Ausbildungskosten und Studienkosten

So setzt Du die Kosten Deiner Ausbildung ab

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
07. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Kosten für eine Zweitausbildung sind steuerzahlerfreundlicher absetzbar als Kosten für eine Erstausbildung. Das Bundesverfassungsgericht hat diese ungleiche Behandlung nun für rechtmäßig erklärt.
  • Aufwendungen für eine Zweitausbildung kannst Du als Werbungskosten absetzen. Das Finanzamt kann in Deinem Steuerbescheid einen Verlust feststellen. Diesen kannst Du in späteren Jahren, wenn Du mehr verdienst, mit anderen Einkünften verrechnen. Das spart dann Steuern. 
  • Bei einer Erstausbildung hingegen kannst Du Ausbildungskosten nur als Sonderausgaben anrechnen. Begrenzt auf 6.000 Euro pro Jahr – und nur in dem Jahr absetzbar, in dem sie angefallen sind.
  • Betroffen von der Ungleichbehandlung sind vor allem Studierende. Erst ein Masterstudium gilt als Zweitausbildung. Für Azubis hingegen – egal ob in Lehre oder einem dualen Studium – gelten sofort die gleichen Regeln wie für eine Zweitausbildung. 
So gehst Du vor
  • Azubis und Studierende im Zweitstudium geben ihre Werbungskosten in der Anlage N ihrer Steu­er­er­klä­rung an.
  • Studierende im Erststudium können Berufsausbildungskosten in der Anlage Sonderausgaben eintragen. Oft läuft dieser Sonderausgabenabzug allerdings ins Leere. 
  • In jedem Fall gilt: Hebe stets Kassenbelege, Überweisungsbelege, Aufzeichnungen über Fahrtkosten und Kontoauszüge auf, damit Du Deine Ausgaben beim Finanzamt nachweisen kannst.
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Eigene Wohnung, Studiengebühren oder die tägliche Fahrt zur Ausbildungsstätte: Einen Beruf zu erlernen kann ganz schön ins Geld gehen. Bei der Frage, wie solche Ausgaben steuerlich zu behandeln sind, kommt es darauf an, wie Deine Ausbildungssituation einzuordnen ist. Bei den Berufsausbildungskosten unterscheidet das Steuerrecht zwischen der Erst- und Zweitausbildung – mit erheblichen Konsequenzen.

Was ist eine Erstausbildung?

Erstausbildungskosten gelten als privat mitveranlasst, weshalb Du diese nur beschränkt als Sonderausgaben absetzen darfst. 

Hast Du die Erstausbildung abgeschlossen, darfst Du weitere Kosten für Deine Berufsausbildung hingegen unbeschränkt als Werbungskosten geltend machen. Und zwar als Aufwendungen für Deine Zweitausbildung. Das gilt auch, wenn Du Deine Berufsausbildung oder Dein Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolvierst – so zum Beispiel für Auszubildende, die bei einem Unternehmen beschäftigt sind.

Davon zu unterscheiden ist die Erstausbildung aus steuerrechtlicher Sicht. Dazu zählt eine erstmalige Berufsausbildung außerhalb eines Angestelltenverhältnisses und das Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität, wenn Du

  • direkt nach Abitur oder Fachschulabschluss zu studieren beginnst – egal ob sich der Fachschulabschluss bereits auf ein ähnliches Wissensgebiet wie das Studium bezieht;
  • das Studienfach wechselst und ein neues Studium beginnst, ohne das vorherige abgeschlossen zu haben;
  • Dein erstes Studium nach längerer Unterbrechung wieder aufnimmst.

Mindestanforderungen an Erstausbildung wurden erhöht

Bis Ende 2014 war die Mindestdauer der Erstausbildung nicht fest geregelt. So konnte beispielsweise auch eine kurze Ausbildung zum Rettungssanitäter als erstmalige Berufsausbildung gelten. Studierte der Sanitäter danach Medizin, waren die Kosten für diese „Zweitausbildung“ als Werbungskosten unbeschränkt abziehbar. Nach einer Neuregelung des Einkommensteuergesetzes muss seit Januar 2015 die Erstausbildung mindestens zwölf Monate (in Vollzeit) dauern und mit einem Abschluss beendet werden. Nur nach dieser Erstausbildung kannst Du Ausgaben für eine Zweitausbildung als Werbungskosten geltend machen (§ 9 Absatz 6 Einkommensteuergesetz).

Wem nützt der Sonderausgabenabzug?

Hohe Ausbildungskosten für einen später angestrebten Beruf sind zuweilen unerlässlich – zum Beispiel für einen Pilotenschein, der Voraussetzung ist, ein Flugzeug zu fliegen. Der Gesetzgeber hat jedoch festgelegt, dass seit 2012 Aufwendungen für die erste eigene Berufsausbildung nicht als Werbungskosten, sondern nur als Sonderausgaben abzugsfähig sind – und zwar höchstens bis 6.000 Euro im Jahr (§ 9 Absatz 6 und § 10 Absatz 1 Nr. 7 EStG).

