Künstlersozialkasse (KSK)

Günstig abgesichert dank Künstlersozialkasse

Julia Rieder Stand: 03. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Künstlersozialkasse (KSK) ist für die Sozialversicherung von selbstständigen Künstlern und Publizisten zuständig.
  • Selbstständige Künstler sind gesetzlich verpflichtet, sich über die KSK zu versichern.
  • Wenn Du Mitglied der KSK bist, zahlst Du nur 50 Prozent der Beiträge zu Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung selbst – ähnlich wie ein Arbeitnehmer.
  • Die Beiträge orientieren sich am vorab geschätzten Jahreseinkommen.
So gehst Du vor
  • Da die Versicherung frühestens an dem Tag beginnt, an dem die KSK den Antrag erhält, solltest Du ihn so schnell wie möglich stellen.
  • Falls Du Deinen Beruf nicht im Antrag wiederfindest, beschreibe Deine Tätigkeit ausführlich und lege Belege Deiner Arbeit vor.
  • Schätze Dein Jahreseinkommen so realistisch ein wie möglich. Sonst verschenkst Du Zuschüsse zur Rentenversicherung oder zahlst zu hohe Beiträge.

Freischaffende Journalisten, Fotografen, Musiker und Schauspieler gehören zu den Selbstständigen, die sich in der gesetzlichen Sozialversicherung pflichtversichern müssen. Doch Künstler und Publizisten genießen in der Bundesrepublik einen europaweit einmaligen Sonderstatus: Nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) müssen sie nur die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung selbst zahlen. Den Arbeitgeberanteil übernimmt die Künstlersozialkasse. Als Künstler kannst Du so mehrere Hundert Euro im Monat sparen.

Wie funktioniert die Künstlersozialkasse?

Die Künstlersozialkasse (KSK) selbst ist keine Krankenversicherung. Bei welcher gesetzlichen Krankenkasse Du Dich versichern möchtest, kannst Du selbst entscheiden. Die Behörde mit Sitz in Wilhelmshaven prüft nur, ob ein Antragsteller die Kriterien für die Mitgliedschaft in der Künstlersozialversicherung (KSV) erfüllt. Außerdem zieht sie die Versicherungsbeiträge sowie die sogenannte Künstlersozialabgabe ein und gibt die Gelder an die jeweils zuständigen Kranken- und Pflegekassen weiter.

Die Künstlersozialabgabe ist quasi der Arbeitgeberanteil zur Versicherung der Künstler. Sie wird von Unternehmen wie Verlagen, Rundfunkanstalten und Werbeagenturen erhoben, die Honorare an freischaffende Künstler und Publizisten zahlen. Dabei ist es egal, ob diese als Selbstständige, Gewerbetreibende, Freiberufler oder sonstige freie Mitarbeiter arbeiten, solange sie für diese Arbeit nicht fest in einem Unternehmen angestellt sind. Zusätzlich zahlt der Staat einen Zuschuss, um die Finanzierung der KSK zu sichern.

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Wer muss und wer darf sich über die KSK versichern?

Du kannst Dich über die Künstlersozialkasse versichern lassen, wenn Du

  • eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausübst,
  • nicht mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigst (ausgenommen sind Auszubildende und Minijobber) und
  • mindestens 3.901 Euro im Jahr (325 Euro monatlich) verdienst.

Die Verdienstuntergrenze von 3.901 Euro gilt allerdings in den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit nicht. Diese Frist von drei Jahren verlängert sich, falls Du die selbstständige Tätigkeit unterbrichst, zum Beispiel um Kinder zu erziehen oder Wehr- oder Zivildienst zu leisten. Die Verlängerung entspricht dann dem Zeitraum der Unterbrechung. Danach darfst Du die Verdienstgrenze innerhalb von sechs Jahren maximal zwei Jahre unterschreiten, ohne dass Du Deinen Versicherungsschutz verlierst (KSVG § 3 Absatz 3).  

Als selbstständiger Künstler oder Publizist kannst Du Dich privat krankenversichern, in den meisten Fällen ist das aber nicht empfehlenswert. Die dafür nötige Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht ist außerdem nur in den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit möglich oder wenn das Einkommen drei Jahre lang über der Versicherungspflichtgrenze für die Krankenversicherung (62.550 Euro im Jahr 2020) liegt. Andernfalls ist die Mitgliedschaft in der KSK gesetzlich vorgeschrieben.

Können sich auch Künstler mit Nebenjob bei der KSK versichern?

Für Künstler oder Publizisten mit einem Nebenverdienst gelten etwas komplizierte Sonderregeln. Verdienst Du mit einem freiberuflichen Zweitjob mehr als 450 Euro dazu, kannst Du Dich nicht über die Künstlersozialkasse kranken- und pflegeversichern.

Die gesetzliche Rentenversicherungspflicht bleibt aber bestehen, solange das Einkommen die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze von 82.800 Euro jährlich in den alten und 77.400 Euro jährlich in den neuen Bundesländern nicht überschreitet (Stand 2020). Stammt der Zuverdienst aus einer Festanstellung, richtet sich die Versicherungspflicht danach, mit welcher Tätigkeit Du mehr verdienst.

