Stromanbieter wechseln

Ihr Fahrplan zu einem guten Stromversorger

Ines Rutschmann Stand: 14. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie nicht bewusst einen Stromvertrag abgeschlossen haben, sind Sie im teuren Grundtarif. Sie sollten dann günstigere Angebote bei Ihrem Versorger einholen oder gleich den Lieferanten wechseln.
  • Der Wechsel dauert nur wenige Minuten. Sie müssen Ihren Stromvertrag nicht einmal kündigen – das erledigt der neue Stromanbieter für Sie. Eine außerordentliche Kündigung, etwa wegen einer Preiserhöhung, müssen Sie selbst schreiben. 
So gehen Sie vor
  • Vergleichen Sie Tarife mit unserem Stromrechner. Er fragt die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig ab und filtert die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Sie Ihren Tarif direkt abschließen können. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100 Prozent unabhängig.

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  • Verzichten Sie auf hohe Bonuszahlungen, wenn Sie nicht jedes Jahr erneut einen neuen Stromvertrag schließen wollen. 
  • Wenn Ihre monatlichen Abschlagszahlungen nicht (mehr) Ihrem Verbrauch entsprechen, lassen Sie diese korrigieren. Nutzen Sie dafür gern unseren Musterbrief.

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  • Haben Sie ein Problem mit Ihrem Lieferanten, wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle Energie oder eine Verbraucherzentrale.

Seit 1998 haben Sie als Verbraucher die Wahl: Sie können bestimmen, wer Ihnen Strom liefert. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Erhöht etwa Ihr Stromanbieter die Preise, können Sie sofort den Vertrag kündigen und sich einen anderen Lieferanten suchen. Sie gehen bei solch einem Wechsel kein Risiko ein: Ihre Versorgung bleibt sicher. Mit einem günstigen Tarif können Sie ordentlich Geld sparen. Der Finanztip-Stromrechner hilft Ihnen bei der Suche.

Vergleichen Sie Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der Finanztip-Stromrechner basiert auf Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien erhältst. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2020 Check24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2020). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Willst Du über Verivox oder Check24 den Vertrag abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Wie läuft ein Versorgerwechsel ab?

Den Versorger zu wechseln, ist einfach. Am wenigsten Aufwand haben Sie, wenn Sie direkt einen neuen Anbieter suchen – dieser kündigt dann Ihrem alten Anbieter. Nutzen Sie dagegen Ihr Sonderkündigungsrecht, weil Ihr Lieferant eine Preiserhöhung angekündigt hat, müssen Sie selbst kündigen. Anschließend können Sie einen neuen Lieferanten auswählen. Jeder neue Vertrag sollte direkt an das Ende des alten Vertrags anschließen.

Geht etwas schief beim Wechsel, bekommen Sie trotzdem weiter Strom. Sie rutschen dann vorübergehend in die Ersatzversorgung. Diese übernimmt der Grundversorger – das Energieunternehmen mit den meisten Stromkunden in einer Region. Die Ersatzversorgung dauert so lange an, bis Ihr gewählter Versorger liefern kann. Den von Ihnen bezogenen Strom kann der Netzbetreiber auch bis zu sechs Wochen rückwirkend dem Unternehmen zuschreiben, das Sie beauftragt haben. Hat dieser seinen ursprünglichen Lieferstart nicht eingehalten, sollte er die Mehrkosten aus der Ersatzversorgung übernehmen. 
Sie können Ihrem Stromversorger auch selbst kündigen. Dazu reicht ein Einzeiler per E-Mail, Brief oder Fax. 

Vergessen Sie nach der Kündigung aber nicht, auch einen neuen Stromvertrag abzuschließen. Innerhalb von zwei Wochen sollte ein neuer Versorger startklar sein, wenn der bisherige Vertrag bereits gekündigt ist. Bis zu drei Wochen darf es dauern, Sie beim Netzbetreiber anzumelden. Dauert es trotzdem länger, weil eine der beteiligten Firmen schusselt, kann der Netzbetreiber Ihren Stromanbieterwechsel noch rückwirkend festzurren – bis zu sechs Wochen nach dem vorgesehenen Lieferstart ist das möglich. Endet Ihr alter Vertrag und Sie haben keinen neuen geschlossen, landen Sie wiederum in der Ersatzversorgung. Diese endet, sobald ein neuer Vertrag anläuft.

Haben Sie nach drei Monaten noch keinen neuen Stromanbieter beauftragt oder ist Ihr gewählter Lieferant nach dieser Zeit immer noch nicht lieferfähig, fallen Sie in die Grundversorgung. Die Tarife sind dort zumeist so hoch wie in der Ersatzversorgung. Im Unterschied zur Ersatzversorgung gibt es in der Grundversorgung aber eine Kündigungsfrist: Sie beträgt zwei Wochen. Allzu lange sollten Sie weder in der Ersatzversorgung noch in der Grundversorgung bleiben. Denn die Tarife sind die teuersten überhaupt. Schließen Sie keinen anderen Liefervertrag, bleiben Sie in der Grundversorgung – sie ist unbefristet.

Wie viel lässt sich durch einen Wechsel sparen?

Durch den Wechsel des Stromanbieters lässt sich auf einfache Weise Geld sparen. Wie viel, hängt von drei Faktoren ab: Ihrer aktuellen Tarifhöhe, den Preisen in einem neuen Vertrag und Ihrem Verbrauch.

Wenig verbraucht ein Haushalt, wenn der Stromverbrauch unter 1.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr liegt. Das kann auf Sie zutreffen, wenn Sie nur wenige, effiziente Elektrogeräte besitzen. Mieter in Mehrfamilienhäusern benötigen eher bis zu 2.500 Kilowattstunden im Jahr. Wohnen Sie in einem Einfamilienhaus, liegt Ihr Verbrauch vermutlich noch darüber. Im Schnitt verbraucht ein Haushalt in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2.500 Kilowattstunden im Jahr – häufig gibt es hierbei noch Potenzial, den Verbrauch zu senken. Überprüfen können Sie das mit einem Strom-Check beim gemeinnützigen Verbraucherportal CO2-online. 

