Private Krankenversicherung (PKV) für Arbeitslose

PKV-Vertrag bei Arbeitslosigkeit ruhen lassen

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 11. Mai 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Beziehen Sie Arbeitslosengeld I (ALG I) oder erhalten es nur wegen einer Sperrzeit nicht, werden Sie automatisch gesetzlich krankenversichert. Auch wenn Sie vorher privatversichert waren.
  • Eine Ausnahme gilt für Privatversicherte ab 55 Jahren. Sie müssen auch als Arbeitslose in der Regel in der privaten Krankenversicherung bleiben.
  • Auf Wunsch privat versichert bleiben kann, wer fünf Jahre vor seiner Arbeitslosigkeit bereits privat krankenversichert war. Die Agentur für Arbeit zahlt dann einen Zuschuss zu den Beiträgen.
  • Sind Sie während der Arbeitslosigkeit zu einer gesetzlichen Kasse gewechselt, können Sie auch im neuen Job gesetzlich versichert bleiben. Es ist dann egal, ob und wie lange Sie zuvor gesetzlich versichert waren.
So gehen Sie vor
  • Wollen Sie während der Arbeitslosigkeit gesetzlich versichert sein, können Sie sich eine Krankenkasse aussuchen. Ihrer privaten Krankenversicherung müssen Sie innerhalb von drei Monaten kündigen.
  • Um trotz Jobverlust privat versichert zu bleiben, müssen Sie einen Antrag stellen. Diesen Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht können Sie innerhalb von drei Monaten bei einer beliebigen Krankenkasse stellen.

Arbeitslos zu werden, ist meist ein schwerer persönlicher Schlag. Neben der Jobsuche sollten Sie an Ihre Krankenversicherung denken. Wenn Sie privat krankenversichert sind und arbeitslos werden, müssen Sie normalerweise zurück in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung – sofern Sie Arbeitslosengeld bekommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie zuvor angestellt waren oder selbstständig gearbeitet haben. In bestimmten Fällen können Sie aber privat versichert bleiben.

Ändert Arbeitslosigkeit etwas an der Krankenversicherung?

Wenn Sie ALG I beziehen, sind Sie wieder versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V). Das gilt auch während einer Sperrzeit vor dem Bezug des Arbeitslosengelds. Die Agentur für Arbeit zahlt dann Ihre kompletten Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung.

Sie haben zwei Wochen nach Beginn der Versicherungspflicht Zeit, eine Krankenkasse zu wählen. Melden Sie sich dort an und legen Sie der Agentur für Arbeit die Mitgliedsbescheinigung vor. Sollten Sie sich nicht selbst eine Krankenkasse suchen, meldet Sie die Agentur für Arbeit dort an, wo Sie zuletzt gesetzlich versichert waren. Für den Fall, dass Sie noch nie bei einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) waren oder das Arbeitsamt die letzte Kasse nicht ermitteln kann, wählt die Behörde eine Krankenversicherung für Sie aus.

Wenn Sie wegen der Versicherungspflicht in eine gesetzliche Krankenkasse wechseln, sollten Sie unbedingt auch dem Anbieter Ihrer bisherigen privaten Krankenversicherung (PKV) Bescheid geben. Er ist dann verpflichtet, Ihren Vertrag vorzeitig zu beenden – andernfalls müssten Sie die PKV weiter zahlen. Dafür müssen Sie die Arbeitslosigkeit dem Versicherer allerdings innerhalb einer bestimmten Frist mitteilen – in der Regel innerhalb von drei Monaten. Dann können Sie den Vertrag rückwirkend zu Beginn der Versicherungspflicht kündigen. Festgeschrieben sind die Regelungen zum Kündigungsrecht in Paragraf 13 Absatz 3 der Musterbedingungen für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung.

Sie sind nicht in jedem Fall gezwungen, sich nach dem Jobverlust gesetzlich zu versichern. Wollen Sie in der privaten Krankenversicherung bleiben, müssen Sie aktiv werden.

Wer kann privat krankenversichert bleiben?

Sie können unter Umständen auch während der Arbeitslosigkeit privat versichert bleiben. Dafür müssen Sie sich von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung befreien lassen. Das ist nur möglich, wenn Sie in den fünf Jahren vor dem Bezug von ALG I komplett privat krankenversichert waren (§ 8 Abs. 1 Nr. 1a SGB V).

