Ausbildungskosten und Studienkosten

So setzen Sie Ausbildungskosten von der Steuer ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Haben Sie während Ihres Erststudiums oder Ihrer Erstausbildung ein zu versteuerndes Einkommen, können Sie die Ausbildungskosten als Sonderausgaben absetzen – allerdings höchstens 6.000 Euro in dem Jahr, in dem die Kosten angefallen sind.
  • Verlustvorträge auf spätere Jahre, wenn Sie voraussichtlich mehr Einkünfte haben als zu Studienzeiten, sind bei Sonderausgaben nicht möglich. Deshalb profitieren nur wenige von der gesetzlichen Regelung.
  • Der Bundesfinanzhof hält das Verbot eines Werbungskostenabzugs für verfassungswidrig und hat die Regelung dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt.
  • Sind Sie in einem Ausbildungsverhältnis, in dem Sie gleichzeitig lernen und arbeiten – zum Beispiel in einer Lehre oder einem dualen Studium – können Sie wie beim Zweitstudium die Kosten für die Ausbildung als Werbungskosten absetzen.

So gehen Sie vor

  • Azubis und Studierende im Zweitstudium geben ihre Werbungskosten in der Anlage N ihrer Steuererklärung an.
  • Studenten im Erststudium sollten ihre Ausgaben ebenfalls als (vorweggenommene) Werbungskosten geltend machen und abwarten, ob das Bundesverfassungsgericht in ihrem Sinne entscheiden wird. Steuerbescheide ergehen bis dahin vorläufig.
  • Fehlt im Steuerbescheid der Vorläufigkeitsvermerk, sollten Sie innerhalb eines Monats Einspruch einlegen.
  • Wer noch keine Steuererklärung abgegeben hat, kann sich Alt-Verluste dennoch sichern. Es gibt nämlich eine siebenjährige Verjährungsfrist. Die festgestellten Verluste können dann mit späteren positiven Einkünften verrechnet werden.
  • Heben Sie alle Kassenbelege, Überweisungsbelege, Aufzeichnungen über Fahrtkosten und Kontoauszüge auf, damit Sie Ihre Ausgaben beim Finanzamt nachweisen können.
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Eigene Wohnung, Studiengebühren oder die tägliche Fahrt zur Ausbildungsstätte: Einen Beruf zu erlernen kann ganz schön ins Geld gehen. Bei der Frage, wie die Ausgaben steuerlich zu behandeln sind, kommt es darauf an, wie Ihre Ausbildungssituation einzuordnen ist. Bei den Berufsausbildungskosten unterscheidet das Steuerrecht zwischen einer Erst- und einer Zweitausbildung.

Was ist eine Erstausbildung?

Unter einer beruflichen Ausbildung versteht die Finanzverwaltung das erste Erlernen eines Berufs. Dazu zählt auch das Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität, wenn

  • Sie direkt nach Abitur oder Fachschulabschluss zu studieren beginnen. Dabei ist es gleichgültig, ob der Fachschulabschluss sich bereits auf ein ähnliches Wissensgebiet wie das Studium bezieht.
  • Sie das Studienfach wechseln und ein neues Studium beginnen, ohne das vorherige abgeschlossen zu haben.
  • Sie Ihr erstes Studium nach längerer Unterbrechung wieder aufnehmen.

Mindestanforderungen an Erstausbildung

Bis Ende 2014 war die Mindestdauer der Erstausbildung nicht fest geregelt. So konnte beispielsweise auch eine kurze Ausbildung zum Rettungssanitäter als erstmalige Berufsausbildung gelten. Studierte der Sanitäter danach Medizin, waren die Kosten für diese „Zweitausbildung“ als Werbungskosten unbeschränkt abziehbar. Nach einer Neuregelung des Einkommensteuergesetzes muss seit Januar 2015 die Erstausbildung mindestens zwölf Monate (in Vollzeit) dauern und mit einem Abschluss beendet werden. Nur nach dieser Erstausbildung können Sie Ausgaben für eine Zweitausbildung als Werbungskosten geltend machen (§ 9 Absatz 6 Einkommensteuergesetz).

Wem nützt der Sonderausgabenabzug?

Hohe Ausbildungskosten für einen später angestrebten Beruf sind zuweilen unerlässlich – zum Beispiel für einen Pilotenschein, der Voraussetzung ist, ein Flugzeug zu fliegen. Der Gesetzgeber hat 2011 jedoch festgelegt, dass Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung nicht als Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben abzugsfähig sind – und zwar höchstens bis 6.000 Euro im Jahr (§ 9 Absatz 6 und § 10 Absatz 1 Nr. 7 EStG).

