Balkonkraftwerk

Wie Du bis zu 200 Euro mit einer Mini-Solaranlage sparst

Benjamin Weigl
Finanztip-Experte für Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Balkonkraftwerke sind von der Mehrwertsteuer befreit. Damit dürften Mini-Solaranlagen 2023 wieder günstiger zu haben sein.
  • Mit einem Balkonkraftwerk erzeugst Du Solarstrom, den Du direkt verbrauchen kannst.
  • Ein kleines Modell senkt Deine Strom­kos­ten um 50 bis 100 Euro im Jahr, mit einem größeren kannst Du bis zu 200 Euro sparen. Die Balkon-Solaranlage macht sich meist nach weniger als zehn Jahren bezahlt.
  • Für Balkon, Dach oder Garten: Die Module werden ganz einfach per Steckdose mit dem Stromnetz in Deiner Wohnung verbunden.

So gehst Du vor

  • Wohnst Du zur Miete, prüfe zuerst Deinen Mietvertrag und sprich mit Deinem Vermieter, inwieweit das Anbringen einer steckerfertigen Solaranlage erlaubt ist.
  • 300 Watt oder 600 Watt Balkonkraftwerk? Finde heraus, welche Leistung sich für Deinen Haushalt lohnt.
  • Bisherige Vorgaben für eine spezielle (Wieland-)Steckdose und den Stromzähler fallen voraussichtlich bald weg. Du kannst Dein neues Balkonkraftwerk deshalb ruhig an eine normale Steckdose anschließen.

Balkonkraftwerke werden immer beliebter – kein Wunder in Zeiten steigender Strompreise. Denn mit einer kleinen Solaranlage erzeugst Du Deinen eigenen Sonnenstrom, sparst damit bares Geld bei Deiner Stromrechnung und schonst obendrein Klima und Umwelt. Balkonkraftwerke sind unter vielen Namen bekannt: Mini-PV, Guerilla-PV, Balkon-Solaranlage, Plug-in-Anlage, Steckdosen-Solar-Gerät, steckerfertige Photovoltaik-Anlage, Balkon-Modul oder Stecker-Solaranlage. Sie erfordern vergleichsweise wenig Aufwand und geringe Investitionskosten Dir müssen dabei Wohnung oder Haus nicht gehören – auch als Mieter kannst Du eine solche Kleinstanlage betreiben.

Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk?

Eine Balkonkraftwerk besteht üblicherweise aus einem oder zwei Photovoltaik-Modulen mit üblicherweise 300 bis 600 Watt Leistung. Auf der Rückseite ist ein kleiner Wechselrichter angebracht. Dieser wandelt den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom, mit dem handelsübliche Elektrogeräte arbeiten. Vom Wechselrichter geht ein Kabel ab. Dieses verbindest Du mit einem Netzkabel – den Stecker am anderen Ende kannst Du dann in eine normale Steckdose auf dem Balkon oder in der Wohnung stöpseln. Damit ist die Solaranlage mit Deinem Hausnetz verbunden. Sobald auf das Solarmodul Licht trifft, erzeugt es Strom. Dieser fließt ins Hausnetz und versorgt die Geräte, die gerade Bedarf haben.

Dein Stromzähler läuft dann langsamer, Du beziehst weniger Strom aus dem Netz und sparst dadurch Geld. Scheint die Sonne, kann der Zähler sogar ganz stoppen, obwohl Kühlschrank, Router und Computer Strom verbrauchen. Erzeugt die Anlage mehr Strom, als Du gerade benötigst, fließt er ins öffentliche Stromnetz ab.

Das Modul kannst Du an unterschiedlichen Orten aufstellen oder anbringen: Auf dem Balkon, am Balkongeländer, an der Hausfassade, auf der Terrasse, auf einem Flachdach oder einem Schrägdach, auf der Gartenlaube und sogar auf dem Gartentisch. Hersteller bieten je nach gewünschtem Installationsort eine Halterung oder einen Ständer für das Modul an. Maximal musst Du für die Montage in die Hauswand bohren und eine Halterung befestigen. Das kannst Du selbst tun. Lediglich bei der Montage auf einem Schrägdach empfiehlt es sich, eine Handwerksfirma hinzuzuziehen, die Dachhaken und Montagegestell auf dem Dach anbringt.

Die Leistung von Balkonkraftwerken ist im Vergleich zu PV-Anlagen auf Dächern klein. Sinn und Zweck der Systeme ist nicht, dass Du möglichst viel Strom erzeugst, sondern dass Du günstigen Solarstrom erzeugst, größtenteils selbst verbrauchst und dadurch weniger Strom aus dem Netz beziehen musst. Das senkt Deine Strom­kos­ten. Ab 600 Euro (Stand: November 2022) kosten Systeme mit 300 Watt Leistung – etwa 50 bis 100 Euro Strom­kos­ten kannst Du damit im Jahr sparen. Ein größeres System mit 600 Watt Leistung beschert Dir in der Regel eine Ersparnis von 100 bis 200 Euro.

Wie stark Du Dich mit eigenem Solarstrom versorgen kannst, hängt davon ab, wie hoch Dein Stromverbrauch ist und wie hoch der Ertrag der Solaranlage ist. Je mehr Strom Du tagsüber benötigst, während das Balkonkraftwerk Strom erzeugt, desto mehr des eigenen Stroms kannst Du nutzen. Insgesamt kannst Du etwa 10 bis 20 Prozent Eigenversorgungsquote erreichen.

Innerhalb von acht bis zwölf Jahren sollte das Balkonkraftwerk seine Kosten wieder eingespielt haben. Betreiben kannst Du es mindestens 15 Jahre, solange läuft in den meisten Fällen die Produktgarantie der Hersteller. Der Wechselrichter muss dann vielleicht ersetzt werden; das Modul hält aber oft noch 15 weitere Jahre. Nach einigen Jahren der Refinanzierung machst Du auf lange Sicht also Gewinn.

