Regional- und Typklassen 2020

Für diese Autos wird die Versicherung teurer

Kathrin Gotthold
& Co-Autoren
Stand: 04. Oktober 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Typ Ihres Wagens und Ihr Wohnort wirken sich stark auf den Preis Ihrer Autoversicherung aus.
  • Jedes Jahr berechnen die Versicherer Typen- und Regionalklassen neu. Das kann Ihren Beitrag verändern.
  • Achten Sie schon beim Autokauf auf die Typklassen der unterschiedlichen Modelle. Eine höhere Typklasse macht die Versicherung teurer.
  • Wenn Sie umziehen, kann sich Ihre Regionalklasse ändern. Versuchen Sie nicht zu tricksen.
So gehen Sie vor
  • Erhöht sich Ihre Typ- oder Regionalklasse und steigt dadurch der Beitrag für Ihre Kfz-Versicherung, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Nutzen Sie das: machen Sie den Vergleich!
  • Finanztip-Empfehlung: Sparen Sie mit einer Kombination aus Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechnen Sie zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung auf Verivox oder Check24. Berechnen Sie dann ein Angebot bei der Huk24.

Wer im Landkreis Uckermark in Brandenburg wohnt, kann sein Auto deutlich günstiger versichern als ein Fahrer in Berlin oder auch in Offenbach am Main. Das liegt an der Einstufung der Region beziehungsweise an einer günstigen oder teuren Regionalklasse. Für 2020 haben die Versicherungen das Wohngebiet von rund 10 Millionen Autobesitzern neu eingestuft. Gehören Sie dazu und wird Ihre Versicherung dadurch teurer, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Neben den Regionalklassen gibt es die Typklassen 2020, die sich auf das jeweilige Automodell beziehen. Viele hochmotorisierte Oberklasse-Modelle und SUVs gehören in eine hohe Typklasse. Ältere Modelle und Kleinwagen werden eher niedrig eingestuft.

Warum wirken sich die Kfz-Typklassen auf die Prämie aus?

Wenn Sie die Typklasse Ihres Autos kennen, wissen Sie, wie andere Fahrer mit dem gleichen Modell im Straßenverkehr unterwegs sind. Ist die Klasse hoch, ist Ihr Auto häufiger in Unfälle verwickelt oder kostet viel in der Reparatur. Das macht sich an der Höhe der Versicherungsbeiträge bemerkbar.

Diesen Fakten können Sie mit einer guten eigenen Schadenstatistik entgegenwirken: Sind Sie ein umsichtiger und guter Autofahrer und das schon über viele Jahre, haben Sie eine hohe Schadenfreiheitsklasse. Je höher diese ist, desto höher fällt Ihr Rabatt auf Ihren Beitrag aus.

Haben Sie beim Autokauf die Wahl zwischen verschiedenen Modellen, sollten Sie die Typklassen vergleichen. Die Typklassen richten sich nach der Häufigkeit und der Höhe der Schäden, in die bestimmte Autotypen in den jeweiligen Versicherungsarten wie Haftpflicht oder Vollkasko verwickelt waren. In der Haftpflicht reichen die Klassen von 10 bis 25 – hier sind die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich. In der Vollkasko gibt es Klassen von 10 bis 34 und in der Teilkasko von 10 bis 33. Die Versicherungen gruppieren die Fahrzeuge regelmäßig neu ein.

So ändern sich die Typklassen für das Jahr 2020

Für das Jahr 2020 machen die meisten Autos in den Typklassen nur kleine Sprünge. Einige wenige Modelle steigen oder sinken jedoch um mehrere Klassen. Insgesamt ändern sich im Vergleich zu 2019 für elf Millionen Fahrzeuge die Typklassen. 4,6 Millionen Fahrzeuge werden günstiger, 6,5 Millionen Fahrzeuge werden schlechter eingestuft. Für fast 30 Millionen Fahrzeuge, also fast drei Viertel aller Fahrzeuge, ändert sich nichts.

Der VW T-Roc 1.5 zum Beispiel wird ab Jahresbeginn 2020 um vier Klassen in Haftpflicht und Vollkasko herabgestuft und um zwei in der Teilkasko. Der Honda Jazz Hybrid 1.4 wird dagegen in der Haftpflicht drei Klassen schlechter eingestuft, in der Vollkasko eine Klasse besser.

Der Skoda Octavia 1.2 TSI wird um zwei Haftpflichtklassen und eine Vollkaskoklasse teurer – in der Teilkasko eine günstiger. 

Der Opel Corsa D 1 wird ebenfalls teurer – allerdings nur in der Vollkasko.

Ab wann gelten die neuen Klassen?

Wenn die Anbieter die neuen Beiträge in der Kfz-Versicherung veröffentlichen, lässt sich abschätzen, wie sich die neuen Einstufungen auf den Preis der Kfz-Versicherung auswirken. Die neuen Typklassen gelten ab sofort für neu zugelassene und versicherte Fahrzeuge. Für alle anderen ändert sich die Klasse erst beim Wechsel der Versicherung.

