Bafög

Das Geldgeschenk vom Staat für Studenten, Azubis und Schüler

Arne Düsterhöft Stand: 17. Juni 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit Bafög fördert der Staat junge Menschen, die wenig Geld haben, während ihrer Ausbildung.
  • Studierende bekommen bis zu 853 Euro im Monat, Azubis und Schüler etwas weniger. Ab August 2020 sind es 861 Euro. Abzüge gibt es, wenn Sie als Bafög-Nehmer, Ihre Eltern oder Ihr Lebenspartner gut verdienen.
  • Wenn Sie Bafög-berechtigt sind, sollten Sie die Förderung immer in Anspruch nehmen, da Sie höchstens die Hälfte zurückzahlen müssen (oft ist es weniger).
  • Mit der Rückzahlung müssen Sie erst fünf Jahre nach Ihrem Studienabschluss anfangen.
So gehen Sie vor
  • Überprüfen Sie mit unserer Übersicht, ob Sie Bafög-berechtigt sind und wie viel Bafög Sie voraussichtlich bekommen können.
  • Reichen Sie Ihren Antrag spätestens im ersten Monat Ihrer Ausbildung oder Ihres Studiums ein.
  • Je früher Sie alle Unterlagen zusammen haben, desto schneller bekommen Sie auch die erste Zahlung.
  • Legen Sie in den ersten fünf Jahren nach dem Studium Geld beiseite, damit Sie das Darlehen rasch zurückzahlen können. Begleichen Sie die Summe auf einmal, sind Rabatte bis zu 2.100 Euro möglich.

Während der Corona-Pandemie gibt es für Studenten zwei zusätzliche Geldquellen:

1. Zuschuss - Studierende können online einen Zuschuss von bis zu 500 Euro in den Monaten Juni, Juli und August 2020 beantragen, den sie nicht zurückzahlen müssen. Wieviel Geld Sie bekommen, richtet sich nach Ihrem Kontostand, wenn Sie den Online-Antrag stellen. Sie können bis zum letzten Tag eines Monats einen Antrag für den jeweiligen Monat stellen. Den Antrag und weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite: www.ueberbrueckungshilfe-studierende.de.

2. KfW-Studienkredite - Seit Mai bis Ende März 2021 müssen Sie für alle bestehenden und neuen Studienkredite der KfW keine Zinsen zahlen. Seit Juni können auch ausländische Studierende den Kredit beantragen. Weitere Informationen finden Sie bei der KfW.

Schüler, Lehrlinge und Studenten können Geld vom Staat bekommen, wenn sie anders nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Geregelt werden diese Zuschüsse im Berufsausbildungsförderungsgesetz – besser bekannt unter der Abkürzung Bafög.

Das Ziel von Bafög ist es, jedem die Möglichkeit auf eine Ausbildung, ein Studium und einen Schulabschluss zu geben – auch denen, die es sich ohne finanzielle Unterstützung nicht leisten könnten. 2018 wurden 727.000 Menschen durch Bafög unterstützt, davon waren rund 209.000 Schüler und Auszubildende. Auch wenn die Zahlen seit Jahren zurückgehen wurde 2018 noch knapp jeder fünfte Studierende gefördert. Mit der Bafög-Novelle im August 2019 könnten wieder mehr Menschen Bafög-berechtigt sein.

Wer bekommt überhaupt Bafög?

Die erste große Hürde, die Sie meistern müssen, ist herauszufinden, ob Sie überhaupt Bafög-berechtigt sind. Der Staat springt nämlich nur ein, wenn Sie oder Ihre Familie die Kosten der Studien- oder Lehrzeit nicht selbst stemmen können. Falls Sie die Voraussetzungen erfüllen, sollte Bafög ein fester Bestandteil sein, um Ihr Studium oder die Ausbildung zu finanzieren. Denn mindestens die Hälfte bekommen Sie geschenkt – oft müssen Sie sogar nur einen geringen Teilbetrag zurückzahlen.

