Tipps & Tricks

Wie günstiges Geld aus Japan die Börsen bewegt

Ein steigender Yen kann die Börsen weltweit unter Druck setzen. Wir erklären Dir, was der Yen Carry Trade damit zu tun hat und was das für Deinen langfristigen Vermögensaufbau bedeutet.

Finanztip Redaktion
Von Timo Halbe, Martha Falkenburger
Yen Carry

Vor zwei Wochen haben die japanische und die US-Regierung mit Unterstützungskäufen für den Yen für viel Aufmerksamkeit an den Finanzmärkten gesorgt. Doch warum schaut die Börsenwelt überhaupt so genau auf die japanische Währung?

Ein Grund dafür ist der sogenannte “Yen Carry Trade”. Bei diesem Geschäft leihst Du Dir Geld in Japan, wo die Zinsen vergleichsweise niedrig sind. Die Yen tauschst Du zum Beispiel in US-Dollar und investierst das Geld dort, wo Du eine höhere Rendite erwartest.

Das kann sich lohnen: In Japan liegt der Leitzins bei etwa 1 %, in den USA bei 3,5 bis 3,75 %. Also versucht man, von diesem Unterschied zu profitieren. Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, hängt davon ab, worin das Geld investiert wird und zu welchen Konditionen der Kredit in Yen aufgenommen wurde. In der Realität fließt das Geld vor allem in US-Anleihen, aber auch in US-Aktien. 

Wenn der Yen steigt, wird es ungemütlich

In dieser Rechnung fehlt allerdings ein wichtiger Faktor: Neben den Zinsen entscheidet auch der Wechselkurs darüber, ob sich der Carry Trade lohnt. Steigt der Yen gegenüber dem Dollar, kann das zum Problem werden. Denn um die Kreditzinsen zu bezahlen, muss das Geld wieder von Dollar in Yen getauscht werden. Ist der Yen inzwischen stärker, fällt der Wechselkurs ungünstiger aus. Das kann den Zinsvorteil teilweise oder sogar ganz zunichtemachen.

Auch ein kleinerer Zinsunterschied zwischen Japan und den USA macht das Geschäft weniger attraktiv. Das kann passieren, wenn Japan die Zinsen erhöht oder die USA sie senken. Dann können Anleger ihre Carry Trades auflösen: Sie verkaufen ihre Anlagen, tauschen die Dollar zurück in Yen und zahlen ihre Kredite zurück. Dadurch steigt die Nachfrage nach Yen – und die japanische Währung kann noch stärker werden.

Der Dominoeffekt

Der stärkere Yen macht den Carry Trade zunehmend unattraktiv. Deshalb lösen Anleger ihre Investments auf und verkaufen dabei nicht nur Anleihen, sondern auch Aktien. Anschließend tauschen sie die Dollar zurück in Yen und zahlen ihre Kredite zurück.

So kann eine Kettenreaktion entstehen: Weil viele gleichzeitig Dollar in Yen tauschen, steigt die Nachfrage nach dem Yen – und damit sein Kurs. Dadurch lohnt sich der Carry Trade noch weniger und zusätzliche Investments werden aufgelöst. Die Verkäufe können schließlich auch die Aktienkurse weltweit unter Druck setzen.

Was bedeutet das für Dein Depot?

Welche Folgen das Auflösen von Yen Carry Trades außerhalb Japans haben kann, zeigte sich im August 2024: Am 5. August verlor der US-Leitindex S&P 500 rund 3 %. Yen Carry Trades waren zwar nicht der einzige Grund für die Turbulenzen, haben sie aber verstärkt.

Auch ein breit gestreutes ETF-Depot kann also kurzfristig von solchen Bewegungen betroffen sein. Das ist zunächst kein Grund, Deine Anlagestrategie zu ändern. Denn wann solche Bewegungen beginnen und enden, lässt sich kaum zuverlässig vorhersagen.

Der Yen Carry Trade zeigt vor allem, wie eng die Finanzmärkte miteinander verbunden sind. Entwicklungen in Japan können deshalb auch Aktien in anderen Ländern unter Druck setzen – selbst wenn sich bei den Unternehmen selbst kaum etwas verändert hat.

Für Deinen langfristigen Vermögensaufbau heißt das: Lass Dich von kurzfristigen Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen. Statt auf den richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu spekulieren, solltest Du breit gestreut investieren und langfristig dabeibleiben. So musst Du Dir keine Gedanken darüber machen, wie sich die Börsen als Nächstes entwickeln.

Du solltest auf breit gestreute Aktien-ETFs setzen. Dazu zählen der State Street SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66), der Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25) und der iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259). Das passende Depot findest Du in unserem Depotvergleich. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet aus unserer Sicht Traders Place. Aber auch Smartbroker+ Depot, Scalable Capital Free Broker und Flatex Depot können wir empfehlen.

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