KfW-Studienkredit

Mit dem besten Kreditangebot das Studium finanzieren

Sara Zinnecker
& Co-Autor
Stand: 11. März 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • EU-Bürger, die an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sind, können den KfW-Kredit beantragen.
  • Sie können maximal 54.600 Euro über höchstens 14 Semester abrufen und den Kredit über maximal 25 Jahre zurückzahlen.
  • Den Beginn der Rückzahlung können Sie nach Ende der Auszahlung bis zu 23 Monate lang aufschieben.
  • Der Zinssatz ist variabel.
  • Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, sollten Sie den Kredit so schnell wie möglich abzahlen.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, ob der Studienkredit die einzige Möglichkeit zur Finanzierung Ihres Studiums ist.
  • Rechnen Sie sich aus, wie viel Geld Sie insgesamt benötigen und überlegen Sie, wie schnell Sie es zurückzahlen können.
  • Füllen Sie das Online-Formular auf der Internet-Seite der KfW vollständig aus.
  • Drucken Sie den Antrag aus und geben Sie ihn bei einem KfW-Vertriebspartner ab. Das kann Ihr Studentenwerk sein, aber auch eine Bank.
  • Warten Sie die Bestätigung der KfW ab. Das kann bis zu zwei Wochen dauern.

Studenten, die finanzielle Unterstützung für ihre Ausbildung benötigen, haben die Wahl zwischen einigen Angeboten. Doch kein Studienkredit ist so beliebt wie derjenige der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Laut dem zur Bertelsmann-Stiftung gehörenden Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) haben 2017 erneut knapp 60 Prozent der Antragsteller ihren Studienkredit bei der Förderbank abgeschlossen. Als staatliche Einrichtung genießt die Förderbank besonderes Vertrauen.

Wer bekommt den KfW-Studienkredit?

Für den KfW-Studienkredit gibt es kein spezielles Auswahlverfahren. Sie müssen also keinen Bewerbungsmarathon durchlaufen. Die Förderbank hat aber einige Kriterien definiert, die Antragsteller erfüllen müssen, um den Studienkredit zu erhalten.

Einen Kredit bekommt,

  • wer an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland eingeschrieben ist und
  • einen Bachelor-, Master-, Diplom-, Magisterabschluss oder eine Promotion anstrebt,
  • wer mindestens 18 und höchstens 44 Jahre alt ist,
  • wer EU-Bürger ist und seit drei Jahren in Deutschland lebt oder
  • wessen Familienangehörige EU-Bürger sind.

Auch wer sich entschließt, ein oder zwei Semester im Ausland zu verbringen und dort Prüfungen abzulegen, muss um den Kredit nicht fürchten. Solche Auslandsaufenthalte sind in Ordnung, sofern der oder die Studierende an der deutschen Universität immatrikuliert bleibt. Während eines Urlaubssemesters wird der Studienkredit jedoch vorübergehend ausgesetzt. Die Auszahlung lässt sich höchstens für vier Semester unterbrechen.

Um die Raten zu erhalten, müssen Studenten regelmäßig Studiennachweise erbringen. Über den Schufa-Score müssen Sie sich dagegen keine Gedanken machen. Nur wer harte Negativmerkmale aufweist, etwa eine Privatinsolvenz, bekommt keinen Kredit.

Wie funktioniert der KfW-Studienkredit?

Nachdem Sie einen KfW-Studienkredit abgeschlossen haben, erhalten Sie zunächst über eine festgelegte Zeit monatlich Geld. Wenn die vereinbarte Kreditsumme ausbezahlt ist, müssen Sie mindestens sechs Monate pausieren, bevor Sie mit der Tilgung beginnen können. Lesen Sie im Folgenden, worauf Sie in der Auszahlungs-, Karenz- und Rückzahlungsphase achten sollten.

Auszahlungsphase: Über diesen Zeitraum zahlt die KfW Studierenden monatlich eine Rate aus. Sie kann zwischen 100 und 650 Euro im Monat liegen und ist zu Vertragsbeginn frei wählbar. Sollte sich der Finanzierungsbedarf später ändern, lassen sich die Raten zu zwei Terminen im Jahr anpassen (1. April und 1. Oktober). Maximal finanziert die KfW das Erst- oder Zweitstudium 14 Semester lang, bei einer Promotion sechs Semester.

