Haushaltsscheck

Haushaltshilfe über die Minijob-Zentrale anmelden

Udo Reuß Stand: 06. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Geringfügig Beschäftigte musst Du als Arbeitgeber über den sogenannten Haushaltsscheck bei der Minijob-Zentrale anmelden.
  • Neben dem Haushaltsscheck für die erstmalige Anmeldung stellt die Minijob-Zentrale bei schwankenden Lohnhöhen den Halbjahresscheck und für neue mitzuteilende Daten den Änderungsscheck zur Verfügung.
  • Bei Krankheit und Schwangerschaft des Minijobbers ist die Lohnfortzahlung über Umlagen abgesichert.
  • Für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis stehen Dir bis zu 510 Euro im Jahr an Steuerermäßigung zu.
So gehst Du vor
  • Das Formular der Minijob-Zentrale musst Du in dreifacher Ausfertigung ausfüllen und unterschreiben. Auch der Minijobber muss unterzeichnen.
  • Als Arbeitgeber richtest Du ein Sepa-Lastschriftmandat ein, mit dem die Minijob-Zentrale halbjährlich von Deinem Konto die Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Unfallversicherung) und die Pauschsteuer einziehen kann.

Viele Berufstätige, Alleinerziehende und Senioren benötigen Hilfe bei den alltäglichen Arbeiten im Haushalt, etwa beim Putzen, Aufräumen oder bei Gartenarbeiten. Nicht selten werden solche Tätigkeiten schwarz bezahlt – also ohne Abgaben und Aufzeichnungen. Dabei gibt es einen relativ bequemen legalen Weg, bei dem Arbeitgeber ihren Pflichten nachkommen können: das Haushaltsscheckverfahren. Der zeitliche Aufwand ist überschaubar. Zudem profitierst Du als Arbeitgeber von reduzierten pauschalen Abgabesätzen, die Du für die Arbeitnehmer zahlst.

Welche Bedingungen gibt es für das Haushaltsscheckverfahren?

Nutzen kannst Du das Haushaltsscheckverfahren unter folgenden Voraussetzungen: Du beschäftigst jemanden für haushaltsnahe Tätigkeiten in Deinem Privathaushalt. Und das Ganze läuft auf Basis eines Minijobs.

Haushaltsnahe Tätigkeiten - Dabei handelt es sich um Arbeiten, die üblicherweise von Familienangehörigen erledigt werden, beispielsweise die Zubereitung von Mahlzeiten, Spülen, Reinigungsarbeiten, Gartenpflege, Einkaufen, Versorgung und Betreuung von Kindern und hilfsbedürftigen Senioren.

Privathaushalt - Die Tätigkeiten müssen in der privaten Wohnung erfolgen. Diese kann auch in einem anderen EU-Mitgliedsland oder einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (Liechtenstein, Norwegen und Island) liegen. Nicht begünstigt sind Arbeiten im gewerblichen Bereich und in betrieblichen Räumen.

Beschäftigung - Die Tätigkeiten werden von einer Haushaltshilfe verrichtet, deren Arbeitgeber Du bist. Arbeiten von Dienstleistungsagenturen kannst Du nicht über das Haushaltsscheckverfahren abwickeln.

Minijob - Das regelmäßige Arbeitsentgelt darf 450 Euro monatlich nicht übersteigen, also nicht mehr als ein Minijob sein. Zahlst Du als Arbeitgeber beispielsweise einmal im Jahr Weihnachtsgeld, dann ist für die Berechnung, ob die Höchstgrenze überschritten ist, ein Zwölftel der Sonderzahlung beim Monatslohn hinzuzurechnen.

Wie meldest Du Deinen Mitarbeiter bei der Minijob-Zentrale an?

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, dann meldest Du das haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnis bei der Minijob-Zentrale an – das ist verpflichtend. Diese Zentrale ist eine Abteilung bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See in Essen.

Für die Anmeldung füllst Du das Haushaltsscheck-Formular aus, das Du auf der Homepage der Zentrale findest – und zwar in dreifacher Ausfertigung. Je ein Exemplar ist für die Minijob-Zentrale, Dich als Arbeitgeber und Deinen Mitarbeiter. Sowohl Du als Arbeitgeber als auch Dein Arbeitnehmer müssen unterschreiben. Weil die Minijob-Zentrale 2 Prozent Pauschsteuer und ermäßigte Sozialversicherungsbeiträge abführt, musst Du unter anderem folgende Angaben machen:

  • das gezahlte Entgelt (monatlich gleichbleibend oder alternativ der jeweilige variable Lohn und der Monat – im letzteren Fall schickt Dir die Minijob-Zentrale den Halbjahresscheck, den Du dann künftig ausfüllen musst);
  • Deine eigene Steuernummer, die auf dem Durchschlag für den Arbeitnehmer geschwärzt ist;
  • die Sozialversicherungsnummer des Arbeitnehmers;
  • einen Hinweis, falls dieser mehrere Beschäftigungen ausübt;
  • die Angabe, ob er sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen will.

