Fahrtenbuch

Viele Dienstwagenfahrer sparen mit Fahrtenbuch Steuern und Zeit

Udo Reuß
Experte für Steuern
24. Juli 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Selbstständige, Kleinunternehmer und Angestellte, die einen Dienstwagen auch privat nutzen, müssen dafür Steuern zahlen, Arbeitnehmer zudem So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.
  • Versteuert wird der Privatanteil entweder mit der pauschalen 1-Prozent-Regelung oder per Fahrtenbuch – handgeschrieben oder in elektronischer Form.
  • Ein Methodenwechsel ist nur zu Jahresbeginn oder bei einem neuen Auto möglich.
  • Es gibt drei Kategorien an Fahrten, die im Fahrtenbuch lückenlos und zeitnah aufgezeichnet werden müssen: berufliche Touren, Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz und Privatfahrten.
  • Digitale Fahrtenbücher müssen den Anforderungen des Finanzamts genügen. Eine offizielle Zertifizierung gibt es nicht.
  • Oft passiert es, dass das Finanzamt ein Fahrtenbuch nicht akzeptiert, weil es angeblich oder offensichtlich manipuliert wurde.
So gehst Du vor
  • Führe ein Fahrtenbuch ab Jahresanfang oder einem Fahrzeugwechsel probeweise für drei Monate und vergleiche das Ergebnis mit der einfach zu berechnenden 1-Prozent-Methode. Entscheide Dich erst danach endgültig.
  • Steuerlich günstiger sein kann ein Fahrtenbuch in diesen Fällen: Der Bruttolistenneupreis des Autos ist hoch; Du hast einen alten oder gebraucht gekauften Wagen; die laufenden absetzbaren Kosten sind eher niedrig; Du nutzt das Auto kaum privat oder Du wohnst relativ weit weg von Deiner ersten Tätigkeitsstätte.
  • Digitale Fahrtenbücher sind bequemer als handschriftliche. Es gibt sie als Hardware (beispielsweise ein Stecker oder fest eingebaute Box), als Software oder als App auf dem Smartphone sowie als Kombination aus Hard- und Software.
  • Apps wie das Kfz-Fahrtenbuch und Driverslog Pro 2 können ein kostengünstiger Einstieg sein. Sie erfordern aber oft zeitintensive manuelle Zusatzangaben. Langfristig halten wir daher Vimcar als Hardware-Lösung für die nach Zeitaufwand und Kostengesichtspunkten sinnvollere Investition.

Fahrten zur Messe, zu Kunden oder zu Geschäftspartnern – es gibt viele Gründe, warum Arbeitnehmer und Selbstständige ein Auto für berufliche Zwecke einsetzen. Die Kosten sind steuerlich absetzbar. Für die privaten Fahrten mit demselben Auto gilt das allerdings nicht. Nutzt beispielsweise ein Angestellter seinen Firmenwagen sowohl aus beruflichen als auch privaten Gründen, muss er den geldwerten Vorteil für die privaten Fahrten versteuern und darauf auch Sozialabgaben zahlen.

Wahl zwischen 1-Prozent-Regelung und Fahrtenbuch

Um den Privatanteil zu versteuern, kannst Du zwischen zwei Methoden wählen:

  1. die pauschale 1-Prozent-Regelung und
  2. die Ermittlung der tatsächlichen Autokosten mithilfe eines Fahrtenbuches.

Achtung: Du darfst die Methode nur zu Jahresanfang oder beim Wechsel des Fahrzeugs ändern.

Viele Angestellte mit Dienstwagen nutzen die 1-Prozent-Methode. Als geldwerter Vorteil für die Privatnutzung gilt für jeden Monat 1 Prozent des Bruttolisten-Neupreises – unabhängig davon, wie teuer das Auto bei der Anschaffung tatsächlich war. Hinzu kommt noch ein Aufschlag für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte: Jeder Entfernungskilometer ist mit 0,03 Prozent des Listenpreises zu multiplizieren. Ausführlich erläutern wir die 1-Prozent-Regelung im Ratgeber Dienstwagenbesteuerung.

Unternehmer dürfen die 1-Prozent-Methode auch anwenden. Nur wenn sie ihn mehr als zur Hälfte beruflich nutzen, zählt ein Firmenwagen zum notwendigen Betriebsvermögen. Außerdem müssen sie für die private Nutzung zusätzlich Umsatzsteuer zahlen.

In welchen Fällen kann das Fahrtenbuch günstiger sein?

