Lohnt sich Heiraten steuerlich?

Jörg Leine Steuern

Heiraten kann Eure Steuerlast senken – muss es aber nicht, denn es kommt stark auf Eure Einkommensverteilung an. Ihr habt zwei große Stellschrauben:

1. Steuerliche Veranlagung mit oder ohne Splitting

Mit der Heirat könnt Ihr Euch gemeinsam veranlagen lassen. Dann gilt das Ehegattensplitting. Dabei werden Eure beiden Einkommen zusammengerechnet, halbiert und darauf die Steuer berechnet - und das Ganze wieder mal zwei gerechnet. Das hilft vor allem, wenn eine Person deutlich mehr verdient als die andere. Liegen Eure Einkommen ähnlich hoch, ist der Effekt oft gering oder gleich null. Steuerklassen spielen in der Steuererklärung keine Rolle.

Das Ehegattensplitting gilt nicht automatisch, nur weil Ihr verheiratet seid. Ihr nutzt es erst dann, wenn Ihr in der Steuererklärung die Zusammenveranlagung wählt. Dabei gebt Ihr eine gemeinsame Steuererklärung ab, in der beide Einkommen berücksichtigt werden. Das Finanzamt wendet dann automatisch das Splitting-Verfahren an. In seltenen Fällen lohnt es sich aber, wenn Ihr Euch für getrennte Veranlagungen entscheidet. Wann das der Fall sein kann, lest im Ratgeber zur Einzelveranlagung.

2. Steuerklassen im laufenden Jahr

Steuerklassen beeinflussen nicht, wie viel Steuer Ihr insgesamt zahlt, sondern wann Ihr sie zahlt. Also wie viel Netto Ihr Monat für Monat zur Verfügung habt. Das ist besonders relevant für den Familienalltag und für Lohnersatzleistungen wie Elterngeld.

Nach der Hochzeit kommt jeder von Euch beiden zuerst automatisch in die Steuerklasse 4. Das könnt Ihr aber einfach ändern und entweder in die Steuerklassen 3 und 5 wechseln oder das sogenannte Faktorverfahren mit der Steuerklasse 4 mit Faktor nutzen. Wie gesagt: Das ist kein echter Steuervorteil, sondern nur eine andere Verteilung über das Jahr. In der Steuererklärung wird das wieder glattgezogen. 

Wann welche Steuerklassen empfehlenswert sind 

  • Steuerklasse 4/4: Bekommt Ihr nach der Hochzeit und passt, wenn Ihr beide ungefähr gleich viel verdient. Dann wird bei beiden Partnern monatlich ein ähnlicher Steuerbetrag einbehalten. Das fühlt sich im Alltag fair an, weil niemand deutlich mehr Netto hat als der andere. Weiterer Vorteil: Es kommt am Jahresende meist weder zu hohen Nachzahlungen noch zu großen Erstattungen. Für Paare mit zwei ähnlichen Gehältern deshalb die unkomplizierteste Lösung.
  • Steuerklasse 3/5: Sinnvoll, wenn eine Person deutlich mehr verdient als die andere, etwa bei Vollzeit und Teilzeit oder während der Elternzeit. Der besser verdienende Partner wechselt in Steuerklasse 3 und hat dadurch deutlich mehr Netto im Monat. Der weniger verdienende Partner ist in Steuerklasse 5 und hat dafür deutlich weniger Netto. Relevant ist diese Kombination vor allem, wenn Ihr kurzfristig mehr monatliches Geld braucht, zum Beispiel für Miete, Kredite oder während einer Einkommenspause. Achtung: Es kann dabei öfter zu Steuernachzahlungen nach der Steuererklärung kommen. Wie und ob sich das lohnt, kannst Du im Ratgeber zu Steuerklasse 3 und 5 nachlesen.
  • Steuerklasse 4/4 mit Faktor: Eine Art Feinjustierung von 4/4. Lohnt sich, wenn Eure Einkommen unterschiedlich sind, Ihr aber Nachzahlungen vermeiden wollt. Das Finanzamt berechnet  dabei einen individuellen Faktor, der Eure voraussichtliche gemeinsame Steuer berücksichtigt. Zudem schafft das Faktorverfahren eine steuerliche Fairness. Denn anders als bei Steuerklasse 3 und 5 orientiert sich die Steuer am jeweiligen Einkommen. Ergebnis: Realistischeres Netto für beide und keine bösen Überraschungen bei der Steuererklärung. Für viele Paare die ausgewogenste Lösung, auch wenn sie etwas technischer in der Beantragung ist. Ausführlicher im Ratgeber zum Faktorverfahren

Wann sich Heiraten steuerlich lohnt

Vor allem dann, wenn Eure Einkommen deutlich unterschiedlich sind und das Ehegattensplitting damit die Steuerlast senkt. Verdient Ihr beide ähnlich viel, ist der Effekt meist gering. Die Hochzeit ändert in solchen Fällen eher, wie Ihr Eure Steuer organisieren könnt, nicht wie viel Ihr am Ende zahlt. Wichtig ist deshalb, die Ebenen auseinanderzuhalten:

  • Das Splitting entscheidet über die Steuerlast am Jahresende
  • Die Steuerklassen steuern Euer monatliches Netto

Wenn Ihr unsicher seid, welche Steuerklasse zu Euch passt, hilft Euch unser Überblick im Ratgeber zu den Steuerklassen. Dort seht Ihr, welche Kombination bei ähnlichen Einkommen sinnvoll ist, wann 3/5 passt und warum das Faktorverfahren Nachzahlungen vermeiden kann.

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