Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer

Eine Nummer fürs ganze Leben für Steuer und Kindergeld

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
24. August 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder Bundesbürger hat seit 2008 eine individuelle Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer.
  • Sie ist ein Leben lang gültig. Kinder erhalten sie bereits nach der Geburt.
  • Die Steuer-ID dient vor allem dem Schriftverkehr mit dem Finanzamt. Sie kommt auch bei den Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (Elstam) zum Einsatz und soll künftig Basis einer Bürgeridentifikationsnummer werden.
  • Die Daten sind beim Bundeszentralamt für Steuern gespeichert. Sie dürfen ausschließlich für Zwecke des Fiskus eingesetzt werden.
  • Die Steuer-ID ist auch für das Kindergeld, für Freistellungsaufträge bei allen Bankverbindungen in Deutschland sowie für den steuerlichen Abzug von Unterhaltsleistungen nötig.

Sie besteht aus elf Ziffern, sie ist einmalig und sie gilt ein Leben lang: Wer in Deutschland gemeldet ist, bekommt automatisch eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zugewiesen. Darunter gespeichert sind alle wichtigen Daten einer Person: Tag und Ort der Geburt, Geschlecht, Familienname, Vornamen, frühere Namen, Doktorgrad, gegenwärtige oder letzte bekannte Anschrift, zuständige Finanzbehörden und sogar der Sterbetag.

So kommt Du an Deine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer

So bekommst Du Deine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer: Seit 2008 schickt das Bundeszentralamt für Steuern an jede in Deutschland gemeldete Person per Post eine individuelle Identifikationsnummer. Babys erhalten ihre Nummer in der Regel innerhalb von drei Monaten nach der Geburt.

Dafür brauchst Du die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer: Bei Anträgen, Erklärungen oder Mitteilungen an das Finanzamt gibst Du Deine Identifikationsnummer am besten gleich im Betreff an. Auch in Deiner Steu­er­er­klä­rung trägst Du die elf Ziffern ein. Möglicherweise fragen Arbeitgeber oder Sozialleistungsträger wie Kran­ken­kas­sen und Arbeitsämter nach Deiner Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer. Sie alle nutzen die Nummer, um den Finanzbehörden steuerlich wichtige Daten zu übermitteln.

Wenn Du Deine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nicht kennst: Die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer findest Du unter anderem auf Deiner jährlichen Lohnsteuerbescheinigung oder dem letzten Steuerbescheid. Beim Bundeszentralamt für Steuern kannst Du die Nummer mithilfe dieses Formulars erfragen. Auch die Meldebehörde kennt Deine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer. Aus Gründen des Datenschutzes bekommst Du die Nummer ausschließlich per Post.

Dabei hilft die Identifikationsnummer

Kindergeld - Seit Januar 2016 müssen Bezieher von Kindergeld bei den Familienkassen grundsätzlich auch ihre Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer und die ihrer Kinder angeben. Allerdings haben die Familienkassen durch einen automatischen Meldeabgleich bereits die meisten Daten. Mehr dazu im Ratgeber Kindergeld.

Unterhaltszahlungen - Wenn Du Unterhalt – etwa an Deinen geschiedenen Ehegatten – zahlst und den Betrag steuerlich als Sonderausgabe absetzen möchtest, dann benötigst Du seit 2016 zwingend die Steuer-ID des Empfängers. Dieser muss Dir seine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer mitteilen.

Schneller Datenabgleich - Die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer hilft den Finanzbehörden schnell und einfach an wichtige Personendaten gelangen. Ziehst Du beispielsweise in eine andere Stadt um, tauschen Melde- und Finanzamt die Daten untereinander aus. Auch über Landesgrenzen hinweg können Deine steuerlich relevanten Daten mithilfe der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer korrekt zugeordnet und weitergegeben werden.