Wenn Sie ein neues Auto kaufen oder Ihren jetzigen Wagen mit ähnlichen Fahrzeugen vergleichen wollen, können Sie das auf der Website autoampel.de machen. Der Versicherungsverband GDV bietet ebenfalls ein Typklassenverzeichnis für alle rund 29.000 Automodelle an. Achten Sie auf die genaue Typbezeichnung Ihres Autos, denn es unterscheiden sich beispielsweise die Typklassen eines Golf IV um bis zu vier Stufen, je nach PS-Zahl und Baujahr.

Wie sehen die Typklassen von Elektroautos aus?

Kfz-Versicherungen stufen Elektroautos in der Typklasse unterschiedlich ein. Die Typklassen für die Kfz-Haftpflicht liegen in der Mitte der möglichen Klassen, in den Kaskoversicherungen hingegen sind sie vielfach günstiger.

Der Tesla Model X 75D/9 bleibt in der Haftpflichtversicherung sowie in der Vollkasko in den Typklassen 23 beziehungsweise 29. In der Teilkasko hingegen verbessert er sich auf Klasse 27.

Beide Elektromodelle des Opel Ampera-E bleiben in der Haftpflicht in der Typklasse 16. In der Vollkasko gilt die Typklasse 18, in der Teilkasko die Typklasse 16. Damit sind diese Modelle in der Kaskoversicherung vergleichsweise günstig.

Falls Sie ein E-Auto haben oder anschaffen wollen, sollten Sie bei der Kaskoversicherung darauf achten, dass die Police auch einen Rundumschutz für den Akku enthält. Denn ein neuer Akku ist sehr teuer. Mitversichert sollten auch Schäden sein, die durch Bedienfehler entstehen. Dazu gehören etwa Tiefenentladung oder Überladung. Sofern Sie Ihr Elektroauto ohne Akku gekauft haben, weil Sie diesen beim Hersteller leasen, sollten Sie den Akkuschutz aus dem Versicherungsvertrag herausnehmen können.

Was ändert sich bei den Regionalklassen?

Analog zu den Typklassen werden die Schadensbilanzen auch für die verschiedenen Gegenden in Deutschland festgestellt und in Regionalklassen umgerechnet. In der Haftpflicht gibt es 12 Klassen, in der Vollkasko 9 und in der Teilkaskoversicherung 16. Die Teilkasko-Klassen 15 und 16 gibt es 2020 nicht mehr. Wie die Typklassen veröffentlicht der Versicherungsverband GDV auch die Regionalklassen in einer Übersicht.

Die Regionalklassen werden für die insgesamt 413 Zulassungsbezirke in Deutschland ermittelt. Diese Einteilung ist sehr grob. So sind selbst Millionenstädte wie Berlin oder Hamburg zu einem einzigen Zulassungsbezirk zusammengefasst. Je nach Wohngegend ist das Schadensaufkommen aber sehr unterschiedlich.

In Villenbezirken treten statistisch weniger Fälle von Vandalismus an Autos auf als in Hochhaussiedlungen. Und bei Autofahrern, die im Zentrum einer Stadt wohnen und parken, ist aufgrund der hohen Verkehrsdichte mit mehr Unfällen zu rechnen.

Deshalb stufen immer mehr Kfz-Versicherungen wie Allianz, Axa, Verti, Europa, Huk-Coburg oder Zurich ihre Kunden nach Postleitzahl ein und nicht mehr nach Regionalklasse. Trotzdem geben die Regionalklassen zumindest noch eine gute Orientierung. So werden 2020 nach Angaben des GDV allein in der Haftpflichtversicherung 5,1 Millionen Fahrer herabgestuft – ihre Versicherung wird also günstiger. Mehr zahlen müssen dagegen 4,2 Millionen Autobesitzer.

Wo es 2020 besonders günstig oder teuer ist

Die beste Regionalklasse in der Kfz-Haftpflicht hat auch 2020 – wie in den Vorjahren – bundesweit der Landkreis Uckermark in Brandenburg. Hier waren die Schäden fast ein Drittel niedriger als im bundesweiten Durchschnitt. Hohe Regionalklassen gelten insbesondere in Großstädten sowie in Teilen Bayerns. Die schlechteste Schadenbilanz hatte Berlin, wo die Schäden rund ein Drittel höher waren als im Bundesdurchschnitt.

Warum sollten Sie nicht mit dem Wohnsitz tricksen?

Wer nun aber mit seinem Auto beispielsweise vom günstigen Münster ins teure Berlin umzieht, sollte nicht auf den Gedanken verfallen, sein Auto nicht umzumelden, um bei der Kfz-Versicherung zu sparen. Der Gesetzgeber verlangt, dass der Halter seinen Wagen „unverzüglich“ beim Straßenverkehrsamt ummeldet.

Diese Frist ist nicht genau definiert. In der Praxis ahndet die Behörde ein Versäumnis von einem Monat nicht. Einige Beamte lassen sogar bis zu drei Monate Nachsicht walten. Danach drohen aber Bußgelder von bis zu 100 Euro, je nach Bundesland.

Es ist auch nicht mehr möglich, das Auto am Zweitwohnsitz anzumelden. Sparen lässt sich nur durch einen Wechsel zu einer günstigeren Versicherung.

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Zum Ratgeber 

Autor
Kathrin Gotthold
& Co-Autoren
Annika Krempel , Silke Kursawe

Stand: 04. Oktober 2019


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