Strompreise von Haushaltskunden

Stromverbrauch in

kWh pro Jahr

Tarif in der
Grundversorgung

anderer Tarif

beim

Grundversorger

Tarif bei

anderem

Anbieter

weniger als 1.00048,92 Ct/kWh44,65 Ct/kWh43,71 Ct/kWh
1.000 - 2.50034,69 Ct/kWh32,68 Ct/kWh32,91 Ct/kWh
2.500 - 5.00031,94 Ct/kWh30,46 Ct/kWh30,46 Ct/kWh
5.000 - 10.00030,60 Ct/kWh29,08 Ct/kWh28,18 Ct/kWh

Es handelt sich um durchschnittliche Preise je Verbrauchsgruppe im Jahr 2019, die zudem nach ihrer Menge gewichtet sind. 
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. November 2019)

Wer wenig verbraucht, zahlt im Verhältnis mehr

Wie die Tabelle verdeutlicht, zahlt neben den grundversorgten Haushalten eine zweite Gruppe vergleichsweise hohe Preise: Kunden mit niedrigem Stromverbrauch. 

Das liegt am sogenannten Grundpreis. Ein Stromtarif setzt sich in der Regel aus dem Grundpreis und dem Arbeitspreis zusammen. Der Arbeitspreis fällt für jede verbrauchte Kilowattstunde an; den Grundpreis berechnet der Versorger pauschal pro Monat oder Jahr. Verbrauchen Sie wenig Strom, fällt der Grundpreis stärker ins Gewicht. Welche Kosten im Grundpreis stecken, ist nirgendwo einheitlich geregelt. Jeder Versorger bestimmt diesen fixen Preisanteil in einem Tarif nach eigenem Ermessen. Einfluss haben aber die Entgelte für den Stromtransport, die die Netzbetreiber erheben. Diese haben in den vergangenen Jahren in vielen Regionen den fixen Anteil an ihren Entgelten stärker erhöht. Setzt sich diese Entwicklung fort, zahlt sich das Einsparen von Strom umso weniger aus, je stärker Sie Ihren Verbrauch verringern.

Unabhängig vom Verbrauch zahlen Stromkunden in der Grundversorgung im Schnitt die höchsten Preise. Es sind 5 bis 10 Prozent mehr als in Verträgen außerhalb der Grundversorgung. Je nach Verbrauch lassen sich in der Regel 40 bis 50 Euro sparen, wie der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen ist. Bei hohen Verbräuchen können es auch mehr als 100 Euro sein.

Jährliche Ersparnis, wenn Sie die Grundversorgung verlassen

Strom-

verbrauch

im Jahr

Kosten

Grund-

versorgung

Kosten

anderer Tarif

beim Grund-

versorger

Ersparnis

gegenüber

Grund-

versorgung

Kosten bei

anderem

Anbieter

Ersparnis

gegenüber

Grund-

versorgung

800 kWh 

391,36 €357,20 €34,16 €349,68 €

41,68 €

2.000 kWh 

693,80 €653,60 €40,20 €658,20 €

35,60 €

3.500 kWh 

1.117,90 €1.066,10 €51,80 €1.066,10 €51,80 €

6.000 kWh

 1.836 €1.744,80 €91,20 €1.690,80 €

145,20 €

Alle Angaben basieren auf den Daten in der ersten Tabelle. Es handelt sich stets um durchschnittliche Kosten.
Quelle: eigene Berechnung auf Basis der Daten in der oberen Tabelle (Stand: 5. Dezember 2019)

Obwohl sich durch einen Wechsel aus der Grundversorgung heraus auf jeden Fall sparen lässt, befinden sich noch rund 16 Millionen Kunden in solch einem teuren Vertrag. Diese Kunden können Haushalte sein. Möglich ist aber auch, dass für das Hauslicht in Ihrem Mehrfamilienhaus ein Grundversorgungsvertrag besteht. Die Kosten berechnet Ihnen die Hausverwaltung dann über die Nebenkostenabrechnung

Die Grundversorgung zu verlassen, ist für manche Verbraucher durchaus schwierig. Wenn beispielsweise negative Einträge bei der Schufa bestehen, weisen Anbieter potenzielle Kunden auch ab. Eine Option können dann sogenannte Prepaid-Tarife sein – sofern die Preise niedriger sind als in der Grundversorgung. In diesen Tarifen bezahlen Sie zuerst eine Strommenge Ihrer Wahl. Ist diese fast aufgebracht, sollten Sie Ihr Guthaben aufladen. Abschlagszahlungen gibt es nicht und daher interessieren auch Ihre Schufa-Einträge nicht. Seit 2018 bietet das Start-up Energierevolte der Stadtwerke Düren solch einen Tarif in Teilen des Rheinlands und des Ruhrpotts an. Dazu baut das Unternehmen kostenlos einen digitalen Stromzähler ein, der das Stromkonto verwaltet und über eine App den Stromverbrauch und das bestehende Guthaben anzeigt. 

Im Schnitt verbrauchen die grundversorgten Kunden 2.020 Kilowattstunden im Jahr. Weitere rund 18 Millionen Stromkunden lassen sich vom Stadtwerk vor Ort versorgen, haben dazu aber einen anderen Vertrag geschlossen. Nur etwa jeder vierte Stromkunde lässt sich von einem anderen Anbieter als dem Grundversorger beliefern.

Raus aus der Grundversorgung – auch bei Baustrom

Wenn Sie ein Haus bauen, beziehen Sie den Strom zunächst aus der Grundversorgung. Dort müssen Sie aber nicht bleiben: Sie können auch für Baustrom einen anderen Vertrag oder einen anderen Versorger wählen. Sie beantragen zunächst einen Baustromkasten und einen Baustromzähler beim Netzbetreiber der Region, in der Sie bauen. Sind die Geräte installiert, können Sie einen anderen Tarif für Baustrom wählen und die Grundversorgung verlassen. 

