Roaming-Gebühren

Günstig im Ausland mit dem Handy telefonieren und surfen

Das Wichtigste in Kürze

  • Sobald Sie in einem ausländischen Handynetz telefonieren, SMS schreiben oder im Internet surfen, nutzen Sie „Roaming“ (englisch für „umherwandern“).
  • Seit Mitte Juni 2017 zahlen Sie innerhalb der Europäischen Union im Normalfall keine Zusatzkosten, wenn Sie Ihr Handy im Ausland nutzen. Allerdings kann Ihre Internet-Flatrate beim Daten-Roaming begrenzt werden.
  • Wenn Sie sich über mehr als vier Monate überwiegend im EU-Ausland aufhalten, müssen Sie mit moderaten Preisaufschlägen rechnen.
  • Reisende außerhalb der EU sind der freien Preisgestaltung ihres Mobilfunkanbieters ausgeliefert. Die meisten verlangen dann auch für ankommende Anrufe und SMS hohe Preise.
  • Mit ausländischen Sim-Karten können Urlauber auch in Nicht-EU-Ländern billiger telefonieren.

So gehen Sie vor

  • Fragen Sie vor der Reise Ihren Mobilfunkanbieter, ob Sie mit Ihrem Vertrag im gewünschten Land „roamen“ können.
  • Mit dem EU-Tarif können Sie auf Reisen bis vier Monate innerhalb der Europäischen Union das Handy genauso benutzen wie zu Hause.
  • Außerhalb der EU empfiehlt Finanztip aufgrund der hohen Kosten, Roaming abzuschalten und nur über W-Lan ins Internet zu gehen.
  • Die Kosten können Sie reduzieren, indem Sie eine Auslandsoption hinzubuchen. Diese werden allerdings nicht für jedes Land angeboten und können immer noch recht teuer sein.
  • Es lohnt sich daher oft, vor Ort eine ausländische Sim-Karte zu kaufen. Besonders komfortabel ist es, die Karte noch in Deutschland zu bestellen. Dafür empfehlen wir die Anbieter Holidayphone und Travsim.
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In der einen Hand einen Cocktail, in der anderen das Smartphone: So sieht man mehr und mehr Urlauber am Strand liegen. Auch wenn das Smartphone gerade im Urlaub auch mal aus bleiben könnte, steht fest, dass die meisten Reisenden im Ausland nicht mehr auf ihr Mobiltelefon verzichten wollen. Damit nach der Heimkehr nicht die dicke Rechnung kommt, gilt es einige Dinge zu beachten.

Was ist Roaming?

Roaming ist immer dann aktiviert, wenn Ihr Handy mit einem ausländischen Mobilfunknetz verbunden ist – egal, ob Sie angerufen werden, eine SMS schreiben oder das mobile Internet nutzen. Wenn Sie aus Deutschland ins Ausland anrufen, ist das hingegen kein Roaming. Außerhalb der Europäischen Union verlangen Mobilfunkanbieter fast immer erhebliche Aufpreise für das Roaming. Das gilt nicht nur, falls Sie simsen oder jemanden anrufen, sondern auch, wenn Sie angerufen werden oder eine SMS empfangen.

Wie Sie günstig ins Ausland telefonieren, erklären wir in einem eigenen Ratgeber. Ab Mai 2019 wird auch das in der EU wesentlich günstiger.

Wie ist Roaming in der EU geregelt?

In der Europäischen Union müssen Sie keine Zusatzkosten zahlen – Sie können Ihr Handy nutzen, als wären Sie in Deutschland. Die EU-Staaten und das Europäische Parlament haben nach langem Hin und Her die weitgehende Abschaffung der Roaming-Gebühren beschlossen. Mit der EU-Verordnung nach dem Prinzip „roam like at home“ (Handy im Ausland nutzen wie zu Hause) sind die Zusatzkosten im Juni 2017 weggefallen. Dazu gehört das gesamte EU-Ausland sowie Liechtenstein, Island und Norwegen. Das gilt auch für Großbritannien – zumindest solange die Austrittsverhandlungen nicht abgeschlossen sind. So können Sie mit einer Allnet-Flat auch im Urlaub sorgenfrei zum Handy greifen.

Besonders vorsichtig sollten Verbraucher aber in Regionen an der Außengrenze der EU sein. Wählt sich das Handy in das falsche Mobilfunknetz ein, gelten die teureren Roaming-Gebühren des Landes außerhalb der EU. In der Grenzregion zur Schweiz sollten Sie beispielsweise besonders darauf achten, in welches Netz sich Ihr Handy einbucht.

Achtung: Auf Schiffen und in Flugzeugen bleibt Roaming teuer. In der Luft und auf Kreuzfahrtschiffen funktioniert das Roaming oft über eine Satellitenverbindung. Diese Technik fällt nicht unter die EU-Verordnung. Wenn der Anbieter die Kosten nicht deckelt, kann bereits das Abspielen von ein paar Youtube-Videos mehrere Tausend Euro kosten.