Die übliche Leistung von Balkonkraftwerken liegt zwischen 300 und maximal 600 Watt – bis zu dieser Grenze gelten vereinfachte Bedingungen für Installation und Betrieb. Du kannst theoretisch aber auch mehrere steckerfertige Solarmodule zusammenschalten – mit höchstens 4,6 Kilowatt Leistung. Dann gelten aber andere Anforderungen, auch an die Steckdose. Wann was gilt, erfährst Du weiter unten.

Wie viel an Strom­kos­ten kannst Du sparen?

Wie viel Du durch ein Balkonkraftwerk sparst, hängt von drei Faktoren ab.

  1. Wie viel Strom kann das Solarmodul erzeugen? Mit welchem Ertrag kannst Du rechnen?
  2. Wie viel des Solarstroms kannst Du tagsüber verbrauchen – also während er entsteht?
  3. Wie viel zahlst Du für den Strom, den Du aus dem Netz beziehst?

Sehen wir uns diese drei Punkte einmal genauer an.

1)   Der Stromertrag Deines Balkonkraftwerks

Wie viel Strom das Solarmodul erzeugt hängt davon ab, in welche Himmelsrichtung das Solarmodul zeigt, vom Neigungswinkel des Solarmoduls gegenüber dem Boden, von der Lage des Balkons im Gebäude (wenn das Solarmodul am Balkon befestigt wird) und von der Sonneneinstrahlung an Deinem Wohnort.

Am häufigsten befinden sich Balkonkraftwerke tatsächlich nicht auf dem Balkon, sondern auf Gestellen am Boden – etwa auf Flachdächern, Terrassen oder im Garten. Dies hat die Befragung von Anbietern von Balkonkraftwerken durch das Marktforschungsinstitut EuPD Research ergeben. Das Ergebnis muss nicht überraschen: Der Stromertrag ist etwas höher, wenn das Modul nicht vertikal an einer Wand oder einem Geländer montiert ist.

Steht Dir nur ein Balkon zur Verfügung, lohnt sich der Betrieb einer Plugin-Solaranlage auch dort. Dabei haben Wissenschaftler der Hochschule Rosenheim und Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) für den Standort Rosenheim ermittelt, wie hoch die Stromerträge auf unterschiedlichen Balkonen sind. Ergebnis: Es wird mehr Strom produziert, wenn das Modul nicht vertikal an der Wand oder am Balkongeländer befestigt ist, sondern schräg auf einem Gestell liegt.

Die durch die Simulation ermittelten Erträge stimmen mit den Erfahrungen aus der Praxis überein. In der folgenden Tabelle lässt sich ablesen, wie effizient Solarmodule auf Balkonen Strom produzieren. Dabei zeigt sich: Eine Ausrichtung nach Süden auf Ost- oder Westbalkonen lohnt sich in der Regel nicht – außer, Du kannst dadurch Schatten vermeiden.

Stromertrag von Balkonmodulen je nach Ausrichtung und Neigung

Ausrichtung von

Modul und Balkon 

Neigungswinkel des Moduls

 

90 Grad70 Grad
Süden auf Süd-Balkon780 Wh/Watt981 Wh/Watt
Süden auf Ost-Balkon476 Wh/Wattnicht ermittelt
Osten auf Ost-Balkon572 Wh/Wattnicht ermittelt
Süden auf West-Balkon536 Wh/Wattnicht ermittelt
Westen auf West-Balkon568 Wh/Wattnicht ermittelt

Angaben in Wattstunden pro Jahr je Watt Leistung des Moduls
Quelle: Hochschule Rosenheim/DGS „Erzeugungsprofile, Lastprofile und betriebswirtschaftliche Analyse kleiner PV-Systeme zur direkten Deckung des Eigenverbrauchs“ (Stand: März 2017)

Die Werte aus der Tabelle kannst Du mit der Leistung der Solarmodule multiplizieren, um den möglichen Jahresertrag zu berechnen. Verfügt Dein Balkonkraftwerk zum Beispiel über zwei 300-Watt-Module und ist auf einem Südbalkon mit einem 70-Grad-Winkel nach Süden ausgerichtet, rechnest Du: 981 Wh/Watt x 600 Watt = 588.000 Wh (Wattstunden). Das entspricht 588 Kilowattstunden produziertem Strom pro Jahr.

Am effizientesten arbeitet ein Solarmodul, wenn es nach Süden ausgerichtet und in einem Winkel von 36 Grad vom Boden aus gemessen aufgestellt wird. Am Standort Rosenheim könntest Du dann mit einem Ertrag von 1094 Wh/Watt rechnen. In unserem Beispiel mit dem 600-Watt-Balkonkraftwerk wäre ein Stromertrag von 656,4 Kilowattstunden zu schaffen.

Beachte: Diese Werte aus der genannten Studie dienen als Richtwert und können je nach Effizienzgrad des konkreten Solarmoduls (Bauweise, Hersteller) abweichen.

2)   Dein Stromverbrauch während des Tages

Geld sparst Du mit einem Balkonkraftwerk nur, wenn Du den produzierten Strom auch selbst nutzen kannst. Ohne teuren Batteriespeicher muss die Energie dann verbraucht werden, wenn sie entsteht – tagsüber, während die Sonne scheint (natürlich produziert das Solarmodul auch bei Wolken etwas Strom). Frage Dich deshalb: Welche Geräte laufen bei Dir immer tagsüber oder täglich 24 Stunden lang? Bei Mietern sind das zum Beispiel Kühlschrank, Router und Standby-Geräte. Bei Hausbesitzern können weitere Geräte, etwa für die Heizung, dazukommen.

