Bafög

So finanzieren Studenten, Azubis und Schüler ihre Ausbildung

Arne Düsterhöft Stand: 02. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit Bafög fördert der Staat junge Menschen, die über begrenzte Mittel verfügen, während ihrer Ausbildung. Studenten bekommen ab August 2019 maximal 853 Euro im Monat, Azubis und Schüler etwas weniger. Im August 2020 wird der Höchstbetrag auf 861 Euro angehoben.
  • Die Förderung fällt geringer aus, wenn Sie als Bafög-Nehmer, Ihre Eltern oder Ihr Lebenspartner gut verdienen.
  • Wenn Sie Bafög-berechtigt sind, sollten Sie die Förderung immer in Anspruch nehmen, da Sie höchstens die Hälfte zurückzahlen müssen (oft weniger).
  • Fünf Jahre nach Ihrem Studienabschluss müssen Sie das Bafög-Darlehen zurückzahlen. Sie können einiges sparen, wenn Sie einen Großteil der Summe auf einmal begleichen.
So gehen Sie vor
  • Überprüfen Sie mit unserer Übersicht, ob Sie Bafög-berechtigt sind und wie viel Bafög Sie voraussichtlich bekommen können.
  • Bafög gibt es nicht rückwirkend. Reichen Sie Ihren Antrag spätestens im ersten Monat Ihrer Ausbildung oder Ihres Studiums ein.
  • Je früher Sie alle Unterlagen zusammen haben, desto schneller bekommen Sie auch die erste Zahlung. Es kann schon mal einige Monate dauern, bis der Antrag bearbeitet wird.
  • Legen Sie in den ersten fünf Jahren nach dem Studium Geld beiseite, damit Sie das Darlehen rasch zurückzahlen können. Begleichen Sie die Summe auf einmal, bekommen Sie hohe Rabatte – bis zu 28,5 Prozent.

Schüler, Lehrlinge und Studenten können Geld vom Staat bekommen, wenn sie anders nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Geregelt werden diese Zuschüsse im Berufsausbildungsförderungsgesetz – besser bekannt unter der Abkürzung Bafög.

Das Ziel von Bafög ist es, jedem die Möglichkeit auf eine Ausbildung, ein Studium und einen Schulabschluss zu geben, der es sich anders nicht leisten kann. 2018 wurden 727.000 Menschen durch Bafög unterstützt, davon rund 209.000 Schüler und Auszubildende. Auch wenn die Zahlen seit Jahren zurückgehen, wurde 2018 noch knapp jeder fünfte Studierende gefördert. Mit der Bafög-Novelle zum August 2019 könnten wieder mehr Menschen Bafög-berechtigt sein.

Wer bekommt überhaupt Bafög?

Die erste große Hürde, die Sie meistern müssen, ist herauszufinden, ob Sie überhaupt Bafög-berechtigt sind. Der Staat springt nämlich nur ein, wenn Sie oder Ihre Familie die Kosten der Lehrzeit nicht selbst stemmen können. Falls Sie die Voraussetzungen erfüllen, sollte Bafög ein fester Bestandteil sein, um Ihr Studium oder die Ausbildung zu finanzieren. Denn mindestens die Hälfte bekommen Sie geschenkt – oft müssen Sie sogar nur einen geringen Teilbetrag zurückzahlen.

Ob Ihre Berufsausbildung, Ihre Schulausbildung oder Ihr Studium durch Bafög gefördert werden, hängt von Ihrer Ausbildungsstätte ab.

