Wohngeld, Antrag und Höhe

So bekommst Du Wohngeld

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht

Das Wichtigste in Kürze

  • Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss für Mieter und Eigentümer, die nur ein geringes Einkommen haben.
  • Derzeit beziehen rund 620.000 Haushalte Wohngeld. Im Durchschnitt bekommen sie 177 Euro im Monat.
  • Wegen der hohen Energiepreise kommt in diesem Winter ein zweiter Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger: 415 Euro für eine Person, 540 Euro für zwei Personen und für jede weitere Person zusätzliche 100 Euro.
  • Neu:   Zum 1. Januar 2023 tritt mit dem Wohngeld-Plus-Gesetz eine umfangreiche Wohngeldreform in Kraft: Für bis zu 2 Millionen Haushalte wird es mehr Wohngeld geben.

So gehst Du vor

  • Überprüfe mit einem Wohngeldrechner, ob Du einen Anspruch auf Wohngeld hast. Gut geeignet ist der Rechner der Stadtentwicklung Berlin.
  • Stell einen Antrag auf Wohngeld bei Deiner Wohngeldbehörde am Ort.
  • Lade Dir unsere Checkliste für weitere Informationen zum Wohngeld herunter.

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Rund 600.000 Haushalte haben Anspruch auf Wohngeld – aber beantragen es nicht. Wie steht es mit Dir? Oder vielleicht kennst Du jemanden, der Wohngeld gut gebrauchen könnte. Falls Du befürchtest, Dein Vermieter könnte auf Deinen Wohngeldantrag seltsam reagieren, sei unbesorgt: Dein Vermieter erfährt gar nichts davon.

Zudem wird das Wohngeld zum 1. Januar 2023 grundlegend reformiert, damit bis zu 2 Millionen Haushalte Wohngeld bekommen können. Es soll auf durchschnittlich 370 Euro pro Haushalt steigen. Der Bundestag hat dazu das Wohngeld-Plus-Gesetz am 10. November beschlossen. Der Bundesrat hat dem  Gesetz am 25. November 2022 zugestimmt.

Wer hat Anspruch auf Wohngeld?

Rund 620.000 Haushalte bekamen 2020 Wohngeld, im Schnitt 177 Euro im Monat. Zu wenig, fand die Bundesregierung und legte eine umfassende Wohngeldreform vor, die ab Januar 2023 in Kraft treten soll. Der Bundestag hat das Wohngeld-Plus-Gesetz am 10. November 2022 beschlossen, der Bundesrat stimmte dem Gesetz zu. Die Wohngeldreform kann damit wie geplant zum 1. Januar 2023 in Kraft treten.

Wohngeld gibt es als Mietzuschuss für Mieter, aber auch als Lastenzuschuss für Haus- oder Wohnungseigentümer, die selbst in ihrer Immobilie wohnen. Einen Teil Deiner Wohn­kos­ten übernimmt in beiden Fällen der Staat, wenn Du finanzielle Unterstützung benötigst.

Als Mieter kannst Du den Zuschuss zur Miete Deiner Wohnung bekommen, wenn Du ein eigenes Einkommen hast – dazu zählen auch Renten, Ar­beits­lo­sen­geld I oder Kurz­arbeiter­geld. Auch wer im Altenheim lebt, kann eventuell Wohngeld bekommen. Etwa die Hälfte der Wohngeldempfänger sind Rentner.

Als Eigentümer kannst Du einen Zuschuss zu den allgemeinen Betriebskosten oder zu Deinen Kreditraten bekommen, wenn Du Deine Baufinanzierung zurückzahlst. Nur knapp 7 Prozent aller Wohngeldempfänger leben in der eigenen Immobilie.

Aber: Bekommst Du Grundsicherung für Arbeitssuchende (Ar­beits­lo­sen­geld 2 oder zukünftig Bürgergeld), dann wird Deine Miete bei dieser Sozialleistung schon berücksichtigt. Wohngeld steht Dir dann nicht zu (§ 7 WoGG). Das gilt auch für alle, die Grundsicherung im Alter bekommen oder Sozialhilfe bei Erwerbsminderung.

