Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rung

Nur wenige Zu­satz­ver­si­che­rung­en lohnen sich wirklich

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
10. März 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du gesetzlich krankenversichert bist, kannst Du zusätzlich private Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen abschließen. Diese übernehmen Kosten, die die gesetzliche Versicherung nicht zahlt – etwa für Behandlungen im Ausland oder ein Einzelzimmer im Krankenhaus.
  • Machst Du Urlaub außerhalb Deutschlands, solltest Du unbedingt eine Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung abschließen.
  • Für Selbstständige und Besserverdiener ist eine Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung wichtig.
  • Unnötig sind hingegen Brillen- oder Heilpraktiker-Versicherungen ebenso wie Krankenhaustagegeld.
So gehst Du vor
  • Nicht alle Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sind sinnvoll. Überlege mithilfe unseres Textes, welche Verträge Du wirklich brauchst.
  • Hast Du Dich für eine Versicherung entschieden, helfen Dir unsere Vergleiche, ein passendes Angebot zu finden.
  • Bedenke, dass die Beiträge für viele Zu­satz­ver­si­che­rung­en mit dem Alter steigen. Du solltest Dir die Versicherung langfristig leisten können. Musst Du den Vertrag kündigen, sind die gezahlten Beiträge weg.

Im Krankheitsfall möchte jeder gut versorgt sein. Deshalb schließen viele Menschen neben der gesetzlich vorgeschriebenen Kran­ken­ver­si­che­rung private Zu­satz­ver­si­che­rung­en ab. Fast 27 Millionen solcher Verträge gab es 2019 in Deutschland. Doch nicht alle dieser Versicherungen sind sinnvoll. Wir zeigen Dir, welche Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sich wirklich lohnen und wie Du einen passenden Tarif findest.

Für wen kommen Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen infrage?

Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sind vor allem für gesetzlich Versicherte interessant, denn die Leistungen der gesetzlichen Kran­ken­kas­sen sind laut Sozialgesetzbuch auf das Notwendige beschränkt. Wenn Du Extras haben möchtest, die über die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung hinaus gehen, musst Du die Kosten dafür selbst tragen. Dazu zählt zum Beispiel hochwertiger Zahnersatz oder umfassender Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz im Ausland. Mit diesem System soll eine gute medizinische Versorgung gewährleistet werden, ohne dass die Versicherungsbeiträge zu teuer werden.

Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen übernehmen die Mehrkosten in bestimmten Bereichen ganz oder teilweise. Du kannst Dich also ähnlich wie ein Privatpatient behandeln lassen. Das bedeutet aber auch: Wie ein Privatversicherter musst Du die Extrakosten erstmal aus eigener Tasche zahlen und dann das Geld von der Zusatzversicherung zurückfordern.

Welche Zu­satz­ver­si­che­rung­en sind empfehlenswert?

Bei der Wahl einer Zusatzversicherung geht es nicht nur um den richtigen Tarif. Vorher solltest Du Dich fragen, ob der Schutz überhaupt nötig ist. Denn viele Angebote gehen ordentlich ins Geld. Es gibt einige Versicherungen, die wir für sinnvoll oder sogar ratsam halten.

Auslandsreise-Krankenversicherung

Die Auslandsreise-Krankenversicherung ist die wichtigste aller Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen. Jeder, der ins Ausland reist, sollte sie haben. Auch wenn Du nur innerhalb der Europäischen Union Urlaub machst, ist ein Vertrag sehr sinnvoll. Die Zusatzversicherung zahlt Behandlungen und medizinisch notwendige Rücktransporte aus dem Urlaubsland. Ohne die Versicherung musst Du im schlimmsten Fall Tausende Euro für einen Ambulanzflug zurück nach Hause selbst zahlen. Auch die Kosten für Behandlungen übernimmt die gesetzliche Kran­ken­kas­se je nach Reiseland nur teilweise oder gar nicht. Falls Du länger als acht Wochen verreist, brauchst Du eine spezielle Langzeit-Versicherung.

Als Privatversicherter solltest Du prüfen, ob Deine Kran­ken­ver­si­che­rung im Ausland zahlt oder ob Du ebenfalls eine Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung benötigst.

Mehr dazu im Ratgeber Auslandsreise-Krankenversicherung

  • Wer ins Ausland reist, bekommt schon für unter 10 Euro im Jahr den notwendigen Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz.
  • Von uns empfohlene Tarife: DKV (Reise Med Tarif RD) (abschließbar über die Website der Ergo) für Einzelreisende und Familien, Debeka (Tarif AR) für Senioren und Reisen bis 70 Tage.