Wenn der Arbeitnehmer sich befreien lassen möchte, muss er das in den ersten sechs Wochen nach der Aufnahme der Tätigkeit erklären; ansonsten gilt die Rentenversicherungspflicht. Während der private Arbeitgeber pauschal 5 Prozent als seinen Anteil übernimmt, zahlt der Arbeitnehmer den Rest bis zum vollen Beitragssatz selbst – derzeit sind das 13,6 Prozent Beitragsanteil.

Falls Du die Pauschsteuer für Deinen Mitarbeiter nicht übernehmen willst, hast Du die Möglichkeit, die Beschäftigung über die normale Lohnsteuer abzurechnen.

Schließlich erteilst Du der Minijob-Zentrale ein Sepa-Lastschriftmandat. Damit kann sie die fälligen Abgaben halbjährlich von Deinem Konto einziehen und an die Sozialversicherungsträger und das Finanzamt weiterleiten. Abgebucht wird zum 31. Juli und zum 31. Januar des Folgejahres.

Was sind Pauschsteuer und pauschale Sozialversicherungsbeiträge?

Im Jahr 2020 gelten folgende Pauschalabgabesätze:

Pauschalabgabesätze

Krankenversicherung:5 %
Rentenversicherung (RV):5 %
Beitragsanteil des Arbeitnehmers bei RV-Pflicht:13,6 %
Pauschsteuer:2 %
Umlage 1 (U1) bei Krankheit:1 %
Umlage 2 (U2) bei Schwanger- und Mutterschaft:0,39 %
Unfallversicherung:1,6 %

Quelle: Minijob-Zentrale (Stand: Oktober 2020)

Bis September 2020 lag die U1 bei 0,9 Prozent und die U2 bei 0,19 Prozent.

2020 zahlen private Arbeitgeber maximal 14,99 Prozent vom Arbeitsentgelt als pauschale Abgaben. Damit sind Arbeitnehmer bei ihrer Tätigkeit auch unfallversichert.

Gewerbliche Arbeitgeber müssen hingegen 31,45 Prozent als Pauschalabgaben entrichten. Hinzu kommt noch der Beitrag zur Unfallversicherung.

Mit den Umlagen 1 und 2 können private Arbeitgeber faktisch Arbeitgeberversicherungen abschließen. Denn auch ein geringfügig Beschäftigter im Privathaushalt kann krank werden. Als Arbeitgeber musst Du dann den Lohn weiterzahlen. Allerdings kannst Du Dir dank der Umlage 1 von der Minijob-Zentrale als Umlagekasse 80 Prozent der Aufwendungen erstatten lassen. Analog funktioniert es mit der Umlage 2 für den Fall der Schwangerschaft und des Mutterschutzes. Der Erstattungssatz liegt in diesen Situationen bei 100 Prozent.

Was ist der Änderungsscheck?

2017 hat die Minijob-Zentrale einen neuen Service eingeführt: den Änderungsscheck. Damit können Arbeitgeber besser als mit dem Haushaltsscheck folgende Änderungen der Minijob-Zentrale melden:

  • Adresse des Arbeitnehmers oder -gebers,
  • Art der Besteuerung: Pauschsteuer oder nach Lohnsteuerabzugsmerkmalen,
  • Versicherungsstatus in der Kranken- und Rentenversicherung (zum Beispiel Befreiung von der Rentenversicherungspflicht),
  • Bankverbindung,
  • Bezug einer Altersrente oder andere Meldung des Beschäftigungsendes samt Begründung,
  • Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses und
  • die neue Entgelthöhe.

Welche Steuerermäßigung steht Dir zu?

Als Arbeitgeber erhältst Du für die im Vorjahr geleisteten Löhne und Beiträge automatisch eine Bescheinigung. Diese kannst Du beim Finanzamt als Nachweis bei der Einkommensteuererklärung verwenden. Das lohnt sich: Denn Du bekommst für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis eine Steuerermäßigung von bis zu 510 Euro im Jahr: 20 Prozent von höchstens 2.550 Euro der tatsächlichen Kosten (§ 35a Absatz 1 Einkommensteuergesetz).

Wie kannst Du Haushaltshelfer finden?

Die Minijob-Zentrale bietet einen weiteren Service an: die Haushaltsjob-Börse. Sowohl potenzielle Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können dort kostenlos eine Anzeige schalten und über dieses Portal zusammenfinden.

Haushaltshilfen etwa können ihre Leistungen in den Bereichen Haushalt, Garten, Kinder, Senioren oder Tiere anbieten und sich mit den wesentlichen Eckdaten präsentieren: Beschäftigungsort und Umkreis, Art der Tätigkeit (zum Beispiel Putzen), Minijob oder sozialversicherungspflichtige Tätigkeit und maximale wöchentliche Arbeitszeit. Außerdem können sie angeben, wann sie Zeit haben und wie viel Stundenlohn sie haben möchten. Im Freitextfeld ist eine ausführlichere Beschreibung möglich.

Wer eine Haushaltshilfe benötigt, kann über mehrere Filter suchen. Selbstverständlich sollte jeder Arbeitgeber den Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro pro Stunde beachten. Ab Januar 2021 soll er nach Plänen der Bundesregierung auf 9,50 Euro steigen, ab Juli 2021 auf 9,60 Euro, ab Januar 2022 auf 9,82 Euro und ab Juli 2022 auf 10,45 Euro. 

Autor
Udo Reuß

Stand: 06. Oktober 2020


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