Diese Ausbildungsstätten werden gefördert

 Ausbildungsstätte
StudentenUniversitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien
AuszubildendeBerufsaufbauschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen, Berufskollegs
Schüleralle anerkannten Schulen von Gymnasium über Gesamtschule bis Hauptschule, zweiter Bildungsweg über Abendhauptschulen, Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs

Quelle: bafög.de (Stand: Juli 2019)

Für Studenten gilt: Es wird grundsätzlich nur ein Vollzeitstudium gefördert. Auch bekommen Sie die Förderung nur für das erste Studium; für ein Zweitstudium nur dann, wenn es direkt auf dem Erststudium aufbaut. Das ist etwa der Fall bei einem Bachelor-Studium mit anschließendem Master-Studium. Wer sein Studienfach wechselt, hat keinen Anspruch mehr auf Bafög.

Dasselbe Prinzip gilt für Erst- und Zweitausbildungen. Mit dem sogenannten Auslandsbafög können Sie sich auch eine Ausbildung im Ausland oder ein Auslandssemester während des Studiums fördern lassen (§ 2-7 Bafög).

Zusätzlich müssen Sie zwei grundsätzliche Voraussetzungen für Bafög erfüllen, egal ob Azubi, Schüler oder Student (§ 8-10 Bafög):

Staatsangehörigkeit - Sie müssen deutscher Staatsbürger sein, um Bafög zu bekommen. Es ist aber auch möglich, ohne deutschen Pass die staatlichen Zuschüsse zu erhalten. Dafür ist entscheidend, ob der Antragssteller auch nach der Ausbildungszeit voraussichtlich langfristig in Deutschland bleiben wird. Gerade unter den Menschen aus anderen EU-Ländern gibt es viele, für die ein solcher dauerhafter Aufenthalt infrage kommt. Erste Anlaufstelle ist das Auslandsamt der jeweiligen Hochschule. Dieses kann oft weiterhelfen.

Alter - Bei Beginn der Ausbildung oder des Studiums dürfen Sie höchstens 29 Jahr alt sein. Für ein Masterstudium liegt die Obergrenze bei 34 Jahren. In einigen Sonderfällen dürfen Sie auch älter sein: zum Beispiel beim Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg oder wenn Sie ein Kind haben.

Mit wie viel Bafög kann ich rechnen?

Der Höchstsatz von 853 Euro (ab August 2019) pro Monat reicht oftmals gerade so aus für Wohnung, Essen und Lehrmaterial (§ 11-14 Bafög). Von dem Geld müssen Sie außerdem Ihre Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Vom Bafög-Amt gibt es nur pauschale Förderungen – egal, wie viel Sie zum Beispiel für Ihre Wohnung ausgeben müssen, Sie bekommen immer 325 Euro für Miete und Nebenkosten. Im August 2020 wird der Höchstsatz auf 861 Euro angehoben. Als Student haben Sie nur innerhalb der Regelstudienzeit Anspruch auf Bafög (egal, wie viele Semester sie davon Bafög erhalten).

Auszubildende und Schüler bekommen das Bafög geschenkt

Für Azubis und Schüler gibt es weniger Bafög als für Studenten. Welche Höchstbeträge genau gelten, hängt allein von der Art der Ausbildungsstätte ab. Im Gegensatz zu Studenten bekommen Schüler und Azubis das Bafög vollständig als staatliche Förderung, und zwar grundsätzlich so lange, wie sie die Ausbildungsstätte besuchen. Dies gilt auch, wenn sie eine Klasse wiederholen müssen. Egal, wie lange oder wie viel sie erhalten: Sie müssen nichts von dem sogenannten Schüler-Bafög zurückzahlen.

Bei Studenten sieht das etwas anders aus. Die Hälfte des Bafögs besteht aus der geschenkten Förderung und die andere aus einem langfristigen Darlehen. Die Konditionen des Darlehens sind allerdings äußerst vorteilhaft, sodass auch für Studenten gilt: Wenn Sie Bafög-berechtigt sind, sollten Sie die Förderung auf jeden Fall beanspruchen.

Wie viel Förderung Sie höchstens bekommen (ab August 2019)

 bei den Eltern
zu Hause1
eigene
Wohnung1

August 2020

Universitäten, Höhere Fachschulen, etc.

