Kran­ken­ver­si­che­rung für Studenten

Die gesetzliche Kran­ken­kas­se ist im Studium die bessere Wahl

Julia Rieder
&Co-Autor
30. Dezember 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Studienanfänger kannst Du Dich gesetzlich oder privat krankenversichern. Diese Entscheidung lässt sich während des Studiums nicht mehr ändern.
  • Meist ist die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung die bessere Wahl. Dort sind Studierende bis zum 25. Lebensjahr kostenlos über ihre Eltern versichert.
  • Danach liegt der Studentenbeitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung bei rund 102 Euro im Monat für Kinderlose plus dem Zusatzbeitrag der jeweiligen Kran­ken­kas­se (Stand: 2021). Ab dem 30. Geburtstag wird es jedoch deutlich teurer.
So gehst Du vor
  • Wenn Du über Deine Eltern in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung familienversichert bist, musst Du der Kasse lediglich den Beginn des Studiums nachweisen.
  • Als privat versichertes Beamtenkind solltest Du gut überlegen, wie Du Dich versicherst. Bleibst Du privat versichert, kannst Du nach dem Studium nicht immer in eine gesetzliche Kasse wechseln.
  • Falls Du nebenbei arbeitest, achte darauf, dass Du nicht zu viel verdienst. Sonst fällst Du aus der Familienversicherung und musst selbst Beiträge zahlen. Details erklären wir in unserem Ratgeber Verdienstgrenzen in der Familienversicherung.
     

Mit dem Beginn des Studiums können Studierende wählen, wie sie sich krankenversichern möchten. Für die meisten Studienanfänger ist die Wahl der richtigen Kran­ken­ver­si­che­rung eine einfache Sache: Sie bleiben einfach in der gesetzlichen Kran­ken­kas­se der Eltern. Dort sind sie bis zum 25. Lebensjahr kostenlos mitversichert.

Doch falls Du vorher privat versichert warst oder Dich bereits selbst versichern musstest, hast Du kein Recht auf die kostenlose Familienversicherung. Mitglied einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se kannst Du dennoch werden. Andersherum kannst Du Dich als bislang gesetzlich Versicherter auch für eine private Kran­ken­ver­si­che­rung entscheiden.

Zu Beginn des Studiums: Gesetzlich oder privat versichern?

Für alle Studierenden gilt: Sie müssen krankenversichert sein. Studenten werden zunächst der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) zugeordnet. Aber sie haben einmalig zu Beginn des Studiums die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen und sich in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) zu versichern. Das können alle Studenten machen, nicht nur diejenigen, die bereits vorher privat versichert waren.

Wenn Du in die PKV wechseln möchtest oder in dieser bleiben willst, musst Du spätestens drei Monate nach der Einschreibung an der Hochschule (Immatrikulation) einen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei Deiner bisherigen Kran­ken­kas­se stellen. An die Wahl der Versicherung bist Du dann für die Dauer Deines Studiums gebunden. Du kannst währenddessen nicht in das jeweils andere System wechseln. Vier Fälle lassen sich unterscheiden.

1. Du bist über Deine Eltern familienversichert

Sofern Du über Deine Eltern in der gesetzlichen Kran­ken­kas­se versichert bist, kannst Du dort auch während des Studiums bleiben. Du zahlst so lange keinen eigenen Beitrag, wie Deine Eltern Kindergeld erhalten. Das ist in der Regel bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres der Fall. Nur die Eltern derjenigen, die Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet haben, erhalten entsprechend länger Kindergeld – höchstens ein Jahr.

Die Familienversicherung ist für Studenten die günstigste Lösung. Zur Immatrikulation musst Du eine Versicherungsbescheinigung der Kran­ken­kas­se mitbringen, die Du telefonisch oder online bei der Kasse anfragen kannst.

2. Du bist selbst Mitglied in einer gesetzlichen Kasse

Falls Du zu Beginn des Studiums älter als 25 Jahre bist oder schon voll gearbeitet hast, bist Du bereits zahlendes Mitglied einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se. In der Regel ist die gesetzliche Versicherung auch für die Unizeit die richtige Wahl.

Studenten, die unmittelbar vor dem Studium pflichtversichert waren, etwa durch eine Ausbildung, Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges soziales Jahr, müssen nach einem Urteil des Bundessozialgerichts während des Studiums in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung bleiben (Urteil vom 27. April 2016, Az. B 12 KR 24/14 R). Die Betreffenden haben nicht mehr das Recht, in die private Kran­ken­ver­si­che­rung zu wechseln.