Wer im Home-Office arbeitet, sein Mittagessen oft zuhause kocht oder Geräte wie Waschmaschine und Spülmaschine so programmiert, dass sie tagsüber zeitversetzt hintereinander laufen, für den lohnt sich ein Balkonkraftwerk umso mehr. Der Eigenverbrauch und damit die Wirtschaftlichkeit einer Mini-PV-Anlage steigt, wenn Du Deinen Stromverbrauch in die Zeit der höchsten Stromerzeugung legst. Wer tagsüber kaum zuhause ist, sollte eine Anlage mit Stromspeicher zumindest in Betracht ziehen. Wie Du Deinen Stromverbrauch genauer analysieren kannst, liest Du im nächsten Kapitel.

Mehr zum Stromverbrauch von Haushalten und einzelnen Haushaltsgeräten findest Du auch in diesem Ratgeber.

3)   Der Preis für Strom aus dem Netz

Je mehr Dich eine Kilowattstunde Strom aus dem öffentlichen Netz kostet, desto größer ist die Ersparnis durch selbst produzierten Strom. Bis 2020 lag der durchschnittliche Strompreis in Deutschland noch bei unter 30 Cent. Doch durch den Krieg in der Ukraine sind die Energiekosten für Verbraucher 2022 deutlich gestiegen, sodass viele Kunden 40 Cent oder mehr pro Kilowattstunde Strom bezahlen müssen. Bei hohen Strompreisen amortisiert sich ein Balkonkraftwerk schneller. Ab dem Zeit­punkt, an dem Du die Investitionskosten hereingeholt hast, machst Du mit einer Mini-PV-Anlage Gewinn.

Zusammengefasst bedeutet das: Eine Mini-Solaranlage mit 600 Watt erzeugt im besten Fall rund 600 Kilowattstunden im Jahr. Verbrauchst Du einen großen Teil davon selbst, sinkt Deine jährliche Stromrechnung um bis zu 200 Euro. Denn Du vermeidest, teuren Strom für zum Beispiel 40 Cent pro Kilowattstunde aus dem Stromnetz zu kaufen. Bei einer kleineren 300-Watt-Anlage kannst Du mit einer Ersparnis von 50 bis 100 Euro im Jahr rechnen.

300W oder 600W: Welches Balkonkraftwerk lohnt sich?

Wenn Du Dein Verbrauchsverhalten kennst, kannst Du die passende Leistung einer Mini-PV-Anlage besser bestimmen. Deshalb empfiehlt es sich, Deinen Stromverbrauch zu analysieren. Besonders interessant ist dabei die Grundlast: Das ist der konstante, ständige Strombedarf Deines Haushalts. Die Grundlast ergibt sich demnach aus dem Stromverbrauch aller Geräte, die kontinuierlich laufen. Hast Du bereits einen digitalen Stromzähler oder sogar ein intelligentes Messsystem (Smart Meter), kannst Du die Verbrauchsdaten eines längeren Zeitraums stundenweise abrufen.

Ist bei Dir noch ein analoger Stromzähler mit Drehscheibe und Zählwerk installiert, kannst Du die Grundlast auf zwei Arten zumindest grob bestimmen. Erste Möglichkeit: Geh direkt vor dem Zubettgehen zum Zählerkasten, notiere Deinen aktuellen Zählerstand und die Uhrzeit. Nach dem Aufstehen schreibst Du sofort wieder Zählerstand und Uhrzeit auf. Aus Verbrauch und verstrichener Zeit kannst Du Deine Grundlast berechnen.

Eine Beispielrechnung (klicke hier zum Aufklappen)

Das Prinzip funktioniert natürlich auch tagsüber, wenn niemand zuhause ist, beziehungsweise keine Geräte zusätzlich Strom verbrauchen. Du kannst den Zähler zum Beispiel ablesen, wenn Du morgens zur Arbeit aus dem Haus gehst, und abends, sobald Du die Wohnung wieder betrittst.

Möglichkeit zwei: Du nutzt eine Messsteckdose, die Du zwischen Steckdose und Stromverbraucher steckst. Um die Grundlast zu berechnen, sammelst Du von sämtlichen ständig laufenden Geräten (auch Standby) die verbrauchte Wattzahl und addierst die Werte.

Kombiniere diese Messmöglichkeiten oder wiederhole die Messungen an mehreren Tagen, um die Grundlast genauer einschätzen zu können. Verschiedene Werte können alleine schon dadurch entstehen, dass der Kompressor Deines Kühlschrank mal häufiger, mal seltener anspringt, oder dass Dein Router mal mehr, mal weniger Daten aus dem Internet zieht. Auch Jahreszeiten können einen Unterschied machen: In einem Einfamilienhaus kommt die Heizungstechnik im Winter zur Grundlast hinzu.

Variante ohne Batteriespeicher

Die Grundlast Deines Haushalts zu kennen, hilft Dir, die Leistung eines Balkonkraftwerks ohne Batteriespeicher sinnvoll zu wählen. Liegt die Grundlast zum Beispiel bei 300 Watt und Deine Anlage hat eine maximale Leistung von 300 Watt, würde der erzeugte Strom zu 100 Prozent selbst genutzt. Das Balkonkraftwerk würde zu keinem Zeit­punkt überschüssigen Strom produzieren, der nicht verbraucht und deshalb ins Netz eingespeist wird.

Da Du aber tagsüber zusätzlich zur Grundlast Strom verbrauchst, wäre es in diesem Beispiel sinnvoller, eine Mini-PV-Anlage mit einer Leistung von 600 Watt zu installieren. Dadurch sinkt zwar der Eigennutzungsgrad, ein Teil des Stroms fließt ins öffentliche Netz ab. Insgesamt deckst Du damit aber einen weit größeren Teil Deines gesamten Strombedarfs ab und sparst dadurch mehr.