583 €

853 €

+ 9 € / 8 €

Abendgymnasien, weiterführende Fachschulklassen, etc.

555 €

825 €

+ 8 € / 7 €

Abendhaupt- und Abendrealschulen, weiterführende Fachoberschulen, etc.

548 €

784 €

+ 9 € / 6 €

Berufsfachschulen

352 €

689 €

+ 4 € / 5 €

Schüler im ersten Bildungsweg, Fachschulen, etc.

-

689 €

 - / + 5 €

pro Kind

+ 140 €

+ 140 €

+ 10 €

1Inklusive Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 109 Euro (ab dem 31. Lebensjahr steigt der Betrag auf 189 Euro)
Quelle: §§ 12, 13, 13a BafögG (Stand: Juli 2019)

Hängt die Bafög-Höhe vom Einkommen der Eltern ab?

Bafög ist für alle gedacht, die sich nicht selbst finanzieren können. Die Eltern sind dem Azubi oder Studierenden gegenüber unterhaltspflichtig, auch wenn er schon volljährig ist und aus dem Elternhaus ausgezogen ist. Ähnliches gilt für Ehe- und eingetragenen Lebenspartner. Verdienen diese zu viel, bekommen Sie weniger Förderung.

Daher müssen Sie beim Bafög-Antrag auch die Einkünfte Ihrer Eltern und Ihres Ehepartners offenlegen; genauer das Einkommen des vorletzten Kalenderjahres, damit das Bafög-Amt den jüngsten Steuerbescheid der Eltern und des Partners einsehen kann.

Verdienen Ihre Eltern im aktuellen Jahr wahrscheinlich weniger Geld, können Sie auch das angeben. So erhalten Sie unter Umständen mehr Bafög. Das empfiehlt sich vor allem, wenn ein Elternteil in Rente geht oder nur noch in Teilzeit arbeitet.

So viel dürfen Ihre Eltern verdienen

Das Bafög-Amt berücksichtigt bestimmte Freibeträge für das Einkommen der Eltern. Sind die Eltern immer noch mit einander verheiratet, gilt ein Freibetrag für beide gemeinsam. Sind die Eltern getrennt, wird für jedes alleinstehende Elternteil ein eigener Freibetrag berücksichtigt. Auch mit jedem unterhaltsberechtigten Kind, das Ihr Ehepartner oder Ihre Eltern versorgen müssen, steigt der jeweilige Freibetrag. Die Höhe der Freibeträge wurde zuletzt zur Bafög-Reform 2019 angepasst.

Monatliche Freibeträge für Eltern und Ehepartner

 August 2019August 2020

August 2021

verheiratete Eltern

1.835 €

1.890 €

2.000 €

alleinstehender Elternteil

1.225 €

1.260 €

1.330 €

Ehepartner

1.225 €

1.260 €

1.330 €

Stiefelternteil

610 €

630 €

665 €

pro Kind (unterhaltsberechtigt)

555 €

570 €

605 €

Quelle: § 25 BafögG (Stand: Juli 2019) 

Wir empfehlen Ihnen, vor dem Antrag einmal durchzurechnen, ob Ihre Eltern monatlich mehr verdienen als die in der Tabelle genannten Bafög-Freibeträge. Das gibt Ihnen eine größere Planungssicherheit, da Sie Bafög nur kurze Zeit vor Beginn des Studiums oder der Ausbildung beantragen können. Einen Online-Rechner finden Sie zum Beispiel auf bafoeg-rechner.de.

Lassen Sie sich von den niedrigen Einkommensgrenzen nicht zu schnell entmutigen. Denn bei der Rechnung vom Bafög-Amt wirken sich zahlreiche Faktoren zu Ihren Gunsten aus – wie Sozialabgaben, Werbungskosten oder Riester-Beiträge. Das sogenannte pauschale Nettoeinkommen, auf das es ankommt, ermitteln Sie am besten mit dem jüngsten Steuerbescheid Ihrer Eltern. Doch auch wenn Ihre Eltern mehr verdienen, können Sie immer noch eine teilweise Förderung bekommen.