Als Student kannst Du wie alle Versicherten zu einer Kasse Deiner Wahl wechseln. Kinder von Studenten sind über ihre studierenden Eltern oder über die Großeltern familienversichert.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Kran­ken­kas­sen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: IKK Classic, HEK, SBK, BKK24 und BKK VBU.

Zum Ratgeber

3. Du bist aufgrund Deiner Eltern privat versichert

Bist Du bereits in der PKV, weil ein oder beide Elternteile privat versichert sind, kannst Du das auch im Studium bleiben. Dafür musst Du Dich zu Beginn des Studiums von der Kran­ken­ver­si­che­rungspflicht befreien lassen.

Gerade Kinder von Beamten bleiben häufig weiterhin privat versichert, weil ihre Beiträge durch die Beihilfe sehr niedrig sind. An diese Entscheidung bist Du allerdings für das gesamte Studium gebunden. Und das kann aus folgenden Gründen teuer werden:

  • Sobald Du während des Studiums 25 Jahre alt wirst, fällst Du in der Regel aus dem günstigen Beihilfetarif heraus, da die Eltern kein Kindergeld mehr erhalten. Der normale Beitrag für privat versicherte Studenten ist deutlich höher.
  • Wenn Du nach dem Studium nicht gleich einen Job findest und Ar­beits­lo­sen­geld II (Hartz IV) beziehst, bekommst Du zwar einen Zuschuss zur privaten Kran­ken­ver­si­che­rung, die restlichen Kosten musst Du aber selbst tragen. Allerdings kannst Du in den Basistarif wechseln, dessen Leistungen in etwa der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung entsprechen.
  • Falls Du Dich nach dem Studium selbstständig machst, musst Du für die Dauer Deiner Selbstständigkeit privat versichert bleiben, selbst wenn Du wenig verdienst.

Unser Rat: Besprich unbedingt vor Studienbeginn mit Deinen Eltern diese Risiken. Gerade für Beamte scheinen die günstigen Beihilfetarife sehr attraktiv. Macht Euch gemeinsam Gedanken, ob ein Wechsel in die studentische Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung auf Dauer sinnvoller ist.

Erkundige Dich bei Deinem Versicherer, wie viel Du in den geschilderten Fällen zahlen müsstest. Möglicherweise kommt es auch infrage, eine Anwartschaft in der PKV abzuschließen, um später in die private Versicherung zurückkehren zu können.

4. Du bist bereits selbst privat versichert

Falls Du bereits vor dem Studium ausreichend verdient hast oder selbstständig warst, bist Du möglicherweise schon selbst privat versichert. In diesem Fall ist ein Wechsel in eine gesetzliche Kran­ken­kas­se nicht ohne Weiteres möglich.

Nur wenn Du 30 Jahre oder jünger bist, gilst Du während des Studiums als versicherungspflichtig und kannst Dich ohne Probleme für eine gesetzliche Kran­ken­kas­se entscheiden oder durch einen Antrag weiterhin privat versichert bleiben. Bist Du älter, hast Du diese Wahlmöglichkeit nicht, Du musst in der PKV bleiben.

Mehr dazu im Ratgeber Private Kran­ken­ver­si­che­rung

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Wie viel kostet die studentische Kran­ken­ver­si­che­rung?

Musst Du Dich als Student selbst in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung versichern, zahlst Du einen vergünstigten Beitrag. Dieser ist an die Entwicklung des Bafögs gekoppelt.

Seit dem Wintersemester 2020/2021 liegt der Kran­ken­ver­si­che­rungsbeitrag für Studenten bei rund 77 Euro. Hinzu kommt noch der Zusatzbeitrag, der bei jeder Kran­ken­kas­se anders ausfällt. Im Durchschnitt liegt er 2021 bei 1,3 Prozent. Der Beitrag erhöht sich so auf durchschnittlich 87 Euro. Für die gesetzliche Pfle­ge­ver­si­che­rung müssen Studenten im Jahr 2021 monatlich rund 25 Euro zahlen, wenn sie über 23 sind und keine Kinder haben. Sonst fallen rund 23 Euro an. Wenn Du keine Kinder hast und älter als 23 bist, zahlst Du im Schnitt also rund 112 Euro im Monat.

Ab dem 30. Geburtstag wird es teurer

Den vergünstigten Studentenbeitrag zahlst Du nur bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Danach musst Du Dich regulär freiwillig versichern. Für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zahlst Du dann im Schnitt ungefähr 208 Euro im Monat, wenn Du noch keine Kinder hast (Stand: 2021). Prüf, ob in diesem Fall gegebenenfalls auch eine beitragsfreie Familienversicherung über Deinen Ehe- oder Lebenspartner möglich ist.

