Ver­kehrs­rechts­schutz

Gewappnet für Streit im Straßenverkehr

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
12. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit einer Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung kannst Du Dich als Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger bei rechtlichen Auseinandersetzungen im Verkehr absichern.
  • Die Versicherung kommt auch für Dich infrage, wenn Du gegen Strafen wie Bußgelder oder den Führerscheinentzug vorgehen möchtest.
  • Gerade für Vielfahrer ist sie deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur Kfz-Haftpflichtversicherung.
  • Du kannst den Vertrag einzeln oder in Kombination mit anderen Rechtsschutz-Bausteinen abschließen.
So gehst Du vor
  • Entscheide Dich zunächst, ob Du Rechtsschutz nur für den Verkehr benötigst oder noch weitere Lebensbereiche abdecken möchtest.
  • Schließe dann entweder eine reine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung oder private Rechts­schutz­ver­si­che­rung ab, die den Baustein Verkehr enthält.
  • Rechts­schutz­ver­si­che­rungen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis findest Du auf einem Vergleichsportal. Wir empfehlen Mr-Money und Check24.

Wer jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fährt, kennt solche Situationen nur allzu gut: Der Vordermann bremst abrupt, es bleibt kaum Zeit zum Reagieren – fast hätte es gekracht. Kommt es dann tatsächlich mal zu einem Unfall und zum Streit über die Schuldfrage, ist oft derjenige Fahrer der entspanntere, der eine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung hat. Doch ist diese Versicherung überhaupt notwendig und sinnvoll? Und welche Tarife eignen sich für wen?

Ist Ver­kehrs­rechts­schutz sinnvoll?

Nach einem Unfall übernimmt erst einmal Deine Kfz-Versicherung (und nicht die Rechts­schutz­ver­si­che­rung) die Gerichts- und Anwaltskosten, sofern der Unfallgegner Scha­dens­er­satz­an­sprü­che anmeldet und diese abzuwehren sind. Bei Deinen eigenen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen oder wenn die Schuldfrage nicht geklärt ist, kommt dagegen die Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung ins Spiel. Sie hilft Dir, Deine Rechte notfalls auch vor Gericht durchzusetzen. Denn selbst wenn der Unfallverursacher sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen muss, musst Du als Kläger das erstmal vorstrecken – und das kann ohne Rechts­schutz­ver­si­che­rung teuer werden.

Deshalb gilt: Besonders Menschen, die jeden Tag eine größere Strecke mit dem eigenen Auto oder einem Firmenwagen zurücklegen und umfassend abgesichert sein wollen, sollten eine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung haben. Diese zahlt dann zum Beispiel bei Streitigkeiten rund um einen Unfall oder Bußgelder.

Diese Absicherung kannst Du im Paket mit einer privaten Rechts­schutz­ver­si­che­rung bekommen. Dann deckt die Versicherung mehrere Lebensbereiche ab, allerdings zu einem deutlich höheren Preis. Wer außerhalb des Straßenverkehrs keinen rechtlichen Ärger befürchtet, kann sich mit der kleinen Variante Ver­kehrs­rechts­schutz zufriedengeben.

Wofür zahlt eine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung?

Eine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung sichert Dich in vielen Rechtsbereichen rund um den Straßenverkehr ab. Grundsätzlich bist Du mit Deinen Fahrzeugen versichert, auch alle Fahrer und Insassen sind geschützt. Ver­si­che­rungs­schutz hast Du auch dann, wenn Du Fahrer eines fremden Fahrzeuges, etwa eines Mietwagens oder E-Scooters bist. Die Versicherung hilft auch bei Streit nach einem Autokauf oder nach Unfällen, wenn Du als Fußgänger oder Fahrradfahrer unterwegs warst. Die Versicherer sprechen dann häufig davon, dass Du für alle „Fortbewegungsarten“ versichert bist.

Landet ein Streit vor Gericht, zahlt die Versicherung den eigenen und den gegnerischen Anwalt, die Gerichtskosten sowie Kosten für einen Gutachter. Aber sie übernimmt nicht für alle Rechtsstreitigkeiten die Kosten.

