Bafög

Das Geldgeschenk vom Staat für Studenten, Azubis und Schüler

Arne Düsterhöft Stand: 20. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit Bafög fördert der Staat junge Menschen, die wenig Geld haben, während ihrer Ausbildung.
  • Studierende bekommen bis zu 861 Euro im Monat, Azubis und Schüler etwas weniger (Stand: August 2020). Abzüge gibt es, wenn Du, Deine Eltern oder Dein Lebenspartner gut verdienen.
  • Wenn Du Bafög-berechtigt bist, solltest Du die Förderung immer in Anspruch nehmen, da Du höchstens die Hälfte zurückzahlen musst (oft ist es weniger). Mit der Rückzahlung musst Du erst fünf Jahre nach Deinem Studienabschluss anfangen.
So gehst Du vor
  • Überprüfe mit unserer Übersicht, ob und wie viel Bafög Du voraussichtlich bekommen kannst.
  • Reiche Deinen Antrag spätestens im ersten Monat Deiner Ausbildung oder Deines Studiums ein.
  • Lege in den ersten fünf Jahren nach dem Studium Geld beiseite, damit Du das Darlehen rasch zurückzahlen kannst. Begleichst Du die Summe auf einmal, sind Rabatte bis zu 2.100 Euro möglich.

Während der Corona-Pandemie gibt es für Studenten zwei zusätzliche Geldquellen:

1. 1. Zuschuss - Von Juni bis September 2020 konnten Studierende einen monatlichen Zuschuss von bis zu 500 Euro beantragen. Seit Oktober kannst Du das nicht mehr – auch nicht rückwirkend.

2. KfW-Studienkredite - Seit Mai bis Ende März 2021 musst Du für alle bestehenden und neuen Studienkredite der KfW keine Zinsen zahlen. Seit Juni können auch ausländische Studierende den Kredit beantragen. Weitere Informationen findest Du bei der KfW.

Schüler, Lehrlinge und Studenten können Geld vom Staat bekommen, wenn sie anders nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Geregelt werden diese Zuschüsse im Berufsausbildungsförderungsgesetz – besser bekannt unter der Abkürzung Bafög.

Das Ziel von Bafög ist es, jedem die Möglichkeit auf eine Ausbildung, ein Studium und einen Schulabschluss zu geben – auch denen, die es sich ohne finanzielle Unterstützung nicht leisten könnten. 2019 wurden 680.000 Menschen durch Bafög unterstützt, davon waren rund 191.000 Schüler und Auszubildende. Die Zahlen gehen seit Jahren zurück, daran ändert auch die Bafög-Novelle von August 2019 nichts. 2019 wurde noch rund jeder sechste Studierende gefördert.

Wer bekommt überhaupt Bafög?

Die erste große Hürde, die Du meistern musst, ist herauszufinden, ob Du überhaupt Bafög-berechtigt bist. Der Staat springt nämlich nur ein, wenn Du oder Deine Familie die Kosten der Studien- oder Lehrzeit nicht selbst stemmen können. Falls Du die Voraussetzungen erfüllst, sollte Bafög ein fester Bestandteil sein, um Dein Studium oder die Ausbildung zu finanzieren. Denn mindestens die Hälfte bekommst Du geschenkt – oft musst Du sogar nur einen geringen Teilbetrag zurückzahlen.

Ob Deine Berufsausbildung, Deine Schulausbildung oder Dein Studium durch Bafög gefördert werden kann, hängt von Deiner Ausbildungsstätte ab.

Diese Ausbildungsstätten werden gefördert

 Ausbildungsstätte
StudentenUniversitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien
AuszubildendeBerufsaufbauschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen, Berufskollegs
Schüleralle anerkannten Schulen von Gymnasien über Gesamtschulen bis Hauptschulen, zweiter Bildungsweg über Abendhauptschulen, Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs

Quelle: bafög.de (Stand: August 2020) 

Für Studenten gilt: Es wird grundsätzlich nur ein Vollzeitstudium gefördert. Auch bekommst Du die Förderung nur für das erste Studium; für ein Zweitstudium nur dann, wenn es direkt auf dem Erststudium aufbaut. Das ist etwa der Fall bei einem Bachelorstudium mit anschließendem Masterstudium. Wer sein Studienfach zum Zweitstudium wechselt, hat keinen Anspruch mehr auf Bafög.

