Vermieterrechtsschutz

So schützt Dich eine Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung vor hohen Kosten

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung soll Dich vor Kosten aus Rechtsstreitigkeiten schützen, in die Du als Vermieter geraten kannst. Solche Fälle sind etwa ein Rechtsstreit mit einem Mieter oder eine Auseinandersetzung mit den Behörden.
  • Die Versicherung kannst Du bei einigen Anbietern einzeln abschließen. Es gibt sie auch als Teil einer umfassenden Immobilienversicherung oder als Baustein zur privaten Rechts­schutz­ver­si­che­rung.
  • Eine Absicherung gegen Mietausfälle ist nur in wenigen Vermieterrechtsschutz-Tarifen enthalten. Diesen Schutz bekommst Du aber auch separat bei Versicherungen oder Banken mit einer Mietausfallversicherung.
So gehst Du vor
  • Am einfachsten erhältst Du Vermieterrechtsschutz zu einer Privatrechtsschutzversicherung mit dem Baustein „Vermietung“. Bist Du bereits privat rechts­schutz­ver­si­chert, frage bei Deinem Versicherer nach einem Angebot für den Zusatz Vermieterrechtsschutz. Vergleiche es mit den Angeboten des Vergleichsportals.
  • Schutz gegen Mietausfall musst Du beim Versicherungsanbieter erfragen oder Du suchst Dir dafür einen anderen Anbieter.
  • Rechts­schutz­ver­si­che­rungen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis findest Du auf einem Vergleichsportal. Wir empfehlen Mr-Money und Check24.

Jedes Jahr verhandeln deutsche Gerichte etwa 300.000 Mietsachen wie falsche Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung­en, Mieterhöhungen oder Kündigungen. Dabei wird der allergrößte Teil der Streitigkeiten, weit über 90 Prozent, zwischen Mieter und Vermieter außergerichtlich ausgetragen. Aber egal ob der Streit vor Gericht landet oder vorher geklärt wird, er kostet Geld. Eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung für Vermieter soll diese Kosten übernehmen.

Ist eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung für Vermieter sinnvoll?

Bei einem außergerichtlichen Streit mit Deinem Mieter um die Nebenkosten oder eine Mieterhöhung zahlst Du für einen Anwalt ein paar Hundert Euro. Weigert sich etwa Dein Mieter Deine Eigenbedarfskündigung anzuerkennen, kann es bis zur Räumungsklage einige Monate dauern und mehrere Tausend Euro kosten. Wenn Dein Mieter die Miete ganz oder teilweise nicht mehr zahlt, kommen zu den Kosten der Räumungsklage noch entgangene Mieteinnahmen.

Niemand wünscht sich einen Rechtsstreit. Wenn Du aber eine Wohnung oder Ferienwohnung dauerhaft vermietest, erhöht sich das Risiko eines Rechtsstreites mit den Jahren. Wenn Du Dich vor diesem Kostenrisiko schützen möchtest, kann es sinnvoll sein, eine Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung abschließen.

Allerdings gilt wie bei vielen Versicherungen: Du kannst dieses Kostenrisiko grundsätzlich auch auffangen, indem Du frühzeitig und regelmäßig Geld für einen eventuellen Schadensfall zur Seite legst. Im Schadensfall kannst Du dann auf dieses Geld zurückgreifen, solltest Dich allerdings dann nicht darüber ärgern, dass Du es einsetzen musst. Im günstigeren Fall kommst Du problemlos durch Deine Zeit als Vermieter und kannst das angesparte Geld dann anderweitig einsetzen.

Wenn Du Dich für den Ansparweg entscheidest, hilft Dir unser Tagesgeldrechner bei der Auswahl eines passenden Angebots.

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Den Vermieterrechtsschutz gibt es einzeln oder im Paket

Du kannst den Vermieterrechtsschutz als Baustein einer umfangreicheren Rechts­schutz­ver­si­che­rung mit abschließen oder als einzelnen Vertrag. Das hängt vom Anbieter ab und davon, was Du alles versichern möchtest. Wenn Du noch unschlüssig bist, ob Du Geld für eine Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung ausgeben möchtest, findest Du weiter unten Alternativen.

Dein Rechtsschutz für Vermieter greift grundsätzlich erst nach Ende der üblichen Wartezeit von drei Monaten. Auch wenn Du bisher bereits eine Privatrechtsschutz hattest, aber den Vermieterrechtsschutz neu vereinbarst, gilt die Wartezeit. Das heißt, nur wenn der Konflikt drei Monate nach Abschluss des Ver­si­che­rungs­schutzes eintrat, ist er auch abgesichert.