In der Auszahlungsphase fallen, anders als etwa beim Bafög, Zinsen an. Der Zinsbetrag wird direkt von der Auszahlungssumme abgezogen. Das bedeutet: Die KfW überweist immer etwas weniger Geld, je länger der Kredit läuft. Studenten können aber einen Aufschub der Zinszahlung vereinbaren, wenn sie eine Zwischenprüfung, ein Vordiplom oder mindestens 90 ECTS-Punkte nachweisen können.

Karenzphase: Die KfW hat die vereinbarte Kreditsumme ausbezahlt. Studierende müssen jetzt mindestens sechs Monate pausieren, bevor sie mit der Rückzahlung des Kredits beginnen können. Maximal können sie die Tilgung 23 Monate lang aufschieben. Die Karenzzeit nimmt Studierenden den Druck, sofort nach dem Studium einen Job zu finden. Zu beachten ist aber auch: Die Zinszahlungen auf die gesamte Kreditsumme laufen während der Karenzphase weiter.

Rückzahlungsphase: Kreditnehmer müssen über einen vorab festgelegten Zeitraum, maximal über 25 Jahre, monatlich den Kredit samt Zinsen zurückzahlen. Sie können auch zweimal jährlich, zum 1. April und zum 1. Oktober, Sonderzahlungen leisten oder die gesamte Kreditsumme jederzeit ohne Nachteil vorzeitig tilgen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung, wie sie bei Standard-Ratenkrediten verlangt wird, entfällt in diesem Fall. Zum Beginn der Tilgungsphase besteht die Möglichkeit, für maximal zehn Jahre einen festen Zinssatz zu vereinbaren.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Ratenhöhe Sie vereinbaren sollen, können Sie den Bedarfsrechner für Studierende der KfW zur Hilfe nehmen. 

Wann ist der variable Zins fällig?

Der Zins beim KfW-Studienkredit bringt zwei Besonderheiten mit sich: 

  1. Er ist variabel - Anders als bei einem standardmäßigen Ratenkredit oder anderen Studienkredit-Angeboten schwankt der Zins beim KfW-Studienkredit über die Laufzeit. Die Höhe ist an den sechsmonatigen Euribor gekoppelt – an den Zins also, zu dem sich die Banken gegenseitig für sechs Monate Geld überlassen. Die KfW schlägt auf diesen Referenzzins eine Marge auf. Im Februar 2019 betrug der Zins 4,17 Prozent effektiv im Jahr. Die KfW überprüft den Zins zweimal im Jahr, immer Anfang April und Oktober.
  2. Er fällt ab der zweiten Auszahlungsrate an - Die KfW behält ab der zweiten Kreditrate Zinsen direkt ein. Die Auszahlung verringert sich dann jeweils um die Zinsschuld. Erst mit dem ersten Leistungsnachweis – einer Zwischenprüfung oder dem Nachweis von 90 ECTS-Punkten – können Studierende einen Zinsaufschub beantragen.

Folgende Tabelle zeigt an Beispiel-Monaten, wie stark die Zinsen ins Gewicht fallen, wenn ein Student über drei Jahre monatlich 400 Euro bezieht und keinen Aufschub beantragt.

So viel bleibt nach Zinsen von der Auszahlung1

MonatKreditbetragZinsen BestandAuszahlung
1400 €-400 €
10400 €10,48 €387,72 €
20400 €22,13 €374,08 €
30400 €33,77 €360,44 €
36400 €40,76 €352,26 €

1Annahmen: Ein Student bezieht über 36 Monate jeden Monat 400 Euro. Der Kreditzins beträgt effektiv 4,17 Prozent pro Jahr.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 26. Februar 2019)

Im Beispiel steigt die Zinsschuld nach drei Jahren bis auf ein Zehntel der Auszahlungsrate an (knapp 41 von 400 Euro). Grundsätzlich erhöht sich die Zinszahlung mit der Laufzeit, weil die Kreditschuld ansteigt.

