Regional- und Typklassen

Für diese Autos wird die Versicherung teurer

Kathrin Gotthold
Finanztip-Expertin für Versicherungen
10. September 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Typ Deines Autos und Dein Wohnort wirken sich stark auf den Preis Deiner Autoversicherung aus.
  • Jedes Jahr berechnen die Versicherer Typen- und Regionalklassen neu. Das kann Deinen Beitrag verändern.
  • Achte schon beim Autokauf auf die Typklassen der unterschiedlichen Modelle. Eine höhere Typklasse macht die Versicherung teurer.
  • Wenn Du umziehst, kann sich Deine Regionalklasse ändern. Tricksen bringt aber nichts!
So gehst Du vor
  • Ändert sich Deine Typ- oder Regionalklasse und steigt dadurch der Beitrag für Deine Kfz-Versicherung, hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht. Das solltest Du nutzen und Versicherungen vergleichen.
  • Finanztip-Empfehlung bei der Suche nach einer guten Autoversicherung: Am meisten kannst Du sparen, indem Du Vergleichsportal und Direktversicherer kombinierst. Berechne zunächst die günstigste Kfz-Versicherung auf Verivox oder Check24. Und lass Dir dann ein Angebot von der Huk24 machen.

Was für ein Auto Du fährst, wirkt sich enorm auf den Beitrag Deiner Kfz-Versicherung aus. Automodelle, mit denen mehr und teurere Unfälle gebaut werden, sind tendenziell kostspieliger zu versichern. Wagen mit weniger Unfallpotenzial sind günstiger. Vergleichbares gilt für Deinen Wohnort: Verursachen Menschen aus Deiner Gegend häufig und teure Schäden mit ihren Autos, treibt das auch Deinen Beitrag in die Höhe.

Die Autoversicherer überprüfen jedes Jahr ihre Einschätzung zu Typklassen und Regionalklassen. Einen Teil der Regionen und Automodelle bewerten sie neu, wenn sich an den Schadenstatistiken etwas geändert hat. Rutscht Dein Auto oder die Region, in der Du wohnst, in eine andere Klasse und wird Deine Versicherung dadurch teurer, hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht – und kannst die Versicherung wechseln. Aktuell sind zurzeit die Typklassen 2022 und Regionalklassen 2022.

Wie wirken sich die Kfz-Typklassen auf die Prämie aus?

Wenn Du die Typklasse Deines Autos kennst, weißt Du, wie andere Fahrer mit dem gleichen Modell im Straßenverkehr unterwegs sind. Ist die Klasse hoch, ist Dein Auto häufiger in Unfälle verwickelt oder kostet viel in der Reparatur. Das macht sich an der Höhe der Versicherungsbeiträge bemerkbar.

Diesen Fakten kannst Du mit einer guten persönlichen Schadenstatistik entgegenwirken: Bist Du ein umsichtiger und guter Autofahrer und das schon über viele Jahre, hast Du eine hohe Schadenfreiheitsklasse. Je höher diese ist, desto höher fällt Dein Schadenfreiheitsrabatt auf Deinen Beitrag aus.

Die Typklassen richten sich nach der Häufigkeit und der Höhe der Schäden, in die bestimmte Autotypen in den jeweiligen Versicherungsarten wie Haftpflicht oder Vollkasko verwickelt waren.

In der Haftpflicht reichen die Klassen von 10 bis 25 – hier sind die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich. In der Vollkasko gibt es Klassen von 10 bis 34 und in der Teilkasko von 10 bis 33. Die Versicherungen gruppieren die Fahrzeuge regelmäßig neu ein.

Die neuen Typklassen für das Jahr 2022

Für die meisten Autos ändert sich wenig in den Typklassen. Einige Modelle steigen oder sinken jedoch gleich um mehrere Klassen.

Rund sieben Millionen Versicherte und ihre Autos kommen in der Haftpflicht in teurere Typklassen, 4,3 Millionen in günstigere. Für rund 30,3 Millionen Autofahrer bleibt es aber bei der Typklasse 2021 – das sind fast drei Viertel der Versicherten.

Ab wann gelten die neuen Klassen?

Die neuen Typklassen gelten ab sofort, wenn Du ein Fahrzeug neu auf Dich zulässt. Bei einem bestehenden Vertrag kann Deine Versicherung die Typklasse zur Hauptfälligkeit des Vertrages ändern – in der Regel ist dies der 1. Januar des kommenden Jahres. Erhöht sich Dein Beitrag, hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht und kannst wechseln. Stichtag für Deine Kündigung ist dann der 30. November.

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Schlau wählen beim Autokauf

Hast Du beim Autokauf die Wahl zwischen verschiedenen Modellen, solltest Du die Typklassen vergleichen. Viele hochmotorisierte Oberklasse-Modelle und SUVs gehören in eine hohe Typklasse. Ältere Modelle und Kleinwagen werden eher niedrig eingestuft.

Wenn Du ein neues Auto kaufst oder Deinen jetzigen Wagen mit ähnlichen Fahrzeugen vergleichen willst, kannst Du das auf der Website autoampel.de machen. Der Versicherungsverband GDV bietet ebenfalls ein Typklassenverzeichnis, in dem Du mittlerweile fast 32.000 Automodelle findest. Achte auf die genaue Typbezeichnung Deines Autos, denn es unterscheiden sich beispielsweise die Typklassen eines Golf IV um bis zu vier Stufen, je nach PS-Zahl und Baujahr.

Wie sehen die Typklassen von Elektroautos aus?

Kfz-Versicherungen stufen Elektroautos in der Typklasse unterschiedlich ein. Die Typklassen für die Kfz-Haftpflicht liegen in der Mitte der möglichen Klassen, in den Kaskoversicherungen hingegen sind sie vielfach günstiger.