Die einzige Schwierigkeit besteht dabei darin, verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen. Denn kein Vergleichsrechner führt Baustrom-Tarife. Es bleibt nur, Stromversorger direkt anzusprechen und nach Angeboten zu fragen oder auf der Internetseite eines Versorgers nach Angeboten zu suchen. Als erstes können Sie sich an den Grundversorger wenden, der Ihnen mit Sicherheit ein gegenüber dem Grundtarif günstigeres Angebot macht. Es sollte aber auch möglich sein, dass Sie einen anderen Lieferanten beauftragen. Sondertarife für Baustrom können Sie auf den Internetseiten der Stromanbieter oder direkt am Telefon abfragen.

Ist das Haus errichtet, baut der Netzbetreiber den Baustromkasten und den zugehörigen Zähler wieder ab. Das Haus erhält einen neuen Zähler für Haushaltsstrom. Dann sollten Sie wieder einen günstigen Tarif suchen und abschließen, sonst beziehen Sie den Strom wiederum aus der Grundversorgung. Dazu können Sie auf unseren Finanztip-Stromrechner zugreifen – er listet Ihnen verbraucherfreundliche und günstige Tarife auf.

Tarife vergleichen, auch wenn Sie schon einen Sondervertrag haben

Auch wenn Sie nicht in der Grundversorgung stecken, können Sie durch einen Tarifwechsel sparen. Entweder Sie fragen Ihren Versorger nach einem anderen Angebot oder suchen auf dessen Internetseite nach einem Tarif.

Oder Sie wechseln gleich den Stromanbieter. Ein eher niedriger zweistelliger Eurobetrag kann für Sie drin sein. Das mag nicht viel klingen, aber die Versorger bestimmen auch nur ein Fünftel des Strompreises selbst – der Rest sind vor allem Steuern, Umlagen und die Kosten für den Stromtransport. Aber je nachdem, wie teuer sie die Energie einkaufen, wie hoch die eigenen Kosten sind und welche Gewinnspanne sie einrechnen, ergibt sich ein gewisser Spielraum. So können Tarife an einem Ort um bis zu 2 Cent pro Kilowattstunde voneinander abweichen.

Es gibt auch Tarife, mit denen Sie mehr als 100 Euro oder sogar mehrere Hundert Euro sparen können. Viele Versorger locken mit Rabatten und Bonuszahlungen, andere mit sehr niedrigen Preisen.

Eine Untersuchung von Finanztip hat im Juli 2017 gezeigt, dass die günstigsten Angebote nicht kostendeckend sein können. Greifen Sie bei einem solchen Schnäppchen zu, muss Ihnen bewusst sein, dass der Versorger entweder seinen Tarif alsbald erhöht oder dass Sie nach dem Wegfall der Boni vergleichsweise viel zahlen.

Eine weitere Untersuchung von Finanztip vom Juli 2018 hat gezeigt, dass einige Tarife durch hohe Bonuszahlungen zu den günstigsten Angeboten bei Tarifvergleichen zählen. Aber die tatsächlichen Preise in diesen Angeboten sind so hoch, dass Kunden nach Ablauf des ersten Vertragsjahres und Wegfall der Boni mehr zahlen, als wenn sie in der Grundversorgung wären.

Wie Sie sich vor solchen Tarifen hüten und worauf Sie bei der Wahl eines Tarifs darüber hinaus achten sollten, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Wie finden Sie einen guten Tarif?

Der Strommarkt ist ständig in Bewegung: Neue Anbieter tauchen auf, es gibt Sonderaktionen und neue Vertragsmodelle. Es empfiehlt sich, sich alle paar Monate einen Überblick zu verschaffen.

Das ist am einfachsten über einen Vergleichsrechner. Wir empfehlen dazu einen Stromvergleich mit unseren Finanztip-Stromrechner. Er basiert auf den Datenbanken von Check24 und Verivox und empfiehlt nur Tarife, die unseren verbraucherfreundlichen Kriterien entsprechen. Dabei handelt sich sowohl um Tarife für Ökostrom als auch konventionellen Strom. Es ist aber auch möglich, dass Sie sich nur Ökostrom-Tarife anzeigen lassen. 

Der Rechner ist so voreingestellt, dass er Bonuszahlungen in einem Tarif nicht in die jährlichen Kosten einrechnet. Dadurch tauchen nur Bonustarife unter unseren Empfehlungen auf, die sich durch günstige, aber kostendeckende Preise auszeichnen. Nur kostendeckende Preise können Anbieter längerfristig beibehalten. Die empfohlenen Tarife sollten sich dann in ihrer Höhe nur geringfügig ändern, wenn die Preisgarantie abgelaufen ist. 

Wollen Sie auch Tarife sehen, die aufgrund hoher Boni günstig wirken, müssen Sie dies in der Suchmaske einstellen: Bei der Frage nach der Häufigkeit eines Anbieterwechsels klicken Sie von „einmalig“ auf „jedes Jahr“. Der Vollständigkeit halber finden Sie Tarife, die wir nicht empfehlen, in einer zweiten Übersicht namens „weitere Angebote“.

Bestimmte Tarife zeigt unser Rechner aber unter keinen Umständen – Pakettarife, Tarife mit Vorkasse und Tarife von Unternehmen, gegen die Verfahren von Verbraucherzentralen laufen, die Energierecht nicht einhalten sowie gegen die die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eröffnet oder ein Bußgeld verhängt hat.