Ist die Wartezeit vorbei, muss der Streit selbst ein versichertes Ereignis sein. Hierzu zählen vor allem Konflikte mit dem Mieter rund um:

  • Mieterhöhung
  • Mietmängel
  • Mietkürzungen oder -ausfälle
  • Nebenkosten
  • Auszug und Kaution
  • Kündigung wegen Eigenbedarf

Aber auch Streit mit Behörden, zum Beispiel wegen Abfallgebühren oder Bonitätsprüfungen eines potenziellen Mieters können versichert sein.

Bevor Dein Vermieterrechtsschutz die Kosten für einen solchen Streit übernimmt, musst Du den Konflikt Deiner Versicherung melden. Sie prüft dann, ob sie die Kosten für den Rechtstreit übernimmt. Erhältst Du die Deckungszusage, kannst Du einen Anwalt beauftragen. Je nach Vertrag zahlt Deine Versicherung folgende Kosten:

  • Juristische Erstberatung
  • Anwaltskosten, gerichtlich und außergerichtlich
  • Gerichtskosten
  • Vollstreckung eines Räumungstitels
  • Kosten für Gutachter und Zeugen
  • Steuer-Rechtsschutz vor Gericht (bereits ab Einspruch, wenn vereinbart)
  • Außergerichtliche Einigung durch Mediation (wenn vereinbart)
  • Mietausfälle (wenn vereinbart)

Was zahlt die Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung nicht?

Eine Rechtschutzversicherung für Vermieter hilft nicht bei allen Streitigkeiten, die Dich als Hausbesitzer betreffen können. Wenn Du Deine Wohnung beispielsweise nicht vermietest, sondern selbst bewohnst, dann benötigst Du bei Streit mit Deinen Nachbarn den Baustein Wohnen in Deiner Privathaftpflicht. Auch einige Probleme mit Behörden sind darüber besser abgesichert. Zudem ist diese Versicherung günstiger als die für Vermieter.

Hast Du als Wohnungsbesitzer Ärger mit einem Beschluss der Eigentümergemeinschaft oder mit den Nachbarn in der vermieteten Wohnung, reicht Vermieterrechtsschutz nicht aus. Dafür gibt es die Grundstücks- und Wohnungsrechtsschutzversicherung, auch Immobilienrechtsschutz genannt. Diese Absicherung bezieht sich auf die Immobilie (den versicherten Gegenstand) und nicht auf Dich in Deiner Rolle als Vermieter. Den Schutz gibt es entweder im Baustein „Wohnen“ oder als Paket mit der Vermieterhaftpflicht. 

Für Schäden an Deiner Immobilie durch Leitungswasser, Sturm und Hagel oder Feuer ist die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung verantwortlich. Stellt sich heraus, dass der Mieter schuld am verursachten Schaden ist, weil beispielsweise eine unbeaufsichtigte Kerze einen Brand verursacht, holt sich Dein Wohngebäudeversicherer im Zweifel das Geld vom Mieter. Du hast mit diesem Streit dann nichts zu tun.

Wenn der Mieter oder ein Besucher einen Schaden erleidet, den Du als Vermieter zu verantworten hast (Baumangel), dann sollte dies die Grundbesitzerhaftpflicht zahlen.

Sämtliche Streitigkeiten, die sich aus der Finanzierung Deines Bau- oder Umbauvorhabens ergeben, sind von der Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung ausgenommen.

Ist die Wartezeit noch nicht abgelaufen, bevor der Streit beginnt, muss Deine Versicherung nicht zahlen.

Welche Rechts­schutz­ver­si­che­rung ist für Vermieter sinnvoll?

Versicherungsunternehmen bieten unterschiedliche Möglichkeiten, Vermieterrechtsschutz zu erhalten. Einige Unternehmen bieten Vermieterrechtsschutz als Einzelversicherung oder als Immobilienversicherung an. Diese Angebote sind meist nur bei den Versicherern selbst zu bekommen, auf Vergleichsportalen gibt es nur sehr wenige solche Angebote.

