Negativzinsen

Trendwende bei Minuszinsen kommt

Hendrik Buhrs
Finanztip-Experte für Bank und Börse
10. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Sehr viele Banken berechnen einen Negativ- oder Strafzins auf die Guthaben ihrer Kunden.
  • Häufig werden -0,5 Prozent pro Jahr fällig, bei einzelnen Banken bis zu -1 Prozent.

  • Es gibt je nach Bank einen Freibetrag, meist zwischen 25.000 und 100.000 Euro. Der Zins fällt nur auf das Guthaben oberhalb dieser Schwelle an.

  • Auch die Commerzbank, Consorsbank, Deutsche Bank, DKB, ING, Comdirect und Postbank verlangen Negativzinsen, sowie viele Sparkassen und Volksbanken.

  • Beim Negativzins deutet sich eine Trendwende an. Die ING hebt den Freibetrag ab Juli deutlich an, andere Banken dürften folgen.

So gehst Du vor
  • Verlangt Deine Bank Negativzinsen von Dir, solltest Du Deinen Kontostand möglichst so weit senken, dass Du unter den Freibetrag kommst.
  • Beim Verlagern helfen Dir unsere Empfehlungen für Tagesgeld bei anderen Banken. Kannst Du längere Zeit auf einen Teil des Geldes verzichten, eröffne ein Wertpapierdepot.

Zum Tagesgeldrechner

Eigentlich schien das Prinzip klar: Du bringst Dein Geld zur Bank und bekommst Zinsen dafür. Viele Banken haben aber den Spieß umgedreht und einen Negativzins eingeführt. Das heißt: Die Banken kassieren von Deinem Guthaben Zinsen. Sogar sehr viele langjährige Kunden haben zuletzt Post von ihrer Bank bekommen: Sie sollen dem sogenannten Verwahrentgelt zustimmen.

Die Zeit dieser Negativzinsen läuft aber allmählich ab. Angesichts der Zinswende heben schon einzelne Banken ihre Freibeträge an oder planen dies zumindest.

Wieso gibt es überhaupt Negativzinsen?

Es ist ein merkwürdiger Trend in der Finanzwelt: Etliche Banken haben bereits Negativzinsen eingeführt oder überlegen zumindest, es zu tun. Damit wollen sie Kunden davon abhalten, größere Beträge anzulegen. Denn die Banken zahlen auch negative Zinsen, wenn sie wiederum Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einlegen. Ab einer bestimmten Höhe -0,5 Prozent pro Jahr – und die geben sie mittlerweile an ihre Kunden weiter. Negativ ist der Einlagezins für Banken bereits seit 2014.

Als einen automatisch durchlaufenden Posten darf man sich den Negativzins aber trotzdem nicht vorstellen. Denn wie viel Strafzins Deine Bank wirklich zahlt oder ob sie unterm Strich weiterhin einen Zinsgewinn erzielt, kannst Du nicht ohne weiteres erkennen. Klar ist nur: Eine Bank will weder Verlust machen noch unnötig Kundschaft verlieren. Wir zeigen Dir in diesem Ratgeber, wie Du das Beste aus der Situation machen kannst.

Was Negativzinsen bedeuten, ist mathematisch eine einfache Rechnung. Ein positiver Zins von 1 Prozent macht im Laufe eines Jahres aus 100 Euro 101 Euro. Ein Negativzins von 1 Prozent hingegen lässt nur 99 von den 100 Euro übrig. In vielen Fällen geht es um viel höhere Kontostände als in diesem Beispiel. Panik ist aber nicht angebracht. Es gibt meist Freibeträge, für die keine Negativzinsen fällig werden. Zudem wird dieser Zins üblicherweise taggenau berechnet.

Welche Banken verlangen Strafzinsen?

Schauen wir für ein Beispiel ins Preisverzeichnis der Deutschen Bank. Darin stellt die Bank klar, dass derzeit ein Negativzins von -0,5 Prozent jährlich („p. a.“) für Girokonten und Tagesgeldkonten berechnet wird. Es gibt hier einen Freibetrag von 25.000 Euro beim Tagesgeld und 50.000 Euro beim Girokonto, das bedeutet beispielsweise: Wer 50.001 Euro auf dem Girokonto hat, muss für den einen Euro oberhalb der Grenze den Negativzins zahlen.