Mit einem Vorkasse-Tarif gehen Sie ein unnötiges Risiko ein: Bei Insolvenz des Anbieters können Sie die gezahlten Beiträge nur noch zur Insolvenztabelle anmelden und müssen zugleich einen neuen Stromlieferanten bezahlen. Pakettarife bieten nur noch wenige Versorger an. Wir raten davon ab, weil sie meist sehr teuer sind, wenn Sie mehr Strom benötigen, als im Paket vorgesehen. Dagegen erhalten Sie keine Gutschrift, wenn Sie weniger Energie verbrauchen, als im Pakettarif vereinbart. 

Gegen weitere Vertragsklauseln des Anbieters Extra Energie hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geklagt und Recht bekommen (Oberlandesgericht Düsseldorf, Az. I-6 U 182/16): Demnach ist es unzulässig, dass sich ein Pakettarif automatisch über die gleiche Strommenge verlängert, ohne dass Kunden den Verbrauch ändern können. Auch die Vertragsverlängerung zu neuem Preis, ohne dass der Kunde deswegen kündigen kann, untersagten die Richter. Das Recht zur Sonderkündigung soll der Versorger auch einräumen, wenn er gestiegene Umlagen weiterreicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da Extra Energie Beschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt hat.

Stromtarife mit stabilen Preisen anzeigen lassen 

Wenn Sie einen Tarif suchen, der stabil bleibt und nicht nach einem Jahr 15 oder 20 Prozent teurer wird, dann liegen Sie mit unserem Vergleichsrechner richtig. 

Unser Rechner berücksichtigt standardmäßig keine Bonuszahlungen bei den jährlichen Kosten. Außerdem prüfen wir jeden Monat die von uns empfohlenen Angebote für den einmaligen Wechsel in fünf Städten: ob der Preis die Kosten reinholt für Stromeinkauf, Transport über die Netze, Entgelt für den Stromzähler sowie Steuern, Umlagen und Abgaben. Ist ein Tarif nach unserer Einschätzung nicht kostendeckend oder erwirtschaftet der Anbieter damit kaum Gewinn, sortieren wir den Tarif aus der Empfehlungsliste aus. Denn solche Angebote sind von vornherein nicht auf Dauer angelegt. Sie finden entsprechende Tarife nur dann, wenn Sie die Einstellung „jedes Jahr wechseln“ anklicken.

Wenn Ihnen ein Bonus wichtig ist

Tarife, in denen der Versorger einen Rabatt oder Bonus verspricht, sind allgegenwärtig. Mehr als 300 dieser Tarife hat die Bundesnetzagentur im Jahr 2018 gezählt. Im Schnitt bekommen Kunden rund 60 Euro geschenkt, wenn sie einen entsprechenden Vertrag schließen. Maximal können es auch mehrere Hundert Euro sein

Wollen Sie solche Rabatte und Boni mitnehmen, dann sollten Sie den Stromvertrag zum Ablauf der Mindestlaufzeit kündigen und einen neuen Anbieter suchen. So beugen Sie hohen Kosten vor. Denn viele Bonus-Tarife erscheinen nur deswegen in Vergleichsportalen weit oben, weil die Bonuszahlungen die Stromkosten im ersten Jahr senken. Fallen Boni im zweiten Jahr weg, ist der Vertrag deutlich kostspieliger.

Sie können vor Abschluss eines Bonus-Vertrags die Preise mit denen in der Grundversorgung vergleichen – also die Kosten anhand von Grund- und Arbeitspreis ohne Berücksichtigung der Bonuszahlungen. Liegen die Preise über denen der Grundversorgung oder nur um bis zu 5 Prozent darunter, wäre ein solcher Vertrag ab dem zweiten Jahr teuer.

Zudem sollten Sie vor Vertragsschluss unbedingt prüfen, ob Ihnen alle Boni laut Vertragsbedingungen überhaupt zustehen. Einen Neukundenbonus zahlen Versorger in der Regel nur Verbrauchern, die keinen gültigen Vertrag mit ihnen haben oder in den vorangegangenen sechs Monaten hatten. Als Bestandskunde zählen Sie durchaus auch, wenn Sie bei dem entsprechenden Unternehmen bereits Gas beziehen. Gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sowohl für die Strom- als auch die Gasversorgung, ist davon auszugehen, dass Sie einen Neukundenbonus nur für einen Vertrag erhalten.

Nicht immer zahlen Versorger einen versprochenen Bonus automatisch. Bei manchen Anbietern müssen Kunden erst die Zahlung fordern, bis sie den Bonus erhalten, oder auch mit rechtlichen Schritten drohen. Wie häufig Probleme bei der Bonuszahlung auftreten und welcher Art sie sind, untersuchen gerade die Marktwächter Energie. Die Ergebnisse wollen sie im Herbst 2019 veröffentlichen. 

Dienstleister für den Vertragswechsel beauftragen 

Haben Sie Sorge, zu vergessen Ihren Stromvertrag rechtzeitig zu kündigen, können Sie den jährlichen Wechsel auch einem Dienstleister überlassen. Firmen wie Cheapenergy24, Wechselpilot oder Switchup prüfen für Kunden Angebote, schlagen das aus ihrer Sicht beste vor und übernehmen den gesamten Wechselprozess. Dafür verlangen manche der Dienstleister eine Beteiligung an der Ersparnis durch den Vertragswechsel.

Die Marktwächter Energie hat die Dienstleistung der Portale allerdings nicht überzeugt. 2018 haben sie neun Portale für eine Studie untersucht. Sie bemängeln dabei, dass auf die Mitwirkungspflichten des Verbrauchers nicht ausreichend hingewiesen werde und die Auswahl der vorgeschlagenen Tarife nicht transparent sei. 

Wechseln Sie jährlich den Tarif und nehmen jedes Jahr einen Neukundenbonus mit, kann es Ihnen auch passieren, dass Sie der neu gewählte Versorger als Kunden ablehnt – weil er Sie kennt und weiß, dass Sie nach einem Jahr wieder weg sind. Oder weil er bloß vermutet, dass Sie nicht lange sein Kunde bleiben wollen. Die Zahl der Versorger, die neue Kunden nach ihrem Verhalten bewerten, wächst. Ausschlaggebend kann dabei sein, wie hoch Ihr Verbrauch ist, wo Sie wohnen oder wer Sie zuletzt mit Strom versorgt hat. 

