Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld

Mit Kurzarbeit durch die Corona-Krise

Dr. Britta Beate Schön Stand: 17. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • In Kurzarbeit musst Du weniger oder gar nicht arbeiten, bist finanziell aber durch das Kurzarbeitergeld abgesichert. 
  • Je länger die Kurzarbeit dauert, desto mehr Geld bekommst Du: erst 60 Prozent, ab dem vierten Monat 70 Prozent und ab dem siebten Monat gibt es 80 Prozent vom ausgefallenen Lohn. Dein Arbeitgeber zahlt jeweils 7 Prozent mehr, falls Du ein Kind hast. 
  • Kurzarbeitergeld ist nur zur Überbrückung gedacht. Es wird normalerweise höchstens zwölf Monate gezahlt, in der Corona-Krise nun aber bis zu 24 Monate, längstens bis zum 31. Dezember 2021.
So gehst Du vor
  • Kontrolliere Deine Lohnabrechnung während der Kurzarbeit genau, damit Du auch das Geld bekommst, das Dir zusteht (Kinder, Urlaub, Erhöhung ab dem 4. und 7. Monat).
  • Falls Dein Chef Deine Urlaubstage wegen der Kurzarbeit kürzt, solltest Du Dich dagegen wehren.
  • Kommst Du mit dem Kurzarbeitergeld nicht aus, können Wohngeld oder Kinderzuschlag helfen, oder Du suchst Dir einen Nebenjob, mit dem Du die Gehaltslücke auffüllst.

Während der Corona-Pandemie mussten einige Firmen vorübergehend den Betrieb einstellen, Aufträge sind weggebrochen, Baustellen waren leer und Bänder standen still. Im August 2020 waren in Deutschland noch 4,6 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Bist Du auch davon betroffen? Wir geben Dir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist Kurzarbeit?

In Notfällen wie der Finanzkrise oder der Corona-Pandemie greift der Staat mit der Bundesagentur für Arbeit bedürftigen Unternehmen wirtschaftlich unter die Arme, damit diese während einer vorübergehenden Krise ihre Mitarbeiter nicht entlassen müssen. Statt zu kündigen kann Dich Dein Arbeitgeber in Kurzarbeit schicken. Das bedeutet: Du arbeitest weniger als sonst, bei „Kurzarbeit Null“ sogar gar nicht mehr, ohne arbeitslos zu sein.

Finanziell bist Du als Arbeitnehmer durch das Kurzarbeitergeld abgesichert, das ungefähr dem Arbeitslosengeld entspricht. Du musst dafür nichts beantragen. Das erledigt Dein Arbeitgeber für Dich. Der wiederum bekommt seine Zahlungen von der Arbeitsagentur erstattet, wenn er mindestens 10 Prozent der Belegschaft nicht voll beschäftigen kann. Auch die Sozialversicherungsbeiträge erstattet die Bundesagentur für Arbeit Deinem Arbeitgeber. Ist die Krise vorbei, startest Du wieder mit Deiner Arbeit, wie es in Deinem Arbeitsvertrag steht.

Vereinbarung mit dem Arbeitgeber notwendig

Durch den Arbeitsvertrag hast Du Dich mit Deinem Arbeitgeber darauf geeinigt, wie viele Stunden Du in der Woche arbeitest und was Du verdienst. Dein Chef kann deshalb nicht einfach anordnen, dass Du weniger arbeitest oder ganz zuhause bleibst und entsprechend weniger Geld bekommst. Kurzarbeit funktioniert deshalb nur, wenn Du als Arbeitnehmer zustimmst.

In einigen Arbeitsverträgen gibt es dazu besondere Klauseln. Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag haben sich viele Arbeitnehmer schon vorab mit Kurzarbeit einverstanden erklärt, falls sie in einer Krise notwendig wird. Es kann aber auch eine Betriebsvereinbarung dazu geben oder Dein Chef informiert Dich über die Verkürzung der Arbeitszeit anlässlich von Corona. Oft wird Dir nichts anderes übrigbleiben, als das zu akzeptieren. Falls Du der Kurzarbeit widersprichst, riskierst Du eine betriebsbedingte Kündigung.