Wohngeld für Schüler, Studenten und Auszubildende

Für Schüler, Studenten und Auszubildende gelten besondere Regelungen beim Wohngeld, da sie vorrangig durch Bafög unterstützt werden. Hast Du einen Anspruch auf Bafög oder Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), bekommst Du kein Wohngeld, da im Bafög die Kosten für Miete enthalten sind.

Bekommst Du kein Bafög, weil Deine Eltern zu viel verdienen oder Dein eigenes Einkommen oder Vermögen zu hoch ist, hast Du auch keinen Anspruch auf Wohngeld. 

Ein Antrag lohnt sich für Dich als Student nur dann, wenn Du aus einem anderen Grund kein Bafög bekommst, zum Beispiel weil Du zu alt für Bafög bist, die Förderungshöchstdauer überschritten hast oder ein Zweitstudium belegt hast. Bevor Du aber in diesen eher seltenen Fällen Wohngeld beantragen kannst, musst Du einen Antrag auf Bafög gestellt haben, der abgelehnt wurde.

Studierende mit Kindern können zusätzlich zum Bafög auch einen Antrag auf Wohngeld stellen. Wende Dich an Dein Studentenwerk und lass Dich beraten, ob Du Aussicht auf Wohngeld hast. 

Wohngeld: Checkliste, Infos und Sonderfälle

In unserer Checkliste findest Du alle Informationen zum Wohngeld in der Übersicht.

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Wie viel Wohngeld kannst Du bekommen?

Es gibt keine festen Beträge für das Wohngeld. Für jeden Antragsteller berechnet die Wohngeldbehörde individuell, wie viel Wohngeld er bekommen kann.

Der durchschnittliche Wohngeldanspruch für Wohngeldempfänger in Bayern belief sich 2020 insgesamt auf 179 Euro im Monat. Nordrhein-Westfalen zahlte in demselben Jahr im Schnitt 195 Euro.

Neu: Durch die Wohngeldreform zum 1. Januar 2023 sollen die bisherigen Wohngeldhaushalte durchschnittlich 190 Euro mehr Wohngeld bekommen, etwa 370 Euro.

Heizkostenzuschuss

Wegen der hohen Energiekosten bekamen Wohngeldempfänger im Sommer 2022 bereits einen Heizkostenzuschuss von 270 Euro. Bei zwei zusammenwohnenden Menschen waren es 350 Euro, für jeden weiteren Mitbewohner jeweils 70 Euro.

Für die Heizperiode im Winter 2022 bekommen Wohngeldempfänger einen zweiten Heizkostenzuschuss: 415 Euro für eine Person, für zwei Personen 540 Euro und für jede weitere Person zusätzliche 100 Euro. Voraussetzung ist, dass der Haushalt im Zeitraum vom 1. September 2022 bis zum 31. Dezember 2022 in mindestens einem Monat wohngeldberechtigt ist.

Zum 1. Januar 2023 führt die Wohngeldreform eine dauerhafte Heizkostenkomponente ein. Die wird als Zuschlag auf die zu berücksichtigende Miete oder Belastung in die Wohngeldberechnung eingehen. Im Durchschnitt aller Wohngeldhaushalte führt dieser Zuschlag zu einem höheren Wohngeld von 1,20 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

Höhe des Wohngelds

Die Höhe des Wohngeldes hängt grundsätzlich von drei Faktoren ab: Anzahl der Personen, die in Deinem Haushalt leben, Höhe des Einkommens und Höhe Deiner Miete.

1. Anzahl der Personen

Zu Deinem Haushalt zählst Du selbst als Antragsteller, Dein Ehegatte, Dein Partner, mit dem Du ohne Trauschein zusammenlebst, Deine Kinder sowie Deine Eltern, wenn Du mit ihnen unter einem Dach lebst.

2. Familieneinkommen

Um Wohngeld erhalten zu können, darf Dein monatliches Einkommen einen bestimmten Betrag nicht überschreiten. Der richtet sich nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Das Gesamteinkommen setzt sich aus den Jahreseinkommen aller Haushaltsmitglieder zusammen. Vermindert wird die Summe aber noch um die jeweiligen Abzüge für Sozialversicherungsabgaben und Freibeträge.