Was ein Verkehrsrechtsschutz abdeckt

abgesicherte RechtsfragenKosten, die die Versicherung übernimmt
Schadensersatzrecht

Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten bei eigenen Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüchen gegen andere nach einem Verkehrsunfall; das gilt auch, wenn Du als Radfahrer, Fußgänger oder Fahrgast in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bist

Strafrecht

die Kosten zum Beispiel für Deinen Verteidiger, falls gegen Dich wegen einer mutmaßlichen Unfallflucht oder fahrlässiger Körperverletzung durch einen Unfall oder wegen Beleidigung eines anderen Verkehrsteilnehmers ermittelt wird

Vertrags- und SachenrechtAnwalts- und Gerichtskosten, wenn Du beispielsweise Ärger beim Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens hast, etwa wegen manipulierter Abgassoftware; auch ein Streit mit der Kfz-Werkstatt ist abgedeckt sowie Rechtsstreitigkeiten rund um die Finanzierung eines Autos durch einen Autokredit
Steuerrechtgerichtliche Auseinandersetzungen wegen der Kfz-Steuer; nicht versichert ist die anwaltliche Vertretung gegenüber der Steuerbehörde, sofern der Versicherer sie nicht ausdrücklich einbezieht
Verwaltungsrechtdie Kosten eines Verfahrens beim Ärger mit einer Behörde, etwa weil Dir der Führerschein zeitweise entzogen werden soll oder Du ihn nach Ablauf der Sperrfrist nicht wieder bekommst oder wenn Du ein Fahrtenbuch führen sollst
OrdnungswidrigkeitenAnwalts- und Gerichtskosten, wenn Du Dich gegen einen Bußgeldbescheid wehren willst

Strafen und Bußgelder

zu schnelles Fahren, Knöllchen oder Abschleppen des Fahrzeugs wegen Falschparken; dieser Schutz muss teilweise extra mit abgesichert werden

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 2021)

Dann hilft der Verkehrsrechtsschutz nicht

nicht abgedecktBeispiele
Abwehr von Schadensersatz-ansprüchenRechtsstreitigkeiten, in denen Du Dich gegen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che nach einem Unfall wehrst; diese deckt Deine eigene Kfz-Haftpflicht ab. Sie übernimmt auch Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die Du anderen Unfallbeteiligten zugefügt hast
vorsätzliche StraftatenStrafverfahren, bei denen es um vorsätzlich begangene Taten geht, zum Beispiel illegale Autorennen, Nötigung durch zu dichtes Auffahren oder Trunkenheit im Straßenverkehr (§ 316 StGB)1

1 Einige Versicherer bieten aber zusätzlich den sogenannten Spezial-Straf-Rechtsschutz an. Hier tritt die Versicherung zunächst immer ein, fordert aber alle angefallenen Kosten zurück, falls das Gericht feststellt, dass der Versicherte vorsätzlich gehandelt hat.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 2021)

Einige Versicherer bieten auch Tarife an, welche die Kosten übernehmen, wenn Du wegen Falschparkens oder zu schnellen Fahrens Rechtsstreitigkeiten hast. Diese Absicherung ist allerdings unnötig. Wer solche Probleme häufig beim Versicherer meldet, wird seinen Vertrag schnell wieder gekündigt bekommen. Wegen eines Streites um ein Knöllchen ist eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung nicht nötig.

Was ist beim Ver­kehrs­rechts­schutz wichtig?

Es gibt ein paar Aspekte, die bei der Auswahl einer Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung wichtig sind und auf die Du bei der Suche nach einem geeigneten Tarif achten solltest.

Versicherungssumme - Das ist die Summe, die der Versicherer maximal zahlt. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Es gibt Tarife mit einer Deckungssumme von 300.000 Euro, viele Versicherer erstatten aber inzwischen Kosten bis 1.000.000 Euro oder sogar unbegrenzt. Die höheren Versicherungssummen verteuern die Beiträge für den Vertrag nicht unbedingt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfiehlt eine Versicherungssumme von mindestens 500.000 Euro. Strafverfolgung im Ausland sollte bis zu einer Höhe von 100.000 Euro mitversichert werden.

Weltweiter Schutz - Üblicherweise gilt die Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung auch im europäischen Ausland, in EU-Mitgliedsstaaten und Anrainerstaaten des Mittelmeers. Manche Verträge sind weltweit gültig, meist jedoch nur für einen eingeschränkten Zeitraum. Wer also eine Zeit lang im Ausland arbeitet und seinen Wagen mitnehmen will, sollte darauf achten, wie lange der Schutz im Ausland gilt. Einige Versicherer bieten einen weltweiten Schutz von zwölf Monaten an. Die Versicherungssumme bei Streitigkeiten im Ausland ist allerdings meist niedriger als in Deutschland.

Selbstbeteiligung (SB) - Viele Versicherer bieten eine reduzierte Prämie an, wenn der Kunde eine Selbstbeteiligung wählt. Sie kann zwischen 150 Euro und 500 Euro pro Versicherungsfall liegen. Es gibt auch Versicherer, bei denen die Selbstbeteiligung sinkt, falls der Versicherte eine gewisse Anzahl von Jahren keinen Schaden geltend gemacht hat (Flexi-Tarife).

