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Liebe Finanztip-Community, ein Gedankenexperiment: Stell Dir vor, jeden Monat verschwinden 200 € von Deinem Gehalt. Nicht weil Du mehr Steuern zahlst oder Deine Miete gestiegen ist. Sondern weil das Geld automatisch in eine Betriebsrente fließt. Zwar zahlt Dein Arbeitgeber einen Teil dazu. Aber Du hast die Geldanlage nicht ausgewählt. Vielleicht fressen hohe Kosten einen Teil der Rendite auf. Vielleicht steckt das Geld überwiegend in sicheren Staatsanleihen, sodass die Inflation die Gewinne größtenteils auffrisst. Und ausgerechnet jetzt steht ein Jobwechsel an. Doch Deinen Vertrag kannst Du nicht einfach mitnehmen. Also bleibt er zurück. Und beim neuen Arbeitgeber beginnt alles wieder von vorn – inklusive Gebühren. Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Aber keine unwahrscheinliche: Die Bundesregierung diskutiert, Beschäftigte künftig automatisch in die betriebliche Altersvorsorge (bAV) einzubeziehen. Auch im Bericht der Rentenkommission an die Koalition, der in diesen Tagen übergeben wird, kommt das Thema vor. Und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat in der ARD gesagt, eine Pflicht zur bAV könnte das Rentensystem stabilisieren. Das würde heißen: Wer noch keine bAV hat und nicht aktiv widerspricht, spart dann automatisch fürs Alter (Opt-Out-Modell). Das kann ein Fortschritt sein. Denn zu viele Menschen sorgen bislang nicht ausreichend fürs Alter vor. Finanztip setzt sich für Dich einRund 17 Mio. Menschen haben heute keine bAV. Wenn sie automatisch in ein Vorsorgesystem gelenkt werden, muss das auch in ihrem Interesse funktionieren. Dann geht es nicht mehr um die freiwillige Entscheidung Einzelner. Dann wird aus einem Vorsorgeprodukt der Standard für viele Millionen Menschen in Deutschland. Damit sich für Dich als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer etwas verbessert, setzen wir uns politisch ein und haben unsere Vorschläge in einem Positionspapier (PDF) an die Regierung formuliert. Unsere Botschaft: Eine automatische Betriebsrente kann sinnvoll sein. Aber sie darf nicht dazu führen, dass Beschäftigte in teure, unflexible oder renditeschwache Produkte gedrängt werden. Wir unterstützen ein Opt-Out-Modell deshalb nur, wenn gleichzeitig die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden: 1. Aktien stärker nutzenWer noch Jahre bis zur Rente hat, sollte die Chance auf höhere Renditen nutzen können. Das Standardprodukt sollte deshalb überwiegend in breit gestreute Aktien-ETFs investieren. Es sollte keinen Zwang zu teuren Garantien geben. 2. Kosten begrenzenHohe Gebühren gehören zu den größten Renditekillern der Altersvorsorge. Deshalb fordern wir eine klare Obergrenze für die Gesamtkosten und deutlich mehr Transparenz. 3. Verträge mitnehmen könnenWer den Arbeitgeber wechselt, sollte seine Altersvorsorge nicht am Werkstor zurücklassen müssen. Beschäftigte sollten ihren Vertrag unkompliziert weiterführen können – unabhängig davon, wo sie arbeiten. Unser Ziel ist ein System, das verständlich ist, wenig kostet und sich an die heutige Arbeitswelt anpasst. Welche konkreten Änderungen wir der Politik empfehlen, liest Du in unserem neuen Positionspapier (PDF). Wir halten Dich natürlich auf dem Laufenden – und werden auf Deine Stimme zählen, wenn sie im weiteren Gang der Gesetzgebung notwendig wird.
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