Der Tesla Model X (1480-AAM) bleibt in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung sowie in der Vollkasko in den Typklassen 23 beziehungsweise 29. In der Teilkasko hingegen verbessert er sich auf Klasse 26 – bereits im Vorjahr hatte er sich in der Teilkasko um eine Klasse verbessert.

Beide Elektromodelle des Opel Ampera-E (0035-BLA, 1844-AGT) verschlechtern sich in der Haftpflicht in die Typklasse 17, ebenso in der Teilkasko. In der Vollkasko verbessern sich die Stromer von Opel von Klasse 18 auf 17. Damit sind diese Modelle in der Kaskoversicherung vergleichsweise günstig.

Den Hyundai Kona E gibt es in vier Varianten als E-Auto (1349-AFH, 1349, AFI, 8252/AIO, 8252/AIP). Alle sind in der Haftpflicht in Klasse 15 eingestuft, in der Teilkasko in 21 und in der Vollkaskoversicherung in Klasse 20.

Falls Du ein E-Auto besitzt oder anschaffen willst, solltest Du bei der Kaskoversicherung darauf achten, dass die Police auch einen Rundumschutz für den Akku enthält. Denn ein neuer Akku ist sehr teuer. Mitversichert sollten auch Schäden sein, die durch Bedienfehler entstehen. Dazu gehören etwa Tiefenentladung oder Überladung. Sofern Du Dein Elektroauto ohne Akku gekauft hast, weil Du diesen beim Hersteller least, solltest Du den Akkuschutz aus dem Versicherungsvertrag herausnehmen können.

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Was ändert sich bei den Regionalklassen?

Analog zu den Typklassen werden die Schadensbilanzen auch für die verschiedenen Gegenden in Deutschland festgestellt und in Regionalklassen umgerechnet. Wohnst Du etwa im erweiterten Umland von Berlin, kannst Du Dein Auto deutlich günstiger versichern als ein Autobesitzer in der Hauptstadt – bei vergleichbarem Auto und sonstigen Merkmalen. Das gilt natürlich auch im Vergleich zu anderen Großstädten. Grund dafür ist, dass Versicherer Deutschland in Regionalklassen einteilen, jüngst in die Regionalklassen 2022.

Regionalklassen gibt es für die Kfz-Haftpflicht- sowie für die Voll- und Teilkasko-Versicherung. In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich. In der Kasko die Leistungen nach selbstverschuldeten Unfällen und für alle anderen Kasko-Schadenfälle (etwa für Autodiebstähle, Glasschäden, Fahrzeugbrände, Wildunfälle oder Schäden durch Naturereignisse).

In der Haftpflicht gibt es zwölf Klassen, in der Vollkasko neun und in der Teilkasko-Versicherung 16. Wie die Typklassen veröffentlicht der Versicherungsverband GDV auch die Regionalklassen in einer Übersicht. Die Regionalstatistik des GDV ist für die Versicherungsunternehmen unverbindlich und kann ab sofort für Neuverträge und für bestehende Verträge zur Hauptfälligkeit angewendet werden – in der Regel ist dies der 1. Januar.

Es geht bei Regionalklassen vor allem darum, ob in einer Region häufig und teure Unfälle passieren. Ländliche Gebiete sind da im Vorteil. Bei der Kfz-Versicherung macht es für Autohalter einen großen Unterschied, ob sie in einer günstigen oder teuren Regionalklasse stecken. Entscheidend ist dabei nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat.

Die Regionalklassen werden für die insgesamt 413 Zulassungsbezirke in Deutschland ermittelt. Diese Einteilung ist sehr grob. So sind selbst Millionenstädte wie Berlin oder Hamburg zu einem einzigen Zulassungsbezirk zusammengefasst.

Immer mehr Kfz-Versicherungen stufen ihre Kunden nach Postleitzahl ein und nicht mehr nach Regionalklasse – darunter Allianz, Axa, Verti, Europa, Huk-Coburg oder Zurich. Trotzdem geben die Regionalklassen zumindest eine gute Orientierung. So werden für 2022 nach Angaben des GDV allein in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung 5,1 Millionen Fahrer herabgestuft – ihre Versicherung wird also günstiger. Mehr zahlen müssen dagegen 4,2 Millionen Autobesitzer.

Wo es 2022 besonders günstig oder teuer wird

Besonders günstige Regionalklassen in der Kfz-Haftpflicht haben Autofahrer mit Wohnsitz in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit vorne liegt für 2022 die Prignitz in Brandenburg, die damit ihrer Schwesterregion Uckermark den Rang abgelaufen hat. Hohe Regionalklassen gelten hingegen insbesondere in Großstädten sowie in Teilen Bayerns. Die schlechteste Schadensbilanz hatte Berlin, wo die Schäden mehr als ein Drittel höher waren als im Bundesdurchschnitt.

Bloß nicht mit dem Wohnsitz tricksen

Wer nun aber mit seinem Auto beispielsweise vom günstigen Münster ins teure Berlin umzieht, sollte nicht auf den Gedanken verfallen, sein Auto nicht umzumelden, um bei der Kfz-Versicherung zu sparen. Der Gesetzgeber verlangt, dass der Halter seinen Wagen „unverzüglich“ beim Straßenverkehrsamt ummeldet.

Diese Frist ist nicht genau definiert. In der Praxis ahndet die Behörde ein Versäumnis von einem Monat nicht. Einige Beamte lassen sogar bis zu drei Monate Nachsicht walten. Danach drohen aber Bußgelder von bis zu 100 Euro, je nach Bundesland. Es ist auch nicht mehr möglich, das Auto am Zweitwohnsitz anzumelden. Sparen lässt sich nur durch einen Wechsel zu einer günstigeren Versicherung.

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