Wenn die pauschale Regelung zulässig ist, sollte sich jeder Fahrer eines Dienstwagens kritisch fragen, ob er sie tatsächlich nutzen sollte. Es gibt etliche Situationen, in denen sie relativ teuer sein kann:

  • Der Bruttolisten-Neupreis des Autos ist sehr hoch.
  • Du hast das Auto gebraucht gekauft oder es ist relativ alt.
  • Die Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsplatz ist groß.
  • Du fährst wenig aus privaten Gründen.
  • Im Fall eines Selbstständigen: Das Auto ist bereits vollständig abgeschrieben.
  • Die als Betriebsausgaben absetzbaren laufenden Kosten wie Sprit, Kfz-Versicherung und Kfz-Steuer sind relativ niedrig.

Günstiger ist dann oft das Führen eines Fahrtenbuchs. Schließlich zählen beim Fahrtenbuch fast alle Kosten, die für das Auto im Laufe des Jahres anfallen – etwa für den Sprit, Reparaturen und Wartung, Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer, Parkgebühren, Autopflege, Reifen, Tüv-Gebühren, Leasinggebühren oder die Zinsen für ein Autodarlehen. Außen vor bleiben Bußgelder und privat veranlasste Maut- und Straßenbenutzungsgebühren. Deshalb sollten Autofahrer mit Fahrtenbuch alle Belege akribisch sammeln und aufbewahren.

Der Fahrtenbuchdienstleister Vimcar bietet auf seiner Homepage einen Firmenwagenrechner an. Dort kann jeder seine eigene Situation eingeben und erfährt so den geldwerten Vorteil nach der 1-Prozent-Regel sowie mit Fahrtenbuch. Ist letzteres günstiger, führt dies zu einer Steuerersparnis. Sie beträgt im Vimcar-Musterfall für einen VW Golf 861 Euro, für einen Audi A4 kommen 2.159 Euro Vorteil heraus. Durchschnittlich sparen Vimcar-Nutzer nach Firmenangaben 2.785 Euro jährlich. 

Drei Kategorien an Fahrten musst Du notieren

Für das Fahrtenbuch gelten strenge Regeln – gleichermaßen für das per Hand ausgefüllte und für das elektronische. Es gibt steuerlich fünf Kategorien an Fahrten, von denen Du auf jeden Fall die ersten drei aufzeichnen musst:

  1. Dienstliche Fahrten: Du musst für jede Fahrt das Datum, Abfahrts- und Zielort, Kilometerstand zu Beginn und am Ende der Fahrt, Reisestrecke und den Reisezweck dokumentieren. Zudem solltest Du auch den besuchten Geschäftspartner oder Kunden namentlich nennen. Sollte ein Umweg erforderlich sein, musst Du auch dies vermerken.
  2. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz: Dabei genügen das Datum und die Kilometerangaben. Diese Kosten darfst Du steuerlich nur mit der Entfernungspauschale abrechnen. Sie beträgt pro Arbeitstag pauschal 30 Cent für jeden Entfernungskilometer. 
  3. Private Fahrten: In diesen Fällen reichen das Datum und die Distanz.
  4. Familienfahrten bei doppelter Haushaltsführung und
  5. Fahrten, die mit anderen Einkünften zusammenhängen: Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Du den Dienstwagen von Deinem Arbeitgeber auch nutzt, wenn Du als Vermieter Deiner Ferienwohnung unterwegs sind.

Falls mehrere Menschen das Auto nutzen, dann ist auch der jeweilige Fahrer einzutragen. Außerdem musst Du das amtliche Kennzeichen sowie der Kilometerstand am Anfang und Ende des Jahres notieren.

Bezüglich der Form macht das Finanzamt folgende Vorgaben:

  • Das Fahrtenbuch muss als gebundenes Buch geführt werden, es darf keinesfalls aus Einzelblättern bestehen und auch keine Excel-Tabelle sein.
  • Alle Fahrten müssen, sobald sie beendet sind, eingetragen werden. Beim elektronischen Fahrtenbuch reicht es, die Einträge binnen einer Woche zu erledigen.
  • Die Vermerke müssen vollständig, korrekt, übersichtlich und leserlich sein.
  • Nachträge sind grundsätzlich nicht erlaubt. Hast Du Dich verschrieben oder sind Änderungen erforderlich, musst Du diese klar kennzeichnen.

Im Buchhandel und online kannst Du gedruckte Fahrtenbücher kaufen, beispielsweise von Zweckform oder Siegel. Diese beinhalten die steuerlich vorgeschriebenen Spalten und Zeilen, die Du dann per Hand ausfüllen musst.