Gerade in Mietwohnungen und sparsamen Haushalten kann es vorkommen, dass die Grundlast viel niedriger liegt. 100 Watt oder weniger sind üblich. In solchen Szenarien ist es sinnvoll, sich ein eher kleineres Balkonkraftwerk anzuschaffen. Eine Leistung von 300 Watt könnte ausreichend sein, um tagsüber die Grundlast zu decken und an sonnigen Tagen zusätzliche Stromabnehmer teilweise zu versorgen.

Um konkrete Szenarien für ein Balkonkraftwerk durchzurechnen, kannst Du den Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin nutzen. Anhand von Stromverbrauch, Montageart der Solarmodule und An­schaf­fungs­kos­ten findest Du den zu erwartenden Stromertrag heraus und außerdem, wann sich die Investition bezahlt macht.

Variante mit Batteriespeicher

Mit dem HTW-Rechner kannst Du auch ein Balkonkraftwerk mit einem Batteriespeicher simulieren. Verfügst Du über einen Speicher, kannst Du Solarmodule mit höherer Leistung installieren und den Solarstrom auch dann nutzen, wenn das Kraftwerk gerade keinen Strom produziert. So kannst Du mehr der selbst produzierten Energie nutzen.

Den Eigenverbrauch auf 100 Prozent zu maximieren, ist dabei gar nicht so einfach. Ein Beispiel: Wenn Du im Jahr über 3.000 Kilowattstunden Strom benötigst, müsstest Du bei einer installierten Solarleistung von 500 Watt einen Speicher mit einer Kapazität von 1000 Wattstunden (1 Kilowattstunde) installieren, um sämtlichen von der Anlage erzeugten Strom selbst verbrauchen zu können. Immerhin rund 500 Kilowattstunden, also ein Sechstel Deines jährlichen Strombedarfs, liefert Dir dann die eigene Anlage.

Solch ein Batteriespeicher erhöht Deine Investitionskosten allerdings beträchtlich, obwohl die Preise für Speichertechnologien in den vergangenen Jahren insgesamt zurückgegangen sind. Prüfe deshalb vor einem Kauf, ob sich ein Speicher tatsächlich lohnt. Zudem musst Du die Leistungsfähigkeit und die Anschlussmöglichkeiten des Batteriespeichers berücksichtigen. Ohne die Möglichkeit, den gespeicherten Strom ans Hausnetz abzugeben, müsstest Du beispielsweise Deinen Fernseher abends direkt an den Speicher anschließen – das dürfte in vielen Fällen wenig praktikabel sein.

Entscheidend: Die Leistung des Wechselrichters

Ausschlaggebend für die Leistung eines Balkonkraftwerks ist nicht nur das Solarmodul. Entscheidend ist, was der Wechselrichter leistet: Er wandelt den erzeugten Strom um und speist ihn über die Steckdose ins Hausnetz ein. Um die vereinfachten Regeln für Installation und Anmeldung von Balkonkraftwerken nutzen zu können, darf die Leistung des Wechselrichters 600 Watt nicht überschreiten.

Viele Anbieter verkaufen Balkonkraftwerke mit einem 600-Watt-Wechselrichter und zwei Solarmodulen, wobei deren Gesamtleistung über die des Wechselrichters hinaus geht. So sind auch Balkonkraftwerke mit einer (potenziellen) Solarleistung von zum Beispiel 750 Watt möglich. Der Wechselrichter limitiert die maximal nutzbare Leistung zwar auf 600 Watt, jedoch könnten die Solarmodule ohnehin nur unter allerbesten Bedingungen 750 Watt erzeugen. Sind sie zum Beispiel nicht optimal zur Sonne ausgerichtet (das Optimum: nach Süden bei einer Neigung von etwa 35 Grad zum Boden), können die Module ihre Nennleistung von 750 Watt gar nicht erreichen, wie folgende Tabelle zeigt:

Maximalleistung des Moduls je nach Ausrichtung und Neigung

Ausrichtung
und Neigung
Abweichung
von Nennleistung
Süd, 60 Grad5 % weniger
Ost, 35 Grad10 % weniger
West, 35 Grad10 % weniger
Ost, 60 Grad20 % weniger
West, 60 Grad20 % weniger
Süd, 90 Grad30 % weniger
Ost, 90 Grad35 % weniger
Ost, 90 Grad35 % weniger

Die Prozentangaben sind gerundet.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 23. Juli 2021)

Über ein ganzes Jahr gesehen ist es daher sinnvoll, Module mit höherer Nennleistung mit einer etwas darunterliegenden Leistung des Wechselrichters zu kombinieren. Das Balkonkraftwerk kann so auch bei schlechtem Wetter, im Winter oder bei nicht optimaler Ausrichtung zur Sonne mehr Strom produzieren.

Balkonkraftwerk kaufen: Preise, Shops und Sicherheit

Balkonkraftwerke sind von der Mehrwertsteuer befreit: Bis 2022 wurden beim Kauf einer Mini-Solaranlage 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Das Jahressteuergesetz 2022 sieht vor, dass für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen bis 30 kWp seit 1. Januar 2023 eine Umsatzsteuer von null Prozent gilt. Damit werden auch Mini-Solaranlagen 2023 wieder günstiger – vorausgesetzt, die Anbieter geben die Steuerbefreiung vollständig weiter und erhöhen ihre Netto-Preise nicht. Mehr Infos dazu findest Du hier.

Bevor Du den Kauf eines konkreten Balkonkraftwerks in Erwägung ziehst, solltest Du wissen, welche Leistung für Deinen Haushalt sinnvoll ist. Wie das geht, hast Du im vorherigen Kapitel erfahren. Für eine schnelle Einschätzung dient auch der Richtwert, den die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz angibt: Liegt der Jahresstromverbrauch des Haushalts unter 2.500 Kilowattstunden, genügt ein 300-Watt-Solarmodul. Bei höheren Verbräuchen lohnen sich oft zwei Solarmodule.

