Rechts­schutz­ver­si­che­rung kündigen

Wann Du den Vertrag kündigen darfst – und wann die Versicherung

Henriette Neubert
Expertin für Versicherungen
20. Juni 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kündigungsfrist einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung beträgt in der Regel drei Monate zum Ende der Vertragslaufzeit.
  • Ohne Kündigung verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr.
  • Es gibt für Versicherung und Kunden aber Son­der­kün­di­gungs­rechte.
  • Insbesondere nach mehreren Schäden innerhalb von zwölf Monaten können beide Seiten die Police kündigen.
So gehst Du vor
  • Schaue in Deinem Vertrag rechtzeitig nach, welche Kündigungsfristen gelten und halte diese ein.
  • Willst Du den Rechtsschutz-Anbieter wechseln, suche Dir einen neuen Vertrag, bevor Du den alten kündigst.
  • Hat Dein Versicherer den Vertrag beendet, solltest Du anbieten, selbst zu kündigen, falls er seine Kündigung zurücknimmt. Sonst kann es schwer werden, eine neue Police zu bekommen.

Manchmal gibt es gute Gründe, die bestehende Rechts­schutz­ver­si­che­rung zu kündigen: etwa weil man sie nicht mehr braucht oder einen günstigeren Anbieter gefunden hat. Doch wer kündigen will, muss einiges beachten: nicht nur die Kündigungsfristen, sondern auch das mögliche Verhalten der Versicherung.

Was Du bei der Kündigung beachten solltest

Die ordentliche Kündigungsfrist einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung beträgt in der Regel drei Monate. Häufig haben die Verträge eine Laufzeit von einem Jahr. Versicherte können die Police bis spätestens drei Monate vor Ende der Laufzeit kündigen.

Das bedeutet: Hast Du Deinen Ein-Jahres-Vertrag beispielsweise zum 1. Januar abgeschlossen, muss Dein Kündigungsschreiben bis zum 30. September des Folgejahres bei der Versicherung eingehen, damit der Vertrag zum 31. Dezember endet. Verstreicht die Kündigungsfrist, verlängert sich die Rechts­schutz­ver­si­che­rung meist stillschweigend um ein weiteres Jahr.

Einige Rechtsschutz-Verträge haben allerdings auch eine längere Laufzeit. Zwei- und Dreijahresverträgen können Kunden zum Ablauf des letzten Vertragsjahres kündigen. Bei Verträgen über fünf Jahre ist die Kündigung schon eher möglich – nämlich frühestens zum Ende des dritten Jahres. Wie Du schnell aus teuren Verträgen rauskommst, erfährst Du auch in unserem Ratgeber zum Thema Kündigung.

Tipp: Fordere die Versicherung auf, Deine Kündigung zu bestätigen. Falls Du erst kurz vor Fristablauf kündigst, empfiehlt es sich, ein Einschreiben mit Rückschein zu schicken.

Früher aus dem Vertrag durch Son­der­kün­di­gungs­recht

Nicht immer müssen Versicherte sich an die reguläre Kündigungsfrist halten. Unter bestimmten Voraussetzungen haben sie ein Son­der­kün­di­gungs­recht für die Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Es gilt in folgenden Fällen:

  1. Anbieter zahlt nicht - Lehnt die Versicherung es ab, die Kosten für einen Rechtsstreit zu übernehmen, obwohl sie vertraglich dazu verpflichtet wäre, kann der Versicherte innerhalb eines Monats kündigen. Alternativ können sich Kunden beim Versicherungsombudsmann beschweren und ihn bitten, die Angelegenheit zu klären. Das ist für Verbraucher immer kostenlos.
  2. Beitragserhöhung - Erhöht der Anbieter den Beitrag, ohne die Leistung der Rechtsschutzpolice zu verbessern, darf der Versicherte innerhalb eines Monats kündigen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem er die Information über die Beitragserhöhung erhalten hat. Kündigen kann er dann mit sofortiger Wirkung, allerdings nicht vor dem Termin, ab dem die Beitragserhöhung gilt.
  3. Risikowegfall - Fällt das versicherte Risiko weg, können Kunden den Vertrag mit sofortiger Wirkung beenden. Möglich ist das etwa, wenn der Versicherte sein Auto abmeldet und deshalb keinen Verkehrsrechtsschutz mehr braucht oder der Berufsrechtsschutz nach dem Eintritt in die Rente nicht mehr notwendig ist.
  4. Veränderte Gefahrenumstände - Nach dem Abschluss der Rechts­schutz­ver­si­che­rung können bestimmte Umstände dazu führen, dass die Versicherung ein erhöhtes Risiko für Rechtsstreitigkeiten befürchtet. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Versicherte sich neben dem Auto zusätzlich ein Motorrad angeschafft hat. In solchen Fällen darf der Anbieter den Beitrag erhöhen. Ein Son­der­kün­di­gungs­recht hat der Kunde dann, wenn der Beitrag um mehr als 10 Prozent steigt oder der Anbieter es ablehnt, die erhöhte Gefahr zu versichern.

