Kinderbetreuung während der Corona-Krise

Kinder und Arbeit unter einen Hut bekommen – trotz Corona

Ines Rutschmann Stand: 28. Mai 2020

Schulen und Kitas waren seit Mitte März für die meisten Kinder und Jugendlichen dicht. Seit Mai öffnen viele Einrichtungen langsam wieder. Oft jedoch gibt es Betreuung nur für wenige Stunden, nur tageweise. Zudem stehen die Sommerferien vor der Tür – für viele ohne Aussicht auf eine Hortbetreuung.

Das bedeutet auch: Nicht wenige Eltern müssen sich noch viele Wochen selbst um die Betreuung Ihrer Kinder kümmern. Einige bewerkstelligen das parallel zum Job, meist im Homeoffice. Andere müssen für die Kinderbetreuung eine Auszeit von ihrer Arbeit nehmen. Trifft letzteres auf Sie zu, können Sie einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung haben. Der Bundestag hat nun beschlossen, dass dieser Lohnersatz länger als bislang gezahlt wird.

Ob für Sie und Ihr Kind eine Notbetreuung offensteht und welche weiteren staatlichen Unterstützungen es für Familien gibt, erklären wir.

Wann läuft der Regelbetrieb in Schule und Kita wieder an?

Wann und für wie viele Stunden ihre Kinder wieder in Schule und Kita dürfen, ist für Eltern die große Frage. Dies regelt jedes Bundesland für sich – und zwar recht unterschiedlich. 

In allen Bundesländern startet spätestens im Juni der Unterricht in den Schulen wieder. An den Einrichtungen ist dabei ein Abstand von 1,5 Meter zwischen allen Personen einzuhalten. Es gibt darüber hinaus Hygienevorschriften, die dazu führen, dass nicht alle Schüler zur selben Zeit an ihrer Schule sein können. Ein Teil kann dann dem Unterricht in der Schule folgen (Präsenzunterricht), während der andere Teil aus der Ferne lernt (Fernunterricht). Das bedeutet auch: Viele Schüler müssen sich auch weiterhin zuhause neues Wissen erarbeiten, unterstützt von ihren Eltern.

Bei den Kindertagesstätten ist das Bild differenzierter: Während die meisten Bundesländer im Juni die Kitas für alle Kinder zumindest tageweise wieder öffnen, besteht in Bayern, Niedersachsen und dem Saarland nur die Möglichkeit der Notbetreuung. Das bedeutet, dass viele Eltern weiterhin wegen der Betreuung ihrer Kinder während ihrer Arbeitszeit gefordert sind.

In Sachsen sind Grundschulen und Kitas seit Mitte Mai wieder regulär geöffnet. Ab dem neuen Schuljahr soll auch der Fernunterricht für Schüler ab der 5. Klasse enden. Baden-Württemberg will ein Konzept vorlegen, dass zumindest Kitas bis Ende Juni wieder regulär geöffnet sind.

Pläne zur Öffnung von Schulen und Kitas in den Bundesländern

 Unterricht
in Schulen
Betreuung
in Kitas                   
Informationen
des Bundeslandes
Baden-Württembergab 15. Juni Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht für alle Schülerab 18. Mai reduzierter Regelbetrieb für bis zu 50 Prozent der Kita-Kinder

Schule

Kitas/Notbetreuung

Bayernab 15. Juni Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht für alle Schülergeschlossen
bis auf Notbetreuung

Schule

Kitas/Notbetreuung

Berlinab 29. Mai Präsenzunterricht mit reduzierter Stundenzahl für alle Schülerab 8. Juni reduzierter Regelbetrieb für Kinder ab 4 Jahren und ihre Geschwister

Schule
Kitas/Notbetreuung

Brandenburgab 25. Mai mindestens tageweise Präsenzunterricht für alle Schülerab 25. Mai eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder

Schule/Kitas/ Notbetreuung

Bremenab 15. Juni Präsenzunterricht mit reduzierter Stundenzahl für alle Schülerab 1. Juni eingeschränkter Regelbetrieb für Vorschulkinder,
ab 15. Juni Betreuung weiterer Kinder

Schule/Kitas/ Notbetreuung

Hamburg

ab 25. Mai Präsenzunterricht mit reduzierter Stundenzahl für alle Schüler

ab 18. Mai Betreuung für 5- und 6-Jährige,
ab 27. Juni Betreuung auch für 3- und 4-Jährige

Schule

Kitas/Notbetreuung

Hessenab 2. Juni reduzierter Präsenzunterricht für alle Schülerab 2. Juni eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder

Schule

Kitas

Notbetreuung

Mecklenburg-Vorpommern

ab 4. Juni tageweise Präsenzunterricht für alle Schüler

ab 25. Mai eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder

Schule

Kitas/Notbetreuung

Niedersachsenbis Mitte Juni Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht für alle Schüler

geschlossen
bis auf Notbetreuung

(seit 11. Mai höhere Kapazitäten)

Schule

Kitas/Notbetreuung

Nordrhein-Westfalenab 26. Mai Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht für alle Schülerab 8. Juni eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder 

Schule

Kitas/Notbetreuung

Rheinland-Pfalzab 8. Juni Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht für alle Schülerab Anfang Juni eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder soweit von der Kita umsetzbar

Schule

Kitas/Notbetreuung

Saarland

ab 25. Mai Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht für alle Grundschüler,
ab 17. Juni Präsenzunterricht für alle Schüler an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen

 

geschlossen
bis auf Notbetreuung

Schule/Kitas/ Notbetreuung

Sachsenab 18. Mai Regelbetrieb an Grundschulen und Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht an weiterführenden Schulen

ab 18. Mai Regelbetrieb für alle Kinder

Schule

Kitas

Sachsen-Anhalt

ab 2. Juni Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht für alle Schülerab 2. Juni eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder

Schule

Kitas/Notbetreuung

Schleswig-Holstein

ab 1. Juni eingeschräntker Präsenzunterricht für alle Schüler

ab 1. Juni eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder

Schule

Kitas/Notbetreuung

Thüringenab 2. Juni Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht für alle Schülerab 15. Juni eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder

Schule

Kitas/Notbetreuung

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 28. Mai 2020)

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Nicht jede Kita kann dabei die Konzepte zur Öffnung der Einrichtung so umsetzen, wie es die jeweilige Landesregierung beschlossen hat. Es hängt damit nicht nur vom Bundesland ab, ob das Kind wieder in die Kita kann, sondern auch von der Einrichtung selbst. Auch der Landkreis kann Regelungen erlassen, die von der Maßgabe der Landesregierung abweichen.

In den Bundesländern, in denen noch kein eingeschränkter Regelbetrieb begonnen hat oder geplant ist, wird die Notbetreuung in der Kita Stück für Stück erweitert. Ein Konzept der Bundesländer sieht die erweiterte Notbetreuung zuerst für folgende Kinder vor: 

  • Kinder, die am Übergang zur Vorschule oder vor der Einschulung stehen oder
  • die pädagogisch oder sprachlich besonders gefördert werden sollten oder
  • die in beengten Wohnverhältnissen leben und beispielsweise kein Kinderzimmer haben oder
  • deren Wohl nach Einschätzung des Jugendamts gefährdet ist oder die bei Pflegeeltern leben.

Was gilt bei der Notbetreuung in Schulhort und Kita?

Haben Sie Anspruch auf Notbetreuung, steht Ihnen in der Regel eine längere Betreuungszeit in einer Einrichtung zu, als durch einen eingeschränkten Regelbetrieb bislang gewährleistet ist. Die Voraussetzungen für die Notbetreuung unterscheiden sich zwar von Bundesland zu Bundesland. Allerdings gibt es einheitliche Eckpunkte. So darf Ihr Kind in die Notbetreuung, wenn

  • Sie alleinerziehend sind – unabhängig von Ihrem Beruf oder
  • Sie in einem „systemrelevanten Beruf“ arbeiten.

