Fluggastrechte EU

Das sind Ihre Rechte bei Problemen mit der Fluggesellschaft

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Stand: 09. September 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie weniger als 14 Tage vor Abflug erfahren, dass Ihr Flug ausfällt, haben Sie Anspruch auf 125 bis 600 Euro Entschädigung.
  • Auch bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden steht Ihnen eine Ausgleichszahlung von bis zu 600 Euro zu.
  • Ist Ihr Flug überbucht, haben Sie grundsätzlich die gleichen Rechte wie bei einer Flugannullierung.
  • Geht Ihr Gepäck verloren oder wird es beschädigt, haben Sie Anspruch auf Erstattung von derzeit bis zu 1.350 Euro nach dem Montrealer Abkommen.
So gehen Sie vor
  • Ermitteln Sie mit unserem Rechner Ihre Ansprüche. Erstellen Sie mit unserem Tool das passende Musterschreiben und schicken das an die Airline.

Zum Rechner

  • Weigert sich die Fluggesellschaft zu zahlen, können die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) oder die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz vermitteln.
  • Wenn Sie sich selbst nicht mit der Airline herumstreiten wollen und am liebsten das Geld sofort möchten, können Sie Ihre Entschädigungsforderung verkaufen. Dazu empfehlen wir EUFlight. Sie können sich auch an Compensation2go wenden.
  • Als Alternative können Sie einen Inkasso-Dienstleister beauftragen. Wir empfehlen flug-verspaetet.de. Auch geeignet sind SOS Flugverspätung, EUClaim oder Claim Flights.

Ob die Maschine zu spät kommt, überbucht oder ganz ausgefallen ist oder das Gepäck nicht ankommt: Wenn die Reise mit dem Flugzeug nicht glatt läuft, haben Sie Rechte und Ansprüche nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (VO (EG) Nr. 261/2004) sowie nach dem Montrealer Abkommen. Dafür müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein und Sie selbst aktiv werden.

Welche Fluggastrechte stehen Reisenden zu?

Welche Rechte und Ansprüche Ihnen zustehen, regelt die europäische Fluggastrechte-Verordnung 261/2004. Dabei kommt es immer darauf an, was bei Ihnen konkret schiefgelaufen ist. Um sich auf diese Rechte berufen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ihr Flug ist in einem EU-Land gestartet oder
  • Ihr Flug ist in einem EU-Land gelandet und
  • die betroffene Airline hat ihren Sitz in einem Mitgliedsland der Europäischen Union.

Die Regelungen der Verordnung gelten ebenfalls in der SchweizNorwegen und Island. Auch bei Flügen im Rahmen einer Pauschalreise haben Sie Anspruch nach der EU-Verordnung. Machen Sie Ihre Rechte am besten direkt gegenüber der Fluggesellschaft geltend und nicht gegenüber dem Reiseveranstalter. Von dem können Sie eventuell eine Minderung des Reisepreises fordern.

Flugverspätung

Kommt Ihr Flug mehr als drei Stunden zu spät am Ziel an, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro – zumindest dann, wenn die Fluggesellschaft selbst dafür verantwortlich ist. Für die Berechnung der Verspätung gilt: Als Ankunft zählt das Öffnen von mindestens einer Tür, durch die die Passagiere das Flugzeug verlassen können. Das hat der Europäische Gerichtshof im September 2014 entschieden (Az. C-452/13).

Im Fall einer Verspätung muss sich die Airline außerdem um Ihre Verpflegung kümmern, Ihnen zwei Telefonate oder E-Mails ermöglichen und eine Übernachtung zahlen, falls die Maschine erst am nächsten Tag startet. Alles, was Sie dazu wissen müssen und ein entsprechendes Musterschreiben finden Sie in unserem Ratgeber Flugverspätung.

Flugannullierung

Wurde Ihr Flug gestrichen, können Sie sich den Flugpreis erstatten lassen oder auf eine anderweitige Beförderung bestehen. Zusätzlich haben Sie eventuell auch Anspruch auf eine Entschädigung. Was Ihnen genau zusteht und wie Sie es einfordern können, erfahren Sie im Ratgeber Flugausfall.

