Rechts­schutz­ver­si­che­rung kündigen

Wann Du den Vertrag kündigen darfst – und wann die Versicherung

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
26. Mai 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kündigungsfrist einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung beträgt in der Regel drei Monate zum Ende der Vertragslaufzeit. Ohne Kündigung verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr.
  • Nach mehreren Schäden innerhalb von zwölf Monaten haben Versicherung und Kunde ein außerordentliches Kündigungsrecht.
So gehst Du vor
  • Möchtest Du Deinen Vertrag kündigen, achte auf die Kündigungsfristen.
  • Willst Du den Rechtsschutz-Anbieter wechseln, suche Dir einen neuen Vertrag, bevor Du den alten kündigst. So vermeidest Du eine Lücke in der Versicherungszeit und kannst Wartezeiten anrechnen lassen.
  • Hat Dein Versicherer den Vertrag beendet, solltest Du anbieten, selbst zu kündigen. Sonst kann es schwer werden, einen neuen Vertrag zu bekommen.

Manchmal gibt es gute Gründe, die bestehende Rechts­schutz­ver­si­che­rung zu kündigen: So kann es vorkommen, dass Du sie nicht mehr brauchst oder einen günstigeren Anbieter gefunden hast. Doch wer kündigen will, muss einiges beachten: nicht nur die Kündigungsfristen, sondern auch das mögliche Verhalten der Versicherung.

Worauf solltest Du bei der Kündigung achten?

Die ordentliche Kündigungsfrist einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung beträgt in der Regel drei Monate. Versicherte können den Vertrag also bis spätestens drei Monate vor Ende der Laufzeit kündigen. Verträge können unterschiedlich lange Laufzeiten haben, oft sind es ein, drei oder fünf Jahre. Deshalb ist es wichtig, dass Du in Deinen Unterlagen prüfst, wie lange Dein Vertrag läuft.

Hast Du Deinen Ein-Jahres-Vertrag beispielsweise zum 1. Januar abgeschlossen, muss Dein Kündigungsschreiben bis zum 30. September desselben Jahres bei der Versicherung eingehen, damit der Vertrag zum 31. Dezember endet. Verstreicht die Kündigungsfrist, verlängert sich die Rechts­schutz­ver­si­che­rung meist stillschweigend um ein weiteres Jahr.

Zwei- und Dreijahresverträge können Kunden zum Ablauf des letzten Vertragsjahres kündigen. Bei Verträgen über fünf Jahre ist die Kündigung schon eher möglich – nämlich frühestens zum Ende des dritten Jahres.

Tipp: Fordere die Versicherung auf, Deine Kündigung zu bestätigen. Falls Du erst kurz vor Fristablauf kündigst, empfiehlt es sich, ein Einschreiben mit Rückschein zu schicken.

Wann gilt ein Son­der­kün­di­gungs­recht?

Nicht immer musst Du Dich an die reguläre Kündigungsfrist halten. Unter bestimmten Voraussetzungen hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht für die Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Es gilt in folgenden Fällen:

Anbieter zahlt nicht - Weigert sich Deine Versicherung, die Kosten für einen Rechtsstreit zu übernehmen, obwohl sie vertraglich dazu verpflichtet ist, kannst Du innerhalb eines Monats kündigen. Alternativ kannst Du Dich beim Ver­si­che­rungs­om­buds­mann beschweren und ihn bitten, die Angelegenheit zu klären. Das ist für Verbraucher immer kostenlos.

Beitragserhöhung - Erhöht der Anbieter den Beitrag, ohne die Leistung des Rechtsschutzvertrags zu verbessern, darfst Du innerhalb eines Monats kündigen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem Du die Information über die Beitragserhöhung erhalten hast. Kündigen kannst Du dann mit sofortiger Wirkung, allerdings nicht vor dem Termin, ab dem die Beitragserhöhung gilt.

Risikowegfall - Fällt das versicherte Risiko weg, kannst Du den Vertrag mit sofortiger Wirkung beenden. Möglich ist das etwa, wenn Du Dein Auto abmeldest und deshalb keinen Ver­kehrs­rechts­schutz mehr brauchst.

Veränderte Gefahrenumstände - Nach dem Abschluss der Rechts­schutz­ver­si­che­rung können Veränderungen dazu führen, dass die Versicherung ein erhöhtes Risiko für Rechtsstreitigkeiten befürchtet. Zum Beispiel, wenn Du Dir zusätzlich zum Auto auch ein Motorrad angeschafft hast. In solchen Fällen darf der Anbieter den Beitrag erhöhen. Ein Son­der­kün­di­gungs­recht hast Du dann, wenn der Beitrag um mehr als 10 Prozent steigt oder der Anbieter es ablehnt, die erhöhte Gefahr zu versichern.

