Arbeitnehmer-Pauschbetrag

Ohne Nachweise 1.000 Euro als Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le absetzen

Udo Reuß
Experte für Steuern
01. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Beruflich veranlasste Kosten, sogenannte Werbungskosten, kannst Du steuerlich geltend machen. Bis zu einem Pauschalbetrag von 1.000 Euro musst Du keine Belege oder Nachweise einreichen. Dein zu versteuerndes Einkommen reduziert sich automatisch um diese Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le.
  • Die Pauschale gilt für jeden einzelnen Arbeitnehmer – also doppelt für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften, wenn beide arbeiten.
  • Auch wenn Du mehrere Jobs hast, kannst Du den Pauschbetrag nur einmal in Anspruch nehmen.
  • Für viele Arbeitnehmer kommt allein schon durch die Entfernungspauschale ein Jahresbetrag von mehr als 1.000 Euro für Kosten zusammen, die durch den Beruf entstanden sind.
  • Du solltest deshalb unbedingt Belege sammeln, die Du zusammen mit Deiner Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung einreichen kannst, wenn Deine Aufwendungen den Pauschbetrag übersteigen.

Das Finanzamt berücksichtigt von sich aus als Werbungskosten einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro – ganz ohne Nachweise. Dieser Betrag wird auch dann von Deinen Einkünften aus nicht-selbstständiger Arbeit abgezogen, wenn Dir nur geringe oder gar keine Werbungskosten entstanden sind. Liegen die Kosten höher, die Du für Deinen Beruf geltend machen kannst und willst, musst Du sie durch Einzelbelege nachweisen.

Das sind die Grundlagen

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag. Selbst wenn Du also nicht das ganze Jahr über gearbeitet hast, verringert er sich nicht. Dein Arbeitgeber berücksichtigt diesen Pauschbetrag bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug.

Als Arbeitnehmer hast Du einen Rechtsanspruch darauf, dass das Finanzamt den ungekürzten Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag ansetzt – selbst wenn feststeht, dass bei Dir keine oder nur geringe Werbungskosten angefallen sind.

Die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le wird insgesamt nur einmal bei jedem Arbeitnehmer abgezogen. Die 1.000 Euro werden auch dann nicht doppelt berücksichtigt, wenn Du mehrere Arbeitsverhältnisse oder sowohl inländische als auch ausländische Arbeitseinkünfte erzielt hast. Das heißt: Wird der Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag bei Dir berücksichtigt, hast Du beispielsweise für ein zweites Arbeitsverhältnis kein Wahlrecht, Werbungskosten von der Steuer abzusetzen.

Sofern Deine Werbungskosten aus mehreren Arbeitsverhältnissen aber zusammengerechnet 1.000 Euro übersteigen, kannst Du diese Kosten in Deiner Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung angeben, damit das Finanzamt sie steuermindernd berücksichtigt. Und das solltest Du auch unbedingt tun.

Die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le wird bei jedem Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner jeweils einmal berücksichtigt. Entscheidet sich eine oder einer von Euch für einen Einzelnachweis der Werbungskosten, ist der oder die andere deshalb nicht gezwungen, seine oder ihre Werbungskosten ebenfalls einzeln nachzuweisen.

Das musst Du beachten

Negative Einkünfte

Die 1.000 Euro dürfen laut Gesetz nur bis zur Höhe der Einnahmen abgezogen werden. Die Berücksichtigung des Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trags kann also nicht zu negativen Einkünften führen. Betragen Deine Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit beispielsweise 800 Euro, mindern sich Deine zu versteuernde Einkünfte auf 0 Euro – zu einem Verlust von 200 Euro kann es nicht kommen.

Minijob

Den pauschal versteuerten Arbeitslohn aus einem Minijob musst Du nicht in Deiner Steu­er­er­klä­rung angeben. Deine Verpflichtung gegenüber dem Finanzamt hat sich mit der Pauschalsteuer von zwei Prozent erledigt, die Dein Arbeitgeber abführt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Du keine Werbungskosten absetzen kannst und auch der Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag nicht berücksichtigt wird. Anders ist das nur, wenn Du statt als Minijobber wie ein normaler steuer- und sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter tätig bist.

Lohnersatzleistungen

Hast Du Ar­beits­lo­sen­geld I, Kurzarbeitergeld, Elterngeld oder andere Lohnersatzleistungen bezogen, werden diese Leistungen bei der Ermittlung des auf Dein übriges steuerpflichtiges Einkommen anzuwendenden Steuersatzes berücksichtigt – der sogenannte Progressionsvorbehalt. Bei der Berechnung dieses besonderen Steuersatzes wird der Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag von den Lohnersatzleistungen abgezogen.

Kündigung

Solltest Du von Deinem Arbeitgeber eine steuerlich ermäßigte Entschädigung erhalten haben, wird der Arbeitnehmer-Pauschbetrag vorrangig vom laufenden Arbeitslohn abgezogen. Falls Du keinen laufenden Arbeitslohn mehr bezogen hast, weil Dir nur die Abfindung gezahlt wurde, wird der Ar­beit­neh­mer­pausch­be­trag bei der Ermittlung der begünstigten außerordentlichen Einkünfte abgezogen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 29. Oktober 1998, Az. XI R 63/97).

Weitere Pauschbeträge

Die gesetzliche Regelung zu den Pauschbeträgen für Werbungskosten kannst Du in § 9a EStG nachlesen. Dort sind neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag noch zwei andere Pauschbeträge genannt:

Versorgungsbezüge

Versorgungsbezüge sind unter anderem Beamten- und Werkspensionen, die ein Arbeitgeber finanziert hat. Bei Empfängern von Versorgungsbezügen zieht das Finanzamt für Werbungskosten automatisch einen Pauschbetrag von 102 Euro jährlich von den steuerpflichtigen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ab. Die beiden Pauschbeträge von 1.000 Euro und 102 Euro können Dir nebeneinander gewährt werden, wenn Du gleichzeitig Arbeitslohn und Versorgungsbezüge beziehst. Bei Versorgungsempfängern bleiben ein Versorgungsfreibetrag und ein Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag steuerfrei (siehe § 19 Abs. 2 EStG).

Sonstige Einkünfte

Eine Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 102 Euro steht auch Rentnern zu. Dieser Pauschbetrag wird auch bei Einkünften aus Unterhaltsleistungen, aus Versorgungsleistungen, aus Ausgleichszahlungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs sowie bei Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen, Pensionsfonds, Pensionskassen und Direktversicherungen gewährt.

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