Sparerpauschbetrag

801 Euro sind bei Kapitalerträgen steuerfrei

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
21. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Kapitaleinkünfte sind seit 2009 pauschal mit 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer zu versteuern.
  • Dazu gehören unter anderem Zinseinnahmen, Gewinne aus Aktienverkäufen und Dividenden.
  • Für Kapitaleinkünfte bis 801 Euro im Jahr musst Du keine Steuern zahlen. Dieser sogenannte Sparerpauschbetrag wird bei der Zu­sam­men­ver­an­la­gung von Ehegatten verdoppelt.
  • Im Gegenzug für die Pauschalbesteuerung darfst Du keine Aufwendungen im Zusammenhang mit Kapitalerträgen als Werbungskosten abziehen.
  • Liegt Dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, solltest Du freiwillig die Anlage KAP in der Steu­er­er­klä­rung ausfüllen. Kapitaleinkünfte werden dann mit Deinem niedrigeren Steuersatz besteuert.
  • Mit einer Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung verhinderst Du, dass die Bank Abgeltungssteuer einbehält. Beantragen kannst Du dies, wenn Du aufgrund Deiner geringen Einkünfte vermutlich keine Steuern zahlen musst. Das gilt vor allem für Rentner, Studenten und Schüler.

Jeder Privatanleger darf von seinen Einkünften aus Kapitalvermögen bis zu 801 Euro steuerfrei behalten. Für ein Ehepaar, das sich zusammen veranlagen lässt, gilt der doppelte Betrag, also 1.602 Euro. Diesen sogenannten Sparerpauschbetrag gibt es seit 2009. Er wurde zusammen mit der Abgeltungssteuer eingeführt. Er umfasst nicht nur Zinsen und Dividenden, sondern auch Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen und Termingeschäften.

Kein Werbungskostenabzug möglich

Seit Einführung des Sparerpauschbetrags dürfen private Anleger keine Werbungskosten (wie zum Beispiel Depotgebühren) von der Steuer absetzen. Auch wenn Du für den Wertpapierkauf einen Kredit aufgenommen hast, sind die Zinskosten nicht abzugsfähig. 

Die Abgeltungssteuer (Zinssteuer) gilt für Zinsen, Dividenden und Erlöse aus Wertpapierverkäufen, die seit dem 1. Januar 2009 zufließen. Den Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) behält die Bank direkt ein und führt sie an das Finanzamt ab.

Sparerpauschbetrag direkt bei der Bank berücksichtigen

Damit die Bank, die die Kapitalerträge auszahlt, auch den Sparerpauschbetrag direkt berücksichtigt, musst Du als Anleger der Bank einen Freistellungsauftrag übersenden. Dafür benötigest Du zwingend Deine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer.

Hinweise zu den Freistellungaufträgen stellen nahezu alle Banken und Sparkassen auf ihren Internetseiten bereit. Falls weder ein Freistellungauftrag noch eine Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung vorliegt oder die Kapitalerträge über den Sparerpauschbetrag hinausgehen, zieht das Kreditinstitut 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer von den Erträgen ab. Zusammen veranlagte Ehegatten können Freistellungsanträge grundsätzlich nur gemeinsam stellen.

Niedrigverdiener sollten Anlage KAP ausfüllen

Liegt Dein persönlicher Einkommensteuersatz unter 25 Prozent, so wäre die Abgeltungssteuer für Dich „zu teuer“. Dies kannst Du vermeiden und stattdessen Deine Kapitaleinkünfte mit Deinem normalen, niedrigeren Steuersatz versteuern. Dafür musst Du jedoch Deine Kapitaleinkünfte in der Anlage KAP Deiner Steu­er­er­klä­rung auflisten.

Volle Steuer auf Kapitaleinkünfte im Betriebsvermögen

Für im Betriebsvermögen von Unternehmen oder Selbstständigen gehaltenes Kapitalvermögen gilt die Abgeltungssteuer nicht. Das bedeutet, dass die Zinsen und Dividenden im Betriebsvermögen voll zu versteuern sind. Andererseits können Betriebsausgaben (zum Beispiel Finanzierungskosten für den Erwerb der Wertpapiere) aber auch komplett abgesetzt werden.

Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung bei niedrigem Einkommen

Wenn Sparer eine Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung (NV-Bescheinigung) vorlegen, können sie sogar Zinsen und Dividenden oberhalb des Sparerpauschbetrags ohne Steuerabzug erhalten. Die Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung kommt für Geringverdiener und damit insbesondere für Rentner, Schüler und Studenten in Betracht. Mit diesem Dokument bescheinigt das Finanzamt, dass der Sparer voraussichtlich keine Einkommensteuer zahlen muss. Liegt es einer Bank vor, braucht diese die Abgeltungssteuer nicht einzubehalten.

Beispiel: Ein Student hat im Jahr 2021 Lohneinkünfte von höchstens 10.744 Euro. Abzüglich des 1.000 Euro umfassenden Arbeitnehmer-Pauschbetrags verbleiben ihm genau 9.744 Euro. Dies entspricht exakt dem Grundfreibetrag für 2021. Wer keine höheren Einkünfte hat, muss überhaupt keine Steuern zahlen.

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