Geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG)

Computer und Möbel bis 952 Euro sofort abschreiben

Udo Reuß Stand: 20. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) ist beweglich, abnutzbar und selbstständig nutzbar. Es muss für die Arbeit eines Steuerpflichtigen notwendig sein.
  • Typische GWG sind zum Beispiel Büromöbel und -materialien oder beruflich genutzte Software. Bei der doppelten Haushaltsführung gehören auch Einrichtungsgegenstände und Haushaltsartikel dazu.
  • Kostet ein GWG nicht mehr als 410 Euro ohne oder 487,90 Euro mit Umsatzsteuer, können Sie es als Werbungskosten geltend machen und auf einen Schlag direkt von Ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen – egal, ob Sie Arbeitnehmer oder Selbstständiger sind.
  • Ab 2018 erhöhen sich die Werte auf 800 Euro netto und 952 Euro brutto.
  • Teurere Wirtschaftsgüter müssen Sie über ihre Nutzungszeit abschreiben.
  • Benötigen Sie GWG, um Einkünfte aus Kapitalvermögen zu erzielen, muss der Gesamtwert den Sparerpauschbetrag von 801 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 1.602 Euro für Verheiratete übersteigen, damit diese in Ihrer Einkommensteuererklärung ansetzen können.

Als Arbeitnehmer können Sie geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) nutzen, um Ihr zu versteuerndes Einkommen und damit Ihre Steuerlast zu senken. Ein GWG ist ein Wirtschaftsgut, das beweglich, abnutzbar sowie selbstständig nutzbar ist und dessen Anschaffungs- oder Herstellungskosten einen bestimmten Wert nicht übersteigen (§ 6 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG). Bei Unternehmen gehören GWG zum Anlagevermögen.

Was Arbeitnehmer absetzen können

Während Wirtschaftsgüter normalerweise nur über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden können, gelten für GWG eigene steuerliche Regeln. Wie diese im Einzelnen aussehen, hängt davon ab, wann Sie das GWG gekauft haben. Die Nutzungsdauern sind in so genannten AfA-Tabellen amtlich festgelegt. AfA steht für „Absetzung für Abnutzung“.

Eine Übersicht der Tabellen gibt es auf der Internetseite des Finanzministeriums. Für die meisten Verbraucher interessant dürfte die Tabelle für die „allgemein verwendbaren Anlagegüter“ sein. Dort finden Sie zum Beispiel, über wie viele Jahre Sie Ihren Laptop, Ihre neue Digitalkamera oder Ihren Fernseher abschreiben können.

Als Arbeitnehmer können Sie solche GWG als Werbungskosten von der Steuer absetzen, die Sie für Ihre Arbeit benötigen. Allerdings muss ein GWG in jedem Fall selbstständig nutzbar sein, um anerkannt zu werden. Damit scheiden beispielsweise ein reiner Drucker oder der Monitor, den Sie zusammen mit einem Computer angeschafft haben, als nicht eigenständig aus – denn sie können nicht allein verwendet werden. Typische GWG sind Kleinmöbel, Schreibtischstühle, Diktiergeräte oder beruflich genutzte Software.

Können Sie eine doppelte Haushaltsführung geltend machen, dann gehören auch Einrichtungsgegenstände und Haushaltsartikel dazu, also beispielsweise ein neu angeschafftes Bett oder Schränke.

Nicht ganz so einfach ist die Geltendmachung von geringwertigen Wirtschaftsgütern bei Einkünften aus Kapitalvermögen. Denn mit der Einführung von Abgeltungssteuer und Sparerpauschbetrag wurde der Abzug tatsächlicher Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeschlossen. Die entsprechenden Zeilen in der Anlage KAP wurden gestrichen.

Sollten Ihre tatsächlichen, zu den GWG gehörenden Werbungskosten den Sparerpauschbetrag von 801 Euro bei Ledigen beziehungsweise 1.602 Euro bei Verheirateten übersteigen, können Sie die Werbungskosten in einer gesonderten Aufstellung erfassen. Diese können Sie als Einzelanlage der Einkommensteuererklärung beifügen und den Abzug der tatsächlichen Werbungskosten beantragen.

Anders als für Selbstständige oder Firmeninhaber spielt es bei diesen Einkunftsarten keine Rolle, wann Sie das entsprechende geringwertige Wirtschaftsgut angeschafft haben.

