Immobilienrente

Im­mo­bi­li­en­ver­ren­tung: So machst Du Dein Eigenheim zu Geld

Barbara Weber
Finanztip-Expertin für Recht
12. November 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Es gibt verschiedene Formen der Im­mo­bi­li­en­ver­ren­tung: Leibrente, Teilverkauf, Nießbrauch und Umkehrhypothek. 
  • Eine Leibrente ist eine zusätzliche Rente, die Du bis an Dein Lebensende bekommst.
  • Beim Teilverkauf veräußerst Du einen Teil Deines Hauses und bekommst dafür den Kaufpreis. Von diesem Modell raten wir Dir ab. 
So gehst Du vor
  • Informiere Dich zunächst über die verschiedenen Modelle. Berate Dich mit Deinem Partner und Deiner Familie.
  • Du solltest den Vertrag vor der Unterschrift von einem Anwalt oder Steuerberater prüfen lassen.
  • Bevor Du Dein Haus verkaufst, solltest Du ein Angebot für einen Baukredit einholen. 

Mehr dazu im Ratgeber Umkehrhypothek

  • Auch im Alter lohnt es sich, ein Angebot für einen Baukredit einzuholen.
  • Unsere Anbieter-Empfehlung: Dr. Klein, Interhyp, Planethome.

Zum Ratgeber

Wer eine Immobilie besitzt, stellt sich im Alter eine Reihe von Fragen: Wie lange kann ich noch in dieser Immobilie wohnen? Wem soll ich sie später einmal vererben? Aber auch: Wie kann ich mit Hilfe des Hauses meine Rente aufstocken? In diesem Ratgeber zeigen wir Dir, wie Du Dein Haus zu Geld machen kannst, ohne Dein gewohntes Umfeld verlassen zu müssen.

Die Formen der Im­mo­bi­li­en­ver­ren­tung

Wenn Dir die Immobilie, in der Du wohnst, auch gehört, sparst Du Dir die monatlichen Mietzahlungen. Hast Du auch Deinen Baukredit getilgt, zahlst Du nur noch die Nebenkosten für Strom, Heizung und Grundsteuer. Du wohnst also insgesamt sehr günstig.

Doch im Alter kommen weitere Ausgaben auf Dich zu: Vielleicht möchtest Du eine Haushaltshilfe anstellen oder benötigst kostenintensive medizinische Behandlungen. 

Weiterhin kommen Reparaturen an Deiner Immobilie dazu: Ab und zu müssen Teile des Hauses oder der Wohnung erneuert werden, weil sie nicht mehr zeitgemäß oder einfach kaputt sind. Mal ist es das Bad, mal der neue Wintergarten, das Dach oder die Heizung. Doch oftmals fehlt hierfür das Geld. 

Viele denken hier erst einmal an einen Kredit im Alter. Doch es gibt auch Möglichkeiten, Deine Rente mithilfe Deiner Immobilie aufzubessern und die Verantwortung für den Erhaltungsaufwand gleich mit abzugeben, ohne aber Dein Eigenheim aufgeben zu müssen.
Dafür gibt es eine Reihe von Modellen, die wir Dir zunächst im Überblick und dann im Detail vorstellen.

Leibrente

Die Leibrente ist eine wiederkehrende Zusatzrente. Du verkaufst Deine Immobilie an einen Leibrenten-Anbieter oder an nahestehende Verwandte und erhältst dafür eine lebenslange Rente. Zusätzlich kannst Du bis an Dein Lebensende in Deiner Immobilie wohnen bleiben.

Für die Immobilie und ihre Instandhaltung gibst Du alle Verantwortung ab. Der Käufer Deiner Immobilie zahlt alle Kosten rund um Deine Immobilie: die notwendigen Reparaturen, Sanierungen und die Grundsteuer. 

