Drittanbietersperre

So verbannen Sie Abofallen von Ihrem Handy

Arne Düsterhöft
& Co-Autor
Stand: 30. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Betrüger versuchen immer wieder, teure Abos auf die Handyrechnung zu schmuggeln. Dazu benutzen sie zum Beispiel manipulierte Werbebanner. Davor schützt Sie eine sogenannte Drittanbietersperre.
  • Seit Februar 2020 müssen die Mobilfunkanbieter explizit auf die Zusatzkosten hinweisen (Redirect). Ansonsten haften sie für die Mehrkosten mit der sogenannten Mobilfunkgarantie.
  • Doch Kindern und Jugendlichen kann es weiterhin passieren, dass sie unnütze Handyabos abschließen, ohne auf den Preis zu achten.
So gehen Sie vor
  • Eine Drittanbietersperre können Sie direkt bei Ihrem Mobilfunkanbieter einrichten. Das geht online im Kundenbereich, per Hotline oder Brief. Für die wichtigsten Anbieter haben wir die Kontaktdaten am Ende des Ratgebers zusammengetragen.
  • Sind Sie bereits in die Abofalle getappt, sollten Sie beim Aboanbieter das Abo kündigen (nicht beim Mobilfunkanbieter) und den Kosten widersprechen.
  • Sie können das Geld auch von Ihrem Mobilfunkanbieter zurückfordern. Ihr Anbieter ist verpflichtet, Sie auf die Kosten hinzuweisen, oder muss für die Kosten geradestehen.

Klingelton-Abos, „Premium“-SMS oder 0900-Nummern – das sind meist nutzlose Dienste, mit denen dubiose Anbieter noch immer arglose Mobilfunkkunden über den Tisch ziehen. Auch wenn Kinder oder Teenager ein Smartphone benutzen, kann es für die Eltern schnell teuer werden, wenn der Nachwuchs in eine Abzockfalle tappt.

Woher weiß ich, dass ich in eine Abofalle getappt bin?

Es gibt unverschämt teure Smartphone-Extras wie das Klingelton-Abo für 5 Euro die Woche. Und es gibt digitale Betrüger, die hinter blinkenden Werbebannern und verlockenden Fotostrecken geheime Anmelde-Buttons verstecken. Beides wird erst auf Ihrer nächsten Handyrechnung auftauchen. Wer nicht regelmäßig seine Telefonrechnung überprüft, kann schnell Monat für Monat zu viel zahlen.

Ein Abo ist nur rechtens, wenn Sie ausdrücklich und gut sichtbar auf die Zahlung hingewiesen wurden, zum Beispiel mit einem Knopf wie „zahlungspflichtig bestellen“. Was Sie nicht bestellt haben, müssen Sie auch nicht zahlen.

Kriminellen Aboabzockern wird es mittlerweile ziemlich schwer gemacht, Ihnen unbemerkt Kosten auf die Handyrechnung zu schmuggeln. Per verpflichtendem Redirect (englisch für „umleiten“) und Mobilfunkgarantie nimmt die Bundesnetzagentur die Anbieter in die Pflicht, explizit auf die Kosten hinzuweisen oder für den entstandenen Schaden aufzukommen. Vor verführerischen, aber unverschämt teuren Abofallen schützt Sie jedoch weiterhin nur eine Drittanbietersperre.

Wie kann ich mich vor einer Abofalle schützen?

Mit einer Drittanbietersperre vermeiden Sie unerwünschte Kosten und brauchen sich zumindest darum keine Sorgen zu machen. Jeder Mobilfunkanbieter ist verpflichtet, Ihnen eine Drittanbietersperre kostenlos anzubieten. Dies geht in der Regel im Kundenbereich auf der Anbieter-Website, über die Service-Hotline oder mit einem Brief an Ihren Mobilfunkanbieter. Einen Musterbrief für die Drittanbietersperre stellen die Verbraucherzentralen auf ihrer Themenseite bereit. Einige Unternehmen bieten auch an, nur bestimmte Dienste zu sperren. Kategorien wie Erotik, Spiele oder Klingeltöne können Sie dann einzeln sperren lassen, das Parkticket aber weiterhin per Handyrechnung bezahlen.

Eine Drittanbietersperre einzurichten, ist grundsätzlich für jeden ratsam. Deswegen haben wir am Ende des Ratgebers eine Übersicht zusammengetragen, wie Sie die Drittanbietersperre bei den wichtigsten Anbietern aktivieren. Falls Sie später merken, dass Ihnen bestimmte Extrafunktionen fehlen, können Sie die Sperre jederzeit wieder entfernen.

Vorsicht: Eine Drittanbietersperre schützt nur vor Extrakosten auf der Handyrechnung. App-Stores wie der Play Store von Google oder der App Store von Apple laufen hingegen oft über Kreditkarte. Dort können weiterhin teure Abos und In-App-Käufe lauern.

Noch eine gute Nachricht: Seit Februar 2020 müssen alle Mobilfunkanbieter das Redirect-Verfahren nutzen. Soll der Handykunde einen Drittanbieter bezahlen, geschieht dies per Umweg, also nicht auf der Website des Dritten, sondern über eine Bezahlseite des Mobilfunkanbieters. Damit fällt es betrügerischen Anbietern schwerer, Kunden unbemerkt ein Abo unterzujubeln. Hat der Anbieter Sie nicht explizit auf die Kosten hingewiesen, können Sie sich das Geld von ihm zurückholen (Mobilfunkgarantie). Außerdem können Sie unseriöse Drittanbieter auch der Bundesnetzagentur melden.