Systemrelevant sind dabei in allen Ländern etwa Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in der Pflege, bei Feuerwehr, Polizei, Energie- und Wasserversorgung und im Einzelhandel. Viele weitere Berufsgruppen können zu den systemrelevanten zählen. Darunter Steuerberater, Mitarbeiter von Versicherungen, Krankenkassen oder Banken, Briefträger, Paketboten oder Schädlingsbekämpfer. Die Bundesländer haben Listen, die sie auf ihren Internetseiten veröffentlichen. Haben Sie noch keine Information von Ihrer Betreuungseinrichtung erhalten, dann werfen Sie einen Blick auf die Liste Ihres Bundeslandes – Links finden Sie in der Tabelle weiter oben

Voraussetzung für die Notbetreuung ist in vielen Bundesländern, dass Sie nicht aus dem Homeoffice arbeiten und kein anderes Familienmitglied die Betreuung übernehmen kann – etwa Ihr Partner, der zuhause arbeitet oder in Elternzeit ist. In Bayern spielt es keine Rolle mehr für Ihren Anspruch auf Notbetreuung, ob Sie von zuhause arbeiten oder nicht.

Treffen die Kriterien auf Sie zu, dann erklären Sie, dass Sie die Notbetreuung nutzen wollen. Entweder stellen Sie dazu einen Antrag bei der zuständigen Behörde – in Brandenburg sind das etwa die Landratsämter. Oder bitten Ihren Arbeitgeber um eine Bescheinigung oder füllen selbst eine Erklärung zu Ihrer beruflichen Tätigkeit aus und legen diese Ihrer Kita vor – so funktioniert das in Berlin, Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Je nachdem, wo Sie wohnen, fragen Sie am einfachsten Ihre Kindertagesstätte oder Ihren Hort, wie Sie vorzugehen haben. Kita oder Hort sagen Ihnen auch, ob in einer Gruppe noch Platz ist oder wohin Ihr Kind gehen kann. 

Arbeiten Sie oder Ihr Partner nicht in einem systemrelevanten Beruf, müssen Sie sich selbst um die Betreuung Ihrer Kinder kümmern, so lange kein oder nur ein eingeschränkter Regelbetrieb in Kita und Hort bestehen. Immerhin: Seit 12. Mai dürfen sich überall in Deutschland zwei Familien treffen, die jeweils zusammenwohnen. Auf diese Weise können Sie sich mit anderen Eltern bei der Betreuung abwechseln. Achten Sie aber dabei darauf, dass Sie sich möglichst immer mit denselben Familien treffen und Ihre Kinder immer mit denselben Kindern spielen. In Berlin ist es zudem möglich, dass bis zu drei Kinder aus unterschiedlichen Familien zusammenkommen. In Sachsen-Anhalt dürfen sich bis zu fünf Personen treffen, die nicht zu einem Haushalt gehören. In Hessen können sich bis zu drei Familien zusammenschließen. 

Können Sie an manchen Tagen nicht zur Arbeit gehen, weil Sie Ihre Kinder zuhause betreuen müssen, haben Sie Anspruch auf Lohnersatz.

Was ist mit den Kita-Gebühren?

Das Kind darf nicht in die Kita. Und was ist dann mit den vertraglich festgelegten Gebühren? In den meisten Bundesländern wurden die Beiträge seit April ausgesetzt oder zurückgezahlt. 