Elektronische Lohnsteuerkarte - Die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer macht es möglich, dass es in Deutschland seit 2013 die elektronische Lohnsteuerkarte gibt. Arbeitgeber können dadurch alle steuerlich relevanten Daten (sogenannte elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) direkt beim Bundeszentralamt für Steuern abrufen. Das heißt, Arbeitnehmer müssen sich nicht mehr darum kümmern, dass ihre Daten gespeichert werden oder ihre Lohnsteuerbescheinigung bei der Personalabteilung des Arbeitgebers ankommt.

Elektronische Steuererklärung - Auch die elektronische Steu­er­er­klä­rung ist dank Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer möglich. Daten werden bereits bei der Eingabe auf ihre formale Richtigkeit geprüft. Dadurch müssen Finanzämter weniger häufig Informationen nachfragen und können die Steu­er­er­klä­rung schneller bearbeiten.

Vorausgefüllte Steu­er­er­klä­rung - Seit Anfang 2014 bietet die Finanzverwaltung die „vorausgefüllte Steu­er­er­klä­rung“ (VaSt) an. Dieser Service ist auch bekannt als Belegabruf oder „Abruf von Bescheinigungen“. Er vereinfacht für Steuerpflichtige das Ausfüllen der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung auf einem Computer. Denn es können Stammdaten wie Name, Adresse, Alter, Religionszugehörigkeit, Bankverbindung, Rentenleistungsbezüge, Beiträge zu Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungen und andere Vorsorgeaufwendungen digital übermittelt und somit automatisch in der Steu­er­er­klä­rung übernommen werden.

Dafür muss der Steuerpflichtige ein Elster-Konto anlegen. Mit der Steuer-ID registriert er sich dafür auf dem Elster-Portal. Um diese Daten abrufen zu können, braucht er entweder ein kostenloses Programm wie das von den Finanzämtern zur Verfügung gestellte Elster-Formular oder ein kostenpflichtiges Steuerprogramm.

Für Freistellungsauftrag erforderlich

Für Deine Bankverbindungen brauchst Du seit 2011 zum Beispiel für einen Freistellungsauftrag die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer. Kapitalerträge lassen sich so einzelnen Personen zuordnen und es fällt schneller auf, wenn der Freibetrag von 801 Euro, der sogenannte Sparerpauschbetrag, überschritten ist. 

Fehlt die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer im Freistellungsauftrag, müssen Kreditinstitute seit 2016 bei Zinszahlungen und anderen Kapitalausschüttungen automatisch Abgeltungssteuer einbehalten. Das sind 25 Prozent der Kapitalerträge, zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell auch Kirchensteuer. Betroffen sind alle Bank- und Versicherungskunden, die ihrer Bank bislang noch nicht ihre Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer mitgeteilt haben. In der Regel gilt das für vor 2011 gestellte Freistellungsaufträge. 

Künftig soll die Steuer-ID Grundlage für eine Bürgeridentifikationsnummer werden. Auf diese sollen dann verschiedene Ämter für elektronische Verwaltungsprozesse zugreifen können. So sollen digitale Prozesse in der öffentlichen Verwaltung ämterübergreifend vorangetrieben werden.

Kritik an der Steuer-ID

Bürgerrechtliche Einwände: Bürgerrechtler befürchten, dass die Datenbank beim Bundeszentralamt für Steuern auch für andere als steuerliche Zwecke genutzt werden kann. Nach derzeitiger Gesetzeslage darf jedoch nur das Finanzamt Daten beim Bundeszentralamt für Steuern abrufen.

Steuernummer als Personenkennzeichen: Da die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer eindeutig einem Menschen zugeordnet werden kann, ist es theoretisch möglich, alle Datenbanken, in denen sie gespeichert ist, miteinander abzugleichen. So wären mit einem Schlag sämtliche Informationen zum Leben eines Bürgers zugänglich. Dennoch ist das Speichern von Personendaten rechtens, urteilte der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 18. Januar 2012, Az. II R 49/10).

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