Umkehrhypothek

Auch einzelne Banken zahlen Dir eine Zusatzrente (die sogenannte Umkehrhypothek). Hier verkaufst Du aber nicht Deine Immobilie, sondern beleihst sie nur. Deine Immobilie dient wie bei einem Baukredit als Sicherheit für die Bank. Zu Lebzeiten zahlst Du nur die Zinsen, aber nicht die Tilgung zurück. Wenn Du mehr zur Umkehrhypothek erfahren möchtest, schaue in unseren Ratgeber zur Umkehrhypothek.

Verkauf und Nießbrauch

Du kannst Deine Immobilie auch an eine Privatperson verkaufen, den Kaufpreis bekommen und einen Nießbrauch vereinbaren. Wenn Du eine Rente erhalten möchtest, kannst Du den Kaufpreis anschließend bei einem Versicherer einzahlen, der Dir dafür eine lebenslange Sofortrente zahlt. 

Der Verkauf mit Nießbrauch ist allerdings ein Modell, das wir Dir nicht empfehlen. Zum einen ist es schwierig, eine Immobilie mit einem Nießbrauch zu verkaufen. Denn der Käufer hat bis zu Deinem Tod keine Möglichkeit, die Immobilie selbst zu nutzen. Dieser Umstand wird den Kaufpreis nach unten drücken.

Und nach wie vor musst Du die Kosten für die Immobilie, wie Instandhaltung und Grundsteuer, selbst zahlen. Außergewöhnliche Reparaturen muss zwar der Käufer zahlen, trotzdem können anstehende Reparaturen und deren Bezahlung zu Streitigkeiten führen. 

Teilverkauf 

Beim Teilverkauf verkaufst Du nicht sofort Deine gesamte Immobilie, sondern nur einen Teil (bis zu 50 Prozent). Trotzdem darfst Du weiterhin die komplette Immobilie allein nutzen. 

Aber auch dieses Modell empfehlen wir Dir nicht. Den Kaufpreis für den verkauften Teil bekommst Du zwar auf einen Schlag. Doch mit dem Teilverkauf sind viele Kosten verbunden: Damit Du den verkauften Teil nutzen darfst, musst Du eine Art Miete zahlen. Und Du bist weiterhin dafür verantwortlich, dass Dein Haus in einem guten Zustand bleibt. 

Wie funktioniert die Leibrente?

Die Leibrente ist eine Zusatzrente, die Du garantiert bis an Dein Lebensende erhältst. 

Das Prinzip der Leibrente ist einfach: Du verkaufst einer Person Deine Immobilie. Die Person zahlt Dir im Gegenzug eine Rente. Die Zahlung kann monatlich, quartalsweise oder jährlich erfolgen. Du musst Dir keine Gedanken darüber machen, wie Du in 10, 15 oder 20 Jahren über die Runden kommst. Die Leibrente ist Dir bis zu Deinem Tod garantiert. 

Wer zahlt Dir eine Leibrente?

Wann kannst Du eine Leibrente vereinbaren?

Kannst Du für immer in Deiner Immobilie wohnen?

Was passiert, wenn Du in ein Seniorenheim ziehst?

Wer zahlt die Instandhaltung und die Grundsteuer?

Welche Rolle spielen die Erben?

Was passiert mit einer Restschuld auf Deiner Immobilie?

Wie wird die Leibrente besteuert?

Wie sicherst Du Deine Angehörigen ab?

Wer zahlt eine Leibrente?

Die Leibrente erhältst Du von dem Käufer Deiner Immobilie. Letztlich hast Du die Wahl, ob Du Deine Immobilie an einen gewerblichen Anbieter oder eine Privatperson verkaufst. 

