Paydirekt

Mit dem Girokonto im Internet zahlen

Josefine Lietzau Stand: 19. September 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Mit dem Bezahlverfahren Paydirekt können Verbraucher online mit ihrem Girokonto bezahlen.
  • Bei Paydirekt handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Privatbanken, der genossenschaftlichen Banken und der Sparkassen.

Bei Ebay die Uhren-Auktion gewonnen, beim Outdoor-Shop Wanderschuhe bestellt oder einen Burger über einen Essenslieferdienst geordert. Viele Verbraucher nutzen in solchen Momenten bereits den Bezahldienst Paypal. Nun betreten die deutschen Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen mit einem eigenen Bezahlverfahren für Online-Käufe den Markt.

Verbraucher können mit Paydirekt bezahlen, ohne dass sie auf den Service von Drittanbieter umsteigen müssen. Stattdessen begleichen sie auch bei Online-Shops ihre Einkäufe direkt über ihr Girokonto. Sie müssen zwar nichts für den Dienst bezahlen, sich aber bei ihrer Bank für das Verfahren registrieren. Außerdem muss ihr Girokonto für das Online-Banking freigeschaltet sein. Die Verkäufer dagegen brauchen ein Geschäftskonto bei einer der teilnehmenden Banken, falls sie ihren Kunden Paydirekt als Bezahlverfahren anbieten wollen.

Schutz für Käufer und Händler

Wie Paypal verspricht auch Paydirekt einen Käuferschutz. Falls der Einkauf bis zum angegebenen Liefertermin nicht beim Kunden ankommt und der Verkäufer nicht nachweisen kann, dass er das Produkt verschickt hat, bekommt der Kunde sein Geld zurück. Paydirekt kümmert sich nach erfolglosem Versuch seitens des Kunden auch um die Kontaktaufnahme mit dem Händler. Allerdings gilt der Käuferschutz nicht für alle Waren: Paydirekt schließt zum Beispiel Alkohol, Tabak und Medikamente explizit aus.

Der Schutz geht auch in die andere Richtung: Paydirekt gibt den Händlern ein sogenanntes Zahlungsversprechen. Sie erhalten eine Bestätigung, dass der Kunde das Geld über Paydirekt bezahlt hat. So haben sie die Möglichkeit, das Produkt sofort zu versenden. Stornieren kann der Kunde seine Bestellung über Paydirekt nicht, er muss sich direkt an den Händler wenden.

Falls Händler Produkte mit gesetzlicher Altersbeschränkung verkaufen, können sie bei Paydirekt außerdem anfragen, ob ihr Kunde alt genug ist. Ist dies nicht der Fall, bricht die Bank des Kunden den Bezahlvorgang ab.

Datenschutz nach deutschen Standards

Paydirekt betont insbesondere die Sicherheit und den Datenschutz des Systems. So verlaufe der Zahlungsverkehr über deutsche Server, die Zugangs- und persönlichen Daten seien verschlüsselt. Die Kontodaten oder Daten zu den Einkäufen würden nicht an Dritte weitergegeben.

Zum Bezahlen geben die Verbraucher Benutzername und Passwort ein, teilweise werden wie beim Online-Banking auch TAN eingesetzt. Sie können zur Sicherheit außerdem festlegen, dass ihr Account stets Passwort und TAN anfordert, bevor er eine Bezahlung auslöst. Darüber hinaus informiert Paydirekt die Kunden zu den Transaktionen über eine App oder E-Mail.

Einsatzmöglichkeiten wachsen

Im August 2015 begann das Pilotprojekt des Systems über die Hypovereinsbank, im September dann die Pilotphase mit einigen Genossenschaftsbanken, der Commerzbank und deren Tochter Comdirect. Die Website nennt inzwischen 19 teilnehmende Privatbanken sowie die Volksbanken, PSD-Banken, Sparda-Banken und Sparkassen. Sie haben ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, über die das Projekt technisch abgewickelt wird.

Die Banken aktivierten den Dienst nach und nach. Die Kunden der Hypovereinsbank konnten als eine der ersten den Bezahldienst nutzen, die Sparkassen kamen Ende April 2016 dazu. 

Im August 2017 richteten die Sparkassen einem Teil ihrer Kunden ungefragt Nutzerkonten bei Paydirekt ein. Nur falls ein Kunde der damit einhergehenden Änderung der allgemeinen Geschäftsbedingungen widersprach, blieben seine persönlichen Daten bei der Bank. Wer nicht widersprochen hat, dessen Daten wurden zumindest teilweise an Paydirekt übermittelt. Um Kunde von Paydirekt zu werden, musste man aber noch einen Aktivierungslink in einer E-Mail anklicken und ein Passwort vergeben.

Die Zahl der Online-Shops, die Paydirekt als Bezahlmethode akzeptieren, wächst. Es sollen inzwischen etwa 1.100 sein.

Geld senden mit dem Handy

Paydirekt erweiterte seine Funktionen seit dem Start. So können die Nutzer nun auch mit der Smartphone-App Geld an andere senden. Dazu greift die App auf die im Smartphone abgespeicherten Telefonnummern und E-Mail-Adressen zu. Bei Paydirekt-Kunden gehen solche Zahlungen direkt auf dem Girokonto ein. Alle anderen erhalten eine Nachricht per Mail oder SMS. Um das Geld zu erhalten, müssen sich die Empfänger die Paydirekt-App auf das Handy laden; registrieren müssen sie sich allerdings nicht.

Paypal ist der größte Konkurrent

Ob Paydirekt wirklich wie von den Banken erhofft Paypal Konkurrenz machen kann, hängt vor allem davon ab, wie weit sich das System verbreitet. Es ist noch unklar, ob Verbraucher den Service häufig nutzen werden. Schließlich nehmen zum Beispiel die Sparkassen bereits an einem anderen Bezahlverfahren teil: Giropay. Mit diesem Service können Kunden unterschiedlicher Banken per Überweisung direkt über das Online-Banking ihrer Bank bezahlen.

Auch ist unklar, wie viele Händler sich Paydirekt anschließen. Es ist denkbar, dass Paydirekt versuchen wird, den Handel mit günstigen Gebühren zu locken. Paypal verlangt von den Händlern derzeit 1,9 Prozent plus 35 Cent für Transaktionen.

Außerdem müssen Kunden bereit sein, ein weiteres Bezahlverfahren zu nutzen. Die deutschen Banken haben sehr viel Zeit verstreichen lassen, bis sie schließlich ein eigenes System entwickelt haben. Allerdings ergibt sich aufgrund der aktuellen Debatten um Sicherheit und Datenschutz eine günstige Gelegenheit für den Dienst.

Haben Sie Erfahrungen mit Paydirekt gemacht? Erzählen Sie uns hier davon!

Autor
Josefine Lietzau

Stand: 19. September 2017


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