Haushaltsscheck

Haushaltshilfe über die Minijob-Zentrale anmelden

Udo Reuß Stand: 26. Januar 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Geringfügig Beschäftigte im Privathaushalt müssen Sie als Arbeitgeber über den sogenannten Haushaltsscheck bei der Minijob-Zentrale anmelden.
  • Das Formular müssen Sie in dreifacher Ausfertigung ausfüllen und unterschreiben. Auch der Minijobber muss unterzeichnen.
  • Neben dem Haushaltsscheck für die erstmalige Anmeldung stellt die Minijob-Zentrale bei schwankenden Lohnhöhen den Halbjahresscheck und für neue mitzuteilende Daten den Änderungsscheck zur Verfügung.
  • Als Arbeitgeber richten Sie ein Sepa-Lastschriftmandat ein, sodass die Minijob-Zentrale halbjährlich von Ihrem Konto die Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Unfallversicherung) und die Pauschsteuer einziehen kann.
  • Die Lohnfortzahlung bei Krankheit und Schwangerschaft des Minijobbers ist über Umlagen abgesichert.
  • Bis zu 510 Euro im Jahr stehen Ihnen für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis an Steuerermäßigung zu.

Viele Berufstätige, Alleinerziehende und Senioren benötigen Hilfe für die alltäglichen Arbeiten im Haushalt, etwa fürs Putzen, Aufräumen und Gartenarbeiten. Nicht selten werden solche Tätigkeiten schwarz bezahlt – also ohne Abgaben und Aufzeichnungen. Dabei gibt es einen relativ bequemen legalen Weg, bei dem Arbeitgeber ihren Pflichten nachkommen können: das Haushaltsscheckverfahren. Der zeitliche Aufwand ist überschaubar. Zudem profitieren Arbeitgeber von reduzierten pauschalen Abgabesätzen, die sie für die Arbeitnehmer zahlen.

Bedingungen für das Haushaltsscheckverfahren

Nutzen können Sie das Haushaltsscheckverfahren unter folgenden Voraussetzungen: Sie beschäftigen jemanden für haushaltsnahe Tätigkeiten in Ihrem Privathaushalt. Und das Ganze läuft auf Basis eines Minijobs.

Haushaltsnahe Tätigkeiten - Dabei handelt es sich um Arbeiten, die üblicherweise von Familienangehörigen erledigt werden, beispielsweise die Zubereitung von Mahlzeiten, Spülen, Reinigungsarbeiten, Gartenpflege, Einkaufen, Versorgung und Betreuung von Kindern und hilfsbedürftigen Senioren.

Privathaushalt - Die Tätigkeiten müssen in der privaten Wohnung erfolgen. Diese kann auch in einem anderen EU-Mitgliedsland oder einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (Liechtenstein, Norwegen und Island) liegen. Nicht begünstigt sind Arbeiten im gewerblichen Bereich und in betrieblichen Räumen.

Beschäftigung - Die Tätigkeiten verrichtet eine Haushaltshilfe, deren Arbeitgeber Sie werden. Arbeiten von Dienstleistungsagenturen können Sie nicht über das Haushaltsscheckverfahren abwickeln.

Minijob - Das regelmäßige Arbeitsentgelt darf 450 Euro monatlich nicht übersteigen, also nicht mehr als ein Minijob sein. Zahlen Sie als Arbeitgeber beispielsweise einmal im Jahr Weihnachtsgeld, dann ist für die Berechnung, ob die Höchstgrenze überschritten ist, ein Zwölftel der Sonderzahlung beim Monatslohn hinzuzurechnen.

Anmeldung bei der Minijob-Zentrale

Erfüllen Sie alle Voraussetzungen, dann melden Sie Ihr haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis bei der Minijob-Zentrale an – das ist verpflichtend. Diese ist eine Abteilung bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See in Essen. Für die Anmeldung füllen Sie das Haushaltsscheck-Formular aus, das Sie auf der Homepage der Zentrale finden – und zwar in dreifacher Ausfertigung. Je ein Exemplar ist für die Minijob-Zentrale, den Arbeitgeber und den Mitarbeiter. Sowohl Sie als Arbeitgeber als auch Ihr Arbeitnehmer müssen unterschreiben. Weil die Minijob-Zentrale 2 Prozent Pauschsteuer und ermäßigte Sozialversicherungsbeiträge abführt, müssen Sie unter anderem folgende Angaben machen:

  • das gezahlte Entgelt (monatlich gleichbleibend oder alternativ der jeweilige variable Lohn und der Monat – im letzteren Fall schickt Ihnen die Minijob-Zentrale den Halbjahresscheck, den Sie dann künftig ausfüllen müssen);
  • Ihre eigene Steuernummer, die auf dem Durchschlag für den Arbeitnehmer geschwärzt ist;
  • die Sozialversicherungsnummer des Arbeitnehmers;
  • einen Hinweis, falls dieser mehrere Beschäftigungen ausübt;
  • die Angabe, ob er sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen will.