Leibrente durch gewerbliche Anbieter und Stiftungen

Es gibt gewerbliche Anbieter und Stiftungen, die Deine Immobilie kaufen und Dir dafür eine Leibrente zahlen. Allerdings haben unsere Recherchen ergeben, dass nur wenige Anbieter auf dem deutschen Markt existieren: 

Deutsche Leibrenten AG

Die Deutsche Leibrenten AG ist ein Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main und nach eigenen Angaben Marktführer für Verkäufe auf Leibrenten-Basis. Das Unternehmen hat ungefähr 900 Immobilien durch das Leibrenten-Modell erworben. Der Rentner soll ein Mindestalter von 70 Jahren haben. Einen Mindestwert der Immobilie verlangt das Unternehmen nicht.

Eine Rentengarantiezeit von bis zu zehn Jahren kann vereinbart werden. Wenn der Rentner in dieser Zeit verstirbt, erhalten die Angehörigen die Leibrente bis zum Ablauf der Rentengarantiezeit. 

Das Unternehmen schickt zweimal im Jahr einen technischen Dienstleister, der die Immobilie auf Mängel begutachtet. Kleinere Mängel können sofort behoben werden. Für größere Mängel wird gemeinsam mit dem Rentner ein Handwerker bestellt. 

Stiftung Liebenau 

Die Stiftung Liebenau ist eine kirchliche Stiftung aus Meckenbeuren in Baden-Württemberg. Die Stiftung bietet ihre „Zustifterrente“ bereits seit 2003 an. Zu den Aufgaben der Stiftung gehören unter anderem die Erziehung, Betreuung und Pflege von behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Immobilie wird nach Deinem Auszug bewirtschaftet. Die Erträge kommen der Stiftung zugute.

Das Mindestalter beläuft sich auf 65 Jahre. Der Verkehrswert sollte mindestens 200.000 Euro betragen. Die Restschuld auf der Immobilie sollte maximal 30 Prozent des Immobilienwerts betragen. 

Deutsche Immobilien-Renten AG

„Meine Wohnrente“ ist das Leibrenten-Modell der Deutsche Immobilien-Renten AG aus Stuttgart. Das Unternehmen kauft Immobilien im Wert von mindestens 250.000 Euro und verlangt ein Mindestalter von 70 Jahren. 

Du erhältst ein grundbuchgesichertes, lebenslanges Wohnrecht. Bei Umzug in ein Seniorenheim kannst Du Dein Wohnrecht wieder an das Unternehmen verkaufen. 

Es wird eine Rentengarantiezeit von fünf Jahren vereinbart. Im Todesfall erhalten Deine Erben die Rente bis zum Ablauf der Rentengarantiezeit.  

Leibrente durch Angehörige

Auch Angehörige können eine Leibrente zahlen. Das ist vor allem interessant, wenn Deine Kinder später einmal unbedingt Deine Immobilie haben möchten. Auch sie können Dir eine monatliche Leibrente zahlen und erwerben dafür im Gegenzug das Elternhaus schon zu Lebzeiten. 

Dadurch spart Ihr Euch auch die Schenkungsteuer oder die Erbschaftsteuer. Ihr solltet hierfür aber unbedingt einen Anwalt oder Steuerberater zu Rate ziehen, um alle schenkungs- und steuerrechtlichen Fragen zu klären.

Leibrente durch fremde Privatpersonen

Vermeiden solltest Du einen Verkauf an eine fremde Privatperson. Du möchtest schließlich über einen sehr langen Zeitraum eine gesicherte Zusatzrente erhalten. Und dann wäre es mehr als ärgerlich, wenn die Person nicht pünktlich zahlt und Du auf Deine Rente warten musst. Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass der Käufer irgendwann überhaupt nicht mehr zahlt.

Für wen lohnt sich die Leibrente?

Ob sich das Modell der Leibrente für Dich lohnt, lässt sich pauschal nicht beantworten. Vielmehr kommt es auf Deine individuellen finanziellen und persönlichen Bedürfnisse an:

Sichere monatliche Zusatzrente - Die Leibrente ist eher das passende Modell für Dich, wenn Du eine wiederkehrende Rente möchtest, mit der Du allgemein Deine Finanzen aufbessern kannst. Die Leibrente ist eine Zusatzrente und ist Dir bis an Dein Lebensende garantiert. 