Drei Typen elektronischer Fahrtenbücher sind auf dem Markt

Wer den Aufwand eines handschriftlichen Fahrtenbuchs scheut oder dazu neigt, auch mal zu vergessen, eine Fahrt in das Büchlein einzutragen, für den empfiehlt sich ein elektronisches Fahrtenbuch. Ein guter Fahrtenbuchassistent nimmt dem Fahrer einigen Aufwand beim Notieren und Auswerten ab und erinnert ihn daran, falls ein Eintrag fehlt.

Das Portal vergleich.org hat im September 2017 elektronische Fahrtenbücher getestet. Es unterscheidet drei Typen:

  1. Navigationssystem mit Fahrtenbuch: Insbesondere bei Premium-Autoherstellern wie BMW oder Mercedes kann ein fest eingebautes Navigationssystem als Fahrtenbuch genutzt werden. Hinzu kommen Lösungen von Navi-Anbietern wie Tomtom.
  2. Software: Das Wiso Fahrtenbuch ist ein Beispiel für ein Programm, das mit einer zusätzlichen mobilen Komponente wie einer App auf dem Smartphone kombiniert werden muss. Die App protokolliert die einzelnen Fahrten und überträgt sie an die Software. Letztlich erstellst Du dann das Fahrtenbuch auf dem Computer.
  3. Dienstleister: Soft- und Hardware sind aufeinander abgestimmt, um alle steuerlichen Voraussetzungen zu erfüllen – so auch die zehnjährige Archivierungspflicht.

Die Lösung von Vimcar lässt sich zum dritten Typ zählen – als ganzheitliche Dienstleistung. Das ist für Nutzer bequemer als die anderen Typen. Bei dem Test von Fahrtenbuchlösungen hat vergleich.org Vimcar zum Sieger gekürt. Auch in anderen Veröffentlichungen wie bei „Spiegel online“ (11. Dezember 2015), im Steuer-Fachmagazin „Kalkül“ (Ausgabe 1/2016) sowie in den Zeitschriften „Firmenauto“ (Ausgabe 10/2016) und „Autoflotte“ (Ausgabe 9/2016 ) schneidet das Produkt bei Untersuchungen gut ab. 

Der Nutzer kauft oder mietet von Vimcar einen Stecker, den er im Fußraum selbst montiert. Damit werden alle Fahrten aufgezeichnet. Über die On-Board-Diagnose (OBD) liest die Hardware den Kilometerstand direkt aus dem Auto aus. Der Stecker hat eine integrierte Sim-Karte, mit der die Fahrdaten ans Rechenzentrum gesendet werden.

Nach dem Parken wird die neue Fahrt darüber in die Fahrtenbuchsoftware übertragen. Mithilfe einer App vervollständigt der Nutzer die Angaben, indem er die Art der Fahrt sowie bei Dienstfahrten den aufgesuchten Geschäftspartner erfasst. Alternativ kann er die Angaben später am Desktop erledigen. Kennzeichnet er nicht innerhalb einer Woche eine Fahrt, wird diese unwiderruflich zur Privatfahrt. Im Gegensatz zu reinen App-Lösungen erfasst Vimcar alle Fahrten auch dann, wenn es keinen GPS-Empfang gibt.

Die Daten werden in einem Rechenzentrum gespeichert und archiviert. Das Fahrtenbuch lässt sich als PDF-Datei exportieren – als Einzelfahrtauflistung und auf einem Jahresübersichtsblatt, das die gefahrenen Kilometer auf die jeweiligen Fahrtkategorien verteilt. Dieses kann der Nutzer ausdrucken oder per Mail verschicken.

Bei Vimcar handelt es sich um ein manipulationssicheres, geschlossenes System. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat geprüft, dass das Produkt alle IT-Sicherheitsanforderungen ordnungsgemäß erfüllt. Auch deshalb können wir Dienstwagenbesitzern diese Lösung empfehlen.

Der monatliche Mietpreis beträgt ab August 2020 19,90 Euro netto. Zuvor geschlossene Verträge profitieren vom bisherigen Nettopreis von 15,90 Euro. Hinzu kommt die Umsatzsteuer.

