Fluggastrechte EU

Das sind Deine Rechte bei Problemen mit der Fluggesellschaft

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Stand: 09. September 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Erfährst Du weniger als 14 Tage vor Abflug, dass Dein Flug ausfällt, hast Du Anspruch auf 125 bis 600 Euro Entschädigung. Auch bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden steht Dir eine Ausgleichszahlung zu.
  • Geht Dein Gepäck verloren oder wird es beschädigt, hast Du Anspruch auf Erstattung von derzeit bis zu 1.350 Euro nach dem Montrealer Abkommen.
So gehst Du vor
  • Ermittle mit unserem Rechner Deine Ansprüche. Erstelle mit unserem Tool das passende Musterschreiben und schick es an die Airline.

Zum Rechner

  • Willst Du Dich nicht selbst mit der Airline herumstreiten, kannst Du Deine Entschädigungsforderung verkaufen. Dazu empfehlen wir EUFlight und Compensation2go.
  • Als Alternative kannst Du einen Inkasso-Dienstleister beauftragen. Wir empfehlen flug-verspaetet.de. Auch geeignet sind SOS Flugverspätung, EUClaim oder Claim Flights.

Ob die Maschine zu spät kommt, überbucht oder ganz ausgefallen ist oder das Gepäck nicht ankommt: Wenn die Reise mit dem Flugzeug nicht glatt läuft, hast Du Rechte und Ansprüche nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (VO (EG) Nr. 261/2004) sowie nach dem Montrealer Abkommen. Dafür müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein, und Du must selbst aktiv werden.

Konntest Du wegen der Corona-Pandemie nicht fliegen oder hat Deine Fluggesellschaft den Flug annulliert, hast Du Anspruch auf Erstattung der Ticketkosten. Das gilt auch für Tickets, die nicht stornierbar waren. Einen Gutschein kannst Du, musst Du aber nicht akzeptieren. Mehr dazu im Ratgeber zu Flugticket Erstattung wegen Corona.

Welche Fluggastrechte stehen Reisenden zu?

Welche Rechte und Ansprüche Dir zustehen, regelt die europäische Fluggastrechte-Verordnung 261/2004. Dabei kommt es immer darauf an, was bei Dir konkret schiefgelaufen ist. Um sich auf diese Rechte berufen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Dein Flug ist in einem EU-Land gestartet oder
  • Dein Flug ist in einem EU-Land gelandet und
  • die betroffene Airline hat ihren Sitz in einem Mitgliedsland der Europäischen Union.

Die Regelungen der Verordnung gelten ebenfalls in der SchweizNorwegen und Island. Auch bei Flügen im Rahmen einer Pauschalreise hast Du Anspruch nach der EU-Verordnung. Mach Deine Rechte am besten direkt gegenüber der Fluggesellschaft geltend und nicht gegenüber dem Reiseveranstalter. Von dem kannst Du eventuell eine Minderung des Reisepreises fordern.

Flugverspätung

Kommt Dein Flug mehr als drei Stunden zu spät am Ziel an, hast Du Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro – zumindest dann, wenn die Fluggesellschaft selbst dafür verantwortlich ist. Für die Berechnung der Verspätung gilt: Als Ankunft zählt das Öffnen von mindestens einer Tür, durch die die Passagiere das Flugzeug verlassen können. Das hat der Europäische Gerichtshof im September 2014 entschieden (Az. C-452/13).

Im Fall einer Verspätung muss sich die Airline außerdem um Deine Verpflegung kümmern, Dir zwei Telefonate oder E-Mails ermöglichen und eine Übernachtung zahlen, falls die Maschine erst am nächsten Tag startet. Alles, was Du dazu wissen musst und ein entsprechendes Musterschreiben findest Du in unserem Ratgeber Flugverspätung.

Flugannullierung

Wurde dein Flug gestrichen, kannst Du Dir den Flugpreis erstatten lassen oder auf eine anderweitige Beförderung bestehen. Zusätzlich hast Du eventuell auch Anspruch auf eine Entschädigung. Was Dir genau zusteht und wie Du es einfordern kannst, erfährst Du im Ratgeber Flugausfall.