Beispiel für das Einkommen der Eltern

Sind Ihre Eltern verheiratet, müssen Sie ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft können Sie aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Ihre Eltern 45.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich.

Auf dem Infoportal des Familienministeriums bafög.de sind einige konkrete Beispiele aufgeführt, wann es wie viel Förderung gibt. Im Gegensatz zum Einkommen spielt das Ersparte Ihrer Eltern keine Rolle; die Einkünfte, die sie aus dem Vermögen erzielen, aber sehr wohl (Kapitalerträge beispielsweise gelten auch als Einkunftsart).

Was darf ich neben Bafög verdienen?

Das angesparte Vermögen der Eltern wird für die Berechnung des Bafögs zwar nicht herangezogen. Doch wenn Sie selbst mehr als 7.500 Euro zusammengespart haben, müssen Sie zuerst Ihre Reserven aufbrauchen (ab August 2020 sind es 8.200 Euro). Mit Lebenspartner und Kindern dürfen Sie mehr Geld auf der hohen Kante haben (je 2.100 Euro mehr für jede Person in Ihrem Haushalt, beziehungsweise je 2.300 Euro mehr ab August 2020).

Auch wenn Sie selbst genug verdienen, um sich Ihr Studium zu finanzieren oder in der Ausbildung bezahlt werden, hilft Ihnen Bafög nicht weiter. Ausgenommen davon sind grundsätzlich Minijobs; denn es gibt Freibeträge, in deren Rahmen Sie Geld verdienen dürfen.

Auf die Freibeträge rechnet das Bafög-Amt noch Kosten für Sozialabgaben und die Werbungskostenpauschale obendrauf. Der grundsätzliche Freibetrag für eigenes Einkommen von 290 Euro im Monat erhöht sich damit pauschal auf 450 Euro. Das gilt für den gesamten Bewilligungszeitraum (normalerweise zwölf Monate). Ein Nebenjob in den Ferien oder in der vorlesungsfreien Zeit darf also auch mal mehr einbringen, solange es insgesamt weniger sind als 5.400 Euro im Jahr. Ist Ihre Ausbildung besonders kostenintensiv, haben Sie Kinder oder unterstützen Ihren Ehepartner, gelten entsprechend höhere Freibeträge.

Falls Sie eine Waisenrente oder Stipendien bekommen, müssen Sie diese erst bei höheren Summen auf Ihr Bafög anrechnen. Dient das Geld aus dem Stipendium außerdem einem bestimmten Zweck, wie monatliche Bücherpauschalen, dürfen Sie auch mehr als den Freibetrag für Stipendien in Höhe von 300 Euro behalten.

Monatliche Freibeträge für eigenes Einkommen

 

August 2019

August 2020

Grundfreibetrag

290 €

290 €

mit Ehepartner

+ 610 €

+ 630 €

pro Kind

+ 555 €

+ 570 €

Waisenrente / Waisengeld

+ 195 €

+ 200 €

Stipendium

+ 300 €

+ 300 €

Härtefälle¹

+ 280 €

+ 285 €

¹ Falls eine private Einrichtung Schulgeld oder Studiengebühren verlangt, gilt das als Härtefall. Semesterbeiträge von staatlichen Hochschulen zählen jedoch nicht dazu.
Quelle: § 23 BafoegG (Stand: Juli 2019)

Kann ich auch elternunabhängiges Bafög bekommen?

In einigen Fällen bekommen Sie auch Bafög, obwohl Ihre Eltern Sie eigentlich unterstützen könnten (§ 11 Bafög):

Eltern verweigern den Unterhalt - Wenn Ihre Eltern keinen Unterhalt zahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, springt das Bafög-Amt ein. Sie bekommen dann Bafög ausgezahlt, übertragen aber im Gegenzug dem Amt Ihre Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern.