Vimcar
ganzheitliche Fahrtenbuch-Dienstleistung
  • manipulationssicheres, abgestimmtes System
  • OBD-Stecker erfasst automatisch Kilometerstände direkt vom Auto
  • intuitive Software für ergänzende Angaben für Dienstfahrten
  • Fahrtenbuch als exportierbare PDF-Datei
  • Datenspeicherung im Rechenzentrum

Einstieg ins Fahrtenbuch auch mit einer App möglich

Wer nicht direkt mit einer Komplettlösung beim elektronischen Fahrtenbuch starten, sondern die digitale Aufzeichnung erstmal ausprobieren möchte, ist mit einer App auf dem Smartphone gut beraten. Apps haben den Vorteil, dass sich das Fahrzeug per GPS orten lässt. Das bedeutet: Der Nutzer braucht die Start- und Zielorte nicht selbst notieren. GPS funktioniert aber beispielsweise in Tunnel oder Parkhäusern zuweilen nicht.

Apps sind oft für Privatnutzer kostenlos oder zumindest günstig. Daher erstaunt es nicht, dass es mitunter große Unterschiede gibt, wie komfortabel sich die Apps bedienen lassen. Je komplizierter es ist, zum Beispiel die Adressen und Geschäftspartner per Hand zu korrigieren, desto weniger ist mit dem Fahrtenbuchassistenten gewonnen.

Die Steuerberatungsgesellschaft felix1.de hat im Mai 2016 zehn Apps getestet. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Erfassung per App nicht unbedingt einen Zeitvorteil gegenüber dem handgeschriebenen Fahrtenbuch bringt. Für Dienstwagenfahrer, die das Auto alleine nutzen, kann eine App trotzdem eine sinnvolle Einstiegsvariante sein. Dies gilt vor allem dann, wenn im Smartphone die Kontaktdaten der besuchten Geschäftspartner abgespeichert sind und in der App einfach übernommen werden können, um die Strecken zu ermitteln.

Felix1.de kürt Driverslog Pro zum Testsieger für iPhone-Nutzer: Mittlerweile gibt es die Nachfolgeversion Driverslog Pro 2 – und zwar auch für Android. Die private und ehrenamtliche Nutzung ist kostenlos, für den geschäftlichen Gebrauch ist eine Business-Lizenz erforderlich. Diese gibt es für eine monatliche Gebühr von 1,99 Euro oder für eine jährliche Gebühr von 14,99 Euro. Wer sich für eine App-Lösung erwärmen kann, dem können wir Driverslog Pro 2 empfehlen.

Driverslog Pro 2
Fahrtenbuch-App
  • günstige App für iOS und Android-Smartphones
  • Ausgabenverwaltung möglich
  • regelmäßiges Backup in der Cloud
  • direktes Weiterverarbeiten von PDF- und CSV-Exporten
  • GPS-basierte Streckenaufzeichnung kann fehleranfällig sein
Nur beim Anbieter abschließbar

Eine Alternative ist die App Kfz-Fahrtenbuch, die es sowohl für das iPhone als auch für Smartphones mit Android gibt sowie für alle Internet-Browser. Die Daten in der App werden über die Cloud bei Kfz Fahrtenbuch im Browser synchronisiert. Die Steuerberatergenossenschaft Datev empfiehlt die App; sie war außerdem beim Test von vergleich.org die App mit der besten Bewertung.

In einer Basisversion ist sie kostenlos, in der Pro-Version kostet sie 60 Euro im Jahr. Mit der Kauf-Variante ist es einerseits möglich, automatisch die Distanz zu ermitteln und die Daten in der Cloud zu synchronisieren, andererseits die Daten in das weiterverarbeitbare Format CSV zu exportieren.

Damit Du das Fahrtenbuch an das Finanzamt übergeben kannst, musst Du die Daten in CSV oder als PDF exportieren können. Programme wie Wiso Fahrtenbuch haben eine Datev-Schnittstelle, sodass sich die Daten darüber ans Finanzamt übermitteln lassen.

Warum ist ein Fahrtenbuch mit Hardware manchmal besser?

Falls Du mal nicht daran denkst, die notwendigen Daten zu einer Fahrt einzutragen, sollte ein guter Fahrtenbuchassistent Dich daran erinnern. Als Absicherung tragen einige Modelle (beispielsweise Vimcar) die Fahrt nach sieben Tagen automatisch als Privatfahrt ein. Das wirkt sich zwar ungünstig auf Deine Steuer aus, doch weist das Fahrtenbuch dann keine Lücken auf. Das kann sonst schnell dazu führen, dass das Finanzamt das gesamte Fahrtenbuch verwirft.