Wie viel kostet ein KfW-Studienkredit?

Die Gesamtkosten des Kredits hängen nicht allein am jährlichen Effektivzins. Auch wie Sie Karenz- und Tilgungsdauer wählen und wie sich die Zinsen entwickeln, spielt eine Rolle. Wie sich die Gesamtkosten bei gleicher Kreditsumme und gleichem Effektivzins unterscheiden können, zeigt folgende Tabelle:

So viel kostet ein KfW-Studienkredit

 gleich-
bleibende
Zinsen
längere
Tilgungs-
dauer
Zins-
aufschub
bis
Tilgung
höhere
Zinsen
Auszahlungs-
phase
kürzere
Karenz-
dauer
allgemeine Parameter1     
Kredit-
summe
14.400 €14.400 €15.121 €214.400 €14.400 €
Karenz-
dauer (Monate)
121212126
Zinsen
Rückzahl-
phase p.a.3
4,17 %4,17 %4,17 %7 %4,17 %
Rück-
zahlungs-
dauer
(Jahre)
714777
Ergebnis     
Gesamt-
effektiv-
zins p.a.
4,17 %4,17 %4,17 %5,74 %4,17 %
Gesamt-
kosten
Kredit
3.634 €5.989 €3.788 €5.1778 €3.339 €
Kosten-
differenz
 2.355 €154 €1.544 €-295 €

1Wir unterstellen einen jährlichen Effektivzins von 4,17 Prozent für die Auszahlungsphase. Die Kreditsumme wird über drei Jahre gezahlt.
2Die Kreditsumme setzt sich in diesem Fall aus den ausgezahlten Raten und der aufgelaufenen Zinsschuld zusammen.
3Effektivzins
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 25. Februar 2019)

Eine Verdopplung der Tilgungsdauer von 7 auf 14 Jahre lässt den Kredit im Beispiel über 2.000 Euro teurer werden. Auch wer nach drei Semestern die Zinszahlung bis zur Tilgung aufschiebt, zahlt am Ende im Beispiel 154 Euro mehr. Der Kredit verteuert sich außerdem dann, wenn die Zinsen in der Auszahlungsphase deutlich ansteigen, beispielsweise auf 7 Prozent. Günstiger wird der Kredit, je kürzer Studierende die Karenzzeit festlegen, also je früher sie beginnen, den Kredit abzuzahlen.

Wie können Studenten den KfW-Kredit beantragen?

Da der Studienkredit etwas kostet, empfehlen wir Ihnen, einen Kredit nur in Betracht zu ziehen, wenn Sie Ihr Studium nicht anderweitig über Nebenjobs oder über private Unterstützung finanzieren können.

Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann den KfW-Studienkredit online auf der Seite der KfW abschließen. Dazu genügt es, ein mehrseitiges Formular auszufüllen, das unter anderem Ihre persönlichen Daten und viele Detailinformationen zum Studium abfragt.

Das Formular drucken Sie anschließend aus und müssen es zusammen mit einer Studienbescheinigung bei einem sogenannten KfW-Vertriebspartner abgeben. Außerdem müssen Sie Ihren Personalausweis oder ein anderes Ausweisdokument und Ihre Girocard oder Kontoauszüge als Nachweis für ein Girokonto mitbringen. Vertriebspartner kann Ihr Studentenwerk sein, aber auch einige Banken zählen dazu. Eine Liste aller KfW-Vertriebspartner finden Sie auf der Website der KfW.

Prüfung innerhalb von zwei Wochen

Das Studentenwerk oder die Bank prüft Ihre Unterlagen und leitet sie dann an die KfW weiter. Innerhalb von zwei Wochen sollten Sie dann von der Förderbank Bescheid bekommen, ob Ihr Kredit genehmigt ist. Wenn Sie Ihre Unterlagen vor dem 15. eines Monats einreichen, besteht eine gute Chance, dass Sie am nächsten Monatsersten Ihre erste Rate beziehen können.

Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Josefine Lietzau

Stand: 11. März 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.