Nichtbeförderung

Manchmal verkaufen die Airlines mehr Tickets, als es Plätze gibt. Erscheinen zu viele Fluggäste, bietet die Airline meist einen anderen Flug an oder versucht, die Fluggäste davon zu überzeugen, freiwillig von der Buchung zurückzutreten.

Lassen Sie sich auf ein solches Angebot nur ein, wenn der Kompromiss für Sie günstig ist. Sobald Sie das Angebot annehmen, verfallen weitere Ansprüche etwa auf Entschädigung gegen die Fluggesellschaft. Falls Sie lieber mit Ihrem gebuchten Flug reisen wollen, sollten Sie darauf bestehen und der Flugumbuchung nicht zustimmen.

Findet sich bei Überbuchung niemand, der freiwillig auf seinen Platz verzichtet, dann wird eine entsprechende Anzahl an Passagieren umgebucht. Das bedeutet: Die Airline befördert die Passagiere gegen ihren Willen nicht. Bei einer solchen Nichtbeförderung stehen Ihnen dieselben Rechte zu wie bei einer Flugannullierung. Können Sie in der gebuchten Maschine nicht mitfliegen, haben Sie also auf jeden Fall Anspruch auf eine alternative Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Außerdem muss die Airline Sie angemessen betreuen und eventuell eine Ausgleichszahlung leisten.

Beispiel: Ein Fluggast buchte einen Flug von Düsseldorf nach Johannesburg über Paris. Der Flug nach Paris wurde gestrichen. Daraufhin buchte die Airline den Gast eigenmächtig auf einen Flug von Düsseldorf über Amsterdam nach Johannesburg. Die Umbuchung war eine Nichtbeförderung, so dass eine Ausgleichszahlung fällig wurde (AG Düsseldorf, Urteil vom 15. Dezember 2017, Az. 49 C 334/17). 

Ist die gebuchte Beförderungsklasse überbucht und können Sie deshalb zum Beispiel statt in der Premium Economy Class nur in der Economy Class fliegen, so ist das keine Nichtbeförderung im Sinne der Verordnung. Wegen eines sogenannten Downgrading hat ein Fluggast keinen Anspruch auf Ausgleichszahlung (LG Landshut, Urteil vom 4. Mai 2017, Az. 41 O 2511/16).

Aus wichtigen Gründen darf die Airline einem Passagier allerdings die Beförderung verweigern – zum Beispiel, wenn er ein Sicherheitsrisiko darstellt, er starke gesundheitliche Probleme hat oder notwendige Dokumente wie Reisepass oder Visum fehlen.

Die Fluggesellschaft darf die Beförderung aber nicht deshalb verweigern, weil der Passagier am Check-in nicht die Kreditkarte vorlegen kann, mit der er das Ticket bezahlt hat. Das entschied das Landgericht Frankfurt (Main) nach einer Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen gegen die spanische Airline Iberia (Urteil vom 27. Januar 2011, Az. 2-24 O 142/10).

Wann liegen „außergewöhnliche Umstände“ vor?

Haben sogenannte außergewöhnliche Umstände zu Verspätung oder Ausfall geführt, muss die Fluggesellschaft keinen Ausgleich zahlen. Was aber genau solche außergewöhnlichen Umstände sind, ist im Gesetz nicht geregelt und führt häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Passagieren und Fluggesellschaften. Im Zweifel muss über jeden Einzelfall ein Gericht entscheiden.

Extrem schlechtes Wetter ist grundsätzlich ein außergewöhnlicher Umstand, den das Unternehmen nicht verhindern konnte. In diesem Fall muss die Airline zwar ihre Passagiere betreuen und die Weiterreise ermöglichen, aber keine Ausgleichszahlung leisten. Wenn aber das Enteisungsmittel fehlte oder die Maschine nicht angemessen auf den bevorstehenden Winter vorbereitet war, liegt das wiederum in der Verantwortung der Fluggesellschaft und sie muss zahlen.

