Festzuschuss Zahnersatz

Das zahlt die Kran­ken­kas­se für Zahnersatz

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Ver­si­che­rungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung übernimmt nur einen Teil der Kosten für Zahnersatz, den sogenannten Festzuschuss.
  • Wie hoch der Zuschuss ausfällt, hängt davon ab, ob Du jedes Jahr zur Vorsorge beim Zahnarzt warst.
  • Wenn Du Dich für den von der Kasse vorgesehenen Zahnersatz entscheidest, zahlst Du zwischen 25 und 40 Prozent der Kosten selbst. Teurere Extras musst Du komplett aus eigener Tasche zahlen.

So gehst Du vor

  • Lass Dich beim Zahnarzt zu verschiedenen Varianten des Zahnersatzes und deren Kosten beraten. Vor der Behandlung erstellt der Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan. Diesen reichst Du bei der Kran­ken­kas­se ein und sie ermittelt den Festzuschuss.
  • Hast Du kein Geld für Zahnersatz, beantrage einen Härtefallzuschuss bei Deiner Kran­ken­kas­se.
  • Falls Du Wert auf teure Materialien legst und häufig Zahnersatz brauchst, kann sich eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung lohnen. Wir empfehlen folgende Tarife mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis: ZZ Pro90 der Huk-Coburg/Huk24, Generali Plan Z1, Ottonova Zahn 85 und Hallesche Megadent.

Irgendwann passiert es den meisten von uns: Ein Zahn ist kaputt, Du brauchst eine Brücke, eine Krone oder ein Implantat – und das kann teuer werden. Wenn Du gesetzlich krankenversichert bist, übernimmt die Kran­ken­kas­se nur einen Teil der Kosten für Zahnersatz. Wir erklären, was Du selbst zahlen musst.

Was zahlt die gesetzliche Kran­ken­kas­se für Zahnersatz?

Brauchst Du als Kassenpatient Zahnersatz, dann musst Du in der Regel einen Teil der Kosten dafür aus eigener Tasche zahlen. Die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung zahlt lediglich den sogenannten Festzuschuss. Dieser wurde im Oktober 2021 erhöht. Aktuell liegt der Festzuschuss bei 60 Prozent der Kosten für die Regelversorgung. Wie diese Regelversorgung aussieht, legen Kran­ken­kas­sen und Zahnärzte für jedes Zahnproblem im Detail fest. Ziel ist es, Patienten und Patientinnen medizinisch sinnvollen Zahnersatz zu ermöglichen. Extras, zum Beispiel aus optischen Gründen, gehören nicht zur Regelversorgung. Diese musst Du grundsätzlich selbst zahlen.

Für jeden Befund werden in der Festzuschuss-Richtlinie eine Standard-Behandlung definiert und die Kosten bestimmt. Die Kran­ken­kas­se zahlt standardmäßig 60 Prozent dieses Betrags, unabhängig davon, für welche Art des Zahnersatzes Du Dich letztlich entscheidest.

Wann gibt es dank Bonusheft einen höheren Festzuschuss?

Regelmäßig zur Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt zu gehen, lohnt sich in mehrfacher Hinsicht. Wenn Du jedes Jahr Deine Zähne kontrollieren und Dein Bonusheft abstempeln lässt, bekommst Du einen höheren Festzuschuss.

Kannst Du für die vergangenen fünf Jahren ein lückenloses Bonusheft vorweisen, dann steigt der Festzuschuss auf 70 Prozent. Bei zehn Jahren lückenlosem Bonusheft sind es 75 Prozent.

Kulanz bei einem fehlenden Stempel

Wenn Du innerhalb von zehn Jahren nur einmal die Kontrolluntersuchung verpasst hast, kannst Du unter Umständen trotzdem den 75 Prozent Zuschuss bekommen. Allerdings musst Du gegenüber Deiner Kran­ken­kas­se schlüssig begründen können, warum Du die Zahnkontrolle versäumt hast. Die Kran­ken­kas­se hat einen Ermessenspielraum, ob ihr die Begründung ausreicht.

Warst Du bei der Untersuchung und hattest nur Dein Bonusheft vergessen, kannst Du Deine Zahnärztin oder Deinen Zahnarzt bitten, es nachzustempeln.

Hast Du ohne Grund eine Vorsorgeuntersuchung verpasst, beginnt das Sammeln der Stempel von vorne. Erst wenn Du wieder in fünf aufeinanderfolgenden Jahren Dein Bonusheft gefüllt hast, bekommst Du einen höheren Festzuschuss.

Welche Kosten für Zahnersatz kommen auf Dich zu?

Du bist nicht verpflichtet, Dir den Standard-Zahnersatz einsetzen zu lassen, sondern kannst Dich auch für eine teurere Variante entscheiden. Infrage kommen beispielsweise teurere Materialien wie Keramik oder Gold oder aufwendige Behandlungen wie das Einsetzen eines Implantats.