Viele Balkonkraftwerke kannst Du über das Internet kaufen. Dort haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Online-Shops etabliert: Priwatt, Yuma oder GreenAkku gehören zu den gängigen Anbietern in Deutschland. Dazu gehören auch die Unternehmen PluginEnergy, das auch besonders leichte und flexible Solarmodule anbietet, und AlphaSolar. Letztere werben mit Abholstationen in ganz Deutschland, bei denen die Lieferkosten entfallen. Auch manche Baumärkte, Elektrofachgeschäfte und Supermarkt-Ketten haben Mini-Solaranlagen im Angebot.

Das kostet eine Mini-Solaranlage

Die Preise für Balkonkraftwerke haben sich im Laufe des Jahres 2022 bei vielen Händlern verteuert. Die Preise für Komplettpakete mit Solarmodul, Wechselrichter, Anschlusskabel und Montagematerial lagen vor der Preissteigerung für 300-Watt-Anlagen bei rund 450 bis 600 Euro. Für die Anlagenklasse von 600 Watt wurden Preise zwischen 650 bis 800 Euro aufgerufen. Mittlerweile verlangen viele Anbieter aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage und teurer Lieferketten oft mehr. Die folgende Tabelle bietet eine grobe Preisübersicht.

Komplettpaket: Solarmodule, Wechselrichter, Anschlusskabel und Montagematerial für BalkonbefestigungPreisspanne der Online-Preise bei fünf großen Anbietern
Ein Solarmodul, 300 Watt Wechselrichter600 bis 750 Euro (Durchschnitt: 658 Euro)
Zwei Solarmodule, 600 Watt Wechselrichter1000 bis 1300 Euro (Durchschnitt: 1094 Euro)

Ausgewertet wurden stichprobenartig die Preise der Online-Händler Priwatt, Yuma, GreenAkku, AlphaSolar und PluginEnergy für Mini-Solaranlagen mit Befestigung am Balkongeländer, ohne Lieferkosten.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Oktober 2022).

Mini-PV-Anlagen sind damit kein Schnäppchen mehr. Aus finanzieller Sicht zahlt sich die Anschaffung in den meisten Fällen aber nach einigen Jahren aus. Da 2023 die Mehrwertsteuer von bisher 19 Prozent komplett wegfällt, sind Balkonkraftwerke jetzt wieder günstiger zu haben. Achte beim Kauf auf eventuelle Lieferkosten und Lieferzeiten – oft dauert es Wochen, bis die Anbieter die Anlagen ausliefern können.

Du kannst die Einzelkomponenten eines Balkonkraftwerks theoretisch auch getrennt voneinander kaufen, Solarmodule werden auch gebraucht angeboten. Vorteil: Möglicherweise kommst Du so insgesamt günstiger weg. Nachteil: Im Garantiefall kann es zu Schwierigkeiten kommen – zudem musst Du genau darauf achten, dass die Komponenten zusammen betrieben werden dürfen. Finanztip rät deshalb zum Kauf eines Komplettpakets.

Ver­si­che­rung für Dein Balkonkraftwerk

Die meisten Haft­pflicht­ver­si­che­rungen sollten Schäden übernehmen, die durch einen potenziellen Defekt oder ein Herabfallen des Balkonkraftwerks hervorgerufen werden. Frage bei Deinem Versicherer nach. Für den Fall, dass die Anlage einen Brand verursacht, und auch, um ihren Wert selbst zu versichern, brauchst Du in der Regel eine Hausratversicherung. Erkundige Dich vor dem Kauf eines Balkonkraftwerks, ob Dein Versicherer diese Absicherung einschließt. Wenn nicht, kannst Du in eine andere Hausratversicherung wechseln oder eine extra Pho­to­vol­ta­ik­ver­si­che­rung abschließen.

Auf diesen Sicherheitsstandard solltest du achten

In jedem Fall musst Du dafür sorgen, dass Deine Anlage sicher ist. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), ein Fachverband, der sich für den Ausbau Erneuerbarer Energien einsetzt, hat für Balkonkraftwerke den Sicherheitsstandard DGS 0001 entwickelt. In der Marktübersicht der DGS kannst du prüfen, welche Anlagen den Standard erfüllen. Bei grün markierten Modellen wurde der Sicherheitsstandard zertifiziert, entsprechende Geräte tragen auch ein Siegel der DGS. Gelb bedeutet, dass der Hersteller selbst angibt, die DGS-Standards einzuhalten. Rot sind alle anderen, ungeprüften Fälle markiert. Nicht alle Hersteller durchlaufen diese mit Kosten verbundene Zertifizierung. Achte deshalb beim Kauf auf vertrauenswürdige Händler mit Sitz in Deutschland oder der EU.

Innerhalb des Projekts „Steckersolar“ erarbeiten die Mitglieder derzeit eine Produktnorm für Stecker-Solar-Anlagen sowie Prüfverfahren für die Systeme. Die Inhalte der Norm umfassen die Witterungsbeständigkeit der Systemkomponenten, die Sicherheit des Montagegestells, die elektromagnetische Verträglichkeit des Systems und genaue Vorgaben zur Steckverbindung der Anlage mit dem Hausnetz. 2023 soll die Produktnorm fertig werden. Sie soll die Grundlage für Produktion, Installation und Anschluss von Balkonanlagen bis 600 Watt Leistung sein.

Klimabilanz: EU-Solarmodule schneiden besser ab

Solarenergie spart CO2 ein und hilft dem Klima. Doch wie steht es eigentlich um die CO2-Bilanz der Solarmodule selbst? Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) kommt zu dem Ergebnis, dass die CO2-Emissionen für Herstellung, Transport und Entsorgung von Modulen rund 40 Mal niedriger sind, als wenn der Strom stattdessen durch Braunkohle erzeugt würde.

