Krankenversicherungspflicht

Weshalb sich jeder krankenversichern muss

Julia Rieder
& Co-Autoren
Stand: 24. Januar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Arbeitnehmer, die im Jahr weniger als 62.550 Euro brutto verdienen (Stand: 2020), müssen in eine gesetzliche Krankenkasse. Diese Gehaltsgrenze steigt jedes Jahr.
  • Verdienen Sie mehr oder sind aus einem anderen Grund nicht pflichtversichert, müssen Sie sich freiwillig gesetzlich versichern oder in die private Krankenversicherung. Letzteres gilt etwa für Selbstständige und Beamte.
  • In einigen Fällen können Sie sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen und in die private Krankenversicherung gehen, obwohl Sie wenig verdienen. Diese Entscheidung lässt sich nicht immer rückgängig machen und sollte gut überlegt sein. 
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, welches System für Sie am besten geeignet ist. Eine Entscheidungshilfe finden Sie in unserem Ratgeber Gesetzliche oder private Krankenversicherung?
  • Vergleichen Sie Preis und Leistungen, um die passende gesetzliche oder private Krankenversicherung zu finden.
  • Die umfassendsten Zusatzleistungen aller gesetzlichen Krankenkassen in unserem Vergleich im Jahr 2020 boten IKK Classic und HEK.

In Deutschland muss jeder eine Krankenversicherung haben. Je nachdem, welche Voraussetzungen Sie erfüllen, sind Sie pflichtversichert in einer gesetzlichen Krankenkasse, müssen sich freiwillig gesetzlich versichern oder wählen eine private Krankenversicherung. Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse können ihre Kinder und Ehegatten oder Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in vielen Fällen kostenfrei mitversichern. 

Wer muss sich gesetzlich krankenversichern?

Pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung sind grundsätzlich alle Arbeitnehmer, deren Bruttolohn die aktuell geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) nicht übersteigt. Für das Jahr 2020 beträgt diese 62.550 Euro oder 5.212,50 Euro pro Monat. Dazu zählen neben dem laufenden monatlichen Gehalt auch regelmäßige jährliche Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Diese Gehaltsgrenze hebt der Gesetzgeber regelmäßig zum Jahreswechsel an. Fällt das regelmäßige Einkommen eines Arbeitnehmers dadurch unter die Grenze, wird er oder sie krankenversicherungspflichtig. Keine Auswirkungen auf die Versicherungspflicht hat es, wenn das Einkommen aufgrund von Kurzarbeit oder einer Wiedereingliederung nur vorübergehend unter dieser Grenze liegt. 

Wenn Sie als Privatversicherter unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze fallen, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Auf diesem Wege können Sie in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Allerdings können Sie sich auch von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Geregelt ist die Versicherungspflicht im Sozialgesetzbuch (§ 5 SGB V). Neben Arbeitnehmern sind folgende weitere Personen verpflichtet, sich gesetzlich zu versichern:

  • Auszubildende, Studierende und Praktikanten, die eine in Studien- oder Prüfungsordnungen vorgeschriebene berufspraktische Tätigkeit ohne Arbeitsentgelt verrichten;
  • Rentnerinnen und Rentner, sofern sie lange genug gesetzlich versichert waren; 
  • Bezieher von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld nach dem SGB III sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch Bezieher von Arbeitslosengeld II;
  • land- und forstwirtschaftliche Unternehmer und ihre mitarbeitenden Familienangehörigen in der Landwirtschaft sowie Altenteiler, die ihren Betrieb an die nächste Generation übergeben haben und von dieser zum Beispiel Unterhaltsleistung erhalten; 
  • Künstler und Publizisten;
  • Menschen ohne anderweitigen Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall, die zuletzt gesetzlich krankenversichert waren oder der gesetzlichen Krankenversicherung zuzuordnen sind.

Ausnahmen von der Versicherungspflicht

Nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung sind Menschen, die hauptberuflich selbstständig beziehungsweise freiberuflich erwerbstätig sind sowie Beamte, Richter und Zeitsoldaten. Außerdem endet die Versicherungspflicht aus der gesetzlichen Krankenkasse für Angestellte, wenn ihr Jahresbruttoeinkommen die jeweils geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreitet.

Sobald Sie versicherungspflichtig werden

Werden Sie als Arbeitnehmer versicherungspflichtig, müssen Sie sich innerhalb von zwei Wochen für eine Krankenkasse entscheiden. Nach Ablauf der Frist kann der Arbeitgeber Sie bei einer Krankenkasse seiner Wahl anmelden. 

Jeder kann frei wählen, bei welcher gesetzlichen Krankenkasse er Mitglied wird. Da sich die Krankenkassen im Beitrag und in kleinen Teilen ihrer Leistung unterscheiden, lohnt sich ein Vergleich. 
 

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Krankenversicherung

  • Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen.
  • Von uns empfohlene Anbieter: IKK Classic und HEK

Zum Ratgeber

Wer kann sich freiwillig gesetzlich versichern?

Sind Sie nicht oder nicht mehr versicherungspflichtig, müssen Sie sich entweder freiwillig gesetzlich versichern oder einer privaten Krankenversicherung (PKV) beitreten. Dabei gilt: Niemand, der zuvor in einer gesetzlichen Krankenkasse war, muss diese verlassen. Insbesondere Existenzgründer müssen keineswegs in die PKV eintreten, sondern können und sollten sich in der Regel freiwillig gesetzlich versichern.