Zusammenveranlagte Ehepartner in der Ausbildung dürfen jeder für sich den Höchstbetrag beanspruchen, gemeinsam also insgesamt 12.000 Euro.

Bei vielen Studenten läuft ein Sonderausgabenabzug allerdings ins Leere, weil sie keine oder geringe zu versteuernde Einnahmen haben und sich Sonderausgaben nur in dem Jahr steuermindernd auswirken können, in dem sie angefallen sind. Verlustvorträge auf spätere Jahre sind nicht möglich, anders als bei Werbungskosten.

Sonderausgaben können nur dann Deine Steuern senken, wenn Du im selben Jahr aufgrund hoher Einkünfte Steuern zahlen musst. Deine Einkünfte müssten oberhalb des steuerfreien Grundfreibetrags von 9.744 Euro (2021) liegen. Beispielsweise weil Du während Deines Studiums einen Nebenjob oder Mieteinkünfte hast. 

Tipp: Studierendes Kind wird Vermieter 

Für Eltern mit einer vermieteten Immobilie bietet sich in diesem Zusammenhang ein Gestaltungsmodell an. Oft müssen sie ihre Mietüberschüsse mit einem hohen Steuersatz versteuern. Wenn Du Dein studierendes Kind mit Bargeld unterstützt, dann kannst Du solange Du Kindergeld erhältst keine Unterhaltsleistungen steuerlich geltend machen. 

Daher bietet sich in solch einem Fall an, dass die Eltern ihrem Kind stattdessen ihre Einkunftsquelle zumindest für einige Jahre übertragen. Sie könnten ihm ein Nießbrauchsrecht an der Immobilie inklusive eingehender Mieteinkünfte einräumen. Vermieter wird dann das Kind. Über dessen Konto sollten dann sowohl die Mieteinnahmen als auch -ausgaben fließen. Vom Überschuss aus den Mieteinkünften kann es den Grundfreibetrag und die Sonderausgaben für sein Studium abziehen. Falls danach überhaupt noch Steuern zu zahlen wären, dann zu einem deutlich niedrigeren Steuersatz als die Eltern. Wenn das vertraglich und in der Praxis ordentlich umgesetzt wird, stellt dies keinen Gestaltungsmissbrauch dar (Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Dezember 2016, Az. 11 K 2951/15). Im Familienverbund lässt sich auf diese Weise Steuern sparen.

Immobilieneigentümer bleiben während des Zuwendungsnießbrauchs weiterhin die Eltern. Weil sie jedoch keine Vermietungseinkünfte mehr erzielen, können sie keine Abschreibungsbeträge absetzen – und ihr Kind als Nießbraucher auch nicht

Unser Podcast zum Thema

Ist ein Abzug als vorweggenommene Werbungskosten möglich?

Es gab etliche Klagen, in denen vor allem Studenten den Abzug ihrer Erstausbildungskosten als vorweggenommene Werbungskosten beanspruchten. Das Finanzamt sollte einen Verlust feststellen, der in späteren Jahren mit positiven Einkünften verrechnet werden kann und dann die Steuern reduziert (Verlustvortrag).

In mehreren Beschlüssen vom 17. Juli 2014 hielt der Bundesfinanzhof (BFH) das Verbot des Werbungskostenabzugs für Berufsausbildungskosten für verfassungswidrig (Az. VI R 2/12, Az. VI R 8/12 und Az. VI R 38/12). Das Bundesverfassungsgericht bewertet aber die gesetzliche Regelung als verfassungskonform (Beschluss vom 19. November 2019, Az. 2 BvL 22/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14, 2 BvL 25/14, 2 BvL 26/14 und 2 BvL 27/14).

Viele Studierende und angehende Piloten haben Steu­er­er­klä­rungen für die Vorjahre abgegeben und hofften darauf, dass die Verfassungsrichter in ihrem Sinne entscheiden würden. Diese Hoffnung ist nun gestorben. 

Die Begründung der Verfassungsrichter kann nur teilweise überzeugen, doch im Ergebnis ist die Entscheidung eindeutig: Die oben dargestellte gesetzliche Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitausbildung beziehungsweise Berufsausbildungskosten auf der einen Seite und Fortbildungskosten auf der anderen Seite wurde bestätigt. Kosten für ein Erststudium können weiterhin nur als Sonderausgaben, Aufwendungen für ein Zweitstudium hingegen als Werbungskosten geltend gemacht werden. Davon profitieren auch Studierende, die zuvor eine Lehre oder eine andere Erstausbildung abgeschlossen haben.   

Welche Kosten sind absetzbar?