Das ISE hat in seiner Studie herausgefunden: Solarmodule aus der EU sind besonders klimafreundlich. Die Herstellung in Europa erzeugt demnach 40 Prozent weniger CO2 als in China, was am unterschiedlichen Strommix der Länder liegt. Neben der Herkunft spielt außerdem die Bauart eine Rolle: Ganz in Glas eingefasste Glas-Glas-Module sollen eine höhere Lebensdauer als Module mit Rückseitenfolie haben. Letztere verfügen zudem über einen Aluminiumrahmen, der die CO2-Bilanz verschlechtert. Wenn Dir die Ökobilanz Deiner Anlage wichtig ist, solltest Du diese Faktoren bei der Kaufentscheidung berücksichtigen.

Was musst Du vor Installation einer Balkonanlage beachten?

Deinen Vermieter überzeugen

Wohnst Du zur Miete, dann kläre vorab:

  • Fall 1: Möchtest Du das Balkonkraftwerk direkt auf Deinem Balkon oder im Garten aufstellen, brauchst Du normalerweise kein Einverständnis. Sicherheitshalber solltest Du die Einwilligung Deines Vermieters dennoch einholen. Stimmt Dein Vermieter der Installation nicht zu, dann weise ihn auf ein Urteil des Amtsgerichts Stuttgart hin (vom 30. März 2021, Az. 27 C 2283/20). In diesem erkannte der Richter einen Anspruch des Mieters auf Installation und Betrieb einer Stecker-Solar-Anlage. Zu dem Rechtsstreit kam es, weil der Mieter trotz ablehnender Haltung des Vermieters ein System auf dem Balkon angebracht hatte. Daraufhin verklagte der Vermieter den Mieter und scheiterte.

  • Fall 2: Du möchtest die Anlage außen am Balkongeländer oder an der Fassade installieren. Prüfe zunächst: Ist das Anbringen von Modulen am Balkon oder an der Fassade im Mietvertrag untersagt? Enthält der Mietvertrag keine entsprechende Regelung, brauchst Du dennoch das Einverständnis des Vermieters. Argumentiere mit dem Umweltschutz, der als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, sowie mit der sicheren Installation der Anlage und Deinem Ver­si­che­rungs­schutz, um eventuelle Bedenken auszuräumen. Bringt Dein Vermieter triftige Gründe gegen diese Installationsform vor, musst Du das in vielen Fällen akzeptieren.

2023 ist die Energiewende so nötig wie noch nie, gleichzeitig verändert sich auch so viel wie noch nie. Nutze diese Argumente, wenn Dein Vermieter einem Balkonkraftwerk ablehnend gegenübersteht und sie zum Beispiel als „optisch störend“ bezeichnet. Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, verpasste Hausverwaltern und Vermietern einen kleinen Seitenhieb, als er zum Jahreswechsel in einem offenen Brief appellierte: „Für eine Mitmach-Energiewende sind die Mini-Module unverzichtbar und definitiv ein positiver optischer Reiz in vielen Fassadenbildern.“

Zudem könnten Balkonkraftwerke per Gesetz schon bald als „privilegierte Maßnahme“ verankert werden. Dann müsste Dein Vermieter Deinem Vorhaben zustimmen. Das Bundesjustizministerium hat gegenüber Finanztip im November 2022 bestätigt, dies zu prüfen. Mini-Solaranlagen an Deutschlands Balkonen sind politisch also erwünscht, 2023 wurden sie sogar von der Mehrwertsteuer befreit. Das überzeugt womöglich auch Deinen Vermieter.

Die Steckdose: Schuko statt Wieland

Balkon-Solaranlagen kannst Du direkt in die Steckdose in der Wohnung, im Garten oder auf dem Balkon stöpseln. Nach einer Marktstudie sind die meisten Systeme über eine ganz normale, sogenannte  Schutzkontaktsteckdose (auch Schuko-Steckdose) angebunden, rund 20 Prozent über eine sogenannte Wieland-Steckdose.

Darf denn jede Stecker-Solar-Anlage an eine Schuko-Steckdose? Das war in Fachkreisen umstritten. 2023 zeichnet sich eine Wende ab: Nachdem Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, sich Ende 2022 klar für den Anschluss an eine normale Steckdose aussprach, reagierte im Januar 2023 der Elektrotechnik-Verband VDE. Früher als vehementer Gegner des Schuko-Steckers bekannt, möchte der VDE den Anschluss eines Balkonkraftwerks per Schuko-Stecker in Zukunft dulden, wenn der Wechselrichter den üblichen Vorgaben entspricht. Das soll auch in die neue VDE-Norm für Mini-Solaranlagen einfließen.

Wir halten deshalb schon jetzt den Anschluss per Schuko-Stecker für sicher. Halte Dich aber unbedingt an die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS):

  • Du darfst die Stecker-Solaranlage nur an eine wettergeschützte Wandsteckdose schließen, nicht an eine Mehrfach-Verteilersteckdose.

  • Die Steckdose, an die Du das Modul schließt, muss im Anschlusskasten über einen Sicherungsautomaten gesichert sein. Bei Schraubsicherungen muss ein Elektriker eine kleinere Sicherung eindrehen.

  • Damit Du Dir beim Einstöpseln keinen Stromschlag holst, muss die Stecker-Solaranlage dem Sicherheitsstandard der DGS entsprechen. Welche Systeme den Anforderungen entsprechen, listet die DGS auch auf.