Was mache ich, wenn ich in eine Abofalle getappt bin?

Haben Sie auf der Handyrechnung Extrakosten von einem unbekannten Unternehmen entdeckt, sollten Sie das Abo umgehend kündigen und gegebenenfalls den Kosten widersprechen. Und da liegt auch schon die erste Herausforderung. Sie müssen den Kosten nämlich nicht bei Ihrem Handyanbieter widersprechen, sondern beim Drittanbieter. Dieser versteckt sich allerdings meist hinter einer weiteren Firma, die für ihn die Abrechnungen macht. Auf der Handyrechnung muss jedoch immer ein Kontakt angegeben sein. Um das Abo zu stoppen und das Geld zurückzufordern, können Sie den Musterbrief der Verbraucherzentralen nutzen.

Es lohnt sich durchaus auch, das Geld gleichzeitig vom Mobilfunkanbieter zurückzufordern und die Handyrechnung zu beanstanden (zum Beispiel mit diesem Musterschreiben von der Verbraucherzentrale). Die Mobilfunkanbieter wissen sehr wohl um die Probleme rund um das Bezahlen per Handyrechnung und erlassen den Kunden so manche unrechtmäßige Forderung.

Hat Ihr Anbieter nicht auf die Extrakosten hingewiesen, muss er für den Schaden geradestehen (Mobilfunkgarantie). Selbst wenn Ihr Mobilfunkanbieter das Geld von Ihnen eintreiben will, darf er Ihr Handy nicht so einfach sperren – solange es um weniger als 75 Euro geht.

Haben Sie Ihre Handyrechnung per Lastschrift bezahlt, können Sie den zu Unrecht eingezogenen Betrag noch bis zu acht Wochen zurückbuchen. Überweisen Sie aber den rechtmäßigen Teil des Rechnungsbetrags an Ihren Mobilfunkanbieter. Die Betrüger versuchen wahrscheinlich, Sie mit hohen Mahnkosten und Inkasso-Schreiben einzuschüchtern. Lassen Sie sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Denn der Aboanbieter muss Ihnen nachweisen können, dass Sie das Abo auch wirklich abgeschlossen haben. Das fällt Betrügern schwer.

Übrigens: Die Betrüger kommen nur an Ihre Handydaten, wenn Sie über das Handynetz ins Internet gehen. Surfen Sie per W-Lan, ist diese Masche wirkungslos.

So richten Sie die Drittanbietersperre ein (Stand 15. April 2020)

Grundsätzlich können Sie die Sperre per Post, Fax, E-Mail, im Online-Kundenbereich oder am Telefon einrichten. Dazu reicht eine formlose Mitteilung unter Nennung Ihrer Rufnummer. Um schneller ans Ziel zu gelangen, folgen Sie den Empfehlungen Ihres Mobilfunkanbieters. Wir haben die Angaben der fünf größten Firmen für Sie zusammengestellt:

Deutsche Telekom

Bei der Deutschen Telekom sperren Sie kostenpflichtige Dienste am besten per Handy unter der Kurzwahl 2202 oder aus dem Festnetz unter 0800 3 30 22 02 (jeweils kostenlos). Online können Sie Drittanbieter im Kundencenter der Telekom sperren. Sie können auch nur einzelne Themenbereiche sperren, etwa Erotik, Chats oder Apps.

Vodafone

Kunden des Mobilfunkanbieters Vodafone können die Drittanbietersperre auf der Homepage des Unternehmens selbst einrichten: im Mitgliederbereich „Mein Vodafone“ unter dem Menüpunkt „Buchbare Optionen“. Dort können sie entweder nur Abos sperren oder Abos und Einzelkäufe. Telefonisch geht es über die Vodafone-Kurzwahl 1212.

Telefónica / O2

Telefónica ist besser bekannt unter seiner Marke O2. Im Online-Kundenbereich können Sie eine Drittanbietersperre für O2 aktivieren. Die Drittanbietersperre können Sie entweder für einzelne Kategorien oder als Vollsperre für alle Kategorien vornehmen. Kategorien sind zum Beispiel Abos, Spenden oder Erotik-Inhalte. Alternativ hilft der O2-Kundenservice unter der Rufnummer 089 78 79 79 40 0 weiter.

Mobilcom-Debitel 

Sie erreichen die Hotline von Mobilcom-Debitel aus dem Festnetz unter der Rufnummer 040 55 55 41 000 oder für Vertragskunden vom Handy. Die Postadresse des Kundenservice lautet:

mobilcom-debitel GmbH
Kundenservice
99076 - Erfurt

1&1

Bei 1&1 ist die Drittanbietersperre von Anfang an automatisch aktiviert. Im Kundenbereich des „1&1 Control-Centers“ können Sie Drittanbieter wieder freischalten (nicht empfohlen).

Autor
Arne Düsterhöft
& Co-Autor
Daniel Pöhler

Stand: 30. April 2020


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