Regionalklassen in der Autoversicherung In diesen Städten steigen die Beiträge für die Kfz-Versicherung

Kathrin Gotthold-Hildebrandt
Kathrin Gotthold-Hildebrandt •
Expertin Kfz-Versicherung & Mobilität

Das Wichtigste in Kürze

  • Für 2027 ändern sich die Regionalklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung für rund zehn Millionen Autofahrer: Rund 5,2 Millionen werden niedriger und rund 4,8 Millionen höher eingestuft.
  • Eine höhere Regionalklasse kann Deine Kfz-Versicherung teurer machen. Sie bedeutet aber nicht automatisch, dass Dein Beitrag steigt.
  • Erhöht sich Dein Beitrag wegen der neuen Regionalklasse, kannst Du ein Sonderkündigungsrecht haben. Nutz es, um Deine Autoversicherung auf den Prüfstand zu stellen.

So gehst Du vor

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In diesen Regionen sind die Regionalklassen besonders hoch

Es geht bei Regionalklassen vor allem darum, wie häufig Schäden auftreten und wie teuer sie in einem Zulassungsbezirk sind. Ländliche Gebiete schneiden häufig besser ab als Großstädte. Die schlechteste Schadenbilanz hat 2027 erneut Offenbach: Dort liegen die Schäden fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, gefolgt von Gelsenkirchen und Berlin. Die beste Schadenbilanz weist der brandenburgische Landkreis Elbe-Elster auf. Dort liegen die Schäden rund 33 Prozent unter dem Durchschnitt.

Für Dich kann es einen großen Unterschied machen, ob Du in einer günstigen oder teuren Regionalklasse eingestuft bist. Die Regionalklasse ist allerdings nur ein Baustein der Preisberechnung: Eine höhere Einstufung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass auch Dein Beitrag steigt.

Ist Unfallort oder Wohnort für die Regionalklasse relevant?

Entscheidend für die Regionalklasse ist, in welchem Zulassungsbezirk Du als Fahrzeughalter wohnst und Dein Auto angemeldet ist. Nicht, wo ein Unfall passiert.

Wo gibt es neue Regionalklassen 2027?

Für 2027 werden in der Kfz-Haftpflichtversicherung rund 5,2 Millionen Autofahrer aus 63 Zulassungsbezirken niedriger eingestuft. Für rund 4,8 Millionen Menschen aus 46 Bezirken steigt die Regionalklasse. Für mehr als 32 Millionen Autofahrer in 304 Bezirken ändert sich nichts.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Baden-Württemberg: Dort steigen die Klassen der Kfz-Haftpflichtversicherung für rund 1,6 Millionen Autofahrer in neun Zulassungsbezirken. Nur rund 190.000 Versicherte in zwei Bezirken werden niedriger eingestuft. Betroffen von den Hochstufungen sind unter anderem Stuttgart, Mannheim, Reutlingen und mehrere Bezirke rund um Stuttgart und Heilbronn.

In der Voll- oder Teilkaskoversicherung fallen die Veränderungen bundesweit geringer aus: Jeweils rund 2,4 Millionen Versicherte werden höher beziehungsweise niedriger eingestuft. Für rund 33 Millionen Kaskoversicherte bleibt alles beim Alten.

Was sind Regionalklassen in der Kfz-Versicherung?

Regionalklassen spiegeln die Schadenbilanz der Zulassungsbezirke wider. Die Daten werden jährlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ausgewertet und veröffentlicht.

Es gibt getrennte Regionalklassen für:

  • Kfz-Haftpflichtversicherung
  • Vollkaskoversicherung und
  • Teilkaskoversicherung

Jede dieser Versicherungsarten hat eigene Klassensysteme, die auf Schadenshäufigkeit, Reparatur- und Kostenentwicklung basieren.

Wie viele Regionalklassen gibt es in der Autoversicherung?

In der Haftpflicht gibt es zwölf Regionalklassen, in der Vollkasko neun und in der Teilkaskoversicherung 16.

Welche Schäden sind für die Einstufung der Regionalklassen entscheidend?

Bei der Einstufung der Regionalklassen kommt es darauf an, welche Schäden Versicherer in einer Region bezahlen müssen – in der Haftpflicht Schäden an anderen, in der Kasko Schäden am eigenen Auto.

Welche Schäden zahlen auf die Statistik für Auto-Kaskoversicherungen ein?

  • Autodiebstähle,
  • Glasschäden,
  • Fahrzeugbrände,
  • Wildunfälle,
  • Schäden durch Naturereignisse wie Sturm- und Hagelschäden, aber auch
  • selbstverschuldete Unfälle und Vandalismus, also auch Fahrerflucht.

In der Auto-Haftpflicht geht es hingegen um Schäden, die Du als Fahrer einem anderen zufügst. Ob beim Hintendrauffahren an einer roten Ampel oder beim Ausparken. 

Ab wann gelten die neuen Regionalklassen?

Versicherer können die neuen GDV-Regionalklassen ab ihrer Veröffentlichung für Neuverträge verwenden. Bei bestehenden Verträgen können sie die Einstufung ab dem nächsten Versicherungsjahr anwenden. In der Regel beginnt dieses am 1. Januar. Die GDV-Statistik ist allerdings unverbindlich: Versicherer können davon abweichen oder eigene regionale Einstufungen verwenden. 

In der Kfz-Versicherung kannst Du jedes Jahr mit einem Monat Vorlauf zur Hauptfälligkeit kündigen. Mehr zu Kündigungsfristen, ordentlichem und außerordentlichem Kündigungsrecht in der Autoversicherung liest Du im Ratgeber Kfz-Versicherung kündigen.

Können sich Regionalklassen von Versicherer zu Versicherer unterscheiden?

Ja. Die Regionalstatistik des GDV ist für die Versicherungsunternehmen unverbindlich. Das bedeutet, Versicherer können sich daran halten, müssen aber nicht. Auch deshalb lohnt der jährliche Vergleich der Kfz-Versicherung. Finanztip empfiehlt den doppelten Vergleich: Geh erst auf Verivox oder Check24 als Vergleichsportal. Hol Dir dann noch ein Angebot bei Huk24 ein – die teils günstige Angebote hat, aber nicht über Portale zu finden ist.

Sind Regionalklassen-Bezirke identisch mit Postleitzahlen?

Eigentlich nicht. Regionalklassen werden für aktuell insgesamt 413 Zulassungsbezirke in Deutschland ermittelt. Die Bezirke entsprechen den Landkreisen und kreisfreien Städten – also den Autokennzeichen. Diese Einteilung ist zum Teil sehr grob. So sind selbst Millionenstädte wie Berlin oder Hamburg zu einem einzigen Zulassungsbezirk zusammengefasst.

Oft legen Versicherer aber ihre eigenen Kriterien bei den Regionalklassen an. Immer mehr Kfz-Versicherungen gehen noch weiter: Sie stufen ihre Kunden tatsächlich nach der Postleitzahl ein und nicht mehr nach der Regionalklasse – darunter Allianz, Axa, Verti, Europa, Huk-Coburg oder Zurich. Trotzdem geben Dir die Regionalklassen zumindest eine gute Orientierung.

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