Beratungsprotokoll

Beratungsprotokoll ist Pflicht

Josefine Lietzau 14. Januar 2015
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Beratungsprotokoll wurde eingeführt, um die Position des Anlegers zu stärken.
  • Rechtlich vorgegeben sind nur einige Informationen, Mustervorlagen gibt es nicht.
  • Überprüf das Beratungsprotokoll auf Richtigkeit und unterschreib es niemals!
  • Ein gutes Beratungsprotokoll nimmt Dir nicht die Entscheidung ab, die richtige Anlage auszuwählen.

Man trifft sich immer zweimal. Bei manchen Bankberatern und ihren Kunden findet das zweite Treffen vor Gericht statt. Dann geht es meist um Falschberatung. Doch egal, ob der Berater gut beraten oder seinen Kunden hochriskante Zertifikate angedreht hat: Die Beweislast liegt beim Kunden. Und eine Falschberatung zu beweisen, besonders Jahre nach dem Gespräch, ist eine äußerst schwierige Angelegenheit. Der Gesetzgeber wollte die Position der privaten Anleger bei einem Rechtstreit stärken. Deshalb führte er 2010 das Beratungsprotokoll ein.

Das muss im Beratungsprotokoll stehen

Seit 2010 müssen Berater jedes Beratungsgespräch dokumentieren, bei dem sie Empfehlungen für Privatpersonen aussprechen (§ 34 Abs. 2a WpHG). Seit 2013 müssen auch Finanzanlagenvermittler ihre Beratungen dokumentieren (§ 18 FinVermV). Der Gedanke dahinter: Das Protokoll soll eine Entscheidungshilfe für die Anleger und ein Beweismittel bei einer möglichen Falschberatung sein sowie die Beratungsqualität verbessern.

Die Informationen, die der Berater vermerken muss, sind in der Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung festgelegt (§ 14 Abs. 6 WpDVerOV). Es gibt jedoch keine Mustervorlage, an die sich die Berater und Banken halten müssen. Stattdessen entwickeln die Anbieter eigene Formulare, über die ihre Mitarbeiter die vorgegebenen Punkte abarbeiten:

  • Anlass der Beratung 
  • Dauer der Beratung 
  • Persönliche und finanzielle Situation
  • Anlageziel und Anlageerfahrung 
  • Empfehlungen 

Der Berater muss zum Beispiel festhalten, ob Du auf ihn zugekommen bist oder ob er Dich um das Gespräch gebeten hat. Auch Deine finanziellen Verhältnisse, zum Beispiel Einkünfte, vorhandenes Vermögen und finanzielle Verpflichtungen müssen protokolliert werden. Außerdem gehört in das Protokoll, für welchen Zweck Du das Geld anlegen willst, wie lang der Anlagezeitraum ausfallen kann und wie viel Risiko Du bereit bist einzugehen. Welche Erfahrungen Du bereits mit Wertpapieren gemacht hast, muss der Berater ebenfalls notieren. Am Schluss muss er die Produkte nennen, über die er mit Dir geredet und welche Empfehlungen er ausgesprochen hat. Darüber hinaus muss im Protokoll auch die Begründung für die Empfehlung stehen. 

Protokolle sind häufig unvollständig oder fehlerhaft

Seit ihrer Einführung wurden die Beratungsprotokolle immer wieder in Studien untersucht. Die Verbraucherzentralen stellten in ihrer Analyse 2010 zum Beispiel fest, dass kein einziges Mal die Risikoneigung oder die Möglichkeiten der Kunden, das Risiko überhaupt zu tragen, individuell dargestellt wurde. Die Mehrzahl der Berater nutzte außerdem Textbausteine für die Produktempfehlung.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dagegen ermittelte 2013 bei Stichproben eine geringere Fehlerquote von knapp 6 Prozent.

Unterschiede in solchen Untersuchungen gehen den Verbraucherzentralen zufolge oft auf die Methodik zurück. Ein weiterer Grund liegt in der unterschiedlichen Auslegung der gesetzlichen Vorgaben für das Beratungsprotokoll. Laut der BaFin nutzen Wirtschafts- und Verbandsprüfer bei ihren Tests teilweise strengere Kriterien als gesetzlich festgelegt. Die Verbraucherzentralen dagegen sind der Ansicht, dass die BaFin das Gesetz durchaus stärker im Sinne der Verbraucher auslegen könnte, wenn sie denn wollte.

Strenge Vorgaben könnten die Protokolle zu nützlichen Werkzeugen für den Verbraucher vor Gericht machen. Beratungsgespräche sind anhand der allgemeinen Phrasen und Ankreuzkästchen, die in vielen Protokollen eingesetzt werden, nicht wirklich nachvollziehbar. Ohne Leerfelder für Notizen ist es außerdem nicht möglich, die individuelle Situation und mögliche Widersprüche in den Anliegen der Kunden vollständig darzustellen.

Neben den Inhalten spielen auch Übersichtlichkeit und Verständlichkeit der Protokolle eine wichtige Rolle. In der Studie der Verbraucherzentralen konnten die Protokolle dabei nicht punkten. Dadurch helfen die Protokolle den Anlegern nur wenig bei der Anlageentscheidung. Ein unverständliches Beratungsprotokoll trägt außerdem kaum dazu bei, den Gesprächsverlauf später nachzuweisen.