Ob Ihre Berufsausbildung, Ihre Schulausbildung oder Ihr Studium durch Bafög gefördert werden kann, hängt von Ihrer Ausbildungsstätte ab.

Diese Ausbildungsstätten werden gefördert

 Ausbildungsstätte
StudentenUniversitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien
AuszubildendeBerufsaufbauschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen, Berufskollegs
Schüleralle anerkannten Schulen von Gymnasium über Gesamtschule bis Hauptschule, zweiter Bildungsweg über Abendhauptschulen, Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs

Quelle: bafög.de (Stand: Juli 2019)

Für Studenten gilt: Es wird grundsätzlich nur ein Vollzeitstudium gefördert. Auch bekommen Sie die Förderung nur für das erste Studium; für ein Zweitstudium nur dann, wenn es direkt auf dem Erststudium aufbaut. Das ist etwa der Fall bei einem Bachelorstudium mit anschließendem Masterstudium. Wer sein Studienfach wechselt, hat keinen Anspruch mehr auf Bafög.

Dasselbe Prinzip gilt für Erst- und Zweitausbildungen. Mit dem sogenannten Auslands-Bafög können Sie sich auch eine Ausbildung im Ausland oder ein Auslandssemester während des Studiums fördern lassen (§ 2-7 Bafög).

Zusätzlich müssen Sie zwei grundsätzliche Voraussetzungen für Bafög erfüllen, egal ob Azubi, Schüler oder Student (§ 8-10 Bafög):

Staatsangehörigkeit - Sie müssen deutscher Staatsbürger sein, um Bafög zu bekommen. Es ist aber auch möglich, ohne deutschen Pass die staatlichen Zuschüsse zu erhalten. Dafür ist entscheidend, ob Sie auch nach der Ausbildungszeit voraussichtlich langfristig in Deutschland bleiben werden. Gerade unter den Menschen aus anderen EU-Ländern gibt es viele, für die ein solcher dauerhafter Aufenthalt infrage kommt. Erste Anlaufstelle ist das Auslandsamt der jeweiligen Hochschule. Dieses kann oft weiterhelfen.

Alter - Bei Beginn der Ausbildung oder des Studiums dürfen Sie höchstens 29 Jahr alt sein. Für ein Masterstudium liegt die Obergrenze bei 34 Jahren. In einigen Sonderfällen dürfen Sie auch älter sein, zum Beispiel beim Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg oder wenn Sie ein Kind haben.

Mit wie viel Bafög kann ich rechnen?

Der Höchstsatz von 853 Euro pro Monat reicht oftmals gerade so aus für Wohnung, Essen und Lernmaterial (§ 11-14 Bafög). Von dem Geld müssen Sie außerdem Ihre Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Vom Bafög-Amt gibt es nur pauschale Förderungen – egal, wie viel Sie zum Beispiel für Ihre Wohnung ausgeben müssen, Sie bekommen immer nur 325 Euro für Miete und Nebenkosten. Im August 2020 wird der Höchstsatz auf 861 Euro angehoben. Als Student haben Sie nur innerhalb der Regelstudienzeit Anspruch auf Bafög. Dabei ist es egal, wie viele Semester Sie davon Bafög erhalten.

Auszubildende und Schüler bekommen das Bafög geschenkt

Für Azubis und Schüler gibt es weniger Bafög als für Studenten. Welche Höchstbeträge genau gelten, hängt allein von der Art der Ausbildungsstätte ab. Im Gegensatz zu Studenten bekommen Schüler und Azubis das Bafög vollständig als staatliche Förderung, und zwar grundsätzlich so lange, wie sie die Ausbildungsstätte besuchen. Dies gilt auch, wenn sie eine Klasse wiederholen müssen. Egal, wie lange oder wie viel Sie erhalten, Sie müssen nichts von dem sogenannten Schüler-Bafög zurückzahlen.

Bei Studenten sieht das etwas anders aus. Die Hälfte des Bafögs besteht aus der geschenkten Förderung und die andere aus einem langfristigen Darlehen. Die Konditionen des Darlehens sind allerdings äußerst vorteilhaft, sodass auch für Studenten gilt: Wenn Sie Bafög-berechtigt sind, sollten Sie die Förderung auf jeden Fall beanspruchen.

