Dein Buch Finanzen ganz einfach - Zusatzkapitel zum Thema Altersvorsorgedepot Lohnt sich das neue Altersvorsorgedepot?

Saidi Sulilatu
Saidi Sulilatu
Finanztip-Chefredakteur
Dein Online-Zusatzkapitel zum Altersvorsorgedepot
  • In der privaten Altersvorsorge hat sich in den letzten Monaten viel getan: Ab 2027 soll das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot kommen.
  • Damit Du als Leserin oder Leser meines Buchs „Finanzen ganz einfach“ auf dem neuesten Stand bist, findest Du hier ein ergänzendes Online-Kapitel.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 staatlich gefördertes Investieren in ETFs für die Altersvorsorge ermöglichen – als deutlich attraktivere Alternative zur Riester-Rente.
  • Der Staat zahlt Zuschüsse auf Deine Einzahlungen: Bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr sind möglich, mit Kindern sogar deutlich mehr.
  • Besonders lohnend ist das Altersvorsorgedepot für junge Menschen, Eltern und alle, die noch viele Jahre bis zur Rente haben.
  • Entscheidend ist ein günstiges Altersvorsorgedepot. Hohe Gebühren können über Jahrzehnte viel Rendite kosten.

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Was steckt hinter dem Altersvorsorgedepot?

Vielleicht hast Du gerade das Gefühl: Moment mal, hatten wir das Thema Altersvorsorge nicht schon abgeschlossen? Wieso kommt das jetzt noch mal? 

Du hast in diesem Buch gelernt, dass Deine Finanzen nicht kompliziert sein müssen. Im Gegenteil: Je einfacher Du sie hältst, desto besser. Die Grundidee des Finanztip-Prinzips ist ja gerade, dass Du Deine Finanzen mit wenigen klaren Töpfen organisierst und langfristig möglichst wenig Aufwand damit hast. Dein ETF-Depot spielt dabei die zentrale Rolle für Deinen Vermögensaufbau und Deine Altersvorsorge. 

Und dennoch komme ich Dir jetzt mit einem weiteren, neuen Produkt um die Ecke: dem Altersvorsorgedepot. Da darfst Du zunächst ruhig skeptisch sein. Denn jedes neue Finanzprodukt bedeutet erst mal: Es könnte wieder komplizierter werden – noch ein Vertrag, noch ein Topf, noch ein paar Regeln, die man verstehen muss. 

Trotzdem lohnt es sich, beim Altersvorsorgedepot genauer hinzuschauen, denn die Grundidee ist gar nicht schlecht. Der Staat will ab 2027 die private Altersvorsorge stärker fördern – und zwar besser als bei der alten Riester-Rente, von der Du in Kapitel 8 erfährst, dass sie nur in wenigen Fällen Sinn ergibt. Für dieses neue Modell lässt der Staat endlich zu, was für den langfristigen Vermögensaufbau am meisten Sinn ergibt: konsequentes Investieren am Kapitalmarkt. 

Anders gesagt: Du sollst Geld fürs Alter zurücklegen können, gerade auch in Aktien-ETFs, und der Staat gibt etwas dazu. Das bedeutet also, dass Du einen Zuschuss auf einen ETF-Sparplan bekommen kannst. Bei Finanztip sind wir optimistisch, dass es gute Altersvorsorgedepots geben wird, die näher am Finanztip-Prinzip liegen als viele klassische Altersvorsorgeverträge, die in Deutschland seit Jahrzehnten verkauft werden. 

Warum braucht es denn überhaupt so ein neues Produkt? Die unbequeme Antwort lautet: Weil der erste Versuch einer vom Staat geförderten privaten Altersvorsorge, nämlich die Riester-Rente, gescheitert ist. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die meisten Riester-Verträge viel zu hohe Kosten beinhalten und überdies eine zu geringe Rendite abwerfen. Deswegen haben viel zu viele Menschen noch keinen attraktiven Anreiz vom Staat, fürs Alter vorzusorgen, und kommen nicht ins Handeln. Zudem hat sich die wichtige Erkenntnis leider noch nicht genug verbreitet, dass ein ETF-Sparplan eine einfache Lösung ist, die man selbst umsetzen kann. 

