Basistarif PKV

Notlösung für Privatversicherte

Julia Rieder
& Co-Autoren
Stand: 15. Mai 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Basistarif der privaten Krankenversicherung (PKV) ist eine Notlösung. Er eignet sich für Privatversicherte, denen ein interner Tarifwechsel nicht hilft und die nicht zurück in eine gesetzliche Kasse können.
  • Kein Anbieter einer privaten Krankenversicherung darf Ihnen den Basistarif verwehren, sofern Sie älter als 55 Jahre sind. Auch eine Gesundheitsprüfung ist für den Wechsel nicht nötig.
  • Im Vergleich zum Standardtarif der PKV ist der Basistarif meist deutlich teurer und bietet nur wenig bessere Leistungen. 
  • Insgesamt sind die Leistungen im Basistarif vergleichbar mit denen der gesetzlichen Krankenversicherung.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, ob ein anderer Tarif bei Ihrer Versicherung besser für Sie geeignet ist oder es einen Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung gibt.
  • Wechseln Sie nur in den Basistarif bei Ihrem Anbieter, wenn es gar nicht anders geht.
  • Falls Sie hilfebedürftig im Sinne des Sozialrechts sind, halbiert sich der Beitrag und Sie können Hilfe vom Amt erhalten.

Der Basistarif in der privaten Krankenversicherung soll Versicherten helfen, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können – oder lange Zeit keine Krankenversicherung hatten und sich nun privat versichern müssen. Die Versicherer dürfen den Basistarif niemandem verweigern, der die Voraussetzungen dafür erfüllt.

In der Corona-Krise hat der Bundestag eine Neuerung beschlossen: Wer nach dem 15. März 2020 in den Basistarif gewechselt ist, kann unter bestimmten Bedingungen ohne Gesundheitsprüfung wieder in seinen ursprünglichen Tarif zurückkehren. Details lesen Sie weiter unten.

Wer darf den Basistarif in Anspruch nehmen?

Falls Sie nach dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind, dürfen Sie jederzeit und ohne Vorbedingungen in den Basistarif wechseln. Haben Sie Ihren Vertrag vor 2009 abgeschlossen, können Sie in den Basistarif wechseln, sofern Sie

  • mindestens 55 Jahre alt sind oder
  • eine gesetzliche Rente beziehungsweise eine Beamtenpension beziehen oder
  • nachweislich den Versicherungsbeitrag nicht mehr aufbringen können.

Für die meisten Versicherten, die ihren Vertrag vor 2009 abgeschlossen haben, ist der Standardtarif aber die günstigere Lösung.

Welche Leistungen bietet der Basistarif?

Der Basistarif muss nach Art, Umfang und Höhe mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen vergleichbar sein (§ 193 Abs. 5 VVG). Das bedeutet, dass Versicherte auf den umfangreicheren Versicherungsschutz der privaten Krankenversicherung verzichten müssen. Mitunter unterscheiden sich die Leistungen im Basistarif beträchtlich von denen einer guten privaten Krankenversicherung.

Sie sollten deshalb prüfen, ob der Wechsel in einen anderen Tarif des Versicherers möglich ist. Das kann teilweise günstiger und sinnvoller sein, als in den Basistarif zu wechseln.

Kann es Probleme bei der Kostenerstattung geben?

Die Kassenärztliche Vereinigung muss die Versorgung der Patienten im Basistarif gewährleisten. Im Gegenzug müssen Sie als Versicherter bei einem Arztbesuch darauf hinweisen, dass Sie im Basistarif versichert sind. Die Kassenärzte rechnen dann andere Gebührensätze ab als üblicherweise bei Privatpatienten.

Es kann aber auch passieren, dass Sie auf einem Teil Ihrer Arztrechnungen sitzenbleiben. Das ist der Fall, wenn Sie Ihrem Arzt vor der Behandlung nicht sagen, dass Sie im Basistarif sind, Sie sich nicht von einem Kassenarzt behandeln lassen oder bewusst Leistungen in Anspruch nehmen, die über die der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen. Diese Differenz bekommen Sie dann nicht von Ihrer privaten Krankenversicherung erstattet.

Bleiben Altersrückstellungen erhalten?

Wenn Sie als Privatversicherter bei Ihrem Anbieter in den Basistarif wechseln, nehmen Sie Ihre Altersrückstellungen in voller Höhe mit. Die Altersrückstellung ist der Teil der Beiträge, den die Versicherung anspart, um die Beiträge im Alter stabil zu halten.

Theoretisch können Versicherte auch in den Basistarif eines anderen privaten Krankenversicherers wechseln. Das ist aber nicht empfehlenswert, denn dann verlieren sie einen beträchtlichen Teil ihrer Altersrückstellungen.

