Kinderbetreuung während der Corona-Krise

Kinder und Arbeit unter einen Hut bekommen – trotz Corona

Ines Rutschmann 20. November 2020

Schulen und Kitas sind nach dem Sommer zunächst in den Regelbetrieb zurückgekehrt. So wie vor dem Ausbrechen der Corona-Pandemie ist es jedoch nirgendwo: Es gelten Hygieneregeln, in vielen Bundesländern auch eine Maskenpflicht im Unterricht. Und immer wieder müssen ganze Klassen oder Kita-Gruppen aufgrund eines Corona-Ausbruchs in Quarantäne. Der Wechsel zum sogenannten Distanzunterricht wird bei steigenden Infektionszahlen immer wahrscheinlicher. Wie sieht es dann mit der Betreuung der Kinder aus? Und wann gibt es eine Entschädigung, wenn Sie zuhause bleiben müssen?

Was gilt für Schule und Kita in Corona-Zeiten?

Wie der Regelbetrieb in Schulen und Kindertagesstätten im Schuljahr 2020/2021 aussieht, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

Maskenpflicht

In weiterführenden Schulen gilt nach den Herbstferien in den meisten Bundesländern Maskenpflicht auch im Unterricht, in einigen Städten gilt die Pflicht sogar für Grundschüler. In den Pausen dürfen die Kinder die Masken allerdings ablegen, wenn sie mindestens 1,5 Meter Abstand einhalten. Lediglich in Kindertagesstätten verzichten fast alle Bundesländer darauf, dass Erzieher und Kinder eine Maske tragen. Eine Ausnahme bildet Bayern. Dort gilt bereits eine Maskenpflicht für das Kita-Personal.

Unterricht: Präsenz- und Fernunterricht

Angesichts der bundesweit hohen Infektionszahlen müssen sich Eltern darauf einstellen, dass Kinder zumindest teilweise wieder von zuhause aus lernen müssen. Präsenz- und Distanzunterricht werden sich abwechseln, Klassen wahrscheinlich geteilt. Sie sollten sich schon jetzt überlegen, wie Sie die Betreuung Ihrer Kinder organisieren, falls die Schulen zumindest teilweise wieder auf „Homeschooling“ umstellen müssen.

Umgang mit kranken Kindern

Damit sich das Virus nicht so leicht ausbreiten kann, sind Schulen und Kitas aufgefordert, Schüler und Kita-Kinder bei bestimmten Krankheitssymptomen nach Hause zu schicken. Jedes Bundesland definiert das jedoch ein bisschen anders. Einheitlich genannt werden aber folgende Symptome:

  • trockener Husten,
  • Fieber ab 38 Grad,
  • Störung oder zeitweiser Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, der nicht mit Schnupfen einhergeht,
  • Hals- oder Ohrenschmerzen.

Tritt mindestens eines dieser Symptome bei Ihrem Kind auf, sollten Sie die Schule oder Kita darüber informieren und Ihr Kind zuhause lassen. Bei bloßem Schnupfen sehen die Handlungsanleitungen der Bundesländer nicht vor, dass das Kind zuhause bleiben sollte.

Ob Sie aufgrund der aufgeführten Symptome, einen Arzt aufsuchen sollten, ist in den Ländern unterschiedlich geregelt. Was in Ihrem Bundesland vorgesehen ist, sollte Ihnen über die Schule oder Kindertagesstätte übermittelt werden. Lesen Sie die Handlungsanleitungen gut durch und halten Sie diese zum Nachschlagen bereit.

Kinderkrankengeld

Ein Arztbesuch hat mehrere Vorteile für Sie: Der Arzt kann abklären, ob Ihr Kind an Covid-19 erkrankt ist und Sie und Ihr Umfeld ebenfalls infiziert sein könnten. Außerdem kann der Arzt das Kind krankschreiben und Sie können Kinderkrankengeld beanspruchen, wenn Sie zuhause bleiben und Ihr Kind jünger als zwölf Jahre ist. Jedem Elternteil stehen im Kalenderjahr 2020 15 Tage Kinderkrankengeld für jedes Kind zu, Alleinerziehenden insgesamt 30 Tage (§ 45 Abs. 2a SGB V). Haben Sie mehrere Kinder, ist der Anspruch auf Kinderkrankengeld allerdings begrenzt: Auf 35 Tage insgesamt für zusammenlebende Eltern und auf 70 Tage für Alleinerziehende.