Wonach richtet sich der Beitrag?

Die Beiträge zur Sozialversicherung orientieren sich nicht wie bei Arbeitnehmern am tatsächlichen Gehalt, sondern am vorab geschätzten Jahreseinkommen. Dass das tatsächliche Einkommen von der Schätzung abweicht, ist normal und unproblematisch. Die KSK kann die Beiträge rückwirkend nicht anpassen. Du solltest allerdings beachten, dass Du Zuschüsse zur Rentenversicherung verschenkst, wenn Du Dein Einkommen deutlich zu niedrig schätzt. Außerdem bekommst Du weniger Kranken- und Mutterschaftsgeld. Liegt die Schätzung zu hoch, zahlst Du hingegen unnötig hohe Krankenkassenbeiträge.  

Stellt sich heraus, dass das geschätzte Einkommen nicht realistisch war, kannst Du die Meldung an die KSK jederzeit berichtigen. Du zahlst dann ab dem Folgemonat den korrigierten Beitrag.  

Um sicherzugehen, dass die Versicherten auch tatsächlich die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in der Künstlersozialversicherung erfüllen, führt die KSK stichprobenartige Kontrollen durch. Die davon Betroffenen müssen dann ihre Einkünfte der vergangenen vier Jahre offenlegen.

Wie funktioniert das Antragsverfahren?

Freischaffende Künstler und Publizisten müssen sich selbst bei der Künstlersozialversicherung anmelden. Der frühestmögliche Versicherungsbeginn ist das Datum, an dem sich ein Antragsteller erstmals bei der KSK gemeldet hat. Ab diesem Zeitpunkt kann er zu viel gezahlte Beiträge bei seiner Krankenkasse zurückfordern, falls er in die KSK aufgenommen wird.  

Wer möchte, dass die Versicherung bald beginnt, sollte deshalb schnellstmöglich mit der KSK Kontakt aufnehmen, denn bis die Behörde den Antrag endgültig bewilligt, vergehen oft Monate. Dazu genügt ein formloses Schreiben oder eine kurze E-Mail. Die Antragsunterlagen kannst Du entweder auf dem Postweg anfordern oder von der Website der KSK herunterladen.  

Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die KSK Deine Tätigkeit als künstlerisch oder publizistisch einstuft.

Bei Fragen zum Aufnahmeantrag oder den dafür nötigen Nachweisen wende Dich am besten direkt an die KSK.

Welche Berufe erkennt die KSK an?

Im Antragsformular listet die Behörde eine Vielzahl von Berufen auf, die sie anerkennt. Dazu gehören: Komponisten, Dirigenten, Arrangeure, Sänger, Musiker, Bildhauer, Maler, Fotografen, Grafik-Designer, Tänzer, Schauspieler, Regisseure, Autoren, Journalisten, Schriftsteller, Lektoren, wissenschaftliche Autoren sowie Pädagogen und Ausbilder für künstlerische Tätigkeiten.

Achtung: Nur weil ein Beruf eine kreative Komponente enthält, gilt er nicht automatisch als künstlerisch. Die KSK nimmt beispielsweise keine Kunsthandwerker oder Tätowierer auf.

Wer sich nicht in einer dieser Berufsgruppen wiederfindet, muss seine Arbeit im Antrag detailliert beschreiben. Die KSK entscheidet dann im Einzelfall.

Um die angegebene Tätigkeit zu überprüfen, fordert die KSK Belege wie Verträge oder Abrechnungen von Auftraggebern, Nachweise über Veröffentlichungen oder Unterlagen über den künstlerischen oder publizistischen Werdegang ein. Die KSK muss Berufsanfänger, die noch wenige Tätigkeitsnachweise haben, jedoch trotzdem aufnehmen. Sie kann das Mitglied allerdings nach einiger Zeit nochmals überprüfen.

Die KSK versucht außerdem festzustellen, ob der Antragsteller eventuell nur scheinselbstständig ist. Künstler oder Publizisten, die nur einen einzigen Auftraggeber haben, dürfen zwar nicht allein deshalb abgelehnt werden, werden aber oft genauer unter die Lupe genommen.

Was tun, wenn der Aufnahmeantrag abgelehnt wird?

Gegen einen Ablehnungsbescheid von der KSK kannst Du innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen – am besten zusammen mit einer Begründung des Widerspruchs und Belegen, die diesen untermauern.  

Falls Du mit dem Widerspruch scheiterst, solltest Du nicht in Panik verfallen. Da die KSV eine Pflichtversicherung ist, kann jeder, sobald er die Voraussetzungen für die Aufnahme erfüllt, erneut einen Antrag stellen. Es kann sich also lohnen, dran zu bleiben und es mit sorgfältig zusammengestellten Unterlagen erneut zu versuchen.  

Alternativ gibt es die Möglichkeit, vor dem Sozialgericht zu klagen. Berufsverbände und Gewerkschaften für Kunstschaffende und Publizisten unterstützen ihre Mitglieder oft beim Ausfüllen des Antrages, Auseinandersetzungen mit der KSK und einem eventuellen Prozess.

Autor
Julia Rieder

Stand: 03. Februar 2020


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