So nutzt Du das Protokoll zu Deinem Vorteil

Politiker, Vertreter von Banken und Verbraucherschützer regen immer wieder Änderungen am Beratungsprotoll an. Doch bis es so weit ist, musst Du mit dem Beratungsprotokoll in der jetzigen Form vorliebnehmen. Damit ein schlechtes Protokoll nicht zum Problem wird, solltest Du einige Punkte beachten.

Die Angaben kontrollieren - Prüf nach der Übergabe, ob die Angaben im Protokoll vollständig und richtig sind. Achte zum Beispiel darauf, dass Deine Risikoneigung richtig dargestellt wird.

Auf Änderungen bestehen - Wenn Informationen fehlen oder Du Fehler bemerkst, beharre auf Änderungen. Poche auch auf Anpassungen, wenn Du die Produktempfehlung und deren Begründung nicht verstehst. Falls der Berater die Korrekturen verweigert oder Dir das Protokoll nicht aushändigt, schließ das Geschäft besser nicht ab. Es spricht kaum für den Berater, wenn er sich über rechtliche Bestimmungen hinwegsetzt.

Verständnisprobleme zugeben - Bereite Dich auf das Gespräch vor und hak nach, wenn Du etwas nicht verstehst. Sonst spiegelt das Protokoll vielleicht das Gespräch, aber nicht Deine Situation wider. Falls Dein Berater Dir auch auf Nachfrage das Produkt nicht richtig erklärt, solltest Du sowieso die Finger davon lassen. Denn entweder versteht es der Berater selbst nicht oder aber er will Dir Informationen vorenthalten.

Zeit lassen - Lass Dich nicht vom Berater drängen. Nimm Dir die Zeit, die Du für die Kontrolle brauchst. Du kannst das Protokoll auch mitnehmen und es zuhause lesen, bevor Du das Geschäft abschließt.

Nicht unterschreiben - Unterschreib das Protokoll nicht, auch wenn es korrekt erscheint. Deine Unterschrift ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Du musst also nicht unterschreiben. Dein Berater darf Dich jedoch darum bitten, das Geschäft aber nicht von Deiner Unterschrift abhängig machen. Unter Umständen schwächst Du Deine Position in einem Gerichtsstreit, wenn Du unterzeichnest. Schließlich bestätigst Du damit die Richtigkeit des Protokolls. Damit wird das Protokoll eher zum Beweismittel für die Gegenseite.

Nicht auf das Beratungsprotokoll vertrauen - Wenn Du Dich auf das Gespräch vorbereitest, kannst Du die Informationen, die in das Protokoll gehören, schon für Deinen eigenen Fall dokumentieren. Nach dem Gespräch trägst Du die Gesprächsdauer und die Empfehlungen samt Begründung nach. Ein solches Gedächtnisprotokoll könnte Dir in einem Rechtstreit helfen. Denn dann hast Du die Einzelheiten der Beratung schriftlich und musst Dich nicht nach Jahren auf Deine Erinnerungen verlassen. Falls ein Zeuge bei der Beratung dabei ist und das Protokoll führt oder zumindest unterschreibt, hast Du eine Aussage, die Deine Sicht der Dinge bestätigt. Dein Zeuge kann dann vor Gericht auf dieses Protokoll verweisen. Denn im Rechtstreit musst Du beweisen, dass es eine Falschberatung gab, es steht dann Deine Aussage gegen die des Bankberaters.

Du kannst Dein Protokoll auch am Ende mit dem Berater durchgehen. Bereits zu diesem Zeitpunkt fallen unter Umständen Missverständnisse auf.

Tipp: Du kannst Dich in strittigen Fällen auch bei der Bafin unter folgender Adresse beschweren: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn.

Die Bafin nutzt die Beschwerden nach eigenen Angaben als Aufsichtsinstrument. Sie kann gegenüber Banken, die sich nicht an die Vorschriften halten, Bußgelder aussprechen. Der Behörde geht es vor allem um aufsichtsrechtliche Mängel. Die Einzelfälle kann sie nicht rechtsverbindlich entscheiden.

Auch bei der Telefonberatung erhältst Du ein Beratungsprotokoll. Es wird Dir in diesem Fall nach dem Geschäftsabschluss zugeschickt. Du hast ein Recht auf Rücktritt, falls das Protokoll fehlerhaft ist. Die Frist dafür beträgt eine Woche nach Eingang des Protokolls. Das Beratungsprotokoll muss in diesem Fall auf das Rücktrittsrecht hinweisen.

Fazit

Das Beratungsprotokoll kann Dich nicht vor einer schlechten Beratung schützen. Doch wenn Du das Protokoll richtig nutzt, kann es Dir zumindest helfen, eine schlechte oder gar eine Falschberatung zu erkennen.

Egal, ob das Protokoll nur aus Textbausteinen besteht, Platz für Kommentare lässt oder ob Du seinen Nutzen anzweifelst: Neben dem Protokoll gibt es bei der Anlageberatung einen wichtigeren Punkt. Halt Dich an das Wort des amerikanischen Investors Warren Buffet und investier nie in Geschäfte, die Du nicht verstehst.

Wir erklären Dir in unseren Ratgebern das Wichtigste zu verschiedenen Geldanlage-Themen. Welche Risiken gibt es, welche Produkte bringen Dich weiter? So gehst Du besser vorbereitet in das Beratungsgespräch.

Autor
Josefine Lietzau

14. Januar 2015


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