Krankenversicherung für Studenten

Die gesetzliche Krankenkasse ist im Studium die bessere Wahl

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 20. Dezember 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Studienanfänger können wählen zwischen der gesetzlichen (GKV) oder der privaten Krankenversicherung (PKV). In der Regel ist die GKV während des Studiums die bessere Wahl.
  • Studenten sind in der gesetzlichen Krankenkasse ihrer Eltern bis zum 25. Lebensjahr kostenlos familienversichert.
  • Der Studentenbeitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung liegt im Monat bei durchschnittlich rund 94 Euro für Kinderlose, die älter als 25 Jahre sind.
  • Mit dem 30. Geburtstag wird es für Studierende deutlich teurer, weil sie dann keinen vergünstigten Beitrag mehr bekommen.
  • Wer im Studium privat versichert war, kann danach nicht zurück in die GKV wechseln, wenn er sich selbstständig macht.
So gehen Sie vor
  • Wollen Sie studieren und sind Sie über Ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert, müssen Sie der Kasse lediglich den Beginn des Studiums nachweisen.
  • Als privat versichertes Beamtenkind sollten Sie gemeinsam mit Ihren Eltern vor Studienbeginn gut überlegen, ob Sie nicht in eine gesetzliche Kasse wechseln.
  • Wenn Sie nebenbei arbeiten, achten Sie darauf, nicht mehr als 450 Euro monatlich zu verdienen. Sonst müssen Sie sich selbst versichern.
  • Wenn Sie nach einer Ausbildung noch studieren, müssen Sie sich in jedem Fall selber versichern. In der Krankenversicherung der Studenten gibt es aber einen vergünstigten Beitrag bis zum 30. Lebensjahr.
  • Überlegen Sie auch nach dem Studium noch einmal, wie Sie sich versichern möchten: gesetzlich oder privat.

Mit dem Beginn des Studiums können Studierende wählen, wie sie sich krankenversichern möchten. Für die meisten Studienanfänger ist die Wahl der richtigen Krankenversicherung eine einfache Sache: Sie bleiben einfach in der gesetzlichen Krankenkasse der Eltern. Dort sind sie bis zum 25. Lebensjahr kostenlos mitversichert.

Doch wer vorher privat versichert war oder sich bereits selbst versichern musste, hat kein Recht auf die kostenlose Familienversicherung. Er kann aber Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse werden. Andersherum können sich bislang gesetzliche Versicherte auch für eine private Absicherung entscheiden.

Wahl zu Beginn des Studiums: Gesetzlich oder privat versichern?

Für alle Studierenden gilt: Sie müssen krankenversichert sein. Studenten werden zunächst der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zugeordnet. Aber sie haben einmalig zu Beginn des Studiums die Wahl, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen und sich in der privaten Krankenversicherung (PKV) zu versichern. Das können alle Studenten machen, nicht nur diejenigen, die bereits vorher privat versichert waren.

Wenn Sie in die PKV wechseln möchten oder in dieser bleiben wollen, müssen Sie spätestens drei Monate nach der Einschreibung an der Hochschule (Immatrikulation) einen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei Ihrer bisherigen Krankenkasse stellen. An die Wahl der Versicherung sind Sie dann für die Dauer Ihres Studiums gebunden. Sie können währenddessen nicht in das jeweils andere System wechseln. Vier Fälle lassen sich unterscheiden.

1. Sie sind über Ihre Eltern familienversichert

Sofern Sie über Ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, können Sie dort auch während des Studiums bleiben. Sie zahlen so lange keinen eigenen Beitrag, wie Ihre Eltern Kindergeld erhalten. Das ist in der Regel bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs der Fall. Nur die Eltern derjenigen, die Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst geleistet haben, erhalten entsprechend länger Kindergeld – höchstens ein Jahr.

Die Familienversicherung ist für Studenten die günstigste und beste Lösung. Zur Immatrikulation müssen Sie eine Versicherungsbescheinigung der Krankenkasse mitbringen, die Sie telefonisch bei der Kasse bestellen können.

Sie sind selbst Mitglied in einer gesetzlichen Kasse

Falls Sie zu Beginn des Studiums älter als 25 Jahre sind oder schon voll gearbeitet haben, sind Sie bereits zahlendes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. In der Regel ist die GKV auch für die Unizeit die richtige Wahl.

Studenten, die unmittelbar vor dem Studium pflichtversichert waren, etwa durch eine Ausbildung, Bundesfreiwilligendienst oder freiwilliges soziales Jahr, müssen sogar nach einem Urteil des Bundessozialgerichts während des Studiums in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben (Urteil vom 27. April 2016, Az. B12KR24/14R). Die Betreffenden haben nicht mehr das Recht, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Als Student können Sie wie alle Versicherten zu einer Kasse Ihrer Wahl wechseln. Kinder von Studenten sind über ihre studierenden Eltern oder über die Großeltern familienversichert.