Dasselbe Prinzip gilt für Erst- und Zweitausbildungen. Mit dem sogenannten Auslands-Bafög kannst Du Dir auch eine Ausbildung im Ausland oder ein Auslandssemester während des Studiums fördern lassen (§ 2-7 Bafög).

Zusätzlich musst Du zwei grundsätzliche Voraussetzungen für Bafög erfüllen, egal ob Azubi, Schüler oder Student (§ 8-10 Bafög):

  1. Staatsangehörigkeit: Du musst deutscher Staatsbürger sein, um Bafög zu bekommen. Es ist aber auch möglich, ohne deutschen Pass die staatlichen Zuschüsse zu erhalten. Dafür ist entscheidend, ob Du auch nach der Ausbildungszeit voraussichtlich langfristig in Deutschland bleiben wirst. Gerade unter den Menschen aus anderen EU-Ländern gibt es viele, für die ein solcher dauerhafter Aufenthalt infrage kommt. Erste Anlaufstelle ist das Auslandsamt der jeweiligen Hochschule. Dieses kann oft weiterhelfen.
  2. Alter: Bei Beginn der Ausbildung oder des Studiums darfst Du höchstens 29 Jahre alt sein. Für ein Masterstudium liegt die Obergrenze bei 34 Jahren. In einigen Sonderfällen darfst Du auch älter sein, zum Beispiel beim Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg oder wenn Du ein Kind hast.

Mit wie viel Bafög kannst Du rechnen?

Der Höchstsatz von 861 Euro pro Monat reicht oftmals gerade so aus für Wohnung, Essen und Lernmaterial (§ 11-14 Bafög). Von dem Geld musst Du außerdem Deine Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Vom Bafög-Amt gibt es nur pauschale Förderungen – egal, wie viel Du zum Beispiel für Deine Wohnung ausgeben musst, Du bekommst immer nur 325 Euro für Miete und Nebenkosten. Als Student hast Du nur innerhalb der Regelstudienzeit Anspruch auf Bafög. Dabei ist es egal, wie viele Semester Du davon Bafög erhältst.

Auszubildende und Schüler bekommen das Bafög geschenkt

Für Azubis und Schüler gibt es weniger Bafög als für Studenten. Welche Höchstbeträge genau gelten, hängt allein von der Art der Ausbildungsstätte ab. Im Gegensatz zu Studenten bekommen Schüler und Azubis das Bafög vollständig als staatliche Förderung, und zwar grundsätzlich so lange, wie sie die Ausbildungsstätte besuchen. Dies gilt auch, wenn sie eine Klasse wiederholen müssen. Egal, wie lange oder wie viel Du erhältst, Du musst nichts von dem sogenannten Schüler-Bafög zurückzahlen.

Bei Studenten sieht das etwas anders aus. Die Hälfte des Bafögs besteht aus der geschenkten Förderung und die andere aus einem langfristigen Darlehen. Die Konditionen des Darlehens sind allerdings äußerst vorteilhaft, sodass auch für Studenten gilt: Wenn Du Bafög-berechtigt bist, solltest Du die Förderung auf jeden Fall beanspruchen.

Wie viel Förderung Du höchstens bekommst

 

bei den Eltern
zuhause

eigene
Wohnung

Universitäten, Höhere Fachschulen etc.

592 €

861 €

Abendgymnasien, weiterführende Fachschulklassen etc.

563 €

832 €

Abendhaupt- und Abendrealschulen, weiterführende Fachoberschulen etc.

557 €

790 €

Berufsfachschulen

356 €

694 €

Schüler im ersten Bildungsweg, Fachschulen etc.

-

694 €

pro Kind

+ 150 €

+ 150 €

Inklusive Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 109 Euro (ab dem 31. Lebensjahr steigt der Betrag auf 189 Euro)
Quelle: §§ 12, 13, 13a Bafög (Stand: August 2020)

Spielt das Einkommen Deiner Eltern eine Rolle?

Bafög ist für alle gedacht, die ihre Ausbildung nicht selbst finanzieren können. Die Eltern sind dem Azubi oder Studierenden gegenüber unterhaltspflichtig, auch wenn er schon volljährig ist und aus dem Elternhaus ausgezogen ist. Ähnliches gilt für Ehe- und eingetragene Lebenspartner. Verdienen diese zu viel, bekommst Du weniger Förderung.

Daher musst Du beim Bafög-Antrag auch die Einkünfte Deiner Eltern und Deines Ehepartners offenlegen und dazu dem Bafög-Amt den Steuerbescheid des vorletzten Kalenderjahres der Eltern und des Partners einreichen.