Daten löschen lassen nach Vertragsende

Legen Sie den Wechselprozess in die Hände eines Dienstleisters, fragt er nach einer Ablehnung beim nächsten Stromanbieter an. Wechselpilot verlangt beim alten Versorger, dass er Ihre Daten nach Beendigung des Liefervertrags löscht. Sie können auch selbst um Löschung Ihrer Daten bitten, wenn Sie häufiger den Stromanbieter wechseln. Denn so mindern Sie das Risiko, bei einer Rückkehr zu einem bestimmten Versorger abgelehnt zu werden, weil Sie das Unternehmen bereits als wechselfreudigen Kunden kennt. Nutzen Sie dazu gern unser Musterschreiben.

Hier können Sie unser Musterschreiben zur Löschung personenbezogenen Daten herunterladen:

Zum Download

Nach Datenschutzgrundverordnung darf der Stromanbieter Ihre Daten nicht länger im Vertrieb oder Kundenservice nutzen, wenn Sie ihn zum Löschen aufgefordert haben. Eine Aufbewahrungsfrist besteht aber für bis zu elf Jahre für Rechnungen, falls die Steuerbehörden diese prüfen wollen. Der Stromanbieter sollte dann aber den Zugriff auf diese Daten für andere Abteilungen als die Buchhaltung sperren.

Nach Vertragsende bietet es sich zudem an, dem Versorger auch zu erklären, dass Sie keine Werbeanrufe und Werbeschreiben von ihm erhalten möchten. Dann haben Sie einen Nachweis, wenn er Sie doch kontaktieren sollte.

Untergeschobene Verträge

Denn um einen neuen Stromvertrag zu schließen, müssen nicht zwangsläufig Sie aktiv werden. Möglich ist auch, dass ein Versorger mit einem Angebot auf Sie zugeht. Üblich ist beispielsweise, dass Ihnen der Grundversorger in Ihrer Region einen Brief schickt, um Sie als Kunden zu gewinnen. Das ist völlig in Ordnung. Nicht der Fall ist das aber, wenn ein Unternehmen Sie anruft und in ein Werbegespräch verwickelt, ohne dass Sie dem ausdrücklich zugestimmt haben. 

Dennoch rufen immer wieder Unternehmen Verbraucher an, um ihnen einen neuen Stromvertrag schmackhaft zu machen. Häufig beauftragen Versorger dazu Call-Center. Selbst wenn Sie auf ein Angebot eingehen, bedeutet das aber noch nicht, dass der neue Versorger Ihrem alten Anbieter in Ihrem Namen kündigen darf. Sie sollten eine solche Vollmacht zuerst schriftlich erteilen – per E-Mail, Brief oder Fax. Das befand das Landgericht München I in einer Klage gegen Eon (Az. 17 HK O 11480/18). Der Versorger ist gegen das Urteil in Berufung gegangen. 

Rechtskräftig ist bereits eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München (23. Januar 2020, Az. 6 U 2084/18) gegen die PST Europe Sales GmbH (Marke Purenergy). Das Unternehmen hatte Verbraucher angerufen und ihnen einen Stromvertrag angeboten. Den bestehenden Vertrag der Kunden kündigte das Unternehmen, nachdem diese auf einen Link in einer an sie adressierten E-Mail geklickt hatten. Der Text des Links lautete "automatische Bestätigung per Link". Damit hatten die Verbraucher aber keine wirksame Vollmacht erteilt – diese setzt die Textform voraus und dabei muss sich aus dem Text erschließen, was der Nutzer bestätigt.

Die Sichtweise der Münchner Richter teilt die Politik. Das Ministerium für Verbraucherschutz hat einen Gesetzentwurf für faire Verbraucherverträge erarbeitet. Vorgesehen ist darin etwa eine schriftliche Bestätigung eines neuen Stromvertrags und die Beschränkung der maximalen Laufzeit eines Stromvertrags auf 12 Monate. Voraussichtlich 2020 wird die Bundesregierung über den Entwurf beraten und dem Bundestag zur Entscheidung vorlegen.

Wird Ihnen ein Liefervertrag untergeschoben, bevor das Gesetz geändert ist, kommen Sie am einfachsten durch einen Widerruf aus dem Vertrag wieder heraus: Bis zu 14 Tage nach dem vermeintlichen Vertragsschluss ist dafür Zeit. In der Widerrufsbelehrung im Vertrag müssen dazu E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Faxnummer des Anbieters genannt sein. Weil diese Angaben in Schreiben der Mivolta GmbH fehlten, verurteilte das Landgericht München I das Unternehmen zur Unterlassung (6. September 2017, Az. 37 O 5551/17).

Haben Sie einen unerlaubten Werbeanruf erhalten, können Sie den Verstoß der Bundesnetzagentur melden. Dazu stellt die Behörde ein Online-Formular bereit. Allein 2018 verhängte die Bundesnetzagentur Bußgelder von bis zu 300.000 Euro gegen sieben Unternehmen, die entweder Verbraucher angerufen oder dazu den Auftrag gegeben hatten. 

Auf welche Vertragsdetails sollten Sie achten?

Der Preis ist ein wichtiges Kriterium bei Abschluss eines Stromliefervertrags. Aber nicht das einzig wichtige. Auf folgende Bedingungen sollten Sie achten:

  1. Vertragslaufzeit bis zu einem Jahr;
  2. Preisgarantie so lange, wie die Vertragslaufzeit ist;
  3. Kündigungsfrist bis zu einem Monat;
  4. Vertragsverlängerung nach Erstlaufzeit bis zu einem Monat.