Bei der Deutschen Bank würden also bei einem Kontostand von 40.000 Euro keine Strafzinsen fällig. Bei einem Kontostand von 60.000 Euro wären es rund 96 Cent pro Woche oder 50 Euro pro Jahr (10.000 Euro * 0,005, der Betrag unterhalb von 50.000 Euro wird nicht mitgezählt). Der Negativzins wird üblicherweise taggenau berechnet.

So ähnlich gehen mittlerweile sehr viele Banken und Sparkassen vor. Die Grenze für einen Negativzins setzen sie oft zwischen 25.000 und 100.000 Euro.

Diese Banken erheben Negativzinsen (Auswahl)

Name der BankZinssatzFreibetrag
Comdirect-0,5 %50.000 €
Commerzbank-0,5 %50.000 €
Consorsbank-0,5 %50.000 €
Deutsche Bank (Giro)-0,5 %50.000 €
Deutsche Bank
(Tagesgeld)
-0,5 %25.000 €
DKB-0,5 %25.000 €

Hamburger

Sparkasse

-0,5 %50.000 €
HypoVereinsbank-0,5 %100.000 €
ING-0,5 %50.000 €
(ab 1.7.: 500.000 €)
N26-0,5 %50.000 €
Postbank (Giro)-0,5 %50.000 €

Postbank

(Tagesgeld)

-0,5 %25.000 €
Targobank

ab 5 €/Monat1

50.000 €

Volksbank

Dresden-Bautzen

-0,5 %100.000 €

1 gestaffelt nach Einlagenhöhe
Quelle: Anbieter (Stand: 10. Mai 2022). Bei älteren Konten können höhere Freibeträge gelten.
 

Abschied vom Minuszins

Einzelne Banken schaffen die Negativzinsen aber wieder ab oder stehen kurz davor. Bei der ING gilt ab dem 1. Juli 2022 pro Konto ein Freibetrag von 500.000 Euro. Das heißt: Wer ein Tagesgeldkonto und ein Girokonto hat, könnte eine Million strafzinsfrei dort parken. Die Oldenburgische Landesbank, mit einigen Filialen in Nordwestdeutschland vertreten, hat ebenfalls die Freibeträge für Sparer deutlich angehoben, dort muss allerdings ein kostenpflichtiges Girokonto gebucht werden. Commerzbank, Deutsche Bank und andere große Banken kündigten an: Wenn die EZB aus der Minuszins-Politik aussteigt, sollen die Negativzinsen für ihre Kunden wegfallen.

Mini-Freibeträge und schrittweise Einführung

Seit 2019 gibt es auch Banken, die ab dem ersten Euro einen Minuszins verlangen, darunter die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck in Bayern oder die Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt. Vereinzelt verlangen Banken -0,6 Prozent, etwa die VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach (ab 20.000 Euro), oder sogar -1,0 Prozent wie die Merkur Bank (ab 100.000 Euro).

Die Banken gehen beim Thema Strafzins schrittweise vor. Direkt betroffen sind zunächst Neukunden, die ein frisches Konto einrichten und damit die geänderten Geschäftsbedingungen und Preisverzeichnisse der Bank akzeptieren. Aber auch Millionen von Bestandskunden werden von ihrer Bank angesprochen, insbesondere, wenn ihr Kontostand deutlich oberhalb der Freigrenze liegt. Sie sollen entweder eine Vereinbarung über Negativzinsen unterschreiben oder ihr Guthaben auf dem Konto reduzieren. Banken können grundsätzlich ein Konto kündigen, daher solltest Du solche Briefe nicht ignorieren. Mehr dazu liest Du im nächsten Abschnitt „Wie vermeidest Du Strafzinsen?“.

Negativzins auf dem Verrechnungskonto des Depots

Es gibt es auch Online-Broker, die für das Verrechnungskonto zu einem Depot einen Minuszins erheben. Flatex beispielsweise tut das seit 2017. Fünf weitere der aktuellen Depotempfehlungen von Finanztip machen es ebenso: Comdirect und ING berechnen -0,5 Prozent pro Jahr für Beträge oberhalb von 50.000 Euro. Die DKB berechnet ebenfalls -0,5 Prozent pro Jahr, aber für Beträge oberhalb von 25.000 Euro. Bei der Consorsbank liegt der Freibetrag bei 100.000 Euro. Smartbroker setzt die Schwelle bei einer „Cash-Quote“ von 15 Prozent an.

Wenn Du mit Aktien oder Fonds handelst, ist es sinnvoll, Dein Geld nur kurz auf dem Verrechnungskonto zu parken und entweder zügig neue Wertpapiere zu kaufen oder einen Verkaufserlös zu entnehmen. Zur Klarstellung: Auf den Wertpapierbestand im Depot wird kein Minuszins erhoben, sondern allenfalls auf das Verrechnungskonto.