Wähle eine Selbstbeteiligung, die Du Dir leisten kannst. Finanztip empfiehlt eine Selbstbeteiligung von 150 bis maximal 250 Euro pro Versicherungsfall. Da Dir Deine Versicherung nach zwei Schadensfällen innerhalb von zwölf Monaten kündigen kann, ist es sinnvoll, kleine Schäden selbst zu zahlen. Zudem sinken die Versicherungsbeiträge, je höher die Selbstbeteiligung ist. Es gibt Anbieter, bei denen Du nichts zahlen musst, wenn Dein Fall nach der anwaltlichen Erstberatung schon erledigt ist. Das dürfte aber eher selten der Fall sein. Alternativ haben viele Anbieter eine kostenlose Telefonberatung, um eine erste Einschätzung zu erhalten.

Anwaltsleistungen - Manchmal reicht eine telefonische Rechtsberatung aus. Diese sollte Deine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung zusätzlich anbieten.

Wartezeit - Anders als bei den meisten anderen Versicherungen gibt es beim Ver­kehrs­rechts­schutz in der Regel keine Wartezeit, bis Du Leistungen in Anspruch nehmen darfst. Du kannst also sofort nach Neuabschluss einen Anwalt aufsuchen. Einzelne Leistungen wie den Schutz im Vertrags- und Sachenrecht kann es aber trotzdem erst nach einer Vertragslaufzeit von drei Monaten geben. Schau Dir dazu die Ver­si­che­rungs­be­din­gungen unter dem Punkt „Zeitliche Ausschlüsse“ genau an.

Kündigung durch den Versicherer - Der Versicherer kann den Rechtsschutz meist kündigen, wenn Du innerhalb eines Jahres zwei Versicherungsfälle einreichst. Wie das Deine Versicherung handhabt, kannst Du in den Allgemeinen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen unter dem Punkt „Kündigung nach Versicherungsfall“ nachlesen.

Ver­kehrs­rechts­schutz: Wie findest Du den richtigen Tarif?

Welcher Tarif der richtige für Dich ist, hängt auch von Deinen Lebensumständen ab. Für Familien mit einem Fahrzeug kann der eine Tarif besser passen als für eine Familie mit mehreren Fahrzeugen oder für einen Single. Außerdem kann die Auswahl anders ausfallen, wenn Du mehr als nur eine Ver­kehrs­rechts­schutz­ver­si­che­rung suchst.

Bei Familientarifen sind anders als in Singletarifen nicht nur der Versicherungsnehmer, sondern auch die Lebenspartner und die Kinder mitversichert. Das sollte nicht nur gelten, wenn sie selbst fahren, sondern auch wenn sie mitfahren oder als Radfahrer, Fußgänger oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Wichtig ist auch, dass volljährige Kinder weiter mitversichert sind, wenn sie noch im Haus leben.

Familien mit einem Fahrzeug müssen bei der Tarifauswahl darauf achten, dass alle Familienmitglieder versichert sind und nicht allein darauf, dass nur ein Fahrzeug geschützt ist. Bei einigen Anbietern muss eine Familie deshalb den Tarif mit mehreren Fahrzeugen wählen, da ansonsten kein Schutz für Ehepartner und Kinder in allen Situationen besteht. Mehr muss das nicht unbedingt kosten. Vergleiche am besten die verschiedenen Tarife.

Da bei einem Single keine anderen Personen mitversichert werden müssen, sind die Beiträge um einiges günstiger.

Wer außer einer Ver­kehrs­rechts­schutz weitere Lebensbereiche absichern möchte, zahlt natürlich auch mehr. In einer privaten Rechts­schutz­ver­si­che­rung, in der unter anderem auch Arbeitsrecht mitversichert ist, kann der Bereich Verkehr als Baustein dazu gewählt werden. Was Du dazu wissen solltest und wie Du entsprechende Tarife findest, erfährst Du in unserem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Um den passenden Tarif für Dich zu finden, suche am besten über ein Vergleichsportal. Wir empfehlen Mr-Money oder Check24. Wie wir zu unserer Empfehlung gekommen sind, erfährst Du hier.

Gib im Filter ein, ob Du nur Dich versichern möchtest, zusätzlich Deinen Partner oder die ganze Familie. Außerdem kannst Du ein paar Kriterien eingeben, die Dir wichtig sind, wie Versicherungssumme und Höhe der Selbstbeteiligung. Vergleiche die Tarife der verschiedenen Versicherungen genauer, bevor Du Dich für ein Angebot entscheidest. Dafür kannst Du jeweils die Tarifdetails einsehen und auch Tarife direkt miteinander vergleichen.

Empfehlungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Wir haben von Mai bis Juli 2021 Vergleichsportale für Rechts­schutz­ver­si­che­rungen untersucht und verglichen, wo Du am besten einen passenden Tarif findest. Unsere Empfehlungen aus diesem Test sind:
 

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