Zweitstudium Werbungskosten

Ausgaben fürs Zweitstudium steuerlich geltend machen

Udo Reuß Stand: 16. September 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Ausgaben für die weiterführende Ausbildung können Sie in Ihrer Steuererklärung als Werbungskosten absetzen, anders als Ausgaben für das Erststudium.
  • Berücksichtigt werden nur die Aufwendungen, die Sie selbst tragen und nicht die, die Ihre Eltern bezahlen.
  • Geltend machen können Sie Arbeitsmittel, Ihr Arbeitszimmer, Fahrtkosten, einen Zweithaushalt oder Seminare und Studienfahrten.
  • Selbst wenn Sie kein oder nur ein geringes Einkommen haben, sollten Sie während des Zweitstudiums eine Einkommensteuererklärung abgeben und den finanziellen Verlust angeben, der Ihnen durch die Zweitausbildung entsteht. Davon können Sie nach der Ausbildung bei einem wahrscheinlich höheren Einkommen profitieren.

Im Gegensatz zum Erststudium oder Ihrer ersten Ausbildung können Sie Ausgaben für weitere Ausbildungen in größerem Umfang als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung ansetzen. Grundsätzlich werden dabei nur die Aufwendungen berücksichtigt, die Sie selbst tragen. Haben beispielsweise Ihre Eltern die Miete für Ihre Zweitwohnung übernommen, sind diese Kosten für Sie nicht steuerlich absetzbar. Außerdem müssen Sie zweckgebundene Bezüge, zum Beispiel das Büchergeld einer Stiftung, von Ihren Ausbildungskosten abziehen (§ 9 Einkommensteuergesetz).

Das gilt als Arbeitsmittel

Als Beispiel für Arbeitsmittel nennt Paragraf 9 Nummer 6 des Einkommensteuergesetzes Berufskleidung und Werkzeuge.

Weitere Arbeitsmittel können sein:

  • Fachzeitschriften, Bücher, Manuskripte und Fotokopien;
  • Computer, Software, Laptoptasche;
  • Büromaterial, beispielsweise Stifte, Papier, Aktenordner, Textmarker;
  • Büromöbel wie Schreibtisch, Bürostuhl, Schreibtischlampe und Regale.

Wenn ein Arbeitsmittel mit Mehrwertsteuer mehr als 952 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet, können Sie es über die Nutzungsdauer abschreiben. Über die Sofortabschreibung von Arbeitsmitteln bis 952 Euro erfahren Sie mehr in unserem Ratgeber über GWG-Abschreibungen (GWG steht für geringwertige Wirtschaftsgüter). 

Arbeitszimmer geltend machen

Wenn Sie in einer Mietwohnung leben und zum Lernen und Arbeiten während der Ausbildung häufig am Schreibtisch zu Hause sitzen, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Ihren häuslichen Arbeitsplatz steuerlich geltend machen. Absetzen können Sie bis zu 1.250 Euro nachgewiesene Kosten.

Dazu müssen Sie den Anteil ausrechnen, den Ihr Arbeitszimmer jährlich an Miete, Nebenkosten, Renovierung und Strom kostet. Lesen Sie dazu mehr im Artikel Häusliches Arbeitszimmer.

Diese Fahrtkosten setzen Sie an

Bis Ende 2013 konnten Sie noch für Fahrten zu Lerngruppen oder zur Universität während Ihres Zweitstudiums jeden gefahrenen Kilometer in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Der Bundesfinanzhof hatte mit zwei Urteilen entschieden, dass Fahrten zwischen der Wohnung und einer vollzeitig besuchten Bildungseinrichtung in voller Höhe und nicht über die Entfernungspauschale abgerechnet werden können (BFH, 9. Februar 2012, Az. VI R 42/11 und VI R 44/10). Das Urteil vom 22. November 2012  hat das bestätigt (Az. III R 64/11). Eine Bildungseinrichtung wurde damit nicht als regelmäßige Arbeitsstätte angesehen.  