Wie viel Förderung Sie höchstens bekommen

 

bei den Eltern
zu Hause

eigene
Wohnung
 Bis Juli 2020Ab AugustBis Juli 2020Ab August

Universitäten, Höhere Fachschulen etc.

583 €

592 €

853 €

861 €

Abendgymnasien, weiterführende Fachschulklassen etc.

555 €

563 €

825 €

832 €

Abendhaupt- und Abendrealschulen, weiterführende Fachoberschulen etc.

548 €

557 €

784 €

790 €
Berufsfachschulen

352 €

356 €

689 €

694 €

Schüler im ersten Bildungsweg, Fachschulen etc.

--

689 €

694 €

pro Kind

+ 140 €

+ 150 €

+ 140 €

+ 150 €

Inklusive Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 109 Euro (ab dem 31. Lebensjahr steigt der Betrag auf 189 Euro)
Quelle: §§ 12, 13, 13a Bafög (Stand: Juli 2019)

Hängt die Bafög-Höhe vom Einkommen der Eltern ab?

Bafög ist für alle gedacht, die ihre Ausbildung nicht selbst finanzieren können. Die Eltern sind dem Azubi oder Studierenden gegenüber unterhaltspflichtig, auch wenn er schon volljährig ist und aus dem Elternhaus ausgezogen ist. Ähnliches gilt für Ehe- und eingetragene Lebenspartner. Verdienen diese zu viel, bekommen Sie weniger Förderung.

Daher müssen Sie beim Bafög-Antrag auch die Einkünfte Ihrer Eltern und Ihres Ehepartners offenlegen und dazu dem Bafög-Amt den Steuerbescheid des vorletzten Kalenderjahres der Eltern und des Partners einreichen.

Verdienen Ihre Eltern im aktuellen Jahr voraussichtlich weniger Geld, können Sie auch das angeben. So erhalten Sie unter Umständen mehr Bafög. Das empfiehlt sich vor allem, wenn ein Elternteil in Rente geht oder nur noch in Teilzeit arbeitet.

Verdienen Ihre Eltern wegen Corona weniger, können Sie einen Aktualisierungsantrag für den laufenden Bafög-Bewilligungszeitraum stellen und so mehr Bafög bekommen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

So viel dürfen Ihre Eltern verdienen

Das Bafög-Amt berücksichtigt bestimmte Freibeträge für das Einkommen der Eltern. Sind die Eltern miteinander verheiratet, gilt ein Freibetrag für beide gemeinsam. Sind die Eltern getrennt, wird für jedes Elternteil ein eigener Freibetrag berücksichtigt. Auch mit jedem unterhaltsberechtigten Kind, das von Ihrem Ehepartner oder Ihren Eltern versorgt werden muss, steigt der jeweilige Freibetrag. Die Höhe der Freibeträge wurde zuletzt zur Bafög-Reform 2019 angepasst.

Monatliche Freibeträge für Eltern und Ehepartner

 August 2019August 2020

August 2021

verheiratete Eltern

1.835 €

1.890 €

2.000 €

alleinstehender Elternteil

1.225 €

1.260 €

1.330 €

Ehepartner

1.225 €

1.260 €

1.330 €

Stiefelternteil

610 €

630 €

665 €

pro Kind (unterhaltsberechtigt)

555 €

570 €

605 €

Quelle: § 25 Bafög (Stand: Juli 2019) 

Wir empfehlen Ihnen, vor dem Antrag einmal durchzurechnen, ob das Einkommen Ihrer Eltern über den in der Tabelle genannten Bafög-Freibeträgen liegt. Das gibt Ihnen etwas Planungssicherheit, da Sie Bafög nur kurze Zeit vor Beginn des Studiums oder der Ausbildung beantragen können. Einen Online-Rechner finden Sie zum Beispiel auf bafoeg-rechner.de.