Kostenloses Roaming ist zeitlich begrenzt

Damit Sim-Karten nicht dauerhaft im Ausland verwendet werden, gibt es Missbrauchsklauseln, auch „Fair-Use-Policy“ genannt. Diese sollen verhindern, dass Kunden ihren heimischen Tarif bei Auslandsaufenthalten über vier Monate nutzen oder einen günstigen Tarif im Ausland kaufen, um ihn dauerhaft im Heimatland zu verwenden. Die Missbrauchsklauseln sind ein Zugeständnis der EU an die Mobilfunkanbieter, die befürchten, sonst ihre Kosten nicht decken zu können.

Aufpreise nach vier Monaten im Ausland

Anruf pro Minute 3,2 Cent
pro SMS 1 Cent
pro Gigabyte 7,70 €

Quelle: Europäische Kommission (Stand: 13. Juni 2018)

Die Regelung sieht vor, dass sich ein Handynutzer höchstens vier Monate überwiegend (also mehr als 50 Prozent der Zeit) im EU-Ausland aufhalten darf. Bleibt er länger, darf der Mobilfunkanbieter einen Aufpreis verlangen. Der Anbieter muss den Kunden aber vorher schriftlich informieren und ihm 14 Tage Zeit geben, das Ausland zu verlassen. Nutzt der Verbraucher sein Handy danach wieder mehrere Monate im Inland, darf der Anbieter keine Aufschläge verlangen.

Auch sehr günstige Datentarife mit hohem Freivolumen und unbegrenzte Daten-Flatrates sind von der EU-Regulierung teilweise ausgeschlossen. Anbieter dürfen zwar keine Aufpreise nehmen, allerdings können sie das Datenvolumen stärker beschränken, als der Vertrag für das Inland festlegt.

Die genauen Grenzen finden Sie in unserem Artikel über Daten-Roaming.

Europa ist eine Tarifzone

Der Clou an der EU-Verordnung nach dem Prinzip „roam like at home“ ist, dass Sie im EU-Ausland in jedes andere europäische Land telefonieren, als würden Sie das Gespräch innerhalb Deutschlands führen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Sie in Frankreich eine französische Nummer wählen oder nach Spanien telefonieren: Ganz Europa wird als einheitliche Tarifzone behandelt. Dadurch ist es meist günstiger, im EU-Ausland in ein anderes EU-Land anzurufen als von Deutschland aus. Die Urlaubszeit gibt somit auch Gelegenheit, günstig Freunde und Bekannte in Europa anzurufen.

Tipp: In Grenzregionen kann es sich lohnen, für Auslandsgespräche ins Roaming-Netz des Nachbarlandes zu wechseln. Dafür sollten Sie die automatische Netzsuche ausschalten und das ausländische Netz manuell auswählen – Ausnahme: Schweiz.

Der regulierte EU-Tarif ist oft besser als alternative Roamingtarife

Im Prinzip können Sie also seit Mitte Juni 2017 innerhalb der EU nach Herzenslust mit dem Handy telefonieren und surfen, ohne dass hohe Kosten anfallen. Ganz genau hinschauen sollten Sie aber, wenn Sie einen sogenannten alternativen Roamingtarif haben. Das war mal etwas Vorteilhaftes: Solche Tarife enthalten beispielsweise 100 kostenlose Freiminuten und 100 MB im EU-Ausland. Danach wird es teuer. Das ist mittlerweile ein drastischer Nachteil, denn die EU hat ja unbegrenztes Telefonieren und Surfen vorgeschrieben.

Wir raten: Bevor Sie in den Urlaub nach Österreich, Italien oder ein anderes EU-Land fahren, schreiben Sie Ihrem Mobilfunkanbieter, dass Sie in den regulierten EU-Tarif wollen. Ihr Anbieter muss den Vertrag kostenlos umstellen.

Ein alternativer Roamingtarif kann in wenigen Ausnahmefällen besser sein als der EU-Tarif. Und zwar dann, wenn die Alternative auch in der Schweiz gilt und Sie häufig in die Schweiz reisen.

Ist jeder Tarif roamingfähig?

Grundsätzlich können Sie jeden Tarif auch im Ausland nutzen, solange der Anbieter das nicht eindeutig einschränkt. Aufgrund der verbraucherfreundlichen Roaming-Regelung sind einige wenige Mobilfunk-Discounter dazu übergegangen, Tarife anzubieten, die im Ausland nicht funktionieren. Diese „National-Tarife“ sind oftmals einige Euro günstiger, doch ist damit das Handy im Urlaub nur per W-Lan nutzbar. Wir halten solche Angebote für wenig verbraucherfreundlich, deshalb sortiert der Handy-Tarifrechner von Finanztip National-Tarife von vornherein aus.

Flexibel, günstig oder keine Vertragslaufzeit
Was ist Ihnen wichtiger?
flexibel
gute Kostenkontrolle
möglichst günstig

Weist der Anbieter nicht auf eine solche Einschränkung hin, ist Ihr Handytarif grundsätzlich roamingfähig. Allerdings kommt es auch darauf an, ob Ihr Mobilfunkbetreiber eine Roaming-Kooperation im Reiseland hat. Die meisten Handyverträge lassen sich nahezu weltweit nutzen. Hingegen funktionieren Prepaid-Karten tendenziell in weniger Ländern.