Die 30 Kinderkrankentage pro Kind können aufgebraucht sein, wenn Ihr Kind häufiger fiebert oder nach der Handlungsanleitung des Bundeslandes länger zuhause bleiben muss. Dann müssen Sie bei weiteren Ausfalltagen bezahlten oder unbezahlten Urlaub nehmen oder Ihre Überstunden aufbrauchen. Oder Sie haben die Kraft und die Möglichkeit, parallel zur Kinderbetreuung im Homeoffice zu arbeiten.

Was passiert, wenn Kinder nicht in die Kita oder Schule können?

Während der Pandemie kann es immer wieder passieren, dass Sie Ihren Alltag anders organisieren müssen, weil Ihr Kind nicht in die Schule oder Kita gehen kann.

Ist jemand in der Kindergartengruppe oder Schulklasse Ihres Kindes an Covid-19 erkrankt, verhängt das Gesundheitsamt mindestens für alle anderen Kinder der Klasse oder Kita-Gruppe 14 Tage Quarantäne und bietet in der Regel einen Corona-Test an. Diesen müssen Sie nicht machen lassen, aber er gibt Ihnen Sicherheit, ob Ihr Kind tatsächlich infiziert ist. Unabhängig vom Testergebnis bleiben die 14 Tage Quarantäne bestehen.

Steht Ihr Kind unter Quarantäne, darf es natürlich eines nicht tun: Rausgehen oder sich mit Freunden treffen.

Zudem kann die Schule oder Kita coronabedingt vorübergehend ganz geschlossen werden, auch wenn die Krankheitsfälle nicht in der Gruppe oder Klasse Ihres Kindes aufgetreten sind. Oder die Schule führt zumindest teilweise wieder Distanzunterricht ein und Ihr Kind lernt wieder von zuhause aus.

Eltern dürfen zuhause bleiben

In allen Fällen dürfen Sie zuhause bleiben, um Ihr Kind zu betreuen, falls Sie das für notwendig halten und niemand anders sich kümmern kann (§ 275 Abs. 3 BGB). Schließlich müssen Sie Ihre Aufsichtspflicht erfüllen. Dabei müssen Sie selbst einschätzen, ob etwa Ihr zwölfjähriges Kind acht Stunden allein bleiben kann. Bei Jungen und Mädchen bis acht Jahren sieht der Bundesgerichtshof die Eltern in der Pflicht, regelmäßig nach ihnen zu schauen.

Wichtig ist aber, dass Sie Ihre Vorgesetzten informieren, wenn Sie ab sofort bei Ihren Kindern zuhause bleiben müssen. Erscheinen Sie nicht am Arbeitsplatz und teilen auch nicht mit, warum Sie nicht kommen, verstoßen Sie in grobem Ausmaß gegen Ihren Arbeitsvertrag. Sie riskieren eine Abmahnung.

Wie sind Eltern finanziell abgesichert?

Wollen Sie Gehalt weiter beziehen, obwohl Sie Ihren Nachwuchs betreuen müssen, suchen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Lösung. Fragen Sie also beispielsweise nach Homeoffice. Haben Sie Gleitzeit, bieten Sie an, zu Zeiten zu arbeiten, wenn Ihr Partner auf die Kinder aufpasst – etwa am Abend. Funktioniert beides nicht, können Sie Überstunden abbauen. Erlaubt Ihr Arbeitsvertrag, auch samstags zu arbeiten, dann fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er damit einverstanden ist. Was Ihr Arbeitgeber von Ihnen verlangen darf und was nicht, erläutern wir in unserem Ratgeber zum Arbeitsrecht in der Corona-Krise.