Sobald Angestellte, die freiwillig versichert waren, in Rente gehen, sind sie entweder pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner oder müssen sich weiterhin freiwillig versichern. Die Mitgliedschaft in der Krankenversicherung der Rentner hat den Vorteil, dass weniger Beiträge fällig werden.
 

Wer kann sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen?

Auch falls Sie eigentlich versicherungspflichtig sind, müssen Sie nicht immer in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. In einigen Fällen (§ 8 SGB V) können Sie sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen und sich privat versichern. Das gilt zum Beispiel bei folgenden Ereignissen:

  • Nach der Erhöhung der Jahresarbeitsentgeltgrenze durch den Gesetzgeber liegt Ihr Einkommen nun unter der Grenze;
  • Sie werden arbeitslos und waren bis dahin fünf Jahre nicht gesetzlich versichert;
  • Sie sind während der Elternzeit nicht voll erwerbstätig. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten;
  • Sie haben Ihre Arbeitszeit reduziert, um einen Familienangehörigen zu pflegen;
  • Sie verringern Ihre Arbeitszeit auf maximal 50 Prozent, wodurch Ihr regelmäßiges Einkommen das erste Mal seit mindestens fünf Jahren nicht mehr über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt;
  • Sie gehen in Rente und werden versicherungspflichtig in der Krankenversicherung der Rentner;
  • Sie machen eine von der Rentenversicherung geförderte Umschulung oder Weiterbildung;
  • Sie beginnen ein Studium oder absolvieren eine berufspraktische Tätigkeit wie ein Praktikum;
  • Sie sind Arzt und absolvieren ein entsprechendes Praktikum; 
  • Sie haben eine Behinderung und arbeiten in einer Einrichtung für behinderte Menschen.

Überlegen Sie genau

Haben Sie sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen, ist das nicht ohne Weiteres umkehrbar. Sie sollten sich daher gut überlegen, ob dies für Sie sinnvoll ist. 

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts von 2011 (Az. B 12 KR 9/09 R) wirkt die Befreiung so lange, wie die Beschäftigung ausgeübt wird, für die ein Arbeitnehmer sich befreien lassen hat. Erst wenn die Krankenversicherungspflicht wegen eines anderen Grundes wieder eintritt, ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung möglich. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein befreiter Arbeitnehmer für mindestens einen Monat arbeitslos wird. Er oder sie kann dann auch in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, wenn das Einkommen wieder über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt.

Automatisch wieder versicherungspflichtig werden Personen, die während der Elternzeit nicht voll erwerbstätig sind oder ihre Arbeitszeit reduzieren, um einen Angehörigen zu pflegen. Studenten haben nach dem Studium erneut die Wahl, ob sie sich privat oder gesetzlich versichern möchten. Ausnahme: Wer als Student privat versichert war und sich nach dem Studium selbstständig macht, kann nicht in die Gesetzliche wechseln. 

Rentner, die sich von der Versicherungspflicht befreien lassen, können für den Rest ihres Lebens nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. 

Bevor Sie gegen die Pflichtversicherung und für eine private Krankenversicherung entscheiden, sollten Sie sich eine wichtige Frage stellen: Werde ich mir die Beiträge der privaten Krankenversicherung im Alter noch leisten können?

Für junge Versicherte sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) zwar oft günstiger als in der gesetzlichen. Allerdings bleibt das nicht lange so: Je älter Sie werden, desto teurer wird Ihr Beitrag. Das liegt daran, dass Sie in der PKV für Ihr individuelles Risiko zahlen, während die GKV als Solidarsystem organisiert ist. So zahlen gesetzlich Versicherte in jungen Jahren vergleichsweise viel, während sie im Alter relativ niedrige Beiträge haben.

Was Sie außerdem vor der Entscheidung für eine private Krankenversicherung beachten sollten, lesen Sie in unserer Checkliste zum Wechsel in die PKV.

Wie lasse ich mich von der Krankenversicherungspflicht befreien?

Sie müssen einen Antrag bei einer gesetzlichen Krankenkasse stellen, um sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen. Den Antrag können Sie bei den Kassen meist online oder telefonisch anfordern. 

Wenn Sie den Antrag bereits vor Beginn der Versicherungspflicht stellen, können Sie dies bei jeder beliebigen Krankenkasse tun. Bedenken Sie allerdings, dass Sie auch bei dieser versichert werden, falls die Kasse den Antrag ablehnt. Sind Sie bereits gesetzlich versichert, ist Ihre bisherige Krankenkasse der richtige Ansprechpartner.

Der Antrag muss zwingend innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht eingehen. So gilt zum Beispiel für einen bisher privat versicherten Arbeitnehmer, dessen Einkommen im Jahr 2020 aufgrund einer Erhöhung der Jahresentgeltgrenze unter dieser Grenze liegt: Er oder sie muss den Antrag bis spätestens 31. März 2020 stellen, weil die Versicherungspflicht zum 1. Januar 2020 eingetreten ist. 

Der Antrag wird nur genehmigt, sofern Sie nachweisen, dass sie anderweitig abgesichert sind. Das ist der Fall, wenn Sie sich privat versichern oder Anspruch auf Beihilfe beziehungsweise freie Heilfürsorge haben.

Sofern Sie noch keine Leistungen der gesetzlichen Kasse in Anspruch genommen haben, gilt die Befreiung ab dem Tag, an dem Sie versicherungspflichtig geworden sind. Ansonsten erst ab dem Monat, nachdem Sie den Antrag gestellt haben.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autoren
Nicolas Heronymus , Annika Krempel

Stand: 24. Januar 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.