Nichtbeförderung

Manchmal verkaufen die Airlines mehr Tickets, als es Plätze gibt. Erscheinen zu viele Fluggäste, bietet die Airline meist einen anderen Flug an oder versucht, die Fluggäste davon zu überzeugen, freiwillig von der Buchung zurückzutreten.

Lass Dich auf ein solches Angebot nur ein, wenn der Kompromiss für Dich günstig ist. Sobald Du das Angebot annimmst, verfallen weitere Ansprüche etwa auf Entschädigung gegen die Fluggesellschaft. Falls Du lieber mit Deinem gebuchten Flug reisen willst, solltest Du darauf bestehen und der Flugumbuchung nicht zustimmen.

Findet sich bei Überbuchung niemand, der freiwillig auf seinen Platz verzichtet, dann wird eine entsprechende Anzahl an Passagieren umgebucht. Das bedeutet: Die Airline befördert die Passagiere gegen ihren Willen nicht. Bei einer solchen Nichtbeförderung stehen Dir dieselben Rechte zu wie bei einer Flugannullierung. Kannst Du in der gebuchten Maschine nicht mitfliegen, hast Du also auf jeden Fall Anspruch auf eine alternative Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Außerdem muss die Airline Dich angemessen betreuen und eventuell eine Ausgleichszahlung leisten.

Beispiel: Ein Fluggast buchte einen Flug von Düsseldorf nach Johannesburg über Paris. Der Flug nach Paris wurde gestrichen. Daraufhin buchte die Airline den Gast eigenmächtig auf einen Flug von Düsseldorf über Amsterdam nach Johannesburg. Die Umbuchung war eine Nichtbeförderung, so dass eine Ausgleichszahlung fällig wurde (AG Düsseldorf, Urteil vom 15. Dezember 2017, Az. 49 C 334/17). 

Ist die gebuchte Beförderungsklasse überbucht und kannst Du deshalb zum Beispiel statt in der Premium Economy Class nur in der Economy Class fliegen, so ist das keine Nichtbeförderung im Sinne der Verordnung. Wegen eines sogenannten Downgrading hat ein Fluggast keinen Anspruch auf Ausgleichszahlung (LG Landshut, Urteil vom 4. Mai 2017, Az. 41 O 2511/16).

Aus wichtigen Gründen darf die Airline einem Passagier allerdings die Beförderung verweigern – zum Beispiel, wenn er ein Sicherheitsrisiko darstellt, er starke gesundheitliche Probleme hat oder notwendige Dokumente wie Reisepass oder Visum fehlen.

Die Fluggesellschaft darf die Beförderung aber nicht deshalb verweigern, weil der Passagier am Check-in nicht die Kreditkarte vorlegen kann, mit der er das Ticket bezahlt hat. Das entschied das Landgericht Frankfurt (Main) nach einer Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen gegen die spanische Airline Iberia (Urteil vom 27. Januar 2011, Az. 2-24 O 142/10).

Wann liegen „außergewöhnliche Umstände“ vor?

Haben sogenannte außergewöhnliche Umstände zu Verspätung oder Ausfall geführt, muss die Fluggesellschaft keinen Ausgleich zahlen. Was aber genau solche außergewöhnlichen Umstände sind, ist im Gesetz nicht geregelt und führt häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Passagieren und Fluggesellschaften. Im Zweifel muss über jeden Einzelfall ein Gericht entscheiden.

Extrem schlechtes Wetter ist grundsätzlich ein außergewöhnlicher Umstand, den das Unternehmen nicht verhindern konnte. In diesem Fall muss die Airline zwar ihre Passagiere betreuen und die Weiterreise ermöglichen, aber keine Ausgleichszahlung leisten. Wenn aber das Enteisungsmittel fehlte oder die Maschine nicht angemessen auf den bevorstehenden Winter vorbereitet war, liegt das wiederum in der Verantwortung der Fluggesellschaft und sie muss zahlen.