Die momentan noch bestehende VDE-Norm, die mittlerweile der Verband selbst nicht mehr für nötig erachtet (siehe oben), sieht vor, dass für Anlagen bis mit zu 600 Watt die Steckdose eine „spezielle Energiesteckvorrichtung“ sein muss (VDE 0100-551-1). Diese muss berührungssicher und verwechslungssicher sein, beschreibt eine zweite Norm (VDE V 0628-1). Möchtest Du diese Norm befolgen, um Dein Balkonkraftwerk anzuschließen, müsstest Du einen Elektriker damit beauftragen, eine Wieland-Steckdose zu installieren – das kostet schnell einen dreistelligen Betrag.

Viele Fachleute, die für die Energiewende kämpfen, kommen zu dem Schluss: Ein Balkonkraftwerk an einer Schuko-Steckdose ist sicher. Denn alle gängigen Wechselrichter (Norm: VDE AR-N-4105) trennen die Spannung am Stecker in Sekundenbruchteilen, sobald er aus der Steckdose gezogen wird.

Es kann dennoch sein, dass der Netzbetreiber für sein Verteilnetz noch festgelegt hat, dass eine Schuko-Steckdose nicht den technischen Anforderungen entspricht. Informiere Dich daher vor Kauf einer Balkon-Solaranlage, was Dein Netzbetreiber vorsieht. Möglich ist, dass er die Installation einer berührungssicheren Steckdose verlangt. Weise ihn dann aber auch auf die aktuellen Entwicklungen hin.

Optional: Wieland-Steckdose einbauen lassen

Der Zentralverband der Deutschen elektro- und informationstechnischen Handwerke (ZVEH) empfiehlt eine Steckdose vom Typ Wieland. Eine solche benötigst Du auf jeden Fall, wenn Du mehr als 600 Watt an die Steckdose schließen willst. Der dreipolige Wieland-Stecker ist berührungssicher und verwechslungssicher. Bei vielen Stecker-Solaranlagen kannst Du beim Kauf auswählen, mit welchem Stecker sie geliefert werden soll.

Welche Leistung darfst Du an eine Wieland-Dose schließen? Die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) führt aus, dass Steckdose und Stecker nach Vornorm DIN VDE V 0628-1 für bis zu 16 Ampere Stromstärke zugelassen sein müssen. Die Wirkleistung der Anlage sollte damit nicht mehr als 3,3 Kilowatt betragen.

Die Wirkleistung der Anlage ist gewöhnlich kleiner als die Nennleistung, die auf dem Typenschild steht. Denn die Nennleistung gilt unter idealen Bedingungen: Ausrichtung der Module nach Süden, Neigung um 35 Grad, keine Verschattung und eine hohe Sonnenstrahlung, die in Deutschland nur an manchen Sommertagen erreicht wird. Trifft das nicht zu, wird die Nennleistung im Betrieb nie erreicht. Du kannst deshalb mehr als 3,3 Kilowatt installieren. Größer als 4,6 Kilowatt sollte Deine Anlage aber nicht sein. Beachte: Für Balkonkraftwerke, die mehr als 600 Watt leisten, gilt das vereinfachte Anmeldeverfahren nicht, unter anderem darfst Du die Anlage nicht selbst anmelden und in Betrieb nehmen. Allgemein gelten dieselben Regeln wie für größere PV-Anlagen.

Ein Elektriker setzt Dir die benötigte Wieland-Steckdose und prüft die vorhandene Leitung des Stromkreises. Kostenpunkt: Etwa 150 Euro. Ist die Anlage mit der Steckdose verbunden, musst Du Deinen Netzbetreiber darüber informieren.

Netzbetreiber fragen: Brauchst Du einen neuen Stromzähler?

Die Stecker-Solaranlage soll Deinen Bedarf an Netzstrom verringern. Trotzdem wirst Du zu bestimmten Zeiten wahrscheinlich mehr Solarstrom produzieren, als Du gerade benötigst. Dann fließt der Überschuss ins Stromnetz ab. Damit sich Dein Stromzähler nicht rückwärts dreht, brauchst Du eine Rücklaufsperre, andernfalls machst Du Dich strafbar.

Die analogen, sogenannten Ferraris-Zähler, bei dem sich eine Scheibe hinter einem Fenster dreht, haben meist keine Rücklaufsperre. Die Rücklaufsperre erkennst Du an einem schwarzen Zahnrad-Symbol mit einem Stopper. Digitale Stromzähler verfügen bereits standardmäßig über eine Rücklaufsperre. Dein zuständiger Mess­stel­len­be­trei­ber (meist ist das der Netzbetreiber) baut Dir einen solchen Zähler ein. Bei Anlagen mit weniger als 1.000 Watt Leistung sollte der Einbau kostenfrei sein. Als jährliche Miete dürfen höchsten 20 Euro verlangt werden, analoge Zähler kosten meist etwa 8 Euro jährlich.

2023: Zählertausch bald nicht mehr notwendig?

Der VDE hat sich im Januar 2023 zudem dafür ausgesprochen, künftig auch rückwärtslaufende Stromzähler zu akzeptieren, wenn das Balkonkraftwerk maximal 800 Watt leistet. Sollte das umgesetzt werden, müsstest Du einen analogen Ferraris-Zähler nicht mehr wegen einer neuen Mini-Solaranlage austauschen. Bis es so weit ist, solltest Du diese Frage aber mit Deinem Stromnetzbetreiber klären.

Einen eigenen Zähler für eingespeisten Strom oder einen Zweirichtungszähler zu setzen, ist bei Anlagen unter 800 Watt Leistung nicht vorgeschrieben. Trotzdem gibt es Netzbetreiber, die genau das verlangen: einen Einspeisezähler für kleinste Strommengen. Das Messstellenentgelt, quasi die Miete für den Zähler, sollte 20 Euro im Jahr betragen. Für den Einbau des Zählers verlangen die Firmen zusätzlich dreistellige Beträge – dann dauert es deutlich länger, bis sich die Stecker-Solaranlage für Dich bezahlt macht.