  • In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist die Kinderbetreuung kostenfrei. 
  • Bremen erstattet den Trägern die Beiträge automatisch für alle Eltern von April bis Juli. In Thüringen sollen keine Beiträge erhoben werden, so lange Kinder nicht in die Kita gehen. Hamburg hat eine Rechtsverordnung erlassen, nach der keine Elternbeiträge bis Jahresende 2020 erhoben werden, sofern in Kitas kein Regelbetrieb besteht.
  • Baden-Württemberg hat ein Hilfsprogramm für Einrichtungen auf den Weg gebracht: Erlassen diese den Eltern die Gebühren, können sie Mittel vom Land beanspruchen. Das dafür bereitgestellte Geld sollte die Monate März bis Juni abdecken.
  • Bayern hat am 28. April beschlossen, den Kindertagesstätten nicht eingezogene oder nicht gezahlte Elternbeiträge für April, Mai und Juni zu erstatten, wenn Kinder nicht in die Notbetreuung der Einrichtung gehen.
  • Brandenburg hat Mittel für die Träger bereitgestellt, wenn Eltern die Beiträge seit April nicht zahlen können. Auch der Monat Mai sollte dabei gedeckt sein. In Nordrhein-Westfalen wurde die Beitragszahlung für April und Mai ausgesetzt. Sachsen-Anhalt erstattet den Trägern die Beiträge für April und Mai, wenn sie diese nicht von den Eltern einziehen.
  • Im Saarland können Eltern der Einrichtung mitteilen, dass sie die Gebühren für April und Mai nicht zahlen können – das Geld erhalten die Kitas dann vom Land. 
  • In Sachsen fallen bis 24. Mai keine Elternbeiträge an. Schleswig-Holstein erstattet Beiträge für insgesamt zwei Monate zurück.
  • Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz verweisen darauf, dass die Träger der Kitas – also Städte, Gemeinden oder private Institutionen – über die Gebühren entscheiden. Einige Städte in diesen Bundesländern hatten im April die Gebühren für die Eltern übernommen.

Übernimmt weder Ihre Kommune noch Ihr Bundesland Ihre Beiträge, sprechen Sie Ihre Einrichtung an, wie die Lage ist. Keinesfalls sollten Sie einfach die Zahlung einstellen. Fehlen einer Kindertagesstätte höhere Einnahmen, muss sie möglicherweise Mitarbeiter entlassen oder sogar den Betrieb einstellen.

Wer hat Anspruch auf Lohnersatz?

Arbeitnehmer, die keinen Anspruch auf Notbetreuung haben, dürfen zuhause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen. Schließlich müssen sie ihre Aufsichtspflicht erfüllen. Ob zum Beispiel ein zwölfjähriges Kind acht Stunden allein bleiben kann, müssen sie dabei selbst einschätzen – anhand von Entwicklung und Charakter des Kindes. Bei Jungen und Mädchen bis acht Jahren sieht der Bundesgerichtshof die Eltern in der Pflicht, regelmäßig nach ihnen zu schauen.

Wichtig ist aber, dass Sie Ihren Vorgesetzten informieren, wenn Sie ab sofort bei Ihren Kindern zuhause bleiben müssen. Erscheinen Sie nicht am Arbeitsplatz und teilen auch nicht mit, warum Sie nicht kommen, verstoßen Sie in grobem Ausmaß gegen Ihren Arbeitsvertrag. Sie riskieren eine Abmahnung.

Wenn niemand anderes Ihre Kinder betreuen kann, dürfen Sie zuhause bleiben (§ 275 Abs. 3 BGB). Wollen Sie Gehalt weiter beziehen, obwohl Sie Ihren Nachwuchs betreuen müssen, suchen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Lösung. Fragen Sie also beispielsweise nach Homeoffice. Haben Sie Gleitzeit, bieten Sie an, zu den Zeiten zu arbeiten, wenn Ihr Partner auf die Kinder aufpasst – etwa am Abend. Funktioniert beides nicht, können Sie Überstunden abbauen. Erlaubt Ihr Arbeitsvertrag, auch samstags zu arbeiten, dann fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er damit einverstanden ist. Schließlich haben Sie das Recht, Ihre Arbeitszeit zu verringern und vorübergehend in Teilzeit zu arbeiten – wenn Ihre Firma mehr als 15 Mitarbeiter hat. Was Ihr Arbeitgeber von Ihnen verlangen darf und was nicht, erläutern wir in unserem Ratgeber zum Arbeitsrecht in der Corona-Krise. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will zudem bis Herbst 2020 einen Gesetzentwurf vorlegen, damit Arbeitnehmer ein Recht auf Homeoffice bekommen. 