Diese Bedingungen halten wir für wichtig, damit Sie nach Abschluss eines Vertrags keine Preiserhöhung befürchten müssen, sondern ein Jahr lang mit stabilen Preisen rechnen können. Nach dem ersten Vertragsjahr und dem Wegfall der Preisgarantie ist es hingegen wichtig, dass Sie bei Bedarf schnell aus einem Vertrag wieder herauskommen. Beispielsweise, wenn Sie ein Angebot von einem anderen Versorger sehen, das Sie überzeugt. Oder wenn Sie umziehen wollen. Manche Lieferanten gestatten eine Kündigung des Vertrags; andere fordern die Fortführung an der neuen Adresse.

Bei der Preisgarantie sollten Sie darauf achten, dass alle Bestandteile des Strompreises inbegriffen sind, also auch die gesetzlichen Umlagen. Die Höhe der fünf Umlagen auf den Strompreis ändert sich jedes Jahr zum 1. Januar. In der Regel steigen sie in Summe. Eine solch umfassende Absicherung bezeichnen die Versorger zumeist einfach als „Preisgarantie“.

Im Gegensatz dazu bedeutet der Begriff „eingeschränkte Preisgarantie“, dass bestimmte Bestandteile nicht gedeckt sind wie Umlagen, aber auch Steuern oder Entgelte für die Netznutzung und den Betrieb des Stromzählers. Diese Entgelte können sich ebenfalls zum Jahreswechsel ändern.

Steigen nun Umlagen, Steuern oder Entgelte, kann Ihnen der Versorger die Mehrkosten berechnen. Allerdings muss er Ihnen dies mehrere Wochen vorher mitteilen. Sie können dann ohne Einhaltung der Kündigungsfrist den Liefervertrag beenden (Sonderkündigungsrecht).

Was ist im Vertrag gesetzlich erlaubt?

Versorger können Stromlieferverträge nicht beliebig gestalten. Folgende Einschränkungen gibt es für Verträge außerhalb der Grundversorgung:

  • erste Vertragslaufzeit bis zu zwei Jahre;
  • Kündigungsfrist maximal drei Monate;
  • Vertragsverlängerung nach Erstlaufzeit bis zu einem Jahr.

Verträge mit längeren Laufzeiten und Fristen sind unwirksam. Haben Sie solch einen Vertrag abgeschlossen, sollten Sie ihn am besten gleich widerrufen. Wie für andere Kaufverträge gilt auch für Stromlieferverträge ein Widerrufsrecht: Sie können innerhalb von 14 Tagen, nachdem Ihnen der gewählte Lieferant Ihren Auftrag bestätigt hat, den Vertrag wieder aufheben (§ 355 BGB). Darauf sollte der Versorger in seiner Auftragsbestätigung auch hinweisen.

Ob ein Unternehmen eine Preisgarantie gewährt und wie es diese gestaltet, ist seine Sache. Dazu gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Wenn Sie kündigen, müssen Sie das in der Regel schriftlich und mit Unterschrift machen. Manche Versorger gestatten auch eine Nachricht per E-Mail oder über das firmeneigene Online-Portal. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Versorgers sind diese Formalien festgelegt.

In der Grundversorgung ist keine Laufzeit für den Vertrag festgelegt. Um ihn zu beenden, gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen (§ 20 Abs. 1 StromGVV). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen, ist aber auch ohne Unterschrift gültig. Eine E-Mail reicht also auch.

Was gilt bei Abschlagszahlungen und Zahlungsbedingungen?

Da eine Stromrechnung nur einmal im Jahr kommen muss, darf ein Stromversorger Abschlagszahlungen vereinbaren. Die Höhe des Abschlags kann das Unternehmen nicht beliebig wählen, sondern es muss sich an Ihrem bisherigen Stromverbrauch orientieren.

Legt der Versorger einen höheren Verbrauch zugrunde, als Sie zuletzt in einem Jahr Strom bezogen haben, so fordern Sie ihn zur Korrektur auf. Nutzen Sie dazu gern unser Musterschreiben. Abbuchen darf der Versorger den ersten Abschlag zudem erst am Tag, an dem die Stromlieferung beginnt. Das gilt natürlich auch, wenn Sie den Vertrag bereits Wochen oder Monate vor Lieferbeginn geschlossen haben.

Nicht jeder Versorger erhebt Abschlagszahlungen. Es gibt auch erste Unternehmen, die jeden Monat eine Rechnung erstellen. Kunden zahlen dann monatlich, was sie tatsächlich verbraucht haben.

Bei Vertragsschluss muss Ihnen der Versorger mindestens zwei unterschiedliche Möglichkeiten zum Bezahlen von Abschlägen und Rechnungen anbieten (§ 41 Abs. 2 EnWG). Sie dürfen dann eine auswählen. Wir empfehlen dabei, ein Sepa-Lastschriftmandat zu erteilen. Mit diesem sind Sie nicht in der Verantwortung, pünktlich zu zahlen, weil der Versorger den Betrag selbst abbuchen lässt. Darüber hinaus können Sie eingezogene Beträge zurückbuchen, wenn beispielsweise der Liefervertrag nicht mehr gilt.

Es gibt dabei Unternehmen, die ihre Kunden zum Überweisen auffordern, wenn sie den Vertrag gekündigt haben. Sobald ein Kunde dann in Zahlungsverzug gerät, können ihm hohe Mahngebühren drohen – oder der Versorger schaltet sogar ein Inkassobüro ein. Ob der Versorger im Fall der Kündigung die Zahlungsweise umstellt, ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt. Prüfen Sie diese vor Auftragserteilung in diesem Punkt, wenn Sie nicht Gefahr laufen wollen, dass Ihnen das passiert.

Welche Pflichten hat der Versorger?

Der Gesetzgeber hat über die Bedingungen für den Vertrag noch weit mehr Regelungen erlassen, die Stromversorger zu beachten haben.