Das gilt seit 2014 nicht mehr: In der Reform des steuerlichen Reisekostenrechts hat das Bundesfinanzministerium festgelegt, dass auch Hochschulen und Universitäten als Tätigkeitsstätten anzusehen sind. Den genauen Wortlaut finden Sie auf Seite 18 in diesem Schreiben des Bundesfinanzministeriums. Auch als Student können Sie Fahrtkosten demnach nur noch mit 30 Cent pro Entfernungskilometer abrechnen. 

Zweiter Haushalt am Bildungsort

Wenn Sie für Ihr Zweitstudium eine Wohnung oder ein Zimmer am Studienort mieten und regelmäßig vom Hauptwohnsitz bei Ihren Eltern oder Ihrer Familie pendeln, können Sie eventuell folgende Kosten einer doppelten Haushaltsführung steuerlich geltend machen:

  • Miete für die Zweitwohnung,
  • eine Heimfahrt pro Woche mit 30 Cent pro Entfernungskilometer sowie
  • höchstens drei Monate lang eine Verpflegungspauschale für die Zeit, die Sie nicht an Ihrem Hauptwohnsitz verbringen.

Damit das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung anerkennt, muss der Student die entsprechenden Voraussetzungen hierfür erfüllen. Für einen eigenen Hausstand ist eine angemessene Kostenbeteiligung erforderlich. Wohnt er noch bei den Eltern, so muss er mindestens 10 Prozent der monatlich anfallenden Kosten bezahlen. Hierzu zählen die Miete, Mietnebenkosten, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs.  

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen

Abwesenheit von der Wohnung

und der regelmäßigen Arbeitsstätte

Pauschbetrag in Euro
mindestens 24 Stunden24 Euro

weniger als 24 Stunden,

mindestens aber 8 Stunden

12 Euro

Was bei Seminaren und Studienfahrten gilt

Bei Studienfahrten sowie Fahrten zu Seminaren oder Tagungen, die außerhalb des Ausbildungsortes stattfinden, können Sie diese Kosten absetzen:

  • für die Fahrt zwischen Wohnung und Ausbildungsort 30 Cent je gefahrenen Kilometer oder die Ticketkosten für öffentliche Verkehrsmittel,
  • eine Verpflegungspauschale für die Abwesenheit pro Tag und
  • Kosten für die Übernachtung laut Rechnung ohne Verpflegungskosten

Lesen Sie dazu auch mehr in unserem Ratgeber über die steuerliche Absetzbarkeit von Reisekosten

Studiengebühren auch absetzbar

Zu den Studiengebühren gehören zum einen die Kosten für ein Studium an einer privaten oder staatlichen Hochschule. Zum anderen können Sie aber auch Gebühren für Tagungen, Vorträge, Repetitorien, Prüfungen oder auch Nachhilfe steuerlich geltend machen.

Außerdem können Sie als Werbungskosten Gebühren und Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen im Jahr der Zahlung sowie sämtliche Kosten für ein Auslandssemester geltend machen.

Werbungskosten vorweg geltend machen

Selbst wenn Sie als Vollzeitstudent beispielsweise während Ihres Masterstudiums kein zu versteuerndes Einkommen haben, können Sie die Ausbildungskosten immer noch als Werbungskosten geltend machen. Geben Sie während des Studiums eine Steuererklärung ab, in der Sie einen finanziellen Verlust feststellen lassen. Diesen Verlustvortrag können Sie in die ersten Berufsjahre hinüberziehen, in denen Sie ein zu versteuerndes Einkommen haben. Wer als Berufsanfänger noch nicht genug verdient, um Steuern zu zahlen, kann also einen Teil der Verluste auch noch im zweiten Jahr absetzen, wenn die Einkünfte hoch genug sind.

Werbungskostenpauschale

Solange Ihre Werbungskosten einen Pauschalbetrag von 1.000 Euro nicht überschreiten, müssen Sie fürs Finanzamt keine Belege oder Nachweise einreichen. Ihr zu versteuerndes Einkommen reduziert sich automatisch um den Pauschbetrag. Lesen Sie dazu mehr im Ratgeber Werbungskostenpauschale.

Helfer für die Steuererklärung

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Autor
Udo Reuß

Stand: 16. September 2016


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