Lassen Sie sich von den niedrigen Einkommensgrenzen nicht zu schnell entmutigen. Denn bei der Rechnung vom Bafög-Amt wirken sich zahlreiche Faktoren zu Ihren Gunsten aus – wie Sozialabgaben, Werbungskosten oder Riester-Beiträge. Das sogenannte pauschale Nettoeinkommen, auf das es ankommt, ermitteln Sie am besten mit dem jüngsten Steuerbescheid Ihrer Eltern. Doch auch wenn Ihre Eltern mehr verdienen, können Sie immer noch eine teilweise Förderung bekommen.

Beispiel für das Einkommen der Eltern

Sind Ihre Eltern verheiratet, müssen Sie ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft können Sie aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Ihre Eltern 45.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich.

Auf dem Infoportal des Familienministeriums bafög.de sind einige konkrete Beispiele aufgeführt, wann es wie viel Förderung gibt. Im Gegensatz zum Einkommen spielt das Ersparte Ihrer Eltern keine Rolle; die Einkünfte, die sie aus dem Vermögen erzielen, aber sehr wohl (Kapitalerträge beispielsweise gelten auch als Einnahmen).

Was darf ich neben dem Bafög verdienen?

Das angesparte Vermögen der Eltern wird bei der Bafög-Berechnung nicht herangezogen. Doch wenn Sie selbst mehr als 7.500 Euro zusammengespart haben, müssen Sie zuerst Ihre Reserven aufbrauchen (ab August 2020 sind es 8.200 Euro). Mit Lebenspartner und Kindern dürfen Sie mehr Geld auf der hohen Kante haben (je 2.100 Euro mehr für jede Person in Ihrem Haushalt, beziehungsweise je 2.300 Euro mehr ab August 2020).

Wenn Sie in der aktuellen Corona-Krise in systemrelevanten Branchen arbeiten, wird Ihr Verdienst nicht auf die Bafög-Förderung angerechnet. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Wenn Sie selbst genug verdienen, um sich Ihr Studium zu finanzieren oder in der Ausbildung bezahlt werden, bekommen Sie kein Bafög. Ausgenommen davon sind zum Beispiel Minijobs. Hier gibt es Freibeträge, die Ihnen geringe Einnahmen ohne Anrechnung auf das Bafög erlauben.

Auf die Freibeträge schlägt das Bafög-Amt noch Kosten für Sozialabgaben und die Werbungskostenpauschale obendrauf. Der grundsätzliche Freibetrag für eigenes Einkommen von 290 Euro im Monat erhöht sich damit pauschal auf 450 Euro. Das gilt für den gesamten Bewilligungszeitraum (normalerweise zwölf Monate). Ein Nebenjob in den Ferien oder in der vorlesungsfreien Zeit darf also auch mal mehr einbringen, solange Sie insgesamt weniger als 5.400 Euro im Jahr verdienen. Ist Ihre Ausbildung besonders kostenintensiv, haben Sie Kinder oder unterstützen Ihren Ehepartner, gelten höhere Freibeträge.

Falls Sie eine Waisenrente oder ein Stipendium bekommen, müssen Sie diese erst bei höheren Summen auf Ihr Bafög anrechnen lassen. Ist das Geld aus dem Stipendium zweckgebunden, wie zum Beispiel eine Bücherpauschale, zählt es nicht und Sie dürfen deshalb auch mehr als den Freibetrag für Stipendien in Höhe von 300 Euro behalten.

Monatliche Freibeträge für eigenes Einkommen

 

August 2019

August 2020

Grundfreibetrag

290 €

290 €

mit Ehepartner

+ 610 €

+ 630 €

pro Kind

+ 555 €

+ 570 €

Waisenrente / Waisengeld

+ 195 €

+ 200 €

Stipendium

+ 300 €

+ 300 €

Härtefälle¹

+ 280 €

+ 285 €

¹ Falls eine private Einrichtung Schulgeld oder Studiengebühren verlangt, gilt das als Härtefall. Semesterbeiträge von staatlichen Hochschulen zählen jedoch nicht dazu.
Quelle: § 23 Bafög (Stand: Juli 2019)

Kann ich auch elternunabhängiges Bafög bekommen?