Ist es nicht möglich, dass Sie Ihre Arbeit von zuhause erledigen, hilft der Staat weiter. Zunächst sollten Sie Ihr volles Gehalt für zwei bis drei Tage weiterhin bekommen, wenn Sie aufgrund der Corona-Epidemie zuhause Ihre Kinder betreuen. Denn nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist das Gehalt für „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ weiterzuzahlen, wenn Sie Ihrer Arbeit unverschuldet nicht nachgehen können (§ 616 BGB). Die Corona-Krise ist aus unserer Sicht ein solcher Anwendungsfall. Manche Firmen schließen die Lohnfortzahlung allerdings aus. 

Um bis zu sechs Wochen Kinderbetreuung zuhause zu überbrücken, gibt es seit 30. März die Möglichkeit des Lohnersatzes (§ 56 Abs. 1a IfSG): Er beträgt 67 Prozent Ihres Nettoverdiensts. Maximal können es 2.016 Euro pro Monat sein. Folgende Voraussetzungen müssen aber erfüllt sein:

  1. Sie haben mindestens ein Kind unter zwölf Jahren,
  2. Sie haben keinen Anspruch auf eine Notbetreuung Ihres Kindes oder eine andere Möglichkeit der Betreuung durch ein Familienmitglied und müssen es deshalb zuhause selbst betreuen,
  3. Sie können deswegen nicht arbeiten und erleiden einen Verdienstausfall und
  4. Sie erhalten kein Kurzarbeitergeld.

Ist Ihr Kind schon mindestens zwölf Jahre alt, benötigt aber aufgrund einer Behinderung zuhause Hilfe, können Sie den Lohnersatz auch erhalten. Die Ersatzzahlung gilt nicht in Ferienzeiten, in denen Schule, Kindertagesstätte oder eine andere Betreuungseinrichtung ohnehin schließen. Aber sie gilt, wenn Sie einen Hortplatz beantragt hatten und der Hort nun coronabedingt entfällt.

Verlängerung des Lohnersatz auf bis zu 20 Wochen

Da die sechs Wochen Lohnersatz für die ersten Eltern im Mai auslaufen, hat der Bundestag am 28. Mai eine Verlängerung der Leistung beschlossenbis zu 20 Wochen können Paare und Alleinerziehende jeweils beanspruchen. Bei Paaren teilt sich der Zeitraum auf jeweils zehn Wochen für beide Elternteile auf. Sie müssen dabei den Lohnersatz nicht in einem Stück nehmen, sondern können ihn tageweise aufteilen.

Die Verlängerung des Lohnersatzes bringt eine Neuerung:  Auch Eltern von volljährigen behinderten Kindern können nun Lohnersatz erhalten, wenn sie einen erwachsenen Sohn oder eine erwachsene Tochter betreuen. Schließt wegen Corona beispielsweise die Behindertenwerkstatt oder eine andere Betreuungseinrichtung von Sohn oder Tochter, kümmern sich in der Regel die Eltern um ihre Kinder. Können Sie deswegen nicht arbeiten, steht Ihnen Lohnersatz zu. Das Alter des erwachsenen Kindes spielt dabei keine Rolle. In den Betriebsferien oder anderen nicht coronabedingen Schließzeiten der Einrichtung besteht kein Anspruch auf Lohnersatz.

Die Gesetzesänderung tritt rückwirkend zum 30. März in Kraft, sobald das Gesetz verkündet ist.

Ist eine Betreuung im Homeoffice zumutbar?