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg - Besuchen Sie ein Abendgymnasium oder ein Kolleg, brauchen Sie dem Bafög-Amt keine Angaben über die Einkünfte Ihrer Eltern zu machen.

Ausbildung beginnt nach dem 30. Lebensjahr - Falls Sie aufgrund einer Ausnahme nach dem 29. Geburtstag Bafög bekommen, müssen Sie sich um das Einkommen Ihrer Eltern keine Gedanken machen.

Schon fünf Jahre gearbeitet - Wenn Sie sich nach dem Berufseinstieg entscheiden, doch noch zu studieren, bekommen Sie elternunabhängiges Bafög. Allerdings müssen Sie dazu mindestens fünf Jahre gearbeitet haben, seitdem Sie volljährig sind – sechs Jahre, wenn dazu eine Ausbildung gehörte.

Worauf muss ich beim ersten Bafög-Antrag achten?

Erfüllen Sie alle Voraussetzungen, geht es an den eigentlichen Antrag. Dabei sollten Sie vor allem die Fülle der Unterlagen nicht unterschätzen, die Sie für Ihren vollständigen Antrag zusammensammeln müssen. Gerade die Einkommensbelege Ihrer Eltern zu beschaffen, kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Kümmern Sie sich daher so früh wie möglich um Ihren Antrag, wenn Sie direkt zum Ausbildungs- oder Studienstart auf die Förderung angewiesen sind. Im besten Fall haben Sie die nötigen Unterlagen schon zuvor organisiert.

Wann der beste Zeitpunkt für den Bafög-Antrag ist

Bafög können Sie im Prinzip erst beantragen, wenn Sie sicher wissen, wo Sie studieren oder Ihre Ausbildung machen. Wenn Sie bereits zuvor abschätzen können, wo Sie am Ende landen werden, lohnt es sich aber, den Antrag schon vor der Zusage einzureichen und die Einschreibung (Immatrikulation) nachzuschicken.

Allerspätestens im Monat des Ausbildungs- oder Studienbeginns sollten Sie den Antrag auf den Weg bringen; Bafög gibt es nämlich nicht rückwirkend. Für das Wintersemester an der Uni reicht dazu auch noch der 31. Oktober.

Gerade bei Studien- oder Ausbildungsbeginn sammelt sich so mancher Kostenpunkt an. Fällt es Ihnen schwer, ein oder zwei Monate finanziell hinzukommen, bis das Bafög bewilligt wird, wenden Sie sich am besten persönlich an Ihren Sachbearbeiter. Häufig haben die Mitarbeiter im Bafög-Amt Verständnis für schwierige Übergangsphasen und bearbeiten dringende Fälle früher. Für die Übergangszeit können Sie außerdem auch Arbeitslosengeld II beantragen.

Wo Sie Ihr Bafög beantragen können

In welchem Bafög-Amt Sie Ihren Antrag einreichen müssen, hängt von der Art und dem Ort Ihrer Ausbildungsstätte ab (§ 45 Bafög):

  • Studenten reichen ihn im Studentenwerk ihrer Hochschule ein.
  • Für höhere Fachschulen, Abendgymnasien, Kollegs und Akademien ist das Bafög-Amt im Bezirk der Ausbildungsstätte zuständig.
  • Alle anderen Schüler müssen sich an das Bafög-Amt am Wohnort der Eltern wenden.

Auf bafög.de finden Sie eine Liste der Ämter.

Welche Unterlagen Sie brauchen

Der Antrag besteht aus verschiedenen Formblättern, die Sie ausgefüllt beim Bafög-Amt einreichen müssen. Sie können diese auch elektronisch ausfüllen und einschicken. Normalerweise kommen unter anderem noch Einkommensbelege von Ihnen und Ihren Eltern oben drauf, sowie ein Nachweis über Ihre Vermögensverhältnisse und die Zulassung der Ausbildungsstätte.