Verdienen Deine Eltern im aktuellen Jahr voraussichtlich weniger Geld, kannst Du auch das angeben. So erhältst Du unter Umständen mehr Bafög. Das empfiehlt sich vor allem, wenn ein Elternteil in Rente geht oder nur noch in Teilzeit arbeitet.

Verdienen Deine Eltern wegen Corona weniger, kannst Du einen Aktualisierungsantrag für den laufenden Bafög-Bewilligungszeitraum stellen und so mehr Bafög bekommen. Weitere Informationen dazu findest Du hier.

So viel dürfen Deine Eltern verdienen

Das Bafög-Amt berücksichtigt bestimmte Freibeträge für das Einkommen der Eltern. Sind die Eltern miteinander verheiratet, gilt ein Freibetrag für beide gemeinsam. Sind die Eltern getrennt, wird für jedes Elternteil ein eigener Freibetrag berücksichtigt. Auch mit jedem unterhaltsberechtigten Kind, das von Deinem Ehepartner oder Deinen Eltern versorgt werden muss, steigt der jeweilige Freibetrag. Die Höhe der Freibeträge wurde zuletzt zur Bafög-Reform 2019 angepasst.

Monatliche Freibeträge für Eltern und Ehepartner

 August 2020

August 2021

verheiratete Eltern

1.890 €

2.000 €

alleinstehender Elternteil

1.260 €

1.330 €

Ehepartner

1.260 €

1.330 €

Stiefelternteil

630 €

665 €

pro Kind (unterhaltsberechtigt)

570 €

605 €

Quelle: § 25 Bafög (Stand: August 2020) 

Wir empfehlen Dir, vor dem Antrag einmal durchzurechnen, ob das Einkommen Deiner Eltern über den in der Tabelle genannten Bafög-Freibeträgen liegt. Das gibt Dir etwas Planungssicherheit, da Du Bafög nur kurze Zeit vor Beginn des Studiums oder der Ausbildung beantragen kannst. Einen Online-Rechner findest Du zum Beispiel auf bafoeg-rechner.de.

Lass Dich von den niedrigen Einkommensgrenzen nicht zu schnell entmutigen. Denn bei der Rechnung vom Bafög-Amt wirken sich zahlreiche Faktoren zu Deinen Gunsten aus – wie Sozialabgaben, Werbungskosten oder Riester-Beiträge. Das sogenannte pauschale Nettoeinkommen, auf das es ankommt, ermittelst Du am besten mit dem jüngsten Steuerbescheid Deiner Eltern. Doch auch wenn Deine Eltern mehr verdienen, kannst Du immer noch eine teilweise Förderung bekommen.

Beispiel für das Einkommen der Eltern

Sind Deine Eltern verheiratet, musst Du ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft kannst Du aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Deine Eltern 45.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich.

Auf dem Infoportal des Familienministeriums bafög.de sind einige konkrete Beispiele aufgeführt, wann es wie viel Förderung gibt. Im Gegensatz zum Einkommen spielt das Ersparte Deiner Eltern keine Rolle; die Einkünfte, die sie aus dem Vermögen erzielen, aber sehr wohl (Kapitalerträge beispielsweise gelten auch als Einnahmen).

Was darfst Du neben dem Bafög verdienen?

Das angesparte Vermögen der Eltern wird bei der Bafög-Berechnung nicht herangezogen. Doch wenn Du selbst mehr als 8.200 Euro zusammengespart hast, musst Du zuerst Deine Reserven aufbrauchen. Mit Lebenspartner und Kindern darfst Du mehr Geld auf der hohen Kante haben (je 2.300 Euro mehr für jede Person in Deinem Haushalt).

Wenn Du in der aktuellen Corona-Krise in systemrelevanten Branchen arbeitest, wird Dein Verdienst nicht auf die Bafög-Förderung angerechnet. Weitere Informationen dazu findest Du hier.

Wenn Du selbst genug verdienst, um Dir Dein Studium zu finanzieren oder in der Ausbildung bezahlt wirst, bekommst Du kein Bafög. Ausgenommen davon sind zum Beispiel Minijobs. Hier gibt es Freibeträge, die Dir geringe Einnahmen ohne Anrechnung auf das Bafög erlauben.

