Ausbildungskosten und Studienkosten

So setzen Sie die Kosten Ihrer Ausbildung ab

Udo Reuß Stand: 04. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Kosten für eine Zweitausbildung sind steuerzahlerfreundlicher absetzbar als Kosten für eine Erstausbildung. Das Bundesverfassungsgericht hat diese ungleiche Behandlung nun für rechtmäßig erklärt.
  • Aufwendungen für eine Zweitausbildung können Sie als Werbungskosten absetzen. Das Finanzamt kann in Ihrem Steuerbescheid einen Verlust feststellen. Diesen können Sie in späteren Jahren, wenn Sie mehr verdienen, mit anderen Einkünften verrechnen. Das spart dann Steuern. 
  • Bei einer Erstausbildung hingegen können Sie Ausbildungskosten nur als Sonderausgaben anrechnen. Begrenzt auf 6.000 Euro pro Jahr – und nur in dem Jahr absetzbar, in dem sie angefallen sind.
  • Betroffen von der Ungleichbehandlung sind vor allem Studierende. Erst ein Masterstudium gilt als Zweitausbildung. Für Azubis hingegen – egal ob in Lehre oder einem dualen Studium – gelten sofort die gleichen Regeln wie für eine Zweitausbildung. 
So gehen Sie vor
  • Azubis und Studierende im Zweitstudium geben ihre Werbungskosten in der Anlage N ihrer Steuererklärung an.
  • Studierende im Erststudium können Berufsausbildungskosten in Zeile 13 der Anlage Sonderausgaben eintragen. Oft läuft dieser Sonderausgabenabzug allerdings ins Leere. 
  • Für alle gilt: Heben Sie stets Kassenbelege, Überweisungsbelege, Aufzeichnungen über Fahrtkosten und Kontoauszüge auf, damit Sie Ihre Ausgaben beim Finanzamt nachweisen können.
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Eigene Wohnung, Studiengebühren oder die tägliche Fahrt zur Ausbildungsstätte: Einen Beruf zu erlernen kann ganz schön ins Geld gehen. Bei der Frage, wie solche Ausgaben steuerlich zu behandeln sind, kommt es darauf an, wie Ihre Ausbildungssituation einzuordnen ist. Bei den Berufsausbildungskosten unterscheidet das Steuerrecht zwischen der Erst- und Zweitausbildung – mit erheblichen Konsequenzen.

Was ist eine Erstausbildung?

Erstausbildungskosten gelten als privat mitveranlasst, weshalb Sie diese nur beschränkt als Sonderausgaben absetzen dürfen. 

Haben Sie die Erstausbildung abgeschlossen, dürfen Sie weitere Kosten für Ihre Berufsausbildung hingegen unbeschränkt als Werbungskosten geltend machen. Und zwar als Aufwendungen für Ihre Zweitausbildung. Das gilt auch, wenn Sie Ihre Berufsausbildung oder Ihr Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolvieren – so zum Beispiel für Auszubildende, die bei einem Unternehmen beschäftigt sind.

Davon zu unterscheiden ist die Erstausbildung aus steuerrechtlicher Sicht. Dazu zählt eine erstmalige Berufsausbildung außerhalb eines Angestelltenverhältnisses und das Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität, wenn Sie

  • direkt nach Abitur oder Fachschulabschluss zu studieren beginnen – egal ob sich der Fachschulabschluss bereits auf ein ähnliches Wissensgebiet wie das Studium bezieht;
  • das Studienfach wechseln und ein neues Studium beginnen, ohne das vorherige abgeschlossen zu haben;
  • Ihr erstes Studium nach längerer Unterbrechung wieder aufnehmen.

Mindestanforderungen an Erstausbildung wurden erhöht

Bis Ende 2014 war die Mindestdauer der Erstausbildung nicht fest geregelt. So konnte beispielsweise auch eine kurze Ausbildung zum Rettungssanitäter als erstmalige Berufsausbildung gelten. Studierte der Sanitäter danach Medizin, waren die Kosten für diese „Zweitausbildung“ als Werbungskosten unbeschränkt abziehbar. Nach einer Neuregelung des Einkommensteuergesetzes muss seit Januar 2015 die Erstausbildung mindestens zwölf Monate (in Vollzeit) dauern und mit einem Abschluss beendet werden. Nur nach dieser Erstausbildung können Sie Ausgaben für eine Zweitausbildung als Werbungskosten geltend machen (§ 9 Absatz 6 Einkommensteuergesetz).

Wem nützt der Sonderausgabenabzug?

Hohe Ausbildungskosten für einen später angestrebten Beruf sind zuweilen unerlässlich – zum Beispiel für einen Pilotenschein, der Voraussetzung ist, ein Flugzeug zu fliegen. Der Gesetzgeber hat jedoch festgelegt, dass seit 2012 Aufwendungen für die erste eigene Berufsausbildung nicht als Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben abzugsfähig sind – und zwar höchstens bis 6.000 Euro im Jahr (§ 9 Absatz 6 und § 10 Absatz 1 Nr. 7 EStG).

