arzt eingehen und versuchen, sie in der Antwort an den Träger zu entkräften. Auch wenn Krankenkasse oder Rentenversicherung Ihren Wunsch nach Behandlung in einer bestimmten Reha-Klinik ablehnen, können Sie dem widersprechen. Gleiches gilt, wenn Sie Mehrkosten für die Behandlung in Ihrer Wunschklinik übernehmen sollen.

Laut einer Studie des IGES Institut aus dem Jahr 2017 lehnten Krankenkassen 18 Prozent der Anträge auf Vorsorge- und Reha-Maßnahmen ab. Jedoch waren mehr als die Hälfte der Widersprüche gegen die Kassen erfolgreich (rund 53 Prozent). Die Zahlen für die Rentenversicherung sehen ähnlich aus: 2018 lehnte die gesetzliche Rentenversicherung rund 18 Prozent der Anträge auf medizinische Rehabilitation ab. Widersprüche waren in mehr als der Hälfte der Fälle zumindest teilweise erfolgreich (rund 57 Prozent). Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn zunächst eine Ablehnung kommt.

Unterstützung beim Widerspruch bekommen Sie unter anderem bei Sozialverbänden wie dem SoVD oder dem VdK sowie bei Fachanwälten für Sozialrecht. Falls Sie mit Ihrem Widerspruch keinen Erfolg haben, bleibt Ihnen noch eine Klage vor dem Sozialgericht.

Autor
Julia Rieder

Stand: 28. Juni 2019