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Versicherungen per ChatGPT: Verändert KI jetzt den Vertragsabschluss?

In den USA und Spanien kannst Du über ChatGPT bereits Versicherungen abschließen – direkt im Chat. In Deutschland geht das (noch) nicht. Doch die Entwicklung zeigt, wie stark KI den Versicherungsvertrieb verändern könnte.

Expertin für Recht - Dr. Britta Beate Schön
Dr. Britta Beate Schön Recht
Versicherungen per ChatGPT: Verändert KI jetzt den Vertragsabschluss?

OpenAI hat erstmals Versicherungs-Apps in ChatGPT zugelassen. Zum Start sind zwei Anbieter dabei: der spanische Digitalversicherer Tuio mit Hausratversicherungen und die US-Vergleichsplattform Insurify für Kfz-Versicherungen. Du bekommst im Chat ein Angebot angezeigt und wirst – je nach Modell – zum Abschluss weitergeleitet oder kannst direkt digital abschließen.

Damit ist generative KI erstmals direkt in einen Versicherungsabschluss eingebunden. Das ist neu. Und es könnte den Vertrieb ordentlich umkrempeln.

Mit wenigen Klicks zur Versicherung

Schon heute schließen viele Menschen einfache Versicherungen online ab, etwa die Hausrat- oder Kfz-Versicherung. Ein Termin bei einer Maklerin oder einem Makler ist dafür oft nicht mehr nötig. Wenn ChatGPT Angebote vergleicht und Dir direkt die passende Police vorschlägt, wird der Weg noch kürzer.

Ein Beispiel: Du schreibst im Chat, wie groß Deine Wohnung ist und in welcher Stadt Du wohnst. Die App berechnet daraus einen Beitrag und zeigt Dir ein Angebot. Im Fall von Tuio wirst Du für den Abschluss aktuell noch auf die Webseite des Versicherers weitergeleitet. Perspektivisch könnte das komplett im Chat funktionieren – vom ersten Vergleich bis zum Versicherungsabschluss.  

Für Versicherer ist das spannend, weil sie dort auftauchen, wo viele Menschen ohnehin unterwegs sind: in KI-Tools wie ChatGPT. Wer hier sichtbar ist, könnte künftig einen entscheidenden Vorteil im Vertrieb haben.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Hierzulande gibt es so eine Integration bisher nicht. Ein Start in Deutschland ist bislang auch nicht angekündigt. Versicherer nutzen KI vor allem im Hintergrund: für Chatbots auf ihren Webseiten, zur Beantwortung von Serviceanfragen oder zur Unterstützung im Vertrieb.  

Das kann durchaus Vorteile mit sich bringen: schnellere Antworten und Prozesse, bessere Erreichbarkeit, weniger Papierkram. Die Angebote könnten sogar noch stärker auf Dich personalisiert werden. Gerade bei Standardprodukten könnte das den Abschluss einfacher machen.

Rechtliche Vorgaben setzen klare Grenzen 

Sobald eine KI konkrete Empfehlungen gibt – etwa: „Du solltest Glasbruch mitversichern“ – kann das unter Umständen als Beratung gewertet werden. Und diese dürfen in Deutschland nur registrierte Vermittler leisten.  

Außerdem spielt der Datenschutz eine große Rolle. Informationen wie Postleitzahl oder Wohnfläche dürfen nicht einfach außerhalb der EU verarbeitet werden.

Laut Handelsblatt hält die Finanzaufsicht BaFin neue Vertriebswege grundsätzlich für möglich, solange die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Aber klar ist auch: Die Hürden sind in Deutschland höher als in manchen anderen Ländern.  

Besonders sensibel: Deine Gesundheitsdaten 

Wenn Du ChatGPT nutzt und dort persönliche Informationen für ein Versicherungsangebot eingibst, geht es nicht nur um Postleitzahl oder Wohnfläche. Gerade bei Policen wie der Krankenversicherung können auch Vorerkrankungen oder Behandlungen eine Rolle spielen – also besonders geschützte Gesundheitsdaten.

Für Dich ist deshalb wichtig: Welche Daten fließen tatsächlich in die Angebotserstellung ein? Was wird gespeichert – und was an Versicherer oder Vermittler weitergegeben? Gerade bei sensiblen Angaben solltest Du genau abwägen, was Du preisgibst und prüfen, wie transparent der Anbieter mit Datenschutz und Datenweitergabe umgeht.

Was heißt das für Dich?

Aktuell kannst Du in Deutschland keine Versicherung direkt über ChatGPT abschließen. Auch wenn rechtliche Vorgaben und Datenschutzfragen den Start hierzulande bremsen, wird KI im Hintergrund immer wichtiger – und könnte bald sichtbarer werden.

Trotzdem solltest Du Dich nie blind auf KI-Empfehlungen verlassen. Versicherungen sind oft komplex. Wenn Du nur ein paar Eckdaten eingibst, kann es sein, dass wichtige Details untergehen. Das Risiko: Du schließt einen Tarif ab, der im Ernstfall nicht optimal zu Dir passt.  

Persönliche Beratung bleibt wichtig  

Gerade bei wichtigen Policen wie der Berufsunfähigkeitsversicherung halten wir eine persönliche Beratung für notwendig. Wir empfehlen Dir, zu einem spezialisierten BU-Versicherungsmakler zu gehen – etwa Hoesch & Partner, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, von Buddenbrock Concepts, BVLG - Beamtenversorgung leicht gemacht oder CS Capital Synergy.

Unser genereller Rat: Nutz digitale Tools für einen ersten Überblick. Für den Abschluss solltest Du die Angebote aber ganz genau prüfen. In unseren Vergleichen (z. B. zur Haftpflicht-, Auslandskranken- und Krankenversicherung) zeigen wir Dir, worauf es wirklich ankommt – und welche Tarife empfehlenswert sind.

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