Kurzarbeit und Minijob

Für Minijobber gibt es kein Kurzarbeitergeld. Arbeitgeber können die Leistung nur für die Arbeitnehmer beantragen, die auch Beiträge in die Arbeitslosenversicherung zahlen. Geringfügig Beschäftigte oder 450-Euro-Minijobber zahlen nicht ein.

Hast Du einen Minijob und stellt Dich Dein Arbeitgeber frei, dann muss er Dein Gehalt weiterzahlen. Steht in Deinem Vertrag nicht, wie viele Stunden Du im Monat arbeiten musst, dann wirst Du so behandelt, als hättet ihr 20 Stunden vereinbart – und die muss Dein Arbeitgeber auch bezahlen. Er kann Dich auch kündigen. Dann muss er aber bis zum Ablauf der Kündigungsfrist Deinen Lohn weiterzahlen, auch wenn Du wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht arbeiten konntest.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Wer in Kurzarbeit ist, bekommt Kurzarbeitergeld. Wieviel genau, hängt davon ab, ob Du Kinder hast und wie lange Du schon in Kurzarbeit bist. Mitarbeiter mit Kindern erhalten rund 67 Prozent vom letzten Nettolohn, falls sie in Kurzarbeit Null sind. Diejenigen, die reduziert arbeiten, erhalten ihren Teilzeitlohn – auch Kurzarbeiterlohn genannt. Für den finanziellen Ausgleich zum Vollzeitlohn gibt es 67 Prozent als Kurzarbeitergeld. Wer keine Kinder hat, bekommt 60 Prozent.

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin mit Kind erhält normalerweise netto 2.400 Euro. In der Corona-Krise kann sie nur noch 50 Prozent arbeiten. Für die geleisteten Stunden zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des vereinbarten Gehalts, also nur noch 1.200 Euro. Als Kurzarbeitergeld bekommt sie in den ersten drei Monaten 67 Prozent von 1.200 Euro, also 804 Euro. Insgesamt bekommt sie somit 2.004 Euro, arbeitet aber nur die Hälfte der Zeit.

Ab dem vierten Monat der Kurzarbeit gibt es in der Corona-Pandemie mehr Geld. Du bekommst dann 77 Prozent des ausgefallenen Lohns, wenn Du Kinder hast, ansonsten 70 Prozent. Ab dem siebten Monat sind es sogar 87 Prozent beziehungsweise 80 Prozent für Kinderlose. Voraussetzung für die Erhöhungen: Du arbeitest während der Kurzarbeit weniger als die Hälfte Deiner üblichen Stunden. Die folgende Tabelle gilt für alle, die bis März 2021 in Kurzarbeit geschickt werden.

Höhe des Kurzarbeitergelds bis zum 31. Dezember 2021

Dauer der Kurzarbeitmit Kindernohne Kinder
1. bis 3. Monat67 % der Nettodifferenz60 % der Nettodifferenz
4. bis 6. Monat77 % der Nettodifferenz70 % der Nettodifferenz
ab dem 7. Monat87 % der Nettodifferenz80 % der Nettodifferenz

Quelle: §§ 105, 421c Abs. 2 SGB III

Das Kurzarbeitergeld ist wie das Arbeitslosengeld gedeckelt. Dein Gehalt wird für die Berechnung nur bis zur aktuellen Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung berücksichtigt. Das bedeutet, Dein Arbeitgeber berechnet Dein Kurzarbeitergeld mit einem Verdienst von 6.900 Euro im Westen oder 6.450 Euro im Osten, selbst wenn Dein Einkommen höher liegt.

Steuerklasse und Kinderfreibeträge und Kurzarbeitergeld

Welche Steuerklasse bei der Berechnung des Kurzarbeitergelds berücksichtigt wird, hängt von den Eintragungen auf Deiner elektronischen Lohnsteuerkarte ab. Änderst Du die Steuerklasse, muss Dein Arbeitgeber das bei der Abrechnung des darauffolgenden Monats berücksichtigen.

In dieser Tabelle 1 der Bundesagentur für Arbeit kannst Du anhand der Steuerklassen ablesen, wie hoch Dein reguläres Kurzarbeitergeld in den ersten drei Monaten ausfällt. Die erhöhten Zahlbeträge ab dem vierten Monat kannst Du in Tabelle 2 ablesen.