Jedes Jahr aufs Neue: Regelmäßig Bafög beantragen

Das Bafög-Amt gewährt die Förderung in der Regel nur für ein Jahr. Nach dem sogenannten Bewilligungszeitraum müssen Sie erneut die entsprechenden Formblätter und Unterlagen des Folgejahrs einreichen. Mit der Zeit bekommen Sie darin Routine. Folgendes sollten Sie über die Jahre beachten (§ 15-17 Bafög):

Leistungsnachweis - Zum fünften Semester müssen Studierende nachweisen, dass sie genügend Kurse oder Seminare besucht und die notwendigen Zwischenprüfungen bestanden haben, um das Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen. Allzu sehr schleifen lassen dürfen Sie Ihr Studium daher nicht.

Fachwechsel - Im Bachelorstudium dürfen Studierende sich bis zum vierten Semester für ein anderes Studienfach entscheiden. Mit dem Wechsel startet die Regelstudienzeit und damit auch die Dauer des Bafögs von Neuem.

Hilfe beim Studienabschluss - Fehlen nach der Regelstudienzeit noch einige Monate zum Studienabschluss, können Studenten ein besonders gefördertes Bankdarlehen in Höhe ihres Bafögs beantragen. Dieses KfW-Darlehen ist günstiger als ein gewöhnlicher KfW-Studienkredit.

Wie lässt sich die Förderdauer verlängern?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge schafften 2014 weniger als die Hälfte der Bachelor-Absolventen ihr Studium in der Regelstudienzeit. Unter allen Studierenden lag die Quote noch niedriger (40 Prozent). Auch das Bafög-Amt sieht ein, dass es oftmals triftige Gründe gibt, warum das Studium länger dauern kann.

Das kann zum Beispiel ein Auslandssemester sein. Es zählt nicht zur Regelstudienzeit, selbst wenn es durch Auslandsbafög gefördert wird. Gerade in Kombination mit dem Erasmus-Austausch-Programm können Sie also den einen oder anderen Schein an einer ausländischen Uni machen, ohne dass Sie befürchten müssen, in zeitliche Bedrängnis zu geraten. Darüber hinaus verlängern folgende Ausnahmen die Förderdauer:

Krankheit - Eine schwerwiegende oder langwierige Krankheiten hindert Sie daran, an einer wichtigen Prüfung teilzunehmen.

Chaos an der Hochschule - In der Planung der Hochschule läuft etwas schief, und Ihnen ist es gar nicht möglich, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen.

Hochschulgremium - Sie sind mindestens ein Semester Mitglied in einem Hochschulgremium, wie Asta oder Studienparlament.

Prüfung misslungen - Auch der beste Student kann durch eine Prüfung fallen. Falls Sie für einen Schein mal einen zweiten Versuch brauchen, erhalten Sie ein halbes Jahr länger Bafög. (Auch wenn der Fehlversuch gar nicht für das Abschlusszeugnis gewertet wird.)

Abschlussprüfung misslungen - Auch der beste Student kann durch eine Prüfung fallen. Falls Sie für einen Schein mal einen zweiten Versuch brauchen, bekommen Sie ein halbes Jahr länger Bafög. Das gilt auch, wenn der Fehlversuch nicht für das Abschlusszeugnis gewertet wird.

Behinderung - Fällt es Ihnen wegen einer Behinderung schwerer, das Studium zu meistern, ist auch das ein Grund, länger Bafög zu bekommen.

Schwangerschaft/Kindeserziehung - Bekommen Sie Nachwuchs, versteht auch das Bafög-Amt, dass ein Studium nicht einfach so weiterläuft wie bisher und gewährt längere Förderzeiten.

Wie viel Bafög muss ich später zurückzahlen?