Einkünfte - Entscheidend ist das Jahreseinkommen, das Du und die anderen Familienmitglieder in den nächsten zwölf Monaten erwarten können – dabei zählen Dein Gehalt als Arbeitnehmer, aber auch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Bist Du gerade in Kurzarbeit, dann zählt Dein Kurz­arbeiter­geld als Einkommen. Ar­beits­lo­sen­geld I oder eine Rente sind ebenfalls Einkünfte, die in die Berechnung des Wohngelds einfließen (§ 14 WoGG).

Kindergeld und Kinderzuschlag gehören nicht zu Deinem Einkommen. Ein vom Jugendamt gezahlter Unterhaltsvorschuss hingegen schon. Elterngeld musst Du angeben, der Sockelbetrag von 300 Euro im Monat bleibt anrechnungsfrei.

Abzüge - Um das relevante Einkommen zu berechnen, ziehst Du von Deinem Bruttogehalt den monatlichen Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag in Höhe von 100 Euro ab (1.200 Euro/zwölf Monate seit 1. Januar 2022). Von einer steuerpflichtigen Alters- oder Witwenrente darfst Du mindestens 102 Euro im Jahr abziehen, also 8,50 Euro im Monat. Auch Kosten für die Kinderbetreuung in Höhe von zwei Dritteln der Aufwendungen, aber höchstens 4.000 Euro pro Kind und Kalenderjahr, darfst Du abziehen.

Die Summe reduzierst Du jeweils um 10 Prozent für Steuern, 10 Prozent für Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträge und um weitere 10 Prozent für Ren­ten­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben – falls solche Abgaben bei Dir anfallen. Insgesamt also bis zu 30 Prozent. Bekommst Du eine steuerpflichtige Rente, werden davon nur 10 Prozent abgezogen, da Du keine Beiträge davon für die Kranken- oder Ren­ten­ver­si­che­rung zahlen musst. Bei einem Minijob wird nichts mehr abgezogen, da der Arbeitnehmer keine weiteren Sozialabgaben zahlen muss. 

Freibeträge - Du darfst einen Freibetrag von 1.800 Euro abziehen, wenn eine schwerbehinderte oder pflegebedürftige Person in Deinem Haushalt lebt oder 1.320 Euro, falls Du alleinerziehend bist. Verdient Dein mit Dir zusammenlebendes Kind schon sein eigenes Geld und ist es jünger als 25 Jahre, dann musst Du dessen Einkünfte von bis zu 1.200 Euro im Jahr nicht angeben (§ 17 WoGG). Auch Unterhaltszahlungen von bis zu 3.000 Euro im Jahr für Kinder, die nicht mit Dir zusammenwohnen oder für Deinen geschiedenen Ehepartner von bis zu 6.000 Euro im Jahr kannst Du von Deinen Einkünften abziehen (§ 18 WoGG). Rentner, die mindestens 33 Jahre an Grundrentenzeiten haben, erhal-
ten im Wohngeld ebenfalls einen Freibetrag (§ 17a WoGG). Du darfst mindestens 100 Euro von Deiner Rente abziehen und höchstens 224,50 Euro im Monat (Stand: 2022). Die genaue Berechnung ist nicht ganz einfach. Erkundige Dich dazu bei der Wohngeldbehörde.

In den folgenden Tabellen kannst Du ablesen, wie viel Du höchstens verdienen darfst, um in Berlin oder in München Wohngeld zu bekommen.

So viel darfst Du in Berlin verdienen (Mietenstufe IV)

Haushalts-
mitglieder
Grenze für mtl.
Einkommen1
entspricht
Bruttoeinkommen2
11.099 €1.570 €
21.506 €2.152 €
31.812 €2.589 €
42.362 €3.375 €
52.693 €3.847 €

1 monatlich für das Wohngeld zu berücksichtigende Einkommen (Wohngeld-Netto)
2 bei einem pauschalierten Abzug von 30 Prozent für Sozialabgaben (Steuern, Kranken- und Ren­ten­ver­si­che­rung)
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Januar 2022)

So viel darfst Du in München verdienen (Mietenstufe VII)

