Gaspreise steigen vor dem Winter: So prüfst Du, ob Du handeln solltest

Neue Gastarife sind seit März im Schnitt um 45 Prozent teurer geworden. Wer keine Preisgarantie mehr hat, sollte jetzt vor dem Winter die eigenen Kosten prüfen und Tarife vergleichen.

Benjamin_Weigl
Benjamin Weigl • Energie
Grauer Gaszähler

Quelle: frantic / magnific

Selbst günstige neue Gastarife sind derzeit so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Das zeigt das Finanztip-Gaspreis-Barometer. Die günstigsten von Finanztip empfohlenen Tarife mit zwölf Monaten Preisgarantie kosten aktuell im Schnitt 13,60 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Anfang März waren es noch 9,34 Cent – seitdem sind die Preise also um rund 45 Prozent gestiegen.

Hast Du noch eine Preisgarantie?

Für Dich heißt der Preissprung bei Neuverträgen nicht automatisch, dass Deine Gasrechnung sofort steigt. Entscheidend ist die Preisgarantie in Deinem aktuellen Vertrag.

Prüfe deshalb: Läuft Deine Preisgarantie noch über den kommenden Winter? Dann bist Du vor steigenden Gaspreisen geschützt. Üblich ist eine „eingeschränkte Preisgarantie“, bei der der Anbieter höchstens Änderungen bei Steuern, Umlagen und Abgaben an Dich weitergeben kann (§ 41 Abs. 6 EnWG). Für diese Preisbestandteile musst Du aber unserer aktuellen Einschätzung nach keine großen Preissprünge fürchten.

Anders sieht es aus, wenn Du keine Preisgarantie mehr hast oder sie in den kommenden Wochen ausläuft. Rechne damit, dass Dein aktueller Anbieter bald eine Preiserhöhung schickt. Du kannst Dir aber noch vor dem Winter einen neuen Vertrag mit zwölf Monaten Preisgarantie sichern. Damit schützt Du Dich gegen weitere Preissprünge am Gasmarkt ab.

Es ist aufgrund der Preissprünge wahrscheinlich, dass Du dabei mehr zahlst als in Deinem jetzigen Vertrag. Verzichtest Du auf eine Preisgarantie, könnte Dich ein außergewöhnlich kalter und energiepolitisch schwieriger Winter aber noch härter treffen. Was Du jetzt mehr bezahlst, ist also wie ein Versicherungsbeitrag gegen eine richtige Preisexplosion.

Vergleiche Deine tatsächlichen Kosten

Nimm für die Suche nach einem guten neuen Tarif Deine letzte Gasabrechnung zur Hand. Dort findest Du Deinen Verbrauch und Deine bisherigen Gesamtkosten. Falls Du bereits eine Preiserhöhung bekommen hast, rechne mit den höheren Kosten, zum Beispiel mit dem neuen monatlichen Abschlag – den sollte Dir Dein Anbieter im Preiserhöhungsschreiben genannt haben.

Deinen Gasverbrauch und die monatlichen oder jährlichen Kosten kannst Du in unseren Finanztip-Gasvergleich eingeben. Der Rechner zeigt Dir die aktuell günstigsten Tarife an Deinem Wohnort und wie viel Du mit einem Wechsel sparen könntest.

Ein Beispiel: Mit einem um nur zwei Cent günstigeren Arbeitspreis spart ein Haushalt mit 15.000 kWh Jahresverbrauch bereits 300 Euro im Jahr ein.

Der Rechner empfiehlt nur Tarife nach den verbraucherfreundlichen Finanztip-Kriterien. Dazu gehört unter anderem eine Preisgarantie, die mindestens so lange gilt wie die Vertragslaufzeit. 

Warum Gas gerade so teuer ist

Hinter dem Anstieg stehen deutlich höhere Großhandelspreise infolge des Iran-Kriegs. Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus trifft eine wichtige Route für den weltweiten Handel mit Flüssigerdgas. Für Deutschland gilt die Gasversorgung zwar weiterhin als stabil, die höheren Preise auf den internationalen Märkten kommen aber bei neuen Gastarifen an.

Wie sich die Preise in neuen Gasverträgen in den Wintermonaten weiterentwickeln, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Ein besonders kalter Winter und eine angespannte Lage am Persischen Golf könnten die Preise noch weiter steigen lassen. Falls sich die Situation entspannt, könnten die Gaspreise im Großhandel aber auch wieder sinken und die Neuverträge günstiger werden.

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