Was kann sich während des Studiums ändern?

An Deine Entscheidung für die gesetzliche oder die private Kran­ken­ver­si­che­rung bist Du während des ganzen Studiums gebunden. Allerdings können sich folgende Veränderungen ergeben:

  • Wenn Du neben dem Studium arbeitest, bist Du von Sozialabgaben befreit, solange Du als Werkstudent maximal 538,33 Euro oder als Minijobber höchstens 450 Euro im Monat verdienst. Überschreitest Du dagegen eine dieser Einkommensgrenzen regelmäßig, bist Du nicht mehr beitragsfrei familienversichert. In der Regel ist dann der Studentenbeitrag zu zahlen. Erkundige Dich am besten bei Deiner Kran­ken­kas­se, bevor Du den Arbeitsvertrag unterschreibst.
  • Feierst Du während des Studiums Deinen 25. Geburtstag, fällst Du ebenfalls aus der Familienversicherung heraus und musst Dich selbst zum Studentenbeitrag versichern. Hast Du Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet, passiert das ein Jahr später.
  • Gleiches gilt, falls Du bisher über Deine Eltern beihilfeberechtig warst: Die Beihilfe entfällt, sobald die Eltern kein Kindergeld mehr bekommen. Betroffene müssen dann in einen teureren vollwertigen Tarif der privaten Versicherung.
  • Sobald Du während des Studiums 30 Jahre alt wirst, entfällt der Studentenrabatt. Du musst Dich dann freiwillig gesetzlich versichern.
  • Auch während eines Promotionsstudiums kannst Du nicht mehr von der studentischen Kran­ken­ver­si­che­rung profitieren. Das hat das Bundessozialgericht klargestellt (Urteil vom 7. Juni 2018, Az. B 12 KR 15/16 R). Doktoranden müssen sich freiwillig gesetzlich versichern.

Gibt es nach dem Studium eine Wechselchance?

Die Wahl der Kran­ken­ver­si­che­rung während des Studiums wirkt sich auch auf die Zeit danach aus. Nicht immer ist ein Systemwechsel möglich.

Das gilt für Angestellte

Keine Probleme gibt es in der Regel, wenn Du nach dem Studium angestellt arbeitest. Warst Du zuvor gesetzlich versichert, kannst Du das auch weiterhin bleiben. Warst Du als Student privat versichert, darfst Du zwischen gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­si­che­rung wählen. In den meisten Fällen ist die GKV zunächst die bessere Option.

Selbst wenn Du während des Studiums privat versichert warst und gleich zum Berufsstart mehr als 64.350 Euro (Jahresarbeitsentgeltgrenze 2021) verdienst, kannst Du Dich gesetzlich versichern. Eine Sonderregelung gibt Dir die einmalige Möglichkeit einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se beizutreten, sofern Du zuvor noch nicht voll berufstätig warst.

Das gilt für Selbstständige

Falls Du Dich selbstständig machst und bislang gesetzlich versichert warst, hast Du grundsätzlich die Wahl zwischen den Systemen. In der Regel solltest Du als Gründer aber zunächst bei einer gesetzlichen Kasse bleiben und Dich freiwillig versichern

An einen Wechsel in die PKV solltest Du als Selbstständiger erst denken, wenn das Geschäft gut läuft. Falls Du als Student privat versichert warst, musst Du das als Selbstständiger auch bleiben und den vollen Beitrag zahlen. Der Wechsel in Billigtarife mit schlechten Leistungen ist nicht zu empfehlen. Diese werden mit der Zeit oft unverhältnismäßig teuer und sind schwer aufzustocken, wenn sich Dein Gesundheitszustand verschlechtert.

Das gilt für Beamte

Sofern Du nach dem Studium verbeamtet wirst, kannst und solltest Du Dich in der Regel privat versichern, um von der Beihilfe zu profitieren.

Das gilt während der Arbeitslosigkeit

Findest Du nach Ende Deines Studiums keinen Job, hast Du meist keinen Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I, da Du ja zuvor nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast. Allerdings kannst Du Ar­beits­lo­sen­geld II (Hartz IV) beantragen. Dann erhältst Du nicht nur die Grundsicherung, sondern das Amt zahlt auch Deinen Beitrag zur gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung.

Für die private Kran­ken­ver­si­che­rung können Hartz IV-Empfänger einen Zuschuss vom Jobcenter beantragen. Privat versicherte Hochschulabsolventen ohne Job haben außerdem die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln, um Beiträge zu sparen. In eine gesetzliche Kran­ken­kas­se kann nur wechseln, wer aufgrund einer früheren Anstellung Ar­beits­lo­sen­geld I bezieht.

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