Verantwortung abgeben - Die Leibrente ist das einzige Modell, bei dem Du alle Verantwortung für Deine Immobilie abgibst. Zukünftige Reparaturen und Sanierungen musst Du nicht mehr zahlen. Die Kosten übernimmt der Anbieter. Wenn Du also Deine finanziellen Verpflichtungen abgeben möchtest, könnte die Leibrente das passende Modell für Dich sein.

Keine Erben - Wenn Du keine Erben hast, musst Du Dir auch keine Gedanken über das Erbe machen. Dann kann es eine sehr bequeme Lösung sein, das Haus an einen Leibrenten-Anbieter zu verkaufen und mit einer zusätzlichen Rente Deinen Lebensabend zu verschönern. Du musst keinen Baukredit mehr abzahlen und bist schuldenfrei. 

Wenn Du Erben hast - Auch für Erben, die Dein Haus später einmal gerne besitzen möchten, kann die Leibrente interessant sein. Die Vorteile eines Verkaufs an Deine Erben haben wir Dir bereits oben erläutert.

Was ist ein Teilverkauf?

Das Dach muss erneuert werden? Oder braucht das Haus einen Umbau? Dafür benötigst Du schnell einen großen Betrag auf einmal.

Beim Teilverkauf bekommst Du keine monatliche Rente, sondern den Kaufpreis auf einen Schlag. Unternehmen erwerben einen Teil Deines Hauses (bis zu 50 Prozent) und zahlen Dir den Kaufpreis dafür. Nach unserer Einschätzung ist ein Teilverkauf nicht empfehlenswert. Das Modell hat viele Tücken und unüberschaubare Kosten

Das sind die Vorteile des Teilverkaufs 

Auf den ersten Blick hält der Teilverkauf einige Vorteile für Dich bereit: 

Du bleibst Miteigentümer - Da Du nur einen Teil Deiner Immobilie verkaufst, bleibst Du Miteigentümer Deines Hauses. Anders als bei der Leibrente gibst Du die Verantwortung für Dein Eigenheim nicht aus der Hand. Das hat den Vorteil, dass die Immobilie nach wie vor (zum Teil) Dir gehört und damit noch als Erbe bestehen bleibt. 

Rückkauf - Im Gegensatz zu einem normalen Verkauf, kannst Du beim Teilverkauf auch alles wieder rückgängig machen: Den verkauften Teil können Du beziehungsweise Deine Erben wieder zurückkaufen. Aber: Wenn die Immobilie im Wert gestiegen ist, müsst Ihr unter Umständen mehr bezahlen, als Ihr vorher als Kaufpreis erhalten habt.

Nießbrauchsrecht - In der Regel vereinbaren die Anbieter mit Dir ein Nießbrauchsrecht. Dann darfst Du die gesamte Immobilie, auch den verkauften Teil, wie gewohnt nutzen. Solltest Du später einmal in ein Seniorenheim umziehen, kannst Du die Immobilie auch vermieten. Die Mieteinnahmen darfst Du komplett behalten. 

Diese Kosten fallen beim Teilverkauf an

Allerdings ist der Teilverkauf mit vielen Kosten verbunden: Du zahlst monatlich eine Nutzungsgebühr für den verkauften Teil. Dazu kommen in aller Regel Ausgaben für die Instandhaltung. Weitere Kosten entstehen, wenn Du den verkauften Teil irgendwann zurückkaufen oder wenn Du die gesamte Immobilie verkaufen möchtest. 