Ein Streik der Piloten oder der Fluglotsen kann grundsätzlich ein außergewöhnlicher Umstand sein – es kommt aber immer auf den Einzelfall an. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass den Passagieren zum Beispiel ein Anspruch auf Entschädigung zustehen kann, wenn die Passagierkontrollen am Startflughafen bestreikt wurden. Streicht die Airline  den Flug, weil nicht gewährleistet war, dass alle Passagiere den Flug erreichen konnten, reicht das für die Annahme außergewöhnlicher Umstände nicht aus (BGH, Urteil vom 4. September 2018, Az. X ZR 111/17).

Der Europäische Gerichtshof hat in einem Fall mit Tuifly entschieden, dass die Airline sich wegen einer Krankheitswelle der Belegschaft im Herbst 2016 nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen kann (EuGH, Urteil vom 17. April 2018, Az. C-195/17 u.a.)

Falls Sie nicht sicher sind oder die Hintergründe der Verspätung oder Annullierung nicht kennen, fordern Sie einfach eine Ausgleichszahlung. Haben Sie den Eindruck, die Fluggesellschaft versucht sich herausrauszureden, und Sie kommen nicht weiter, sollten Sie den Fall an einen Fluggasthelfer übergeben.

Im Zweifel muss die Airline vor Gericht nachweisen, dass sie die Umstände tatsächlich nicht zu verantworten hatte. Übrigens: Bei einer Überbuchung sind die Gründe ohne Belang. In dieser Situation kann sich die Fluggesellschaft grundsätzlich nicht mit außergewöhnlichen Umständen herausreden.

Entschädigungsrechner und Musterschreiben

Nutzen Sie unseren speziell entwickelten Rechner, um einschätzen zu können, ob Ihnen eine Entschädigung nach der EU-Verordnung für Fluggastrechte zusteht. Nachdem Sie alle Fragen beantwortet haben, erhalten Sie einen Überblick, welche Ansprüche Sie wahrscheinlich haben. Laden Sie sich einfach das PDF-Dokument mit dem ausführlichen Ergebnis und einem angepassten Musterschreiben herunter.

Wer hilft, wenn die Airline nicht zahlen will?

Wenn Sie Ihre Forderungen an die Airline gestellt haben, das Unternehmen aber nicht zahlt, haben Sie verschiedene Möglichkeiten.

Schlichtungsstellen

Es gibt zwei Schlichtungsstellen für Verbraucher bei Ärger mit einer Fluggesellschaft: eine privatrechtlich organisierte und eine behördliche. Welche Schlichtungsstelle für Sie zuständig ist, hängt von der Airline ab. Ist sie Mitglied bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), ist diese auch für Ihr Anliegen zuständig. Für die Schlichtung mit Fluggesellschaften, die sich nicht der SÖP angeschlossen haben, ist die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz (BfJ) zuständig.

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: Hat die Airline Ihre Forderung abgelehnt oder nicht reagiert, können Sie sich kostenlos an die SÖP wenden. Sie ist von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission anerkannt.

In etwa 90 Prozent der Beschwerden konnte die Schlichtungsstelle eine einvernehmliche Lösung erzielen. Das bedeutet aber nicht, dass sich Verbraucher und Airline einfach bei der Hälfte treffen. Steht dem Fluggast eindeutig ein Anspruch auf 400 Euro Entschädigung zu, dann steht im Schlichtungsvorschlag auch der volle Entschädigungsbetrag, erklärt der Geschäftsführer der SÖP, Heinz Klewe.

Es gibt vier Voraussetzungen für eine Schlichtung durch die SÖP:

  1. Sie müssen grundsätzlich – zumindest überwiegend – aus privaten Gründen geflogen sein. Geschäftsreisende haben keinen Anspruch auf Schlichtung, die Verbrauchern vorbehalten ist (§ 57b Abs. 1 LuftVG).
  2. Sie müssen zunächst selbst versucht haben, das Problem mit der Fluggesellschaft zu klären.
  3. Die Airline muss Ihre Forderung ganz oder teilweise abgelehnt haben. Haben Sie keine Reaktion auf Ihr Schreiben bekommen, müssen Sie der Fluggesellschaft zwei Monate Zeit geben, bevor Sie die Schlichtungsstelle anrufen können (§ 57b Abs, 2 Nr. 5 LuftVG). 
  4. Die Fluggesellschaft muss Mitglied im Trägerverein der privatrechtlich organisierten Schlichtungsstelle sein. Überprüfen Sie das anhand der aktuellen Mitgliederliste, die Sie auf der Website der SÖP finden. Derzeit beteiligen sich rund 40 Airlines an dem Verfahren. 

Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz: Findet sich Ihre Fluggesellschaft nicht in der Mitgliederliste der SÖP, können Sie sich an die behördliche Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz (BfJ) wenden.

Die Voraussetzungen für eine behördliche Schlichtung sind ähnlich: Sie müssen aus überwiegend privaten Gründen geflogen sein und müssen die Airline vorab angeschrieben haben, allerdings ohne Erfolg oder ohne Reaktion innerhalb von zwei Monaten. Vorher ist ein Schlichtungsverfahren nicht zulässig.

Sind Sie unsicher, ob die behördliche Schlichtungsstelle Luftverkehr beim BfJ für Ihre Ansprüche zuständig ist, können Sie in jedem Fall Kontakt aufnehmen.

Kommerzielle Unternehmen, die Fluggastrechte durchsetzen

Wer seine Entschädigung so schnell wie möglich haben will, kann sich an einen Sofortentschädiger wenden. Solche Unternehmen prüfen in einem ersten Schritt die Erfolgsaussichten. Stehen die Chancen gut, unterbreiten sie Ihnen ein Angebot. Stimmen Sie zu, kauft der Sofortentschädiger die Forderung ab und zahlt sofort eine Entschädigung aus – abzüglich Provision. Auch wenn der Anbieter von der Airline kein Geld bekommt, können Sie Ihre Entschädigung behalten. Unsere Empfehlung unter diesen Anbietern ist EUFlight. Sie können sich aber auch an Compensation2go wenden.

Etwas weniger Provision müssen Sie in der Regel zahlen, wenn Sie sich an ein Unternehmen wenden, das auf dem Inkasso-Weg Ihre Ansprüche durchsetzt. Erreicht der Anbieter nichts, müssen Sie auch nicht zahlen.

Wir haben zwölf Anbieter untersucht. Besonders überzeugt hat uns flug-verspaetet.de. Wir empfehlen aber auch SOS Flugverspätung, EUClaim sowie Claim Flights. Bevor Sie einem der Fluggasthelfer einen Auftrag erteilen, sollten Sie sich die vier empfehlenswerten Anbieter genauer ansehen. Mehr dazu finden Sie in unserem Ratgeber Fluggasthelfer.

Mehr dazu im Ratgeber Fluggasthelfer

  • Fluggäste können bis zu 600 Euro Entschädigung verlangen bei großen Verspätungen und Annullierungen.
  • Von uns empfohlener Anbieter für eine Sorfortzahlung: EUFlight. Sie können sich auch an Compensation2go wenden.
  • Von uns empfohlene Inkasso-Dienstleister: flug-verspaetet.de. Sie können sich auch an SOS Flugverspätung, EUClaim, Claim Flights wenden.

Zum Ratgeber

Welche Rechte gibt es bei beschädigtem oder verlorenem Gepäck?

Auf Ihr Handgepäck sollten Sie selbst aufpassen, die Fluggesellschaft ist jedoch für aufgegebenes Gepäck verantwortlich. Welche Ansprüche Sie bei Beschädigung oder Verlust haben, regelt das Montrealer Abkommen. Darin ist festgelegt, dass Passagiere derzeit umgerechnet bis zu 1.350 Euro Schadensersatz bekommen können.

So gehen Sie am besten vor 

  1. Am Flughafen eine Verlustmeldung aufgeben: Falls Sie Ihren Koffer nicht auf dem Förderband der Gepäckausgabe finden, melden Sie schon am Flughafen, dass Ihr Gepäck fehlt. Manche Airlines bieten dazu auch eine besondere App an. Verlassen Sie den Flughafen nicht, bevor Sie eine Bestätigung in den Händen halten, dass Sie den Verlust gemeldet haben.
  2. Noteinkäufe sind erlaubt: Kommt Ihr Gepäck verspätet an, dürfen Sie sich zur Überbrückung die wichtigsten Dinge kaufen, zum Beispiel Zahnbürste, Zahnpasta sowie Unterwäsche. Bleibt der Koffer mehrere Tage verschwunden, brauchen Sie sicher auch eine Grundausstattung an Kleidung. Die Fluggesellschaft muss diese Ausgaben erstatten

    Hygiene-Artikel ersetzen die Airlines in der Regel vollständig. Bei Kleidung ersetzen sie oft nur die Hälfte, da Sie die Hose und den Pullover auch noch zu Hause tragen können.

