Krankenversicherung für Studenten

Die gesetzliche Krankenkasse ist im Studium die bessere Wahl

Julia Rieder
& Co-Autoren
Stand: 13. Januar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • ​​​​​​Studienanfänger können sich gesetzlich oder privat krankenversichern. Diese Entscheidung lässt sich während des Studiums nicht mehr ändern.
  • Meist ist die gesetzliche Krankenversicherung die bessere Wahl. Dort sind Studierende bis zum 25. Lebensjahr kostenlos über ihre Eltern versichert.
  • Danach liegt der Studentenbeitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bei durchschnittlich rund 109 Euro im Monat für Kinderlose (Stand: 2020). Ab dem 30. Geburtstag wird es jedoch deutlich teurer.
So gehen Sie vor
  • Wenn Sie über Ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert sind, müssen Sie der Kasse lediglich den Beginn des Studiums nachweisen.
  • Als privat versichertes Beamtenkind sollten Sie gut überlegen, wie Sie sich versichern. Bleiben Sie privat versichert, können Sie nach dem Studium nicht immer in eine gesetzliche Kasse wechseln.
  • Falls Sie nebenbei arbeiten, achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viel verdienen. Sonst fallen Sie aus der Familienversicherung und müssen selbst Beiträge zahlen. Details erklären wir in unserem Ratgeber Verdienstgrenzen in der Familienversicherung.
     

Mit dem Beginn des Studiums können Studierende wählen, wie sie sich krankenversichern möchten. Für die meisten Studienanfänger ist die Wahl der richtigen Krankenversicherung eine einfache Sache: Sie bleiben einfach in der gesetzlichen Krankenkasse der Eltern. Dort sind sie bis zum 25. Lebensjahr kostenlos mitversichert.

Doch falls Sie vorher privat versichert waren oder sich bereits selbst versichern mussten, haben Sie kein Recht auf die kostenlose Familienversicherung. Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse können Sie dennoch werden. Andersherum können Sie sich als bislang gesetzlich Versicherter auch für eine private Krankenversicherung entscheiden.

Wahl zu Beginn des Studiums: Gesetzlich oder privat versichern?

Für alle Studierenden gilt: Sie müssen krankenversichert sein. Studenten werden zunächst der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zugeordnet. Aber sie haben einmalig zu Beginn des Studiums die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen und sich in der privaten Krankenversicherung (PKV) zu versichern. Das können alle Studenten machen, nicht nur diejenigen, die bereits vorher privat versichert waren.

Wenn Sie in die PKV wechseln möchten oder in dieser bleiben wollen, müssen Sie spätestens drei Monate nach der Einschreibung an der Hochschule (Immatrikulation) einen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei Ihrer bisherigen Krankenkasse stellen. An die Wahl der Versicherung sind Sie dann für die Dauer Ihres Studiums gebunden. Sie können währenddessen nicht in das jeweils andere System wechseln. Vier Fälle lassen sich unterscheiden.

1. Sie sind über Ihre Eltern familienversichert

Sofern Sie über Ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, können Sie dort auch während des Studiums bleiben. Sie zahlen so lange keinen eigenen Beitrag, wie Ihre Eltern Kindergeld erhalten. Das ist in der Regel bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres der Fall. Nur die Eltern derjenigen, die Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet haben, erhalten entsprechend länger Kindergeld – höchstens ein Jahr.

Die Familienversicherung ist für Studenten die günstigste Lösung. Zur Immatrikulation müssen Sie eine Versicherungsbescheinigung der Krankenkasse mitbringen, die Sie telefonisch oder online bei der Kasse anfragen können.

2. Sie sind selbst Mitglied in einer gesetzlichen Kasse

Falls Sie zu Beginn des Studiums älter als 25 Jahre sind oder schon voll gearbeitet haben, sind Sie bereits zahlendes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. In der Regel ist die gesetzliche Versicherung auch für die Unizeit die richtige Wahl.

Studenten, die unmittelbar vor dem Studium pflichtversichert waren, etwa durch eine Ausbildung, Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges soziales Jahr, müssen nach einem Urteil des Bundessozialgerichts während des Studiums in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben (Urteil vom 27. April 2016, Az. B 12 KR 24/14R). Die Betreffenden haben nicht mehr das Recht, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Als Student können Sie wie alle Versicherten zu einer Kasse Ihrer Wahl wechseln. Kinder von Studenten sind über ihre studierenden Eltern oder über die Großeltern familienversichert.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Krankenversicherung

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3. Sie sind aufgrund Ihrer Eltern privat versichert

Sind Sie bereits in der PKV, weil ein oder beide Elternteile privat versichert sind, können Sie das auch im Studium bleiben. Dafür müssen Sie sich zu Beginn des Studiums von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen.