Ein Streik der Piloten oder der Fluglotsen kann grundsätzlich ein außergewöhnlicher Umstand sein – es kommt aber immer auf den Einzelfall an. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass den Passagieren zum Beispiel ein Anspruch auf Entschädigung zustehen kann, wenn die Passagierkontrollen am Startflughafen bestreikt wurden. Streicht die Airline  den Flug, weil nicht gewährleistet war, dass alle Passagiere den Flug erreichen konnten, reicht das für die Annahme außergewöhnlicher Umstände nicht aus (BGH, Urteil vom 4. September 2018, Az. X ZR 111/17).

Der Europäische Gerichtshof hat in einem Fall mit Tuifly entschieden, dass die Airline sich wegen einer Krankheitswelle der Belegschaft im Herbst 2016 nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen kann (EuGH, Urteil vom 17. April 2018, Az. C-195/17 u.a.)

Falls Du nicht sicher bist oder die Hintergründe der Verspätung oder Annullierung nicht kennst, fordere einfach eine Ausgleichszahlung. Hast Du den Eindruck, die Fluggesellschaft versucht sich herausrauszureden, und Du kommst nicht weiter, solltest Du den Fall an einen Fluggasthelfer übergeben.

Im Zweifel muss die Airline vor Gericht nachweisen, dass sie die Umstände tatsächlich nicht zu verantworten hatte. Übrigens: Bei einer Überbuchung sind die Gründe ohne Belang. In dieser Situation kann sich die Fluggesellschaft grundsätzlich nicht mit außergewöhnlichen Umständen herausreden.

Entschädigungsrechner und Musterschreiben

Nutze unseren speziell entwickelten Rechner, um einschätzen zu können, ob Dir eine Entschädigung nach der EU-Verordnung für Fluggastrechte zusteht. Nachdem Du alle Fragen beantwortet hast, erhältst Du einen Überblick, welche Ansprüche Du wahrscheinlich hast. Lade Dir einfach das PDF-Dokument mit dem ausführlichen Ergebnis und einem angepassten Musterschreiben herunter.

Wer hilft, wenn die Airline nicht zahlen will?

Wenn Du Deine Forderungen an die Airline gestellt hast, das Unternehmen aber nicht zahlt, hast Du verschiedene Möglichkeiten.

Schlichtungsstellen

Es gibt zwei Schlichtungsstellen für Verbraucher bei Ärger mit einer Fluggesellschaft: eine privatrechtlich organisierte und eine behördliche. Welche Schlichtungsstelle für Dich zuständig ist, hängt von der Airline ab. Ist sie Mitglied bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), ist diese auch für Dein Anliegen zuständig. Für die Schlichtung mit Fluggesellschaften, die sich nicht der SÖP angeschlossen haben, ist die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz (BfJ) zuständig.

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: Hat die Airline Deine Forderung abgelehnt oder nicht reagiert, kannst Du Dich kostenlos an die SÖP wenden. Sie ist von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission anerkannt.

In etwa 90 Prozent der Beschwerden konnte die Schlichtungsstelle eine einvernehmliche Lösung erzielen. Das bedeutet aber nicht, dass sich Verbraucher und Airline einfach bei der Hälfte treffen. Steht dem Fluggast eindeutig ein Anspruch auf 400 Euro Entschädigung zu, dann steht im Schlichtungsvorschlag auch der volle Entschädigungsbetrag, erklärt der Geschäftsführer der SÖP, Heinz Klewe.

Es gibt vier Voraussetzungen für eine Schlichtung durch die SÖP:

  1. Du musst grundsätzlich – zumindest überwiegend – aus privaten Gründen geflogen sein. Geschäftsreisende haben keinen Anspruch auf Schlichtung, die Verbrauchern vorbehalten ist (§ 57b Abs. 1 LuftVG).
  2. Du musst zunächst selbst versucht haben, das Problem mit der Fluggesellschaft zu klären.
  3. Die Airline muss Deine Forderung ganz oder teilweise abgelehnt haben. Hast Du keine Reaktion auf Dein Schreiben bekommen, musst Du der Fluggesellschaft zwei Monate Zeit geben, bevor Du die Schlichtungsstelle anrufen kannst (§ 57b Abs, 2 Nr. 5 LuftVG). 
  4. Die Fluggesellschaft muss Mitglied im Trägerverein der privatrechtlich organisierten Schlichtungsstelle sein. Überprüfe das anhand der aktuellen Mitgliederliste, die Du auf der Website der SÖP findest. Derzeit beteiligen sich rund 40 Airlines an dem Verfahren. 

Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz: Findet sich Deine Fluggesellschaft nicht in der Mitgliederliste der SÖP, kannst Du Dich an die behördliche Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz (BfJ) wenden.

Die Voraussetzungen für eine behördliche Schlichtung sind ähnlich: Du musst aus überwiegend privaten Gründen geflogen sein und musst die Airline vorab angeschrieben haben, allerdings ohne Erfolg oder ohne Reaktion innerhalb von zwei Monaten. Vorher ist ein Schlichtungsverfahren nicht zulässig.

Bist Du unsicher, ob die behördliche Schlichtungsstelle Luftverkehr beim BfJ für Deine Ansprüche zuständig ist, kannst Du in jedem Fall Kontakt aufnehmen.

Kommerzielle Unternehmen, die Fluggastrechte durchsetzen

Wer seine Entschädigung so schnell wie möglich haben will, kann sich an einen Sofortentschädiger wenden. Solche Unternehmen prüfen in einem ersten Schritt die Erfolgsaussichten. Stehen die Chancen gut, unterbreiten sie Dir ein Angebot. Stimmst Du zu, kauft der Sofortentschädiger die Forderung ab und zahlt sofort eine Entschädigung aus – abzüglich Provision. Auch wenn der Anbieter von der Airline kein Geld bekommt, kannst Du Deine Entschädigung behalten. Unsere Empfehlung unter diesen Anbietern ist EUFlight. Du kannst Dich aber auch an Compensation2go wenden.

Etwas weniger Provision musst Du in der Regel zahlen, wenn Du Dich an ein Unternehmen wenden, das auf dem Inkasso-Weg Deine Ansprüche durchsetzt. Erreicht der Anbieter nichts, musst Du auch nicht zahlen.

Wir haben zwölf Anbieter untersucht. Besonders überzeugt hat uns flug-verspaetet.de. Wir empfehlen aber auch SOS Flugverspätung, EUClaim sowie Claim Flights. Bevor Du einem der Fluggasthelfer einen Auftrag erteilen, solltest Du Dir die vier empfehlenswerten Anbieter genauer ansehen. Mehr dazu findest Du in unserem Ratgeber Fluggasthelfer.

Mehr dazu im Ratgeber Fluggasthelfer

  • Fluggäste können bis zu 600 Euro Entschädigung verlangen bei großen Verspätungen und Annullierungen.
  • Von uns empfohlener Anbieter für eine Sorfortzahlung: EUFlight. Du kannst Dich auch an Compensation2go wenden.
  • Von uns empfohlene Inkasso-Dienstleister: flug-verspaetet.de. Du kannst Dich auch an SOS Flugverspätung, EUClaim, Claim Flights wenden.

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Welche Rechte gibt es bei beschädigtem oder verlorenem Gepäck?

Auf Dein Handgepäck solltest Du selbst aufpassen, die Fluggesellschaft ist jedoch für aufgegebenes Gepäck verantwortlich. Welche Ansprüche Du bei Beschädigung oder Verlust hast, regelt das Montrealer Abkommen. Darin ist festgelegt, dass Passagiere derzeit umgerechnet bis zu 1.350 Euro Schadensersatz bekommen können.

So gehst Du am besten vor 

  1. Am Flughafen eine Verlustmeldung aufgeben: Falls Du Deinen Koffer nicht auf dem Förderband der Gepäckausgabe findest, melde schon am Flughafen, dass Dein Gepäck fehlt. Manche Airlines bieten dazu auch eine besondere App an. Verlass den Flughafen nicht, bevor Du eine Bestätigung in den Händen hältst, dass Du den Verlust gemeldet hast.
  2. Noteinkäufe sind erlaubt: Kommt Dein Gepäck verspätet an, darfst Du Dir zur Überbrückung die wichtigsten Dinge kaufen, zum Beispiel Zahnbürste, Zahnpasta sowie Unterwäsche. Bleibt der Koffer mehrere Tage verschwunden, brauchst Du sicher auch eine Grundausstattung an Kleidung. Die Fluggesellschaft muss diese Ausgaben erstatten.

