Krankenversicherung in der Elternzeit

Für Privatversicherte entfällt der Arbeitgeberzuschuss

Julia Rieder Stand: 31. Januar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung pflicht- oder familienversichert ist, muss während der Elternzeit keine Krankenkassenbeiträge zahlen.
  • Freiwillig gesetzlich Versicherte zahlen nichts, wenn sie in die Familienversicherung des Ehe- oder Lebenspartners wechseln könnten. Ledige müssen hingegen ihre Beiträge auch in der Elternzeit weiter zahlen.
  • Für Privatversicherte entfällt der Arbeitgeberzuschuss. Sie müssen ihre Krankenversicherung in der Elternzeit komplett selbst zahlen.
  • Die Krankenversicherung der Kinder richtet sich nach den Eltern. Sind beide Elternteile privat krankenversichert, müssen sie auch ihr Kind privat versichern.
So gehen Sie vor
  • Informieren Sie Ihre Krankenkasse über die geplante Elternzeit.
  • Sind Sie und Ihr Partner privat krankenversichert, sollten Sie prüfen, ob Sie Anspruch auf einen Zuschuss vom Arbeitgeber Ihres Partners haben.
  • Falls Sie privat versichert sind und während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten, können Sie in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Der Rechtsanspruch auf Elternzeit erleichtert vielen Müttern und Vätern den Entschluss, nach der Geburt des Kindes eine Auszeit vom Beruf zu nehmen. Doch wer für die Familie vorübergehend daheim bleibt, sollte sich auch Gedanken um den Krankenversicherungsschutz machen. Bis zu drei Jahre Elternzeit stehen jedem Arbeitnehmer für die Kindererziehung zu. In dieser Zeit überweist der Arbeitgeber allerdings kein Gehalt, und auch der Staat zahlt nur ein zeitlich begrenztes Elterngeld. Eine günstige Krankenversicherung ist daher wichtig.

Wer zahlt die Krankenversicherung während der Elternzeit?

Ob Sie gesetzlich oder privat krankenversichert sind, hat keinen Einfluss darauf, ob Sie Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld haben. Es ist aber entscheidend für die Frage, wie viel Sie für Ihre Krankenversicherung zahlen müssen während der Elternzeit.

Sie sind pflichtversichert in einer gesetzlichen Krankenkasse

Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) müssen während der Elternzeit keine Beiträge zahlen, sofern Sie kein Einkommen haben. Die Beitragsfreiheit gilt jedoch nur für das Elterngeld selbst und nicht für andere Einnahmen, die Sie möglicherweise darüber hinaus erzielen. Falls Sie also während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten, zahlen Sie gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die auf das Gehalt für die Teilzeitstelle anfallen.

Falls Sie in der GKV familienversichert sind, müssen Sie auch weiterhin keine Beiträge zahlen. Pflichtversicherte Studenten zahlen weiterhin den Beitrag zur Krankenversicherung der Studenten.

Sie sind freiwillig gesetzlich krankenversichert

Auch für freiwillig gesetzlich Versicherte besteht die Mitgliedschaft in der Krankenkasse während des Bezugs von Elterngeld oder während der Elternzeit fort. Allerdings müssen Sie als freiwilliges GKV-Mitglied in dieser Zeit grundsätzlich weiterhin Beiträge zahlen.

Falls Ihr Ehepartner gesetzlich krankenversichert ist und Sie Anspruch auf Familienversicherung hätten, können Sie die freiwillige Mitgliedschaft während der Elternzeit jedoch beitragsfrei weiterführen. Als freiwillig versicherter Selbstständiger haben Sie zwar keinen Anspruch auf Elternzeit. Sie können sich aber unter Umständen familienversichern, wenn Ihre selbstständige Tätigkeit wegen einer beruflichen Auszeit ruht und Sie nichts verdienen.

Sofern Sie keinen Anspruch auf Familienversicherung haben, etwa weil Sie ledig sind, zahlen Sie in der Regel den Mindestbeitrag von derzeit rund 145 Euro im Monat (Stand 2019). Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie im Monat weniger als 1.038 Euro einnehmen. Hinzu kommt noch der Zusatzbeitrag, den Ihre jeweilige Krankenversicherung verlangt. Im Durchschnitt liegt er bei 0,9 Prozent, es kommen also noch rund 10 Euro im Monat oben drauf.

Ist Ihr Ehegatte oder Lebenspartner privat versichert, kann es sein, dass sein Einkommen anteilig bei der Berechnung Ihrer Beiträge berücksichtigt wird. Das Elterngeld zählt hingegen nicht zu den beitragspflichtigen Einnahmen.

Sie sind privat krankenversichert

Bei privat krankenversicherten Arbeitnehmern entfällt in der Elternzeit der Beitragszuschuss des Arbeitgebers. Mütter und Väter müssen in der privaten Krankenversicherung (PKV) daher ihre Versicherungsprämie in der Elternzeit komplett selbst tragen. Die Versicherungskosten können sich dadurch schlimmstenfalls verdoppeln.

Allerdings zahlt der Arbeitgeber Ihres Partners einen höheren Zuschuss, sofern dieser den maximalen Zuschuss noch nicht voll ausgeschöpft hat. Denn auch Familienmitglieder haben ein Recht auf den Arbeitgeberzuschuss.

Als Ausgleich für die höheren Versicherungskosten bekommen privat Versicherte in der Regel ein etwas höheres Elterngeld. Grund dafür ist, dass der Staat bei der Berechnung des Elterngeldes keine Pauschale abzieht für die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Diese Pauschale liegt für gesetzlich Versicherte bei 9 Prozent des Einkommens. Bei Privatversicherten setzen die Sozialbehörden damit ein etwas höheres Nettoeinkommen an, entsprechend steigt auch ihr Anspruch auf Elterngeld.

Falls Sie privat versichert sind und während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten, haben Sie unter Umständen die Möglichkeit, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Verdienen Sie mit der Teilzeittätigkeit mehr als 450 Euro im Monat aber weniger als die Jahresarbeitsentgeltgrenze, werden Sie versicherungspflichtig in der GKV. Wollen Sie stattdessen in der privaten Krankenversicherung bleiben, können Sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Wie finde ich die richtige Krankenversicherung für mein Kind?

Wenn beide Elternteile gesetzlich krankenversichert sind, können sie ihr Kind einfach bei der gesetzlichen Krankenkasse kostenfrei familienversichern. Sind dagegen beide Elternteile privat versichert, müssen sie auch ihre Kinder privat versichern.

Bei einer „gemischten Wahl“ der Krankenversicherung richtet sich der Versicherungsstatus des Kindes danach, wie der Hauptverdiener der Familie versichert ist. Ist beispielsweise die Mutter in der PKV, ihr Einkommen übersteigt die Jahresentgeltgrenze und sie verdient regelmäßig mehr als der Vater, kann das Kind nicht in die gesetzliche Krankenkasse des Vaters. Die Eltern müssen dann für das Kind einen eigenen Vertrag in der privaten Krankenversicherung abschließen.

Ist hingegen der gesetzlich krankenversicherte Vater der Hauptverdiener, kann die Familie das Kind kostenfrei in der GKV mitversichern.

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Autor
Julia Rieder

Stand: 31. Januar 2019


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