Auf die Freibeträge schlägt das Bafög-Amt noch Kosten für Sozialabgaben und die Werbungskostenpauschale obendrauf. Der grundsätzliche Freibetrag für eigenes Einkommen von 290 Euro im Monat erhöht sich damit pauschal auf 450 Euro. Das gilt für den gesamten Bewilligungszeitraum (normalerweise zwölf Monate). Ein Nebenjob in den Ferien oder in der vorlesungsfreien Zeit darf also auch mal mehr einbringen, solange Du insgesamt weniger als 5.400 Euro im Jahr verdienst. Ist Deine Ausbildung besonders kostenintensiv, hast Du Kinder oder unterstützt du Deinen Ehepartner, gelten höhere Freibeträge.

Falls Du eine Waisenrente oder ein Stipendium bekommst, musst Du diese erst bei höheren Summen auf Dein Bafög anrechnen lassen. Ist das Geld aus dem Stipendium zweckgebunden, wie zum Beispiel eine Bücherpauschale, zählt es nicht und Du darfst deshalb auch mehr als den Freibetrag für Stipendien in Höhe von 300 Euro behalten.

Monatliche Freibeträge für eigenes Einkommen

 

Ab August 2020

Grundfreibetrag

290 €

mit Ehepartner

+ 630 €

pro Kind

+ 570 €

Waisenrente / Waisengeld

+ 200 €

Stipendium

+ 300 €

Härtefälle1

+ 285 €

1 Falls eine private Einrichtung Schulgeld oder Studiengebühren verlangt, gilt das als Härtefall. Semesterbeiträge von staatlichen Hochschulen zählen jedoch nicht dazu.
Quelle: § 23 Bafög (Stand: August 2020)

Wer kann elternunabhängiges Bafög bekommen?

In einigen Fällen bekommst Du auch Bafög, obwohl Deine Eltern Dich eigentlich unterstützen könnten (§ 11 Bafög). Möglich ist das in folgenden Situationen:

Eltern verweigern den Unterhalt - Wenn Deine Eltern keinen Unterhalt zahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, springt das Bafög-Amt ein. Du bekommst dann Bafög ausgezahlt, überträgst aber im Gegenzug dem Amt Deine Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern.

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg - Besuchst Du ein Abendgymnasium oder ein Kolleg, brauchst Du dem Bafög-Amt keine Angaben über die Einkünfte Deiner Eltern zu machen.

Ausbildung beginnt nach dem 30. Lebensjahr - Falls Du aufgrund einer Ausnahme nach Deinem 29. Geburtstag Bafög bekommst, musst Du Dir um das Einkommen Deiner Eltern keine Gedanken machen.

Schon fünf Jahre gearbeitet - Wenn Du Dich nach dem Berufseinstieg entscheidest, doch noch zu studieren, bekommest Du elternunabhängiges Bafög. Allerdings musst Du dazu mindestens fünf Jahre gearbeitet haben, seitdem Du volljährig bist, beziehungsweise sechs Jahre, wenn dazu eine Ausbildung gehörte.

Was ist bei Deinem ersten Bafög-Antrag wichtig?

Erfüllst Du alle Voraussetzungen, geht es an den eigentlichen Antrag. Dabei solltest Du vor allem die Fülle der Unterlagen nicht unterschätzen, die Du für Deinen Antrag zusammensammeln musst. Gerade die Einkommensbelege Deiner Eltern zu beschaffen, kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Kümmere Dich daher so früh wie möglich um Deinen Antrag. Wenn Du direkt zum Ausbildungs- oder Studienbeginn auf die Förderung angewiesen bist, solltest Du die nötigen Unterlagen schon zuvor organisiert haben.

Wann der beste Zeitpunkt für den Bafög-Antrag ist

Bafög kannst Du im Prinzip erst beantragen, wenn Du weißt, wo Du studierst oder Deine Ausbildung machst. Wenn Du bereits zuvor abschätzen kannst, wo Du am Ende landen wirst, lohnt es sich aber, den Antrag schon vor der Zusage einzureichen und die Einschreibung (Immatrikulation) nachzuschicken.

Allerspätestens im Monat des Ausbildungs- oder Studienbeginns solltest Du den Antrag auf den Weg bringen; Bafög gibt es nämlich nicht rückwirkend. Für das Wintersemester an der Uni reicht dazu auch noch der 31. Oktober.

Gerade bei Studien- oder Ausbildungsbeginn sammelt sich so mancher Kostenpunkt an. Fällt es Dir schwer, ein oder zwei Monate finanziell zu überbrücken, bis das Bafög gezahlt wird, wende Dich am besten persönlich an Deinen Sachbearbeiter. Häufig haben die Mitarbeiter im Bafög-Amt Verständnis für schwierige Übergangsphasen und bearbeiten dringende Fälle schneller. Für die Übergangszeit kannst Du außerdem auch Arbeitslosengeld II beantragen.