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3. Sie sind aufgrund Ihrer Eltern privat versichert

Sind Sie bereits in der PKV, weil ein oder beide Elternteile privat versichert sind, können Sie das auch im Studium bleiben. Dafür müssen Sie sich zu Beginn des Studiums von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen.

Gerade Kinder von Beamten bleiben häufig weiterhin privat versichert, weil ihre Beiträge durch die Beihilfe sehr niedrig sind. An diese Entscheidung sind Sie allerdings für das gesamte Studium gebunden. Und das kann auf folgenden Gründen teuer werden:

  • Wer während des Studiums 25 Jahre alt wird, fällt in der Regel aus dem günstigen Beihilfetarif heraus, da die Eltern kein Kindergeld mehr erhalten. Der normale Beitrag für privat versicherte Studenten ist deutlich höher.
  • Wer nach dem Studium nicht gleich einen Job findet und Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bezieht, bekommt zwar einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung, muss die restlichen Kosten aber selbst tragen. Allerdings besteht die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln, dessen Leistungen in etwa der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen.
  • Wer sich nach dem Studium selbstständig macht, muss sich weiter privat versichern und ist für die Dauer der Selbstständigkeit auf die PKV festgelegt.

Unser Rat: Besprechen Sie unbedingt vor Studienbeginn mit Ihren Eltern diese Risiken. Gerade für Beamte scheinen die günstigen Beihilfetarife sehr attraktiv. Machen Sie sich gemeinsam Gedanken, ob nicht ein Wechsel in die studentische Kranken- und Pflegeversicherung auf Dauer sinnvoller ist. Der Beitrag von durchschnittlich 94 Euro liegt nicht dramatisch über dem Beihilfetarif.

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer, welche Tarife er für die geschilderten Fälle anbietet. Möglicherweise kommt es auch infrage, eine Anwartschaft in der PKV abzuschließen, um später in die private Versicherung zurückkehren zu können.

4. Sie sind bereits selbst privat versichert

Falls Sie bereits vor dem Studium ausreichend verdient haben oder selbstständig waren, sind Sie möglicherweise schon selbst privat versichert. In diesem Fall ist ein Wechsel zu einer gesetzlichen Krankenkasse nicht ohne Weiteres möglich.

Nur wenn Sie 30 Jahre oder jünger sind, gelten Sie während des Studiums als versicherungspflichtig und können sich ohne Probleme für eine gesetzliche Krankenkasse entscheiden oder durch einen Antrag weiterhin privat versichert bleiben. Sind Sie älter, haben diese Wahlmöglichkeit Sie nicht, Sie müssen in der PKV bleiben.

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Wie viel kostet die studentische Krankenversicherung?

Müssen Sie sich als Student selbst in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern, zahlen Sie einen vergünstigten Beitrag. Dieser ist an die Entwicklung des Bafögs gekoppelt, das als Bemessungsgrundlage dient.

Seit dem Wintersemester 2016/2017 liegt der Beitrag für Studenten bei rund 66 Euro. Daran hat sich auch 2019 nichts geändert. Hinzu kommt noch ein Zusatzbeitrag von im Durchschnitt 0,9 Prozent, der aber bei jeder Krankenkasse anders ausfällt. Der Beitrag erhöht sich so auf durchschnittlich 72 Euro. Für die gesetzliche Pflegeversicherung müssen Studenten im Jahr 2019 somit monatlich rund 21 Euro zahlen, wenn sie keine Kinder haben und unter 23 sind. Sonst fallen rund 20 Euro an.

Studenten, die sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichern, zahlen für die Pflegeversicherung 2019 bis zum 23. Lebensjahr rund 32 Euro. Der Beitrag für kinderlose Studierende ab 23 Jahren beträgt rund 34 Euro. 

Wenn Sie keine Kinder haben und jünger als 23 sind, zahlen Sie im Schnitt also rund 94 Euro im Monat. Das gilt aber nur bis zum Abschluss des 14. Fachsemester oder bis zur Vollendung des 30. Lebensjahrs. Danach zahlen Sie als kinderloser Student bis zu sechs Monate einen ermäßigten „Examenstarif“ von durchschnittlich rund 106 Euro plus den Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen.

Falls Sie das Studium während der sechs Monate nicht beenden, bleibt Ihnen nur die freiwillige Versicherung in der GKV – zu einem noch höheren Preis. Gegebenenfalls ist auch eine beitragsfreie Familienversicherung über Ihren Ehe- oder Lebenspartner möglich.