In einigen Fällen bekommen Sie auch Bafög, obwohl Ihre Eltern Sie eigentlich unterstützen könnten (§ 11 Bafög). Möglich ist das in folgenden Situationen:

Eltern verweigern den Unterhalt - Wenn Ihre Eltern keinen Unterhalt zahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, springt das Bafög-Amt ein. Sie bekommen dann Bafög ausgezahlt, übertragen aber im Gegenzug dem Amt Ihre Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern.

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg - Besuchen Sie ein Abendgymnasium oder ein Kolleg, brauchen Sie dem Bafög-Amt keine Angaben über die Einkünfte Ihrer Eltern zu machen.

Ausbildung beginnt nach dem 30. Lebensjahr - Falls Sie aufgrund einer Ausnahme nach Ihrem 29. Geburtstag Bafög bekommen, müssen Sie sich um das Einkommen Ihrer Eltern keine Gedanken machen.

Schon fünf Jahre gearbeitet - Wenn Sie sich nach dem Berufseinstieg entscheiden, doch noch zu studieren, bekommen Sie elternunabhängiges Bafög. Allerdings müssen Sie dazu mindestens fünf Jahre gearbeitet haben, seitdem Sie volljährig sind, beziehungsweise sechs Jahre, wenn dazu eine Ausbildung gehörte.

Worauf muss ich beim ersten Bafög-Antrag achten?

Erfüllen Sie alle Voraussetzungen, geht es an den eigentlichen Antrag. Dabei sollten Sie vor allem die Fülle der Unterlagen nicht unterschätzen, die Sie für Ihren Antrag zusammensammeln müssen. Gerade die Einkommensbelege Ihrer Eltern zu beschaffen, kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Kümmern Sie sich daher so früh wie möglich um Ihren Antrag. Wenn Sie direkt zum Ausbildungs- oder Studienbeginn auf die Förderung angewiesen sind, sollten Sie die nötigen Unterlagen schon zuvor organisiert haben.

Wann der beste Zeitpunkt für den Bafög-Antrag ist

Bafög können Sie im Prinzip erst beantragen, wenn Sie wissen, wo Sie studieren oder Ihre Ausbildung machen. Wenn Sie bereits zuvor abschätzen können, wo Sie am Ende landen werden, lohnt es sich aber, den Antrag schon vor der Zusage einzureichen und die Einschreibung (Immatrikulation) nachzuschicken.

Allerspätestens im Monat des Ausbildungs- oder Studienbeginns sollten Sie den Antrag auf den Weg bringen; Bafög gibt es nämlich nicht rückwirkend. Für das Wintersemester an der Uni reicht dazu auch noch der 31. Oktober.

Gerade bei Studien- oder Ausbildungsbeginn sammelt sich so mancher Kostenpunkt an. Fällt es Ihnen schwer, ein oder zwei Monate finanziell zu überbrücken, bis das Bafög gezahlt wird, wenden Sie sich am besten persönlich an Ihren Sachbearbeiter. Häufig haben die Mitarbeiter im Bafög-Amt Verständnis für schwierige Übergangsphasen und bearbeiten dringende Fälle schneller. Für die Übergangszeit können Sie außerdem auch Arbeitslosengeld II beantragen.

Wo Sie Ihr Bafög beantragen können

In welchem Bafög-Amt Sie Ihren Antrag einreichen müssen, hängt von der Art und dem Ort Ihrer Ausbildungsstätte ab (§ 45 Bafög):

  • Studenten reichen ihren Bafög-Antrag im Studentenwerk ihrer Hochschule ein.
  • Für höhere Fachschulen, Abendgymnasien, Kollegs und Akademien ist das Bafög-Amt im Bezirk der Ausbildungsstätte zuständig.
  • Alle anderen Schüler müssen sich an das Bafög-Amt am Wohnort der Eltern wenden.

Auf bafög.de finden Sie eine Liste der Ämter.