    Hygiene-Artikel ersetzen die Airlines in der Regel vollständig. Bei Kleidung ersetzen sie oft nur die Hälfte, da Du die Hose und den Pullover auch noch zuhause tragen kannst.

    Luxusgegenstände muss die Fluggesellschaft nicht ersetzen. Auf solchen Kosten können Passagiere schnell sitzen bleiben, wie das Amtsgericht Frankfurt entschieden hat. Statt der geforderten 1.300 Euro – der Kläger kaufte im Armani-Jeans-Shop ein – musste die Airline nur 300 Euro erstatten (Urteil vom 1. Juni 2017, Az. 30 C 570/17 (68)).

    Das Montrealer Abkommen legt für die Erstattung die gleiche Höchstgrenze fest wie bei dem Verlust von Gepäckstücken – derzeit umgerechnet rund 1.350 Euro (Art. 22). Das ist aber nur eine Höchstgrenze und bedeutet nicht, dass Du 1.300 Euro auf Kosten der Airline ausgeben darfst.

    Wenn Du etwas kaufst, solltest Du Dich auf die nötigsten Gegenstände beschränken und unbedingt alle Rechnungen aufheben. Erkundige Dich vorher bei der Airline, was sie erstattet. Teilweise gelten Tagessätze – unabhängig davon, was Du kaufst. Manche Fluggesellschaften geben Dir eine Grundausstattung direkt in die Hand.
  3. Schäden am Gepäck melden: Hast Du einen Schaden an Deinem Gepäck entdeckt, musst Du ihn der Fluggesellschaft innerhalb von sieben Tagen melden – also meist noch während Deines Urlaubs. Ansonsten verlierst Du Deinen Anspruch auf Schadensersatz. Dokumentiere den Schaden am besten durch Fotos.
  4. Erstattung selbst verlangen: Um Schadensersatz zu erhalten, musst Du als Passagier nachweisen, welche Gegenstände Du gekauft hast, welche beschädigt wurden und welche verloren gingen. Schreib am besten vor Abflug eine Packliste und bewahre die Kaufbelege auf, um den Wert Deiner Sachen nachzuweisen.

    Verlange die Erstattung schriftlich von Deiner Fluggesellschaft. Du bekommst allerdings nicht den Neupreis ersetzt: Der Schaden wird danach berechnet, was die Gegenstände noch wert waren. Wenn Dein Koffer zu spät ausgeliefert wurde, beträgt die Frist zur Anmeldung des Schadens 21 Tage.

    Wichtig: Im Rahmen einer Pauschalreise können Reisende zusätzlich den Reisepreis mindern, falls der Koffer zu spät oder gar nicht ankommt. Pro Tag ohne Gepäck kannst Du den Tagespreis der Reise um rund 25 Prozent mindern. Was Du dabei beachten musst, findest Du im Ratgeber Reisemängel reklamieren.
  5. An die Schlichtungsstelle wenden: Stellt sich die Airline quer oder reagiert sie überhaupt nicht, kannst Du Dich an die Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Das setzt voraus, dass Du schon selbst an die Fluggesellschaft geschrieben hast, aber mit deren Antwort nicht einverstanden sind. Das Verfahren ist für Passagiere kostenlos. Die Schlichtungsstelle hat im Jahr 2018 knapp 1.700 Beschwerden wegen beschädigtem, verlorenem oder zu spät ausgeliefertem Gepäck bearbeitet.
  6. An Fluggasthelfer wenden: Wer sich nicht selbst mit der Fluggesellschaft rumärgern will, kann sich an den Fluggasthelfer Fairplane wenden. Dieses Fluggastrechte-Portal  bietet einen sogenannten Gepäckservice an und prüft, ob der Passagier einen Anspruch auf Entschädigung nach dem Montrealer Abkommen hat. Nach Auftragserteilung übernehmen die Rechtsanwälte von Fairplane den gesamten Schriftverkehr.