Haushalts-
mitglieder
Grenze für mtl.
Einkommen1
entspricht
Bruttoeinkommen2
1

1.189 €

1.698 €
21.633 €2.333 €
31.955 €2.793 €
42.505 €3.579 €
52.850 €4.071 €

1 monatlich für das Wohngeld zu berücksichtigende Einkommen (Wohngeld-Netto)
2 bei einem pauschalierten Abzug von 30 Prozent für Sozialabgaben (Steuern, Kranken- und Ren­ten­ver­si­che­rung)
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Januar 2022)

Vermögen - Wohnst Du allein, bleiben bei der Wohngeldberechnung 60.000 Euro Vermögen unberücksichtigt. Pro weiteres Haushaltsmitglied sind es weitere 30.000 Euro. Bei einer vierköpfigen Familie werden also 150.000 Euro Vermögen nicht angetastet. Das ist nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts kein erhebliches Vermögen (Urteil vom 18. April 2013, Az. 5 C 21.12). Diese Regelungen finden sich auch in den Verwaltungsvorschriften zum Wohngeld (Ziffer 21.37).

3. Höhe der Miete oder der Lasten

Die Wohngeldbehörde geht immer von der sogenannten Bruttokaltmiete aus: Miete und sonstige Nebenkosten ohne Heiz- und Warmwasserkosten. Auch die Miete für einen Stellplatz musst Du abziehen.

Neu: Die Wohngeldreform zum 1. Januar 2023 wird die Heizkosten der Haushalte bei der Berechnung des Wohngelds berücksichtigen. Damit sollen Mehrbelastungen für Wohngeldhaushalte verhindert werden, damit diese nicht in die Grundsicherung oder dann ab 1. Januar 2023 ins Bürgergeld rutschen.

Bei Wohnungs- oder Hauseigentümern können die monatlichen Zahlungen an die finanzierende Bank zählen. Für Instandhaltungs- und Betriebskosten ist eine Pauschale in Höhe von 36 Euro pro Quadratmeter im Jahr zulässig. Auch die Grundsteuer erhöht die Lasten, zu denen dann ein Lastenzuschuss beantragt werden kann.

Es gibt sieben Mietstufen. In Gemeinden und Kreisen mit besonders hohen Mietpreisen können höhere Mieten bezuschusst werden. In welche Mietstufe Deine Stadt, Gemeinde oder Dein Kreis eingeordnet ist, findest Du auf dieser Liste zur Wohngeldverordnung. Die Mieten in Mietenstufe III entsprechen ungefähr dem Bundesdurchschnitt.

Bei dem Wohngeld wird nicht unbedingt die tatsächliche Miete oder Belastung berücksichtigt. Liegt Deine Miete über dem in Deiner Gemeinde festgelegten Höchstbetrag, wird nur dieser berücksichtigt, auch wenn Du tatsächlich mehr zahlst. Zahlst Du also mehr Miete als den Höchstbetrag, fällst Du nicht aus der Förderung, es wird von Deiner Miete allerdings nur der gesetzlich festgelegte Betrag berücksichtigt.

Miethöchstbeträge 2022

Personen/
Stufe
1 Pers.2 Pers.3 Pers.4 Pers.5 Pers.
 I347 €420 €501 €584 €667 €
 II392 €474 €564 €659 €752 €
III438 €530 €631 €736 €841 €
 IV491 €595 €708 €825 €944 €
 V540 €654 €778 €909 €1.038 €
VI591 €716 €853 €995 €1.137 €
VII651 €788 €937 €1.095 €1.251 €

Quelle: Erste Verordnung zur Fortschreibung des Wohngeldes (1. WoGFV) (Stand: 1. Januar 2022)

Drei Beispiele zum Miethöchstbetrag 2022:

Eine dreiköpfige Familie aus Steinfurt (Mietenstufe II) zahlt monatlich 650 Euro Miete kalt. Für die Wohngeldberechnung werden nur 564 Euro berücksichtigt – das ist der Miethöchstbetrag. 

Ein Haushalt mit fünf Personen aus Kiel (Mietenstufe V) wohnt im Eigenheim. Monatlich zahlen sie 1.000 Euro an die Bank und 200 Euro Betriebskosten. Berücksichtigt werden 1.038 Euro für die Berechnung des Wohngelds.

Ein Single in Berlin (Mietenstufe IV) zahlt 320 Euro Miete. Das liegt unter dem Höchstbetrag von 491 Euro. Die Wohngeldbehörde berücksichtigt die gesamte Miete.