Zusammenveranlagte Ehepartner in der Ausbildung dürfen jeder für sich den Höchstbetrag beanspruchen, gemeinsam also insgesamt 12.000 Euro.

Haben Sie während Ihres Studiums einen Nebenjob oder anderes zu versteuerndes Einkommen wie Mieteinkünfte oder Kapitalerträge, dann könnte es sein, dass sich die Sonderausgaben steuermindernd auswirken.

Bei vielen Studenten läuft ein Sonderausgabenabzug allerdings ins Leere, weil sie keine oder geringe zu versteuernde Einnahmen haben und sich Sonderausgaben nur in dem Jahr steuermindernd auswirken können, in dem sie angefallen sind. Verlustvorträge auf spätere Jahre sind nicht möglich, anders als bei Werbungskosten.

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Ist ein Abzug als vorweggenommene Werbungskosten möglich?

Es gab etliche Klagen, in denen vor allem Studenten den Abzug ihrer Ausbildungskosten als vorweggenommene Werbungskosten beanspruchten. Das Finanzamt sollte einen Verlust feststellen, der in späteren Jahren mit positiven Einkünften verrechnet werden kann und dann die Steuern reduziert.

In mehreren Beschlüssen vom 17. Juli 2014 hielt der Bundesfinanzhof (BFH) das Verbot des Werbungskostenabzugs für Berufsausbildungskosten für verfassungswidrig (Az. VI R 2/12, Az. VI R 8/12 und Az. VI R 38/12). Nun muss aber das Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden (Az. 2 BvL 23/14, Az. 2 BvL 24/14 und Az. 2 BvL 26/14).

Die Finanzämter versehen die Steuerbescheide mit einem Vorläufigkeitsvermerk, sodass ein Einspruch nicht erforderlich ist. Betroffene können also abwarten, wie die Verfassungsrichter entscheiden. Fehlt in Ihrem Steuerbescheid allerdings der Vorläufigkeitsvermerk, dann sollten Sie innerhalb eines Monats Einspruch einlegen. 

Nachträglich Verlustvorträge feststellen lassen

Wichtig ist, dass Sie Ihre jeweiligen Kosten in einer jährlichen Steuererklärung geltend machen. Studenten müssen in der Regel keine Erklärung abgeben, weshalb sie normalerweise vier Jahre Zeit haben für eine freiwillige Steuererklärung. Bis Ende 2018 können Sie also die Kosten des Jahres 2014 in einer Steuererklärung für 2014 geltend machen.

Ist die Abgabefrist abgelaufen, können Sie die Verluste sogar noch später, nämlich innerhalb einer siebenjährigen Verjährungsfrist gesondert feststellen lassen (BFH, Urteil vom 13. Januar 2015, Az. IX R 22/14). Konkret bedeutet dies: Wenn Sie in Ihrer Studienzeit keine Steuererklärung abgegeben haben, aber noch Verluste aus den Jahren ab 2011 haben, können Sie sich diese noch 2018 mit einem Antrag auf Verlustfeststellung beim Finanzamt sichern. Dazu ist ein Kreuz auf Zeile 2 im Mantelbogen der Steuererklärung erforderlich.

Anders ist die Situation bei Studierenden mit höheren steuerpflichtigen Einkünften – zum Beispiel, weil sie arbeiten oder Kapitaleinkünfte haben. Bei ihnen kann sich der Sonderausgabenabzug durchaus auswirken.

Auf jeden Fall raten wir Studierenden: Heben Sie alle Belege über Ihre Ausgaben während der Berufsausbildung auf. Denn das Finanzamt erkennt grundsätzlich nur Kosten an, die Sie auch tatsächlich bezahlt haben.

Welche Kosten sind absetzbar?

Die Aufwendungen, die Sie unmittelbar für das Studium ausgegeben haben, können Sie in der Steuererklärung ansetzen. Folgende Kosten können zum Beispiel anfallen:

