Arbeitnehmer-Pauschbetrag

Ohne Nachweise 1.000 Euro als Werbungskostenpauschale absetzen

Udo Reuß Stand: 15. Juni 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Beruflich veranlasste Kosten, sogenannte Werbungskosten, können Sie steuerlich geltend machen. Bis zu einem Pauschalbetrag von 1.000 Euro müssen Sie keine Belege oder Nachweise einreichen. Ihr zu versteuerndes Einkommen reduziert sich automatisch um diese Werbungskostenpauschale.
  • Die Pauschale gilt für jeden einzelnen Arbeitnehmer – also doppelt für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften, wenn beide arbeiten.
  • Auch wenn Sie mehrere Jobs haben, können Sie den Pauschbetrag nur einmal in Anspruch nehmen.
  • Für viele Arbeitnehmer kommt allein schon durch die Kilometerpauschale ein Jahresbetrag von mehr als 1.000 Euro für Kosten zusammen, die durch den Beruf entstanden sind.
  • Sie sollten deshalb unbedingt Belege sammeln, die Sie zusammen mit Ihrer Einkommensteuererklärung einreichen können, wenn Ihre Aufwendungen den Pauschbetrag übersteigen.

Das Finanzamt berücksichtigt von sich aus als Werbungskosten einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro – ganz ohne Nachweise. Dieser Betrag wird auch dann von Ihren Einkünften aus nicht-selbstständiger Arbeit abgezogen, wenn Ihnen nur geringe oder gar keine Werbungskosten entstanden sind. Liegen die Kosten höher, die Sie für Ihren Beruf geltend machen können und wollen, müssen Sie sie durch Einzelbelege nachweisen.

Das sind die Grundlagen

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag. Selbst wenn Sie also nicht das ganze Jahr über gearbeitet haben, verringert er sich nicht. Ihr Arbeitgeber berücksichtigt diesen Pauschbetrag bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug.

Als Arbeitnehmer haben Sie einen Rechtsanspruch darauf, dass das Finanzamt den ungekürzten Arbeitnehmerpauschbetrag ansetzt – selbst wenn feststeht, dass bei Ihnen keine oder nur geringe Werbungskosten angefallen sind.

Die Werbungskostenpauschale wird insgesamt nur einmal bei jedem Arbeitnehmer abgezogen. Die 1.000 Euro werden auch dann nicht doppelt berücksichtigt, wenn Sie mehrere Arbeitsverhältnisse oder sowohl inländische als auch ausländische Arbeitseinkünfte erzielt haben. Das heißt: Wird der Arbeitnehmerpauschbetrag bei Ihnen berücksichtigt, haben Sie beispielsweise für ein zweites Arbeitsverhältnis kein Wahlrecht, Werbungskosten von der Steuer abzusetzen.

Sofern Ihre Werbungskosten aus mehreren Arbeitsverhältnissen aber zusammengerechnet 1.000 Euro übersteigen, können Sie diese Kosten in Ihrer Einkommensteuererklärung angeben, damit das Finanzamt sie steuermindernd berücksichtigt. Und das sollten Sie auch unbedingt tun.

Die Werbungskostenpauschale wird bei jedem Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner jeweils einmal berücksichtigt. Entscheidet sich eine oder einer von Ihnen für einen Einzelnachweis der Werbungskosten, ist der oder die andere deshalb nicht gezwungen, seine oder ihre Werbungskosten ebenfalls einzeln nachzuweisen.

Das müssen Sie beachten

Negative Einkünfte

Die 1.000 Euro dürfen laut Gesetz nur bis zur Höhe der Einnahmen abgezogen werden. Die Berücksichtigung des Arbeitnehmerpauschbetrags kann also nicht zu negativen Einkünften führen. Betragen Ihre Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit beispielsweise 800 Euro, mindern sich Ihre zu versteuernde Einkünfte auf 0 Euro – zu einem Verlust von 200 Euro kann es nicht kommen.

Minijob

Den pauschal versteuerten Arbeitslohn aus einem Minijob müssen Sie nicht in Ihrer Steuererklärung angeben. Ihre Verpflichtung gegenüber dem Finanzamt hat sich mit der Pauschalsteuer von zwei Prozent erledigt, die Ihr Arbeitgeber abführt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Sie keine Werbungskosten absetzen können und auch der Arbeitnehmerpauschbetrag nicht berücksichtigt wird. Anders ist das nur, wenn Sie statt als Minijobber wie ein normaler steuer- und sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter tätig sind.

Lohnersatzleistungen

Haben Sie Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Elterngeld oder andere Lohnersatzleistungen bezogen, werden diese Leistungen bei der Ermittlung des auf Ihr übriges steuerpflichtiges Einkommen anzuwendenden Steuersatzes berücksichtigt – der sogenannte Progressionsvorbehalt. Bei der Berechnung dieses besonderen Steuersatzes wird der Arbeitnehmerpauschbetrag von den Lohnersatzleistungen abgezogen.

Kündigung

Sollten Sie von Ihrem Arbeitgeber eine steuerlich ermäßigte Entschädigung erhalten haben, wird der Arbeitnehmer-Pauschbetrag vorrangig vom laufenden Arbeitslohn abgezogen. Falls Sie keinen laufenden Arbeitslohn mehr bezogen haben, weil Ihnen nur die Abfindung gezahlt wurde, wird der Arbeitnehmerpauschbetrag bei der Ermittlung der begünstigten außerordentlichen Einkünfte abgezogen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 29. Oktober 1998, Az. XI R 63/97).

Weitere Pauschbeträge

Die gesetzliche Regelung zu den Pauschbeträgen für Werbungskosten können Sie in § 9a EStG nachlesen. Dort sind neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag noch zwei andere Pauschbeträge genannt:

Versorgungsbezüge

Versorgungsbezüge sind unter anderem Beamten- und Werkspensionen, die ein Arbeitgeber finanziert hat. Bei Empfängern von Versorgungsbezügen zieht das Finanzamt für Werbungskosten automatisch einen Pauschbetrag von 102 Euro jährlich von den steuerpflichtigen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ab. Die beiden Pauschbeträge von 1.000 Euro und 102 Euro können Ihnen nebeneinander gewährt werden, wenn Sie gleichzeitig Arbeitslohn und Versorgungsbezüge beziehen. Bei Versorgungsempfängern bleiben ein Versorgungsfreibetrag und ein Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag steuerfrei (siehe § 19 Abs. 2 EStG).

Sonstige Einkünfte

Ein Pauschbetrag von 102 Euro wird auch bei Einkünften aus Unterhaltsleistungen, aus Versorgungsleistungen, aus Ausgleichszahlungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs sowie bei Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen, Pensionsfonds, Pensionskassen und Direktversicherungen gewährt.

Autor
Udo Reuß

Stand: 15. Juni 2018


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