Bevor Sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen, sollten Sie aber abwägen, ob Sie nicht besser in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln sollten. Als alleinverdienender Ehepartner mit Kindern ist der Wechsel bei Arbeitslosigkeit häufig sinnvoll. Die Angehörigen profitieren dann von der kostenlosen Familienversicherung.

Für Doppelverdiener oder Singles liegen die Dinge eventuell anders: Wenn Sie nur mit einer kurzfristigen Arbeitslosigkeit rechnen, kann sich der Verbleib in der privaten Krankenversicherung lohnen.

Anwartschaft als Alternative

Auch wenn Sie sich während der Arbeitslosigkeit gesetzlich versichern, können Sie sich eine Rückkehr in die private Krankenversicherung offenhalten. Einige Versicherer bieten für einen bestimmten Zeitraum die Möglichkeit, den Vertrag kostenlos ruhen zu lassen.

Eine Alternative dazu ist die Anwartschaftsversicherung, die private Krankenversicherer für die Übergangszeit anbieten. Damit können Versicherte ihre Rückkehr in die PKV zu den alten Konditionen ohne erneute Risikoprüfung wieder aufleben lassen. Das ist allerdings nicht kostenlos. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer nach den Beiträgen für die Anwartschaft. Die lohnt sich nur, wenn Sie sicher sind, dass Sie nach der Arbeitslosigkeit in die PKV zurückkehren können und wollen.

Das müssen Sie tun, um in der PKV zu bleiben

Wenn Sie privat krankenversichert bleiben wollen, müssen Sie innerhalb von drei Monaten nach Beginn des Bezugs von ALG I die Befreiung von der Versicherungspflicht beantragen (§ 8 Abs. 2 SGB V). Innerhalb der ersten zwei Wochen des Bezugs von ALG I können Sie den Antrag bei jeder beliebigen Krankenkasse stellen. Danach ist die Krankenkasse zuständig, bei der die Arbeitsagentur Sie angemeldet hat. Ist Ihr Antrag erfolgreich, bekommen Sie eine Bestätigung von der Krankenkasse. Diese legen Sie der Arbeitsagentur vor. Die Befreiung gilt dann rückwirkend ab Beginn der Versicherungspflicht. Weitere Informationen dazu finden Sie in einem Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit.

Doch Vorsicht: Wenn Sie in der Zwischenzeit bereits Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung genutzt haben, gilt die Befreiung erst ab dem Kalendermonat nach der Antragstellung. Wenn Sie den Antrag nicht innerhalb der drei Monate stellen, können Sie sich nicht mehr befreien lassen.

Sind Sie befreit, zahlt die Bundesagentur für Arbeit einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung (§ 258 SGB V). Sie überweist so viel, wie Ihre Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Kranken- und der Pflegeversicherung kosten würde.

Sie können Ihren bestehenden privaten Versicherungstarif behalten, oder auch die Höhe der Selbstbeteiligung und die Leistungen an Ihre neue Situation anpassen. Das sollten Sie sich aber genau überlegen. Wenn Sie später zurück in den alten Tarif wollen oder wieder bessere Leistungen wünschen, ist in der Regel eine neue Gesundheitsprüfung nötig.

Was gilt für ältere Arbeitslose?

Für Versicherte, die 55 Jahre oder älter sind, ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung meist auch dann nicht mehr möglich, wenn sie arbeitslos werden. Ist Ihnen Ihre private Krankenversicherung zu teuer, können Sie Ihre Beiträge eventuell mit dem Wechsel in einen anderen Tarif reduzieren.

Bestand Ihr Vertrag bereits vor dem 31. Dezember 2008, können Sie als älterer Privatversicherter entweder in den Standardtarif oder den Basistarif Ihrer PKV wechseln. Beide Tarife bieten eine Versorgung, die in etwa mit den Kassenleistungen vergleichbar ist, und der Höchstbeitrag ist gedeckelt. Sie sind aber nicht in jedem Fall günstiger als „reguläre“ PKV-Tarife.

Haben Sie Ihre private Krankenversicherung erst nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossen, können Sie lediglich in den Basistarif wechseln. Weitere Lösungen, wenn Ihnen die Privatversicherung zu teuer ist, finden Sie in unserem Ratgeber PKV-Beitrag senken.

Was passiert, wenn ich einen neuen Job finde?