1. Die Abrechnung

Mindestens alle zwölf Monate muss Ihnen der Versorger eine Abrechnung senden (§ 40 Abs. 3 EnWG). Diese muss Ihnen spätestens sechs Wochen nach Ablauf dieser Frist zugehen (§ 40 Abs. 4 EnWG). Haben Sie einen Vertrag gekündigt, sollten Sie ebenfalls bis zu sechs Wochen nach Lieferende die Abrechnung erhalten. Die 365 AG hat das Landgericht Köln (Urteil vom 10. Dezember 2019, Az. 31 O 164/19) zur Unterlassung verpflichtet, eine Schlussrechnung später als sechs Wochen nach Lieferende zuzustellen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Rechnung soll stets einfach und verständlich sein und muss alle Faktoren enthalten, die für die Berechnung notwendig sind (§ 40 Abs. 1 EnWG). Die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer sind auf der Rechnung separat auszuweisen. Zusätzlich ist anzugeben, wie viel Sie über die Stromrechnung für Netznutzung, Messstellenbetrieb und Konzessionsabgabe gezahlt haben.

Finden Sie einen Fehler auf der Abrechnung, fehlt etwas oder verstehen Sie sie nicht, dann widersprechen Sie ihr. Und fordern Sie den Versorger auf, die Abrechnung zu korrigieren oder verständlich zu gestalten.

Ist auf Ihrer Abrechnung ein Guthaben ausgewiesen, sollten Sie dieses kurzfristig erhalten. Entweder nennt Ihr Versorger in der Abrechnung selbst die Frist, innerhalb der er Ihnen das Geld zurückzahlt. Ist keine Frist angegeben, so sollte der Versorger das Guthaben unverzüglich zahlen. Das bedeutet, er darf die Zahlung nicht hinauszögern und er darf das Guthaben auch nicht mit kommenden Abschlagszahlungen verrechnen. Dies hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden (Az. I-20 U 136/14).

Ein Neukundenbonus sollte auf der Abrechnung auftauchen. Ob der Versorger aber den Bonus mit Ihren Kosten verrechnet oder die Summe extra aufführt, ist ihm überlassen. In seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder im Vertrag sollte geregelt sein, wie er den Bonus berechnet sowie wann und wie er ihn zahlt. Fehlt der Bonus auf der Abrechnung oder haben Sie nach Vertragsende Ihren Bonus nicht erhalten, dann mahnen Sie den Versorger. Manche Unternehmen reagieren erst dann.  

Tipp: Heben Sie eine Abrechnung vier Jahre lang auf. Es kann passieren, dass ein Versorger eine Abrechnung noch korrigiert. Zum Beispiel kann er plötzlich einen höheren Stromverbrauch berechnen, als ursprünglich in der Abrechnung ausgewiesen. Bis zu drei volle Kalenderjahre, nachdem Sie die erste Version erhalten haben, ist dies möglich. Haben Sie beispielsweise im Mai 2016 eine Rechnung erhalten, kann der Versorger diese bis Ende 2019 korrigieren. Das gilt auch, wenn Sie inzwischen umgezogen sind. Gut ist in einem solchen Fall, wenn Sie nicht nur die alte Abrechnung noch besitzen, sondern auch den Zählerstand jedes Jahr notiert und gesichert haben.

2. Die Abschlagszahlung

Sind Abschlagszahlungen vereinbart, so muss die Höhe Ihrem bisherigen Verbrauch entsprechen. Aber wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Energieversorgers Fresh Energy 2018 ergab, zahlt jeder Zweite einen zu hohen Abschlag – im Schnitt 108 Euro mehr im Jahr, als es sein müsste.

Mit jeder Jahresabrechnung sollte der Lieferant daher den Abschlag anpassen – haben Sie mehr verbraucht, darf er mehr verlangen; haben Sie weniger Strom bezogen, sollte er den Betrag senken – immer im Verhältnis zum geänderten Verbrauch. Macht Ihr Versorger das nicht, so fordern Sie ihn dazu auf und nutzen Sie unser Musterschreiben. Manche Versorger bieten auch an, die Abschlagshöhe im Online-Kundenportal selbst zu verändern. Das sollten Sie nutzen, nachdem Sie beispielsweise einen effizienteren Kühlschrank angeschafft haben oder auf andere Weise Strom sparen

3. Preiserhöhung und Sonderkündigungsrecht

Will der Versorger den Stromtarif erhöhen, muss er Sie darüber benachrichtigen (§ 41 Abs. 3 EnWG). Kunden in der Grundversorgung sind sechs Wochen vor der geplanten Änderung zu informieren (§ 5 Abs. 2 StromGVV). Außerhalb der Grundversorgung gibt es keine exakte Frist, bis wann Lieferanten ihre Kunden über Preisänderungen aufklären müssen. Festgelegt ist aber, dass die Nachricht den Kunden erreicht, bevor eine Erhöhung in Kraft tritt und die gewöhnliche Abrechnungsperiode abgelaufen ist.

Den Unternehmen ist dabei keine Grenze gesetzt, wie viel früher sie entsprechende Briefe oder E-Mails versenden. Manche kündigen sogar vier oder fünf Monate vor der Erhöhung selbige an. Andere schicken keinen Brief sondern eine E-Mail oder schreiben die geplante Erhöhung in die Jahresrechnung mit hinein. Sendet der Lieferant eine E-Mail, so muss entweder aus der Betreffzeile klar erkennbar sein, dass die E-Mail eine Preiserhöhung enthält. Oder aus dem E-Mail-Text oder einem angehängten Schreiben muss klar hervorgehen, dass eine Preisänderung bevorsteht. So urteilten das Landgericht Hamburg und das Oberlandesgericht Köln in zwei Verfahren (LG Hamburg, Urteil vom 9. Januar 2020, Az. 312 O 453/18 und OLG Köln, Urteil vom 26. Juni 2020, Az. 6 U 304/19). Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

An eines müssen sich die Unternehmen aber halten: Sie müssen Sie über Ihr Sonderkündigungsrecht unterrichten. Das bedeutet: Sie können den Vertrag ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist zum Zeitpunkt der Preiserhöhung beenden. Fehlt der Hinweis auf die Sonderkündigung, gilt die Preiserhöhung als unwirksam.