Zusammenveranlagte Ehepartner in der Ausbildung dürfen jeder für sich den Höchstbetrag beanspruchen, gemeinsam also insgesamt 12.000 Euro.

Bei vielen Studenten läuft ein Sonderausgabenabzug allerdings ins Leere, weil sie keine oder geringe zu versteuernde Einnahmen haben und sich Sonderausgaben nur in dem Jahr steuermindernd auswirken können, in dem sie angefallen sind. Verlustvorträge auf spätere Jahre sind nicht möglich, anders als bei Werbungskosten.

Sonderausgaben können nur dann Ihre Steuern senken, wenn Sie im selben Jahr aufgrund hoher Einkünfte Steuern zahlen müssten. Ihre Einkünfte müssten oberhalb des steuerfreien Grundfreibetrags von 9.408 Euro liegen. Beispielsweise weil Sie während Ihres Studiums einen Nebenjob oder Mieteinkünfte haben. 

Tipp: Studierendes Kind wird Vermieter 

Für Eltern mit einer vermieteten Immobilie bietet sich in diesem Zusammenhang ein Gestaltungsmodell an. Oft müssen sie ihre Mietüberschüsse mit einem hohen Steuersatz versteuern. Wenn Sie ihr studierendes Kind mit Bargeld unterstützen, dann können sie solange sie Kindergeld erhalten keine Unterhaltsleistungen steuerlich geltend machen. 

Daher bietet sich in solch einem Fall an, dass die Eltern ihrem Kind stattdessen ihre Einkunftsquelle zumindest für einige Jahre übertragen. Sie könnten ihm ein Nießbrauchsrecht an der Immobilie inklusive eingehender Mieteinkünfte einräumen. Vermieter wird dann das Kind. Über dessen Konto sollten dann sowohl die Mieteinnahmen als auch -ausgaben fließen. Vom Überschuss aus den Mieteinkünften kann es den Grundfreibetrag und die Sonderausgaben für sein Studium abziehen. Falls danach überhaupt noch Steuern zu zahlen wären, dann zu einem deutlich niedrigeren Steuersatz als die Eltern. Wenn das vertraglich und in der Praxis ordentlich umgesetzt wird, stellt dies keinen Gestaltungsmissbrauch dar (Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Dezember 2016, Az. 11 K 2951/15). Im Familienverbund lässt sich auf diese Weise Steuern sparen.

Immobilieneigentümer bleiben während des Zuwendungsnießbrauchs weiterhin die Eltern. Weil sie jedoch keine Vermietungseinkünfte mehr erzielen, können sie keine Abschreibungsbeträge absetzen – und ihr Kind als Nießbraucher auch nicht

Ist ein Abzug als vorweggenommene Werbungskosten möglich?

Es gab etliche Klagen, in denen vor allem Studenten den Abzug ihrer Erstausbildungskosten als vorweggenommene Werbungskosten beanspruchten. Das Finanzamt sollte einen Verlust feststellen, der in späteren Jahren mit positiven Einkünften verrechnet werden kann und dann die Steuern reduziert (Verlustvortrag).

In mehreren Beschlüssen vom 17. Juli 2014 hielt der Bundesfinanzhof (BFH) das Verbot des Werbungskostenabzugs für Berufsausbildungskosten für verfassungswidrig (Az. VI R 2/12, Az. VI R 8/12 und Az. VI R 38/12). Das Bundesverfassungsgericht bewertet aber die gesetzliche Regelung als verfassungskonform (Beschluss vom 19. November 2019, Az. 2 BvL 22/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14, 2 BvL 25/14, 2 BvL 26/14 und 2 BvL 27/14).

Viele Studierende und angehende Piloten haben Steuererklärungen für die Vorjahre abgegeben und hofften darauf, dass die Verfassungsrichter in ihrem Sinne entscheiden würden. Diese Hoffnung ist nun gestorben. 

Die Begründung der Verfassungsrichter kann nur teilweise überzeugen, doch im Ergebnis ist die Entscheidung eindeutig: Die oben dargestellte gesetzliche Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitausbildung beziehungsweise Berufsausbildungskosten auf der einen Seite und Fortbildungskosten auf der anderen Seite wurde bestätigt. Kosten für ein Erststudium können weiterhin nur als Sonderausgaben, Aufwendungen für ein Zweitstudium hingegen als Werbungskosten geltend gemacht werden. Davon profitieren auch Studierende, die zuvor eine Lehre oder eine andere Erstausbildung abgeschlossen haben.   

Welche Kosten sind absetzbar?

