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Ehepartner kostenlos krankenversichern: Geht das bald nicht mehr?
Verdient Dein Partner wenig, kann sie oder er kostenlos in Deine Krankenversicherung. Diese Regelung könnte bald abgeschafft werden – um zu sparen. Aber was bringt das wirklich?

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Verdient Dein Partner wenig, kann sie oder er kostenlos in Deine Krankenversicherung. Diese Regelung könnte bald abgeschafft werden – um zu sparen. Aber was bringt das wirklich?


Kostenlos krankenversichern: Geht in der GKV über den Partner
Abschaffung: Könnte Milliarden sparen und Beiträge stabilisieren
Stattdessen: Pauschaler Mindestbeitrag von 225 €/Monat
Für die Bundesregierung beginnt endgültig die Zeit der großen Reformpläne bei Steuern, Sozialsystemen und Rente. Während die Riester-Reform so gut wie durch ist, sind sich CDU/CSU und SPD bei vielen anderen Themen längst nicht so einig. Zum Beispiel bei der Frage, ob der Spitzensteuersatz steigen soll, oder ob das Ehegattensplitting abgeschafft wird.
Laut Handelsblatt will die Koalition jetzt auch die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abschaffen. Das soll als ein zentraler Baustein mithelfen, die steigenden Beiträge abzufedern.
So einig wie es im Bericht zunächst schien, ist man sich aber offenbar nicht: Aktuell warten alle auf die Vorschläge einer Kommission, die die GKV-Finanzen in den Griff bekommen soll. Die werden am Montag erwartet.
Aktuell sind ca. 2,5 Mio. Ehepartner kostenlos mitversichert. Dafür gelten diverse Regeln – vor allem verschiedene Einkommensgrenzen, je nachdem wie Du beschäftigt bist. Als Minijobber kannst Du Dich z. B. bei Deinem Partner mitversichern, wenn Du max. 603 € im Monat verdienst, bei regulär Angestellten und nebenberuflich Selbstständigen liegt die Grenze bei 565 € plus Werbungskosten.
Für diese Menschen sieht der Plan vor: Sie sollen künftig einen pauschalen Mindestbeitrag von 225 €/Monat zahlen, davon 200 € für die GKV und 25 € für die Pflegeversicherung.
Den Betroffenen hohe Extrakosten von 2.700 € im Jahr. Der pauschale Ansatz belastet Familien mit eher geringen Haushaltseinkommen besonders stark – und in diese Gruppe fällt ca. jeder zweite Haushalt mit mitversichertem Partner.
Deshalb empfiehlt das IGES-Institut ein Beitragssplitting, ähnlich wie beim Ehegattensplitting: Dabei würden die Einkommen beider Partner addiert, die Summe halbiert und dann jeweils GKV-Beiträge darauf berechnet.
Alle gesetzlich Versicherten insgesamt würden aber entlastet. Denn laut IGES-Institut hat die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern zuletzt 11,4 Mrd. €/Jahr gekostet. Und 1,9 bis 2 Mrd. € Einsparung entsprechen ca. 0,1 %-Punkten beim Beitragssatz.
Es geht also um ca. 0,6 Prozentpunkte niedrigere Beiträge oder zumindest keine weiteren Erhöhungen. Das wäre spürbar. Denn trotz der erneuten Beitragsanstiege zum Jahreswechsel erwartet die GKV 2026 wieder ein Defizit von 12 bis 15 Mrd. €.
Aber: Ganz so viel würde der Plan längst nicht einsparen. Denn er enthält Ausnahmen: Hast Du Kinder unter sechs Jahren oder pflegebedürftige Angehörige, soll Deine Mitversicherung kostenlos bleiben. Das betrifft einen großen Teil der 2,5 Millionen. Für mitversicherte (erwachsene) Kinder gilt das sowieso.
Auf der anderen Seite gibt es aber nicht nur Einsparungen, sondern auch neue Einnahmen aus den pauschalen Beiträgen der Mitversicherten: Bei 200 € GKV-Beitrag pro Monat für ca. 2,5 Mio. heute kostenlos Mitversicherte wären das knapp 6 Mrd. € im Jahr – also nochmal 0,3 Prozentpunkte weniger Beitrag für alle. Auch gilt: Die Ausnahmen würden das reduzieren.
Die Pläne hätten höchstwahrscheinlich noch eine Folge: Sie würden der GKV weitere neue Einnahmen bringen, über die pauschalen 200 € hinaus. Denn die kostenlose Mitversicherung macht es teilweise unattraktiv, einen Job anzunehmen – weil dann Krankenkassenbeiträge anfallen. Das betrifft vor allem Frauen, die über 2,1 Mio. der knapp 2,5 Mio. Mitversicherten Partner ausmachen.
Musst Du aber sowieso 200 € zahlen, wird ein sozialversicherungspflichtiger Job attraktiver. Schon ab einem Bruttoeinkommen von ca. 2.300 € zahlst Du bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag auch etwa 200 € für die Krankenversicherung. Arbeiten deshalb mehr Menschen überhaupt oder mehr als zuvor, würde das der GKV zusätzliche Einnahmen bringen – und z. B. den vor allem betroffenen Frauen als wichtiger Nebeneffekt auch wertvolle Rentenpunkte.
Ob die kostenlose Familienversicherung für Ehepartner tatsächlich abgeschafft wird, ist also noch nicht ganz klar. Wie und für wen sie heute grundsätzlich funktioniert, liest Du in unserem Ratgeber.
Und bis überhaupt Sparmaßnahmen der Regierung kommen und wirken, wird noch etwas Zeit vergehen. Deshalb gilt weiterhin: Prüf unbedingt, ob Du – bzw. Dein Partner, bei dem Du mitversichert bist – zu viel für die Krankenkasse zahlst. Dabei hilft Dir unser GKV-Vergleich. Hast Du einen hohen Zusatzbeitrag von z. B. über 4 % sind Hunderte Euro Ersparnis drin.
Wir empfehlen HKK, TK, BKK Firmus, Audi BKK und DAK.
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