Hierhin in der Steuererklärung

Bei einem Arbeitsmittel, das Sie nahezu ausschließlich beruflich nutzen, können Sie Ihre Anschaffungskosten bis zu einem Preis von 800 Euro ohne Mehrwertsteuer – also bis zu einem Gesamtpreis von 952 Euro – direkt von Ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen. Wenn Sie ein Arbeitsmittel, wie beispielsweise einen Computer, zur Hälfte beruflich nutzen, dann können Sie 50 Prozent der Anschaffungskosten als Werbungskosten absetzen.
Rechnen Sie die einzelnen Posten zusammen und tragen diese auf der zweiten Seite der Anlage N Ihrer Einkommensteuererklärung bei den Aufwendungen für Arbeitsmittel ein.

Seit der Steuererklärung 2017 müssen Sie erst Belege einreichen, wenn Sie das Finanzamt dazu auffordert. So können Sie auch vorgehen, wenn Sie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielen. In diesem Fall machen Sie Ihre GWG-Abschreibung in Zeile 35 der Anlage V geltend.

Wenn Sie selbstständig oder Firmeninhaber sind

Beziehen Sie Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit oder aus einem Gewerbebetrieb, haben Sie ein Wahlrecht bei der Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern. Ein selbstständig nutzbares Wirtschaftsgut bis 800 Euro netto beziehungsweise 952 Euro brutto (bei Anschaffung bis Ende 2017 gilt ein Nettowert von 410 Euro) können Sie sofort abschreiben, also im Jahr der Herstellung oder Anschaffung. Stattdessen kann es selbstverständlich auch über die betriebliche Nutzungsdauer linear abgeschrieben werden. 

Selbstständige haben noch eine dritte Möglichkeit. Sie können für mehrere selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter einen Sammelposten bilden und diese gemeinsam über fünf Jahre abschreiben (sogenannte Poolabschreibung). Möglich ist dies, wenn die Güter zwischen 250 Euro und 1.000 Euro netto kosten (bis 2017: 150 bis 1.000 Euro). Übersteigt der Wert des Guts die Grenze von 250 Euro netto (bis 2017: GWG über 150 Euro), müssen Sie diese zu Dokumentationszwecken in einem Verzeichnis erfassen, das das Finanzamt prüfen kann. Sind die Angaben ohne Weiteres aus Ihrer Buchführung ersichtlich, zum Beispiel auf einem Kontoblatt, können Sie auf das Verzeichnis verzichten.    

So funktioniert die Poolabschreibung: Sie fassen alle GWG mit einem Nettowert zwischen 250 Euro und 1.000 Euro zusammen. Diesen Pool schreiben Sie über fünf Jahre ab, also 20 Prozent in jedem Jahr. Die betriebsübliche Nutzungsdauer spielt ebenso wenig eine Rolle wie die zwischenzeitliche Veräußerung oder Wertminderung einzelner Wirtschaftsgüter.

Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten erhöhen den Wert des Sammelpostens ab dem Jahr der Zuschreibung. Für Selbstständige und kleinere Unternehmen ist dies vorteilhaft: Sie haben ein Wahlrecht. Dank der Poolabschreibung kann ein höherwertiges Wirtschaftsgut schneller abgeschrieben werden. Der Selbstständige kann damit einen zu versteuernden Gewinn senken. Er muss sich jedoch in der Anlage EÜR entscheiden, ob er alle GWGs sofort oder einheitlich als Sammelposten abschreibt. Eine Vermischung der beiden Alternativen ist nicht erlaubt. 

Regeln für Anschaffungen in den Jahren 2008 und 2009

Als Selbstständiger oder Gewerbetreibender müssen Sie Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten maximal 150 Euro betragen, sofort abschreiben, wenn Sie diese zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 31. Dezember 2009 erworben haben. Für Güter mit einem Wert zwischen netto 150,01 und 1.000 Euro können Sie einen Sammelposten bilden, den Sie über fünf Jahre abschreiben. Scheidet in dieser Zeit ein Wirtschaftsgut aus dem Sammelposten aus, darf dieser nicht vermindert werden.

Regelung für Anschaffungen vor 2008

Sofern die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines vor dem 31. Dezember 2007 erworbenen Wirtschaftsguts nicht über netto 410 Euro liegen, können Sie es im Jahr seiner Herstellung oder Anschaffung vollständig abschreiben.

Autor
Udo Reuß

Stand: 20. Mai 2019


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