Achtung: Falls Du Kinder hast und in Steuerklasse V bist, musst Du selbst aktiv werden. Auf Deiner Lohnsteuerkarte fehlt nämlich der Kinderfreibetrag, der steht bei Deinem Ehepartner mit Lohnsteuerklasse III. Teile Deinem Chef mit, dass Du Anspruch auf das höhere Kurzarbeitergeld hast. Dazu schickst Du ihm am besten eine Kopie der Lohnsteuerkarte Deines Ehepartners.

Laut Bundesagentur für Arbeit müssen weder Du noch Dein Chef derzeit eine gesonderte Bescheinigung bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dein Chef muss nur die Nachweise aufbewahren für eine spätere Prüfung.

Arbeitgeberzuschuss zum Kurzarbeitergeld

Einige Arbeitgeber stocken das Kurzarbeitergeld freiwillig auf, weil sie die finanziellen Folgen von Corona für ihre Mitarbeiter abmildern wollen. Solche Zuschüsse sind in manchen Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen sogar festgeschrieben.
Bekommst Du als Arbeitnehmer einen Arbeitgeberzuschuss, so ist dieser beitrags- und steuerfrei, sofern er zusammen mit dem Kurzarbeitergeld 80 Prozent Deines ausgefallenen Lohns nicht übersteigt (§ 3 Nr. 28a EstG, § 1 Abs. 1 Nr. 8 SvEV).

Was ist mit Überstunden und Urlaub während der Kurzarbeit?

Kurzarbeitergeld gibt es erst dann, wenn Du Dein Überstundenkonto abgebaut hast. Überstunden während der Kurzarbeit sind grundsätzlich nicht erlaubt, auch wenn das in der Praxis immer wieder vorkommen soll: Die Firma ordnet Kurzarbeit an, bekommt Kurzarbeitergeld und die Mitarbeiter sollen Überstunden machen. Das könnte Subventionsbetrug sein.

Du solltest immer genau aufschreiben, wie viele Stunden Du arbeitest – besonders während der Kurzarbeit, damit Du Dich nicht noch der Beihilfe zum Betrug strafbar machst. Auch die Lohnabrechnung solltest Du kontrollieren. Stehen dort weniger Stunden, als Du tatsächlich gearbeitet hast, solltest Du das mit Deinem Arbeitgeber klären. Er muss die Mehrstunden nachvergüten.

Bevor Du Kurzarbeitergeld bekommst, musst Du Deinen Urlaub aus dem Vorjahr genommen haben. Deinen Jahresurlaub aus diesem Jahr musst Du allerdings nicht aufbrauchen.

Während der Kurzarbeit kannst Du ganz normal Urlaub nehmen. In dieser Zeit bekommst Du Dein übliches Gehalt, genauer: das Durchschnittsgehalt der letzten 13 Wochen vor der Kurzarbeit. Das steht so im Gesetz (§ 11 Abs. 1 Satz 3 BurlG). Du hast also keinen Verdienstausfall, wenn Du in der Kurzarbeit Urlaub nimmst.

Aber: Dein Chef könnte für die Dauer der Kurzarbeit Deinen Urlaubsanspruch kürzen und sich dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs stützen (EuGH, Urteil vom 8. November 2012, Az. C-229/11 C-230/11). Die Gewerkschaften sehen das allerdings anders. Das Bundesurlaubsgesetz erlaube eine Kürzung des Mindesturlaubs gerade nicht. Zudem lasse sich das Urteil der Luxemburger Richter nicht auf die Kurzarbeit wegen Corona übertragen. Klar ist die Rechtslage also nicht. Für Dich bedeutet das: Du solltest Dein Urlaubskonto überprüfen. Falls Dein Arbeitgeber Urlaubstage gekürzt hat, kannst Du Dich dagegen wehren.

Was ist, wenn Du in Kurzarbeit krank wirst?

Wirst Du während der Kurzarbeit krank, gilt wie bei jeder Krankschreibung: Du gehst wie im Arbeitsvertrag vorgesehen zum Arzt und legst Deinem Chef und der Krankenkasse Dein Attest vor. Du bekommst von Deinem Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld weiter. Du hast also keinen Nachteil, aber auch keinen Vorteil, wenn Du krank bist.

Bist Du länger als sechs Wochen wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig, bekommst Du als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse Krankengeld. Das berechnet sich aus dem ungekürzten Arbeitsentgelt, das Du vor Beginn der Kurzarbeit bekommen hast.