Nutzungsgebühr - Damit Du den verkauften Teil weiterhin nutzen kannst, musst Du eine Art Miete oder Nutzungsgebühr zahlen. Hier musst Du ordentlich in die Tasche greifen: Die Nutzungsgebühr beträgt ungefähr 3 bis 4 Prozent des Wertes des verkauften Teils pro Jahr. Das macht den Teilverkauf wenig lukrativ. Solltest Du irgendwann Deine Nutzungsgebühr nicht mehr zahlen können, musst Du sogar ausziehen und Deine Immobilie wird verkauft.

Beispiel: Dein Haus hat einen Verkehrswert von 500.000 Euro. Im Zuge des Teilverkaufs gibst Du 50 Prozent an einen Anbieter ab. Der Wert des verkauften Teils beträgt 250.000 Euro. Die 250.000 Euro erhältst Du als Kaufpreis. Als Nutzungsgebühr zahlst Du jährlich 3 bis 4 Prozent des Wertes. Das sind 7.500 bis 10.000 Euro jedes Jahr. Nach fünfzehn Jahren hast Du schon eine Nutzungsgebühr von 150.000 Euro gezahlt. 

Instandhaltung - Anders als bei der Leibrente musst Du weiterhin für Instandhaltungen aufkommen, obwohl Dir ein Teil der Immobilie nicht mehr gehört. Die meisten Anbieter beteiligen sich nicht an Reparaturen oder Sanierungen. Doch auch im Alter wirst Du das ein oder andere an Deinem Haus erneuern oder reparieren müssen, was sehr kostspielig werden kann.

Grundsteuer - Da Du Miteigentümer der Immobilie bist, musst Du auch weiterhin die Grundsteuer zahlen.

Kosten für den Weiterverkauf - Es fallen weitere Kosten an, wenn Du später einmal die Immobilie weiterverkaufen oder zurückkaufen möchtest. Hierfür verlangen die Anbieter ein sogenanntes Durchführungsentgelt, um den Verkauf abzuwickeln. 

Meist liegt die Gebühr bei 2,25 Prozent bis 5,5 Prozent des gesamten Verkaufserlöses. Bedenke, dass Du beim Weiterverkauf nur noch den Kaufpreis für Deinen Anteil der Immobilie bekommst. Den anderen Teil der Immobilie hast Du schon vorher an den Anbieter verkauft, daher behält der Anbieter seinen Anteil am Kaufpreis. Das Durchführungsentgelt musst Du aber alleine tragen. 

Beispiel: Du hast Dein Haus zu 50 Prozent an einen Teilverkauf-Anbieter verkauft. Zusammen mit dem Teilverkauf-Anbieter möchtet Ihr die Immobilie später für 500.000 Euro an einen Dritten verkaufen. Als Kaufpreis erhältst Du nun 50 Prozent, also 250.000 Euro. Die restlichen 250.000 Euro gehen an den Teilverkauf-Anbieter. Je nach Anbieter musst Du ein Durchführungsentgelt von 11.250 Euro bis 27.500 Euro zahlen. 

Alternativen zum Teilverkauf

Wenn es darum geht, Reparaturen an Deiner Immobilie oder einen altersgerechten Umbau vorzunehmen, gibt es Alternativen, die Du einem Teilverkauf immer vorziehen solltest. 

Der Baukredit ist die bessere Lösung 

Du kannst auch im Alter nochmal einen Baukredit aufnehmen, wenn Du nicht verkaufen möchtest und das Geld für eine monatliche Rate hast. Ein Baukredit schneidet im Vergleich zum Teilverkauf wesentlich besser ab:

Bewährtes Modell - Wie ein Baukredit funktioniert, weißt Du schon: Eine Bank gibt Dir ein Darlehen gemessen an dem Wert Deiner Immobilie. Es wird eine sogenannte Grundschuld in das Grundbuch eingetragen, womit die Bank die Immobilie verkaufen darf, wenn Du das Darlehen nicht mehr zahlen kannst. Umgangssprachlich wird Deine Immobilie „beliehen“. 