Wie vermeidest Du Strafzinsen?

Es gibt einige Gründe, einen negativen Zins absurd oder ungerecht zu finden. Tatsächlich zahlen musst Du ihn aber nicht. Du kannst ihn vielmehr sehr leicht vermeiden. Und zwar so:

  • Überprüfe den aktuellen Freibetrag für Dein Konto und den zugehörigen Zins auf der Internetseite Deiner Bank oder im Online-Banking.
  • Guthaben oberhalb des Freibetrags solltest Du anders verteilen.

  • Höherer Freibetrag im eigenen Haus: Einige Banken wie DKB oder ING gewähren Dir einen zweiten Freibetrag, wenn Du neben dem Girokonto ein Tagesgeldkonto eröffnest. Achte also darauf, ob der Freibetrag je Kunde oder je Konto gilt.

  • Zweit- oder Drittkonto bei einer anderen Bank: Mit wenigen Klicks kannst Du ein zusätzliches Tagesgeldkonto, ein Festgeldkonto oder auch ein weiteres Girokonto anlegen und so weitere Freibeträge bei diesen Banken nutzen.

  • Wenn Deine Bank ankündigt, dass sie Dir Negativzinsen oder „Verwahrentgelte“ berechnen will, macht sie Dir wahrscheinlich den Vorschlag, dies zu vermeiden, indem Du einen Teil des Geldes anders anlegst. Das kann eine gute Idee sein, abhängig von Deinen Sparzielen und Deinem Vermögen.

  • Finanztip empfiehlt eine Mischung aus Tagesgeld, Festgeld und günstigen Aktienfonds. Du musst diese Strategie nicht bei Deiner alten Bank umsetzen. Wertpapierdepots gibt es bei Direktbanken günstiger.

  • Viel Geld abzuheben, ist hingegen keine gute Alternative. Denn auch Bargeld verursacht Kosten, zum Beispiel für Schließfächer und eine Versicherung.

  • Ebenfalls keine gute Idee ist es, eine Mitteilung der Bank einfach zu ignorieren. Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat 2021 einzelnen wohlhabenden Kunden das Konto komplett gekündigt, nachdem sie mehrere Schreiben unbeantwortet gelassen hatten. Auch eine Reihe anderer Banken sagt deutlich, dass sie eine Kündigung prüfen, wenn Kunden dem Negativzins nicht zustimmen. So harsch gehen zwar nicht alle Banken vor, trotzdem solltest Du solchen Ärger nicht riskieren.

  • Streite Dich auf den letzten Metern nicht mehr mit Deiner Bank um Negativzinsen. Wer dem sogenannten Verwahrentgelt bisher nicht zustimmte, riskierte die Kündigung. Vielleicht werden Banken angesichts der Zinswende kulanter. Den Ärger kannst Du trotzdem vermeiden – und Guthaben oberhalb des Freibetrags auf ein anderes Konto verlagern.

Minuszinsen sind ein Ärgernis. Zum Glück kannst Du ihnen aber leicht ausweichen, zum Beispiel mit einem Zweitkonto oder einem Wertpapierdepot. 2022 deutet sich außerdem eine Zinswende an. Mittelfristig verschwinden dann auch die Negativzinsen wieder.

Hendrik Buhrs
Unser Finanztip-Experte für Bank und Börse

Ist ein Negativzins rechtlich erlaubt?

Eine Bank darf nicht ohne Zustimmung des Kunden einen Minuszins für Girokonto oder Tagesgeld verlangen. Immer häufiger gibt es diese Zustimmung aber: Bei neu angelegten Konten musst Du oft schon direkt bei der Kontoeröffnung unterschreiben, dass ab einem bestimmten Betrag Strafzinsen fällig werden können. Kunden mit bestehenden Konten werden aufgefordert, diese Zustimmung über eine individuelle Vereinbarung nachzuholen. Wer einer Vereinbarung über das sogenannte Verwahrentgelt nicht zustimmt, riskiert die Kündigung des Kontos.

Auf die Frage, ob Negativzinsen unabhängig von einer Zustimmung des Kunden überhaupt zulässig sind, gibt es bislang keine eindeutige Antwort. Tagesgeld ist eine Anlageform mit veränderlichem Zinssatz, und Banken dürfen in eigenem Ermessen den Zins ändern. Das Landgericht Tübingen urteilte jedoch bereits im Januar 2018, dass Kunden mit Altverträgen nicht damit rechnen müssen, dass aus positiven oder neutralen Zinsen bei einem laufenden Vertrag plötzlich Negativzinsen werden (Az. 4 O 187/17). Für Neuverträge hingegen können Banken durchaus Negativzinsen verlangen, erklärte das Landgericht Tübingen.