    Luxusgegenstände muss die Fluggesellschaft nicht ersetzen, auf solchen Kosten können Passagiere schnell sitzen bleiben, wie das Amtsgericht Frankfurt entschieden hat. Statt der geforderten 1.300 Euro – der Kläger kaufte im Armani-Jeans-Shop ein – musste die Airline nur 300 Euro erstatten (Urteil vom 1. Juni 2017, Az. 30 C 570/17 (68)).

    Das Montrealer Abkommen legt für die Erstattung die gleiche Höchstgrenze fest wie bei dem Verlust von Gepäckstücken – derzeit umgerechnet rund 1.350 Euro (Art. 22). Das ist aber nur eine Höchstgrenze und bedeutet nicht, dass Sie 1.300 Euro auf Kosten der Airline ausgeben dürfen.

    Wenn Sie etwas kaufen, sollten Sie sich auf die nötigsten Gegenstände beschränken und unbedingt alle Rechnungen aufheben. Erkundigen Sie sich vorher bei der Airline, was sie erstattet. Teilweise gelten Tagessätze – unabhängig davon, was Sie kaufen. Manche Fluggesellschaften geben Ihnen eine Grundausstattung direkt in die Hand.
  3. Schäden am Gepäck melden: Haben Sie einen Schaden an Ihrem Gepäck entdeckt, müssen Sie ihn der Fluggesellschaft innerhalb von sieben Tagen melden – also meist noch während Ihres Urlaubs. Ansonsten verlieren Sie Ihren Anspruch auf Schadensersatz. Dokumentieren Sie den Schaden am besten durch Fotos.
  4. Erstattung selbst verlangen: Um Schadensersatz zu erhalten, müssen Sie als Passagier nachweisen, welche Gegenstände Sie gekauft haben, welche beschädigt wurden und welche verloren gingen. Schreiben Sie am besten vor Abflug eine Packliste und bewahren Sie Kaufbelege auf, um den Wert Ihrer Sachen nachzuweisen.

    Verlangen Sie die Erstattung schriftlich von Ihrer Fluggesellschaft. Sie bekommen allerdings nicht den Neupreis ersetzt: Der Schaden wird danach berechnet, was die Gegenstände noch wert waren. Wenn Ihr Koffer zu spät ausgeliefert wurde, beträgt die Frist zur Anmeldung des Schadens 21 Tage.

    Wichtig: Im Rahmen einer Pauschalreise können Reisende zusätzlich den Reisepreis mindern, falls der Koffer zu spät oder gar nicht ankommt. Pro Tag ohne Gepäck können Sie den Tagespreis der Reise um rund 25 Prozent mindern. Was Sie dabei beachten müssen, finden Sie im Ratgeber Reisemängel reklamieren.
  5. An die Schlichtungsstelle wenden: Stellt sich die Airline quer oder reagiert sie überhaupt nicht, können Sie sich an die Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Das setzt voraus, dass Sie schon selbst an die Fluggesellschaft geschrieben haben, aber mit deren Antwort nicht einverstanden sind. Das Verfahren ist für Passagiere kostenlos. Die Schlichtungsstelle hat im Jahr 2018 knapp 1.700 Beschwerden wegen beschädigtem, verlorenem oder zu spät ausgeliefertem Gepäck bearbeitet.
  6. An Fluggasthelfer wenden: Wer sich nicht selbst mit der Fluggesellschaft rumärgern will, kann sich an den Fluggasthelfer Fairplane wenden. Dieses Fluggastrechte-Portal  bietet einen sogenannten Gepäckservice an und prüft, ob der Passagier einen Anspruch auf Entschädigung nach dem Montrealer Abkommen hat. Nach Auftragserteilung übernehmen die Rechtsanwälte von Fairplane den gesamten Schriftverkehr.