Du bleibst Eigentümer - Beim Baukredit bleibst Du Alleineigentümer Deiner Immobilie und kannst die Immobilie später komplett vererben. Beim Teilverkauf gibst Du einen Teil Deines Eigentums ab, was das Erbe schmälert. Wenn Deine Erben später die Immobilie behalten möchten, müssen sie den verkauften Teil erst einmal zurückkaufen. Auch wenn Deine Erben das Haus später komplett verkaufen möchten, müssen sie sich mit dem neuen Miteigentümer absprechen und den Verkaufserlös entsprechend der Anteile aufteilen. 

Ein Baukredit ist günstiger - Außer einer monatlichen Rate ändert sich für Dich bei einem weiteren Baukredit nicht viel. Weitere Kosten entstehen für Dich in aller Regel nicht. Und Du profitierst meist von einem günstigen Zinssatz von unter 2 Prozent. Damit kommst Du auch noch günstiger weg als bei einem Teilverkauf. 

Auch für Rentner gibt es Möglichkeiten, einen Baukredit im Alter zu bekommen. Wie Du einen Baukredit im Alter bekommst, zeigen wir Dir in unserem Ratgeber zur Umkehrhypothek.

KfW-Kredit und Zuschüsse

Die KfW unterstützt den altersgerechten Umbau mit dem Altersgerecht-Umbauen-KreditKfW 159. Hier sind Kreditsummen von bis zu 50.000 Euro möglich. Die Zinsen belaufen sich aktuell auf unter 0,1 Prozent (Stand: November 2021). 

Alternativ kannst Du einen Zuschuss zur Barrierereduzierung über das Programm KfW 455 beantragen. Den Zuschuss musst Du nicht zurückzahlen. Du kannst maximal 5.000 Euro für eine Einzelmaßnahme und bis zu 6.250 Euro für den Umbau Deines gesamten Eigenheims beantragen. Die KfW bezuschusst aber höchstens 10 Prozent bei einer Einzelmaßnahme und 12,5 Prozent für den gesamten altersgerechten Umbau.

Wichtig: Du kannst das Zuschussprogramm KfW 455 und das Kreditprogramm KfW 159 nicht miteinander kombinieren.

KfW
Förderprogramme
  • Förderkredite und Zuschüsse für altersgerechten Umbau von Immobilien
  • Förderung in den Programmen KfW 455 und KfW 159
  • maximale Darlehenshöhe beim Kredit 50.000 Euro

Teilverkauf und Leibrente: Beispielrechnungen

Die Höhe Deiner Leibrente hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab:

  1. dem Verkehrswert Deiner Immobilie und
  2. dem Wohnwert.

Der Wohnwert berechnet sich aus der Miete und Deiner statistischen Restlebenszeit beziehungsweise Deiner Lebenserwartung. Der Wohnwert wird von dem Verkehrswert Deiner Immobilie abgezogen.

Die exakte Höhe Deiner Leibrente kannst Du selbst nicht berechnen. In die Berechnung der Leibrente fließen viele verschiedene Faktoren ein. Leibrenten-Anbieter ermitteln selbst einen Betrag und machen Dir ein Angebot. Alternativ kannst Du einen Steuerberater oder einen Anwalt fragen, der auf Immobilienrecht spezialisiert ist.

Wie viel Geld Du monatlich bei einer Leibrente erwarten kannst, zeigen wir Dir an einem Beispiel: Ein Paar, beide 75 Jahre alt, verkauft seine Immobilie, 120 Quadratmeter, mit einem Verkehrswert in Höhe von 300.000 Euro. Die Restlebenserwartung der Senioren liegt laut Statistischem Bundesamt bei 14 Jahren. Das Wohnrecht und die Instandhaltung haben einen Wert von ungefähr 1.020 Euro im Monat. Unter dem Strich erhält das Paar eine monatliche Leibrente in Höhe von 750 Euro (Werte gerundet).