Ist der Handyakku leer oder hast Du den Stecker zu Hause liegen gelassen, hilft aber der beste Fahrtenbuchassistent nichts. Denn Du musst jede Fahrt erfassen. Bei Lösungen mit zusätzlicher, im Auto dauerhaft montierter Hardware ist dies unwahrscheinlicher, da Du das Aufzeichnungsgerät im Fahrzeug stecken lassen kannst.

Fahrtenbücher allein über eine App sind vor allem für unschlüssige Fahrer praktisch, die sich noch nicht sicher sind, ob sie mit einem Fahrtenbuch sparen können.

Weil aber eine App oft zeitintensive manuelle Zusatzangaben erfordert und die Streckenmessung per GPS zu ungenau ist, solltest Du als Firmenwagennutzer langfristig lieber in eine hardwarebasierte Lösung investieren. Hast Du hingegen vor, langfristig ein Fahrtenbuch zu führen, lohnt es sich eher, die Daten per Stecker am OBD-Anschluss auszulesen, wie bei Vimcar. Gleiches gilt, falls Du bereits längere Zeit ein handschriftliches Fahrtenbuch führen und auf ein elektronisches umsteigen willst.

In der Regel besitzt das Gerät einen eigenen GPS-Empfänger für die Satellitenortung und gleicht den Kilometerstand automatisch mit dem Auto ab. Dadurch sind die Systeme weniger fehleranfällig als reine Apps. Auch kannst Du den Stecker oder die Box dauerhaft im Fahrzeug lassen, was die Gefahr verringert, dass Du mal vergisst, eine Fahrt aufzuzeichnen.

Nur bei wenigen Anbietern musst Du die Box in einer Werkstatt fest in das Fahrzeug einbauen lassen. Bei zahlreichen Anbietern reicht es aus, das Gerät selbst an den Bordcomputer zu stecken. Ebenso leicht kannst Du es dann auch wieder entfernen.

Eine Marktübersicht über gängige Hardware-Anbieter findest Du auf firmenauto.de mit 24 Anbietern und autoflotte.de mit 12 Anbietern.

Elektronische Daten müssen zehn Jahre lang archiviert werden

Das Finanzamt besteht auf Manipulationssicherheit. Kannst Du im Fahrtenprotokoll nachträglich etwas eintragen, muss die Korrektur nachvollziehbar sein. Bei elektronischen Fahrtenbüchern betrifft das vor allem den Datei-Typ, in dem es abgespeichert wird. Excel-Tabellen lehnt das Finanzamt grundsätzlich ab. Ein Dokument im CSV- oder PDF-Dateiformat sollte das Fahrtenbuch schon erstellen können, damit Du auf der sicheren Seite bist.

Elektronische Daten müssen für die Betriebsprüfung digital auswertbar sein. Die Steuerbehörde darf noch zehn Jahre später Deine Auswertungen für Prüfungszwecke anfordern. Wo genau die Dateien gespeichert sind und ob Dein Anbieter eine Sicherheitskopie aufbewahrt, kann daher auf lange Sicht wichtig werden. Du selbst solltest daher immer eine PDF-Datei zehn Jahre lang archivieren.

Finanzamt akzeptiert Fahrtenbuch nicht immer

Ob händisch oder elektronisch geführt: Am wichtigsten ist, dass das Fahrtenbuch die Voraussetzungen für das Finanzamt erfüllt. Die Fahrten müssen vollständig und zeitnah erfasst, nachträgliche Änderungen sauber nachvollziehbar und Manipulationen an den Aufzeichnungen ausgeschlossen sein. Ist dies nicht der Fall, verwirft das Finanzamt das Fahrtenbuch. Dann wird in aller Regel der geldwerte Vorteil aus dem Dienstwagen nach der 1-Prozent-Regelung berechnet.

Die Gefahr, dass die Behörde das Fahrtenbuch ablehnt, ist vor allem groß, wenn sie zur Betriebsprüfung kommt. Schließlich kann ein Prüfer die Einträge mit Tankbelegen, Parkquittungen und anderen Belegen aus der Buchhaltung abgleichen. Stellt er beispielsweise fest, dass die Kilometerstände in Werkstattrechnungen abweichen, sind dies für ihn Anzeichen für ein manipuliertes Fahrtenbuch. Auch Umwege wecken bei einem Prüfer Misstrauen. War beispielsweise eine Baustelle oder ein Stau Grund für einen Umweg, sollte das dementsprechend im Fahrtenbuch begründet werden – auch bei einem elektronischen Fahrtenbuch. Bei einem handschriftlich geführten Fahrtenbuch kontrolliert der Prüfer häufig das Schriftbild kritisch.