Seit dem 1. Januar 2019 wird die Krankenversicherung wieder paritätisch finanziert. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung tragen. Für Studierende ändert sich jedoch nichts. Sie müssen für die gesamten Kosten ihrer Krankenversicherung selbst aufkommen.

Was kann sich während des Studiums ändern?

An Ihre Entscheidung für die gesetzliche oder die private Krankenversicherung sind Sie während des ganzen Studiums gebunden. Allerdings können sich folgende Veränderungen ergeben:

  • Wenn Sie neben dem Studium arbeiten und weniger als 450 Euro im Monat verdienen, sind Sie dabei im Minijob von Sozialabgaben befreit. Überschreiten Sie dagegen die 450-Euro-Grenze regelmäßig, sind Sie nicht mehr beitragsfrei familienversichert. In der Regel ist dann der Studentenbeitrag zu zahlen. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, bevor Sie den Arbeitsvertrag unterschreiben.
  • Feiern Sie während des Studiums Ihren 25. Geburtstag, fallen Sie ebenfalls aus der Familienversicherung heraus und müssen sich selbst zum Studentenbeitrag versichern.
  • Gleiches gilt für bisher Beihilfeberechtigte: Die Beihilfe entfällt mit dem Wegfall des Kindergelds. Betroffene müssen dann in einen teureren vollwertigen Tarif der privaten Versicherung.
  • Sobald Sie während des Studiums 30 Jahre alt werden oder das 14. Fachsemester erreicht haben, entfällt der Studentenrabatt. Sie müssen sich dann freiwillig gesetzlich versichern.
  • Auch während eines Promotionsstudiums können Sie nicht mehr von der studentischen Krankenversicherung profitieren. Das hat das Bundessozialgericht klargestellt (Urteil vom 7. Juni 2018, Az. B 12 KR 15/16 R). Doktoranden müssen sich damit freiwillig gesetzlich versichern.

Wann gibt es nach dem Studium eine Wechselchance?

Die Wahl der Krankenversicherung während des Studiums wirkt sich auch auf die Zeit danach aus. Nicht immer ist ein Systemwechsel möglich.

Keine Probleme gibt es in der Regel, wenn Sie nach dem Studium angestellt arbeiten. Waren Sie zuvor gesetzlich versichert, können Sie das auch weiterhin bleiben. Waren Sie als Student privat versichert, dürfen Sie zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. In den meisten Fällen ist die GKV zunächst die bessere Option.

Selbst wenn Sie während des Studiums privat versichert waren und gleich zum Berufsstart mehr als 60.750 Euro (Jahresarbeitsentgeltgrenze 2019) verdienen, können Sie sich gesetzlich versichern. Eine Sonderregelung gibt Ihnen eine einmalige Beitrittsmöglichkeit zur GKV, sofern Sie zuvor noch nicht voll berufstätig waren.

Falls Sie sich selbstständig machen und bislang gesetzlich versichert waren, haben Sie grundsätzlich die Wahl zwischen den Systemen. In der Regel sollten Sie als Gründer aber zunächst bei einer gesetzlichen Kasse bleiben und sich freiwillig versichern. Wenn Sie den Existenzgründerzuschuss erhalten, profitieren Sie in der GKV zudem von niedrigeren monatlichen Mindestbeiträgen.

An einen Wechsel in die PKV sollten Sie als Selbstständiger erst denken, wenn das Geschäft gut läuft. Wenn Sie als Student dagegen privat versichert waren, müssen Sie das als Selbstständiger auch bleiben und den vollen Beitrag bezahlen. Der Wechsel in Billigtarife mit schlechten Leistungen ist nicht zu empfehlen. Diese werden mit der Zeit oft unverhältnismäßig teuer und sind schwer aufzustocken, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert.

Sofern Sie nach dem Studium verbeamtet werden, können und sollten Sie sich in der Regel privat versichern, um von der Beihilfe zu profitieren.

Finden Sie nach Ende Ihres Studiums keinen Job, haben Sie meist keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da Sie ja zuvor nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Allerdings können Sie Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beantragen. Dann erhalten Sie nicht nur die Grundsicherung, sondern das Amt bezahlt auch Ihren Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung.

Privat versicherte Hochschulabsolventen ohne Job haben die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln, um Beiträge zu sparen. Auch dafür gibt es einen Zuschuss. In die GKV kann nur wechseln, wer aufgrund einer früheren Anstellung Arbeitslosengeld I bezieht.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Max Mergenbaum

Stand: 20. Dezember 2018


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