Beispielrechnung Leibrente

Wert der Immobilie300.000 Euro
Wohnwert und Instandhaltung

- 173.000 Euro

Gesamtwert der Leibrente= 127.000 Euro 
Monatliche Leibrente = 750 Euro pro Monat

Quelle: Finanztip, eigene Darstellung

Teilverkauf berechnen

Den Erlös bei einem Teilverkauf zu berechnen, ist vergleichsweise einfach. Du erhältst den Kaufpreis für den verkauften Teil. Allerdings musst Du die monatliche Nutzungsgebühr, Kosten für Instandhaltung und Grundsteuer einkalkulieren. Das sind laufende Kosten, die Du von dem Kaufpreis bezahlen musst.

Ein Beispiel: Ein Paar verkauft 50 Prozent seiner Immobilie mit einem Verkehrswert in Höhe von 300.000 Euro. Das Paar erhält als Kaufpreis 150.000 Euro. Es zahlt zukünftig 363 Euro als monatliche Nutzungsgebühr.

Beispielrechnung Teilverkauf

Wert der Immobilie 300.000 Euro
50 Prozent Verkauf - 150.000 Euro
Kaufpreis= 150.000 Euro

Nutzungsgebühr

(14 Jahre) 

 - 60.984 Euro
Geld zur freien Verfügung= 89.016 Euro

Quelle: Finanztip, eigene Darstellung

Von dem Geld musst Du außerdem zukünftige Kosten für Instandhaltung und Grundsteuer zahlen.

Wie funktioniert die Umkehrhypothek?

Wenn Du nicht verkaufen möchtest, könnte die Umkehrhypothek eine gute Alternative für Dich sein. Ähnlich wie bei der Leibrente erhältst Du eine monatliche Zusatzrente. Das Geld ist aber nur geliehen. Denn Du verkaufst Deine Immobilie nicht, sondern beleihst sie nur. 

Ihren Ursprung hat die Umkehrhypothek in den USA: Dort hat sie sich als ein bekanntes Modell der Immobilienrente etabliert. Rentner erhalten ein Darlehen von der Bank, ähnlich wie bei einem Baukredit. Das Darlehen wird monatlich als Zusatzrente oder einmalig ausgezahlt. Die Immobilie dient der Bank dabei als Sicherheit. Der Unterschied zu einem normalen Baukredit: Der Rentner muss weder Zinsen noch Tilgung zahlen. Die Schulden werden nach dem Tod des Rentners mit dem Verkauf der Immobilie beglichen. 

In Deutschland gibt es ähnliche Modelle, bei denen Du nur die Zinsen zahlen musst. Die Tilgung übernehmen später Deine Erben, wenn sie die Immobilie behalten möchten. Oder Deine Immobilie wird nach Deinem Tod verkauft. Dann wird das Darlehen mit dem Verkaufserlös beglichen. Du möchtest mehr zur Umkehrhypothek erfahren? Dann schaue in unseren Ratgeber zur Umkehrhypothek.

Vertragsgestaltung zur Leibrente: Worauf musst Du achten?

Mit dem Käufer Deiner Immobilie schließt Du einen notariellen Kaufvertrag. Du verpflichtest Dich, Deine Immobilie an den Käufer zu übertragen. Der Käufer verpflichtet sich im Gegenzug, die Leibrente zu zahlen.

Achte auf folgende Punkte in Deinem Vertrag:

  • Kaufpreis der Immobilie
  • Lebenslanges Wohnrecht oder Nießbrauch
  • Höhe der Leibrente und Auszahlungsrhythmus
  • Zuständigkeit bei Renovierungen, Instandhaltung
  • Rentengarantieklausel: Empfänger der Leibrente bei vorzeitigem Ableben des Eigentümers
  • Wertsicherungsklausel, die gegen Inflation schützt
  • Finanzieller Ausgleich bei vorzeitiger Aufgabe des Wohnrechts
  • Absicherung des Partners bei Überleben
  • Rückübertragungsklausel

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