Zahlreiche Anbieter werben damit, dass sie finanzamtskonform sind. Eine Garantie, dass die Behörde das Fahrtenbuch akzeptiert, gibt es jedoch nicht, da das Finanzamt selbst keine Anbieter überprüft. Daher greifen die Anbieter häufig auf externe Zertifikate zurück. Die Bandbreite reicht dabei vom Tüv-Siegel über Wirtschaftsprüfer und Steuerkanzleien, die prüfen, ob das System die steuerlichen Voraussetzungen einhält. Strategische Vertriebspartnerschaften mit dem Deutschen Steuerberaterverband, der Steuerberatergenossenschaft Datev sowie mit Haufe-Lexware werten wir vor diesem Hintergrund als Vorteil für Vimcar.

Für die Akzeptanz beim Finanzamt hängt es aber vor allem davon ab, dass der Nutzer das Fahrtenbuch ordnungsgemäß führt. Dabei muss er die Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD) beachten. Demnach muss eine nachträgliche Modifikation steuerrelevanter Daten ausgeschlossen sein oder zumindest für das Finanzamt lückenlos nachvollziehbar sein.

Unzureichend sind Telematiklösungen, bei denen ein GPS-Gerät nur Zeiten, Positionen und Bewegungsdaten dokumentiert. In einem solchen Fall muss der Nutzer zusätzlich die Fahrtanlässe immer zeitnah per Hand ins Fahrtenbuch eintragen. Eine technische Lösung, die auch nach Jahren noch Änderungen zulässt, kann nicht als elektronisches Fahrtenbuch anerkannt werden. (Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 23. Januar 2019, Az. 3 K 107/18).   

Komfort und Datenschutz beißen sich häufig

Wenn Du die Fahrprotokolle auch noch ein Jahrzehnt später bei Deinem Anbieter anfordern kannst, erhöht das Deine Sicherheit bei einer Prüfung durch das Finanzamt. Allerdings sind Deine Daten dann auch über den gesamten Zeitraum bei Deinem Anbieter gespeichert. Ein hoher Standard für Datenschutz ist daher unerlässlich.

Fühlst Du Dich nicht wohl dabei, die Kontrolle über Deine Fahrdaten abzugeben, solltest Du lieber auf eine solche Zusatzleistung verzichten. Umso sorgfältiger musst Du die Fahrtenbücher dann jedoch in den eigenen vier Wänden aufbewahren, egal ob handschriftlich oder elektronisch.

Viele Fahrtenbuchassistenten greifen darüber hinaus auf GPS für die Ortsbestimmung zurück und gleichen die erfassten Daten mit Deinem Adressbuch ab. Das erhöht den Komfort des elektronischen Fahrtenbuchs. Allerdings lässt sich daraus ein weitreichendes Bewegungsprofil ableiten. Willst Du diese Datensammlung vermeiden, musst Du auf eine Hardware-Lösung zurückgreifen, bei der Du das GPS ausschalten kannst. Allerdings bleibt es Dir dann nicht erspart, die Adressen von Hand einzutragen.

So haben wir ausgewählt

Finanztip hat die unterschiedlichen technischen Fahrtenbuch-Lösungen nicht selbst getestet. Unsere Empfehlungen basieren auf einem Test von verschiedenen Lösungen auf dem Portal vergleich.org im September 2017 sowie einem Test von zehn Apps durch die Steuerberatungsgesellschaft felix1.de im Mai 2016.

Wir haben die beiden Tests ausgewertet, die bestplatzierten Lösungen detaillierter analysiert und mit weiteren Marktübersichten und Veröffentlichungen abgeglichen. Felix1.de empfiehlt für das Betriebssystem Android das Fahrtenbuch Pro. Diese App kannst Du jedoch derzeit nicht mehr im Google-Playstore herunterladen. Sie ist daher bei uns herausgefallen.

Weil das Thema Finanzamtskonformität ein wesentliches ist, spielen die Empfehlungen des auf Steuerberater spezialisierten IT-Dienstleisters Datev sowie des Deutschen Steuerberaterverbands eine größere Rolle für unsere Empfehlungen. Datev empfiehlt neben Vimcar und Kfz-Fahrtenbuch noch das „Fahrtenbuch“ von Meyer-Solutions als eine App-Lösung für das iPhone und iPad. Auch beim Test von vergleich.org hat es ordentlich abgeschnitten.

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.