Kfz-Steuer für Oldtimer

Pauschale Kfz-Steuer, Dienstwagen und Wechselkennzeichen für alte Autos

Udo Reuß 15. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Um als Oldtimer zu gelten, muss ein Auto vor mindestens 30 Jahren zum ersten Mal zugelassen worden sein.
  • Besitzer eines Oldtimers zahlen eine Pauschale bei der Kfz-Steuer: jährlich 191,73 Euro für Autos oder 46,02 Euro für Motorräder.
  • Ob das Fahrzeug das H-Kennzeichen für historische Autos bekommt, klären Sachverständige bei der Hauptuntersuchung.
  • Wer seinen Oldtimer nur für Messen und Ähnliches benutzt, kann erheblich sparen, indem er ein rotes Wechselkennzeichen für mehrere Oldtimer als Nummernschild nutzt.
  • Selbstständige können gegebenenfalls ihren Oldtimer als Dienstwagen nutzen und sparen bei der Ein-Prozent-Regelung Steuern für die private Nutzung. 
  • Die Kfz-Versicherung ist für Oldtimer günstiger.

Porsche 911, Mercedes-Heckflosse oder der gute alte VW-Käfer: Solche Namen bringen Autoliebhaber ins Schwärmen. Aber wann gilt ein Auto als historisches Fahrzeug? Denn nur dann kommt der pauschale Oldtimer-Steuersatz infrage, der oft günstiger ist als der normale.

Ein Oldtimer wird meist nur wenig genutzt. Auch aus diesem Grund profitieren viele Besitzer bei der Kraftfahrzeugsteuer von einem günstigeren Jahresbetrag, der in Paragraf 9 KraftStG festgelegt ist. Für einen Pkw zahlst Du eine Pauschale von 191,73 Euro, Motorräder kosten jährlich 46,02 Euro.

30 Jahre muss der Wagen mindestens alt sein

In der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr (§ 2 Nr. 22 ZV) ist definiert, was ein Oldtimer ist: Es ist ein Fahrzeug, das 

  • vor mehr als 30 Jahren zum ersten Mal zugelassen wurde,
  • weitestgehend dem Originalzustand entspricht,
  • in einem erhaltenswerten Zustand ist und
  • der Pflege des „kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts“ dient.

Liebhaberautos, die die 30 Jahre noch nicht voll haben, werden als Youngtimer bezeichnet. Für sie berechnet sich die Kraftfahrzeugsteuer nach dem alten Kfz-Steuer-System ohne Zuschlag für den Kohlendioxidausstoß.

Bei der HU klärt sich der Oldtimer-Status

Ob Dein Fahrzeug den H-Status erhält, klären Sachverständige bei der Hauptuntersuchung (HU), zu der jeder Fahrzeughalter verpflichtet ist. Sie prüfen zum einen, ob das Aussehen des Wagens in etwa mit dem Originalzustand übereinstimmt. Ein fest montiertes Navigationsgerät am Armaturenbrett schließt beispielsweise das H-Kennzeichen aus. Kannst Du dagegen nachweisen, dass der Anbau eines Spoilers oder das schicke Sportlenkrad schon seinerzeit üblich waren, steht dem H-Status nichts im Wege. Genauer nehmen es die Prüfer beim Motor: Ersatz für den kaputten Motor eines VW Golf I darf zum Beispiel einzig und allein aus der Baureihe des Golf I stammen, nicht etwa aus dem Golf II, III oder IV.

Der Zustand Deines Autos wird bei jeder Hauptuntersuchung neu kontrolliert. Dann entscheidet sich, ob Dein Auto den H-Status behält oder zu einem normalen Gebrauchtwagen degradiert wird.

Sammler können Wechselkennzeichen benutzen

Wenn Du mehr als einen Oldtimer besitzt, kannst Du mit dem roten Wechselkennzeichen Steuern sparen. Du zahlst wie fürs H-Kennzeichen pauschal 191,73 Euro für Pkw und 46,02 Euro für Zweiräder und kannst das Nummernschild je nach Gebrauch an das jeweilige Fahrzeug montieren. Allerdings darfst Du mit dem roten Kennzeichen nur zu historischen Veranstaltungen, Oldie-Messen oder für Reparaturen in die Werkstatt fahren.

Selbstständige dürfen ihren Oldtimer als Dienstwagen einsetzen

Als Freiberufler oder Gewerbetreibende kannst Du Deinen Oldtimer als Firmenwagen anmelden. Für die private Nutzung musst Du aber einen geldwerten Vorteil versteuern – immerhin monatlich 1 Prozent des Bruttolistenneupreises. Der liegt bei 30 Jahre alten Fahrzeugen aber weit unter dem, was vergleichbare Modelle heute kosten.

Beispiel: Für einen neuen Porsche 911 S zahlst Du mehr als 100.000 Euro, das Modell von 1968 notierte hingegen mit dem Listenpreis von 26.918 Mark, also knapp 14.000 Euro. Nach der Ein-Prozent-Regelung sind monatlich für den neuen Porsche mehr als 1.000 Euro zu versteuern, für den Oldtimer dagegen nur etwa 140 Euro monatlich.

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat zwar im Jahr 2011 ein rechtskräftiges Urteil (Az. 6 K 2473/09) gefällt, nach dem ein Oldtimer als unangemessener Repräsentationsaufwand angesehen wurde und deshalb nicht dem Betriebsvermögen zugerechnet werden durfte. Im entschiedenen Fall ging es um einen Jaguar E-Type aus dem Jahr 1973. Wenn Du dich allerdings an folgende Ratschläge hältst, erkennt das Finanzamt Deinen Oldtimer in der Regel als Firmenwagen an:

  • Mach deutlich, warum es sinnvoll und betriebsdienlich ist, einen Oldtimer als Firmenwagen einzusetzen. Wichtig: Wenn Du den Oldtimer als Werbeträger nutzen möchtest, achte bei der werblichen Beschriftung darauf, dass sie den Oldtimerstatus nicht gefährdet. Magnetschilder lassen sich beispielsweise mühelos anbringen und wieder abnehmen.
  • Nutz Deinen Oldtimer vor allem für betriebliche Fahrten und führ ein Fahrtenbuch, um Dienstfahrten zu belegen.
  • Halt Anschaffungs- und Betriebskosten in einem angemessenen Rahmen.

Die Kfz-Versicherung ist günstiger

Es gibt für Oldtimer besonders günstige Tarife in der Kfz-Versicherung. Die Beiträge werden in Abhängigkeit vom Alter des Autos pauschal berechnet. Je älter der Wagen ist, desto preiswerter ist in aller Regel die Kfz-Police.

Eine Versicherung als Oldtimer ist manchmal schon ab einem Alter von 25 Jahren möglich. Dafür ist die Fahrleistung in diesen Sondertarifen meist auf 6.000 bis 9.000 Kilometer und auf private Nutzung beschränkt.

Weiterer Vorteil älterer Fahrzeuge: Oldtimer dürfen Im Gegensatz zu anderen älteren Gebrauchten in Städten auch ohne Plakette durch die Umweltzone fahren.

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