Nuri-Insolvenz

Was die Nuri-Insolvenz für Kunden bedeutet

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Berliner Startup Nuri (früher: Bitwala) hat im August 2022 Insolvenz beantragt.
  • Nuri bot unter anderem ein Girokonto, eine Kreditkarte und den Handel mit Bitcoin und Ethereum an.
  • Einlagen in Euro oder in Kryptowährungen sind dem Unternehmen zufolge nicht in Gefahr. Nuri arbeitet nur als Vermittler, das Geld ist über einen Zweitanbieter abgesichert.
  • Girokonten und Kreditkarten von Nuri werden bei der Solarisbank geführt. Das hauseigene Krypto-Wallet liegt ebenfalls bei einer Solaris-Tochter. Solaris ist nicht von der Insolvenz betroffen.

So gehst Du vor

  • Nuri nimmt keine neuen Kunden auf, hat die Arbeit aber nicht eingestellt. Du solltest derzeit die Funktionen in der App normal nutzen können.
  • Für Konto oder Wallet gilt: Du kannst das Guthaben jederzeit abheben und zu einer anderen Bank transferieren. Finanztip empfiehlt die Bitcoin-Plattformen Bison und Bitvavo.
  • Bist Du auf eine Kreditkarte angewiesen, schau Dich sicherheitshalber nach einer Alternative um, damit Du jederzeit versorgt bist.
  • Mit einer kostenlosen Kreditkarte mit möglichst niedrigen Gebühren sparst Du Geld. Finanztip empfiehlt die Karten der Hanseatic Bank, Barclays und der DKB.

Das Berliner Finanzunternehmen Nuri hat Insolvenz angemeldet. Die Geschäftsentwicklung sei „stark belastet“, schreibt Nuri in einer Mitteilung. Hintergrund sind Nuri zufolge wirtschaftliche und politische Unsicherheiten wegen des Ukraine-Kriegs und insbesondere Probleme an den Krypto-Märkten. Schon seit Juni können Nuri-Kunden nicht mehr auf die sogenannten Bitcoin-Ertragskonten zugreifen, weil die US-Partnerfirma Celsius insolvent ist.

Entsprechend verunsichert sind Nuri-Kunden. Beruhigend allerdings: Nuri hat ohnehin keine eigene Banklizenz, sondern arbeitet als Vermittler für andere Unternehmen – die nicht von der Insolvenz betroffen sind.

Wie sicher ist das Nuri-Girokonto?

Zum Nuri-Angebot gehörte ein kostenloses Girokonto samt Karte von Visa. Die Konten werden allerdings nicht bei Nuri selbst geführt, sondern bei Solaris (vorher: Solarisbank). Das Unternehmen hat eine Banklizenz und wird von der Finanzaufsicht Bafin reguliert. Solaris ist Mitglied in der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung. Das heißt: Pro Kunde sind 100.000 Euro geschützt, falls auch Solaris in eine Schieflage geraten sollte; dafür gibt es im August 2022 aber keinerlei Anzeichen. Überweisungen vom und zum Nuri-Konto sind problemlos möglich. Diese Gelder gehen nicht in die Insolvenzmasse von Nuri.

Wenn sich für Nuri im Laufe des Insolvenzverfahrens keine neuen Perspektiven eröffnen und das Geschäft nicht mehr weitergeführt wird, verbleiben die Guthaben einfach bei Solaris. Da Solaris aber keine direkten Kundenbeziehungen führt, müsste eine andere Bank oder ein anderer Vermittler an der Stelle von Nuri übernehmen. Bei alledem kann aber kein Euro-Guthaben verlorengehen.

Du solltest allerdings nicht mehr als 100.000 Euro auf dem Nuri-Konto haben. Beachte vor allem, dass die Einlagensicherung pro Kunde und Bank rechnet. Solaris ist nicht nur Partnerin von Nuri, sondern auch von anderen Anbietern wie Tomorrow, Bison, Trade Republic oder Vivid. Wenn Du auch dort Girokonten oder Verrechnungskonten hast, verteilt sich Dein Schutz durch die Einlagensicherung – denn alle diese Konten laufen über Solaris. Im Klartext: Drei solcher Konten mit je 40.000 Euro Guthaben würden beispielsweise Dein Sicherungsniveau überschreiten (120.000 Euro statt 100.000 Euro).

Bei Gemeinschaftskonten und in besonderen Situationen wie kurz nach einem Immobilienverkauf gelten höhere Schutzgrenzen. Hier liest Du mehr dazu, wie die Einlagensicherung funktioniert.