Aufwendungen, die Du unmittelbar für das Studium ausgegeben hast, kannst Du in der Steu­er­er­klä­rung ansetzen. Folgende Kosten können zum Beispiel anfallen:

  • Studiengebühren, Semesterbeiträge und Prüfungsgebühren,
  • Repetitorien und Nachhilfestunden,
  • Gebühr für Bibliotheksausweis,
  • Fachliteratur und Kosten für wissenschaftliche Datenbanken,
  • Kosten für die Bewerbung um einen Studienplatz, Auslandssemester, Praktikum und so weiter,
  • Unterkunftskosten,
  • Umzugskosten,
  • Zinsen für einen Studienkredit,
  • Kopierkosten,
  • Druck- und Bindekosten für Studien- und Abschlussarbeiten,
  • Fahrtkosten: Wer am Studienort wohnt, kann je Entfernungskilometer 30 Cent für die Fahrt zur Hochschule abrechnen (Entfernungspauschale); ab 2021 kannst Du ab dem 21. Entfernungskilometer 35 Cent ansetzen,
  • Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer beziehungsweise in den Jahren 2020/2021 die Homeoffice-Pauschale bis 600 Euro im Jahr,
  • 50 Prozent der Kosten für einen Computer; bei einem Neupreis bis 952 Euro ist eine Sofortabschreibung als geringwertiges Wirtschaftsgut möglich sowie
  • Büromaterial und andere für das Studium benötigte Arbeitsmittel.

Richtig ins Geld geht ein Auslandssemester. Und manche Studienordnung verpflichtet Studenten dazu – so erging es auch einer Dortmunder Studentin. Sie versuchte, Unterkunftskosten für zwei Auslandssemester in London und Dublin sowie Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dung­en im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten abzusetzen.

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Uni im Inland erste Tätigkeitsstätte bleibt, sodass die Kosten für das Auslandssemester vollständig als Auswärtstätigkeit absetzbar sind (BFH, Urteil vom 14. Mai 2020, Az. VI R 3/18). Musst Du ein Auslands- oder Praxissemester oder ein Praktikum absolvieren, kannst Du Verpflegungsmehraufwand sowie die gesamten Fahrt- und Unterkunftskosten als vorweggenommene Werbungskosten absetzen.

Auf jeden Fall raten wir Studierenden: Hebt alle Belege über Eure Ausgaben während der Berufsausbildung auf. Denn das Finanzamt erkennt grundsätzlich nur Kosten an, die Ihr auch tatsächlich bezahlt habt.

Wo sind die Kosten in der Steu­er­er­klä­rung einzutragen?

Willst Du Deine Kosten im Erststudium als Sonderausgaben in der Steu­er­er­klä­rung eintragen, verwende dafür die Anlage Sonderausgaben und trage Deine Berufsausbildungskosten in Zeile 13 ein (Angaben beziehen sich auf die Steu­er­er­klä­rung 2020).

Gehe davon aus, dass das Finanzamt einen Eintrag von Erstausbildungskosten als Werbungskosten ablehnen wird. 

Im Zweitstudium – und dazu zählt beispielsweise ein Master-Studiengang nach einem Bachelor-Abschluss – sind es Werbungskosten, die in die Anlage N gehören.

Rechnest Du mit einem Verlust? Dann kreuze im Hauptvordruck die Zeile 2 „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Welche Möglichkeiten haben angestellte Auszubildende?

Absolvierst Du Deine Ausbildung innerhalb eines Arbeitsverhältnisses, bekommst Du ein steuerpflichtiges Gehalt und kannst daher die Kosten für Deine Ausbildung als Werbungskosten absetzen.  

Zur Berufsausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses gehören beispielsweise

  • das duale Studium,
  • die klassische Lehre und
  • das Referendariat.

Welche Weiterbildungskosten lassen sich absetzen?

Als Fort- und Weiterbildung gelten alle Bildungsmaßnahmen, die beruflich veranlasst sind und objektiv erkennbar der Erwerbstätigkeit und nicht dem privaten Interesse dienen. Dazu zählen unter anderem

  • ein Masterstudium sowie jedes andere Zweit-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium;
  • die Promotion, das Anerkennungsjahr oder ein Pflichtpraktikum nach einem Hochschulabschluss;
  • eine neue Berufsausbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung;
  • ein Studium nach einer Berufsausbildung;
  • beruflich bedingte Studienreisen und Kongresse sowie
  • Sprachkurse, Rhetoriktrainings und Meisterkurse.

Damit das Finanzamt die Kosten Deiner Fortbildung anerkennt, lass Dir vorab vom Arbeitgeber bestätigen, dass Du die Weiterbildung beruflich brauchst. Oder lege der Steu­er­er­klä­rung eine Freistellung Deines Arbeitgebers von Deiner beruflichen Tätigkeit für die Dauer der Weiterbildung bei. Dann kannst Du diese Aufwendungen als Werbungskosten absetzen. Diese trägst Du in der Anlage N ein.

Fortbildung im Ausland

Bei Fortbildungsveranstaltungen im Ausland prüft das Finanzamt in der Regel besonders genau, ob sie tatsächlich dem beruflichen und nicht etwa dem privaten Interesse dienen.

Bei beruflich veranlassten Reisen, bei denen Du ein paar Tage für den privaten Urlaub anhängst, ist es möglich, dass Du zumindest für den beruflichen Teil Werbungskosten absetzen kannst. Details hierzu liest Du im Ratgeber Reisekosten absetzen.

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