Welche Unterlagen Sie brauchen

Der Antrag besteht aus verschiedenen Formblättern, die Sie ausgefüllt beim Bafög-Amt einreichen müssen. Sie können diese auch elektronisch ausfüllen und einschicken. Normalerweise kommen noch Einkommensbelege von Ihnen und Ihren Eltern obendrauf, sowie ein Nachweis über Ihre Vermögensverhältnisse und die Zulassung der Ausbildungsstätte.

Jedes Jahr aufs Neue: Regelmäßig Bafög beantragen

Das Bafög-Amt gewährt die Förderung in der Regel immer nur für ein Jahr. Nach dem sogenannten Bewilligungszeitraum müssen Sie erneut die entsprechenden Formblätter und Unterlagen des Folgejahrs einreichen. Mit der Zeit bekommen Sie darin Routine. Folgendes sollten Sie über die Jahre beachten (§ 15-17 Bafög):

Leistungsnachweis - Zum fünften Semester müssen Studierende nachweisen, dass sie genügend Kurse oder Seminare besucht und die notwendigen Zwischenprüfungen bestanden haben, um das Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen. Allzu sehr schleifen lassen dürfen Sie Ihr Studium daher nicht.

Wer seine Prüfungen wegen der Corona-Pandemie nicht machen konnte, verliert dadurch seinen Anspruch auf Bafög nicht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Fachwechsel - Im Bachelorstudium dürfen Studierende sich bis zum vierten Semester für ein anderes Studienfach entscheiden. Mit dem Wechsel startet die Regelstudienzeit und damit auch die Bafög-Bezugsdauer von neuem.

Hilfe beim Studienabschluss - Fehlen nach der Regelstudienzeit noch einige Monate zum Studienabschluss, können Studenten ein besonders gefördertes Bankdarlehen in Höhe ihres Bafögs beantragen. Dieses KfW-Darlehen ist günstiger als ein gewöhnlicher KfW-Studienkredit.

Wie lässt sich die Förderdauer verlängern?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge schafften 2014 weniger als die Hälfte der Bachelor-Absolventen ihr Studium in der Regelstudienzeit. Unter allen Studierenden lag die Quote noch niedriger (40 Prozent). Auch das Bafög-Amt weiß, dass es triftige Gründe gibt, warum das Studium länger dauern kann.

Das kann zum Beispiel ein Auslandssemester sein. Es zählt nicht zur Regelstudienzeit, selbst wenn es durch Auslands-Bafög gefördert wird. Gerade in Kombination mit dem Erasmus-Austausch-Programm können Sie also den einen oder anderen Schein an einer ausländischen Uni machen, ohne dabei in zeitliche Bedrängnis zu geraten. Darüber hinaus verlängern folgende Ausnahmen die Förderdauer:

Krankheit - Eine schwerwiegende oder langwierige Krankheiten hindert Sie daran, an einer wichtigen Prüfung teilzunehmen.

Chaos an der Hochschule - In der Planung der Hochschule läuft etwas schief, und Ihnen ist es gar nicht möglich, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen.

Hochschulgremium - Sie sind mindestens ein Semester lang Mitglied in einem Hochschulgremium, wie Asta oder Studienparlament.

Prüfung misslungen - Auch der beste Student kann durch eine Prüfung fallen. Falls Sie für einen Schein einen zweiten Versuch brauchen, erhalten Sie ein halbes Jahr länger Bafög – auch wenn der Fehlversuch gar nicht für das Abschlusszeugnis gewertet wird.

Behinderung - Fällt es Ihnen wegen einer Behinderung schwerer, das Studium zu meistern, ist auch das ein Grund, länger Bafög zu bekommen.

Schwangerschaft/Kindeserziehung - Bekommen Sie Nachwuchs, versteht auch das Bafög-Amt, dass ein Studium nicht einfach so weiterläuft wie bisher und gewährt längere Förderzeiten.

Wie viel Bafög muss ich später zurückzahlen?