2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass Negativzinsen auf Girokonto und Tagesgeldkonto der Sparda-Bank Berlin nicht erlaubt sind. Das Gericht sagte, die Bank dürfe keine Extragebühr verlangen, wenn sie Einlagen verwahrt, etwa auf dem Girokonto. Das Gericht verurteilte die Bank außerdem zur Rückzahlung (Az. 16 O 43/21). Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Ebenfalls auf Klage des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes VZBV urteilte das Landgericht Düsseldorf, dass die Volksbank Rhein-Lippe kein Verwahrentgelt für ein Girokonto neben den Kon­to­füh­rungs­ge­bühren berechnen darf (Az. 12 O 34/21). Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Anders als diese beiden Gerichte sah es das Landgericht Leipzig im Verfahren gegen die Sparkasse Vogtland (Az. 5 O 640/20). Obwohl die Sparkasse zugleich Kontogebühren kassierte, sei ein zusätzlicher Negativzins zulässig, so die Richter - denn die Kunden hätten jeweils bei der Kontoeröffnung oder über eine individuelle Vereinbarung zugestimmt. Die Sparkasse könne „sich nicht von der Marktentwicklung abkoppeln“, heißt es in der Urteilsbegründung. Ein Schülerkonto ohne Kontogebühr dürfe die Sparkasse aber nicht als „kostenfrei“ bewerben, wenn sie auch dort Minuszinsen berechnet.

Der Bundesgerichtshof (BGH), die höchste deutsche Gerichtsebene, hat sich noch nicht mit dem Thema Negativzinsen beschäftigt. Falls Du tatsächlich bereits Negativzinsen zahlst und es nicht geschafft hast, sie zu vermeiden, kannst du der Bank schreiben, dass Du die Zinsen für unzulässig hältst und Deine Zahlung unter Vorbehalt der Rück­for­de­rung leistest.

Kontogebühren wirken ähnlich wie ein Negativzins

Eine Guthabenverzinsung auf dem Girokonto galt in der Vergangenheit eher als Ausnahme. Die meisten Banken haben in den letzten Jahren aber ihre monatlichen oder aktionsbezogenen Gebühren erhöht, manche von ihnen deutlich. Hohe Kon­to­füh­rungs­ge­bühren des Girokontos sind zwar keine Negativzinsen im eigentlichen Wortsinn. Faktisch führen sie aber dazu, dass das Guthaben kleiner wird.

Ein Beispiel: Wenn Du bei Deiner Bank pro Jahr 150 Euro Gebühren zahlst und einen durchschnittlichen Kontostand von 3.000 Euro hast, entspricht das rechnerisch einer Negativrendite von satten 5 Prozent. Der Preis ist zwar nicht das einzige Kriterium für die Auswahl eines Kontos. Weil Du dadurch aber viel Geld sparen kannst, zeigen wir Dir hier kostenlose und sehr günstige Girokonten

Vereinzelt berechnen Banken auch pauschale Gebühren für ein Tagesgeldkonto, etwa die Comdirect für das „Tagesgeld Plus“-Konto. Seit 2020 kannst Du dieses nicht mehr separat abschließen, ohne entweder ein Depot oder ein Girokonto bei der Comdirect zu führen. Hast Du aber ein einzelnes „Tagesgeld Plus“ aus der Zeit davor, kostet es nun monatlich 1,90 Euro – bei derzeit 0 Prozent Zinsen (Stand: 19. Februar 2021).

Die VR-Bank Niederschlesien in Görlitz berechnet für ihre Tagesgeldkonten monatlich mindestens 5 Euro Gebühren (Stand: 1. Februar 2021). Auch das hat eine ähnliche Wirkung wie ein Negativzins. 

Den Zinseszins beim Sparen einfach berechnen

Warum zahlen die Banken selbst einen Negativzins?

Die Europäische Zentralbank (EZB) verwaltet für jede Einzelbank ein Konto. Banken können sich also aussuchen, ob sie ihr überschüssiges Geld dorthin bringen, es einer anderen Bank, Privatleuten oder Unternehmen leihen oder als Bargeld im eigenen Geldspeicher lagern. Die Kreditvergabe an Unternehmen stagniert in mehreren Ländern der Eurozone. Untereinander vertrauen sich die Banken weniger als vor der Finanzkrise.