Die meist geringe Rendite bei Riester-Verträgen resultierte neben den hohen Kosten daher, dass die Anbieter garantieren mussten, dass zu Rentenbeginn mindestens das eingezahlte Geld im Vertrag vorhanden ist. Dieses über zwanzig Jahre alte Versprechen klang zwar beruhigend, verhindert aber ein Grundprinzip des Vermögensaufbaus, das Du in diesem Buch kennengelernt hast: die Masse des Geldes über Jahrzehnte in Aktien-ETFs anzulegen, erhebliche Schwankungen zuzulassen und dafür mit einer guten Rendite belohnt zu werden. 

Das Altersvorsorgedepot soll diesen Fehler korrigieren. Es soll weniger Garantie-Denke und mehr Rendite-Denke in die geförderte Altersvorsorge bringen. Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Fortschritt.

Noch sind die konkreten Angebote für Altersvorsorgedepots nicht auf dem Markt. Sobald sie verfügbar sind, werden wir bei Finanztip Dir natürlich die besten heraussuchen. Aber es sieht ganz so aus, als ob das Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 fast immer eine sehr gute Idee ist.

Wie funktioniert das Modell konkret?

Das Altersvorsorgedepot ist im Kern nicht schwer zu verstehen: Du eröffnest ein spezielles Altersvorsorgedepot, suchst Dir am besten einen breit gestreuten ETF aus, richtest auf diesen einen Sparplan ein und bekommst pro Jahr vom Staat Geld dazu geschossen. Hast Du Kinder, gibt es extra etwas obendrauf. Das Ganze gibst Du in Deiner Steuererklärung an, und das Finanzamt prüft, ob Dein Steuersatz so hoch ist, dass Du über die Zulagen hinaus auch noch eine Steuererstattung erhältst. 

Die Förderung können fast alle erhalten: Angestellte, Selbstständige, Beamte, Soldaten und selbst Bezieher von Eltern- oder Krankengeld. Wenn Du nur einen Minijob hast, kannst Du freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und erhältst ebenfalls die Förderung. Nur Hausmänner und -frauen, die keinen förderberechtigten Ehepartner haben, bekommen nichts vom Staat. 

Das Depot läuft dann bis zur Rente. Du kannst zwar jederzeit an das Geld heran, aber wenn Du vor der Rente etwas herausnimmst, musst Du die Förderung anteilig an den Staat zurückzahlen. Zu Beginn der Rente kannst Du Dir bis zu 30 % des angesammelten Geldes auf einmal auszahlen lassen, ohne dass die Förderung verloren geht. Den Rest lässt Du Dir als regelmäßige Rente auszahlen – entweder mindestens bis zum 85. Lebensjahr (solange, bis das Geld aufgebraucht ist) oder als lebenslange Rente, die dann jedoch monatlich etwas geringer ausfällt. 

Soweit die grundlegenden Spielregeln. Schauen wir uns die Förderung genauer an:

Jährliche EinzahlungFörderung in %Maximale Förderung in €
bis 360 € / Jahr50%bis 180 €
360 – 1.800 € / Jahr25%bis 360 €
1.800 € / Jahr30%540 €

Zusammengefasst heißt das: Für die ersten 360 €, die Du im Jahr einzahlst, gibt der Staat 50 Cent pro € dazu, also maximal 180 €. Das macht das Altersvorsorgedepot besonders interessant, wenn Du nur sehr wenig für Deine Altersvorsorge sparen kannst. Für weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 € im Jahr (150 € im Monat) gibt es 25 Cent pro € dazu, also noch einmal maximal 360 €. Zusammen sind damit bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr möglich. 

Wenn Du früh startest – nämlich vor Deinem 25. Geburtstag –, bekommst Du zusätzlich eine einmalige Prämie von 200 € in Dein Altersvorsorgedepot.

Saidi Sulilatu

Richtig interessant wird es für Eltern: Für jedes Kind, für das Du Kindergeld bekommst, gibt Dir der Staat pro eingezahltem € einen € Förderung, maximal jedoch 300 € pro Kind und Jahr. Das heißt: 300 € jährlich einzahlen und 300 € pro Kind erhalten. Diese Kinderzulage kann allerdings nur ein Elternteil beanspruchen. 