Sie bekommen mindestens die Hälfte der Bafög-Förderung geschenkt. Außerdem müssen Sie nie mehr als 10.010 Euro zurückzahlen, egal wie viel Bafög Sie über die Jahre bekommen haben. Fünf Jahre nach dem Ende des Studiums müssen Sie anfangen, Ihr Darlehen zurückzuzahlen; normalerweise in Raten von 130 Euro pro Monat. Dieses zinslose Staatsdarlehen müssen Sie jedoch nur tilgen, wenn Sie auch entsprechend verdienen.

Zahlen Sie das Bafög-Darlehen am besten auf einmal zurück

Oft lohnt es sich, in den ersten fünf Berufsjahren das Geld für das Bafög-Darlehen anzusparen und die gesamte Summe auf einmal abzuzahlen. In diesem Fall gewährt der Staat erhebliche Rabatte (§ 18-20 Bafög). Haben Sie das Geld nicht auf der hohen Kante, kann es sich unter Umständen sogar lohnen, das Darlehen mit einem Kredit abzulösen. Dies gilt speziell dann, wenn die Zinsen auf den Kredit kleiner sind als der Rabatt für die Rückzahlung des Bafög-Darlehens.

Haben Sie beispielsweise genau 20.000 Euro Bafög erhalten, müssen Sie die Hälfte als Darlehen zurückzahlen – also 10.000 Euro. Mit dem Rabatt für die Einmal-Rückzahlung in Höhe von 21 Prozent zahlen Sie nur 7.900 Euro zurück, Sie sparen also 2.100 Euro.

Wer mehr Bafög-Schulden hat, bekommt seit dem 1. April 2020 ebenfalls 2.100 Euro erlassen, wenn er die Summe auf einmal zurückzahlt. Müssen Sie weniger zurückzahlen, schrumpft die Ersparnis bei einer Einmal-Rückzahlung entsprechend einer Nachlasstabelle.

Vergünstigungen bei Einmal-Rückzahlung

Bafög-Summe3.000 €20.000 €32.000 €
Darlehen1.500 €10.000 €16.000 €
Rückzahlung1.395 €7.900 €7.900 €
Vergünstigung7 %21 %21 %

Quelle: Bundesverwaltungsamt (Stand: April 2020)

Gute Noten zählen seit 2012 nicht mehr, dafür verjähren Bafög-Schulden

Bis 2012 war es möglich, die Summe des Darlehens zu verringern, indem Sie vor der Regelstudienzeit fertig wurden oder zu den besten 30 Prozent Ihres Jahrgangs gehörten. Falls Sie 2018 mit der Rückzahlung begonnen haben, könnte es also sein, dass Sie noch von der alten Regelung profitieren. Haben Sie Ihr Studium nach 2012 abgeschlossen, haben Sie keine Chance mehr auf diesen Rabatt.

Wer ab September 2019 zum ersten Mal Bafög bekommen hat, muss das Darlehen nicht länger als 20 Jahre abzahlen, egal ob er seine Schulden in der Zeit begleichen konnte oder nicht. Wer zum Beispiel über viele Jahre nicht genügend verdient hat, braucht sich irgendwann keine Gedanken mehr um seine Restschulden zu machen.

Was sind meine Alternativen zum Bafög?

Wenn Sie kein Bafög bekommen, muss das noch lange nicht das Ende Ihrer Studienpläne bedeuten. Zu den Alternativen zählen Stipendien oder ein studentischer Nebenjob. Vielleicht brauchen Sie etwas länger, wenn Sie jobben, so können Sie aber auch direkt Berufserfahrung sammeln. Ähnlich sieht es bei einem dualen Studium aus.

Falls Ihr Bafög-Antrag wegen des Einkommens Ihrer Eltern abgelehnt wird, haben Sie ein Recht auf Unterhalt. Doch Sie müssen den eigenen Eltern nicht gleich mit einer Unterhaltsklage drohen. Auch ein privates Darlehen aus dem Verwandtenkreis kann über Durststrecken hinweghelfen. Studienkredite sollten immer der letzte Ausweg sein, da Sie diese finanziell nachhaltig belasten. Das gilt auch für den staatlich geförderten KfW-Studienkredit.

Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 17. Juni 2020


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