Kran­ken­ver­si­che­rung in der Elternzeit

Kostenlos versichert in der Elternzeit

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
22. Dezember 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Bist Du in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung pflicht- oder familienversichert, zahlst Du während der Elternzeit keine Beiträge.
  • Freiwillig gesetzlich Versicherte müssen in der Elternzeit hingegen zahlen.
  • In der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung musst Du Deine Beiträge in der Elternzeit komplett selbst zahlen. Der Ar­beit­ge­ber­zu­schuss entfällt.
So gehst Du vor
  • Informiere Deine Kran­ken­kas­se über die geplante Elternzeit.
  • Sind Du und Dein Partner privat krankenversichert, solltest Du prüfen, ob Du Anspruch auf einen Zuschuss vom Arbeitgeber Deines Partners hast.
  • Falls Ihr privat versichert seid und während der Elternzeit in Teilzeit arbeitet, könnt Ihr in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung wechseln.

Der Rechtsanspruch auf Elternzeit erleichtert vielen Müttern und Vätern den Entschluss, nach der Geburt des Kindes eine Auszeit vom Beruf zu nehmen. Doch wer für die Familie vorübergehend daheim bleibt, sollte sich auch Gedanken um den Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz machen.

Ob Du gesetzlich oder privat krankenversichert bist, ist entscheidend für die Frage, wie viel Du für Deine Kran­ken­ver­si­che­rung zahlen musst während der Elternzeit.

Wer ist kostenlos versichert in der Elternzeit?

Pflichtmitglieder der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) müssen während der Elternzeit keine Beiträge zahlen, sofern sie kein Einkommen haben. Die Beitragsfreiheit gilt jedoch nur für das Elterngeld selbst und nicht für andere Einnahmen, die sie möglicherweise darüber hinaus erzielen. Falls Du also während der Elternzeit in Teilzeit arbeitest, zahlst Du gemeinsam mit Deinem Arbeitgeber Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung auf das Gehalt für die Teilzeitstelle.

Falls Du familienversichert bist, musst Du auch in der Elternzeit keine Beiträge zahlen. Pflichtversicherte Studenten zahlen hingegen weiter den Beitrag zur Kran­ken­ver­si­che­rung der Studenten.

Was zahlen freiwillig Versicherte in der Elternzeit?

Auch freiwillig gesetzlich Versicherte bleiben während des Bezugs von Elterngeld oder während der Elternzeit in der gesetzlichen Versicherung. Allerdings musst Du als freiwilliges GKV-Mitglied in dieser Zeit grundsätzlich weiterhin Beiträge zahlen. Dafür ist Dein Elterngeldanspruch oft etwas höher. Denn bei Pflichtversicherten zieht der Staat eine Pauschale für die Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ab, bevor er das Elterngeld auszahlt. Bei freiwillig Versicherten tut er das nicht.

Falls Dein Ehepartner gesetzlich krankenversichert ist und Du Anspruch auf Familienversicherung hättest, kannst Du die freiwillige Mitgliedschaft während der Elternzeit jedoch beitragsfrei weiterführen. Als freiwillig versicherter Selbstständiger hast Du zwar keinen Anspruch auf Elternzeit. Du kannst Dich aber unter Umständen familienversichern, wenn Deine selbstständige Tätigkeit wegen einer beruflichen Auszeit ruht und Du nichts verdienst.

Sofern Du keinen Anspruch auf Familienversicherung hast, etwa weil Du ledig bist, zahlst Du für die Kran­ken­ver­si­che­rung im Jahr 2021 in der Regel den Mindestbeitrag von rund 160 Euro im Monat plus dem Zusatzbeitrag Deiner jeweiligen Kran­ken­kas­se. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Du im Monat weniger als 1.096,67 Euro (Stand: 2021) einnimmst.

Ist Dein Ehegatte oder Lebenspartner privat versichert, kann es sein, dass sein Einkommen anteilig bei der Berechnung Eurer Beiträge berücksichtigt wird. Das Elterngeld zählt hingegen nicht zu den beitragspflichtigen Einnahmen.

Wie teuer wird es für Privatversicherte?

Bei privat krankenversicherten Arbeitnehmern entfällt in der Elternzeit der Beitragszuschuss des Arbeitgebers. Mütter und Väter müssen in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) daher ihre Versicherungsprämie in der Elternzeit komplett selbst tragen. Die Versicherungskosten können sich dadurch schlimmstenfalls verdoppeln.

Allerdings zahlt der Arbeitgeber Deines Partners einen höheren Zuschuss, sofern dieser den maximalen Zuschuss für seinen Beitrag noch nicht voll ausgeschöpft hat. Denn auch Familienmitglieder haben ein Recht auf den Ar­beit­ge­ber­zu­schuss.

Als Ausgleich für die höheren Versicherungskosten bekommen privat Versicherte in der Regel ein etwas höheres Elterngeld. Grund dafür ist, dass der Staat bei gesetzlich Pflichtversicherten bei der Berechnung des Elterngeldes eine Pauschale abzieht für die Beiträge zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Diese Pauschale liegt bei 9 Prozent des Einkommens. Für Privatversicherte gilt das nicht, deshalb ist ihr Anspruch auf Elterngeld entsprechend höher.

Falls Du privat versichert bist und während der Elternzeit in Teilzeit arbeitest, hast Du unter Umständen die Möglichkeit, in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung zurückzukehren. Verdienst Du mit der Teilzeittätigkeit mehr als 450 Euro im Monat, aber weniger als die Jahresarbeitsentgeltgrenze, wirst Du versicherungspflichtig in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung. Willst Du stattdessen in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung bleiben, kannst Du Dich von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Was ist die richtige Kran­ken­ver­si­che­rung für mein Kind?

Wenn beide Elternteile gesetzlich krankenversichert sind, können sie ihr Kind einfach bei der gesetzlichen Kran­ken­kas­se kostenfrei familienversichern. Sind dagegen beide Elternteile privat versichert, müssen sie auch ihre Kinder privat versichern.

Ist ein Elternteil gesetzlich versichert und der andere privat, dann richtet sich der Versicherungsstatus des Kindes danach, wie der Hauptverdiener der Familie versichert ist. Ist beispielsweise die Mutter in der PKV, ihr Einkommen übersteigt die Jahresentgeltgrenze und sie verdient regelmäßig mehr als der Vater, kann das Kind nicht in die gesetzliche Kran­ken­kas­se des Vaters. Die Eltern müssen dann für das Kind einen eigenen Vertrag in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung abschließen.

Ist hingegen der gesetzlich krankenversicherte Vater der Hauptverdiener, kann die Familie das Kind kostenfrei in seiner gesetzlichen Kran­ken­kas­se mitversichern.

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