Keine Krankenversicherung

So bekommen Sie wieder eine Krankenversicherung

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 13. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder, der in Deutschland lebt, muss sich krankenversichern.
  • Haben Sie noch keine Krankenversicherung, gilt: Ehemals gesetzlich Versicherte wenden sich an ihre letzte Krankenkasse. Zuletzt Privatversicherte müssen sich wieder privat versichern.
  • Die zuständige Versicherung ist verpflichtet, Sie wieder aufzunehmen – unabhängig von Ihrer Gesundheit.
  • Ausstehende Beträge müssen Sie allerdings zum Teil nachzahlen.
So gehen Sie vor
  • Je länger Sie warten, desto teurer wird es. Warten Sie nicht ab, sondern kümmern Sie sich sofort um Ihre Krankenversicherung.
  • Beantragen Sie bei Ihrer Krankenversicherung einen Nachlass auf nachzuzahlende Beiträge und fällige Säumniszuschläge.
  • Falls Sie alleine nicht weiterkommen, lassen Sie sich beraten, etwa bei einer Verbraucherzentrale.

In Deutschland besteht eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Dennoch hatten 2015 laut Statistischem Bundesamt rund 80.000 Menschen keine Krankenversicherung.

Wenn Sie nicht krankenversichert sind, sollten Sie das Problem rasch angehen. Ein Grund dafür: In der Zeit ohne Krankenversicherungsschutz laufen Beitragsschulden auf, die Sie zumindest teilweise nachzahlen müssen.

Welche Krankenversicherung ist zuständig?

Ob Sie in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder in die private Krankenversicherung (PKV) müssen, hängt davon ab, wo Sie zuletzt versichert waren: Wer früher gesetzlich versichert war, muss wieder in eine gesetzliche Krankenkasse. Ehemalige Privatpatienten müssen sich erneut privat versichern.

Wer noch nie krankenversichert war, wird abhängig vom Beruf einem der beiden Systeme zugeordnet: So müssen Selbstständige, Freiberufler und Beamte zu einem privaten Krankenversicherer, Angestellte und alle anderen versichern sich gesetzlich. Bei Berufstätigen mit mehreren Jobs zählt der Hauptjob, der den Großteil des Einkommens bringt und die meiste Arbeitszeit beansprucht.

Im Zweifel sollten Sie sich zunächst an die gesetzliche Krankenversicherung wenden. Die verweist Betroffene dann an die private, sofern sie diese nicht aufnehmen kann.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse

Waren Sie zuletzt gesetzlich versichert, wenden Sie sich an die Krankenkasse, bei der Sie zuletzt Mitglied waren (§ 174 Abs. 5 SGB V). Diese muss Sie wieder aufnehmen, unabhängig von Ihrem Gesundheitszustand. Nur falls Sie noch niemals krankenversichert waren, aber in die GKV gehören, können Sie grundsätzlich aus allen offenen Kassen wählen.

Mit einer Gesetzesänderung im Jahr 2019 hat die Bundesregierung die Mindestbeiträge für freiwillig gesetzlich Versicherte gesenkt. Liegt Ihr Einkommen niedriger als 1061 Euro im Monat, zahlen Sie für die Krankenversicherung monatlich rund 149 Euro plus den Zusatzbeitrag Ihrer Kasse (Stand: 2020).

Wiederaufnahme in einen Privattarif

Als ehemals Privatversicherter haben Sie grundsätzlich die Wahl zwischen allen PKV-Anbietern. Jeder private Krankenversicherer ist verpflichtet, Menschen ohne Versicherungsschutz in den sogenannten Basistarif aufzunehmen. Dessen Leistungen entsprechen in etwa denen der gesetzlichen Krankenkasse. Versicherer können zwar nach der Gesundheit des Antragsstellers fragen, dürfen aber keine Preisaufschläge verlangen oder jemanden wegen einer Erkrankung ablehnen (OLG Köln, Urteil vom 2. November 2012, Az. 20 U 151/12). Wechseln Sie später vom Basistarif in einen regulären Tarif, kann das Unternehmen allerdings einen Risikozuschlag erheben.

Der Beitrag für den Basistarif darf den gesetzlichen Höchstbeitrag in der GKV plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag nicht überschreiten. Dieser liegt bei rund 736 Euro monatlich (Stand: 2020). Wer hilfsbedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuchs (§ 9 SGB II oder § 27 SGB XII) ist, also Hartz IV oder Sozialhilfe erhält, zahlt nur die Hälfte des Beitrags. Ist auch das zu teuer, bekommt der Versicherte noch einen Zuschuss vom Jobcenter oder dem zuständigen Sozialamt.

Alternativ können Sie versuchen, in einen regulären offenen Tarif einzutreten. Das ist allerdings in der Regel nur bei relativ guter Gesundheit möglich und erschwinglich.

Wie viel müssen gesetzlich Versicherte nachzahlen?

Wer nicht krankenversichert ist, muss bei der Rückkehr in die Krankenversicherung einen Teil der nicht gezahlten Beiträge nachzahlen – und zwar ab dem Tag, an dem eigentlich Versicherungspflicht bestanden hätte. Bei Menschen, die sich gesetzlich versichern müssen, ist dies frühestens der 1. April 2007. Wer erst später nicht mehr versichert war, für den ist der erste Tag ohne Krankenversicherung maßgeblich.