Dass der Arbeitnehmer sich befreien lassen möchte, muss er in den ersten sechs Wochen nach der Aufnahme der Tätigkeit erklären; ansonsten gilt die Rentenversicherungspflicht. Während der private Arbeitgeber pauschal 5 Prozent als seinen Anteil übernimmt, zahlt der Arbeitnehmer den Rest bis zum vollen Beitragssatz selbst – derzeit sind das 13,7 Prozent Beitragsanteil.

Und falls Sie die Pauschsteuer für Ihren Mitarbeiter nicht übernehmen wollen, haben Sie die Möglichkeit, die Beschäftigung über die normale Lohnsteuer abzurechnen.

Schließlich erteilen Sie der Minijob-Zentrale ein Sepa-Lastschriftmandat. Damit kann sie die fälligen Abgaben, die sie halbjährlich von Ihrem Konto einzieht, an die Sozialversicherungsträger und das Finanzamt weiterleiten. Abgebucht wird zum 31. Juli und zum 31. Januar des Folgejahres.

Pauschsteuer und pauschale Sozialversicherungsbeiträge

Im Jahr 2016 gelten folgende Pauschalabgabesätze:

Pauschalabgabesätze

Krankenversicherung:5 %
Rentenversicherung (RV):5 %
Beitragsanteil des Arbeitnehmers bei RV-Pflicht:13,7 %
Pauschsteuer:2 %
Umlage 1 (U1) bei Krankheit:1 %
Umlage 2 (U2) bei Schwanger- und Mutterschaft:0,3 %
Unfallversicherung:1,6 %

Quelle: Minijob-Zentrale (Stand: 23. Juni 2016)

2017 zahlen private Arbeitgeber maximal 14,8 Prozent vom Arbeitsentgelt als pauschale Abgaben. Damit sind Arbeitnehmer bei ihrer Tätigkeit auch unfallversichert.

Gewerbliche Arbeitgeber müssen hingegen 31,2 Prozent als Pauschalabgaben entrichten. Hinzu kommt noch der Beitrag zur Unfallversicherung.

Mit den Umlagen 1 und 2 können private Arbeitgeber faktisch Arbeitgeberversicherungen abschließen. Denn auch ein geringfügig Beschäftigter im Privathaushalt kann krank werden. Als Arbeitgeber müssen Sie dann den Lohn weiterzahlen. Allerdings können Sie sich dank der Umlage 1 von der Minijob-Zentrale als Umlagekasse 80 Prozent der Aufwendungen erstatten lassen. Analog funktioniert es mit der Umlage 2 für den Fall der Schwangerschaft und des Mutterschutzes. Der Erstattungssatz liegt in diesen Situationen bei 100 Prozent.

Änderungsscheck als neuer Service

2017 hat die Minijob-Zentrale einen neuen Service eingeführt: den Änderungsscheck. Damit können Arbeitgeber besser als mit dem Haushaltsscheck folgende Änderungen der Minijob-Zentrale melden:

  • Adresse des Arbeitnehmers oder -gebers,
  • Art der Besteuerung: Pauschsteuer oder nach Lohnsteuermerkmalen,
  • Versicherungsstatus in der Kranken- und Rentenversicherung (zum Beispiel Befreiung von der Rentenversicherungspflicht),
  • Bankverbindung,
  • Bezug einer Altersrente oder andere Meldung des Beschäftigungsendes samt Begründung,
  • Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses und
  • die neue Entgelthöhe.

Diese Steuerermäßigung steht Ihnen zu

Als Arbeitgeber erhalten Sie für die im Vorjahr geleisteten Löhne und Beiträge automatisch eine Bescheinigung. Diese können Sie beim Finanzamt als Nachweis bei der Einkommensteuererklärung verwenden. Das lohnt sich: Denn Sie bekommen für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis eine Steuerermäßigung von bis zu 510 Euro im Jahr: 20 Prozent von höchstens 2.550 Euro tatsächlichen Kosten (§ 35a Absatz 1 Einkommensteuergesetz).

Helfer finden mit der Haushaltsjob-Börse

Die Minijob-Zentrale bietet einen weiteren Service an: die Haushaltsjob-Börse. Sowohl potenzielle Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können dort kostenlos eine Anzeige schalten und über dieses Portal zusammenfinden.

Haushaltshilfen etwa können ihre Leistungen in den Bereichen Haushalt, Garten, Kinder, Senioren oder Tiere anbieten und sich mit den wesentlichen Eckdaten präsentieren: Beschäftigungsort und Umkreis, Art der Tätigkeit (zum Beispiel Putzen), Minijob oder sozialversicherungspflichtige Tätigkeit und maximale wöchentliche Arbeitszeit. Außerdem können sie angeben, wann sie Zeit haben und wie viel Stundenlohn sie haben möchten. Im Freitextfeld ist eine ausführlichere Beschreibung möglich.

Wer eine Haushaltshilfe benötigt, kann über mehrere Filter suchen. Selbstverständlich sollte jeder Arbeitgeber den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde beachten.

Autor
Udo Reuß

Stand: 26. Januar 2017


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und anzeigenfrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.