Gerade Kinder von Beamten bleiben häufig weiterhin privat versichert, weil ihre Beiträge durch die Beihilfe sehr niedrig sind. An diese Entscheidung sind Sie allerdings für das gesamte Studium gebunden. Und das kann aus folgenden Gründen teuer werden:

  • Sobald Sie während des Studiums 25 Jahre alt werden, fallen Sie in der Regel aus dem günstigen Beihilfetarif heraus, da die Eltern kein Kindergeld mehr erhalten. Der normale Beitrag für privat versicherte Studenten ist deutlich höher.
  • Wenn Sie nach dem Studium nicht gleich einen Job finden und Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen, bekommen Sie zwar einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung, die restlichen Kosten müssen Sie aber selbst tragen. Allerdings können Sie in den Basistarif wechseln, dessen Leistungen in etwa der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen.
  • Falls Sie sich nach dem Studium selbstständig machen, müssen Sie für die Dauer Ihrer Selbstständigkeit privat versichert bleiben, selbst wenn Sie wenig verdienen.

Unser Rat: Besprechen Sie unbedingt vor Studienbeginn mit Ihren Eltern diese Risiken. Gerade für Beamte scheinen die günstigen Beihilfetarife sehr attraktiv. Machen Sie sich gemeinsam Gedanken, ob ein Wechsel in die studentische Kranken- und Pflegeversicherung auf Dauer sinnvoller ist.

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer, wie viel Sie in den geschilderten Fällen zahlen müssten. Möglicherweise kommt es auch infrage, eine Anwartschaft in der PKV abzuschließen, um später in die private Versicherung zurückkehren zu können.

4. Sie sind bereits selbst privat versichert

Falls Sie bereits vor dem Studium ausreichend verdient haben oder selbstständig waren, sind Sie möglicherweise schon selbst privat versichert. In diesem Fall ist ein Wechsel in eine gesetzliche Krankenkasse nicht ohne Weiteres möglich.

Nur wenn Sie 30 Jahre oder jünger sind, gelten Sie während des Studiums als versicherungspflichtig und können sich ohne Probleme für eine gesetzliche Krankenkasse entscheiden oder durch einen Antrag weiterhin privat versichert bleiben. Sind Sie älter, haben Sie diese Wahlmöglichkeit nicht, Sie müssen in der PKV bleiben.

Mehr dazu im Ratgeber Private Krankenversicherung

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Wie viel kostet die studentische Krankenversicherung?

Müssen Sie sich als Student selbst in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern, zahlen Sie einen vergünstigten Beitrag. Dieser ist an die Entwicklung des Bafögs gekoppelt.

Da zum Wintersemester 2019/2020 der Bafög-Bedarfssatz erhöht wurde, liegt der Krankenversicherungsbeitrag für Studenten seitdem bei rund 76 Euro. Hinzu kommt noch der Zusatzbeitrag von im Durchschnitt 1,1 Prozent, der aber bei jeder Krankenkasse anders ausfällt. Der Beitrag erhöht sich so auf durchschnittlich 84 Euro. Für die gesetzliche Pflegeversicherung müssen Studenten im Jahr 2020 monatlich rund 25 Euro zahlen, wenn sie über 23 sind und keine Kinder haben. Sonst fallen rund 23 Euro an. Wenn Sie keine Kinder haben und älter als 23 sind, zahlen Sie im Schnitt also rund 109 Euro im Monat.

Ab dem 30. Geburtstag wird es teurer

Den vergünstigten Studentenbeitrag zahlen Sie nur bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Danach müssen Sie sich regulär freiwillig versichern. Dafür zahlen Sie im Schnitt ungefähr 195 Euro im Monat, wenn Sie noch keine Kinder haben. Prüfen Sie, ob in diesem Fall gegebenenfalls auch eine beitragsfreie Familienversicherung über Ihren Ehe- oder Lebenspartner möglich ist.

Was kann sich während des Studiums ändern?