    Das Kosten- und Prozessrisiko trägt das Unternehmen: Im Erfolgsfall behält Fairplane ein pauschales Entgelt ein, dessen Höhe abhängig ist von der erstrittenen Gesamtsumme. Das Entgelt beträgt zwischen 36 und 42 Prozent inklusive Mehrwertsteuer. Beispiel: Zahlt die Airline bei verlorenem Gepäck 300 Euro, dann behält Fairplane 126 Euro und zahlt Dir 174 Euro aus.

    Der Service ist für alle interessant, die sich nicht selbst kümmern wollen und ansonsten einen Rechtsanwalt beauftragt hätten. Fairplane übernimmt das Prozesskostenrisiko zu einem angemessenen Preis. Der Anbieter ist sehr erfahren im Reiserecht.
Fairplane Gepäckservice
Hilfe bei Gepäckverlust oder Gepäckschäden
  • viel Erfahrung rund um Fluggastrechte
  • fordert Schadensersatz nach Montrealer Abkommen
  • Bezahlung nur bei Erfolg
  • fairer Preis von 36 bis 42 % der erstrittenen Summe
  • wird erst ab einer Mindestforderung von 175 Euro tätig
Nur beim Anbieter abschließbar

Welche Rechte haben Flugreisende mit Behinderung?

Die Verordnung (EG) Nr. 1107/2006 legt fest, dass Menschen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität die gleichen Möglichkeiten zu Flugreisen haben sollen wie alle anderen. Um das zu gewährleisten, müssen Fluggesellschaften und Flughäfen Menschen, die etwa weniger gut zu Fuß sind als andere, Unterstützung und kostenlose Hilfe anbieten.

Dazu zählen die Begleitung und Betreuung sowie die Beförderung von Rollstühlen oder Blindenhunden. Um den Betreuungsservice in Anspruch zu nehmen, sollten sich körperlich eingeschränkte Flugreisende mindestens 48 Stunden vor Abflug bei der Fluggesellschaft anmelden.

Wie transparent müssen Flugpreise sein?

Die europäischen Fluggastrechte beginnen bei der Flugbuchung. Die Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 verpflichtet Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Reisevermittler zur Preistransparenz.

Die Anbieter oder Vermittler müssen im Internet die Endpreise angeben – inklusive aller Steuern und Gebühren. Wenn bei Deiner Buchung Preisangaben nicht korrekt sind, kannst Du Dich beim Luftfahrt-Bundesamt beschweren.

Sechs Tipps für Deine Flugreise

  1. Achte bei der Flugbuchung auf zusätzliche Zahlungsgebühren und lass Dir keine Versicherungen unterjubeln.
  2. Prüfe bei der Buchung Deine Angaben. Schon die fehlerhafte Schreibweise Deines Namens kann später zu Problemen und Extrakosten führen.
  3. Achte darauf, dass dein Personalausweis oder Reisepass gültig ist. Sind Deine Dokumente abgelaufen, kann die Fluggesellschaft sich weigern, Dich mitzunehmen, oder Du darfst in einem anderen Land nicht einreisen.
  4. Prüfe auf der Internetseite der Airline, wie viele Gepäckstücke Du mitnehmen darfst und wie schwer sie sein dürfen. Halte Dich an diese Grenzen, denn Übergepäck ist meist sehr teuer und wird manchmal gar nicht angenommen.
  5. Flüssigkeiten, Messer oder Nagelfeilen sind im Handgepäck verboten. Wer sein Schweizer Taschenmesser oder sein Parfum nicht an der Sicherheitskontrolle lassen will, sollte vorher daran denken, diese Dinge in den Koffer zu räumen.
  6. Wertvolle Gegenstände solltest Du im Handgepäck transportieren und gut darauf achten. Werden Wertgegenstände in Deinem aufgegebenen Koffer beschädigt, bekommst Du höchstens einen Betrag von derzeit rund 1.350 Euro erstattet. Dieser Betrag reicht nicht, um teure Elektrogeräte, Schmuck oder Schlüssel zu ersetzen. Für Handgepäck trägst Du zwar selbst die Verantwortung, kannst darauf aber auch besser aufpassen.
Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Frederike Roser

Stand: 09. September 2019


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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

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