Größer ist auf Vergleichsportalen die Auswahl an Vermieterrechtsschutz innerhalb einer Privatrechtsschutzversicherung. Hier kannst Du außerdem Tarife mit dem Baustein „Wohnen“ auswählen und vergleichen. Der Nachteil: Bei den angebotenen Tarifen ist kein Mietausfall abgesichert. Um dafür Ver­si­che­rungs­schutz zu erhalten, musst Du Dich an den Versicherer wenden.  

Wenn Du eine private Rechts­schutz­ver­si­che­rung und Vermieterrechtschutz möchtest, empfehlen wir den Weg über ein Vergleichsportal. So kannst Du Leistungen und Beiträge miteinander vergleichen. Wenn Du ein gutes Angebot findest, frag bei der Versicherung nach einer Mietausfallabsicherung. Geht dies nicht oder ist Dir zu teuer, kannst Du diesen Schutz auch separat bei einer anderen Versicherung oder Bank abschließen.

Wenn Du bereits eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung hast, kannst Du zudem bei Deinem Versicherer nach einem passenden Angebot fragen.

Wichtig ist, dass die Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung folgende Mindestkriterien erfüllt:

  • Forderungsmanagement
  • Kostenlose telefonische Erstberatung
  • Mediation
  • Steuerrechtsschutz
  • Mietausfallschutz (eventuell separat absichern)

Achte beim Vergleich der Tarife auch darauf, ob die Adresse der vermieteten Wohnung von Deiner eigenen abweichen darf.

Was kostet Vermieterrechtsschutz?

Ebenso unterschiedlich wie die Leistungen sind auch die Beiträge für Vermieterrechtsschutz. Sie hängen vom Standort der Immobilie ab, von deren Anzahl, von den jährlichen Mieteinnahmen und vom Versicherungsumfang.

Eine Versicherung für eine Mieteinheit in Berlin mit einer Bruttojahresmiete von 12.000 Euro gibt es ab 270 Euro (Selbstbeteiligung 150 Euro). Als Baustein in der Privathaftpflicht zahlst Du etwa 100 Euro mehr, hast jedoch auch mehr Umfang. Darin ist jedoch Mietausfall jeweils nicht mitversichert.

Für eine Immobilienrechtsschutzversicherung – mit Mietausfall für sechs Monate – haben wir ein Angebot für etwa 250 Euro (250 Euro Selbstbeteiligung) gefunden. Bei allen anderen Anbietern können Die Beiträge nicht online abgefragt werden.

Eine reine Mietausfallversicherung ist bei 12.000 Euro Mieteinnahmen pro Jahr (netto) ab etwa 100 Euro zu haben.

Gibt es Alternativen zur Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung?

Als Besitzer einer Wohnung bist Du, wie alle anderen Eigentümer im Haus oder Gebäudekomplex, Mitglied in einer Eigentümergemeinschaft. Diese kann eine gemeinsame Rechts­schutz­ver­si­che­rung für Rechtsstreitigkeiten gegen Dritte (zum Beispiel Streit mit der Hausverwaltung oder Handwerkern) abschließen. Frage nach, ob es so etwas bereits gibt und welche Leistungen enthalten sind. Streit der Eigentümer untereinander oder mit Deinem Vermieter sind in dieser Versicherung in der Regel nicht abgedeckt. Dafür benötigst Du eine eigene Rechts­schutz­ver­si­che­rung. In dieser reicht dann ein kleinerer Leistungsumfang.

Alternativ zur Rechts­schutz­ver­si­che­rung, kannst Du auch Mitglied in einem Vermieterverein werden. Ähnlich dem Mieterverein unterstützt Dich dieser in verschiedenen Rechtsfragen, bei Verträgen und der Korrespondenz mit der Gegenseite. Leistungsumfang und Beiträge sind von Verein zu Verein sehr unterschiedlich. Für 35 Euro Jahresbeitrag (bei maximal fünf Wohneinheiten) bekommst Du bei einem Verein allgemeine Informationen rund ums Vermieten. Ein anderer Verein bietet für etwas über 100 Euro pro Jahr mindestens drei kostenlose Gespräche mit einem Fachanwalt. Bist Du Mitglied in einem solchen Verein, erhältst Du eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung beim Partnerunternehmen des Vereins in der Regel günstiger.

Empfehlungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Wir haben von Mai bis Juli 2021 Vergleichsportale für Rechts­schutz­ver­si­che­rungen untersucht und verglichen, wo Du am besten einen passenden Tarif findest. Unsere Empfehlungen aus diesem Test sind:
 

30. Juli 2021


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