Darfst Du zum Kurzarbeitergeld hinzuverdienen?

Hattest Du schon vor Beginn der Kurzarbeit einen Nebenjob, ändert sich nichts. Dieser Nebenverdienst wird nicht auf Dein Kurzarbeitergeld angerechnet. Bist Du in Kurzarbeit und beginnst eine Nebentätigkeit, dann darfst Du nun seit dem 1. Mai 2020 in allen Berufen hinzuverdienen – und zwar bis zur vollen Höhe Deines Monatsgehalts. Diese Regelungen gelten bis zum Ende des Jahres.

Deinen Arbeitgeber musst Du über Deinen Nebenjob informieren und ihm mitteilen, was Du verdienst. Verdienst Du mit dem zusätzlichen Job und dem Kurzarbeitergeld zusammenmehr als Du vor der Kurzarbeit mit Deiner Hauptbeschäftigung verdient hast, wird das auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Neu: Nach dem Beschäftigungssicherungsgesetz sollen im Jahr 2021 alle Nebenverdiensteaußer Minijobs auf das Kurzarbeitergeld angerechnet werden.

Wie lange gibt es Kurzarbeitergeld?

Du kannst eigentlich nur zwölf Monate Kurzarbeitergeld bekommen (§ 104 SGB III). Da die Corona-Pandemie eine besondere Ausnahmesituation ist, hat sich die Große Koalition Ende August 2020 darauf verständigt, die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes zu verlängern. Du kannst wegen Corona jetzt bis zu 24 Monate Kurzarbeitergeld bekommen, längstens bis Ende Dezember 2021.

Dein Chef kann die Kurzarbeit aber auch vorzeitig beenden, wenn sich die Lage wieder entspannt und der Betrieb normal weiterläuft.

Auswirkungen auf das Elterngeld

Verdienst Du zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 wegen der Corona-Pandemie weniger, weil Du in Kurzarbeit bist, entstehen Dir dadurch keine Nachteile bei der Berechnung des Elterngelds. Das Kurzarbeitergeld fließt bei der Berechnung nicht mit ein, diese Monate werden einfach übersprungen. Stattdessen zählt Dein höheres Einkommen aus den Monaten davor (§ 27 Abs. 4 BEEG).

Musst Du Steuern zahlen auf das Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Sollte Dein Arbeitgeber aufgrund eines Tarifvertrags oder freiwillig Dein Kurzarbeitergeld aufstocken, so sind diese Zuschüsse auch weitgehend steuerfrei. Aber als Lohnersatzleistung unterliegt Kurzarbeitergeld ebenso wie die Zuschüsse dem sogenannten Progressionsvorbehalt.

Das bedeutet für Dich: bei der späteren Einkommensteuerveranlagung ermittelt das Finanzamt einen besonderen Einkommensteuersatz. Hierfür rechnet das Amt das Kurzarbeitergeld zu dem ansonsten zu versteuernden Einkommen hinzu. Aus diesem sogenannten fiktiven Einkommen ergibt sich der entsprechende Steuersatz. Dieser Steuersatz wird dann auf das tatsächlich zu versteuernde Einkommen ohne Kurzarbeitergeld angewendet. Dadurch kann es sein, dass Du im nächsten Jahr Einkommensteuer nachzahlen musst.

Darf Dich Dein Arbeitgeber kündigen während der Kurzarbeit?

Während der Kurzarbeit und bis drei Monate danach darf Dein Arbeitgeber nicht betriebsbedingt kündigen. Er kann Dich aber aus anderen Gründen kündigen – zum Beispiel wegen Deines Verhaltens. So ganz einfach ist das aber nicht. Bist Du gekündigt worden, solltest Du Dich unbedingt an einen Rechtsanwalt wenden.

Kurzarbeit und Arbeitslosengeld

Solltest Du nach der Kurzarbeit Deinen Job verlieren, berechnet sich Dein Arbeitslosengeld danach, was Du ohne Kurzarbeit verdient hättest. Bei der Höhe des Arbeitslosengelds hast Du also durch die Kurzarbeit keinen Nachteil. Auch zählen zur Erfüllung der Anwartschaftszeiten Monate in Kurzarbeit wie normale Beschäftigungsmonate.

Wir helfen Dir durch die Corona-Krise!

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 17. September 2020


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