Saidi Sulilatu
Finanztip-Chefredakteur

Mit dem Finanztip-Rechner zum Altersvorsorgedepot findest Du heraus:

  • wie viel Förderung Du bekommen kannst
  • wie viel netto für Dich rausspringen kann
  • und wie viel mehr netto das im Vergleich zu einem normalen ETF-Sparplan wäre

Zum Rechner

Machen wir ein paar Beispiele: 

  • Luca (20 Jahre) verdient nach seiner Ausbildung 32.000 € brutto. Er kann sich 75 € im Monat leisten. Er bekommt vom Staat einmalig 200 € und jedes Jahr 315 € (180 € + 135 €) an Zulagen. Er wählt ein günstiges Altersvorsorgedepot, das inklusive des Aktien-ETFs nur 0,2 % pro Jahr kostet. Wenn er die 75 € nie erhöht und durchschnittlich 6 % p. a. mit dem ETF erzielt, kommen mit 67 Jahren nach Steuern grob 209.000 € heraus. Das sind etwa 50.000 € mehr als mit einem ungeförderten ETF-Sparplan.
  • Simon (35 Jahre) verdient 50.000 €. Er spart die vollen 150 € im Monat und erhält die vollen 540 € Grundzulage pro Jahr. Zusätzlich bekommt er jedes Jahr gute 200 € über die Steuererklärung zurück. Netto ist sein Altersvorsorgedepot mit 67 Jahren etwa 149.000 € wert – knappe 19.000 € mehr als ein reiner ETF-Sparplan.
  • Lena (40 Jahre) verdient in Teilzeit 28.000 € brutto und hat zwei Kinder (8 und 6 Jahre). Sie kann sich 25 € im Monat (300 € im Jahr) leisten. Sie bekommt pro Jahr 750 € Zulagen: 150 € für sich selbst und zweimal 300 € für die Kinder. Mit 67 Jahren hat sie ein Altersvorsorgedepot von etwa 42.000 € netto, von denen sie nur 7.800 € selbst eingezahlt hat. Ein normaler ETF-Sparplan hätte ihr dagegen nur knappe 16.000 € netto gebracht. 

Was wird aus diesen Beispielen deutlich? Solange Du ein günstiges Altersvorsorgedepot besparst, lohnt es sich fast immer. Das gilt ganz besonders, wenn Du noch Jahrzehnte bis zur Rente hast oder Kinder erziehst. Aber selbst, wenn Du schon in wenigen Jahren in Rente gehst, kannst Du immerhin noch die Förderung mitnehmen. Denn auch wenn Du jenseits der 60 in einen Aktien-ETF investierst, entnimmst Du ab Rentenbeginn ja nur eine monatliche Rente und damit überschaubare Teilbeträge. Sollte Dich unglücklicherweise genau dann ein Börsencrash erwischen, hat die Masse Deines Geldes während der Rentenphase noch viel Zeit, sich wieder zu erholen. Das Gute dabei: Die staatliche Förderung wirkt wie ein Puffer, der Dich bis zu einem gewissen Grad gegen Verluste absichert.

Auf die Kosten achten

Ist Dir aufgefallen, dass ich betone, dass es ein günstiges Altersvorsorgedepot sein soll? Es wird Altersvorsorgedepots in allen möglichen Formen geben – darunter leider auch teure Varianten. Anbieter können Banken, Fondsgesellschaften, Depotanbieter, Neobroker oder auch Versicherer sein. Viele Verträge, besonders die von Versicherungen, werden nicht nur 0,2 % pro Jahr, sondern 1 % und mehr kosten. Über Jahrzehnte macht das einen Unterschied von zehntausenden € aus. 

Im Altersvorsorgedepot wirst Du zudem nicht wild alles kaufen können, was es an der Börse gibt. Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate oder andere spekulative Produkte gehören nicht hinein. Das ist auch sinnvoll, denn dieser Topf ist nicht dafür gedacht, mit einer „heißen“ Aktie zu zocken, sondern dient der Altersvorsorge. Vorgesehen sind vor allem Fonds, ETFs sowie bestimmte Anleihen. Für Dich wird die naheliegende Lösung also wieder ein breit gestreuter Welt-ETF sein – genau die Art von Anlage, die wir für den langfristigen Vermögensaufbau ohnehin nutzen. 

Außerdem soll es ein sogenanntes Standarddepot geben. Das ist die einfache Variante für alle, die sich nicht selbst mit Fonds und ETFs beschäftigen wollen. Dort werden zwei Fonds vorgegeben: ein risikoärmerer und ein chancenorientierter. Der Anbieter übernimmt dann die automatische Aufteilung. Das kann für Menschen hilfreich sein, die sonst gar nicht erst anfangen würden. Wenn Du Dich aber schon mit ETFs beschäftigst und Deine Finanzen selbst in die Hand nimmst, willst Du wahrscheinlich lieber selbst entscheiden. 