Welcher Wohngeldrechner ist zu empfehlen?

Es gibt viele verschiedene Rechner, mit denen Du herausfinden kannst, ob Du Wohngeld bekommst und in welcher Höhe. 

Mit dem Wohngeldrechner des Bundesministeriums kannst Du Dir einen ersten Überblick verschaffen, ob Dir Wohngeld zusteht und wie viel. Abgefragt werden nur fünf Werte:

  1. Anzahl der Haushaltsmitglieder insgesamt
  2. Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder
  3. monatliches Gesamteinkommen (wichtig: damit ist nicht Dein Brutto-Einkommen gemeint; um ein richtiges Ergebnis zu bekommen, musst Du von Deinem Brutto-Einkommen als Arbeitnehmer 30 Prozent für Steuer und Sozialversicherung abziehen sowie die Freibeträge)
  4. monatliche Bruttokaltmiete sowie
  5. die Mietenstufe

Wir haben folgenden Beispielfall gebildet: Eine Familie mit vier Haushaltsmitgliedern lebt in Münster (Mietenstufe V), verfügt über ein Gesamteinkommen von 2.200 Euro und zahlt eine Miete von 1.200 Euro. Der Rechner ermittelt einen monatlichen Anspruch von Wohngeld in Höhe von 130 Euro.

Lass Dich nicht entmutigen, wenn der einfache Rechner zum Ergebnis kommt: kein Anspruch. Das kann daran liegen, dass Du Dein Gesamteinkommen zu hoch angegeben hast oder die Freibeträge nicht berücksichtigt wurden.

Wir empfehlen daher den Stadtentwicklungsrechner in Berlin. Er ist sehr viel ausführlicher und bietet in vier Schritten Berechnungen für alle Bundesländer an. Es werden zusätzlich auch Freibeträge abgefragt, die Mietkosten werden genauer aufgeschlüsselt. Das Einkommen wird für jedes Haushaltsmitglied abgefragt. Auch für Eigentümer ist der Rechner besonders geeignet, da anhand der Quadratmeter der Wohnung automatisch die Pauschale für die Instandhaltungskosten ausgerechnet wird.

Wie berechnet sich Dein Anspruch auf Wohngeld?

Wie viel Wohngeld Du genau bekommst, berechnet sich nach einer komplizierten Formel, in der die Miete, das Gesamteinkommen und die Anzahl der Haushaltsmitglieder eingesetzt werden (§ 19 WoGG). Einfach ausrechnen funktioniert nicht.

Wohngeldtabellen bieten allenfalls eine Orientierung. Sie geben nicht den exakten Wohngeldbetrag an, sondern eine Spanne. Leider sind die Tabellen extrem unübersichtlich, so dass es schwerfällt, den tatsächlichen Anspruch auf Wohngeld abzulesen.

CO2-Komponente seit 2021

Seit 2021 bekommen Wohngeldempfänger einen CO2-Zuschlag zur Miete. Von dieser Summe wird das Wohngeld berechnet. Der Zuschlag staffelt sich nach der Größe des Haushalts (§ 12 Abs. 6 WoGG).

Haushalts-
mitglieder
 Heizkosten-
entlastung
114,40 €
218,60 €
322,60 €
425,80 €

Quelle: § 12 Absatz 6 WoGG (Stand: Januar 2022)

Beispiel: Beide Eheleute sind Arbeitnehmer, ein Partner entrichtet Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, zur gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung und zahlt Steuern vom Einkommen; der andere arbeitet in einem Minijob. Münster hat die Mietenstufe V. Die folgende Tabelle zeigt die Berechnung des monatlich relevanten Einkommens und des Wohngeldanspruchs.

Berechnung: Ehepaar mit zwei Kindern in Münster

 EhefrauEhemann
Brutto-
einkommen
1.990,00 €430 €
./. Arbeitnehmer-
pauschbetrag
- 83,33 €
1.906,67 €
(-)
430 €
./. pauschaler
Abzug (30 %)
- 572,00 €
1.334,67 €
(-)
430 €
Gesamt-
einkommen
1.764,67 €

Kaltmiete

+

Heizkostenentlastung

770 € (Höchstbetrag: 909 €)

+

25,80 €

Zuschussfähige Gesamtmiete795,80 €
mtl. Wohngeld275 € 

Quelle: Finanztip-Recherche, Wohngeldrechner BMI 2022 (Stand: Januar 2022)

Regelmäßige Anpassung an Miet- und Einkommensentwicklung.