Welche Pflichten hast Du bei Stecker-Solaranlagen?

Stecker-Solaranlagen verursachen den geringsten bürokratischen Aufwand unter allen Photovoltaik-Systemen, die ans Stromnetz angeschlossen werden. Dennoch hast Du einige Pflichten zu beachten. Zwei haben wir weiter oben schon besprochen: Wohnst Du zur Miete, frage Deinen Vermieter um Erlaubnis. Und: Kläre mit Deinem Netzbetreiber, ob eine Zählertausch notwendig ist. Damit bleiben noch drei weitere Punkte.

Anlage ins Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter eintragen

Installierst Du Deine Anlage an einem festen Ort und verknüpfst sie mit dem Hausnetz, musst Du sie ins Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter eintragen und bei ihrem Abbau auch wieder austragen. Die Registrierung solltest Du spätestens einen Monat nach Installation vornehmen. Nicht ins Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter musst Du eine Anlage eintragen, wenn Du sie nicht konstant an einem Ort betreibst. Ferner ist der Eintrag nicht nötig, wenn es sich um ein Inselsystem handelt, also die Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge in ein eigenes Netz einspeist, das nicht mit dem öffentlichen Verteilnetz verbunden ist.

Den Netzbetreiber informieren

Du musst Deinen Netzbetreiber über die Anlage in Kenntnis setzen, wenn Du sie in Betrieb nehmen willst. Wenn Du ihm das Meldeformular des VDE für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz schickst, hast Du diese Pflicht erfüllt. Die Meldung über das Formular muss jeder Netzbetreiber akzeptieren. Stellt der Netzbetreiber eigene Formulare bereit (die oft mit weniger Aufwand auszufüllen sind), dann nutze diese. In Bayern und Nordrhein-Westfalen etwa bieten die Netzbetreiber eigene Formulare zur Anmeldung.

Vergütung auf eingespeisten Strom

Speist Du Solarstrom ins öffentliche Stromnetz, hast Du theoretisch Anspruch auf die sogenannte Einspeisevergütung. 2023 würdest Du für Strom aus einem Balkonkraftwerk 8,2 Cent pro Kilowattstunde bekommen. Aber: Beziehst Du diese Einspeisevergütung, kommen bürokratische und technische Pflichten auf Dich zu. Verzichte deshalb bei einem Balkonkraftwerk auf die Vergütung und "verschenke" sozusagen den eingespeisten Strom, den Du selbst nicht verbrauchen kannst.

Denn obwohl sich die steuerliche Betrachtung von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ab 2023 vereinfacht, musst Du einiges beachten und Kosten auf Dich nehmen, um Geld für Deinen eingespeisten Strom zu bekommen. Du musst zunächst dem Netzbetreiber mitteilen, dass Du eine PV-Anlage betreibst und die Einspeisevergütung beanspruchst. Daraufhin bekommst Du einen Stromzähler installiert, der die eingespeiste Strommenge misst. Kostenpunkt: Mehr als 100 Euro einmalig und 20 Euro Messstellengebühr pro Jahr. Hat Deine Stecker-Solaranlage mehr als 1 Kilowatt Leistung, darf Dir der grundzuständige Mess­stel­len­be­trei­ber auch ein intelligentes Messsystem für maximal 60 Euro im Jahr einbauen (§ 29 Abs. 2 MsbG). Bis Ende Februar eines Jahres hast Du dem Netzbetreiber dann mitzuteilen, wie viel Strom Du im Vorjahr eingespeist hast.

Förderprogramme und Zuschüsse für Balkonkraftwerke

Die Politik macht Balkonkraftwerke 2023 attraktiver: Die Geräte sind seit 1. Januar faktisch von der Umsatzsteuer befreit. Es gilt ein Mehrwertsteuersatz von 0 statt bisher 19 Prozent. Das kann man als eine Art der bundesweiten Förderung von Balkonkraftwerken verstehen.

Daneben gibt es immer mehr Förderprogramme und Zuschüsse für den Kauf von Stecker-Solaranlagen. Zahlreiche Städte und Gemeinden bezahlen Dir einen Teil der An­schaf­fungs­kos­ten. Auch einzelne Bundesländer legen 2023 Förderprogramme für Balkonkraftwerke auf. Vorreiter war das Land Mecklenburg-Vorpommern, das Mini-PV-Anlagen pauschal mit bis zu 500 Euro fördert. Eine Liste der Förderprogramme für Balkonkraftwerken haben wir für Dich in einem eigenen Ratgeber zusammengestellt.

Mehr dazu im Ratgeber Balkonkraftwerk-Förderung

  • Immer mehr Städte zahlen Dir einen Zuschuss, wenn Du eine Balkon-Solaranlage kaufst. Förderprogramme gibt es auch von einzelnen Bundesländern.

  • Oft kannst Du so Hunderte Euro beim Kauf sparen.

  • Prüfe mithilfe unserer Liste, ob es in Deinem Bundesland oder Deiner Kommune Zuschüsse für Balkonkraftwerke gibt.

Zum Ratgeber

Beachte zwei Dinge, wenn Du Förderprogramme in Anspruch nehmen möchtest. Erstens: Bei einigen Programmen musst Du bereits vor dem Kauf den Antrag stellen, um einen Zuschuss zu bekommen. Bei anderen wiederum reichst Du nach dem Kauf die Rechnung ein, um Geld zurückzubekommen. Zweitens: Einzelne Kommunen fordern, dass Du das Balkonkraftwerk per spezieller Energiesteckdose (Wieland-Stecker) anschließt.

Achte deshalb immer genau auf die jeweiligen Förderbedingungen. Mit einem Zuschuss rechnet sich Deine Balkon-Solaranlage natürlich noch schneller.

Autoren
Benjamin Weigl
Ines Rutschmann

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