Gedacht ist der Lohnersatz für Angestellte und Selbstständige, die nicht mehr arbeiten und so ihren Lebensunterhalt verdienen können, weil sie Kinder zu betreuen haben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie zum Arbeiten das Haus verlassen müssen, Ihre Überstunden abgebaut sind und keine Möglichkeit besteht, die Arbeitszeit so zu verschieben, dass Sie trotz Kinderbetreuung arbeiten können. Sie müssen die Ersatzleistung nicht in einem Stück nehmen, sondern können sie auch an einzelnen Tagen beziehen – etwa wenn Ihr Kind immer dienstags und donnerstags betreut wird und die anderen drei Tage der Woche zuhause ist.

Ist es Ihnen möglich, im Homeoffice zu arbeiten, erhalten Sie nur unter besonderen Umständen Lohnersatz – wenn es für Sie unzumutbar ist, auf Ihren Nachwuchs aufzupassen und gleichzeitig zu arbeiten. Warten Sie in jedem Fall erst einmal ab, ob ein Antrag auf Lohnersatz bewilligt wird, ehe Sie Ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen. Oder – wenn möglich – nehmen Sie bis dahin Urlaub. 

Denn ob der Anspruch besteht, entscheidet die zuständige Behörde eines Bundeslandes – je nach Einzelfall. In Thüringen ist es das Landesverwaltungsamt; in Berlin ist es die Senatsverwaltung für Finanzen, in Nordrhein-Westfalen sind es die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe und in Bayern sind es die Regierungsbezirke. Bayern hat dabei definiert, dass es nicht zumutbar ist von zuhause aus zu arbeiten, wenn Sie zugleich zwei kleine Kinder zu betreuen haben.

Sind Sie angestellt, wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber, wenn Sie den Lohnersatz in Anspruch nehmen möchten. Er sollte die Leistung beantragen und zahlt Ihnen das Geld. Den Betrag kann sich das Unternehmen von der jeweiligen Behörde eines Bundeslandes zurückholen, wenn diese die Ersatzzahlung bewilligt.

Selbstständige beantragen die Zahlung bei der jeweils zuständigen Behörde selbst. Fragen Sie am besten bei Ihrem Bezirks- oder Landratsamt nach, welche Behörde zuständig ist. Nicht überall sind die Antragsformulare auf Lohnersatz bereits verfügbar – die entsprechenden Behörden bitten Antragsteller daher um Geduld.

Staatliche Hilfe, wenn sich das Einkommen verringert

Kurzarbeit und Lohnersatz helfen Ihnen durch diese schwierige Zeit. Trotzdem: Sie verdienen damit weniger. Die Einkommensausfälle können Sie möglicherweise kompensieren: Prüfen Sie zuerst, ob Sie Kindergeldzuschlag erhalten. Voraussetzung ist, dass Sie mindestens 900 Euro (brutto) als Paar oder 600 Euro (brutto) alleinerziehend verdienen und kein erhebliches Vermögen besitzen. Ob und wie viel Zuschlag Sie bekommen, hängt aber nicht nur vom Verdienst ab, sondern auch von Ihrer Miethöhe. Wohnen Sie im Eigenheim, geben Sie Ihre Wohnkosten an, beispielsweise Grundsteuer oder die Tilgungsraten für den Hauskredit. Mit dem KiZ-Lotsen der Bundesagentur für Arbeit können Sie herausfinden, ob Sie Chancen auf den Kinderzuschlag haben. Die Antragsformulare finden Sie online, müssen sie aber ausgedruckt und unterschrieben bei der Familienkasse einreichen.

Haben Sie den Antrag ab dem 1. April gestellt, zählt allein Ihr Einkommen aus dem Vormonat (§ 20 Abs. 5 ff. BKGG). Bewilligt wird der Kindergeldzuschlag für sechs Monate. Erhalten Sie bereits Kindergeldzuschlag, können Sie im April oder Mai einmalig einen Antrag auf Überprüfung der Höhe des Zuschlags stellen – auf Grundlage Ihres Einkommens vom Vormonat. Zusätzlich können Sie noch Wohngeld beantragen. Dafür legen die Behörden aber weiterhin das Einkommen der vergangenen sechs Monate zugrunde.