Mehr Informationen über die Sozialtarife in der privaten Krankenversicherung erhalten Sie in der gleichnamigen Broschüre des PKV-Verbands.

Wie hoch ist der Beitrag im Basistarif?

Der Höchstbeitrag im Basistarif ist begrenzt auf den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz der Kassen; 2020 liegt dieser Höchstbeitrag bei rund 736 Euro im Monat. Erhöht sich die jeweils geltende Beitragsbemessungsgrenze, steigt auch der Höchstbeitrag.

Sofern es bei Ihnen finanziell so schlecht aussieht, dass Sie hilfsbedürftig sind oder durch den hohen Krankenversicherungsbeitrag hilfebedürftig würden, muss die Versicherung den Beitrag halbieren. In Notlagen müssen Sie im Basistarif also nur eine Prämie von rund 368 Euro (Stand: 2020) zahlen. Ist das immer noch zu teuer, beteiligt sich der Träger der Grundsicherung am verminderten Beitrag. Der Begriff Hilfebedürftigkeit orientiert sich am Sozialgesetzbuch (§ 9 SGB II).

In der Corona-Krise hat der Bundestag eine Neuerung für Privatversicherte beschlossen, die nach dem 15. März 2020 wegen Hilfebedürftigkeit in den Basistarif gewechselt sind oder noch wechseln werden. Diese können innerhalb von zwei Jahren ohne erneute Gesundheitsprüfung in ihren Ursprungstarif zurückkehren – sofern sie dann nicht mehr hilfebedürftig sind. So müssen Privatversicherte wegen einer kurzen finanziellen Krise nicht dauerhaft auf bessere Leistungen verzichten (§ 204 Abs. 2 VVG). Die Regelung gilt zeitlich unbegrenzt.

Gibt es im Basistarif eine Selbstbeteiligung?

Die Versicherungsunternehmen müssen Versicherten im Basistarif eine Selbstbeteiligung anbieten, und zwar in Höhe von 300, 600, 900 oder 1.200 Euro im Jahr. Die Entscheidung dafür ist allerdings nur sinnvoll, wenn sich im Gegenzug auch der monatliche Beitrag zur Krankenversicherung reduziert. Gerade bei niedrigeren Selbstbehaltsstufen ist das nicht immer der Fall.

Grundsätzlich müssen Sie die Selbstbeteiligung im Basistarif mindestens drei Jahre beibehalten. Stellt sich jedoch heraus, dass durch die vereinbarte Selbstbeteiligung der Versicherungsbeitrag nicht angemessen sinkt, können Sie jederzeit verlangen, dass Ihre Versicherung auf den Basistarif ohne Selbstbehalt umstellt.

Wenn Sie möchten, können Sie neben dem Basistarif außerdem Zusatzversicherungen beim selben oder einem anderen Anbieter abschließen, um Ihre Gesundheitsversorgung über das Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus aufzustocken.

Ist der Standard- oder der Basistarif sinnvoller?

Viele Privatversicherte, die 55 Jahre oder älter sind, können zwischen dem Basistarif und dem Standardtarif wählen. Der Standardtarif ist in den meisten Fällen die deutlich billigere Variante, da der Beitrag des Basistarifs in der Regel dem Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag entspricht.

Die Prämie sollte aber nicht allein entscheiden, da der Basistarif in einigen Bereichen etwas bessere Leistungen bietet. Folgende Tabelle hilft bei der Wahl des richtigen Tarifs:

Leistungsvergleich PKV-Sozialtarife

 Standardtarif                            Basistarif                                
Beitragmeist erheblich niedriger als Höchstbeitrag zur GKV; maximal 150 % des GKV-Höchstbeitrags für privat versicherte Ehepaarein der Regel GKV-Höchstbeitrag plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag pro Person; Hälfte bei Hilfebedürftigkeit (§ 9 SGB II)
Leistungenähneln Kassenleistungen; freie Wahl bei Fach- und Privatärzten; begrenzte Sitzungszahl bei Psychotherapie, 20 % Selbstbeteiligung für Hilfs-, Heil- und Arzneimittel (max. 306 € im Jahr)entsprechen Kassenleistungen; Arzt mit Kassenzulassung ist erste Anlaufstelle; deutlich bessere Leistungen bei Kuren, Haushaltshilfe, Krankentagegeld, Psychotherapie, Soziotherapie, Hilfs- und Heilmitteln, Reha-Leistungen, Palliativversorgung
Zusatz-versicherungennicht möglich, bis auf Auslandsreise-Krankenversicherung
Krankentagegeld
möglich, Krankentagegeld bereits mitversichert

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 3. Januar 2019)

Autor
Julia Rieder
& Co-Autoren
Max Mergenbaum , Annika Krempel

Stand: 15. Mai 2020


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