Auch bei anderen Änderungen des Vertrags, beispielsweise wenn der Versorger Kündigungsfristen oder Laufzeiten ändern will, gilt das Sonderkündigungsrecht und die Pflicht, auf dieses hinzuweisen. Wollen Sie eine Sonderkündigung schreiben, prüfen Sie vorab, ob Ihr Versorger eine Frist in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt hat, bis zu der Ihr Schreiben bei ihm eingehen muss.

4. Fristgerechte Kündigung

Wollen Sie Ihren Vertrag kündigen, ist die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist zu beachten. Für Kunden in der Grundversorgung gilt eine Frist von 14 Tagen. Schreiben Sie dem Versorger einen Brief, eine E-Mail oder ein Fax und fordern Sie eine Kündigungsbestätigung.

Sie können aber auch andere dies erledigen lassen. Beauftragen Sie einen anderen Lieferanten, Sie zu versorgen, so kündigt dieser den bestehenden Vertrag. Das klappt natürlich nur im Rahmen der Kündigungsfrist. Auch wenn diese gewahrt ist, können sich aber Probleme einstellen – nämlich, wenn der bisherige Versorger Sie nicht ziehen lassen will. Wollen Sie solche Probleme vermeiden oder nicht wieder erleben, dann schalten Sie einen Kündigungsdienst ein. Dann können Sie in der Regel sicher sein, dass die Kündigung wirksam wird.

Es kommt vor, dass ein Versorger eine fristgerechte Kündigung nicht akzeptieren will. Er behauptet dann, der Vertrag hätte bereits bei Abschluss zu laufen begonnen – obwohl die Stromlieferung erst Wochen oder Monate später begann. Prüfen Sie dann Ihren Vertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Dort muss festgelegt sein, wann der Vertrag anläuft. Entspricht Beginn oder Ende der Vertragslaufzeit dem Beginn oder Ende der Lierferzeit für Strom, dann widersprechen Sie Ihrem Lieferanten und beharren Sie der Kündigungsfrist zum Ende eines Lieferjahres. Ob bei Stromverträgen die Laufzeit tatsächlich von der Lieferzeit abweichen kann, ist umstritten.

Grundsätzlich ist ein Lieferantenwechsel jederzeit möglich – zu Beginn eines Monats oder mitten im Monat. Will Sie ein Versorger nicht zu einem bestimmten Stichtag aus dem Vertrag lassen oder ein neuer Versorger die Belieferung mitten im Monat beginnen, hat das keine rechtlichen und auch keine technischen Gründe, sondern liegt eher in der firmeneigenen Verwaltung begründet. Falls Sie das stört: Mit einem Widerruf des neuen Vertrags fahren Sie vermutlich besser, als wenn Sie dem neuen Versorger ein anderes Datum für den Lieferstart schmackhaft machen wollen.

Wer hilft bei Problemen mit dem Versorger?

Hält sich ein Versorger nicht an die gesetzlichen Regeln oder seinen eigenen Vertrag, so ist der erste Schritt, dass Sie ihn darauf hinweisen. Hilft das nicht, so können Sie sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Auf diese müssen Stromversorger auf jeder Abrechnung, auf Schreiben zu Preiserhöhungen und bei Abschluss eines Liefervertrags hinweisen.

Können Sie gegenüber der Schlichtungsstelle belegen, dass der Versorger auf Ihre Forderungen nicht reagiert hat, eröffnet sie in der Regel ein Schlichtungsverfahren. Darauf ist kein Versorger erpicht, denn dafür stellt die Schlichtungsstelle dem entsprechenden Unternehmen eine Gebühr in Rechnung. Pro Fall berechnet sie gewöhnlich einen niedrigen dreistelligen Betrag.

Haben Sie den Stromliefervertrag über einen Makler abgeschlossen, können Sie sich auch an diesen wenden. Verivox und Check24 beispielsweise vermitteln dann zwischen dem Anbieter und dem Kunden.

Gibt es dagegen Probleme mit dem Netzbetreiber, ist die Bundesnetzagentur die richtige Anlaufstelle bei Beschwerden. Ein Netzbetreiber muss alle Stromversorger gleich behandeln. Er darf kein Unternehmen bevorzugen oder benachteiligen. Gleiches gilt für die Betreiber von Stromzählern. Wollen Sie Ihren Messstellenbetreiber wechseln, so muss dies das bisherige Unternehmen mittragen.

Stufen Sie das Verhalten Ihres Versorgers als eine unseriöse Geschäftspraktik ein, sind die Verbraucherzentralen oder die Marktwächter Energie die richtige Anlaufstelle für Ihre Kritik. Die Verbraucherschützer können Unternehmen abmahnen, ihnen Unterlassungserklärungen abringen oder sie verklagen. 

Kommt Ihr Stromanbieter seinen Pflichten nur schwer nach, schickt er keine fristgerechte Abrechnung, antwortet er nicht auf Schreiben oder liefert er nicht zuverlässig Energie, können Sie überlegen, die Bundesnetzagentur darüber zu informieren. Die Behörde kann gegen einen Versorger ein Aufsichtsverfahren einleiten, wenn der Verdacht besteht, dass das Unternehmen aus personellen, technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leistungsfähig ist. Zur Not kann die Behörde dem Anbieter seine Tätigkeit ganz oder teilweise untersagen. In den vergangenen Jahren leitete die Bundesnetzagentur eher selten ein Aufsichtsverfahren ein: Zwei prominente Fälle betrafen die heute insolventen Firmen Care Energy und Bayerische Energieversorgung (BEV). Beachten Sie aber: Hat die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eingeleitet, ruhen alle Verfahren, die die Schlichtungsstelle Energie gegen denselben Versorger führt. 

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 14. September 2020


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