Pflegereform: Musst Du 2027 mehr in die Pflegekasse einzahlen?
Ab Januar 2027 zahlen mehrere Millionen Menschen voraussichtlich deutlich höhere Pflegebeiträge. Mit wie viel mehr musst Du rechnen, wenn Du betroffen bist?

Ab Januar 2027 zahlen mehrere Millionen Menschen voraussichtlich deutlich höhere Pflegebeiträge. Mit wie viel mehr musst Du rechnen, wenn Du betroffen bist?


Wer gut verdient, könnte 2027 spürbar mehr in die Pflegeversicherung einzahlen. Denn: Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) soll deutlich steigen. Das sieht der Regierungsentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vor. Betroffen wären Beschäftigte, die mehr als 69.750 Euro brutto im Jahr verdienen.
Wie sich das auf Deinen Lohnzettel auswirken könnte, hat Finanztip durchgerechnet.
Wer beispielsweise 6.300 Euro brutto verdient und ein Kind hat, zahlt aktuell rund 105 Euro monatlich. Ab 2027 wären es hingegen etwa 113,40 Euro monatlich, die an die Pflegekasse gehen. Das sind 8,40 Euro mehr im Monat als heute, die Dein Arbeitgeber von Deinem Lohn einbehält. Beschäftigte ohne Kinder, die außerhalb Sachsens leben, trifft es deutlich empfindlicher: Momentan zahlen sie bei einem Bruttoeinkommen von 6.300 Euro knapp 140 Euro monatlich in die Pflegekasse. Im kommenden Jahr wären es rund 170 Euro im Monat. Damit würden Dir über 360 Euro im Jahr künftig auf dem Konto fehlen.
Schon heute gilt: Beiträge zur Pflegeversicherung berechnet Dein Arbeitgeber nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze, eben der Beitragsbemessungsgrenze. Aktuell liegt sie bei 5.812,50 Euro brutto im Monat. Verdienst Du mehr, fallen auf den Teil Deines Einkommens oberhalb dieser Grenze keine Pflegebeiträge an.
Der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sieht vor, dass die Grenze auf 6.375 Euro steigen soll. Das wären im Vergleich zu heute rund 563 Euro mehr beitragspflichtiges Einkommen.
Verdienst Du nicht mehr als die BBG von 5.812,50 Euro monatlich, ändert sich für Dich im kommenden Jahr nichts. Liegt Dein Einkommen zwischen der alten und der neuen Grenze, würdest Du künftig auch auf den Teil Deines Gehalts Pflegebeiträge zahlen, der bisher beitragsfrei war. Ist Dein Bruttolohn höher, erreichst Du die maximale Mehrbelastung.
Achte darauf, dass Dein Arbeitgeber nicht zu viel Pflegebeitrag einbehält. Kontrolliere daher unbedingt Deine erste Gehaltsabrechnung aus 2027, ob Beitragssatz und Abschläge stimmen. Mit dem Finanztip-Rechner berechnest Du übrigens ganz leicht Deinen individuellen Beitrag.
Bei Unstimmigkeiten wendest Du Dich am besten an die Personalabteilung oder Lohnbuchhaltung. Dafür kannst Du unser Musterschreiben nutzen.
Der allgemeine Beitragssatz für Eltern mit einem Kind liegt bei 3,6 Prozent. Den teilen sie sich hälftig mit dem Arbeitgeber. Demzufolge gibst Du 1,8 Prozent Deines Bruttoeinkommens an die Pflegekasse ab. Ab dem zweiten bis zum fünften Kind reduziert sich der Pflegebeitrag für sie um je 0,25 Prozentpunkte – solange der Nachwuchs jünger ist als 25 Jahre.
Neben Abschlägen profitieren Eltern auch davon, dass sie dauerhaft vom Kinderlosenzuschlag befreit sind. Für kinderlose Arbeitnehmer kommt auf die 1,8 Prozent ein Aufschlag obendrauf von aktuell 0,6 Prozent. Insgesamt zahlen sie also 2,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll der Kinderlosenzuschlag auf 0,9 Prozent ansteigen– dann wären es 2,7 Prozent.
Dass Gutverdienende 2027 auf einen deutlich größeren Teil ihres Einkommens Pflegebeiträge zahlen sollen, liegt daran, dass die BBG auf 6.375 Euro monatlich steigen soll. Das hat mehrere Ursachen. Zum einen wird die BBG jährlich angepasst; dazu kommt 2027 eine Sonderanhebung von jährlich 3.600 Euro. Zum anderen sieht das PNOG vor, dass die Beitragsgrenze im kommenden Jahr auf die BBG in der Krankenversicherung steigt.
Allein im Jahr 2027 soll das finanzielle Defizit der gesetzlichen Pflegeversicherung bei 7,6 Milliarden Euro liegen. Durch die Erhöhung der BBG erwartet das Gesundheitsministerium im kommenden Jahr Mehreinnahmen von rund 500 Millionen Euro.
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