Der reichste Mensch der Welt sorgt mal wieder für Aufsehen: In einem Podcast erklärte Elon Musk Anfang Januar, dass Du künftig nicht mehr fürs Alter sparen musst. In zehn oder zwanzig Jahren spielt das seiner Meinung nach keine Rolle mehr.
Das ist das komplette Gegenteil von dem, was wir bei Finanztip seit Jahren empfehlen. Daher fragen wir uns: Könnte Musk vielleicht recht haben – oder ist es eine gefährliche Fehleinschätzung?
Was genau sagt Elon Musk?
Musk argumentiert, dass sich die Welt durch Künstliche Intelligenz radikal verändern wird. KI wird immer mehr Aufgaben übernehmen und automatisieren – nicht nur im Büro, sondern auch in Handwerk, Industrie und Dienstleistungen.
Seine Schlussfolgerung: Wenn alles im Überfluss vorhanden und extrem günstig ist, brauchst Du später kein großes Einkommen mehr. Und damit auch keine klassische Altersvorsorge.
Argument 1: KI macht alles billig und verfügbar
Nach Musks Vorstellung steigt die Produktivität massiv. Unternehmen mit KI seien deutlich effizienter als alle anderen.
Im Podcast ist sogar von einer Zukunft die Rede, in der Wohnen, medizinische Versorgung und Unterhaltung für alle erschwinglich sind – unabhängig vom eigenen Einkommen.
Klingt erstmal gut. Das Problem: Völlig offen bleibt, wer von diesen Produktivitätsgewinnen profitiert. Heute landen höhere Gewinne meist bei Unternehmen und ihren Aktionären. Warum sollte sich das plötzlich ändern?
Warum dieses Argument gefährlich ist
Wenn KI viele Jobs ersetzt, fehlt vielen Menschen das Einkommen. Und ohne Einkommen kannst Du Dir auch günstige Angebote nicht leisten.
Im Podcast wird diese Frage zwar gestellt – eine konkrete Antwort gibt es aber nicht. Begriffe wie „hohes Grundeinkommen“ bleiben vage.
Ein Blick auf die Gegenwart zeigt zudem, wie groß die Lücke zwischen technologischem Fortschritt und sozialer Realität sein kann: Gerade in den USA kämpfen viele Menschen mit hohen Gesundheitskosten – trotz moderner Technik und wachsender Produktivität. Warum sollte ausgerechnet die Altersvorsorge plötzlich kein Problem mehr sein?
Argument 2: Der Staat kümmert sich schon
Ein weiteres Szenario im Podcast: Der Staat übernimmt die Verteilung. Niedrige Preise, staatliche Versorgung, monetäre Steuerung – mehr Details erfährst Du aber nicht.
Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Woher kommen die Leistungen, und wer bezahlt sie? Denn eigentlich sollte der Staat auch heute schon für ein gutes Auskommen im Alter sorgen. Trotzdem reicht die gesetzliche Rente für viele nicht aus, um den Lebensstandard zu halten.
Argument 3: Ohne KI droht der Systemkollaps
Musk warnt außerdem vor explodierenden Staatsschulden, vor allem in den USA. Ohne KI und Roboter sei ein wirtschaftlicher Zusammenbruch kaum zu vermeiden.
Dabei nennt er hohe Zinslasten – allerdings ohne sie wirklich einzuordnen. Andere Länder haben eine noch höhere Schuldenquote und funktionieren trotzdem.
Kurz gesagt: Das ist eine mögliche Zukunft – aber keine belegte.
Wie aussagekräftig ist Musks Meinung?
Elon Musk ist kein unabhängiger Beobachter der KI-Entwicklung, sondern profitiert selbst massiv davon – unter anderem mit Tesla und seinem KI-Unternehmen xAI.
Seine Aussage zur Altersvorsorge kommt also von jemandem, der ein starkes wirtschaftliches Interesse daran hat, dass Künstliche Intelligenz möglichst schnell und umfassend eingesetzt wird.
Das macht seine Vision nicht automatisch falsch – sie ist aber klar interessengeleitet und sollte entsprechend kritisch eingeordnet werden.
Was heißt das für Deine private Altersvorsorge?
Selbst Musk räumt ein: Niemand kann vorhersagen, wie sich KI entwickelt und wann genau sich alles ändert.
Und genau hier liegt das reale Risiko für Deine Altersvorsorge: Schon heute gibt es bei vielen Menschen eine deutliche Rentenlücke. Gleichzeitig steigen die Lebenserwartung und die Preise – während Sozialversicherungssysteme unter Druck stehen.
Selbst wenn KI langfristig vieles verbessert und sogar günstiger macht, bleibt offen, wann – und ob – diese Vision eintritt. Du solltest Dich also nicht auf ein einziges, sehr optimistisches Szenario verlassen.
Unsere Haltung bei Finanztip ist klar:
Altersvorsorge ist kein Entweder-oder. Wenn KI tatsächlich alles günstiger macht – umso besser. Dann hast Du im Alter mehr Spielraum. Wenn nicht, bist Du froh über jedes finanzielle Polster, das Du Dir aufgebaut hast.
Unser Fazit
Auf die persönlichen Visionen eines Milliardärs zu vertrauen, der selbst stark von KI profitiert, solltest Du Dich auf keinen Fall verlassen. Altersvorsorge heißt, auf verschiedene Zukunftsszenarien vorbereitet zu sein – nicht darauf zu hoffen, dass alles perfekt läuft.
Kümmer Dich also weiter aktiv um Deine private Altersvorsorge. Welche Bausteine sinnvoll sind und praktische Tipps zur Sparquote nach Alter und Einkommen findest Du in unserem ePaper zur Altersvorsorge (PDF). Wenn Du heute startest, hast Du morgen die besten Chancen auf ein sicheres, selbstbestimmtes Leben im Alter.