Seit 2022 wird die Höhe des Wohngelds regelmäßig alle zwei Jahre an die aktuelle Miet- und Einkommensentwicklung angepasst. Dazu ist am 1. Januar 2022 die Erste Verordnung zur Fortschreibung des Wohngeldes in Kraft getreten.

Geplant ist zum 1. Januar 2023 eine umfassende Wohngeldreform. Die Bundesregierung will mit dem Wohngeld Plus erreichen, dass 2 Millionen Haushalte Wohngeld bekommen können.

Wie beantragst Du Wohngeld?

Einen Antrag auf Wohngeld kannst Du bei der Wohngeldbehörde Deiner Gemeinde, Stadt oder Kreisverwaltung stellen. Oft ist das Thema Wohngeld auch bei den Sozialämtern angesiedelt. Das Formular findest Du in aller Regel auch online auf der Website Deiner Stadt, Deines Kreises oder des zuständigen Ministeriums in Deinem Bundesland.

Wohnst Du in Nordrhein-Westfalen, kannst Du Wohngeld auch online beantragen. Dazu musst Du zunächst den NRW-Wohngeldrechner nutzen, alle Fragen beantworten, bevor Du zum Online-Antrag geleitet wirst.

Für den Mietzuschuss musst Du das Einkommen der Familienmitglieder nachweisen und die Höhe und Zusammensetzung der Miete belegen. Beim Lastenzuschuss muss anstelle der Miete die Belastung (aus Kapital- und Bewirtschaftungskosten) nachgewiesen werden. Den achtseitigen Antrag musst Du unterschreiben. 

Hast Du noch nicht alle Unterlagen zusammengesucht, kannst Du den Antrag auf Wohngeld auch zunächst formlos stellen – damit wahrst Du die Frist. Den amtlichen Vordruck samt Nachweisen musst Du aber spätestens innerhalb eines Monats nach Abgabe des formlosen Antrags nachreichen.

Eigentlich ist es sinnvoll, dass Du nach einer Terminvereinbarung persönlich Deinen Antrag in der Behörde abgibst. So kann der Sachbearbeiter mit Dir gemeinsam prüfen, ob alle Unterlagen vollständig sind. Rückfragen kannst Du gleich klären. Während der Corona-Pandemie sind allerdings viele Ämter nur eingeschränkt geöffnet. Du musst Dich darauf einstellen, dass die Bearbeitung Deines Antrags zwischen drei und sechs Wochen dauern kann.

Fragen und Antworten zum Wohngeld

Informativ ist auch unser Blogartikel zum Wohngeld. Dort findest Du viele interessante Leserfragen und viele hilfreiche Antworten. Zum Blog: Wohngeld – schon beantragt? 

Bewilligungsdauer

Die Behörde bewilligt Wohngeld immer für zwölf Monate (§ 25 WoGG). Etwa zwei Monate vor Ablauf der Förderdauer solltest Du eine Verlängerung beantragen – das nennt sich Weiterleistungsantrag. Zukünftig können die Ämter ab 2023 das Wohngeld für 24 Monate bewilligen.

Innerhalb der Bewilligungsdauer kannst Du in drei Fällen eine Erhöhung beantragen (§ 27 WoGG):

  1. mehr Personen im Haushalt (etwa durch die Geburt eines Kindes)
  2. weniger Einkommen (von mindestens 15 Prozent zum Beispiel durch Kurzarbeit)
  3. Erhöhung der Miete (um mindestens 15 Prozent)

Tipp für Familien: Kinderzuschlag beantragen

Familien, die Wohngeld beziehen, haben oft auch Anspruch auf den Kinderzuschlag. Stell beide Anträge am besten gleichzeitig. In Berlin zum Beispiel hängt der Antrag für den Zuschlag am Wohngeldformular. Viele Hinweise und Tipps dazu findest Du in unserem Ratgeber Kinderzuschlag.

Autor
Dr. Britta Beate Schön