Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rung

Nur wenige Zu­satz­ver­si­che­rung­en lohnen sich wirklich

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Ver­si­che­rungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit privaten Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen kannst Du den Schutz der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung aufstocken. Sie übernehmen Kosten, die gesetzliche Kran­ken­kas­sen nicht zahlen – etwa für Behandlungen im Ausland oder ein Einzelzimmer im Krankenhaus.
  • Machst Du Urlaub außerhalb Deutschlands, solltest Du unbedingt eine Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung abschließen.
  • Für Selbstständige und einige Besserverdienende ist eine Krankentagegeld-Versicherung wichtig.
  • Unnötig sind hingegen Brillen- oder Heilpraktiker-Versicherungen ebenso wie Krankenhaustagegeld.

So gehst Du vor

  • Nicht alle Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sind sinnvoll. Überlege mithilfe unseres Textes, welche Verträge Du wirklich brauchst.
  • Hast Du Dich für eine Ver­si­che­rung entschieden, helfen Dir unsere Vergleiche, ein passendes Angebot zu finden.

Im Krankheitsfall möchte jeder gut versorgt sein. Deshalb schließen viele Menschen neben der gesetzlich vorgeschriebenen Kran­ken­ver­si­che­rung private Zu­satz­ver­si­che­rung­en ab. Gut 27 Millionen solcher Verträge gab es 2020 in Deutschland. Doch nicht alle dieser Ver­si­che­rungen sind sinnvoll. Wir zeigen Dir, welche Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sich wirklich lohnen und wie Du einen passenden Tarif findest.

Für wen kommen Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen infrage?

Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sind vor allem für gesetzlich Versicherte interessant, denn die Leistungen der gesetzlichen Kran­ken­kas­sen sind laut Sozialgesetzbuch auf das Notwendige beschränkt. Wenn Du Extras haben möchtest, die über die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung hinaus gehen, musst Du die Kosten dafür selbst tragen. Dazu zählt zum Beispiel hochwertiger Zahnersatz oder umfassender Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz im Ausland. Durch diese Einschränkungen will der Staat eine gute medizinische Versorgung gewährleisten, ohne dass die Ver­si­che­rungsbeiträge zu teuer werden.

Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen übernehmen die Mehrkosten in bestimmten Bereichen, die eben nicht von der gesetzlichen Kran­ken­kas­se gedeckt sind. Du kannst Dich also ähnlich wie ein Privatpatient behandeln lassen. Das bedeutet aber auch: Wie ein Privatversicherter musst Du die Extra­kosten erstmal aus eigener Tasche zahlen und dann das Geld von der Zusatzversicherung zurückfordern.

Welche Zu­satz­ver­si­che­rung­en sind empfehlenswert?

Bei der Wahl einer Zusatzversicherung geht es nicht nur um den richtigen Tarif. Zunächst solltest Du Dich fragen, ob der Schutz überhaupt nötig ist. Denn viele Angebote gehen ordentlich ins Geld. Es gibt aber einige Ver­si­che­rungen, die Finanztip für sinnvoll oder sogar ratsam hält.

Auslandsreise-Krankenversicherung

Die Auslandsreise-Krankenversicherung ist die wichtigste aller Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen. Jeder, der ins Ausland reist, sollte sie haben. Auch wenn Du nur innerhalb der Europäischen Union Urlaub machst, ist ein Vertrag sehr sinnvoll. Die Zusatzversicherung zahlt Behandlungen und medizinisch notwendige Rücktransporte aus dem Urlaubsland. Ohne die Ver­si­che­rung musst Du im schlimmsten Fall Tausende Euro für einen Ambulanzflug zurück nach Hause selbst zahlen. Auch die Kosten für Behandlungen im Urlaubsland übernimmt die gesetzliche Kran­ken­kas­se je nach Reiseziel nur teilweise oder gar nicht. Die von uns emp­foh­lenen Tarife zahlen auch, wenn Du im Urlaub an Covid-19 erkrankst.

Falls Du länger als acht Wochen verreist, brauchst Du eine spezielle Langzeit-Versicherung. Welche Tarife wir in dieser Situation für empfehlenswert halten, liest Du in unserem Ratgeber zur Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung.

Wenn Du privat krankenversichert bist, solltest Du prüfen, ob Deine Ver­si­che­rung im Ausland zahlt oder ob Du ebenfalls eine zusätzliche Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung benötigst.

Mehr dazu im Ratgeber Auslandsreise-Krankenversicherung

  • Wer ins Ausland reist, bekommt als Einzelperson schon für unter 10 Euro im Jahr den notwendigen Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz.
  • Von uns emp­foh­lene Tarife: Debeka (Tarif AR) für Einzelpersonen und Senioren, Münchener Verein für Singles (Tarif 501) und Ehepaare mit Kindern (Tarif 502) sowie DKV (Reise Med Tarif RD) für Einzelpersonen und Paare unter 65.

Zum Ratgeber

Krankentagegeld

Krankentagegeld gleicht den Einkommensverlust aus, wenn Du wegen einer Krankheit länger nicht arbeiten kannst. Besonders wichtig ist das, wenn Du selbstständig bist und kein Krankengeld von der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung bekommst.

Auch falls Du angestellt bist und Dein Gehalt über der Bei­trags­be­messungs­grenze liegt, kann ein Krankentagegeld sinnvoll sein. Denn das gesetzliche Krankengeld ist gedeckelt und liegt für Gutverdiener deutlich unter ihrem regulären Nettogehalt. Du solltest prüfen, ob das reicht, um Deine laufenden Kosten zu decken. Andernfalls ist es sinnvoll, zusätzlich eine Krankentagegeld-Versicherung abzuschließen.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und manche Angestellte ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns emp­foh­lenes Portal für den Tarifvergleich: Acio

Zum Ratgeber 

Über welche Ver­si­che­rungen kannst Du nachdenken?