Mehr dazu im Ratgeber Girokonto

  • Mit dem richtigen Girokonto kannst Du Gebühren sparen und bekommst gute Leistungen.
  • Gute Konten: Comdirect, DKB, Consorsbank, ING

Zum Ratgeber

Was passiert mit Daueraufträgen bei Nuri?

Auch Daueraufträge, Lastschriftzahlungen oder andere Zahlungsfunktionen werden über den Nuri-Partner Solaris abgewickelt. Hier sind also keine Einschränkungen zu erwarten. Nuri zufolge kannst Du wie bisher über die Nuri-App auf das Bankkonto zugreifen. Du kannst weiterhin Überweisungen innerhalb des SEPA-Raums tätigen und die Nuri-Debitkarte nutzen.

Was passiert mit der Visa-Karte?

Wie genau es mit Deiner Nuri-Kreditkarte weitergeht, ist noch nicht klar. Das Unternehmen bemüht sich, ein Sanierungskonzept vorzulegen und damit die weitere Arbeit zu sichern. Derzeit (Stand: 12. August 2022) ist die Karte normal nutzbar. Willst Du bald verreisen oder brauchst regelmäßig eine Kreditkarte, kannst Du eine neue kostenlose Karte bei einer anderen Bank beantragen.

Mehr dazu im Ratgeber Kreditkarten

  • Es gibt kostenlose Kreditkarten, mit denen das Bezahlen und Geld abheben wenig kostet.
  • Unsere Anbieter-Empfehlung: Barclays, Hanseatic Bank

Zum Ratgeber

Was ist mit Guthaben in Bitcoin und Ethereum bei Nuri?

Kryptowährungen (Bitcoin oder Ether), die Du über Nuri gekauft hast und die noch auf dem hauseigenen Wallet liegen, befinden sich nicht bei Nuri selbst, sondern bei Solaris Digital Assets. Auch diese liegen somit – wie das Euro-Guthaben auf dem Girokonto – in einem separaten Unternehmen und sind nach Angaben von Nuri geschützt.

Krypto-Bestände in dem Non-Custodial Wallet (Vault) haben einen vollprivaten Schlüssel. Nuri kann auf diese Bestände ebenfalls nicht zugreifen. Wenn Du Dich unwohl fühlst, spricht nichts dagegen, Deine Kryptos auf ein anderes Wallet zu übertragen. Bei einem Selbstversuch von Finanztip am 10. August 2022 kam ein Bitcoin-Transfer problemlos an.

Bitcoin kaufen und verkaufen

Nutze zum Bitcoin-Kauf eine seriöse Plattform. Finanztip empfiehlt Bison und Bitvavo.

Kaufe Bitcoins nur, wenn Du das Konzept verstanden hast und die Risiken kennst – und nur mit Geld, dessen Verlust Du verschmerzen kannst.

Zum Ratgeber

Was passiert mit Bitcoin auf dem Nuri-Ertragskonto?

Nuri vermittelte als Extrafunktion auch den Verleih von Bitcoin gegen Zinsen. Der US-amerikanische Kreditdienst Celsius bot das an, stoppte allerdings im Juni 2022 alle Auszahlungen. Betroffen sind auch deutsche Anleger, die über Nuri ein Ertragskonto bei Celsius angelegt hatten. Nuri teilte seinerzeit mit, man arbeite daran, „diese Situation so schnell wie möglich zu lösen“.

Nach Bekanntgabe des Insolvenzantrags schreibt Nuri zum Thema Ertragskonten bei Celsius: „Der Auszahlungs-Stopp von Celsius bleibt unverändert bestehen und die Auszahlfunktion bleibt inaktiv. Wir stehen in engem Kontakt mit Celsius und werden dich auf dem Laufenden halten, sobald wir weitere Informationen erhalten.“

Bitcoin sind hochspekulativ. Sie zu verleihen – wie in diesem Fall geschehen – macht das Ganze nochmal riskanter: Du bist vom Erfolg des Leihenden abhängig. Die gesetzliche Einlagensicherung greift in solchen Fällen nicht, Du bist also nicht geschützt.

Nuri bei Finanztip

Nuri war Finanztip-Empfehlung bei Bitcoin-Plattformen, Prepaid-Kreditkarten und kostenlosen Kreditkarten. Wie alle Anbieter wurde auch Nuri nach unseren strengen Finanztip-Kriterien untersucht. Die Insolvenz eines Anbieters können auch wir nicht voraussehen – wir empfehlen daher auch nur Anbieter, bei denen im Fall der Insolvenz Deine Einlagen so gut wie möglich geschützt sind. Nach der Insolvenz von Nuri haben wir die genannten Emp­feh­lungen zurückgenommen.

Autoren
Hendrik Buhrs
Josefine Lietzau

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Emp­feh­lungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion emp­foh­len wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Emp­feh­lungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.