Wenn Du Dein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzen willst, hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Du kündigst mit sofortiger Wirkung oder Du legst fest, dass die Kündigung zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft treten soll, spätestens jedoch zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Letzteres kann sinnvoll sein, um etwas Zeit für die Suche nach einem geeigneten neuen Anbieter zu gewinnen.

So kannst Du in Ruhe die Leistungen des alten Vertrages mit neuen Policen vergleichen. Denn um einen lückenlosen Versicherungsschutz sicherzustellen, sollte Dein neuer Vertrag beginnen, sobald der alte endet.

Tipp: Kümmere Dich frühzeitig um einen neuen Vertrag, falls Du die Versicherung wechseln willst. Nur wenn der neue Vertrag ohne einen Tag Unterbrechung an den alten anschließt, entfällt die sonst übliche Wartezeit, bevor die Versicherung zahlt.

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Auch die Versicherung darf kündigen

Nicht nur Kunden dürfen eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung kündigen. Der Versicherer kann den Vertrag regulär zum Ende des Versicherungsjahres beenden oder ebenfalls ein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzen. Ein solches hat er in folgenden Fällen:

Nach Versicherungsfall - Falls ein Kunde innerhalb von zwölf Monaten mindestens zwei Schäden meldet, für die Versicherungsschutz besteht, können sowohl Versicherung als auch Kunde den Vertrag beenden. Nachdem der Rechtsschutz-Anbieter die Deckungszusage für den zweiten Schaden erteilt hat, haben beide Seiten einen Monat Zeit, um zu kündigen. Vereinzelt gibt es sogar Verträge, die schon nach dem ersten Schaden eine Möglichkeit zur Kündigung vorsehen. Versicherer nutzen diese Klausel immer wieder, um sich von unrentablen Verträgen zu trennen.

Zahlungsverzug - Zahlt der Versicherte auch nach Aufforderung seine Beiträge nicht, kann der Anbieter fristlos kündigen.

Hat Dir der Versicherer gekündigt, bist Du vier Wochen, nachdem Du das Schreiben erhalten hast, nicht mehr versichert. Sobald die Kündigung wirksam wird, musst Du keine Beiträge mehr zahlen.

Probleme beim Neuabschluss nach Kündigung

Falls der Anbieter den Vertrag gekündigt hat, kann es manchmal schwierig werden, eine neue Versicherung zu finden. Denn beim Neuabschluss musst Du angeben, ob Du vorher bereits versichert warst und wer diesen Vertrag gekündigt hat. Hat der alte Versicherer Dir gekündigt, kann es passieren, dass die neue Versicherung Dich als potenziell streitfreudigen Kunden ablehnt, weil sie hohe Kosten befürchtet.

Hast Du die Kündigung Deines Anbieters auf dem Tisch, solltest Du ihn bitten, diese zurückzunehmen, damit Du anschließend selbst kündigen kannst. Alternativ könntest Du Dich mit dem Versicherer auf eine sogenannte Vertragssanierung einigen. Das bedeutet, der Versicherungsvertrag wird so verändert, dass der Anbieter bereit ist, ihn fortzuführen. Beispielsweise könntest Du eine höhere Selbstbeteiligung vereinbaren oder bestimmte Lebensbereiche wie Miet- oder Arbeitsrecht vom Schutz ausschließen. Bevor Du solchen Änderungen zustimmst, solltest Du jedoch genau überlegen, ob sich die Versicherung dann noch lohnt.

Lässt sich die Kündigung durch den Anbieter nicht abwenden, bleibt nur noch die geduldige Suche nach einem neuen Vertrag. Hole Dir konkrete Angebote von mehreren Versicherern und vergleiche deren Leistungen. Bei den Fragen im Versicherungsantrag zu schummeln, ist übrigens keine Lösung: Du läufst sonst Gefahr, den Versicherungsschutz zu verlieren.

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