Sie bekommen mindestens die Hälfte der Bafög-Förderung geschenkt. Außerdem müssen Sie nie mehr als 10.000 Euro zurückzahlen, egal wie viel Bafög Sie über die Jahre bekommen haben. Fünf Jahre nach dem Ende des Studiums müssen Sie anfangen, Ihr Darlehen zurückzahlen; beispielsweise in Raten von höchstens 130 Euro pro Monat. Dabei handelt es sich um ein zinsloses Staatsdarlehen, das Sie nur tilgen müssen, wenn Sie auch genügend verdienen.

Zahlen Sie das Bafög-Darlehen am besten auf einmal zurück

Oft lohnt es sich, in den ersten fünf Berufsjahren das Geld für das Bafög-Darlehen anzusparen und die gesamte Summe auf einmal abzuzahlen. In diesem Fall gewährt der Staat erhebliche Rabatte (§ 18-20 Bafög). Haben Sie das Geld nicht auf der hohen Kante, kann es sich unter Umständen sogar lohnen, das Darlehen mit einen Kredit abzulösen. Dies gilt speziell dann, wenn die Zinsen auf den Kredit kleiner sind als der Rabatt für die Rückzahlung des Bafög-Darlehens.

Haben Sie beispielsweise genau 20.000 Euro Bafög erhalten, müssen Sie die Hälfte als Darlehen zurückzahlen – also 10.000 Euro. Mit dem Rabatt für die Einmal-Rückzahlung in Höhe von 28,5 Prozent zahlen Sie nur 7.150 Euro zurück, Sie sparen also 2.850 Euro.

Haben Sie mehr als 20.000 Euro Förderung bekommen, schrumpft die Ersparnis bei einer Einmal-Rückzahlung. Je mehr Bafög Sie erhalten haben, desto geringer diese Ersparnis. Haben Sie über die Jahre mehr als 32.000 Euro Bafög bekommen, lohnt es sich kaum noch das Geld schneller zurückzuzahlen.

Vergünstigungen bei Einmal-Rückzahlung

Bafög-Summe3.000 €20.000 €32.000 €
Darlehen1.500 €10.000 €16.000 €
Rückzahlung1.350 €7.150 €9.840 €
Vergünstigung10 %28,5 %38,5 % / 1,6 %1

1 Prozentualer Rabatt / tatsächliche Ersparnis
Quelle: bafög.de (Stand: Juli 2019)

Weitere Vergünstigungen gibt es seit 2012 nicht mehr

Bis 2012 war es möglich, die Summe des Darlehens zu verringern, indem Sie vor der Regelstudienzeit fertig wurden oder zu den besten 30 Prozent Ihre Jahrgangs gehörten. Falls Sie 2018 mit der Rückzahlung begonnen haben, könnte es also sein, dass Sie noch von der alten Regelung profitieren. Haben Sie Ihr Studium nach 2012 abgeschlossen, haben Sie keine Chance mehr auf diesen Rabatt.

Was sind meine Alternativen zum Bafög?

Wenn Sie kein Bafög bekommen, muss das noch lange nicht das Ende Ihrer Studienpläne bedeuten. Zu den Alternativen zählen Stipendien oder ein studentischer Nebenjob. Vielleicht brauchen Sie etwas länger, wenn Sie jobben, so können Sie aber auch direkt Berufserfahrung sammeln. Ähnlich sieht es bei einem dualen Studium aus.

Falls Ihr Bafög-Antrag wegen des Einkommens Ihrer Eltern abgelehnt wird, haben Sie auf jeden Fall Recht auf Unterhalt. Doch Sie müssen den eigenen Eltern nicht gleich mit einer Unterhaltsklage drohen. Auch ein privates Darlehen aus dem Verwandtenkreis kann über Durststrecken hinweghelfen. Studienkredite sollten immer der letzte Ausweg sein, da Sie diese finanziell nachhaltig belasten. Das gilt auch für den staatlich geförderten KfW-Studienkredit.

Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 02. August 2019


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