Richtig spannend wird zudem: Der Staat will selbst ein Altersvorsorgedepot anbieten. Es ist zu erwarten, dass dieses sehr günstig sein wird. Ich hoffe, dass es damit eine Messlatte für den Markt setzt und insgesamt die Kosten der privaten Anbieter drückt. Wir bei Finanztip werden dieses staatliche Depot genau mit den privaten Angeboten vergleichen. 

Was mache ich mit meinem bestehenden ETF-Depot?

Wenn Du schon ein normales Depot mit einem ETF-Sparplan hast, ergibt es fast immer Sinn, bis zu 150 € im Monat (also „die ersten 150 €“) stattdessen in einen ETF innerhalb des Altersvorsorgedepots einzuzahlen. Das kann sogar der gleiche Welt-ETF sein wie in Deinem normalen Depot. Dein bisheriges Depot lässt Du einfach mit dem Rest Deiner Sparrate weiterlaufen, sofern Du mehr als 150 € im Monat sparst. 

Klar, damit machst Du aus vier Töpfen fünf Töpfe. Aber an den Beispielen hast Du gesehen, dass es sich finanziell lohnt , und der bürokratische Aufwand wird wahrscheinlich überschaubar sein. 

Reichen denn 150 € im Monat? Klare Antwort: Für die meisten Menschen nicht. Wenn Du durchschnittlich verdienst, solltest Du inklusive der Förderung eine Größenordnung von 300 bis 400 € im Monat in einen ETF stecken. 

  • Möglichkeit 1: Du sparst 150 € in das Altersvorsorgedepot und den Rest in Dein privates ETF-Depot.
  • Möglichkeit 2: Du steckst Deine gesamte Sparsumme in das Altersvorsorgedepot, „überzahlst“ es also. Dafür bekommst Du zwar nicht mehr Förderung, hast aber weiterhin nur einen einzigen Topf, was Deine Finanzen einfacher macht. Maximal sind übrigens 13.680 € im Jahr möglich, verteilt auf bis zu zwei Altersvorsorgedepots. An das Geld kommst Du im Notfall ja trotzdem heran, auch wenn es langfristig für die Altersvorsorge gedacht ist. 

Wenn die genauen Regeln für das Altersvorsorgedepot endgültig feststehen, analysieren wir bei Finanztip im Detail, ob dieses Überzahlen eventuelle versteckte Nachteile hat.

Was machst Du mit einem alten Riester-Vertrag?

Noch stehen die genauen Konditionen für die Altersvorsorgedepots nicht fest. Aber es sieht sehr danach aus, dass es sich für die meisten lohnen wird, bestehende Riester-Verträge in ein Altersvorsorgedepot zu überführen. So ein Übertrag wird gesetzlich möglich sein. Dabei können zwar einmalig Wechselgebühren anfallen, diese werden sich jedoch schnell amortisieren, wenn Du dafür einen sehr viel günstigeren Vertrag bekommst, der noch viele Jahre läuft und langfristig eine deutlich höhere Rendite abwirft. Zur Erinnerung: Altersvorsorgedepots gibt es ohne die teure Beitragsgarantie, die bei Riester gesetzliche Pflicht war. 

Falls Du in Deinen alten Riester-Vertrag aktuell nicht mehr einzahlst, lohnt es sich wahrscheinlich ebenfalls, diesen zu übertragen und das Sparen dort wieder aufzunehmen. 

Deinen alten Riester unverändert weiterlaufen zu lassen, macht vor allem in zwei Ausnahmefällen Sinn:

  1. Du hast viele Kinder: Du bekommst in Deinem Riester-Vertrag für mindestens zwei Kinder die Kinderzulage und musst selbst nur sehr wenig einzahlen (z. B. nur den Mindestbeitrag von 60 € im Jahr). Spätestens wenn das Kindergeld für das jüngste Kind endet und damit die Zulagen wegfallen, wird sich der Übertrag auf ein Altersvorsorgedepot aber wahrscheinlich lohnen. Wenn Du Dir jedoch schon jetzt mindestens 300 € eigenen Beitrag im Jahr (25 € im Monat) leisten kannst, lohnt sich der Wechsel bereits früher. 
     
  2. Hohe Alt-Zinsen: Du besitzt noch einen alten Riester-Banksparplan mit hohen garantierten Zinsen von beispielsweise 3 % pro Jahr. Den kannst Du als sichere Geldanlage einfach behalten. Willst Du allerdings auf eine höhere Rendite setzen, kannst Du auch so einen Vertrag auf einen ETF in einem Altersvorsorgedepot übertragen.

Weitere Details und die aktuell besten Altersvorsorgedepots findest Du immer hier:


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