An Ihre Entscheidung für die gesetzliche oder die private Krankenversicherung sind Sie während des ganzen Studiums gebunden. Allerdings können sich folgende Veränderungen ergeben:

  • Wenn Sie neben dem Studium arbeiten, sind Sie von Sozialabgaben befreit, solange Sie als Werkstudent maximal 538,33 Euro oder als Minijobber höchstens 455 Euro im Monat verdienen. Überschreiten Sie dagegen eine dieser Einkommensgrenzen regelmäßig, sind Sie nicht mehr beitragsfrei familienversichert. In der Regel ist dann der Studentenbeitrag zu zahlen. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, bevor Sie den Arbeitsvertrag unterschreiben.
  • Feiern Sie während des Studiums Ihren 25. Geburtstag, fallen Sie ebenfalls aus der Familienversicherung heraus und müssen sich selbst zum Studentenbeitrag versichern. Haben Sie Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet, passiert das ein Jahr später.
  • Gleiches gilt, falls Sie bisher über Ihre Eltern beihilfeberechtig waren: Die Beihilfe entfällt, sobald die Eltern kein Kindergeld mehr bekommen. Betroffene müssen dann in einen teureren vollwertigen Tarif der privaten Versicherung.
  • Sobald Sie während des Studiums 30 Jahre alt werden, entfällt der Studentenrabatt. Sie müssen sich dann freiwillig gesetzlich versichern.
  • Auch während eines Promotionsstudiums können Sie nicht mehr von der studentischen Krankenversicherung profitieren. Das hat das Bundessozialgericht klargestellt (Urteil vom 7. Juni 2018, Az. B 12 KR 15/16 R). Doktoranden müssen sich freiwillig gesetzlich versichern.

Wann gibt es nach dem Studium eine Wechselchance?

Die Wahl der Krankenversicherung während des Studiums wirkt sich auch auf die Zeit danach aus. Nicht immer ist ein Systemwechsel möglich.

Das gilt für Angestellte

Keine Probleme gibt es in der Regel, wenn Sie nach dem Studium angestellt arbeiten. Waren Sie zuvor gesetzlich versichert, können Sie das auch weiterhin bleiben. Waren Sie als Student privat versichert, dürfen Sie zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. In den meisten Fällen ist die GKV zunächst die bessere Option.

Selbst wenn Sie während des Studiums privat versichert waren und gleich zum Berufsstart mehr als 62.550 Euro (Jahresarbeitsentgeltgrenze 2020) verdienen, können Sie sich gesetzlich versichern. Eine Sonderregelung gibt Ihnen die einmalige Möglichkeit einer gesetzlichen Krankenkasse beizutreten, sofern Sie zuvor noch nicht voll berufstätig waren.

Das gilt für Selbstständige

Falls Sie sich selbstständig machen und bislang gesetzlich versichert waren, haben Sie grundsätzlich die Wahl zwischen den Systemen. In der Regel sollten Sie als Gründer aber zunächst bei einer gesetzlichen Kasse bleiben und sich freiwillig versichern

An einen Wechsel in die PKV sollten Sie als Selbstständiger erst denken, wenn das Geschäft gut läuft. Falls Sie als Student privat versichert waren, müssen Sie das als Selbstständiger auch bleiben und den vollen Beitrag zahlen. Der Wechsel in Billigtarife mit schlechten Leistungen ist nicht zu empfehlen. Diese werden mit der Zeit oft unverhältnismäßig teuer und sind schwer aufzustocken, wenn sich Ihr Gesundheitszustand verschlechtert.

Das gilt für Beamte

Sofern Sie nach dem Studium verbeamtet werden, können und sollten Sie sich in der Regel privat versichern, um von der Beihilfe zu profitieren.

Das gilt während der Arbeitslosigkeit

Finden Sie nach Ende Ihres Studiums keinen Job, haben Sie meist keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da Sie ja zuvor nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Allerdings können Sie Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beantragen. Dann erhalten Sie nicht nur die Grundsicherung, sondern das Amt zahlt auch Ihren Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung.

Für die private Krankenversicherung können Hartz IV-Empfänger einen Zuschuss vom Jobcenter beantragen. Privat versicherte Hochschulabsolventen ohne Job haben außerdem die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln, um Beiträge zu sparen. In eine gesetzliche Krankenkasse kann nur wechseln, wer aufgrund einer früheren Anstellung Arbeitslosengeld I bezieht.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autoren
Nicolas Heronymus , Max Mergenbaum

Stand: 13. Januar 2020


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