Außerdem können Kunden einiger Mobilfunkanbieter das Handy in den ersten Wochen nach Vertragsabschluss nicht im Ausland nutzen. Drillisch zum Beispiel sperrt die Auslandsnutzung für acht Wochen, um Betrugsfällen vorzubeugen.

Hat ein Urlauber den kleinen Hinweis in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) überlesen, kann es schnell zu großer Verwirrung führen, wenn das Smartphone im Ausland stumm bleibt. Denn die Sperre ist von einem technischen Defekt nur schwer zu unterscheiden. Mit einem kurzen Anruf beim Anbieter oder einer Nachricht im Kundenbereich können Kunden ihr Handy auch vor Ablauf der Frist für das Ausland freischalten lassen.

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Wie teuer ist Roaming außerhalb der EU?

In Nicht-EU-Staaten sind Urlauber der freien Preisgestaltung ihres Mobilfunkanbieters ausgeliefert. Die Unternehmen nutzen das meist aus und verlangen extreme Preise. Einzige Ausnahme ist die Obergrenze für mobiles Internet. Sobald ein Handynutzer knapp 60 Euro versurft hat, setzt eine automatische Sperre ein, die vor weiteren Kosten schützt.

Ohne speziellen Datentarif fürs Ausland sollten Sie nur im W-Lan online gehen. Die meisten Hotels besitzen Zugangspunkte, die Sie kostenlos oder gegen eine relativ geringe Gebühr nutzen können. Damit können Sie nicht nur im Internet surfen, sondern auch E-Mails, Whatsapp- oder Facebook-Nachrichten verschicken. Falls die Verbindung schnell genug ist, können Sie zudem mit Programmen wie Skype oder Facetime telefonieren.

Achtung: Außerhalb der EU sollten Sie das Daten-Roaming im Smartphone besser ausschalten. Gehen Sie nur über eine W-Lan-Verbindung ins Internet. Nehmen Sie ankommende Gespräche nicht an oder fassen Sie sich kurz. Bei zahlreichen Smartphones können Sie einen Flugzeugmodus einschalten, mit dem Sie auch Roaming deaktivieren.

Günstiger telefonieren und surfen mit Auslands-Sim

Für einige Länder bieten die Mobilfunk-Betreiber spezielle Auslandsoptionen an. Als Tages- oder Wochen-Flatrate funktionieren sie wie Inlandstarife – sind aber nur für ausgewählte Länder verfügbar und oft relativ teuer.

Reisen Sie für längere Zeit in ein Land außerhalb der EU, lohnt es sich wahrscheinlich, auf einen Tarif eines Mobilfunkanbieters vor Ort auszuweichen. Dazu können Sie im Urlaubsland in einen Handyshop oder Supermarkt gehen und eine Prepaid-Karte kaufen. Die Karte ist sofort einsetzbar. Allerdings kann der Kauf schwierig werden, wenn Sie die Landessprache nicht gut beherrschen.

Einfacher ist es, vor dem Aufbruch noch in Deutschland eine ausländische Sim-Karte zu bestellen. Diese erhalten Sie bei zahlreichen darauf spezialisierten Unternehmen, deren Angebote und Preise sich stark unterscheiden. Anfang 2017 haben wir 13 solcher Anbieter unter die Lupe genommen. Wir empfehlen Holidayphone und Travsim. Diese beiden Anbieter ergänzten sich im Test sehr gut und hatten zusammen die besten Preise.

Holidayphone
Ausländische Sim-Karten

  • am häufigsten den besten Preis (gemeinsam mit Travsim)
  • niedrigste Abweichung vom besten Preis

Travsim
Ausländische Sim-Karten

  • am häufigsten den besten Preis (gemeinsam mit Holidayphone)
  • zweitniedrigste Abweichung vom besten Preis

So haben wir verglichen

Preisvergleich Anbieter von Auslands-Sim-Karten 2017
Die Auswahlkriterien und den Gang der Untersuchung beschreiben wir im Anbietervergleich Auslands-Sim-Karten 2017.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Daniel Pöhler

Finanztip-Redakteur

Daniel Pöhler arbeitet hauptsächlich am Finanztip-Newsletter und wirkt als stellvertretender Textchef an der sprachlichen Qualität aller Finanztip-Texte mit. Seine redaktionellen Schwerpunkte sind Mobilität und Digitales. In seinem Volontariat bei der Fachzeitung Telecom Handel hat er gelernt, wie die Telekommunikations-Branche und der Handel ticken. Daniel hat ein Diplom in Betriebswirtschaft von der Universität Bayreuth.

Arne Düsterhöft

Finanztip-Experte für Telekommunikation

Arne Düsterhöft ist Redakteur für Telekommunikation und Digitales. Zuvor war er Volontär in der Redaktion von Finanztip. Erste praktische Erfahrungen sammelte er in der Online-Redaktion von teltarif.de, wo er ebenfalls über digitale Technologien und Telekommunikation geschrieben hat. Nach Auslandssemestern in Dublin und New York hat Arne Düsterhöft seinen Masterabschluss in Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin gemacht.