Entschädigung vom Staat erhalten

Ist es nicht möglich, dass Sie Ihre Arbeit von zuhause erledigen und erleiden Sie deshalb einen Verdienstausfall, hilft der Staat weiter. Es gibt seit März 2020 – zeitlich befristet – Anspruch auf Entschädigung (§ 56 Abs. 1a IfSG): Sie bekommen 67 Prozent Ihres Nettoverdiensts. Maximal können es 2.016 Euro pro Monat sein. Diese Unterstützung für Alleinerziehende gibt es bis zu 20 Wochen lang, bei Paaren sind es zehn Wochen pro Partner.

Folgende Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein:

  1. Sie haben mindestens ein Kind unter zwölf Jahren.
  2. Das Gesundheitsamt hat die Schule oder Kita Ihres Kindes geschlossen. Oder neu seit dem 19. November: Ihr Kind muss in Quarantäne.
  3. Sie haben keinen Anspruch auf eine Notbetreuung Ihres Kindes oder eine andere Möglichkeit der Betreuung durch ein Familienmitglied und müssen es deshalb zuhause selbst betreuen.
  4. Sie können nicht arbeiten und erleiden einen Verdienstausfall.
  5. Sie erhalten kein Kurzarbeitergeld.

Ist Ihr Kind schon älter als zwölf Jahre, benötigt aber aufgrund einer Behinderung zuhause Hilfe, können Sie den Lohnersatz ebenfalls erhalten. Die Ersatzzahlung gilt nicht in Ferienzeiten, in denen Schule, Kindertagesstätte oder eine andere Betreuungseinrichtung ohnehin schließen. Aber sie gilt, wenn Sie einen Hortplatz beantragt hatten und der Hort nun coronabedingt entfällt.

Auch Eltern von volljährigen behinderten Kindern können Lohnersatz erhalten, wenn sie einen erwachsenen Sohn oder eine erwachsene Tochter betreuen. Schließt wegen Corona beispielsweise die Behindertenwerkstatt oder eine andere Betreuungseinrichtung von Sohn oder Tochter, steht ihnen Lohnersatz zu. In den Betriebsferien oder anderen nicht coronabedingten Schließzeiten der Einrichtung besteht kein Anspruch auf Lohnersatz.

So beantragen Sie Entschädigung wegen Kinderbetreuung

Sind Sie angestellt, wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber, wenn Sie den Lohnersatz in Anspruch nehmen möchten. Er sollte die Leistung beantragen und zahlt Ihnen das Geld. Den Betrag kann sich Ihr Arbeitgeber von der jeweiligen Landesbehörde zurückholen, wenn diese die Ersatzzahlung bewilligt.

Selbstständige beantragen die Zahlung bei der jeweils zuständigen Behörde selbst.

Arbeitgeber und Selbstständige in den meisten Bundesländern können über die Website ifsg-online.de eine Entschädigung für Verdienstausfälle beantragen. Das funktioniert online, geht aber auch mit einem ausgedruckten Formular. Bayern, Hamburg und Thüringen bieten eigene Formulare an.

Sie müssen den Lohnersatz nicht in einem Stück in Anspruch nehmen, sondern können ihn auch an einzelnen Tagen beziehen – etwa wenn Ihr Kind immer dienstags und donnerstags betreut wird und die anderen drei Tage der Woche zuhause ist.

Neu: Der Anspruch auf Entschädigung ist mit dem Dritten Bevölkerungsschutzgesetz bis zum 31. März 2021 verlängert worden.

Eine Betreuung im Homeoffice ist nicht immer zumutbar

Ist es Ihnen möglich, im Homeoffice zu arbeiten, erhalten Sie nur unter besonderen Umständen Geld vom Staat – wenn es für Sie unzumutbar ist, auf Ihren Nachwuchs aufzupassen und gleichzeitig zu arbeiten, etwa weil sie zu festen Zeiten Besprechungen haben, in denen Sie sich eben nicht um Ihre Kinder kümmern können. Warten Sie in jedem Fall erst einmal ab, ob ein Antrag auf Lohnersatz bewilligt wird, ehe Sie Ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen. Oder – wenn möglich – nehmen Sie bis dahin Urlaub.