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Krankentagegeld

Krankentagegeld gleicht den Einkommensverlust aus, wenn Du wegen einer Krankheit länger nicht arbeiten kannst. Besonders wichtig ist das, wenn Du selbstständig bist und Dich gegen das Krankengeld der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung entschieden hast. Auch falls Du angestellt bist und über der Beitragsbemessungsgrenze verdienst, kann ein Krankentagegeld sinnvoll sein. Dann liegt das gesetzliche Krankengeld deutlich unter Deinem Nettogehalt und Du solltest prüfen, ob das reicht, um Deine laufenden Kosten zu decken.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und Gutverdiener ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns empfohlener Tarif: Barmenia Tarif T+

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Über welche Versicherungen kannst Du nachdenken?

Die folgenden Versicherungen sind nicht essenziell, können aber in dem einen oder anderen Fall durchaus sinnvoll sein.

Krankenhaus-Zusatzversicherung

Wenn Du im Krankenhaus von Spezialisten behandelt werden möchtest, kannst Du eine Krankenhaus-Zusatzversicherung abschließen. Die Versicherung übernimmt höhere Arzthonorare (bekannt unter dem Stichwort „Chefarztbehandlung“) und zahlt ein Ein- oder Zweibettzimmer. Außerdem kannst Du Dir dann das Krankenhaus aussuchen, in dem Du behandelt wirst. Ohne die private Zusatzversicherung müssen gesetzlich Krankenversicherte Mehrkosten selbst tragen, wenn sie in ein anderes Krankenhaus gehen, als auf der Einweisung genannt.

Mehr dazu im Ratgeber Krankenhaus-Zusatzversicherung

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Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

Sofern Du Wert auf hochwertigen Zahnersatz legst, kannst Du eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung abschließen. Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung schießt bei Zahnersatz nur einen Teil der Kosten zu. Zahn­zu­satz­ver­si­che­rungen, die einen Großteil Deines Eigenanteils übernehmen, sind allerdings relativ teuer. Deshalb lohnt sich der Abschluss nur, wenn Du in Zukunft häufig Zahnersatz brauchst – und Dich nicht bereits mitten in einer Behandlung befindest. Alternativ kannst Du einfach jeden Monat einen festen Betrag zur Seite legen, für den Fall, dass Du mal ein teures Implantat oder eine Brücke brauchst.

Mehr dazu im Ratgeber Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

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Pflegezusatzversicherung

Pflege ist teuer. Die Leistungen aus der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung reichen meist nicht aus, um die hohen Kosten für Betreuung und medizinische Versorgung zu decken. Eine private Pflegezusatzversicherung kann helfen, damit Du den Rest nicht aus eigener Tasche zahlen musst. Allerdings solltest Du einen solchen Vertrag nur abschließen, wenn Du Dir die hohen Beiträge auch langfristig leisten kannst. Beachte auch, dass die Beiträge während der Vertragslaufzeit steigen können, wenn die Versicherer mehr Geld für Pflegebedürftige ausgeben müssen.

Welche Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen sind unnötig?

Schließlich gibt es eine ganze Reihe von Versicherungen, die viel kosten und wenig bringen.

Ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en

Ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en bestehen in der Regel aus mehreren Bausteinen: Oft gibt es einen Zuschuss zu alternativen Heilmethoden, Hörgeräten oder Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Mit solchen Paketen kaufst Du oft Leistungen, die Du gar nicht brauchst. Außerdem machen die unterschiedlichen Baustein-Kombinationen einen Vergleich verschiedener Tarife schwierig. Die ambulanten Zu­satz­ver­si­che­rung­en zahlen meist nur einen Teil der entstandenen Kosten, und die Erstattung ist normalerweise auf einige hundert Euro im Jahr oder alle zwei Jahre begrenzt. Deshalb lohnt sich ein solcher Vertrag in der Regel nicht.

Mittlerweile übernehmen viele gesetzliche Kran­ken­kas­sen als freiwillige Zusatzleistungen die Kosten für Reiseimpfungen, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, Osteopathie und Homöopathie. Wechsel also lieber zu einer Kran­ken­kas­se mit passenden Zusatzleistungen und spare Dir die Ausgaben für eine weitere Versicherung.

Kran­ken­haus­ta­ge­geld­ver­si­che­rung

Die Kran­ken­haus­ta­ge­geld­ver­si­che­rung zahlt einen Betrag für jeden Tag, den ein Patient im Krankenhaus verbringt. Das ist Quatsch. Sinnvoller ist ein Krankentagegeld. Diese Versicherung zahlt auch, wenn Du krank zuhause bist und nicht arbeiten kannst.

Brillenversicherung

Für eine Brille brauchst Du keine Versicherung. Gern wird der Schutz im Paket mit anderen Versicherungen verkauft, etwa für Naturheilmethoden oder Hörgeräte. Das macht die Verträge zusätzlich teuer. Außerdem ist die Erstattung oft begrenzt, beispielsweise auf 300 Euro alle zwei Jahre. Spar lieber Geld für eine neue Brille, statt Beiträge zu zahlen.

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