Fehlt Dir ein Seitenzahn, dann ist die Regelversorgung häufig eine Brücke aus Metall. Dieses Material ist belastbar und langlebig. Wenn Frontzähne betroffen sind, bezuschusst die Kasse eine Teilverblendung mit zahnfarbenem Material. Möchtest Du auch im seitlichen Bereich lieber eine Krone oder Brücke aus Keramik, dann ist das eine Mehrleistung, für die Du komplett selbst aufkommen musst. Abhängig von der Art des Zahnersatzes, für die Du Dich entscheidest, kann Dein Eigenanteil deshalb zwischen Hundert und einigen Tausend Euro liegen.

Aber auch, wenn Du Dich für die Regelversorgung entscheidest, zahlst Du als Kassenpatient 25 bis 40 Prozent der Kosten selbst. Welcher Eigenanteil bei einer Metallkrone und einer Brücke zum Schließen einer Zahnlücke auf Dich zukommt, zeigen unsere Beispiele.

Kosten für Regelversorgung mit einer Krone

 ohne Bonus5 Jahre Bonusheft10 Jahre Bonusheft
Gesamtkosten Krone340 €340 €340 €
Festzuschuss der Kran­ken­kas­se204 €238 €255 €
Eigenanteil136 €102 €85 €

Annahme: Krone in einem vollständigen Gebiss, Werte gerundet
Quelle: Festzuschuss-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss (Stand: 4. Mai 2022)

Kosten für Regelversorgung bei einer Zahnlücke

 ohne Bonus5 Jahre Bonusheft10 Jahre Bonusheft
Gesamtkosten Brücke785 €785 €785 €
Festzuschuss der Kran­ken­kas­se471 €550 €589 €
Eigenanteil314 €236 €196 €

Annahme: Zahnbegrenzte Lücke mit einem fehlenden Zahn (Befund 2.1.), Werte gerundet, Rundungsdifferenzen möglich
Quelle: Festzuschuss-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss (Stand: 16. Juni 2022)

Wie hoch genau Dein Eigenanteil ist, musst Du aber nicht selbst berechnen. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin erstellt einen Heil- und Kostenplan. Darin sind Dein Befund, die geplante Behandlung, die geschätzten Gesamtkosten und Dein Eigenanteil aufgeführt. Den Heil- und Kostenplan musst Du von Deiner Kran­ken­kas­se genehmigen lassen, bevor die Behandlung losgeht.

Extras muss Du selbst zahlen

Falls Du Dich in Absprache mit Deinem Zahnarzt für eine andere Versorgung entscheidest, zum Beispiel für ein Implantat statt einer Brücke oder eine optisch schönere Krone aus Keramik statt der aus Metall, kann es deutlich teurer werden. Die Kasse zahlt für ein Implantat den gleichen Betrag wie für eine Brücke. Die Mehrkosten für die teurere Behandlung musst Du selbst tragen.

Soll beispielsweise ein fehlender Zahn ersetzt werden, bekommst Du von der Kasse mit einem zehn Jahre geführten Bonusheft 589 Euro Zuschuss, unabhängig davon, ob Du Dich für eine Zahnbrücke entscheidest, die 800 Euro kostet, oder für ein 3.000 Euro teures Implantat.

Eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung kann Kosten abfedern

Ob sich eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung lohnt, hängt stark davon ab, ob Du in Zukunft häufig Zahnersatz brauchst und auf eine hochpreisige Ausführung Wert legst. Denn die Ver­si­che­rung ist verhältnismäßig teuer. Einen guten Vertrag gibt es ab etwa 300 Euro im Jahr aufwärts. Zahnersatz kann über die Jahre zwar Kosten von einigen Tausend Euro verursachen, existenzbedrohend sind diese Ausgaben aber selten. Du solltest Dich deshalb zunächst um alle wichtigeren Ver­si­che­rungen kümmern, bevor Du über eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung nachdenkst.

Eine simple Möglichkeit, für hohe Zahnarztkosten vorzusorgen, ist es, monatlich etwas Geld zur Seite zu legen – zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto. Bevorzugst Du die Ver­si­che­rung, dann empfehlen wir Dir, einen Tarif mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis zu wählen. Premium-Tarife sind aus unserer Sicht häufig unverhältnismäßig teuer. Details dazu liest Du in unserem Ratgeber Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung.

Mehr dazu im Ratgeber Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

Zum Ratgeber

Wann bekommst Du Zahnersatz ohne Eigenanteil?

Wenn Du ein geringes Einkommen hast und Dir deshalb den Eigenanteil für Zahnersatz nicht leisten kannst, kannst Du von der sogenannten Härtefallregelung profitieren. Die Kran­ken­kas­se erstattet dann die Kosten für die Regelversorgung vollständig. Allerdings musst Du das bei Deiner Kran­ken­ver­si­che­rung beantragen. Infrage kommt die Härtefallregelung unter anderem, wenn Du ein sehr geringes Bruttoeinkommen hast oder Bafög, Sozialhilfe, Hartz IV, Grundsicherung im Alter oder eine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te beziehst.

Wie Du den Härtefallzuschuss beantragst und welche Einkommensgrenzen im Detail gelten, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zur Härtefallregelung bei Zahnersatz.

Autor
Julia Rieder

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Emp­feh­lungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion emp­foh­len wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Emp­feh­lungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.