Denn ob der Anspruch besteht, entscheidet die zuständige Behörde eines Bundeslandes je nach Einzelfall. Bayern hat beispielsweise festgelegt, dass es nicht zumutbar ist, von zuhause zu arbeiten, wenn Sie zugleich zwei kleine Kinder zu betreuen haben.

Wie hilft der Staat Familien mit geringem Einkommen?

Kurzarbeit, Kinderkrankengeld und Lohnersatz helfen Ihnen durch diese schwierige Zeit. Trotzdem: Sie verdienen damit weniger. Die Einkommensausfälle können Sie aber möglicherweise kompensieren.

Prüfen Sie zuerst, ob Sie einen Anspruch auf Kindergeldzuschlag haben. Voraussetzung ist, dass Sie mindestens 900 Euro (brutto) als Paar oder 600 Euro (brutto) alleinerziehend verdienen und kein erhebliches Vermögen besitzen. Ob und wie viel Zuschlag Sie bekommen, hängt aber nicht nur vom Verdienst ab, sondern auch von Ihrer Miethöhe. Wohnen Sie im Eigenheim, geben Sie Ihre Wohnkosten an, beispielsweise Grundsteuer oder die Tilgungsraten für den Hauskredit. Mit dem KiZ-Lotsen der Bundesagentur für Arbeit können Sie herausfinden, ob Sie Chancen auf den Kinderzuschlag haben. Die Antragsformulare finden Sie online, müssen sie aber ausgedruckt und unterschrieben bei der Familienkasse einreichen.

Seit April 2020 ist für den Anspruch auf Kinderzuschlag nur noch das Einkommen des letzten Monats vor der Antragstellung relevant (§ 20 Abs. 5ff. BKGG). Diese Regelung aus dem Sozialschutz-Paket gilt befristet bis zum 31. Dezember 2020.

Zusätzlich können Sie noch Wohngeld beantragen. Dafür legen die Behörden das Einkommen der vergangenen sechs Monate zugrunde.

Kommen Sie auch mit Kindergeldzuschlag und Wohngeld nicht mehr über die Runden, können Sie Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen (§ 141 SGB XII). Die Grundsicherung kann die Kosten für Miete und Heizung decken. Auch hierfür sind die Voraussetzungen aktuell einfacher: Unerhebliches Vermögen wird nicht berücksichtigt, wenn Sie einen Antrag zwischen März und Dezember 2020 gestellt haben oder stellen. Das Amt rechnet mit Ihren tatsächlichen Kosten für Miete und Heizung – egal ob diese angemessen erscheinen oder nicht. Anträge stellen Sie beim Jobcenter. Das ist auch online möglich. Kinderzuschlag und Wohngeld entfallen, wenn Sie Grundsicherung beziehen.

Unabhängig vom Einkommen hat der Staat in diesem Jahr einen Kinderbonus von 300 Euro pro Kind gezahlt. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Ratgebern zum Kindergeld und zu Steuervorteilen für Eltern.

Arbeiten im Homeoffice mit Kind – wie kann das klappen?

Im Homeoffice mit Kind zu arbeiten, ist eine Herausforderung. Es geht für viele vermutlich nur in Intervallen, doch für die meisten geht es. Überlegen Sie jeden Tag, was Sie mit Ihren Kindern spielen, basteln, lernen und kochen wollen und stimmen Sie ihren Nachwuchs darauf ein: Nichts hilft gegen aufkommende Langeweile so sehr wie das Wissen, dass sich Eltern regelmäßig Zeit nehmen und was dann konkret geplant ist. Beispielsweise Brett- und Kartenspiele, Bücher lesen und rätseln, in der Wohnung verstecken oder Theater spielen. Bei Schulkindern sollte auch Zeit für das Erklären von Schulaufgaben reserviert sein. Filme und Serien anzuschalten, kann die meisten Kinder für eine Weile beschäftigen, sollte jedoch keine Dauerlösung sein.

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Autor
Ines Rutschmann

20. November 2020


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