Kommen Sie auch mit Kindergeldzuschlag und Wohngeld nicht mehr über die Runden, können Sie Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen (§ 141 SGB XII). Die Grundsicherung kann auch die Kosten für Miete und Heizung decken. Die Bestimmungen sind auch hier gerade einfacher: Unerhebliches Vermögen wird nicht berücksichtigt, wenn Sie einen Antrag zwischen März und Juni 2020 stellen. Gerechnet wird mit Ihren tatsächlichen Kosten für Miete und Heizung – egal ob diese angemessen erscheinen oder nicht. Anträge stellen Sie beim Jobcenter. Die ist auch online möglich. Formulare und eine Plattform zum Hochladen von Dokumenten finden Sie hier. Zuschlag und Wohngeld fallen in jedem Fall weg, wenn Sie Grundsicherung beziehen. 

Nehmen Sie eine zusätzliche Beschäftigung in einer systemrelevanten Branche an, weil Sie hauptberuflich in Kurzarbeit sind, zählt das Einkommen aus der zusätzlichen Beschäftigung nicht, so lange es zusammen mit dem Kurzarbeitergeld Ihr reguläres Gehalt nicht übersteigt. Für das erstmalige Ausfüllen des Antrags sollten Sie zwei Stunden einplanen.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? War Ihnen etwas unklar? Schreiben Sie uns! 

Arbeiten im Homeoffice mit Kind

Im Homeoffice mit Kind zu arbeiten, ist eine Herausforderung. Es geht für viele vermutlich nur in Intervallen, doch für die meisten geht es. Überlegen Sie jeden Tag, was Sie mit Ihren Kindern spielen, basteln, lernen und kochen wollen und stimmen Sie sie darauf ein: Nichts hilft gegen aufkommende Langeweile so sehr wie das Wissen, dass sich Eltern regelmäßig Zeit nehmen und was dann konkret geplant ist.

Beispielsweise Brettspiele und Kartenspiele, Bücher lesen und rätseln, in der Wohnung verstecken oder Theater spielen. Bei Schulkindern sollte auch Zeit für das Erklären von Schulaufgaben reserviert sein. Filme und Serien anzuschalten, kann die meisten Kinder für eine Weile beschäftigen, sollte jedoch keine Dauerlösung sein.

Wichtig ist auch, jeden Tag rauszugehen, Ball zu spielen oder Fahrrad zu fahren. Denn wenn sich Kinder und Jugendliche draußen nicht austoben können, werden sie damit irgendwann in Ihrem Homeoffice anfangen. Das kann auch der andere Elternteil übernehmen, wenn er am Nachmittag nach Hause kommt. Sitzen beide Eltern im Homeoffice, ist es wahrscheinlich sinnvoll, auch zwischen den Eltern klare Absprachen zu treffen, wer wann zuständig ist. Damit Sie auch mal ein paar Stunden am Stück arbeiten können.

Es kann ebenfalls sinnvoll sein, sich mit einer anderen Familie zusammenzuschließen: Sie gehen an einem Tag mit den Kindern raus; an einem anderen entlasten Sie die Eltern des anderen Kindes – und Sie können Ihre Aufgaben erledigen. Ausflüge können seit 6. Mai auch zwei Familien zusammen machen, nicht nur einzelne Mitglieder von diesen. Wichtig ist dabei, stets nur Kontakt mit denselben Familien zu haben und den Kontakt auf wenige Familien zu beschränken. Und nicht Verabredungen mit ständig wechselnden Betreuern aus Nachbarschaft und Bekanntenkreis zu machen. Es ist keine gute Idee, eine Kita- oder Hortgruppe zu gründen, die die geschlossene Einrichtung komplett ersetzt, nur dass die Eltern jetzt im Wechsel die Betreuung für alle Kinder übernehmen. Das würde am Ende die gesamten Bemühungen unterlaufen, das Coronavirus einzudämmen. 

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Autor
Ines Rutschmann

Stand: 28. Mai 2020


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