Wenn Du Dein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzen willst, hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Du kündigst mit sofortiger Wirkung oder Du legst fest, dass die Kündigung zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft treten soll, spätestens jedoch zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Letzteres kann sinnvoll sein, um etwas Zeit für die Suche nach einem geeigneten neuen Anbieter zu gewinnen.

Tipp: Möchtest Du den Vertrag wechseln, solltest Du einen lückenlosen Ver­si­che­rungs­schutz sicherstellen und frühzeitig ein neues Angebot suchen. Denn bei vielen Bereichen im Rechtsschutz bestehen Wartezeiten. Das heißt, Du erhältst nicht direkt ab Vertragsbeginn Leistungen. Wenn der neue Vertrag ohne einen Tag Unterbrechung an den alten anschließt, wird Dir die Vertragsdauer des alten Vertrages an die übliche Wartezeit angerechnet. Somit entfällt eine Wartezeit oder verkürzt sich.

Empfehlungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Eine passende Rechts­schutz­ver­si­che­rung findest Du am besten über ein Vergleichsportal. Von Mai bis Juli 2021 haben wir diese untersucht. Unsere Empfehlungen aus diesem Test sind:

Zum Ratgeber

Wann darf die Versicherung kündigen?

Nicht nur Kunden dürfen eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung kündigen. Der Versicherer kann den Vertrag regulär zum Ende des Versicherungsjahres beenden oder ebenfalls ein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzen. Ein solches hat er in folgenden Fällen:

Nach Versicherungsfall - Falls ein Kunde innerhalb von zwölf Monaten mindestens zwei Schäden meldet, für die Ver­si­che­rungs­schutz besteht, können sowohl Versicherung als auch Kunde den Vertrag beenden. Nachdem der Rechtsschutz-Anbieter die Deckungszusage für den zweiten Schaden erteilt hat, haben beide Seiten einen Monat Zeit, um zu kündigen. Vereinzelt gibt es sogar Verträge, die schon nach dem ersten Schaden eine Möglichkeit zur Kündigung vorsehen. Versicherer nutzen diese Klausel immer wieder, um sich von unrentablen Verträgen zu trennen.

Zahlungsverzug - Zahlt der Versicherte auch nach Aufforderung seine Beiträge nicht, kann der Anbieter fristlos kündigen.

Hat Dir der Versicherer gekündigt, bist Du vier Wochen, nachdem Du das Schreiben erhalten hast, nicht mehr versichert. Sobald die Kündigung wirksam wird, musst Du keine Beiträge mehr zahlen.

Was kannst Du tun, wenn die Versicherung gekündigt hat?

Falls der Anbieter den Vertrag gekündigt hat, kann es manchmal schwierig werden, eine neue Versicherung zu finden. Denn beim Neuabschluss musst Du angeben, ob Du vorher bereits versichert warst und wer diesen Vertrag gekündigt hat. Hat der alte Versicherer Dir gekündigt, kann es passieren, dass die neue Versicherung Dich als potenziell streitfreudigen Kunden ablehnt, weil sie hohe Kosten befürchtet.

Hast Du die Kündigung Deines Anbieters auf dem Tisch, solltest Du ihn bitten, diese zurückzunehmen, damit Du anschließend selbst kündigen kannst. Alternativ könntest Du Dich mit dem Versicherer auf eine sogenannte Vertragssanierung einigen. Das bedeutet, der Versicherungsvertrag wird so verändert, dass der Anbieter bereit ist, ihn fortzuführen. Beispielsweise könntest Du eine höhere Selbstbeteiligung vereinbaren oder bestimmte Lebensbereiche wie Miet- oder Arbeitsrecht vom Schutz ausschließen. Bevor Du solchen Änderungen zustimmst, solltest Du jedoch genau überlegen, ob sich die Versicherung dann noch lohnt.

Lässt sich die Kündigung durch den Anbieter nicht abwenden, bleibt nur noch die geduldige Suche nach einem neuen Vertrag. Hole Dir konkrete Angebote von mehreren Versicherern und vergleiche deren Leistungen. Bei den Fragen im Versicherungsantrag zu schummeln, ist übrigens keine Lösung: Du läufst damit Gefahr, den Ver­si­che­rungs­schutz zu verlieren.

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