Die ausstehenden Zahlungen können sich schnell zu einem hohen Betrag summieren. Die Krankenversicherungen können jedoch einen erheblichen Nachlass gewähren.

Grundlage dafür ist das Beitragsschuldengesetz von 2013. Die konkrete Umsetzung hat der GKV-Spitzenverband für alle gesetzlich Versicherten einheitlich geregelt: Wer nicht krankenversichert war und sich bis zum 31. Dezember 2013 bei einer Krankenkasse gemeldet hatte, bekam seine Beitragsschuld ganz erlassen.

Seither erhalten säumige Beitragszahler zwar keinen vollen Erlass der nachzuzahlenden Beiträge mehr, aber immerhin noch eine deutliche Ermäßigung. Von der Beitragsermäßigung profitieren allerdings nur Pflichtversicherte.

Für die Berechnung der ermäßigten Nachzahlungen wird ein fiktives Einkommen angenommen. Es liegt bei 10 Prozent der sogenannten monatlichen Bezugsgröße. Dieser wichtige Richtwert in der Sozialversicherung ändert sich jedes Jahr. Pro Monat ohne Versicherung müssen Sie für das Jahr 2020 nur 50 Euro für die Krankenversicherung und ungefähr 10 Euro für die Pflegeversicherung nachzahlen. Säumniszuschläge müssen Sie zusätzlich nicht zahlen.

Voraussetzung für diese Ermäßigung ist jedoch, dass Sie in der versicherungslosen Zeit keine Leistungen beansprucht haben. War dies doch der Fall, müssen Sie darauf verzichten, dass Ihnen die Kasse die Behandlungskosten nachträglich erstattet. Die Ermäßigung gibt es außerdem nur, wenn Sie mehr als drei Monate keine Versicherung hatten.

Ehemals freiwillig gesetzlich Versicherte bekommen diese Beitragsermäßigung nicht. Sie profitieren nur davon, dass 2013 die Säumniszuschläge von 5 Prozent auf 1 Prozent gesenkt wurden. Um diese Ermäßigung rückwirkend auch für noch nicht gezahlte Beiträge zu beantragen, reicht ein formloses Schreiben an die Krankenkasse.

Wichtig zu wissen: Beitragsschulden bei der gesetzlichen Krankenversicherung verjähren nach vier Jahren (§ 25 Abs. 1 SGB IV). Das bedeutet, auch wenn Sie lange nicht krankenversichert waren, kann die Krankenkasse nur die Beiträge für das laufende Kalenderjahr sowie die vergangenen vier Jahr nachfordern.

Wie viel müssen Privatversicherte nachzahlen?

Ehemals Privatversicherte müssen einen Beitragszuschlag zahlen für die Zeit ohne Krankenversicherung. Der Stichtag, mit dem die Krankenversicherungspflicht begann, ist für sie frühstens der 1. Januar 2009. Für den zweiten bis sechsten Monat ohne Versicherung beträgt der Zuschlag jeweils einen vollen Monatsbeitrag. Ab dem sechsten Monat wird der Zuschlag auf ein Sechstel des Monatsbeitrags reduziert (§ 193 Abs. 4 VVG). Wer also beispielsweise elf Monate nicht versichert war, muss in der Summe fünf Monatsbeiträge zusätzlich zum laufenden Beitrag nachzahlen.

Durch den Zuschlag kommen schnell hohe Schulden zusammen. Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer deshalb über eine Ratenzahlung oder einen Schuldenerlass. Es kann auch sinnvoll sein, mit mehreren Versicherern parallel Kontakt aufzunehmen, um eine bessere Verhandlungsposition zu haben.

Wo gibt es Unterstützung?

Warten Sie nicht, bis Sie krank werden, bevor Sie sich um eine Krankenversicherung kümmern. Zwar können Sie darauf vertrauen, dass Sie in akuten Notfällen ärztlich versorgt werden. Allerdings sind Sie dann nicht für wichtige weitergehende Behandlungen versichert. Hinzu kommt: Mit angeschlagener Gesundheit ist es noch schwieriger, die Wiederaufnahme in eine Krankenversicherung zu organisieren.

Holen Sie sich Unterstützung für Ihren Weg zurück in eine Krankenversicherung. Die Unabhängige Patientenberatung gibt kostenlos Auskunft zu grundsätzlichen Fragen rund die Krankenversicherung. Auch bei den Verbraucherzentralen können Sie sich beraten lassen, teils schon gegen eine Gebühr von 5 Euro. Für Bezieher von Arbeitslosengeld II, Grundsicherung und Sozialhilfe ist die telefonische Beratung bei der Verbraucherzentrale Hamburg kostenlos.

Darüber hinaus bieten regional viele Vereine und kirchliche Einrichtungen wie die Diakonie oder Caritas Hilfe an. In Berlin berät beispielsweise die „Clearingstelle für Menschen ohne Krankenversicherung“ Nichtversicherte dazu, wie sie sich wieder regulär versichern können.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Max Mergenbaum

Stand: 13. Dezember 2019


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