Wo Du Dein Bafög beantragen kannst

In welchem Bafög-Amt Du Deinen Antrag einreichen musst, hängt von der Art und dem Ort Deiner Ausbildungsstätte ab (§ 45 Bafög):

  • Studenten reichen ihren Bafög-Antrag im Studentenwerk ihrer Hochschule ein.
  • Für höhere Fachschulen, Abendgymnasien, Kollegs und Akademien ist das Bafög-Amt im Bezirk der Ausbildungsstätte zuständig.
  • Alle anderen Schüler müssen sich an das Bafög-Amt am Wohnort der Eltern wenden.

Auf bafög.de findest Du eine Liste der Ämter.

Welche Unterlagen Du brauchst

Der Antrag besteht aus verschiedenen Formblättern, die Du ausgefüllt beim Bafög-Amt einreichen musst. Du kannst diese auch elektronisch ausfüllen und einschicken. Normalerweise kommen noch Einkommensbelege von Dir und Deinen Eltern obendrauf, sowie ein Nachweis über Deine Vermögensverhältnisse und die Zulassung der Ausbildungsstätte.

Jedes Jahr aufs Neue: Regelmäßig Bafög beantragen

Das Bafög-Amt gewährt die Förderung in der Regel immer nur für ein Jahr. Nach dem sogenannten Bewilligungszeitraum musst Du erneut die entsprechenden Formblätter und Unterlagen des Folgejahrs einreichen. Mit der Zeit bekommst Du darin Routine. Folgendes solltest Du über die Jahre beachten (§ 15-17 Bafög):

Leistungsnachweis - Zum fünften Semester müssen Studierende nachweisen, dass sie genügend Kurse oder Seminare besucht und die notwendigen Zwischenprüfungen bestanden haben, um das Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen. Allzu sehr schleifen lassen darfst Du Dein Studium daher nicht.

Wer seine Prüfungen wegen der Corona-Pandemie nicht machen konnte, verliert dadurch seinen Anspruch auf Bafög nicht. Weitere Informationen dazu findest Du hier.

Fachwechsel - Im Bachelorstudium dürfen Studierende sich bis zum vierten Semester für ein anderes Studienfach entscheiden. Mit dem Wechsel startet die Regelstudienzeit und damit auch die Bafög-Bezugsdauer von neuem.

Hilfe beim Studienabschluss - Fehlen nach der Regelstudienzeit noch einige Monate zum Studienabschluss, können Studenten ein besonders gefördertes Bankdarlehen in Höhe ihres Bafögs beantragen. Dieses KfW-Darlehen ist günstiger als ein gewöhnlicher KfW-Studienkredit.

Wie lässt sich Deine Förderdauer verlängern?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge schafften 2014 weniger als die Hälfte der Bachelor-Absolventen ihr Studium in der Regelstudienzeit. Unter allen Studierenden lag die Quote noch niedriger (40 Prozent). Auch das Bafög-Amt weiß, dass es triftige Gründe gibt, warum das Studium länger dauern kann.

Das kann zum Beispiel ein Auslandssemester sein. Es zählt nicht zur Regelstudienzeit, selbst wenn es durch Auslands-Bafög gefördert wird. Gerade in Kombination mit dem Erasmus-Austausch-Programm kannst Du also den einen oder anderen Schein an einer ausländischen Uni machen, ohne dabei in zeitliche Bedrängnis zu geraten. Darüber hinaus verlängern folgende Ausnahmen die Förderdauer:

Krankheit - Eine schwerwiegende oder langwierige Krankheit hindert Dich daran, an einer wichtigen Prüfung teilzunehmen.

Chaos an der Hochschule - In der Planung der Hochschule läuft etwas schief, und Dir ist es gar nicht möglich, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen.

Hochschulgremium - Du bist mindestens ein Semester lang Mitglied in einem Hochschulgremium, wie Asta oder Studienparlament.

Prüfung misslungen - Auch der beste Student kann durch eine Prüfung fallen. Falls Du für einen Schein einen zweiten Versuch brauchen, erhältst Du ein halbes Jahr länger Bafög – auch wenn der Fehlversuch gar nicht für das Abschlusszeugnis gewertet wird.