Die Verwahrung im Tresor ist für eine Bank ebenfalls kein profitabler Ausweg, denn auch sie hat eine negative Rendite. Es entstehen Kosten für den Transport und die sichere Verwahrung. Attraktiv ist das also auch nicht – im bayerischen Sparkassenverband wurde diese Idee aber dennoch bereits diskutiert.

Die Lagerung bei der Zentralbank ist die sicherste und für viele Banken auch die bequemste Lösung. Obwohl sie kostspielig ist: Die deutschen Banken haben im Jahr 2020 zusammengerechnet rund 2,7 Milliarden Euro an Einlagezinsen an die EZB gezahlt. Zugleich flossen durch Rabatte der Zentralbank rund 1,7 Milliarden wieder zurück zu den Banken. Unterm Strich blieb also eine Belastung von etwa 1 Milliarde Euro.

Verschwunden ist dieses Geld aber natürlich nicht. Es landet später bei der Bundesbank und den anderen nationalen Zentralbanken der Eurozone. Und macht die Bundesbank einen Überschuss, fließt der in den Bundeshaushalt.

Der reale Negativzins – kommt öfter vor, fällt seltener auf

Der Minuszins hat einen unscheinbaren Bruder, der aber viel häufiger auftaucht – bei deutlich mehr Guthaben und Banken. Auf dem Papier oder dem Bildschirm wird Dir der sogenannte nominale Zins angegeben. Du musst dazu aber die Inflation oder Teuerungsrate beachten, die angibt, wie die Preise für Alltagsprodukte steigen. Nur dann erhältst Du den sogenannten Realzins. 

Für die Frage, wie sich der Wert des Geldes über die Zeit entwickelt, ist der Realzins die entscheidende Größe. Der Blick in die Statistik zeigt: Negative Realzinsen sind keineswegs neu. Es gab sie auch schon in manchen Jahren, die heute wie eine gute, alte Zeit des Sparens gelobt werden. Damals sah der Bankzins zwar gut aus, wurde aber von der Inflation aufgezehrt.

Ökonomen haben diesen Effekt der „Geldwertillusion“ im Labor nachgewiesen. Das menschliche Gehirn findet es nachweislich schöner, wenn es 5 Prozent Zinsen statt 0,5 Prozent gibt – selbst wenn in beiden Fällen die Inflation höher als der nominale Zins ist und man sich von seinem Geld genau die gleichen Produkte kaufen könnte.

Den Spieß umdrehen: Kredite zum Negativzins?

Bleibt noch die Frage, warum das Kassieren von Minuszinsen nur den Banken vorbehalten sein sollte. Schließlich ist auch die umgekehrte Situation denkbar: Kunden nehmen einen Kredit auf und müssen später eine kleinere Summe zurückzahlen. Solche Angebote gab es zuletzt von mehreren Unternehmen. 

Die Rahmenbedingungen machen die Sache allerdings eher zum Gag – und Du solltest besser nicht ohne Weiteres mitmachen. Für den Kreditbetrag gibt es meist eine Höchstgrenze von 1.000 Euro, die Rückzahlung muss teilweise über mehrere Monate oder sogar Jahre gestreckt werden. Obendrauf bekommt der Anbieter über die Bonitätsprüfung auch noch viele persönliche Daten, nicht zuletzt Einblick in die letzten Kontoauszüge.

Die staatliche Förderbank KfW vergibt ebenfalls Kredite zu negativen Zinsen. Und ist in Sachen Gags wesentlich unverdächtiger. Sie reicht manche Immobilienkredite für einen negativen Zinssatz aus. Dabei müssen die Vorschriften zur Energieeffizienz beachtet werden. Oftmals ein guter Deal.

Video: Das Positive an Negativzinsen

Empfehlungen aus dem Ratgeber

  • Für Neukunden: 0,20 Prozent pro Jahr (für drei Monate) bei Renault Bank direkt
  • Für alle Kunden: 0,20 Prozent pro Jahr bei TF Bank, 0,11 Prozent pro Jahr bei Collector Bank über Weltsparen, 0,10 Prozent pro Jahr bei Leaseplan Bank, Varengold Bank
  • Dauerhaft gutes Tagesgeld: 0,20 Prozent pro Jahr bei TF Bank, 0,10 Prozent pro Jahr bei Leaseplan Bank, 0,09 Prozent pro Jahr bei Nordax Bank über Weltsparen

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