    Das Kosten- und Prozessrisiko trägt das Unternehmen: Im Erfolgsfall behält Fairplane ein pauschales Entgelt ein, dessen Höhe abhängig ist von der erstrittenen Gesamtsumme. Das Entgelt beträgt zwischen 36 und 42 Prozent inklusive Mehrwertsteuer. Beispiel: Zahlt die Airline bei verlorenem Gepäck 300 Euro, dann behält Fairplane 126 Euro und zahlt Ihnen 174 Euro aus.

    Der Service ist für alle interessant, die sich nicht selbst kümmern wollen und ansonsten einen Rechtsanwalt beauftragt hätten. Fairplane übernimmt das Prozesskostenrisiko zu einem angemessenen Preis. Der Anbieter ist sehr erfahren im Reiserecht.
Fairplane Gepäckservice
Hilfe bei Gepäckverlust oder Gepäckschäden
  • viel Erfahrung rund um Fluggastrechte
  • fordert Schadensersatz nach Montrealer Abkommen
  • Bezahlung nur bei Erfolg
  • fairer Preis von 36 bis 42 % der erstrittenen Summe
  • wird erst ab einer Mindestforderung von 175 Euro tätig

Welche Rechte haben Flugreisende mit Behinderung?

Die Verordnung (EG) Nr. 1107/2006 legt fest, dass Menschen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität die gleichen Möglichkeiten zu Flugreisen haben sollen wie alle anderen. Um das zu gewährleisten, müssen Fluggesellschaften und Flughäfen Menschen, die etwa weniger gut zu Fuß sind als andere, Unterstützung und kostenlose Hilfe anbieten.

Dazu zählen die Begleitung und Betreuung sowie die Beförderung von Rollstühlen oder Blindenhunden. Um den Betreuungsservice in Anspruch zu nehmen, sollten sich körperlich eingeschränkte Flugreisende mindestens 48 Stunden vor Abflug bei der Fluggesellschaft anmelden.

Wie transparent müssen Flugpreise sein?

Die europäischen Fluggastrechte beginnen bei der Flugbuchung. Die Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 verpflichtet Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Reisevermittler zur Preistransparenz.

Die Anbieter oder Vermittler müssen im Internet die Endpreise angeben – inklusive aller Steuern und Gebühren. Wenn bei Ihrer Buchung Preisangaben nicht korrekt sind, können Sie sich beim Luftfahrt-Bundesamt beschweren.

Sechs Tipps für Ihre Flugreise

  1. Achten Sie bei der Flugbuchung auf zusätzliche Zahlungsgebühren und lassen Sie sich keine Versicherungen unterjubeln.
  2. Prüfen Sie bei der Buchung Ihre Angaben. Schon die fehlerhafte Schreibweise Ihres Namens kann später zu Problemen und Extrakosten führen.
  3. Achten Sie darauf, dass Ihr Personalausweis oder Reisepass gültig ist. Sind Ihre Dokumente abgelaufen, kann die Fluggesellschaft sich weigern, Sie mitzunehmen, oder Sie dürfen in einem anderen Land nicht einreisen.
  4. Prüfen Sie auf der Internetseite der Airline, wie viele Gepäckstücke Sie mitnehmen dürfen und wie schwer sie sein dürfen. Halten Sie sich an diese Grenzen, denn Übergepäck ist meist sehr teuer und wird manchmal gar nicht angenommen.
  5. Flüssigkeiten, Messer oder Nagelfeilen sind im Handgepäck verboten. Wer sein Schweizer Taschenmesser oder sein Parfum nicht an der Sicherheitskontrolle lassen will, sollte vorher daran denken, diese Dinge in den Koffer zu räumen.
  6. Wertvolle Gegenstände sollten Sie im Handgepäck transportieren und gut darauf achten. Werden Wertgegenstände in Ihrem aufgegebenen Koffer beschädigt, bekommen Sie höchstens einen Betrag von derzeit rund 1.350 Euro erstattet. Dieser Betrag reicht nicht, um teure Elektrogeräte, Schmuck oder Schlüssel zu ersetzen. Für Handgepäck tragen Sie zwar selbst die Verantwortung, können aber auch besser darauf aufpassen.
Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Frederike Roser

Stand: 09. September 2019


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