Behinderung - Fällt es Dir wegen einer Behinderung schwerer, das Studium zu meistern, ist auch das ein Grund, länger Bafög zu bekommen.

Schwangerschaft/Kindeserziehung - Bekommst Du Nachwuchs, versteht auch das Bafög-Amt, dass ein Studium nicht einfach so weiterläuft wie bisher und gewährt längere Förderzeiten.

Wie viel Bafög musst Du zurückzahlen?

Du bekommst mindestens die Hälfte der Bafög-Förderung geschenkt. Außerdem musst Du nie mehr als 10.010 Euro zurückzahlen, egal wie viel Bafög Du über die Jahre bekommen hast. Fünf Jahre nach dem Ende des Studiums musst Du anfangen, Dein Darlehen zurückzuzahlen; normalerweise in Raten von 130 Euro pro Monat. Dieses zinslose Staatsdarlehen musst Du jedoch nur tilgen, wenn Du auch entsprechend verdienst.

Am besten auf einmal zurückzahlen

Oft lohnt es sich, in den ersten fünf Berufsjahren das Geld für das Bafög-Darlehen anzusparen und die gesamte Summe auf einmal abzuzahlen. In diesem Fall gewährt der Staat erhebliche Rabatte (§ 18-20 Bafög). Hast Du das Geld nicht auf der hohen Kante, kann es sich unter Umständen sogar lohnen, das Darlehen mit einem Kredit abzulösen. Dies gilt speziell dann, wenn die Zinsen auf den Kredit kleiner sind als der Rabatt für die Rückzahlung des Bafög-Darlehens.

Hast Du beispielsweise genau 20.000 Euro Bafög erhalten, musst Du die Hälfte als Darlehen zurückzahlen – also 10.000 Euro. Mit dem Rabatt für die Einmal-Rückzahlung in Höhe von 21 Prozent zahlst Du nur 7.900 Euro zurück, Du sparst also 2.100 Euro.

Wer mehr Bafög-Schulden hat, bekommt seit dem 1. April 2020 ebenfalls 2.100 Euro erlassen, wenn er die Summe auf einmal zurückzahlt. Musst Du weniger zurückzahlen, schrumpft die Ersparnis bei einer Einmalrückzahlung entsprechend einer Nachlasstabelle.

Vergünstigungen bei Einmalrückzahlung

Bafög-Summe3.000 €20.000 €32.000 €
Darlehen1.500 €10.000 €16.000 €
Rückzahlung1.395 €7.900 €7.900 €
Vergünstigung7 %21 %21 %

Quelle: Bundesverwaltungsamt (Stand: April 2020)

Gute Noten zählen seit 2012 nicht mehr, dafür verjähren Bafög-Schulden

Bis 2012 war es möglich, die Summe des Darlehens zu verringern, indem Du vor der Regelstudienzeit fertig wurdest oder zu den besten 30 Prozent Deines Jahrgangs gehörtest. Falls Du 2018 mit der Rückzahlung begonnen hast, könnte es also sein, dass Du noch von der alten Regelung profitierst. Hast Du Dein Studium nach 2012 abgeschlossen, hast Du keine Chance mehr auf diesen Rabatt.

Wer ab September 2019 zum ersten Mal Bafög bekommen hat, muss das Darlehen nicht länger als 20 Jahre abzahlen, egal ob er seine Schulden in der Zeit begleichen konnte oder nicht. Wer zum Beispiel über viele Jahre nicht genügend verdient hat, braucht sich irgendwann keine Gedanken mehr um seine Restschulden zu machen.

Was sind Alternativen zum Bafög?

Wenn Du kein Bafög bekommst, muss das noch lange nicht das Ende Deiner Studienpläne bedeuten. Zu den Alternativen zählen Stipendien oder ein studentischer Nebenjob. Vielleicht brauchst Du etwas länger, wenn Du jobbst, so kannst Du aber auch direkt Berufserfahrung sammeln. Ähnlich sieht es bei einem dualen Studium aus.

Falls Dein Bafög-Antrag wegen des Einkommens Deiner Eltern abgelehnt wird, hast Du ein Recht auf Unterhalt. Doch Du musst den eigenen Eltern nicht gleich mit einer Unterhaltsklage drohen. Auch ein privates Darlehen aus dem Verwandtenkreis kann über Durststrecken hinweghelfen. Studienkredite sollten immer der letzte Ausweg sein, da Dich diese finanziell nachhaltig belasten. Das gilt auch für den staatlich geförderten KfW-Studienkredit.

Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 20. Oktober 2020


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