  • Studiengebühren, Semesterbeiträge und Prüfungsgebühren
  • Gebühr für Bibliotheksausweis
  • Fachliteratur und Kosten für wissenschaftliche Datenbanken
  • Kosten für die Bewerbung um einen Studienplatz, Auslandssemester, Praktikum und so weiter
  • Unterkunftskosten
  • Umzugskosten
  • Zinsen für einen Studienkredit
  • Kopierkosten
  • Druck- und Bindekosten für Studien- und Abschlussarbeiten
  • Fahrtkosten: Wer am Studienort wohnt, kann je Entfernungskilometer 30 Cent für die Fahrt zur Hochschule abrechnen (Entfernungspauschale).
  • Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
  • 50 Prozent der Kosten für einen Computer; bei einem Neupreis bis 952 Euro ist eine Sofortabschreibung als geringwertiges Wirtschaftsgut möglich
  • Büromaterial und andere für das Studium benötigte Arbeitsmittel
  • Teilnahmekosten für Kongresse und Seminare (zum Beispiel für ein Repetitorium von Jurastudenten, die sich auf das Staatsexamen vorbereiten)
  • selbst getragene Kosten für Praktika und Auslandssemester (zum Beispiel für Bewerbung, Beglaubigungen, Sprachtests, Reisekosten, Verpflegungsmehraufwendungen in den ersten drei Monaten).

Richtig ins Geld geht ein Auslandssemester. Und manche Studienordnung verpflichtet Studenten dazu – so erging es auch einer Dortmunder Studentin. Sie versuchte, Unterkunftskosten für zwei Auslandssemester in London und Dublin sowie Verpflegungsmehraufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten abzusetzen. Das Finanzgericht Münster (Entscheidung vom 21. Januar 2018, Az. 7 K 1007/17 E, F) hat dies abgelehnt, aber die Revision beim BFH zugelassen (Az. VI R 3/18). Betroffene sollten sich auf dieses Musterverfahren berufen und damit ihren Steuerfall bis zur Entscheidung des BFH offenhalten.

Wo sind die Kosten in der Steuererklärung einzutragen?

Wollen Sie Ihre Kosten im Erststudium als Sonderausgaben in der Steuererklärung eintragen, verwenden Sie dafür den Mantelbogen (Zeilen 43 und 44 in Steuererklärung 2017). Möchten Sie hingegen einen Abzug als Werbungskosten erzielen, sollten Sie im Mantelbogen die Zeile 98 ankreuzen und die Werbungskosten in der Anlage N eintragen.

Im Zweitstudium – und dazu zählt beispielsweise ein Master-Studiengang – sind es auf jeden Fall Werbungskosten, die in die Anlage N gehören.

Rechnen Sie mit einem Verlust? Dann kreuzen Sie im Mantelbogen die Zeile 2 „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an.

Mehr dazu im Ratgeber Steuererklärung

Udo Reuß
von Finanztip,
Experte für Steuern

Das Wichtigste zur Einkommensteuer:

  • Welche Formulare Sie bis wann ausfüllen müssen.
  • Wer eine Steuererklärung abgeben muss – und wer sollte.
  • Welche Ausgaben die Steuern mindern.

» Zum Ratgeber

Welche Möglichkeiten haben angestellte Auszubildende?

Wenn Sie während Ihrer Ausbildungszeit zur gleichen Zeit lernen und arbeiten, befinden Sie sich steuerrechtlich gesehen in einem Ausbildungsverhältnis. Sie zahlen auf Ihr Gehalt Steuern und können darum die Kosten für Ihre Ausbildung als Werbungskosten absetzen.  

Zur Berufsausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses gehören beispielsweise:

  • das duale Studium,
  • die klassische Lehre und
  • das Referendariat.

Welche Weiterbildungskosten lassen sich absetzen?

Als Fort- und Weiterbildung gelten alle Bildungsmaßnahmen, die beruflich veranlasst sind und objektiv erkennbar der Erwerbstätigkeit und nicht dem privaten Interesse dienen.

Dazu zählen unter anderem:

  • Masterstudium sowie jedes andere Zweit-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium;
  • Promotion, Anerkennungsjahr oder Pflichtpraktikum nach einem Hochschulabschluss;
  • neue Berufsausbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung;
  • Studium nach einer Berufsausbildung;
  • beruflich bedingte Studienreisen und Kongresse sowie
  • Sprachkurse, Rhetoriktrainings und Meisterkurse.

Damit das Finanzamt die Kosten Ihrer Fortbildung anerkennt, lassen Sie sich vorab vom Arbeitgeber bestätigen, dass Sie die Weiterbildung beruflich brauchen. Oder Sie legen der Steuererklärung eine Freistellung Ihres Arbeitgebers von Ihrer beruflichen Tätigkeit für die Dauer der Weiterbildung bei. Dann können Sie diese Aufwendungen als Werbungskosten absetzen. Diese tragen Sie in der Anlage N ein.

Fortbildung im Ausland

Bei Fortbildungsveranstaltungen im Ausland prüft das Finanzamt in der Regel besonders genau, ob sie tatsächlich dem beruflichen und nicht etwa dem privaten Interesse dienen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.