Aufwendungen, die Sie unmittelbar für das Studium ausgegeben haben, können Sie in der Steuererklärung ansetzen. Folgende Kosten können zum Beispiel anfallen:

  • Studiengebühren, Semesterbeiträge und Prüfungsgebühren,
  • Repetitorien und Nachhilfestunden,
  • Gebühr für Bibliotheksausweis,
  • Fachliteratur und Kosten für wissenschaftliche Datenbanken,
  • Kosten für die Bewerbung um einen Studienplatz, Auslandssemester, Praktikum und so weiter,
  • Unterkunftskosten,
  • Umzugskosten,
  • Zinsen für einen Studienkredit,
  • Kopierkosten,
  • Druck- und Bindekosten für Studien- und Abschlussarbeiten,
  • Fahrtkosten: Wer am Studienort wohnt, kann je Entfernungskilometer 30 Cent für die Fahrt zur Hochschule abrechnen (Entfernungspauschale);
  • Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer,
  • 50 Prozent der Kosten für einen Computer; bei einem Neupreis bis 952 Euro ist eine Sofortabschreibung als geringwertiges Wirtschaftsgut möglich sowie
  • Büromaterial und andere für das Studium benötigte Arbeitsmittel.

Richtig ins Geld geht ein Auslandssemester. Und manche Studienordnung verpflichtet Studenten dazu – so erging es auch einer Dortmunder Studentin. Sie versuchte, Unterkunftskosten für zwei Auslandssemester in London und Dublin sowie Verpflegungsmehraufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten abzusetzen.

Das Finanzgericht Münster hat dies abgelehnt (Entscheidung vom 21. Januar 2018, Az. 7 K 1007/17 E, F) , aber die Revision beim BFH zugelassen (Az. VI R 3/18). Das FG Münster bewertet die ausländische Hochschule als erste Tätigkeitsstätte. Betroffene sollten sich auf dieses Musterverfahren berufen und damit ihren Steuerfall bis zur Entscheidung des BFH offenhalten.

Auf jeden Fall raten wir Studierenden: Heben Sie alle Belege über Ihre Ausgaben während der Berufsausbildung auf. Denn das Finanzamt erkennt grundsätzlich nur Kosten an, die Sie auch tatsächlich bezahlt haben.

Wo sind die Kosten in der Steuererklärung einzutragen?

Wollen Sie Ihre Kosten im Erststudium als Sonderausgaben in der Steuererklärung eintragen, verwenden Sie dafür die Anlage Sonderausgaben und tragen Ihre Berufsausbildungskosten in Zeile 13 ein (Angaben beziehen sich auf die Steuererklärung 2019).

Gehen Sie davon aus, dass das Finanzamt einen Eintrag von Erstausbildungskosten als Werbungskosten ablehnen wird. 

Im Zweitstudium – und dazu zählt beispielsweise ein Master-Studiengang nach einem Bachelor-Abschluss – sind es Werbungskosten, die in die Anlage N gehören.

Rechnen Sie mit einem Verlust? Dann kreuzen Sie im Hauptformular die Zeile 2 „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an.

Helfer für die Steuererklärung

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Welche Möglichkeiten haben angestellte Auszubildende?

Absolvieren Sie Ihre Ausbildung innerhalb eines Arbeitsverhältnisses, bekommen Sie ein steuerpflichtiges Gehalt und können daher die Kosten für Ihre Ausbildung als Werbungskosten absetzen.  

Zur Berufsausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses gehören beispielsweise

  • das duale Studium,
  • die klassische Lehre und
  • das Referendariat.

Welche Weiterbildungskosten lassen sich absetzen?

Als Fort- und Weiterbildung gelten alle Bildungsmaßnahmen, die beruflich veranlasst sind und objektiv erkennbar der Erwerbstätigkeit und nicht dem privaten Interesse dienen. Dazu zählen unter anderem

  • ein Masterstudium sowie jedes andere Zweit-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium;
  • die Promotion, das Anerkennungsjahr oder ein Pflichtpraktikum nach einem Hochschulabschluss;
  • eine neue Berufsausbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung;
  • ein Studium nach einer Berufsausbildung;
  • beruflich bedingte Studienreisen und Kongresse sowie
  • Sprachkurse, Rhetoriktrainings und Meisterkurse.

Damit das Finanzamt die Kosten Ihrer Fortbildung anerkennt, lassen Sie sich vorab vom Arbeitgeber bestätigen, dass Sie die Weiterbildung beruflich brauchen. Oder Sie legen der Steuererklärung eine Freistellung Ihres Arbeitgebers von Ihrer beruflichen Tätigkeit für die Dauer der Weiterbildung bei. Dann können Sie diese Aufwendungen als Werbungskosten absetzen. Diese tragen Sie in der Anlage N ein.

Fortbildung im Ausland

Bei Fortbildungsveranstaltungen im Ausland prüft das Finanzamt in der Regel besonders genau, ob sie tatsächlich dem beruflichen und nicht etwa dem privaten Interesse dienen.

Bei beruflich veranlassten Reisen, bei denen Sie ein paar Tage für den privaten Urlaub anhängen, ist es möglich, dass Sie zumindest für den beruflichen Teil Werbungskosten absetzen können. Details hierzu lesen Sie im Ratgeber Reisekosten absetzen.

Autor
Udo Reuß

Stand: 04. Februar 2020


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