Welche Krankenversicherung nach der Arbeitslosigkeit für Sie in Frage kommt, hängt davon ab, wie es bei Ihnen beruflich weitergeht. Folgende Optionen gibt es:

1. Sie müssen sich gesetzlich versichern

Wenn Sie nach der Arbeitslosigkeit eine abhängige Beschäftigung aufnehmen und weniger verdienen als die Jahresarbeitsentgeltgrenze, bleiben Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Im Jahr 2020 liegt die Grenze bei einem Gehalt von 5.212,50 Euro brutto im Monat. Nur Angestellte, die mehr verdienen, dürfen sich privat krankenversichern.

2. Sie bleiben freiwillig gesetzlich versichert

Auch wenn Ihr Verdienst im neuen Job über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt, können Sie in der GKV bleiben – als freiwilliges Mitglied. Sofern Sie nichts weiter tun, bleiben Sie nach dem Bezug von Arbeitslosengeld I automatisch bei Ihrer Krankenkasse versichert (§ 188 Abs. 4 SGB V). Das gilt in allen Fällen, in denen Sie nach der Arbeitslosigkeit nicht mehr versicherungspflichtig sind: etwa als gutverdienender Angestellter, als Selbstständiger oder als Beamter.

Diese Möglichkeit der freiwilligen Anschlussversicherung gibt es seit dem Jahr 2013. Seitdem können Sie nach der Arbeitslosigkeit in der GKV bleiben, auch ohne dass Sie vorher für eine bestimmte Zeit gesetzlich versichert gewesen sein müssen. Die sogenannte Vorversicherungszeit entfällt nach der Arbeitslosigkeit (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 SGB V).

3. Sie müssen sich weiter privat versichern

Haben Sie sich während der Arbeitslosigkeit von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen und tritt keine neue Versicherungspflicht ein, dann bleiben Sie auch nach der Arbeitslosigkeit privat krankenversichert. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie sich selbstständig machen oder oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdienen. Nur wenn Sie während des Bezugs von ALG I gesetzlich versichert waren, können Sie in solchen Fällen in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben.

4. Sie wechseln in die PKV

Waren Sie während der Arbeitslosigkeit gesetzlich versichert und gilt in Ihrem neuen Job keine Versicherungspflicht (etwa durch Ihr hohes Einkommen oder eine Selbstständigkeit), haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie können gesetzlich versichert bleiben oder Sie wechseln zurück in die private Krankenversicherung. Dafür müssen Sie einen neuen Versicherungsvertrag schließen oder Ihren alten wieder aufleben lassen.

Gibt es für Hartz-IV-Empfänger einen Zuschuss zur PKV?

Wenn Sie unmittelbar vor dem Bezug von Arbeitslosengeld II (auch Hartz IV genannt) privat krankenversichert waren, müssen Sie nicht zwingend in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln (§ 5 Abs. 5a SGB V). Sie können auch einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen.

Das Jobcenter zahlt dann maximal die Hälfte des Höchstbeitrags für den sogenannten Basistarif der privaten Krankenversicherung – auch wenn Ihr tatsächlicher Beitrag höher ist. Die Leistungen des Basistarifs sind mit denen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar. Für die Pflegeversicherung gibt es vom Amt maximal die Hälfte des Höchstbeitrags in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Damit beträgt der Zuschuss zur privaten Krankenversicherung im Jahr 2020 höchstens 367,97 Euro und zur Pflegeversicherung 71,48 Euro im Monat. Können Sie die restlichen Kosten für Ihre private Krankenversicherung nicht stemmen, sollten Sie sich über einen Tarifwechsel informieren.

Die Zuschüsse zur Krankenversicherung für Bezieher von Arbeitslosengeld II regelt Paragraf 26 Absatz 2 Sozialgesetzbuch II. Alle Details dazu erklärt ein Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit. Bei Tarifen mit Selbstbehalt bezuschusst das Amt nur die Beiträge, es gibt keinen Zuschuss zu den Behandlungskosten, die Sie selbst tragen müssen. Wenn Sie sich über einen Angehörigen kostenlos familienversichern könnten, zahlt das Jobcenter gar keinen Zuschuss zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung.

Ihr privater Krankenversicherer darf auf keinen Fall die Leistungen ruhen lassen oder die Krankenversicherung kündigen, während Sie ALG II beziehen.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 11. Mai 2020


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