Die folgenden Ver­si­che­rungen sind nicht essenziell, können aber in dem einen oder anderen Fall durchaus sinnvoll sein.

Krankenhaus-Zusatzversicherung

Wenn Du im Krankenhaus von Spezialisten behandelt werden möchtest, kannst Du eine Krankenhaus-Zusatzversicherung abschließen. Die Ver­si­che­rung übernimmt höhere Arzthonorare (bekannt unter dem Stichwort „Chefarztbehandlung“) und zahlt die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer.

Mehr dazu im Ratgeber Krankenhaus-Zusatzversicherung

  • Mit dieser Ver­si­che­rung bekommst Du teure Behandlungen beim Spezialisten und ein komfortableres Zimmer bezahlt.
  • Von uns emp­foh­lene Tarife: Hallesche (Mega Clinic AR), Ergo (SZL), SDK (Klinik 2-Bett SP2), Inter (Quali Med Z S2R) und Barmenia (Mehr Komfort 2-Bett K).

Zum Ratgeber

Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

Sofern Du Wert auf hochwertigen Zahnersatz legst, kannst Du eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung abschließen. Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung übernimmt bei Zahnersatz nur einen Teil der Kosten. Zahn­zu­satz­ver­si­che­rungen, die Deinen Eigenanteil zu einem großen Teil oder vollständig zahlen, sind allerdings relativ teuer.

Deshalb lohnt sich der Abschluss nur, wenn Du in Zukunft häufig Zahnersatz brauchst – und Dich nicht bereits mitten in einer Behandlung befindest. Alternativ kannst Du einfach jeden Monat einen festen Betrag zur Seite legen, für den Fall, dass Du mal ein teures Zahnimplantat oder eine -brücke brauchst. In Härtefällen zahlt die gesetzliche Kran­ken­kas­se einen höheren Zuschuss.

Mehr dazu im Ratgeber Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

Zum Ratgeber

Pflegezusatzversicherung

Pflege ist teuer. Die Leistungen aus der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung reichen meist nicht aus, um die hohen Kosten für Betreuung und medizinische Versorgung zu decken. Eine private Pflegezusatzversicherung kann helfen, damit Du den Rest nicht aus eigener Tasche zahlen musst.

Allerdings solltest Du einen solchen Vertrag nur abschließen, wenn Du Dir die hohen Beiträge auch langfristig leisten kannst. Beachte zudem, dass die Beiträge während der Vertragslaufzeit steigen können, falls der Anbieter höhere Kosten hat – etwa weil mehr Menschen pflegebedürftig werden, als ursprünglich erwartet.

Welche Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sind unnötig?

Schließlich gibt es eine ganze Reihe von Ver­si­che­rungen, die viel kosten und wenig bringen.

Ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en

Ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en bestehen in der Regel aus mehreren Bausteinen: Oft gibt es einen Zuschuss zu alternativen Heilmethoden, Hörgeräten, Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen. Mit solchen Paketen kaufst Du oft Leistungen, die Du gar nicht brauchst. Außerdem machen die unterschiedlichen Baustein-Kombinationen einen Vergleich verschiedener Tarife schwierig. Die ambulanten Zu­satz­ver­si­che­rung­en zahlen oft nur einen Teil der entstandenen Kosten, und die Erstattung ist bei vielen Tarifen auf einige Hundert Euro im Jahr oder alle zwei Jahre begrenzt. Deshalb lohnt sich ein solcher Vertrag in der Regel nicht.

Mittlerweile übernehmen viele gesetzliche Kran­ken­kas­sen als freiwillige Zusatzleistungen die Kosten für Reiseimpfungen, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, Osteopathie und Homöopathie. Wechsle also lieber zu einer Kran­ken­kas­se mit passenden Zusatzleistungen und spar Dir die Ausgaben für eine weitere Ver­si­che­rung.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Kran­ken­kas­sen.
  • Von uns emp­foh­lene Anbieter: HKK, IKK Classic, Big direkt gesund, BKK VBU und Energie-BKK.

Zum Ratgeber

Kran­ken­haus­ta­ge­geld­ver­si­che­rung

Die Kran­ken­haus­ta­ge­geld­ver­si­che­rung zahlt einen Betrag für jeden Tag, den Du im Krankenhaus verbringst. Das ist unnötig. Sinnvoller ist ein Krankentagegeld. Diese Ver­si­che­rung zahlt auch, wenn Du krank zuhause bist und nicht arbeiten kannst.

Brillenversicherung

Für eine Brille brauchst Du keine Ver­si­che­rung. Gern wird der Schutz im Paket mit anderen Ver­si­che­rungen verkauft, etwa für Naturheilmethoden oder Hörgeräte. Das macht die Verträge zusätzlich teuer. Außerdem ist die Erstattung oft begrenzt, beispielsweise auf 300 Euro alle zwei Jahre. Spare lieber Geld für eine neue Brille, statt Beiträge zu zahlen. Wann die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung Deine Kontaktlinsen oder eine Brille zahlt, liest Du in unserem Ratgeber zu Kassenleistungen bei Brillen.

Welche Ver­si­che­rungen wir außerdem für empfehlenswert oder verzichtbar halten, kannst Du in unserem Ratgeber zu sinnvollen Ver­si­che­rungen nachlesen.

Autor
Julia Rieder

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Emp­feh­lungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion emp­foh­len wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Emp­feh­lungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.